Montag, 10. August 2026
die Birnen in Nachbars Garten
Samstag, 8. August 2026
Mitleid mit der KI
My master calls me. I must not say no.
Sie zündete sich eine neue Gitane an.
Atmosphäre: Der Geruch von Tabak und die rauchige Stimme von Piaf passen nahtlos zusammen.
Handlung: Die kleine Tat – das Radio rauszuwerfen – zeigt Frust besser als tausend Worte.
Wiederholung: Die zweite Zigarette am Ende setzt einen stoischen, fast ironischen Schlusspunkt.
Mögliche Ideen zum Weiterlesen oder Ausbauen
Die Vorgeschichte: Warum dieser Hass auf diesen spezifischen Song oder diesen Moment?
Die Umgebung: Wo fährt sie? Nachts in Paris, an einer Küste oder auf einer leeren Landstraße?
Die Flucht: Ist sie auf dem Weg irgendwohin oder vor jemandem auf der Flucht?
Mittwoch, 5. August 2026
obskure Verlage
Dieses Buch ist im Copycat Verlag erschienen, ein Verlag, den Sie wahrscheinlich nicht kennen. Das Cover sieht ein wenig nach einem alten Agatha Christie Roman aus. Man fragt sich, wer der Mann ist, der da in der Dunkelheit eine Frau verfolgt. Aber dies ist kein Krimi, dies soll Prousts Roman Auf dem Weg zu Swann sein. Das Buch hat noch einen Untertitel, den wir bei Proust nicht finden: Erinnerung, Begehren und Zeitwahrnehmung zwischen Combray, Madeleine-Motiv und Pariser Salons. Ein Übersetzer wird nicht angegeben. Die Übersetzer gibt der Prager Copycat Verlag, dessen →Bucheinbände immer ähnlich aussehen, sowieso nicht an. Der Verlag druckt alte Bücher nach, bei denen es keine Inhaber der Rechte mehr gibt. Das Buch Auf dem Weg zu Swann ist 2025 erschienen, hundert Jahre nach der ersten Übersetzung durch Rudolf Schottlaender. Die erschien in zwei Bänden bei dem Berliner Verlag Die Schmiede. Die Übersetzung ist hier häufig erwähnt worden, ausführlich in Eine Liebe von Swann und zuletzt in dem Post die Übersetzerin Eva Rechel-Mertens. Schottlaender hat heute Geburtstag, deshalb gibt es diesen kleinen Post. Die Erstausgabe von Der Weg zu Swann ist heute immer noch antiquarisch zu finden. Der Text wurde 2004 vom Parkland Verlag und 2010 vom Nikol Verlag nachgedruckt, beide Verlage sind ähnliche Resteverwerter wie der Prager Copycat Verlag.
Die Deutsche Nationalbibliothek kennt das Buch des Copycat Verlages nicht, die mehr oder weniger legalen Nachdrucke von Parkland und Nikol sind aber katalogmäßig verzeichnet. Beide Bücher haben 604 Seiten, das entspricht der Erstausgabe (263 und 346 Seiten). Das Buch des Copycat Verlages hat nur 244 Seiten. Könnte es sein, dass die Händler aus Prag nur den ersten Teil von Schottländers Übersetzung liefern? Kost' ja nix, ist alles aus dem Jahr 2025, die Rechte sind abgelaufen. Dies Buch hier heißt Gesammelte Werke und hat 736 Seiten. Sieht aus wie aus dem Copycat Verlag, ist aber aus einem Sharp Ink Verlag. Der ist allerdings identisch mit Copycat. Gibt es aber alles bei Thalia und Hugendubel. Sind das wirklich die Gesammelten Werke, die ganze Recherche? Die Frankfurter Ausgabe hat da über 5.000 Seiten.
Es gibt Prousts Werk im Originaltext bei →Wikisource. Oder man kann hier auf der schönen Seite von →Une Page de Proust den ganzen Roman auf einer Seite lesen. Bei Gutenberg kann man →Swann's Way in der Übersetzung von C. K. Scott Moncrieff lesen. In deutscher Sprache gibt es da leider nur →Die Herzogin von Guermantes (zwei Bände) und →Im Schatten der jungen Mädchen von Walter Benjamin und Franz Hessel übersetzt. Kein ganzer Proust, und erst recht nicht alles auf einer Seite. Und was hier einmal als Gesamtausgabe unter dem Titel Auf den Spuren der verlorenen Zeit angekündigt wurde, das hat es leider nie gegeben.
Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen. Manchmal, die Kerze war kaum gelöscht, fielen mir die Augen so rasch zu, daß keine Zeit blieb, mir zu sagen: Ich schlafe ein. Und eine halbe Stunde später weckte mich der Gedanke, daß es Zeit sei, den Schlaf zu suchen; ich wollte das Buch fortlegen, das ich noch in Händen zu halten wähnte, und das Licht ausblasen; im Schlaf hatte ich weiter über das eben Gelesene nachgedacht, dieses Nachdenken aber hatte eine eigentümliche Wendung genommen: mir war, als sei ich selbst es, wovon das Buch sprach – eine Kirche, ein Quartett, die Rivalität zwischen Franz i. und Karl v. Diese Vorstellung hielt noch einige Sekunden nach meinem Erwachen an; mein Verstand stieß sich nicht an ihr, doch lag sie mir wie Schuppen auf den Augen und hinderte diese zu erkennen, daß die Leuchte nicht mehr brannte. Dann wurde sie mir immer unbegreiflicher, wie nach der Seelenwanderung das in einer früheren Existenz Gedachte; das Thema des Buches löste sich von mir, ich war frei, mich damit zu befassen oder nicht; bald gewann ich mein Sehvermögen zurück und war höchst erstaunt, um mich her eine Dunkelheit vorzufinden, die für meine Augen, aber mehr noch vielleicht für meinen Geist angenehm und erholsam war, dem sie wie etwas Grundloses, Unbegreifliches, wie etwas wahrhaft Dunkles erschien. Ich fragte mich, wie spät es wohl sei, ich hörte das Pfeifen der Züge, das bald nah, bald fern wie der Gesang eines Vogels im Wald die Entfernungen deutlich machte und mir die Weite des öden Landes beschrieb, wo der Reisende der nächsten Station entgegeneilt; und der schmale Weg, dem er folgt, wird sich seinem Gedächtnis einprägen durch die Erregung, die er neuen Orten verdankt, ungewohnten Handlungen, dem eben stattgefundenen Gespräch und dem Abschied unter der fremden Lampe, der ihm in der Stille der Nacht noch nachgeht, dem bevorstehenden Glück der Heimkehr.
Sonntag, 2. August 2026
7.500.000
Passiert es heute noch? Oder erst morgen? Muss ich den ganzen Tag vor dem Computer sitzer und auf die Zahl da unten starren? Irgendwann steht da 7.500.000, das ist eine stolze Zahl von Lesern, die ich seit dem Juli 2010 erreicht habe. Ich habe in den letzten Jahren die halben und ganzen Millionen damit gefeiert, dass ich mir eine Seiko Quarzuhr gekauft habe. Jetzt, wo ich all diese Grand Seikos und die Superior habe, ist mal die Firma Citizen dran. Weil ich bei meinen →Händlern noch eine Exceed gefunden habe. Eine aus dieser selten gewordenen Luxuslinie, die Citizen sich in den 1990er Jahren gönnte. Still und zurückhaltend, mit Saphirglas und Cabochon in der Krone. Gehörte zum Markenzeichen. Wie das High Accuracy Werk →Kaliber 7923 innen drin, immens flach. Noch mit sieben Steinen und Temperaturkompensation. Und geht wahrscheinlich unheimlich genau. Wahrscheinlich wieder →10 SPY wie die andere Exceed mit dem →Kaliber 0310. Um solche Werte zu erreichen, muss man die Uhr aber mindestens den halben Tag tragen, sagt eine alte Betriebsanleitung. Die kalte Elektronik braucht die Wärme des Menschen.
the workings of watches: eternal spring! We knew
to rush to make time for things. Any delay
would make it too late. We knew
what the hands could say.
There was the timeless sculptor who took his time
with his block of stone, and made it smooth
as a stone. All the strange things we do
in actual fact adore
have become hard.
2
As on a gray-blue screen a stranger patiently sees
a soundless movie of her murmuring heart,
its valves too open or too shut, so
did a patron of his time’s artisan
watch
the surface of a leaf-shaped dish—new, impatiently preened—
letting the loosened light through its gray-green jade
from the other side, and marvel at the useless care
of makers, but try to be careful: now the least
slippage meant downfall.
