In some empty hall, my brother is still singing. His voice hasn't dampened yet. Not altogether. The rooms where he sang still hold an impression, their walls dimpled with his sound, awaiting some future phonograph capable of replaying them. So beginnt der Roman →The Time of Our Singing (Der Klang der Zeit) des amerikanischen Schriftstellers Richard Powers. Ich fand das einen großartigen Romananfang; die →New York Times offenbar auch, denn sie druckte damals das ganze erste Kapitel ab. Es ist ein Roman über die Musik, die die Hauptfiguren erfüllt. 640 Seiten Familiengeschichte und amerikanische Geschichte, Weiß und Schwarz, Judentum und Christentum. Geschichte eines Wunderkinds, dessen Stimme man nicht vergisst. Es ist über zwanzig Jahre her, dass ich den Roman gelesen habe, aber die erste Seite mit In some empty hall, my brother is still singing und John Dowlands ✺Time stands still with gazing on her face, die habe ich noch im Kopf. Und das war das erste, das mir einfiel, als ich den letzten Eintrag in dem Timmdorfer Blog Die Nachtgazette las.
Ich bin nicht in einer leeren Halle, ich höre hier keinen Kontratenor John Dowland singen. Ich höre Jazz. Hauptsächlich die CDs aus Achim Körnigs Sendung Round Midnight, die habe ich schon ein halbes Dutzend mal in meinem Blog erwähnt. Auch in dem Nachruf, den ich für Joachim Körnig im letzten Jahr schreiben musste. Er wusste nicht nur alles über Jazz, er schrieb auch noch neben seinem Beruf, neben dem Angeln und dem Tennisspielen. So, wie er mal das Streiflicht für die Süddeutsche geschrieben hatte. Einen eigenen kleinen Blog namens Nachtgazette. Mit eigenen Karikaturen. Als er den Tod vor Augen hatte, war er dabei, ein Buch zu gestalten, in dem die besten Stücke aus seinem Blog erscheinen sollten. Ich habe in meinem Nachruf gesagt: Vielleicht führt seine Familie ja diese Arbeit fort.
Und das tut sie, sogar der Blog Nachtgazette wird weitergeführt. Und Anfang des Jahres erschien mit →Die Nachtgazette – Satire, Kultur und Gesellschaft eine Auswahl der besten Texte, Karikaturen und Photographien aus seinem Blog als Taschenbuch. Der Band versammelt Beiträge aus fast zwanzig Jahren Nachtgazette – Stücke, die ihm besonders Freude bereitet haben und die seinen Blick auf Politik, Gesellschaft und Alltag vielleicht am besten widerspiegeln. Die Arbeit an diesem Buch war sein letztes großes Herzensprojekt.
Das fand ich sehr schön. In some empty hall, my brother is still singing. His voice hasn't dampened yet. Not altogether. The rooms where he sang still hold an impression, their walls dimpled with his sound. Irgendjemand wird immer zuhören, wenn eine außergewöhnliche Stimme erklingt. Und vielleicht wird auch immer irgendjemand lesen, was Blogger zu sagen haben, till heavens changed have their course and time hath lost his name.


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