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Dienstag, 5. April 2011

Night Thoughts


Night, sable goddess! from her ebon throne,
In rayless majesty, now stretches forth
Her leaden sceptre o’er a slumbering world.
Silence, how dead! and darkness, how profound!
Nor eye, nor listening ear, an object finds;
Creation sleeps. ’Tis as the general pulse
Of life stood still, and nature made a pause;
An awful pause! prophetic of her end.
And let her prophecy be soon fulfill’d;
Fate! drop the curtain; I can lose no more.
Silence and darkness: solemn sisters! twins
From ancient Night, who nurse the tender thought
To reason, and on reason build resolve
(That column of true majesty in man),
Assist me: I will thank you in the grave;
The grave, your kingdom: there this frame shall fall
A victim sacred to your dreary shrine.
But what are ye?—


Ich könnte jetzt sagen and it goes on and on. Tue ich aber nicht. Obgleich das Gedicht noch seitenlang so weitergeht. Aber es ist seltsam, ich mag das. Wenn man anfängt, Edward Young zu lesen, hüllt einen die sable goddess night nicht nur ein, man ist gezwungen, von der ersten bis zur neunten Nacht weiter zu lesen. Es sind ja nur vierhundert Seiten. Was ist schon Zeit? Time wasted is existence; used is life und We take no note of time But from its loss. Für Zitate ist das Buch immer gut.

Bei seinem Erscheinen in der Mitte des 18. Jahrhunderts begeisterte das Buch Leser in ganz Europa. ➱Novalis hat die Night Thoughts genau gelesen, seine Hymnen an die Nacht verraten das. Und der Einfluss auf Goethe kann (nicht nur wegen Youngs Ausführungen über das Originalgenie) gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die ganze deutsche Sturm und Drang Bewegung wäre ohne ihn nicht denkbar.

Die Night Thoughts von Edward Young wurden umgehend ins Deutsche, Französische, Italienische und Spanische übersetzt. In Deutschland konkurrierten sogar mehrere ➱Übersetzungen miteinander. Ich habe eine zweibändige zweisprachige Ausgabe, die 1760-1761 in Hannover bei Johann Wilhelm Schmidt erschienen ist. Der Übersetzer ist Chr. B. Kayser, er hat statt des englischen Blankverses für die Übersetzung den Hexameter gewählt. Der Link oben führt zu der bekannteren Übersetzung von Johann Arnold Ebert, doch es macht kein wirkliches Vergnügen, die Night Thoughts am Bildschirm zu lesen. Eine englische Ausgabe ist von der Cambridge University Press erhältlich. Deutsche Übersetzungen findet man antiquarisch, man sollte eine aus dem 18. Jahrhundert nehmen, sie sind nicht unerschwinglich. Es gibt einem ein schönes zeitloses Gefühl, dieses Werk in einer alten Ausgabe zu lesen.

Mit Youngs Nachtgedanken und dem ganzen Komplex der Graveyard Poetry haben die Engländer schon wieder etwas Neues, das geradezu epidemisch auf ganz Europa wirkt. Melancholie und Mondschein (noch nicht Mandolinen und Mondschein), elegische Trauer, Gräber und Ruinen. Im 18. Jahrhundert kommt beinahe alles aus Großbritannien. Von den Möbeln (Sheraton, Hepplewhite, Chippendale) bis zur Philosophie (Burkes Ästhetik und die schottischen Aufklärer). Auch auf dem Kontinent kaufen sich Gentlemen eine englische Uhr und kleiden sich englisch wie Goethes Werther. Und lesen englische Romane. Und lesen natürlich den Doktor der Theologie Edward Young, der heute vor 246 Jahren starb. We take no note of time But from its loss.


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