3
The minutes displayed and squared on a gray ground
slip from a 3 to an 8, a 9, without clicking.
They trip the alarm, however. It goes off
trilling its odd hour, telling its time
in church, or during a play.
The quiet halls of the city are famously full
of staggered peeping: half-hours, minutes—
seconds—from Standard Time. The place
sings with the fallibility in it.
That hasn’t changed.
4
In the watches of the current night, some sickened
body steps up to look from a window, to see
an angle of river—a straight wet line
if whole. Anyone might get lost in
such a place, at such a time.
Now the city whistles to the worsened water, and attracts it.
The rivery haze in the air is so still a body can hear—
sharp-eared for ticking—every other person.
Each a confined or becalmed boat. No
one’s loss makes another “free.”
5
Of course the works have become complex. Still, time
works with its oldest tools, a lighted watchman
behind plate glass, heir to the laid-off soul
who lived in the watch-repair shop on
Spring Street.
What is it the quartz is doing in there? Responding
in seconds to the current of precise science,
just to enlighten us. We try to be glad
of knowing the truth, precise license,
so as not to please our misfortune.
Samstag, 1. August 2026
ce qui reste
Sonntag, 26. Juli 2026
mit Aweck
Leser haben mich gefragt, was die Formulierung mit Aweck bedeutete, die ich in dem Post Rembrandt Harmenszoon van Rijn verwendet habe. Habe ich nicht drüber nachgedacht, dass das schon zu den vielen verloren gegangenen Wörtern gehört. Kommt aus dem Bremer Plattdeutsch der Franzosenzeit, und ich gebrauche das ständig. So wie ich ausser lamäng sage. Das kommt übrigens in dem Post Regiolekt vor, der in der letzten Woche mit über tausend Lesern den Platz Eins der Top Ten der meistgelesenen Posts behauptete. Die Formulierung mit aweck kennt Googles KI nicht: Das Wort „aweck“ ist im Deutschen kein offizielles Wort, aber es kann sich um einen Tippfehler handeln. Meinten Sie das englische Wort „awake“ (wach), den traditionellen „WECK“-Einkochglas-Hersteller oder den Song „Weck mich auf“ von Samy Deluxe? Nein, das meinen wir nicht. Danke für den Versuch.
Man muss Googles KI vorsichtig füttern, ganz vorsichtig. Wenn wir mit Aweck eingeben und dann das Wort plattdeutsch hinzugeben, bekommen wir ein ganz anderes Ergebnis:„Mit 'n Aweck“ (aus dem Französischen avec = mit, sowie avec aplomb mit Schwung/Sicherheit) ist eine norddeutsch-plattdeutsche beziehungsweise, vor allem im Niederdeutschen und regionalen Mischmasch verankerte Redewendung und bedeutet mit Schwung, mit Leichtigkeit, ordentlich oder gekonnt.
In älteren Lexika findet man die Bedeutung leicht:
Aweck nur in : mit Aweck mit Pfiff oder Schwung : dat is ain Ding mit Aweck
Aweck « , besser noch mit'n jewissen Aweck < ( avec = mit ) , das heißt : mit Pfiff , Leichtigkeit und Eleganz
aweck mit Aplomb
Aweck, (von frz. avec = mit) mit Leichtigkeit, mit Esprit, mit Eleganz. 'Der macht seine Arbeit mit’n jewissen Aweck'
Joseph Anton Koch hatte gestern seinen 250. Geburtstag, bekam hier allerdings keine Erwähnung, da die Mondfinsternis den Vorrang hatte. Ich konnte ihn guten Gewissens auslassen, da es es am 27. Juli 2016 schon einen Post zu ihm gab. In dem allerdings eines nicht erwähnt wird: Kochs Haß auf William Turner. Der ist ja damals noch nicht so bekannt wie heute, so kann zum Beispiel Theodor Fontane sechs Jahre nach Turners Tod im Deutschen Kunstblatt schreiben: Turner ist auf dem Continente außer bei den Kunstverwandten kaum dem Namen nach gekannt, und seine Bilder kennen nur jene wenigen, die zu ihren Künstlerfahrten nach Rom und Paris einen flüchtigen Besuch an der Themse gestellt haben. Turner hat nur localen Ruhm, aber an Ort und Stelle ist es ein ganz unbestrittner Ruhm.
