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Dienstag, 11. Dezember 2018

18 Miles of Books


Diese junge Dame werden sie vielleicht nicht kennen. In New York kennt man sie, Nancy Bass Wyden hat sich gerade mit dem Denkmalschutz angelegt, man möchte die Buchhandlung zu einem kulturellen Denkmal erklären. Was ins Geld gehen wird, und Buchhandlungen geht es in den Tagen der Marktbeherrschung durch Amazon nicht so gut, wo viele kleine Buchhandlungen in New York schließen mussten. Die Buchhandlung, in der Nancy steht, ist nicht irgendeine Buchhandlung, es ist das größte Antiquariat der Welt. 18 miles of books steht am Haus dran. Etliche Meter von den achtzehn Meilen haben auch ihren Weg in meine Bibliothek gefunden, denn ich bin Jahrzehnte Kunde von The Strand Bookstore gewesen. Und ich habe als Leiter der Fachbibliothek natürlich auch Bücher für die Bibliothek gekauft. Also all das, was uns unser Ausnahmebuchhändler Nolan E. Smith nicht so preisgünstig liefern konnte.

Benjamin Bass (auf dem linken Bild zu sehen, auf dem rechten Bild ist sein Sohn Fred) war aus Litauen nach Amerika gekommen, mit 28 Jahren macht er seinen ersten Buchladen auf. Weltwirtschaftskrise und Great Depression sind ein schlechter Zeitpunkt dafür, aber Bass kommt durch. Von den 48 Buchläden im Viertel wird nur der Laden überleben, den Benjamin Bass nach der Londoner Straße The Strand benannt hat. Er hat das Glück, dass sein Vermieter (einer der letzten aus der Stuyvesant Familie) keinem der kleinen Buchhändler die Miete kündigt. Benjamin ist zwei Jahre mit der Miete im Verzug, aber er wird alles zurückzahlen. Er kann gut mit Menschen umgehen, sein Laden zieht Berühmtheiten an. Er ist stolz, Kurt Vonnegut und Saul Bellow zu seinen Kunden zu zählen.

Fünfzig Jahre hatte Benjamin Bass in seinem Laden gestanden, sein Sohn Fred Bass, der Anfang des Jahres im Alter von 89 Jahren starb, wird 77 Jahre im Laden zu finden sein. Der immer größer und größer wird. Als ich Fred Bass schrieb, dass die deutsche Cartoonistin Franziska Becker den Strandbook Store in ihr Reisetagebuch New York, New York hinein gezeichnet hat, hat ihn das sehr interessiert. Er fragte, ob er eine Kopie der Seiten bekommen könnte. Bekam er natürlich, sogar eine Farbkopie.

Antiquariate haben es heute nicht leicht. Herr Eschenburg in Kiel weiß ein Lied davon zu singen (und Wilsberg in Münster geht es auch nicht so gut). Aber Nancy Bass Wyden steht mit dem geerbten Geschäft gut da. Wir wollen mal hoffen, dass das so bleibt.

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