Montag, 11. September 2017

Last night of the proms


Das schönste musikalische Erlebnis an meiner Schule war keine Chordarbietung des berühmten Chors von ➱Ernst Meißner, sondern der Mann, der nur mit einem Stapel Noten auf die Bühne kommt und fünfzig Pfennig kostet. Fünfzig Pfennig kostete auch der grauenhafte, spuckende, adelige Rezitator ➱Horst Bogislaw von Schmelding, der Schillers Glocke und ähnliche ungeliebte Gedichte aufsagte. Oder der Mann, der seine Schlangen in der Turnhalle zeigte. Aber dieser kleine Mann mit den wirren Haaren lässt von einigen Schülern den Flügel über die Bühnenkante der Aula nach vorne kippen, setzt sich an das Instrument, wo ihn jetzt jeder im Saal dank des gekippten Flügels gut sehen kann, und spielt und singt die ganze Dreigroschenoper.

Zusätzlich gewürzt durch Songs aus The Beggar’s Opera von ➱Gay und Pepusch. Er verwandelt sich mit jedem Part, er ist Captain Macheath und Tiger Brown. Er ist Polly Peachum und die Seeräuber Jenny: Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen und ich mache das Bett für jeden. Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell. Und Sie sehen nur die Lumpen und dies lumpige Hotel, und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden... 

Ich weiß seinen Namen nicht mehr, in meinem alten Tagebuch steht nur 20. Januar 1960 Dreigroschenoper. Ist ein bisschen doof von mir gewesen, den Namen des Mannes nicht dazuzuschreiben. Er war mit seinen Auftritten damals schon ziemlich berühmt geworden. Ich bin ihm für diesen Abend ewig dankbar, ich habe das nie vergessen.

Es ist ein ähnliches Erlebnis wie Helmut Qualtinger wenige Jahre später. Für dessen Lesung von Die letzten Tage der Menschheit im Beethovensaal in Hannover hatte ich eine Karte gekauft, kostete etwas mehr als die 50 Pfennig für die Dreigroschenoper 1960. Es sind dreizehn Leute im Saal, ein Saal, in den tausend Leute gehen. Wenn ich Qualtinger wäre, würde ich jetzt wieder gehen. Qualtinger tritt auf, blickt einmal durch den leeren Saal und bittet uns dann im schönsten Wienerisch, dass wir uns doch um ihn herum in die erste Reihe zu setzen, san’s kommod. Setzt sich auf die Bühnenkante, zum Greifen nahe und rezitiert das ganze Stück von Karl Kraus, ganz privat und ohne den Text zu konsultieren.

Der Pianist mit den wirren Haaren in unserer Aula konnte etwas, was nicht jeder kann: er konnte Kurt Weill singen. Und das ist nichts für jeden, ich kann das nur wiederholen. Das wurde uns am Sonnabendabend demonstriert, als Nina Stemme in der Royal Albert Hall in der Last Night of the Proms auftrat. Das musikalische Ereignis, das ➱Sir Henry Wood ehrt, überträgt N3 nun schon seit 35 Jahren, ich habe es selten verpasst. Ist Kult. Muss sein.

Der Dirigent am Sonnabend war der Finne Sakari Oramo. Er trug einen Frack mit einer weißen Weste. Das war allerdings keine Frackweste, sondern eine hochgeschlossene Weste. Dazu hatte er eine schwarze Schleife umgebunden, exzentrisch. Allerdings nur im zweiten Teil des Konzerts, im ersten trug er einen weißen Plastron. Er trug auch stolz seinen OBE Orden, der ihm ehrenhalber verliehen wurde. Den dürfte er als Ausländer gar nicht tragen, aber wen interessiert es? Die Last Night of the Proms ist längst zum Karneval geworden.

Nachdem Jerusalem, God Save the Queen und Auld Lang Syne gesungen waren, sendete der NDR noch die Hannover Proms. Dort dirigierte der Engländer Andrew Manze (Bild). Er trug ein Frackhemd, aber keine weiße Weste, dafür aber schwarze Hosenträger. Die Herren Dirigenten wären gut beraten, wenn sie mal den Post ➱Fräcke in diesem Blog lesen würden. In Hannover begann man mit der ➱1812 Ouvertüre, allerdings ohne Kanonen.

Lassen Sie mich zu Nina Stemme zurückkehren. Die war schon im ersten Teil mit ihrem Paradestück, dem Liebestod aus ➱Tristan und Isolde, aufgetreten: As always at the Last Night a star singer was on hand, to bring some glitz to the occasion. Wagnerian soprano Nina Stemme hasn’t been having a good summer – she cancelled a string of dates at the Salzburg Festival – and her entry at the beginning of the Liebestod from Wagner’s Tristan and Isolde was tentative and oddly husky. But eventually her voice recovered its bloom, and the ending was as radiant as it should be. Klingt nicht gerade großartig. War's auch nicht.

Im zweiten Teil verließ Frau Stemme die ➱Wagnerschen Gefilde, in denen sie Hause ist, und wandte sich den zwanziger Jahren zu. Sie begann mit der ➱Loreley: Back in the days of knights and armour, There once lived a lovely charmer; Swimming in the Rhine, Her figure was divine! She had a yen for all the sailors, Fishermen and gobs and whalers; She had a most immoral eye, They called her Lorelei. She created quite a stir, And I want to be like her! Die Sopranistin bewies wieder einmal, dass Opernsängerinnen so etwas nicht singen können. Ihre Lorelei ersoff jämmerlich in der Albert Hall. Ella Fitzgerald kann das singen, Nina Stemme nicht. Vergleichen Sie einmal ➱Ella mit Nina Stemme (bei ➱2.10 in dieser Radiofassung). Und dann musste die Schwedin ja noch unbedingt Kurt Weill singen (Surabaya Johnny aus Happy End und The Saga of Jenny aus Lady in the dark). Hätte sie lassen sollen. Lotte Lenya hatte auch nie vor, den Liebestod zu singen.

Tja, und dann kam Surabaya Johnny aus ➱Happy End. Einer Operette mit Songs von Brecht und Weill, die bei ihrer Uraufführung floppte, aber viele ihrer Songs bekamen ein Eigenleben. Zum Beispiel der Bilbao Song, wir lassen mal eben ➱Ute Lemper singen. Der ➱Song from Mandalay war ein etwas krampfhafter Versuch, an Kiplings Mandalay anzuknüpfen (dazu gibt es ➱hier einen schönen Post, der auch eine plattdeutsche Übersetzung von Kiplings Mandalay enthält, einmalig im Internet). Aber Surabaya Johnny hat sich ewig gehalten:

Ich war jung, Gott, erst sechzehn Jahre
Du kamest von Birma herauf
Und sagtest, ich solle mit dir gehen
Du kämest für alles auf
Ich fragte nach deiner Stellung
Du sagtest, so wahr ich hier steh
Du hättest zu tun mit der Eisenbahn
Und nichts zu tun mit der See
Du sagtest viel, Johnny
Kein Wort war wahr, Johnny
Du hast mich betrogen, Johnny, in der ersten Stund
Ich hasse dich so, Johnny
Wie du da stehst und grinst, Johnny
Surabaya-Johnny, warum bist du so roh?
Surabaya-Johnny, mein Gott, ich liebe dich so.
Surabaya-Johnny, warum bin ich nicht froh?
Du hast kein Herz, Johnny, und ich liebe dich so.