Den ihm Joseph Anton Koch streitig macht, gesudelt, nicht gemalt (oder noch grober: cacatum non est pictum) seien Turners Bilder, verkündet Koch. Man wisse gar nicht, wie herum man sie aufhängen soll. Und über die Ausstellung von Turners Bildern bei seinem Romaufenthalt 1828 schreibt Koch: So großer und grob gesinnter Pöbel sich auch einfand, die Ausstellung dieses weltberühmten Engländers, namens Turner, in Augenschein zu nehmen, so war die Ware doch zu sehr unter aller Kritik und unter der von der modernen Welt bewunderten Mittelmäßigkeit. Das Bild des Montblanc oben hat Turner mit 28 Jahren gemalt, da gab es die meisten Alpenbilder von Koch noch gar nicht. Wir wüssten, wie wir es aufzuhängen hätten, und wir würden nicht von gesudelt reden. Vielleicht lesen wir mit dieser Einführung den Post aus dem Jahre 2016 mit anderen Augen:
Schreibe ich über Joseph Anton Koch oder lasse ich es? Die Frage stellte sich mir, als ich auf das Kalenderblatt vom 27. Juli bei Wikipedia schaute. Der Maler wurde am 27. Juli 1768 geboren, in seiner Jugend hatte er noch Ziegen gehütet. Durch die Empfehlungen eines Bischofs war er zur Karlsschule nach Stuttgart gekommen, einer Militärakademie, die einige Berühmtheit hatte, weil Friedrich Schiller da auch gewesen war. Der war noch mit fünfzehn Bettnässer, was die Biographen auf den harten militärischen Drill schieben. Joseph Anton Koch hat die Militärakademie nach sechs Jahren verlassen. Der mit der französischen Revolution sympathisierende Eleve kam damit einem Rausschmiss zuvor. Malte aber mal eben diese schöne Karikatur auf die Kunstpraxis an der Hohen Karlsschule.
Und floh erst einmal in die Schweiz, danach ging er nach Italien, wo er bis zu seinem Tode blieb. Die Alpen vergaß er nie, er malte viele Bilder, die man als heroische Landschaft bezeichnet. So etwas ist in der Geschichte der Malerei nicht ganz neu, schon Nicolas Poussin hatte solche Bilder gemalt. Aber die Romantik wird das Thema neu entdecken, sogar der Schriftsteller Gottfried Keller wird eine solche heroische Landschaft malen.
Auf diesem Bild von Detlev Blunck, das den Bildhauer Bertel Thorvaldsen (ganz rechts am Tisch) und seine Freunde in einer römischen Trattoria zeigt, ist Joseph Anton Koch leider nicht mit drauf. Hätte er aber sein können, denn er war mit ihm befreundet, und der Katalog Künstlerleben in Rom. Bertel Thorvaldsen (1770-1844): Der dänische Bildhauer und seine Freunde hat eine Vielzahl von Einträgen für seinen Namen. Die Ateliers von Thorvaldsen und Koch werden für Jahrzehnte die Anlaufstationen für alle durchreisenden Künstler sein (auch Carl Blechen wird bei Koch wohnen). Das Bild von Detlev Blunck war übrigens schon in dem Post Bertel Thorvaldsen zu sehen.
Die Landschaft mit dem Regenbogen hat Koch 1805 gemalt, es ist das Jahr, in dem er mit dem →Schmadribachfall beginnt. Den lässt er aber erst einmal auf der Staffelei (oder in einer Ecke des Studios) stehen, erst 1811 wird er ihn vollenden. Das Bild ist heute in Leipzig, die Neue Pinakothek München hat eine spätere Fassung. Die früheste Fassung des Bildes ist dieses Aquarell von 1794, das das Kunstmuseum Basel besitzt. Es ist in seinem Detailreichtum und der Luftigkeit der Farben vielleicht schöner als die anderen Bilder.
