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Dienstag, 13. Januar 2026

das sechzehnte Jahr

Das fünfzehnte Bloggerjahr endete damit, dass ich die Zahl von 50.000 Lesern im Monat Dezember knapp verfehlte. Ein französischer Professor, den ich nicht kenne, wünschte mir alles Gute für das neue Bloggerjahr: Félicitations pour vos 16 an(s) d’ancienneté chez Blogger!, das war sehr nett. Ich antwortete ihm mit einem Merci. Eine Firma namens Cloud-Support-Team teilte mir mit, dass sie alle meine Photos aus der Cloud löschen würde, weil ich meine Rechnungen nicht bezahlt hätte. Ich kenne die Firma nicht, die diese Phishing Mails verschickt, und ich habe keine Photos in der Cloud. Ich hätte am 4. Januar etwas zum zehnten Todestag von Maja Maranow schreiben können, die ich gerade auf der DVD von ✺Der König von St Pauli wiedersah, aber das war mir zu traurig.

Ich kämpfte die ersten Tage des Jahres mit dem Computer, da ich, als mir mein Mac ein Upload anbot, auf die falsche Taste gedrückt hatte. Ich habe jetzt Tahoe statt Sequoia auf dem Computer, neu, schrill und grellbunt. Manches ist besser, manches geht überhaupt nicht mehr. Ich konnte keine Bilder mehr in meinen Blog laden. Und was ist mein Blog ohne Bilder? Dies hier von mir am Computer wollten Sie doch unbedingt sehen. Weil da neben mir auf dem Schreibtischeine Seiko Luxusuhren liiegen. Der Techniker von der Firma, von der ich den Computer habe, musste mit dem TeamViewer eine Viertelstunde im System herumstochern, bis er herausfand, wie das System zu überlisten war.

Wird das sechzehnte Bloggerjahr gut? Ich weiß es nicht, ich werde mich bemühen. Wahrscheinlich wird es nicht ganz so gut, wie das sechzehnte Jahr in meinem Berufsleben, long, long ago. Da hätte ich mit Frank Sinatra singen können it was a very good year. Ich hatte ich gerade ein neues Buch auf dem Markt, und ein Buch aus den siebziger Jahren, von dessen Honorar ich mir damals einen neuen Golf hatte kaufen können, erschien in der dritten Auflage. Dann kamen noch ein halbes Dutzend Buchbesprechungen und vier Aufsätze. Zu sehr unterschiedlichen Themen: Fitzgeralds Great Gatsby, William Cullen Bryants Sonett auf Thomas Cole, die Romane von John le Carré und die Anders Zorn Ausstellung in der Kieler Kunsthalle. Da hatten mich drei Skandinavistik Studentinnen überredet, für die Zeitschrift norröna zu schreiben. Alles mit der Maschine (Olympia International) getippt. Von Suhrkamp hatte ich mein Manuskript zurückgeschickt bekommen, weil es in der Form nicht der Suhrkamp Hausnorm entspracht. Ich hatte nach dem MLA Style Shet geschrieben, das machen alle Anglisten der Welt. Ich sagte den Leute bei Suhrkamp, diese marginalen Änderungen könnte doch ein Lektor machen. Konnte nicht, sie hatten keine Lektoren mehr. Ich tippte es noch mal. Computer und Internet waren für mich noch weit weg.

Jetzt gehören Sie zu meinem Leben. Und Googles KI schreibt über mich: Der Blog gilt als einer der niveauvollsten deutschsprachigen Kultur-Blogs. Kann ich da schon mit Montaigne J’ay faict ce que j’ay voulu: tout le monde me recognoist en mon Livre et mon Livre en moy sagen? Oder soll ich das Zitat umwandeln in Jay faict ce que Jay voulu ? Aber an dem tout le monde me recognoist en mon Livre et mon Livre en moy ist schon etwas dran. Ich warte noch ein wenig ab, man weiß nie, was kommt. Ich halte mich an Candides Satz Il faut cultiver son jardin.


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