Ich habe seit Jahrzehnten die CD Lost In The Stars: Songs Of Kurt Weill, da singt Dagmar Krause den ➱Surabaya Johnny. Ist nicht ganz ➱Lotte Lenya - an die kommt niemand heran - ist aber auch gut. Vielleicht hätte sich ➱Nina Stemme mal die Platte mit Lotte Lenya anhören sollen. Es gibt zu dem Thema von Mandalay und Surabaya Johnny ein interessantes Buch: Burma, Kipling and Western Music: The Riff from Mandalay von Andrew Selth. Ist sauteuer, wie alle Bücher von Routledge, aber man kann Teile davon bei Google Books lesen.

Ganz zum Schluss trat Nina Stemme noch einmal auf. Als wagnerianische Walküre verkleidet sang sie Rule Britannia. Ähnliche Gags gibt es ja in jedem Jahr, da kann man nichts falsch machen. Die Engländer singen das Lied von ➱Dr Arne gerne, vor allem seit es nach der Brexit Ankündigung mit Britannien bergab geht. Da ist nichts mehr mit Britannia rule the waves. Andererseits: Finnische Dirigenten (plus ➱Finlandia), eine finnische Komponistin (➱Lotta Wennäkoski), schwedische Soprane, deutsche Komponisten - wollen die Engländer den Brexit wirklich?

Samstag, 9. September 2017

Egmond aan Zee


Ich stehe hoch und kann und muß noch höher steigen; ich fühle mir Hoffnung, Mut und Kraft. Noch hab ich meines Wachstums Gipfel nicht erreicht; und steh ich droben einst, so will ich fest, nicht ängstlich stehn. Das sagt jetzt nicht der Blogger Jay, der gerade eine halbe Million Leser mehr hat als am Tag von Donald Trumps ➱Amtseinführung. Das lässt Goethe den Grafen Egmont sagen. Der heute vor 450 Jahren vom Herzog von Alba wegen Hochverrats gefangen genommen wurde. Egmont war Ritter des Goldenen Vlieses, er unterlag keiner weltlichen Gerichtsbarkeit. Nur die Ordensritter konnten über ihn richten. Und so sagt er auch bei Goethe: Wir werden uns verteidigen können. Er rufe die Ritter des Vlieses zusammen, wir wollen uns richten lassen.

Und zum Fürsten von Oranien, der mit einer seiner Verwandten verheiratet ist, sagt er: Nein, Oranien, es ist nicht möglich. Wer sollte wagen, Hand an uns zu legen? – Uns gefangenzunehmen, wär' ein verlornes und fruchtloses Unternehmen. Nein, sie wagen nicht, das Panier der Tyrannei so hoch aufzustecken. Der Windhauch, der diese Nachricht übers Land brächte, würde ein ungeheures Feuer zusammentreiben. Und wohinaus wollten sie? Richten und verdammen kann nicht der König allein; und wollten sie meuchelmörderisch an unser Leben? – Sie können nicht wollen. Ein schrecklicher Bund würde in einem Augenblick das Volk vereinigen. Haß und ewige Trennung vom spanischen Namen würde sich gewaltsam erklären. Es wäre Zeit zur Flucht gewesen, ein Freund sagt ihm: Seigneur comte, les oiseaux qui ont la liberté du champ chantent bien mieux que ceux qui sont caigés.

Nicht bei Goethe steht, dass Egmond zum Abschied zu Wilhelm von Oranien gesagt hat: Adieu, Graf ohne Land! Worauf Oranien ihm antwortete: Adieu, Graf ohne Kopf! Das findet sich in einer in einer volkstümlichen holländischen Erzählung. So wird es kommen, der Herzog Alba (Bild) schert sich einen Dreck um das Goldene Vlies. Oranien entkommt dem Spanier, Graf Egmont wird hingerichtet. Friedrich Schiller hat uns das sehr genau ➱beschrieben. Man weiß aber nicht, ob alles stimmt, was der Historiker Schiller sagt. Was uns Goethe in seinem ➱Egmont schildert, das stimmt so auf keinen Fall.

Man hat Alba den Henker der Niederlande genannt, und man hat ein Schmähgebet für ihn erfunden:

Teufel unser, der zu Brüssel du haust, verflucht sei dein Name, vor dem uns graust; von uns dein Reich sich wende zu lang ersehntem Ende; dein Wille mag nie erfüllet werden, wie nicht im Himmel, so nicht auf Erden. Du nimmst uns heute unser täglich’ Brot, Weiber und Kinder leiden viel Not; keinem erläßt Du seine Schuld, drum bewahr’ uns alle vor deiner Huld. Stets wirst du uns in Versuchung führen, so lang diese Lande dein Wüten spüren. Himmlischer Vater, der über uns thront, mach, daß dieser Teufel uns verschont, samt seinem falschen, blutigen Rat, der stets nur Böses im Sinne hat, und schick’ seine spanische Kriegermeute zurück in die Hölle, dem Satan zur Beute. Amen

In den Niederlanden gibt es heute immer noch einen Ort Egmond, der aus mehreren Ortsteilen besteht, hier hat ihn Jacob van Ruisdael gemalt. Der größte Ort ist Egmond aan Zee, ein Badeort, heute mit Hotels und Appartementwohnungen zugepflastert bis an den Strand. Furchtbar. Vor fünfzig Jahren war das anders, damals war ich mit meiner Familie da im Sommerurlaub. Wir wohnten in einem Hotel, das um 1900 bestimmt einmal vornehm gewesen war, aßen abends aber immer in einem Lokal, das in den Strand hineingebaut war. Ich bestellte jedes Mal das Paprikaschnitzel und ein Tuborg. Auf keinen Fall Heineken, oder wie die holländische Grachtenpisse so heißt. Ich habe nie wieder so gutes Paprikaschnitzel gegessen.

Das mit dem Paprikaschnitzel vergesse ich nie. Ansonsten war der Urlaub durchwachsen wie das Wetter. Und es gab, erstaunlich für das verschlafene Holland, die ersten randalierenden Jugendlichen, die in einer Nacht das Auto neben uns auf dem Hotelparkplatz zertrümmerten. ➱Nicolas Freeling hat dieses Phänomen in Because of the Cats beschrieben. Mein Vater liebäugelte damals mit dem neuen Modell Ford Zodiac, und wir machten viele Probefahrten durch Holland. Der Zodiac sollte in Deutschland zum Kampfpreis von zehntausend Mark auf den Markt kommen, kam aber nicht. Mein Vater kaufte dann den blauen Opel Admiral, als er sah, dass die Sache mit dem ➱Borgward P 100 keinen großen Sinn machte, weil ➱Borgward vor der Pleite stand.

