Heute vor 212 Jahren starb Friederike Elisabeth Brion, die in ihrer Jugend eine Liebschaft mit dem jungen Goethe gehabt hat. Diese vielleicht heftige, aber doch wohl platonische und kurze Affäre ist in die Literatur gewandert. Sie können dazu mehr, oder beinahe alles, in dem Post Friederike lesen. Die erste Begegnung mit der Pfarrerstochter, die er nach kurzer Zeit schnöde verlassen wird, hat er in Dichtung und Wahrheit beschrieben:
In diesem Augenblick trat sie wirklich in die Türe; und da ging fürwahr an diesem ländlichen Himmel ein allerliebster Stern auf. Ein kurzes weißes rundes Röckchen, nicht länger als dass die nettesten Füßchen bis an die Knöchel sichtbar blieben; ein knappes Mieder und eine schwarze Schürze – so stand sie auf der Grenze zwischen Bäuerin und Städterin. Schlank und leicht, als wenn sie nichts an sich zu tragen hätte, schritt sie und beinahe schien für die gewaltigen blonde Zöpfe des niedlichen Köpfchens der Hals zu zart. Aus heiteren blauen Augen blickte sie sehr deutlich umher, und das artige Stumpfnäschen forschte so frei in die Luft, als wenn es in der Welt keine Sorge geben könnte; der Strohhut hing ihr am Arm, und so hatte ich das Vergnügen, sie beim ersten Blick auf einmal in ihrer ganzen Anmut und Lieblichkeit zu sehen und zu erkennen.
Vielleicht war es so, auf jeden Fall schreibt er ihr Briefe: Liebe neue Freundin, ich zweifle nicht, Sie so zu nennen. Denn wenn ich mich anders nur ein klein wenig auf die Augen verstehe, so fand mein Aug’ im ersten Blick die Hoffnung zu dieser Freundschaft in Ihrem, und für unsere Herzen wollt’ ich schwören. Sie, zärtlich und gut, wie ich sie kenne – sollten Sie mir, da ich sie so lieb habe, nicht wieder ein bisschen günstig sein? Nach den Briefen geht er zu Gedichten über. Nicht alles, das er für die blonde Friedrike schreibt, ist großartig. Dies hier ist wahrlich keine Erlebnislyrik, das ist einfach nur konventionell:
Streuen mir mit leichter Hand
Gute junge Frühlingsgötter
Tandlend auf ein luftig Band.
Zephyr, nimm's auf deine Flügel,
Schling's um meiner Liebsten Kleid;
Und dann tritt sie für den Spiegel
Mit zufriedener Munterkeit.
Sieht mit Rosen sich umgeben,
Sie wie eine Rose jung.
Einen Kuß, geliebtes Leben!
Und ich bin belohnt genu(n)g.
Schicksal, segne diese Triebe,
Laß mich ihr und laß sie mein,
Laß das Leben unsrer Liebe
Doch kein Rosenleben sein!
Mädchen, das wie ich empfindet,
Reich mir deine liebe Hand!
Und das Band, das uns verbindet,
Sei kein schwaches Rosenband!