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Mittwoch, 19. März 2014

Charles M. Russell


My heroes have always been cowboys, hat Waylon Jennings gesungen. Und an dieser Stelle möchte ich mal eben daran erinnern, dass es in diesem Blog natürlich schon einen Post ➱Waylon Jennings gibt. Und ich habe ➱hier auch noch eine schöne Waylon Jennings Dokumentation für C&W Fans, die auch My heroes have always been cowboys heißt. Leider gibt es nur Cover Versionen von dem Song im Netz, ich habe mir eine davon herausgepickt, die Magie des Originals ist irgendwie immer noch da. Klicken Sie doch mal ➱hier.

I grew up a-dreamin' of bein' a cowboy
And lovin' the cowboy ways
Pursuin' the life of my high-ridin' heroes
I burned up my childhood days
I learned of all the rules of the modern-day drifter
Don't you hold on to nothin' too long
Just take what you need from the ladies, then leave them
With the words of a sad country song
My heroes have always been cowboys
And they still are, it seems
Sadly, in search of, but one step in back of
Themselves and their slow-movin' dreams


My heroes have always been cowboys, hätte Charles Marion Russell, der heute vor 150 Jahren geboren wurde, auch von sich sagen können. Dies hier ist ein Detail aus dem obigen Bild, das Charles M. Russell and his Friends heißt. Hier ist der Maler des amerikanischen Westens besser zu sehen. Mehr als zweitausend Bilder hat er gemalt, wenn Sie einen kleinen Eindruck von seinem Werk bekommen wollen, dann klicken Sie ➱hier. Sein großer Konkurrent in dieser Zeit ist der Maler und Bildhauer ➱Frederic Remington, dessen Werke sicherlich künstlerisch besser als die von Russell sind. Ich habe ➱hier eine interessante Museumsseite, wo sie Werke beider Künstler sehen können.

Bilder und Geschichten vom Westen haben am Ende des 19. Jahrhunderts Konjunktur. Ned Buntline schreibt seine Groschenhefte über Buffalo Bill. ➱Buffalo Bill zieht seinen Westernzirkus auf, und Owen Wister schreibt den ersten Westernroman The Virginian (Remington wird eine Ausgabe des Romans illustrieren). Der ➱Roman The Virginian, diese romantische Verherrlichung des Westernhelden, ist Theodore Roosevelt gewidmet. Einem Mann, der lieber Cowboy als Präsident gewesen wäre. Und der mit seinem Buch The Winning of the West (1889-96) eine mehrbändige Geschichte des amerikanischen Westens geschrieben hatte.

Dies ist die Zeit, in der der amerikanische Mythos vom Westen gemacht wird. Der so wenig mit der historischen Wirklichkeit zu tun hat. Der amerikanische Literaturprofessor Leslie A. Fiedler hat gesagt: The American writer inhabits a country at once the dream of Europe and a fact of history; he lives on the last horizon of an endlessly retreating vision of innocence — on the “frontier”, which is to say the margin where the theory of original goodness and the fact of original sin come face to face. Und an einer anderen Stelle sagt Fiedler: To be an American (unlike being English or French or whatever) is precisely to imagine a destiny rather than to inherit one; since we have always been, insofar as we are Americans at all, inhabitants of myth rather than history. Besser kann man es wohl nicht formulieren: inhabitants of myth rather than history. Außer man singt: My heroes have always been cowboys And they still are, it seems Sadly, in search of, but one step in back of Themselves and their slow-movin' dreams.

Als Roosevelt und sein Freund Owen Wister schreiben, hat gerade Frederick Jackson Turner mit The Significance of the Frontier in American History eine historisch zweifelhafte Zauberformel für die Geburt der amerikanischen Nation aus dem Kampf um den Westen geliefert (lesen Sie ➱hier mehr dazu). Jeder amerikanische Präsident in den kommenden hundert Jahren nach Turner wird die frontier in seine Reden hineinschreiben. Na ja, amerikanische Präsidenten schreiben ihre Reden nicht selbst, Woodrow Wilson war der letzte, der das tat. Das Photo hier ist in dem Parlamentssaal des Montana State Capitol gemacht worden, es zeigt die Abgeordneten vor dem Bild Lewis and Clark Meet the Flathead Indians at Ross' Hole von Charles M. Russell. Politik und Wilder Westen gehen immer noch zusammen.

Es ist nur passend, dass das Bild dort hängt, denn in Montana hat Russell den größten Teil seines Lebens verbracht. Und da ich schon bei Montana bin, sollte ich einen Artikel von Leslie A. Fiedler zitieren, der Montana; or The End of Jean-Jacques Rousseau heißt (➱hier im Volltext). Das ist ein Klassiker der Wissenschaft, geschrieben von einem genialischen Freak der Kulturwissenschaft. Saul Bellow hat über ihn gesagt: Leslie Fiedler is the "BEST" thing that ever happened to American literature. Man sollte es fett drucken. In Montana erhielt Leslie Fiedler seine erste Professur, später bekam er Angebote aus der ganzen Welt, aber er ist Montana treu geblieben.

Ich wollte mal zu einer Tagung, auf der Leslie Fiedler sprechen sollte. Aber dann hieß, er komme nicht. Er war ja wie eine Diva - oder wie ein Starpianist (obgleich ➱Glenn Gould und ➱Arturo Benedetti Michelangeli vielleicht gar nicht so viele Konzerte abgesagt haben, wie ihnen nachgesagt wurde). Also habe ich meine Anmeldung rückgängig gemacht. Und was ist passiert? Zur großen Überraschung der Veranstalter kam Leslie Fiedler doch. Soll sogar Tischtennis mit den Tagungsteilnehmern gespielt haben. Ich ärgere mich noch heute, dass ich nicht zur Tagung gefahren bin.

Ich habe mit Waylon Jennings angefangen, ich höre mit ihm auf. Genauer gesagt mit einem Gedicht von Red Shuttleworth, das Waylon Jennings (1974) heißt und sich in dem chapbook Brief Lives findet:

The guitar skitters, jumps. It's a pounding
bad-ass surly song: Take your sorry chances.
'cause gloom is what we all deserve,
for this is Pay Later Day, but if you can
battle past it, finally truth your way around
the cactus, she'll be there in a black Cadillac,
Love. It's a Wednesday, probably, sweat and dread.
He takes a pull off a bottle of whiskey,
can't seem to sleep on the ebony Silver Eagle
somewhere between Chickasha and Mineral Wells.
It's a gambler's soup and losers end at sixty
in furnished rooms feeding D-Con to rats.
He laughs, jots down some lines on a girl
with a nest of vultures in her topaz eyes.


Für den Fall, dass Sie noch nie von Red Shuttleworth gehört haben sollten: das ist der Dichter des heutigen amerikanischen Westens. Ich habe ihn in meinem Blog schon häufiger erwähnt. Habe auch eine kleine Würdigung seines Werkes geschrieben (klicken Sie ➱hier), die als Einführung in die Welt des Dichters dienen kann. Aber das Beste ist: gehen Sie zu dem ➱Blog von Red und fangen Sie an zu lesen. Es lohnt sich.

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