Ich hatte damals schon meinen Führerschein und bekam manchmal den Wagenschlüssel. Fuhr immer nach Amsterdam, was neben dem Paprikaschnitzel das Beste an dem Urlaub war. In Amsterdam gab es damals einen Austin Reed Laden, wo es auch Chester Barrie gab. Damals bedeutete Austin Reed noch etwas. Natürlich haben wir alle auch Kirchen, Klöster und Museen in Egmond und Umgebung besucht. Die Ruine des Grafenschlosses, das seit dem 16. Jahrhundert zerstört ist, auch (es war übrigens Wilhelm von Oranien, der das Schloss zerstören ließ). Die Egmonts hatten seit dem 11. Jahrhundert die Schirmherrschaft über die älteste holländische Abtei, daher haben sie auch ihren Namen. Aber ich wusste damals nichts über die Grafen von Egmont. Gar nichts. Na ja, Beethovens ➱Egmont Ouvertüre kannte ich schon. Ich beschloss, dass ich alles über den Grafen herausfinden würde, wenn ich wieder zu Hause war. Ich war früher zu Hause als meine Eltern.

Als Kapitän Janssen an einem Sonntag zu Besuch war und noch in der gleichen Nacht zurückfahren wollte, sah ich meine Chance. Ich fragte meine Eltern, ob ich mit Hein Janssen zurückfahren dürfte, dann könnte ich am Montagmorgen noch mit der Evangelischen Jugend nach Langeoog fahren. Meine Eltern hatten nichts dagegen. Hein Janssen hatte auch nichts dagegen, denn er hatte schon so viel oude Genever und Heineken getrunken, dass er gar nicht mehr hätte fahren dürfen.

Das einzige Problem war sein ➱Opel, dessen Getriebe kaputt war. Wenn man einmal einen halbwegs geeigneten Gang drin hatte, musste man damit fahren, schalten ging nicht, nicht einmal mit Zwischengas. Ich bin in der Nacht von Holland bis Grohn im dritten Gang gefahren und durfte keinen Augenblick anhalten. Die Straßen waren damals noch nicht so gut wie heute. Wir haben uns einen kleinen Grenzübergang ausgesucht, wo alle Grenzer schon schliefen und die Schranken oben waren. Und als wir frühmorgens in Bremen waren, waren die Ampeln glücklicherweise noch nicht wieder angeschaltet, wir brauchten nie zu bremsen. Wenn Sie wissen wollen, wie dieser Sommer weitergeht, müssen Sie diesen ➱Post anklicken. Dieser Blog erzählt eine unendliche Geschichte.


Wir lassen jetzt mal für einen Augenblick junge Frauen in Langeoog, Strand und Sonnenöl weg und kommen zum Grafen Egmont zurück. Er ist nie am Strand von Egmond an Zee spazierengegangen. Er hat da auch nie gewohnt. Das erste, was ich las, war Schillers ➱Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung. Gilt heute als überholt, ist aber spannend und gut zu lesen. Es war Schillers erstes ➱historisches Werk, seine Geschichte des 30-jährigen Krieges kam später. Danach las ich Goethes Egmont, lernte einige Stellen auswendig. Wie die mit Noch hab ich meines Wachstums Gipfel nicht erreicht. 

Die erste ernstzunehmende Geschichte des Grafen Egmont ist die Geschichte des Grafen Egmont von August Bercht aus dem Jahre 1810. Seit einigen Jahren gibt es das Buch ➱Egmont da capo: Eine mythogenetische Studie von Rengenier C. Rittersma, in dem die Rezeption der Figur des Grafen Egmont durch die Jahrhunderte aufgearbeitet wird. Dieses Bild konnte der Autor noch nicht kennen, sonst hätte er es bestimmt für das Titelbild genommen: ein Photo der beiden Grafen Egmont und Hoorn. Knallescharf in High Definition. Nun gibt es im Jahre 1568 noch keine Kamera, die die Brüsseler Schützengilde bei der Huldigung der beiden toten Grafen im Bild festhalten kann. Dieses Bild von dem Holländer Erwin Olaf heißt ➱Homage to Louis Gallait, der Photograph hat nichts anderes gemacht, als das Gemälde von Louis Gallait nachzustellen und abzulichten.

Sturm und Drang und Romantik kannten Egmont nur in der Version von Goethe (hier das Klärchen, von Kaulbach gezeichnet, das  ➱Goethezeitportal hat da eine tolle Seite). Am Ende des Jahrhunderts
Deutschlands schreibt bester Theaterkritiker - das ist natürlich Theodor Fontane - über eine Egmont ➱Aufführung: 'Egmont' folgte. Mag da Handlung fehlen; auch das Wort hat gelegentlich sein Recht und es riß wieder mit fort und zündete, wie es schon tausendfach gezündet hat. Die Volksszenen, die Szenen Egmonts mit seinem Schreiber und Klärchen, diese wunderbaren Dialoge hatten noch ihren alten Zauber, und nur eines berührte mich wie etwas Verbrauchtes – die Freiheitstiraden des letzten Akts. Ob es ein Fluch der Phrasenhaftigkeit unserer Zeit ist, uns auch die Freude an dem verleidet zu haben, was über dem tönenden Erz und der klingenden Schelle steht, oder ob jenes Pathos von Tod fürs Vaterland, von Schergen- und Tyrannentum wirklich einer Stufe angehört, die von einer politisch reiferen Zeit überwunden werden mußte, lasse ich dahingestellt sein; kurzum ich blieb kalt. Und gerade diese Stellen sind es gewesen, die, dem Urteil der Londoner Presse nach, das englische Publikum mit fortgerissen haben. Was ist das anders, als ein neuer Beweis, daß England in Geschmacksachen zurück ist. Der Engländer verlangt alles gecayennepfeffert; Curry-powder und Mixed-pickles in Kunst, wie im Leben.

Wunderbar, dieser letzte Satz. Weil ich vor fünfzig Jahren meine Schularbeiten (die ich mir selbst auferlegt hatte) gemacht hatte, war es mir ein Leichtes, am 9. September 2010 den Post ➱Egmond zu schreiben. Da war allerdings noch kein Paprikaschnitzel und kein Cayennepfeffer drin.

Mittwoch, 6. September 2017

Prequel


ZDF_neo setzt auf englische Krimiserien. Die man auch unendlich wiederholen kann. Wie zum Beispiel ➱Inspector Barnaby. Oder ➱Inspector Lewis, Father Brown, Vera, Inspector Banks etc. Oder, auf einem niedrigerem Niveau, aber ganz vergnüglich, Agatha Raisin. Jetzt hat man etwas neues, nämlich ein sogenanntes Prequel. Eine Serie die ➱Der junge Inspektor Morse heißt. Heißt im Original Endeavour und hat hier schon einen Post. Und wir haben zu der Serie ein Sequel, das Lewis heißt. Aber der Mittelteil fehlt uns, eine Serie, die es hier nie zu sehen gab (außer mal in der DDR), doch das macht offenbar nichts.

Der fehlende Mittelteil ist selbstverständlich die Serie Morse (die ➱hier natürlich schon einen Post hat), eine der besten englischen Krimiserien. 33 Folgen, je zwei Stunden lang (ohne die Werbung 100 Minuten). Die Serie lief von 1987 bis zum Jahre 2000. Überall in der Welt, nur nicht - wie gesagt - bei uns. Die Serie basiert auf den Romanen von Colin Dexter, der es sich nicht nehmen ließ, in dreißig Folgen einen kleinen Cameo Auftritt zu haben.

