Mittwoch, 25. März 2026

shirtwaist

So etwas ist um 1900 für junge Frauen chic, Blusen, die wie Herrenhemden aussehen, für die new woman der Jahrhundertwende. Heißen shirtwaists und kosten auch nur einen Dollar. Wir ahnen schon, dass bei solchen Preisen die Näherinnen der Hemden ausgebeutet werden. Die Geschichte der Oberhemden und der Damenblusen ist eine Geschichte der Ausbeutung. Schon 1843 veröffentlichte Thomas Hood sein Gedicht Song to the Shirt, das ich hier auch in einer deutschen →Übersetzung habe. Wenn man bei Googles KI das Wort shirtwaist eingibt, erhält man den Satz: Der Begriff ist zudem eng mit der Triangle Shirtwaist Factory Katastrophe 1911 verbunden.

Heute vor 115 Jahren brannten in New York die obersten Stockwerke des zehnstöckigen Asch Buildings aus. Ich habe mit Thomas Hoods Gedicht Song to the Shirt begonnen, ich bleibe mal bei Gedichten. Da gibt es nämlich zu dem Thema ein Gedicht, das ganz simpel Shirt heißt, aber nicht wirklich simpel ist. Geschrieben hat es Robert Pinsky, ein in Amerika berühmter Dichter. Er war einmal Poet Laureate, hat viele Preise bekommen und den Ehrendoktor von einem halben Dutzend Universitäten. In Deutschland ist er erstaunlicherweise so gut wie unbekannt. 

Pinskys Gedicht, das 1989 im New Yorker erschien (und hier vom Dichter gelesen wird), handelt von den anonymen Näherinnen, die weltweit Hemden nähen. Es geht letztlich um die Ausbeutung von Frauen. Das Gedicht Shirt fängt harmlos an, mit den Einzelteilen eines Hemds (the back, the yoke, the yardage. lapped seams), kommt dann zu den Näherinnen, die sich in einer Pause unterhalten (Koreans or Malaysians gossiping over tea and noodles on their break), aber dann kommt es, das Schreckliche: junge Mädchen stürzen sich aus dem neunten Stock eines Hochhauses in den Tod.

Geht hier die Phantasie des Dichters durch? Nein, the infamous blaze at the Triangle Factory in nineteen-eleven, das hat es gegeben. Eine Katastrophe, bei der mehr als hundertvierzig ganz junge Mädchen, zumeist jüdische und italienische Immigrantinnen, in den Flammen umkamen, erstickten oder in den Tod sprangen. Töchter von Einwanderern, die alle vom American Dream träumten. Aber der Brand der Triangle Shirtwaist Factory wiederholt sich immer wieder auf der Welt. Hundert Jahre nach der Katastrophe in New York haben wir den Brand der Ali Enterprises in Pakistan, das Tazreen Fashions Feuer in Bangladesch (wo auch C&A produzieren ließ) und den Einsturz des Rana Plaza Building in Bangladesch. Was wir am Körper tragen, ist einen langen Weg gegangen, häufig einmal um die Welt. Unter welchen Bedingungen es entstanden ist, wissen wir selten. Und damit sind wir beim Thema des Gedichts Shirt:

The back, the yoke, the yardage. Lapped seams,
The nearly invisible stitches along the collar
Turned in a sweatshop by Koreans or Malaysians

Gossiping over tea and noodles on their break
Or talking money or politics while one fitted
This armpiece with its overseam to the band

Of cuff I button at my wrist. The presser, the cutter,
The wringer, the mangle. The needle, the union,
The treadle, the bobbin. The code. The infamous blaze

At the Triangle Factory in nineteen-eleven.
One hundred and forty-six died in the flames
On the ninth floor, no hydrants, no fire escapes—

The witness in a building across the street
Who watched how a young man helped a girl to step
Up to the windowsill, then held her out

Away from the masonry wall and let her drop.
And then another. As if he were helping them up
To enter a streetcar, and not eternity.