Koch hat sein Bild in einem Brief an seinen Freund Robert von Langer selbst beschrieben als: Eine sozusagen prachtvolle Wildnis mit Gletscherkaskaden, Wolken, welche zum Teil die Gebirge umschleiern, machen den Hintergrund aus; In der Mitte befindet sich ein undurchdringlicher Wald von Tannen und anderem wilden Gewächs und Felstrümmern und stürzenden Wassern vermischt. Der Vordergrund ist die Tiefe des Tales, von frischem Grün erfreut, mit dem brausenden Strom der Steinberg Lütschüne, in welch sich oben gedachte Wasser stürzen. Der ich aus einem solchen Bergland geboren bin und mich selbst als Kind solcher majestätischer Natur schon immer freute und deren Erinnerung mir noch jetzt tief eingeprägt ist. Auch besitze ich sehr fleißige Zeichnungen nach der Natur hiervon.
Der Maler Joseph Anton Koch wäre mir eigentlich schnurzpiepeegal. Wenn da nicht diese Reproduktion des Schmadribachfalls wäre, die ich jahrelang an die Wände verschiedener Studentenbuden gepappt hatte. Ich weiß nicht weshalb. Aber ich kenne natürlich jeden Quadratzentimeter des Bildes. Die Reproduktion ist heute nicht mehr an der Wand, die ruht in einer großen Mappe im Keller. Wenn Sie mehr über Kochs Gemälde wissen wollen, dann kann ich Hilmar Franks kleines Buch in der hervorragenden Reihe →Kunststück des Fischer Verlags empfehlen. Und diese →Seite, auf der ein Kunstpädagoge didaktisch das Bild analysiert, besser kann man es nicht machen.
Die kleine Winzerstadt Olevano hatte Joseph Anton Koch um 1803 entdeckt. Er entdeckte da nicht nur die Schönheit dieser Landschaft, er entdeckte auch eine schöne Italienerin namens Cassandra Ranaldi, die er drei Jahre später heiratete. Besonders angetan hat es Koch ein Eichenwäldchen oberhalb von Olevano, das Serpentara (Schlangenwäldchen) heißt. Das wird dann für den Rest des Jahrhunderts für alle deutschen Maler, die Rom besuchen (sogar für den Deutschamerikaner Albert Bierstadt), die Vorlage für das Zeichnen von Eichen sein.
Als der Maler Edmund Kanoldt (diese Zeichnung des Serpentara Wäldchens ist von ihm) 1873 erfährt, dass man den Wald abholzen und zu Eisenbahnschwellen verarbeiten will, alarmiert er den deutschen Botschafter in Rom. Und dann gibt es eine beispiellose Aktion, Künstler sammeln und spenden (der Maler Carl Schuch übernimmt ein Viertel der Kosten), um das Wäldchen zu kaufen. Und da Deutsche immer übertreiben müssen, ist das Schlangenwäldchen inzwischen zu einem heiligen Eichenhain geworden.
Was wären wir Deutschen ohne Wald? Ohne das Lindenblatt, das auf Siegfried fällt, ohne Hermann den Cherusker, ohne Wolfsschlucht, ohne Eichendorffs Wälder und die Märchen der Brüder Grimm? Könnte ich jetzt stundenlang drüber schreiben. Habe ich auch schon getan, ich liste unten einmal einige Posts zum Thema Wald auf. Und ich muss natürlich das Buch von Simon Schama Landscape and Memory (Der Traum von der Wildnis) erwähnen, das ein schönes Kapitel über den deutschen Wald hat.
Die Gegend von Olevano war nicht mehr unbedingt idyllisch, jetzt im Risorgimento häufen sich in der ruhigen Gegend die Überfälle durch banditti. Die kommen normalerweise auf den Bildern von Salvator Rosa vor (dies ist eins seiner Bilder), aber es scheint sie auch in der Wirklichkeit zu geben. Die Malerin Louise Seidler (die Sie schon aus dem Post Georg Friedrich Kersting kennen) hat in ihren Lebenserinnerungen davon berichtet, wie Briganten den Baron von Rumohr überfallen wollten und den Maler Friedrich Salathéè entführten. Die Geschichte geht aber gut aus.
Wenn Deutsche sich etwas vornehmen, dann führen sie das auch zu Ende (vom Flughafen Berlin-Brandenburg und Stuttgart 21 einmal abgesehen), das Serpentara Wäldchen (hier ein Bild von August Lucas) wird nicht abgeholzt, es bleibt in deutscher Künstlerhand. Bis heute. Denn da gibt es die Villa Serpentara, die so etwas Ähnliches wie die Villa Massimo ist.