Auch bei den ➱Lewis Filmen war er gelegentlich zu sehen (im Prequel ➱Endeavour auch). Und die Drehbuchautoren von Prequel und Sequel, die sich aus den Romanen von Colin Dexter bedienten, konnten ständig mit ihm zusammenarbeiten. Jetzt sind sie auf sich alleingestellt, denn im März ist Colin Dexter (hier auf dem Bild neben seinen beiden Detektiven) im Alter von 86 Jahren gestorben. Alle Folgen von Inspector Morse (18 DVDs) bekommt man für 43,90. Nur in englischer Sprache, aber es gibt englische Untertitel.

Und das ist immer besser als eine schlechte Synchronisation. Wie die von dem Pilotfilm von Endeavour, der am Sonntag gesendet wurde. Das hier ist Roger Allam als Detective Inspector Fred Thursday, der dem jungen Detective Constable Morse eine Art väterlicher Freund ist. Roger Allam ist ein berühmter englischer Schauspieler, der seinen Ruhm dem Theater verdankt. In diesem Punkt unterscheiden sich englische Krimiserien von deutschen. Viele berühmte englische Schauspieler finden es nicht unter ihrer Würde, in einer Krimiserie mitzuspielen.

Roger Allam war letztens hier im Fernsehen in dem Dreiteiler The Politician's Husband (Der Mann an ihrer Seite) zu sehen. Da spielte er Marcus Brock, den Chief Whip des House of Commons. Und er sagte in einer Szene, wörtlich bekomme ich das nicht mehr zusammen: Wenn wir fünfzig Prozent der Zeit, die wir auf unsere Whitehall Intrigen verwenden, auf die Lösung von Problemen verwenden würden, könnten wir etwas erreichen. Darüber könnte man einmal nachdenken. Roger Allam hat eine klar erkennbare sonore Stimme, die seinem Inspector Fred Thursday Autorität verleiht. Leider nicht in der deutschen Fassung, da ist die Stimme des  deutschen Synchronsprechers eine Fehlbesetzung.

In dem Pilotfilm von Endeavour findet sich auch der Schauspieler Danny Webb. Hier können wir ihn in dem Film Churchill als General Alan Brooke sehen, die Rolle hat er wahrscheinlich bekommen, weil er dem General sehr ähnlich sieht. Man konnte ihn am Montag in der Barnaby Folge Dance with the Dead sehen. Er ist ein sehr versatiler Schauspieler, der auch in dem Pilotfilm zu ➱Lewis eine Rolle hatte.

In Der junge Inspektor Morse spielt er den Detective Sergeant Arthur Lott, einen Mann, der keine Zierde für die Polizei ist. Inspector Thursday hat ihn gerade gefeuert, er ist versetzt worden. Und hat da noch auf dem Flur eine kleine Hassrede für den jungen Morse übrig: Flunked out again, have you … college? I read your file, boy. Three years Lonsdale. Threw the towel in before your finals. That’s the trouble with you poshos, no gumption. First sign of bother, it’s off back home to mummy, tail between. Mm, no hard feelings. You’ve done me a favour. Pastures new. Vice in the smoke. And you on the slow boat to China. 

Was redet der Sergeant da? Er hat die Personalakte von Morse gelesen, weiß, dass der ohne Examen die Uni verlassen hat. Aber vice in the smoke? Er ist zur Sittenpolizei (vice) nach London versetzt worden. Ein Slang Dictionary belehrt uns, dass London the smoke ist. Die Gründe liegen auf der Hand. Mir begegnete dieses smoke vor Jahrzehnten zum ersten Mal, als ich Marjorie Allinghams The Tiger in the Smoke las. London war schon im 19. Jahrhundert die Stadt von Qualm und Rauch.

Wenn Wordsworth in seinem Gedicht ➱Composed upon Westminster Bridge von der smokeless air spricht, dann hat er wohl den einzigen Tag des Jahres erwischt, wo es keinen Smog gab (lesen Sie mehr in ➱Touristen). Slowboat to China ist ein Song, das ist nicht so schwer. Sogar Miss Piggy hat ihn gesungen. Und was ist mit den pastures new? Das ist John Milton, die letzte Zeile von Lycidas. Gut, das ist inzwischen sprichwörtlich geworden, aber es bleibt Milton. Der Drehbuchautor Russell Lewis, der auch mehrere Folgen von Lewis geschrieben hat, hat da eine Menge Bildung in sein Drehbuch gepackt. Was natürlich alles in der deutschen Übersetzung verlorengeht.

Was schlimm ist Wenn man kein Englisch kann, von einem guten Kriminalroman zu hören, der nicht ins Deutsche übersetzt ist, dichtete einst ➱Gottfried Benn. Man müsste mehr Geld in die Hand nehmen und bessere Übersetzer bezahlen, wenn man gute englische Serien adäquat ins Deutsche bringen will. Und man brauchte auch etwas mehr Intelligenz in den Rundfunkanstalten. Lutz Marmor verdient beim NDR beinahe 300.000 Euro, ich weiß nicht wofür. Beim ZDF werden die Intendanten nicht viel weniger bekommen. Der Herr, der sich hier mit Inspector Thursday unterhält, heißt John Light. Er spielt einen englischen Geheimagenten namens Dempsey, der auf einen Minister aufpassen soll. Er sieht ein wenig so aus wie Michael Caine in ➱Ipcress, das ist wohl so beabsichtigt.

Der Minister Sir Richard Lovell (süffisant arrogant gespielt von Patrick Malahide) nimmt an Sexparties mit Minderjährigen teil, die Analogie zu dem Christine Keeler Skandal (der ➱hier einen langen Post hat) liegt auf der Hand. Zumal Patrick Malahide eine gewisse Ähnlichkeit mit John Profumo hat. Und es wird auch direkt auf den Christine Keeler Skandal angespielt, wenn der Geheimagent im Gespräch mit DI Thursday sagt: We're still going round with a dustpan and brush after Cliveden. Am Ende bringt der MI5 Agent Dempsey dem Minister ein Rücktrittsgesuch zur Unterschrift.

Als der Minister sich weigert und den Premierminister Wilson anrufen will (We'll see what Harold has to say about this), unterbricht Dempsey die Verbindung mit seiner Pistole. Und sagt dem Minister, für den das alles nur ein harmless bit of fun ist: This is what he has to say about it. There's two ways out. This one or do I have to get blood on my shoes?

Was schlimm ist Wenn man kein Englisch kann, von einem guten Kriminalroman zu hören, der nicht ins Deutsche übersetzt ist. Was noch schlimmer ist, wenn aus einem guten Film wichtige Szenen herausgeschnitten werden. Ich habe diese Szene mit dem Minister und dem Geheimagenten mit ihren kulturellen und historischen Konnotationen etwas ausführlicher besprochen, weil sie in der am Sonntag gesendeten Fassung fehlte. Der Film war zu lang, und um 20.15 mussten Frau Merkel und Herr Schulz sprechen. Da hätte man lieber noch eine Folge von Der junge Inspektor Morse senden sollen. Oder einen alten ➱Wallace. Oder vier Agatha Raisin. Oder die Neujahrsansprache von Helmuth Kohl 1986. Schlimmer als das sogenannte Duell konnte nichts sein.