A third before he dropped her put her arms  
Around his neck and kissed him. Then he held
Her into space, and dropped her. Almost at once

He stepped to the sill himself, his jacket flared
And fluttered up from his shirt as he came down,
Air filling up the legs of his gray trousers—

Like Hart Crane’s Bedlamite, “shrill shirt ballooning.”
Wonderful how the pattern matches perfectly
Across the placket and over the twin bar-tacked

Corners of both pockets, like a strict rhyme
Or a major chord. Prints, plaids, checks,
Houndstooth, Tattersall, Madras. The clan tartans

Invented by mill-owners inspired by the hoax of Ossian,
To control their savage Scottish workers, tamed
By a fabricated heraldry: MacGregor,

Bailey, MacMartin. The kilt, devised for workers
To wear among the dusty clattering looms.
Weavers, carders, spinners. The loader,

The docker, the navvy. The planter, the picker, the sorter
Sweating at her machine in a litter of cotton
As slaves in calico headrags sweated in fields:

George Herbert, your descendant is a Black
Lady in South Carolina, her name is Irma
And she inspected my shirt. Its color and fit

And feel and its clean smell have satisfied
Both her and me. We have culled its cost and quality
Down to the buttons of simulated bone,

The buttonholes, the sizing, the facing, the characters
Printed in black on neckband and tail. The shape,
The label, the labor, the color, the shade. The shirt.

Es gibt im Internet Interpretationshilfen, um das Gedicht besser zu verstehen, hier ist eine davon. Und dann habe ich hier noch ein →Interview mit Robert Pinsky, in dem man sehr viel über das Gedicht erfährt. Ein Jahr nach der Katastrophe von 1911 gab es The Crime of Carelessness im Kino zu sehen, produziert von der Thomas A. Edison Incorporation. Und bezahlt vom Verband der Unternehmer. 1950 hat Jack Armold, der ansonsten auf SF Filme und Horror spezialisiert war, den Film With These Hands gedreht. Der Dokumentarfilm war eigentlich nur für die Mitglieder der International Ladies' Garment Workers' Union gedreht worden, wurde aber trotzdem für einen Oscar nominiert; die Brandkatastrophe kommt allerdings nur randständig in dem Film vor. 1979 erschien das Ganze mit dem Triangle Factory Scandal als Spielfilm, aber den Schrecken der Wirklichkeit, wie sie David von Drehle in Triangle: The Fire That Changed America beschrieben hat, gibt das alles kaum wieder.

Die Besitzer der Fabrik Max Blanck und Isaac Harris, zwei jüdische Immigranten, werden wegen Totschlags angeklagt. Aber dank des Geschicks des Anwalts Max David Steuer (auch ein jüdischer Immigrant aus Osteuropa) in allen Punkten freigesprochen. Da es ihnen nicht zweifelsfrei nachzuweisen war, dass sie alle Türen verschlossen hatten, sodaß es kein Entkommen für die Mädchen gab. Steuer nutzt es aus, dass viele Zeuginnen der Brandkatastrophe der englischen Sprache nicht ganz mächtig sind, und nicht klar sagen können, dass die Türen verriegelt waren.

Max Blanck und Isaac Harris werden von der Versicherung 64.925 Dollar bekommen, das bedeutet, dass sie an jedem toten Mädchen 445 Dollar verdient haben. Nach jahrelangem Rechtsstreit wird die Versicherung den Eltern der Mädchen 75 Dollar pro totem Kind zahlen. Der Staatsanwalt Charles T. Bostwick hat sich in dem Prozess nicht durchsetzen können, er wird es im nächsten Jahr noch einmal versuchen, wird aber abgewiesen. 1913 wird Max Black in seiner neuen Fabrik dabei ertappt, dass wieder alle Fluchttüren verschlossen sind. Er muss vor Gericht erscheinen, der Richter verurteilt ihn zu einer Strafe von zwanzig Dollar und entschuldigt sich bei ihm, dass er ihn vorgeladen hat.

Es wird politische →Konsequenzen geben. Die Frau rechts auf dem Bild ist Frances Perkins. Sie war Augenzeugin des schrecklichen Geschehens an dem Märznachmittag 1911. Und sie war der Überzeugung, dass etwas geschehen müsse: There was a stricken conscience of public guilt and we all felt that we had been wrong, that something was wrong with that building which we had accepted or the tragedy never would have happened. Moved by this sense of stricken guilt, we banded ourselves together to find a way by law to prevent this kind of disaster. Durch die Vermittlung von Ex-Präsident Theodore Roosevelt wird sie die Vorsitzende der Factory Investigating Commission. In den nächsten drei Jahren wird es 36 Gesetze zur Besserstellung der Arbeiter geben, the golden era in remedial factory legislation hat man die Zeit genannt. 

Zwanzig Jahre später ist Frances Perkins die erste Frau in Amerika, die Ministerin in einer Regierung ist. Franklin D. Roosevelt hatte sie zur Arbeitsministerin berufen, dem wichtigsten Posten in der Great Depression. Die heutige Sozialgesetzgebung verdankt ihr viel, sehr viel. Frances Perkins wird die Architektin des New Deal sein, und sie wird sagen: The New Deal began on March 25th, 1911. The day that the Triangle factory burned. So kann aus etwas Schrecklichem etwas Gutes werden. Oder, wie Hölderlin sagt: Wo aber Gefahr ist, wächst Das Rettende auch.

