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Sonntag, 12. April 2026

Schmetterlinge im Eis


Herbert Grönemeyer wird heute siebzig, da muss man gratulieren. Seit beinahe einem halben Jahrhundert singt er, und er tritt immer noch auf. Wenn wir die Wörter Bochum und Currywurst lesen, denken wir zuerst an Grönemeyer. Mit den Jahren sind seine Texte immer poetischer geworden, spätestens als er Der Weg sang. Und da nehmen wir doch heute mal einen Text von ihm. Er heißt Schmetterlinge im Eis und war das letzte Lied auf seinem zehnten Studioalbum:

hab dir viel aufgehalst
auf dir abgestellt
dein herz umgedreht
deine nerven zerrissen
dein stehvermögen ausgereizt
dich angezählt
deinen guten willen zum stehkragen aufgepumpt
deinen blick unendlich getrübt
dir übermenschliches abverlangt

meinen wahn abgeteilt
in deinem zimmer jede ecke eingeklagt
für mein falsches los
dich vergöttert, geplättet, zerrüttet
mit meiner sucht nach trost
meine knoten zum lösen überlassen
meine wogen zum glätten vermacht
hast jede welle ruhig ans ufer gelegt

was ich verdiente, hast du mir gegeben
den gerechten preis habe ich bezahlt
brauch dich zurück zum überleben
deine schmetterlinge im eis

keiner spricht meine sprache
kauft mir meine erinnerungen ab
kein gebot
keiner holt meinen koffer
eröffnet mein verfahren
zahlt die kaution
keiner verschafft mir ein alibi
keiner nimmt mein gnadengesuch an
keiner, der mich mit der wahrheit verschont

was ich verdiente, hast du mir gegeben
den gerechten preis habe ich bezahlt
brauch’ dich zurück zum überleben
deine schmetterlinge im eis

keiner weint meine tränen
keiner leidet
keiner übernimmt meinen bann
keiner macht ungeschehen
fängt für mich von vorn an
keiner löst meine schlinge
setzt mein urteil aus
keiner besticht den henker
löst mich auf dem alptraum heraus
keiner ändert das drehbuch
keiner setzt den film ab
keiner betet für mich
keiner, der mir deine meinung sagt
keiner verrät mir das codewort
gibt mir deinen aufenthaltsort preis
treib auf einem einsamen berg
brauch deine schmetterlinge im eis…

Aber da ist noch ein anderer, der heute Geburtstag hat, und das ist der Barni. Den kenne ich seit über dreißig Jahren, seit ich an einem schönen Sommertag auf dem Flohmarkt eine Uhr bei ihm kaufte. Ich habe über die Jahre viel bei ihm gekauft. Zu echten Freundschaftspreisen. Der Barni wird auch schon, als ich anfing zu bloggen, in dem Post Flohmarkt erwähnt. Er fand immer erstaunliche Sachen, die orangegelbe Doxa 300 T habe ich auch von ihm. Die Zenith AF/P auch. Er zeigt mir alles, was er hat, aber er verkauft nicht alles. Von der Eternamatic Super Kontiki wollte er sich zuerst nicht trennen, aber dann landete die Superuhr doch bei mir. Zu einem Freundschaftspreis. Ich habe in dem Post meine Uhrmacher über den Barni gesagt, dass er schon zu einem Freund geworden ist, und das ist er wirklich.

Die letzte Uhr, die ich bei ihm kaufte, ist diese schöne Alpina Siegerin aus dem Jahre 1940. Sieht in der Wirklichkeit noch besser aus als auf dem Photo, und hat jetzt ein schöneres Band. Ihr ihr tickt das rechteckige Kaliber 490, das noch mit einer Weicheisenkalotte ummantelt ist, das schützt vor Magnetismus. Deshalb konnte die Firma auch antimagnetisch auf den Gehäuseboden schreiben. Es gab von der Uhr auch ein wasserdichtes Modell, das sehr, sehr selten ist. Siegerin ist ein Markenname von Alpina und Dugena, er findet sich auf vielen Dienstuhren der Kriegsmarine. Wenn da noch KM auf dem Zifferblatt steht, zahlen Sammler heute schon fünfhundert Euro für solch eine Uhr. Ich habe zwei von den Dingern, haben mich vor dreißig Jahren zehn Mark das Stück gekostet. Gehen nach über achtzig Jahren immer noch. Die Alpina Uhren (die hier schon einen Post haben) mit den Werken von Marc Favre sind unverwüstlich.

Ich weiß nicht, ob der Barni, der früher in einer Band spielte, bevor er Flohmarkthändler wurde, Herbert Grönemeyer mag. Die Herbert Grönemeyer Uhr von Wempe mit einem Eta Werk für 2.950 Euro wird der Barni bestimmt nicht mögen. Da kann man nur mit Grönemeyer fragen: Was soll das? Die Uhr ist zwar rechteckig wie meine Siegerin, hat aber nicht die Klasse einer alten Alpina. Der Barni hat sowieso bessere Uhren als diese Grönemeyer Uhr hier. Das letzte Mal, da ich ihn sah, hatte er eine alte Omega Seamaster 300 am Arm. So etwas hat Stil. 

Und viel Stil hat natürlich die alte rechteckige Alpina Siegerin. Ich habe da ein kleines Sondersammelgebiet: rechteckige Uhren aus den 1930er Jahren, da passt sie hin. Manche Uhren haben schon Stoßsicherungen wie die Wagner select und die wasserdichte Eterna. Die schöne Cyma mit dem drei Tage Werk läuft nur noch 30 Stunden, keine 72 Stunden mehr. Weil heute kein Fourniturenhändler eine Feder für ein Cyma 334 Werk mit der Dreiviertelplatine finden kann. Ist aber (siehe Photo) ein schönes Werk. 15 Steine und Genfer Streifenschliff. Meine beiden Lieblingsuhren aus der rechteckigen Abteilung sind die beiden Moeris, die jeder kurvigen Gruen oder jeder Movado Curviplan  Konkurrenz machen.

Und bevor ich mich jetzt (mit der Siegerin am Arm) mit dem Thema Uhren festschreibe, muss ich doch die Geburtstagsgrüße loswerden: Happy Birthday HerbieHappy Birthday Barni!
 

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