Das Skript zum Pilotfilm von Endeavour finden Sie ➱hier. Noch mehr zu englischen Krimiserien in den Posts: Englische Krimiserien, Endeavour, Kreuzworträtsel, Inspector Lewis, Inspector Barnaby und die Mode, Inspector Gently und Janker.

Sonntag, 3. September 2017

Heimatkunde


Sie erinnern sich an dieses Traumpaar? Sind beide weg vom Fenster. Meinen Post über die ➱Kultusministerin haben damals viele tausend Leser gelesen, ich bekam sogar Lob von einem ehemaligen Chefredakteur einer renommierten Zeitung. Frau Wende hätte die Heimatkunde ja glatt abgeschafft, aber dann wurde sie selbst abgeschafft. Und alle im Land atmeten auf. Man hatte sie schon völlig vergessen, aber jetzt in der silly season kann sich offensichtlich jeder zu Wort melden. Wara Wende sieht sich jetzt als Opfer einer Hexenjagd. Aber was will sie? Man hat sie ja nicht aufs Rad geschlagen, nicht gefoltert oder verbrannt für all den Unsinn, den sie angerichtet hat. Sie kriegt eine fette Pension für den Rest ihres Lebens, wozu die Aufregung? Wo ist die Hexenjad? Ihr ist doch nix passiert, nicht mal den Besen hat man ihr weggenommen.

Heimatkunde heißt heute nicht mehr Heimatkunde, es hat immer wieder Diskussionen um den Heimatkunde Unterricht gegeben. Wie auch über die ➱Volkskunde, eine Wissenschaft, die auch nicht unumstritten ist. Volkskunde heißt heute Europäische Ethnologie oder auch Kulturanthropologie (und es gibt noch andere Namen). Es ist ein Fach, das sich immer noch mit der Definition schwer tut.

Vor 1945 war in der Volkskunde alles klar, als man Begriffe wie Volksgemeinschaft, Volksleben und Volkskultur hatte und alles blond, arisch und germanisch war. Jahrzehnte später ist von dem ➱Germanentum nur noch der Cartoon Hägar der Schreckliche übrig. Und damit beschäftigen sich in Amerika die Popular Culture Studies, die sich mit der deutschen Volkskunde inhaltlich in vielem überschneiden.

Als ich zur ➱Volksschule ging, die ein majestätisches Gebäude war, das den Krieg ohne größere Schäden überstanden hatte, bedeutete die Heimatkunde noch etwas. Die Volksschule dauerte damals sechs Jahre, darauf bestanden die Amerikaner. Es hat aber niemandem geschadet. Und die Amerikaner bezahlten die Schulspeisung, ich nahm immer Kakao. Zu Hause gab es immer nur Milch. Und Lebertran. Unsere Welt sah etwas anders aus als heute. Eher so wie auf dem Photo im oberen Absatz. Die Volksschule wurde 1964 durch das Hamburger Abkommen abgeschafft. Da war ich längst weg von Volksschule und Gymnasium. Aber, wenn man so will, immer noch in der Schule: der Schule der Nation.

Zugegeben, wir lernen in der Volksschule mehr über die Franzosenzeit als über die Jahre zwischen 1933 und 1945. Damit wird sich die Schule, auch später das Gymnasium, schwer tun. Heimatkunde (das Fach wird in den Zeugnisheften eines Tages einen anderen Namen haben, Sachkunde heißen und entemotionalisiert werden) ist sicherlich ein Fach, das den Nationalsozialisten am Herzen gelegen hat. Aber die Kunde von unserer Heimat ist lange vor den Nazis aufgeschrieben, meistens in Frakturschrift. Vielleicht nicht ideologiefrei. Das ist Geschichte wohl nie. Truth is the daughter of time, heißt es im Englischen.

Aber es ist nichts Böses, alles über die Geschichte des Ortes zu wissen, zumal wenn der Ort durch Werften, Handel, ➱Fisch- und ➱Walfang mit der ganzen Welt verbunden ist. Und wir haben das Gefühl, in einem besonderen Ort zu leben. Unser ➱Ruderverein gewinnt eine Silbermedaille bei den ersten Olympischen Spielen nach dem Krieg, bei denen Deutschland wieder dabeisein darf. Und der Bundespräsident ➱Theodor Heuss besucht unseren Ort, um einen Rettungskreuzer der ➱DGzRS zu taufen.

1991 übersendet meine ehemalige Klassenlehrerin in der Volksschule, Lotte Zschernitz, meiner Mutter ein Heft, das sie nach vierzig Jahren beim Aufräumen zu Hause gefunden hat. Es ist ein blaues Heft, auf dem von mir selbst geschrieben steht: Heimatkunde - Jay - Klasse 3b. Mit mehrfarbigen eigenhändigen Illustrationen verziert, äußert sich der junge Verfasser hier zu allen Aspekten der bremischen Geschichte: ➱Schiffbau in Vegesack - Töpferei in Vegesack (es gab hier einmal eine Fayencemanufaktur) - Wie Bremen entstanden ist - Die Hunnen in Bremen (Die Hunnen eroberten Bremen zweymal, und jedesmal wurde die gute Stadt von ihnen geplündert, verbrannt und völlig zerstöhrt) - Gräfin Emma und der Krüppel - Der ➱Bremer Roland.

Wofür der Bremer Historiker Herbert Schwarzwälder fünf Bände brauchen wird, hier ist alles konzis in einem Heft. Es ist ein rührendes Zeugnis eines Heimatkundeunterrichts, der nach dem Krieg an der Schule einen großen Stellenwert hat. Auch wenn sich unser Klassenlehrer Gerhard Blume nicht auf der gleichen wissenschaftlichen Ebene bewegt wie die renommierten Lokalhistoriker Franz Buchenau, Lüder Halenbeck oder Diedrich Steilen (der Opa das Haus in der Weserstraße verkauft hat), hat er doch die Werke all seiner Kollegen gelesen. Und er gestaltet über Jahre einen guten Unterricht. Und baut mit uns ein Pappmodell des Ortes.

In langwieriger Arbeit, in Pappmachee. Die Mädchen schneiden Bäume aus Karton aus, bemalen sie und kleben sie in den Park von ➱Albrecht Roth ein. Ein paar Jahre später werden wir unter diesen Bäumen knutschen, wenn wir aus der ➱Tanzschule von Nico Arff kommen, die auf dem Parkgelände von Senator Fricke liegt. Da war man dem Dr Roth schon dankbar, dass er diesen schönen Park angelegt hatte. Goethe hätte den Botaniker gerne in Jena gesehen, so schreibt er an Dr Nikolaus Meyer: Nun haben wir, um den von Professor Batsch erlittenen Verlust zu ersetzen, die Augen auf Herrn Dr. Roth in Vegesack geworfen, dessen schöne Einsichten in die Botanik uns durch seine Schriften bekannt geworden sind. Der Briefwechsel des Dichters mit Albrecht Roth ist in unserem ➱Heimatmuseum. Das heißt noch Heimatmuseum, auch wenn die Heimatkunde nicht mehr Heimatkunde heißt.