Sonntag, 22. März 2026

Alte Nationalgalerie


Im Jahr 1830 wurde in Berlin das Alte Museum eröffnet, eins der Hauptwerke von Karl Friedrich Schinkel. Es war Preußens erstes öffentliches ✺Museum. Es war auf einer →Insel in der Spree gebaut worden, wo in den nächsten hundert Jahren noch mehrere Museen gebaut werden. Deshalb nennt man sie heute auch die →Museumsinsel. Eins dieser ✺Museen hat heute seinen hundertfünfzigsten Geburtstag, wenn man eine Eintrittskarte hat, sind alle →Führungen in der Alten Nationalgalerie heute frei.

Am 22. März 1876 wurde die kaiserliche Nationalgalerie von Kaiser Wilhelm, den man Jahrzehnte zuvor den Kartätschenprinz genannt hatte, feierlich eröffnet. Ein Tempel der Kunst des jungen Deutschlands, das es jetzt fünf Jahre gab. Im Auftrag des Königs Friedrich Wilhelms IV, der seit dem Juni 1886 ein →Reiterstandbild vor der Nationalgalerie hat, hatte der preußische Baumeister Friedrich August Stüler ab 1862 das Bauwerk geplant. →Stüler, der ein Schüler von Karl Friedrich Schinkel war, wird hier schon in den Posts Gemäldegalerie und Putbus erwähnt. Gebaut wurde das Museum dann nach Stülers Tod von Johann Heinrich Strack in dem Mischstil aus Klassizismus und der Neorenaissance, den man in der Belle Époque gerne verwendete.

Der erste Direktor der königlichen Nationalgalerie war Max Jordan, hier nach seiner Pensionierung von seinem Neffen Wilhelm Jordan gemalt. Max Jordan verwaltet, was er vorfindet. Der Grundstock des Museums war die →Kunstsammlung von Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, die der Bankier in seinem 1859 aufgesetzten Testament dem Prinzregenten, beziehungsweise dem Staat Preußen, schenkte: Im Vertrauen auf das Urtheil vieler Kenner über den nicht unbedeutenden Kunstwerth der Sammlung, die ich mit einem Kostenaufwande von weit über 100,000 Thalern zusammengebracht und mit stets wachsender Freude gepflegt habe, wage ich es, dieselbe Sr. Königlichen Hoheit dem Prinz-Regenten und, insofern bei meinem Ableben die Regentschaft beendet sein sollte, Sr. Majestät dem alsdann regierenden Könige als ein Legat anzubieten und um huldreiche Annahme desselben im Interesse der Kunst unterthänigst zu bitten. Es knüpft sich an diese meine Bitte keinerlei andere Bedingung oder Beschränkung, als die ich in meinem obigen Wunsche für die ungetrennte Erhaltung, Aufstellung und Benutzung der Sammlung bereits auszusprechen mir erlaubt habe.

Schinkels Gotische Kirche auf einem Felsen am Meer war eins der ersten Bilder, das der Bankier 1815 gekauft hatte, zwei Bilder von Caspar David Friedrich hatte er auch besessen. Über den Säulen der Frontseite der Nationalgalerie steht programmatisch Der Deutschen Kunst. Daran werden sich die Nachfolger von Max Jordan, der die Sammlung von Wagener neu ordnete und katalogisierte, nicht halten. Hugo von Tschudi, der sich in einem Konkurrenzkampf mit dem übermächtigen Wilhelm von Bode befindet, kauft zum Missfallen des Kaisers Monet, →Manet, Renoir, Cezanne und →Constable. Und auch sein Nachfolger Ludwig Justi, den die Nazis 1933 absetzen, wird Ähnliches tun.

Nach der Wiedervereinigung hat man die Berliner Museen neu geordnet, die schöne →Gemäldegalerie Dahlem gibt es nicht mehr. Die Alte Nationalgalerie beherbergt jetzt die Malerei des 19. Jahrhunderts. Schinkels Gotische Kirche ist immer noch da, aber auch Friedrichs Mönch am Meer, der früher in Charlottenburg hing. Eduard Gaertner ist auch hier, aber auch →Manet und Renoir. Die neue Direktorin Anette Hüsch wird sich das seit 2025 alles angeschaut haben, denn mit dieser Kunst hatte sie sich zuvor nicht beschäftigt. Eher mit Jeff Koons, Andy Warhol und Jörg Immendorf.