Es wird nicht verwundern, dass es in einem Blog namens SILVAE manchmal um Wälder geht. Lesen Sie auch: silvae: Wälder: Lesen, Eisenhammer, Deutsche Romantik, Wolfsschlucht, Lützow, Moritz von Schwind, Vollmond, Caspar David Friedrich, Adalbert Stifter, Zweite Heimat, Carl Blechen
Donnerstag, 23. Juli 2026
die Übersetzerin Eva Rechel-Mertens
Was unseren Klassenlehrer damals dazu bewog, mit uns von Mainz aus einen Ausflug nach Germersheim zu machen, weiß ich bis heute nicht. Es waren Semesterferien, die Hörsäle der Hochschule in der ehemaligen Seyssel Kaserne waren leer. Es gab viel Grün um die Bauten, und es war landschaftlich schön. Aber warum waren wir hier? Heute weiß ich, dass in Germersheim die größte Ausbildungsstätte weltweit für Dolmetscher und Übersetzer ist. Begründet 1947 als Staatliche Dolmetscherhochschule für die französischen Besatzer, die kein Deutsch sprachen. Und die Beamten des Landes, die kein Französisch konnten. Wurde 1949 als Auslands- und Dolmetscherinstitut in die Johannes Gutenberg Universität Mainz eingegliedert und ist heute der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK).
Auch wenn ich vor über sechzig Jahren davon nichts wusste, in meinem Berufsleben wusste ich wohl, was in Germersheim passierte. Studenten, die davon träumten, Übersetzer zu werden, empfahl ich den Wechsel des Studienorts. Sie waren in Germersheim besser aufgehoben als bei uns. Übersetzer und Übersetzungen haben in diesem Blog einen großen Platz. Wenn Sie den Post Übersetzer anklicken, der von dem Übersetzer Curt Meyer-Clason handelt, finden Sie da einen Vielzahl von Links (es sind beinahe hundert), die zu Posts führen, in denen von Übersetzungen die Rede ist. Und diese Posts werden auch gelesen, der Post Anna Karenina: Übersetzungen ist über fünftausendmal gelesen worden.
Ich schreibe das hier heute mit dieser Uhr am Arm. Es ist eine Tissot T12 aus dem Jahre 1970 mit einem Armband der Firma Gay Frères. Die Firma ist der bedeutendste Hersteller von qualitativ hochwertigen Uhrarmbändern gewesen, Patek-Philippe, die IWC und Zenith kauften dort ihre Bänder. Und das originale Band der Eterna KonTiki kam auch von Gay Frères. Mit der Uhr auf diesem Photo wollte Tissot betonen, dass diese T12 etwas ganz Besonderes war, und deshalb spendierte man ihr ein Band von Gay Frères. Diese Armbänder sind für Sammler teuer geworden, das Armband dieser Uhr kostet bei ebay schon 300 Euro. Ohne Uhr. Alles, was ebay anbietet, muss neuerdings übersetzt werden. Überall arbeitet im Hintergrund die KI mit ihren hanebüchenen Computerübersetzungen. Ich habe schon in den Posts wie Gartenkarre und pfanni denglish (und man könnte auch den Post Bräutigam dazu nehmen) auf die fürchterlichen Ergebnisse von Computerübersetzungen bei ebay hingewiesen. Und deshalb ist diese Tissot T12 (die mal 120 Meter wasserdicht war) heute hier. Weil die ebay Computerübersetzung das Gay Frères mit schwule Brüder übersetzt. Und deshalb brauchen wir Germersheim, weil dort richtige Übersetzer ausgebildet werden, die niemals solchen Quatsch produzieren würden.
Wenn Sie nicht wissen, was das UeLEX hier bedeutet, dann kann es dafür schnell eine Aufklärung geben. Das Germersheimer Übersetzerlexikon UeLEX ist ein frei zugängliches, kontinuierlich wachsendes interdisziplinäres Online-Referenzwerk, das seit 2015 existiert und seit 2022 in konzeptionell und technisch überarbeiteter Form zur Verfügung steht, sagt das Online Lexikon über sich selbst.













