Nach dem Tod von Dr Roth werden Teile des Parks an zwei Bremer Kaufleute verkauft, an den Weinhändler Albert Dietrich Finke (Bild) und den Senator Carl Wilhelm August Fritze. Die dort natürlich Villen errichten. Wenn man in Bremen reich ist, dann kauft man sich einen ➱Landsitz in Vegesack auf der ➱Geestkante. Hier liegen die Villen der Aristokraten, deren Anlagen das Weserufer eine kleine Strecke hin wirklich sehr verschönern, schreibt 1841 ein junger Mann, der in Bremen seine kaufmännische Ausbildung absolviert. Vier Jahre später wird er nicht mehr im Morgenblatt für gebildete Leser über die Dampferfahrt auf der Weser von Bremen nach Bremerhaven schreiben, da schreibt er Die Lage der arbeitenden Klasse in England.

Die Fritzes, die ihre Villa neben dem Finkenhof des Weinhändlers Dietrich Finke hatten, haben Ende des 19. Jahrhunderts ihre Villa abreißen und durch diesen scheußlichen ➱Neubau ersetzen lassen. Links war die Tanzschule von Nico Arff, rechts das Ortsamt. Heute ist das Ganze in Eigentumswohnungen zerteilt worden.

Dies Gemälde von Carl Justus Harmen Fedeler hing früher im Ortsamt, ich weiß nicht, ob man das heute bei einer Eigentumswohnung dazu bekommt. Von dem Finkenhof (der in der Familie Finke auch manchmal Kio heißt) ist auch nichts mehr übrig, er ist aber berühmter als die Villa der Nachbarn. Weil ein gewisser ➱Klaus Groth die Tochter des Weinhändlers heiratet und hier so manchen Sommerurlaub verbringen wird.

Unser Pappmodell zeigt die Geestkante und das Urstromtal, in dem die Weser fließt. Die Mündung der Aue in die Lesum, an der Vegesack entsteht. Zeigt den Hafen, der im frühen 17. Jahrhundert von holländischen Ingenieuren angelegt wird, der erste künstliche Hafen in Deutschland. Wir vergessen auch die kleine Drehbrücke zum Haven Hööv’t nicht. Papierschicht um Papierschicht wird auf das Modell geklebt.

Wir vergessen natürlich die Fähren nicht, die zwischen Vegesack und Lemwerder hin- und herpendeln. Und auch nicht die kleine Fähre (das war wieder eine Fummelarbeit), die Hol Ober hieß. Sie brachte uns immer zum ➱Schönebecker Sand zum Baden. Hier habe ich Schwimmen gelernt, der Bademeister Plebanski ruderte neben seinen Schülern durch die Weser. Ich habe Jahre später erfahren, dass Hermann Plebanski gar nicht schwimmen konnte. Die Fähre Hol Ober gibt es nicht mehr, auf der Halbinsel Schönebecker Sand kann man nicht mehr baden, und in der Weser würde heute auch wohl niemand mehr freiwillig schwimmen.

Meine Mutter träumte als junges Mädchen davon, über den Ärmelkanal zu schwimmen, wahrscheinlich war die ➱Rolex Reklame mit Mercedes Gleitze schuld daran. Meine Mutter nahm sich die Weser von Vegesack bis Bremerhaven als Trainingsstrecke. Als sie für den Ärmelkanal fit war, kam der Krieg. Das war das Ende ihrer Träume. Aber den Totenkopf trug sie noch in den fünfziger Jahren auf ihrem schwarzen Badeanzug. So etwas sieht man selten auf dem Schönebecker Sand. Meine Mutter ist, auch als sie achtzig war, noch jede Woche geschwommen.

Wie der historische Ort, so wächst unser Modell von den ersten Häusern um die Mündung der Aue, den Flecken Alt-Vegesack. Dann den Berg und die Geestkante hinauf bis Fähr und Lobbendorf. Oben in den Ort wird die Kirche gesetzt, die Jacob Ephraim Polzin 1832 für die gerade vereinigten Gemeinden von Lutheranern und Reformierten umgebaut hat, in einem streng klassizistischen Stil. Polzin hat bei dem berühmten dänischen Architekten Christian Frederik Hansen, dem Meister der klassizistischen Villa, gelernt. Und so wird unser Ort eine der wenigen klassizistischen ➱Kirchen Norddeutschlands erhalten. Im Kirchturm betreibt man noch bis 1851 einen optischen Telegraphen.

Und unten ans Ortsende das Krankenhaus Hartmannstift, das nach Wilhelm Hartmann benannt ist. Der war 1863 mit neunzehn Jahren nach England ausgewandert und hatte später seine Brüder in seine Firma nachgeholt. Er hatte einem gewissen John Rathjen die Zauberformel für einen neuartigen Schiffsanstrich abgekauft, dieses hochgiftige Antifouling Zeug gegen Rost und Algen. War mit seiner Firma Suter, Hartmann & Co. unermesslich reich geworden, hatte sich in Surrey einen Landsitz gekauft und war sogar Friedensrichter geworden.

Er gab sein Vermögen für gute Werke aus und bedachte auch seine Heimatstadt (zu der er bis zum Ersten Weltkrieg immer noch Kontakt wahrte) mit dem Krankenhaus und zahlreichen anderen Schenkungen. Hat es den Vegesackern aber nie verziehen, dass sie beim Kriegsausbruch 1914 das lebensgroße Portrait des nun feindlichen Engländers im Hartmannstift abgehängt haben. Von dem Geld, das beim Tode von William Hartmann noch da war (und das waren 450.000 Pfund Sterling), hat Vegesack keinen Pfennig gesehen.

Der Sedanplatz, der 1895 angelegt wurde, ist einfach herzustellen, wir lassen die Fläche frei und malen sie grau an. Aber die Eiche in der Mitte muss schon sein. Nicht aus nationalen Gründen, sondern weil wir sie beim ➱Fußball als Torpfosten brauchen. Es ist sicher eine Entweihung, aber ich glaube, 1950 weiß niemand mehr, dass die Eiche Bismarckeiche heißt und aus dem aus dem Sachsenwald stammt. Und wenn wir schon dabei sind, gibt es auch noch ein kleines Papphäuschen, das Scheffels Wurstbude darstellen soll. Wir wissen wenig von der Schlacht von Sedan, aber Scheffels Wurstbude kennen wir alle. Jemand macht den Vorschlag, Karussells und Buden auf den Platz zu stellen, aber das kommt nicht in Frage, der Vegesacker Markt, der beinahe so berühmt ist, wie der Bremer Freimarkt, findet nur einmal im Jahr statt. Als wir unbedingt ein Hertie Hochhaus brauchten, wurde unter den Sedanplatz eine Tiefgarage gebaut. Als da bei der Abnahme zum Test Polizei- und Krankenwagen hineinfuhren, stellte man fest, dass man die Höhe der Tiefgarage nicht richtig berechnet hatte. Wie beim Hallenbad, wo die 25-Meter Bahn auch nicht ganz 25 Meter lang war. Wir sind auch ein bisschen Schilda. Und Hertie ist längst pleite, das Haus steht leer.