Hüsch war von 2010 bis 2025 Direktorin der Kieler Kunsthalle. Der NDR hat bei ihrem Abschied über sie gesagt: Mehr als ein Jahrzehnt lang hat Hüsch die Kunstszene in der Landeshauptstadt geprägt. Davon habe ich, das muss ich gestehen, überhaupt nichts gemerkt; obwohl ich in der Landeshauptstadt wohne und seit einem halben Jahrhundert Mitglied des Kunstvereins bin. Die Kunsthalle Kiel ist seit drei Jahren wegen einer Renovierung, die fünfzig oder sechzig Millionen Euro kosten soll, geschlossen. Und wird das auch noch mindestens drei Jahre bleiben. Eine neue Direktorin hat man aber schon. 

Jens Christian Jensen war 1971 der erste hauptamtliche und eigenständige Direktor der Kunsthalle geworden, vorher war der Ordinarius für Kunstgeschichte der Universität in Personalunion Direktor der Kunsthalle. Jensen hatte durch ein Feuerwerk von großen Ausstellungen das verschlafene Provinzmuseum in die Champions League der Museen geführt, seine Nachfolger haben sie in die Kreisklasse gebracht. Jensen, den die dänische Königin zum Ritter des Dannebrogordens ernannt hatte, hatte mir vor seinem Tod geschrieben, dass er über die Tätigkeiten seiner Nachfolger sehr, sehr unglücklich sei. In dem Post Friedrich Mißfeldt habe ich über das Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof gesagt, dass dieses Haus ein kulturelles Juwel ist. Als die Kieler Kunsthalle nach dem Weggang von Jensen unter unfähigen Direktoren zur Bedeutungslosigkeit verkam, als nach der Verlegung der Kunstsammlung der Stiftung Pommern nach Greifswald noch ein Loch in die dünne Kulturdecke gerissen wurde, als keine Ausstellungen mehr in der Landeshalle des Kieler Schlosses stattfanden, da blieb der Warleberger Hof der einzige Ort, an dem man noch interessante Ausstellungen sehen konnte. 

Irgendwie lebte ich wohl in einer anderen Welt als die Direktorin der Kunsthalle, die angeblich die Kunstszene der Landeshauptstadt geprägt hat. Aber wie es auch sei, ich gratuliere natürlich der Alten Nationalgalerie, in der ich in meinem Leben viele Stunden verbracht habe, zum hundertfünfzigsten Geburtstag. Bei Google habe ich über meinen Blog gelesen: Die Texte sind bekannt für ihre intellektuelle Tiefe, gepaart mit einem persönlichen, oft anekdotischen Erzählstil. Das stimmt wahrscheinlich, je suis comme je suis. Und so will ich meinen Glückwunsch mit etwas Anekdotischem beschließen. Dieses schöne Bild von Franz Krüger aus der Nationalgalerie, das den →Künstler beim Ausritt mit dem Kronprinzen zeigt, brauche ich auch dazu. Vor fünfundsechzig Jahren war ich mit meiner Freundin Traute, die leider viel zu früh verstorben ist, eine Woche in Berlin. Wir bewegten uns von Museum zu Museum. Wir hatten noch kein Abitur, aber Traute war klar, dass sie Kunst studieren würde. Mir war klar, dass ich  Kunstgeschichte studieren würde. Und an diesem schönen Spätsommertag, als wir auf der Museumsinsel landeten, konnte ich es wieder einmal nicht lassen, den Mini-Kunsthistoriker herauszulassen und gab vor jedem Bild meine Kommentare ab.

Als wir bei Franz Krügers →Parade auf dem Opernplatz in Berlin angekommen waren, gesellte sich eine vierköpfige Familie aus Sachsen zu uns, die irgendwie den Eindruck hatten, dies sei eine offizielle Museumsführung. Bei der Nennung von Pferde-Krüger nickten sie schon alle fachmännisch mit den Köpfen, und als ich dann noch hinzufügte, dass Krüger bei einem Landschaftsmaler namens Kolbe gelernt hatte, den man den Eichen-Kolbe nannte (weil er immer so schöne Eichen in seine Bilder malte), waren sie von mir begeistert. Pferde-Krüger und Eichen-Kolbe, das kann man sich leicht merken. Und dann zur Krönung noch die Geschichte, dass Krüger am Anfang seiner Karriere Kohlezeichnungen von Pferden und Stallburschen gemacht hat, für fünf Groschen das Bild. Die Geschichte stimmt wahrscheinlich nicht, kommt aber immer gut an. 

Glücklicherweise besitzt die Nationalgalerie auch viele Bilder von Carl Blechen, einem Maler, zu dem mir (wie bei diesem →Waldweg bei Spandau) immer etwas einfällt. Am Ende des Nachmittags war die Gruppe, die wir von Saal zu Saal mitschleppten, auf etwas über zwanzig Leute angewachsen. Meine Freundin Traute, eine coole Blondine, hatte die ganze Zeit über Schwierigkeiten, nicht vor Lachen loszuprusten. Ein schwedisches Diplomatenehepaar mit einem verzogenen Gör gab mir zum Schluss sein ganzes DDR Blechgeld. Sie glaubten wohl, einem jungen DDR Bürger damit einen großen Gefallen zu tun. Wir versuchten, das DDR Geld über das Wasser zu ditschen, aber was mit flachen Kieseln auf der Weser geht, ging mit den Münzen auf der Spree nicht. Das billige Blechgeld hüpfte nicht, wie es hüpfen sollte.

Donnerstag, 19. März 2026

Tabak aus Virginia


Heute vor 410 Jahren wurde Sir Walter Raleigh nach dreizehn Jahren Haft aus dem Tower of London freigelassen. Wenn man sich die Liste der Gefangenen in dieser Zeit anschaut, dann könnte man sagen, dass der Tower eine Art Staatshotel für den englischen Adel ist. Selbst Elizabeth war, bevor sie Königin wurde, für einige Monate hier Gast. Und natürlich Anne Boleyn, die in diesem Blog einen vielgelesen Post hat. Was uns als erstes zu Sir Walter einfällt, ist, dass er seinen Mantel über eine Pfütze wirft, damit die Königin keine nassen Füße bekommt. Das ist der Beginn seiner Karriere, aber die schöne Geschichte findet sich erst achtzig Jahre später in Thomas Fullers History of the Worthies of England, und sie ist wahrscheinlich nicht wahr.

Raleigh lebte ganz kommod im Tower, wie wir auf diesem Bild von Henry Wallis aus dem Jahr 1857 sehen können. Nicht ganz so luxuriös wie Henry Percy, der von zwanzig Dienern betreut wird, Raleigh hat nur drei. Aber er hat seine Familie um sich, kann Besuch empfangen und den Garten des Tower nutzen. Er schreibt in den dreizehn Jahren eine mehrbändige History of the world, und von der Welt hatte er in seinem Leben viel gesehen.

Er hat drei Expeditionen nach Roanake Island ausgerüstet, diesen Teil der Welt hat er zur Ehre der virgin queen Elizabeth, Virginia genannt. Solche Expeditionen waren damals eine große Sache. Der Dichter Michael Drayton, der ebenso wie Raleigh nie in Amerika war, beschrieb Virginia als:

Earth's only paradise.
Where nature hath in store
Fowl, venison, and fish,
And the fruitfull'st soil
Without your toil
Three harvests more,
All greater than your wish.

Nach Raleighs Tod (ja, wir wissen alle, dass er nach seiner letzten Südamerikareise, bei der er zum dritten Mal El Dorado finden wollte, geköpft wurde) findet man in seiner Zelle einen Tabaksbeutel mit der lateinischen Aufschrift Comes meus fuit in illo miserrimo tempore. Und mit dem Tabak, den Raleigh von Virginia nach England gebracht hat, bin ich da, wo ich hinwollte. Nämlich bei dem amerikanischen stand up comedian Bob Newheart. Der sich in seinem Comedy Klassiker Introducing Tobacco to Civilization ein Telephongespräch zwischen Sir Walter Raleigh in Virginia und dem Direktor der West Indies Company in London vorstellt. Glücklicherweise wurde das Gespräch damals aufgezeichnet, ich habe es hier auf dem Video. Und falls die Tonspur nicht so gut war, habe ich den ganzen Text hier noch einmal:

Milestones are never really recognised right away... it takes fifty or sixty years before people realise what an achievement it is. Take for instance... tobacco, it was discovered by Sir Walter Raleigh... and he sent it over to England from the colonies. It seems to me, the uses of tobacco aren't obvious right off the bat... and I imagine a phone conversation between Sir Walter Raleigh and the head of the 'West Indies Company' in England, explaining about this shipment of tobacco... would go something like this: 