Wenn unsere kleine Pappstadt fertig ist, wird sie liebevoll angemalt, die Weser in blau. Und dann ein Raddampfer in die Weser gesetzt, die Weser, der erste deutsche Raddampfer. Gebaut in Vegesack. Gebaut mit den technischen Kenntnissen von Ludwig Georg Treviranus, dem Bruder der beiden Botaniker, der 1816 in Soho beim Bau der Maschine des Schiffes durch James Watt zugeschaut hat.

Umrahmt wird der Ort von den Werften, Ulrichs’ Werft auf der rechten Seite (aus der der Bremer Vulkan erwachsen wird). Links die Janssen-Sagersche Werft (da wo später die ➱Strandlust ist) und ganz außen die Langesche Werft (Bild). Werften und Schiffe aus Papier zu basteln, ist eine knifflige Sache, so schenken wir es uns, auf die andere Weserseite in Lemwerder noch die Werften von Lürssen (wo die ➱Schnellboote gebaut wurden) und ➱Abeking & Rasmussen zu setzen. Gehört ja streng genommen auch nicht mehr zu Vegesack.

An den Utkiek kommen noch winzig kleine Walkiefer aus gebogenen Streichhölzern, als Zeichen dafür, dass hier auch der Walfang zuhause ist. Wir sind sozusagen das Nantucket von Bremen, ➱Herman Melville hätte sich hier zu Hause gefühlt. Die Walkiefer am Utkiek stehen noch über hundert Jahre, bis sie durch einen Bronzeabguss ersetzt werden; dafür wird mein Freund ➱Peter sorgen, als er beim Landesamt für Denkmalschutz ist (lesen Sie mehr in dem Post ➱Hafenstraße)

Mein Heimatkunde Heft enthält verhältnismäßig wenig zur politischen Zugehörigkeit des Fleckens Vegesack, das wird in der dritten Klasse noch nicht unterrichtet. Eher diese Teile, die in Bremen jeder kennt, die aber meistens in den Bereich der Sage gehören. Die Geschichte mit den Hunnen, die für Namen wie Marterburg und Wüstestette (die schmalste Straße von Bremen) verantwortlich gemacht werden, ist ebenso wenig wahr wie die Geschichte von Gräfin Emma und dem Krüppel  (den man am Fuß des Roland sehen kann) oder die von den Sieben Faulen. 

In einem bestimmten Alter sind Sagen und Märchen einfach schöner als die historische Wirklichkeit. Im Mittelalter sind die wenigen Häuser des Ortes unter der Jurisdiktion des Erzbischofs von Bremen, dem die Bremer aber im Laufe der Jahrhunderte (und darauf sind sie stolz) immer mehr von seiner Machtfülle nehmen werden. Nach dem Krieg mit Schweden im 17. Jahrhundert werden wir durch den Stader Vergleich 1654 schwedisch.

Dass die Bremer gegen die Schweden kämpfen, das steht schon in den Posts ➱Burger Schanze und ➱Lieutenant Lindhövel. Wenn man als Kind Trude Wehes Roman Vryheit do ik ju openbar: Roman aus dem alten Bremen verschlungen hat, dann kennt man den Leutnant Lindhövel. Danach sind wir mal dänisch geworden, aber die Dänen wissen, dass sie die Gegend nicht lange gegen die Schweden halten können. Und so treten sie das Land im Stockholmer Frieden von 1719 an den Kurfürsten von Hannover ab, der in Personalunion König von England ist. Jetzt sind wir englisch, davon träumen die anglophilen Bremer ja immer.

Unser ➱Georgian Age dauert beinahe ein Jahrhundert, bis der Bremer Bürgermeister Dr Georg Gröning (Bild) 1804 den Engländern den Flecken abhandelt. Die bremische Zeit währt allerdings nicht lange, die Franzosen stehen vor der Tür. Erst sind wir französisch, aber neutral, dann für einen Augenblick 1805 englisch. Danach wird Vegesack die Mairie Vegesack en canton Vegesack und gehört zum Département des Bouches du Weser. Die Franzosenzeit, in der Napoleon persönlich den bedeutendsten Bremer Wissenschaftler Dr Wilhelm Olbers zum Mitglied des corps législativ ernennt, ist in Bremen noch in vielen Erzählungen lebendig.

Auch der erste Widerstand, der sich in einer in Vegesack gefundenen Aufschrift an einer Tür Napoleon, de schinnerknecht, de is nech werth dat düütsche recht dokumentiert. Der Freiherr von Tettenborn, Generalmajor in russischen Diensten, wird in Bremen am 6. November 1813 für kurze Zeit die bremische Unabhängigkeit wiederherstellen. Man wird ihn zum Ehrenbürger Bremens machen und fortan den 5. November als Rolandstag feiern und jedes Jahr den Roland mit Blumen schmücken. Den letzten abziehenden Franzosen soll man gefangen und an ein Hoftor in der Hafenstraße genagelt haben. Allerdings wird diese Geschichte auch über einen Schweden im 17. Jahrhundert erzählt, wahrscheinlich ist sie sowieso nicht wahr. Was wir den Franzosen verdanken, sind Heerstraßen und Chausseen. Und eine Vielzahl von Wörtern, die man woanders nicht findet. Wie Muschepunt, süttjepöh (si je peux), schötteldör (j'ai l'honneur) und vrumsi (je vous remercie).

Den nächsten Befreier Bremens 132 Jahre später, den Lieutenant General ➱Brian Horrocks, werden die Bremer nicht feiern. Er wird auch nicht lange bleiben, weil er die Stadt den Amerikanern übergibt. Bremen nennt sich jetzt Vorstadt von New York. Die Amerikaner machen aus dem Rathaus ein Bierlokal, das GI Joe's Beer Bar heißt. Wenn die Amerikaner abziehen, werden im Bremer Ratskeller 400.000 Flaschen des edelsten Ratskellerweins fehlen. Und meine Mutter wird es den Amerikanern nicht verzeihen, dass sie das Meißener Porzellan und das ➱Klavier aus dem Fenster geworfen haben. Der Rahmen des Klaviers ist geschweißt worden, aber es hatte immer einen etwas seltsamen Klang, der den Klavierstimmer jedes Mal verzweifeln ließ.

In die Stadt Bremen eingemeindet wird unser Ort erst 1939. Bis dahin gehörten wir zu Hannover. Nicht mehr dem ➱Hannover des englischen Königs, das haben sich jetzt die Preußen angeeignet. Viele Vegesacker (wie meine in Vegesack geborene Mutter) haben dieses Bremen-Vegesack nicht so gerne. Für sie gilt nur der Ortsname Vegesack. Nach 1945 werden wir amerikanisch, und die Autos bekommen die Autonummer AE (für Amerikanische Enklave). Wenn die Autonummer mit 26 anfing, dann war das Bremen-Nord.

Die ganzen politischen Affiliationen (schwedisch, dänisch, französisch, englisch) gelten wohlgemerkt nur für Vegesack, auf der anderen Seite der Weser und jenseits von Straßen, die Grenzstraße oder Zollstraße heißen, sind die politischen Besitzverhältnisse anders. Was den Ort auch während der Kontinentalsperre und zur Zeit des Deutschen Zollvereins zu einem Paradies für Schmuggler werden lässt. Als Rest dieser historischen Zeit haben wir ein Schild vorm Haus, auf dem Zollgrenzbezirk steht (das gilt auch für die Feuerwehr um die Ecke). Der Zollfahnder ➱Kressin dürfte in unser Haus kommen, ohne einen Durchsuchungsbefehl zu haben.