Telephone rings

Yeh?...
Who is it, Frank?...
Sir Walter Raleigh?...
Yeh?...
Yeh, put him on, will you!
Hey, Harry... you wanna pick up the extension?...
Yeh! it's nutty Walter again!
Hi, Walter baby, how are you, guy? How's everything
Going?...
Oh, things are fine here, Walt!...
Did we get the what?...
Oh!, the boat load of turkeys, yeh! They arrived fine
Walt, as a matter of fact they're still here, they're
Wanderin' all over London...
Well, y'see, that's an American holiday, Walt!...
What you got for us this time, Walt, you got another
Winner for us?
Tob-acco... er, what's tob-acco, Walt?...
It's a kind of leaf, huh?...
And you bought eighty tonnes of it!...
Let me get this straight, Walt, you've bought eighty
Tonnes of leaves? This may come as a kind of a surprise
To you Walt but come fall in England, we're kinda upto
Our...
It isn't that kind of leaf, huh?...
Oh!, what kind is it then... some special kind of
Food?...
Not exactly?...
Oh, it has a lot of different uses, like, what are some
Of the uses, Walt?...
Are you saying 'snuff', Walt?...
What's snuff?...
You take a pinch of tobacco, ha! ha! ha!...
And you shove it up your nose. ha! ha! ha!...
And it makes you sneeze? ha! ha! ha!...
Yeh, I imagine it would, Walt! Hey, Goldenrod seems to
Do it pretty well over here!
It has other uses though, huh?...
You can chew it!...
Or put it in a pipe!...
Or you can shred it up...
And put it in a piece of paper. ha! ha! ha!...
And roll it up. ha ha ha...
Don't tell me, Walt, don't tell me. ha! ha! ha! you
Stick it in your ear, right? ha! ha! ha!...
Oh! between your lips!...
Then what do you do, Walt? ha! ha! ha!...
You set fire to it! ha! ha! ha!...
Then what do you do, Walt?...
Ha! ha! ha! You inhale the smoke, huh! ha! ha! ha!...
You know, Walt... it seems you can stand in front of
Your own fireplace and have the same thing going for
You!
You see, Walt... we've been a little worried about you
Y'know, ever since you put your cape down over that
Mud
Y'see, Walt... I think you're gonna have rather a tough
Time selling people on sticking burning leaves in their
Mouthes...
It's going very big over there, is it?...
What's the matter, Walt?...
You spilt your what?...
Your coff-ee?
What's coffee, Walt?...
That's a drink you make out of beans, huh? ha! ha!
Ha!...
That's going over very big there, too, is it?...
A lot of people have a cup of coffee right after their
First cigarette in the morning, huh?...
Is that what you call the burning leaves, Walt?...
Cigarettes?...
I tell you what, Walt!, why don't you send us a
Boatload of those beans, too!
If you can talk people into putting those burning
Leaves in their mouthes... they've gotta go for those
Beans, Walt!... right?
Listen, Walt... don't call us... we'll call you!...
G'bye!


Gut, wir wissen, dass diese Geschichte nicht wahr ist. Die Geschichte, dass Walter Raleigh 1586 den ersten Tabak nach England gebracht hat, ist auch nicht wahr. Schon zwanzig Jahre zuvor bringt Sir John Hawkins, Seefahrer und Freibeuter wie Raleigh, Tabak aus dem spanischen Florida nach England. Man benutzt den zu Puder zermahlten Tabak zu medizinischen Zwecken. Dass man ihn in Tonpfeifen in Gesellschaft raucht, das hat allerdings Raleigh populär gemacht. Er soll sogar die Königin überredet haben, mal ein Pfeifchen zu rauchen. Deren Nachfolger, König James I, konnte dem um sich greifenden Geschmöke nichts abgewinnen. Im Jahr 1604 veröffentlichte er das Traktat A Counterblaste to Tobacco, in dem er das Rauchen als custome lothesome to the eye, hateful to the nose, harmful to the brain, dangerous to the lungs, and in the black and stinking fume thereof, nearest resembling the horrible stygian smoke of the pit that is bottomless brandmarkt. Und sofort die Steuern auf den Tabak erhöht. Aber die custome lothesome to the eye, hateful to the nose, harmful to the brain, dangerous to the lungs ist immer noch da.


Noch mehr Tabak in diesem Blog in den Posts: Tabak, Blauer Dunst, Zigarrren, Pfeifen: quer durch Europa, Tabakrauch und Pulverdampf, 150 Jahre Tabac Trennt

Montag, 16. März 2026

Seid umschlungen, Millionen

Mitten in der Nacht, als ich tief schlief, stand hier die Zahl

                        7.000.000

                           wow!

                 thanks, dear readers

Sonntag, 15. März 2026

das Ende eines Kriegs

Heute vor 245 Jahren hat der englische General Charles Cornwallis bei Guilford Courthouse in North Carolina eine Schlacht gegen die Amerikaner gewonnen. Es war die letzte Schlacht, die er in Amerika gewann. Wenige Monate später musste er sich George Washington in Yorktown ergeben. In Roland Emmerichs Film ✺The Patriot kommt die Schlacht auch vor, aber das lassen wir mal weg. Wenn aus Francis Marion, den man den swamp fox nennt, Mel Gibson wird, dann hat das nichts, aber auch gar nichts, mit historischer Wirklichkeit zu tun. Das ist nur grauenhafte Geschichtsklitterung. Und Roland Emmerich Filme kommen in diesem Blog sowieso nicht vor. Dies ist kein Bild aus dem Film von Emmerich, es ist ein Photo von einem Re-Enactment der Schlacht. Denn die Schlacht wird als Spektakel für Touristen jedes Jahr wieder geschlagen. Auch heute wird es, beginnend um 14:00 Ortszeit, wieder ein Re-Enactment geben. Ich habe hier einen interessanten ✺Film zu dem Thema. 

Die Schlacht von Cowpens, die die Amerikaner im Januar 1781 dank des taktischen Geschicks von General Daniel Morgan gegen die überlegenen Engländer gewinnen, hatte sich General Nathanael Greene zum Vorbild genommen, als er sich endlich Lord Cornwallis in einer Schlacht stellt. Greene war einer der engsten Freunde von George Washington und gilt als einer der fähigsten amerikanischen Generäle im Unabhängigkeitskrieg. Er hat keine einzige Schlacht gewonnen. 

Aber worin liegt seine Größe? Normalerweise beurteilt man Feldherren nach ihren gewonnenen Schlachten, damit kann der Quäker aus Rhode Island, den man The Fighting Quaker nennt, nicht aufwarten. Nathanael Greene hatte den Krieg als gemeiner Soldat begonnen. Die Infanteriekompanie, in die er eingetreten war, wollte ihn nicht zu ihrem Captain wählen, weil er ein lahmes Bein hatte. Aber wenig später ist er schon Brigadegeneral der Miliz. Er ist vom Anfang des Krieges an immer an Washingtons Seite gewesen, später hat ihn Washington zum Generalquartiermeister der Armee gemacht. Das hat Greene nicht geschmeckt (No one ever heard of a quartermaster in history), aber er hat in dieser Zeit viel gelernt, er holt da sozusagen eine Generalstabsausbildung nach. Wie man Truppenteile bewegt, wie man Nachschub an Munition und Verpflegung organisiert. Vieles bezahlt er jetzt auch (wie Washington) aus eigener Tasche. In seiner Jugend hat er jedes Buch über die Kriegskunst gelesen, das er in die Finger kriegen konnte - was die Quäkergemeinde nicht gerne sah - jetzt kann er die Theorie in die Praxis umsetzen. 

Als George Washington ihm einmal für wenige Tage die Armee überlässt, tut er das mit den folgenden Worten: In my absence the command of the army devolves upon you. I have such entire confidence in your prudence and abilities that I leave conduct of it to your discretion, with only one observation: that with our present prospects it is not our business to seek action, nor to accept one, except upon advantageous terms. Den letzten Satz hat er verinnerlicht, als er das Kommando über die amerikanische Armee in den südlichen Kolonien erhält: it is not our business to seek action, nor to accept one, except upon advantageous terms. Und er weiß, dass er Niederlagen einstecken wird, Scharmützel, Gefechte und Schlachten verlieren wird. There are few Generals that have run oftener, or more lustily than I have done... But I have taken care not to run too far and commonly have run as fast forward as backward, to convince our enemy that we were like a crab, that could run either way, wird Nathanael Greene sagen. Seine Maxime ist: we fight, get beat, rise, and fight again. Das schreibt er auch an den französischen Gesandten in Amerika, den Chevalier de la Luzerne (nach dem Luzerne County in Pennsylvania benannt ist). Der gleiche Satz findet sich auch in einem Brief an Washington vom 1. Mai 1781. General Greene hat den Unterschied zwischen Strategie und Taktik begriffen, er will keine Schlacht gewinnen, er will den Krieg gewinnen.