Der englische Premierminister Lord Palmerston wird im 19. Jahrhundert über die schleswig-holsteinische Frage sagen, nur drei Männer in Europa hätten sie verstanden. Der erste sei der Prinzgemahl Albert, und der sei tot. Der zweite sei ein deutscher Professor, der sei wahnsinnig geworden. Und der dritte sei er, Lord Palmerston, aber er hätte alles darüber vergessen. Er hätte ähnliches über die Vegesacker Frage sagen können. Ist klar, dass man so etwas Kompliziertes nicht in der Klasse 3b unterrichten kann. Ein Interesse an Flora und Fauna wie Albrecht Roth werde ich für den Rest meines Lebens nicht mehr entwickeln, ein Interesse für die Geschichte des Ortes schon. Buch um Buch über Bremen wird in den nächsten Jahrzehnten meine Bücherregale füllen. Vieles auch Geschenke von Freunden, die in Bremen geblieben sind. Denn auch wenn man Butenbremer ist, bleibt man dem Ort, der zu einem Sehnsuchtsort geworden ist, verbunden, in Liebe oder Hass.

Die ➱Weser nach dem Krieg ist sicherlich ebenso spannend wie der Mississippi für den kleinen Huckleberry Finn. Man vergisst das nie, an diesem Fluss aufgewachsen zu sein. Ein ➱Schüler des Gymnasiums wird sich später geradezu poetisch an seine Jugend an der Weser erinnern (oder einer seiner Ghostwriter hat ihm das unter Benutzung von Ottjen Alldag aufgeschrieben): Unten an der Weser war es heiß. Das hatte seine Gefahren. Tiroler Landwein, Wermut oder gar schlimmere Drogen wie etwa Kosaken-Kaffee entfalteten so eine ganz tückische Wirkung. Aber auch dafür war der Stadtgarten ein angenehmer Ort. Man lag, statt in der Schule zu sein, einfach in der Sonne, die Weser plätscherte. 

Wenn man die Schule schwänzt und an der Weser liegt, dann werden die schulischen Leistungen darunter leiden. Mein Klassenlehrer ➱Gustav Renziehausen (links neben unserem ehemaligen Klassensprecher ➱Konny) hat mir erzählt, dass er diesem Schüler Nachhilfeunterricht in Mathematik gegeben hat. Sonst wäre der nicht versetzt worden. Und was wird aus dem Schüler? Natürlich Politiker. Er heißt Jürgen Trittin. Und dann muss man noch in der Presse lesen, dass mein Gymnasium als Tummelplatz "roter Rabauken" und als Hochburg linksradikaler Pennäler galt. Damit waren wahrscheinlich Hermann Rademann und der Krakeler und Randalierer Trittin gemeint. Oder war es die von Hermann Rademann und dem Studenten der Theologie Ingbert Lindemann unterschriebene ➱Anzeige, dass Gott tot sei?

Ich kann dazu nichts sagen, als ich die Schule verließ, habe ich nie zurückgeschaut, bin da nie wieder gewesen. Aber ich weiß, dass das Niveau der Lehrerschaft ganz gewaltig gesunken war. Es muss ja einen Grund haben, dass Bremen in den Bildungsstatistiken ganz weit unten rangiert (das Schleswig-Holstein der Wara Wende auch).
Unser Direktor Dr Johannes Schütze (der vierte von rechts in der ersten Reihe) war von der Todesanzeige für Gott wirklich nicht begeistert. Aber statt sich über solche Dinge zu ärgern, hätte er lieber dafür sorgen sollen, dass er einen guten Nachfolger bekam. Und nicht die Flasche, die das dann geworden ist.

Das Gymnasium, das in Teilen von ➱Ernst Becker-Sassenhof umgebaut war, ist 1977 aufgelöst worden. Das kleine Haus links ist von Becker-Sassenhof für unseren Hausmeister ➱Kalle Klemm gebaut worden. Und auf der Straße hier habe ich zusammen mit meiner Mutter 1948 gestanden, um das neue Geld abzuholen. Gegenüber der Schule war der Milchladen von Martin Bogaschinski, daneben ein Friseur. Zu dem mein Vater immer ging. Nicht, weil der besonders gut die Haare schneiden konnte, sondern weil er Kommunist war. Mit dem Kommunismus hatte mein Vater nichts am Hut, aber man wusste ja nach dem Krieg nicht, was kommen würde.

Die Kenntnis der Heimat fördert die Heimatliebe - und in dieser wurzelt die Vaterlandsliebe, schreibt Lüder Halenbeck 1874 in seinem Buch Zur Geschichte der Stadt Vegesack: Ein Beitrag zur Heimathkunde. Nach dem Krieg gegen Frankreich kann man so etwas schreiben. Heimat, das ist sicher der schönste Name für Zurückgebliebenheit, sagt Martin Walser 1968 in seinem Essay Heimatkunde. Der Unterricht in Heimatkunde bedeutete uns etwas, mir haben Bekannte erzählt, dass der Heimatkunde Unterricht das einzige sei, dass sie aus der Volksschule mitgenommen haben. Heimatkunde einte uns nach dem Krieg, nicht alle kamen aus dem Ort, weil sie Heimat-Vertriebene waren. Auch ich hatte eine ➱Zweite Heimat, bis die Amerikaner endlich unser Haus räumten. Heimat, Heimatliebe und Vaterlandsliebe sind heute Begriffe, die Herr ➱Gauland oder irgendwelche Reichsbürger verwenden würden. Wir sind weit weg von Eichendorffs Heimat hinter den Blitzen rot oder seinem Gedicht ➱Heimat für seinen Bruder.

Wenn man heute ein Pappmodell des Ortes bauen würde, es sähe ganz anders aus. Die Werft im Hintergrund ist pleite, der Strand hat nichts mehr von der idyllischen Strandstraße, wie sie ➱Willi Vogel gemalt hat. Der Strand ist weg, da ist heute eine Spundwand. Große Teile des Ortes sind abgerissen worden. Die Arbeitslosigkeit ist höher als irgendwo anders in Bremen. Und man kann im Internet lesen: Der Niedergang Vegesacks offenbart sich am Bilde seiner Schaufenster: viele Geschäfte sind nicht vermietet, auch im Haven Höövt stehen immer mehr Geschäftsräume leer. Was sich hält, sind Second-Hand-Textil- und Elektrogeräte - oder Möbel-Läden, billige 1-EUR-Shops, Spielhallen, Discounter, Döner und Imbisse und die immer nötiger werdenden Sozialstationen, und die Tafeln für jene, die sich den Kauf von Lebensmitteln nicht mehr leisten können. Bremen-Nord hat nach meiner Einschätzung ein massives Armuts- und Verelendungsproblem, ist wirtschaftlich wie sozial extrem schwach aufgestellt - beispielsweise gibt es kaum irgendwo in Deutschland einen so hohen Anteil minderjähriger Mütter wie in Bremen-Nord.

Man mag den Ort eigentlich gar nicht mehr besuchen. Aber in den Träumen kommt man immer wieder hierher.