Er wird die Schlacht von Guilford Court House verlieren, weil der Gegner am Ende der Schlacht das Feld behauptet, nachdem sich Greene geordnet zurückgezogen hat. Aber das ist wieder einmal das, was man so schön als Pyrrhussieg bezeichnet. The enemy got the ground the other Day. They had the splendour but we the advantage. Cornwallis kann Greene nicht verfolgen, er schafft es nicht einmal, sich um seine Toten und Verwundeten zu kümmern, die beinahe zwei Tage im strömenden Regen auf dem Schlachtfeld liegen. Allein die Garderegimenter verlieren elf ihrer neunzehn Offiziere durch Tod oder Verwundung (und beinahe die Hälfte der Mannschaften). Die Amerikaner hatten es sich angewöhnt, zuerst auf die Offiziere zu schießen. Einfache Soldaten kann Cornwallis aus den loyalistischen Milizen des Südens rekrutieren, Offiziere, die ihren Beruf erlernt haben, bekommt er nicht nach. Die Truppen, die ihm Sir Henry Clinton versprochen hat, kommen nie an. Als die Verlustlisten London erreichen, wird der Oppositionsführer im Parlament Charles James Fox ausrufen: Another such victory would ruin the British army! Als der Bericht von General Greene den Kongress in Philadelphia erreicht, hat eine Zeitung die schöne Schlagzeile Good News from the South.

Charles Cornwallis ist der Sieger der Schlacht, aber gewonnen hat er nichts. Ein Sieger würde nach einer Schlacht den Besiegten verfolgen, aber Corwallis bleibt zwei Tage und zwei Nächte mit all den Toten und Verwundeten auf dem Schlachtfeld. Sein Stellvertreter Charles O'Hara wird schreiben: I never did, and hope, I never shall experience two such days and Nights, as these immediately after the Battle, we remained on the very ground on which it had been fought cover'd with Dead, with Dying and with Hundreds of Wounded, Rebels as well as our own. Cornwallis kann Greene nicht verfolgen, er hat einen großen Teil seiner Truppen verloren. Seine Leute können nicht mehr. Und sie haben keinerlei Vorräte mehr. Wenn Cornwallis das Schlachtfeld verlässt, wird er fünfundsiebzig Verwundete dort liegen lassen, in der Hoffnung, dass die Rebellen sich um sie kümmern. Ein Sieg sieht anders aus.

Der entscheidende Augenblick in der Schlacht, die nur neunzig Minuten dauerte, war der Angriff der englischen Garde von General Charles O'Hara, der sich schnell gegen die zahlenmäßig überlegenen Amerikaner festläuft. Und in dem Augenblick befiehlt Cornwallis seiner Artillerie, auf die eigenen Leute zu feuern. Sein Freund O'Hara soll mit Tränen in den Augen versucht haben, ihn davon abzubringen. Man nennt eine solche Aktion neuerdings euphemistisch friendly fire, aber nichts daran ist friendly. Die Engländer verlieren ein Viertel ihrer Truppen, die Amerikaner sind in den Wäldern verschwunden. General O'Hara wird vom Pferd geschossen und kämpft trotz zweier Schusswunden weiter. Sein Neffe, ein 21-jähriger Artillerieleutnant, wird in der Schlacht sterben. Nach Plutarch hat Pyrrhus angeblich gesagt: Sind wir noch einmal siegreich gegen die Römer, sind wir verloren! Und das zitiert der Führer der englischen Whig Partei, Charles James Fox, wenn er sagt: Another such victory would ruin the British Army! Und Horace Walpole, nie um ein böses Wort verlegen, wird sagen: Lord Cornwallis has conquered his troops out of shoes, and himself out of troops.

Cornwallis schleppt sich durch North Carolina und landet schliesslich in Yorktown in Virginia, wo er hofft, von der Royal Navy unterstützt zu werden. Aber die Hoffnung ist vergebens, denn im September verlieren die Engländer die Seeherrschaft. Lesen Sie mehr dazu in dem Post Chesapeake Bay. Ein halbes Jahr nach Cornwallis' Sieg bei Guilford Courthouse beginnen Amerikaner und Franzosen die Belagerung von Yorktown. Am 19. Oktober 1781 muss sich Cornwallis ergeben. Auf diesem Bild geben Rochambeau und Washington gerade den Befehl zum letzten Angriff.. 

Die Engländer haben in Saratoga 1777 eine ganze Armee verloren, jetzt verlieren sie eine zweite. Eine englische Militärkapelle soll bei der Zeremonie der Kapitulation The World Turned Upside Down gespielt haben. Cornwallis mag seinem Feind Washington nicht gegenübertreten, um ihm seinen Degen zu übergeben. Er schützt eine Krankheit vor (vielleicht hatte er auch wirklich Malaria), sein Stellvertreter Charles O'Hara, auf dessen Truppen er im März feuern ließ, soll den Degen als Zeichen der Unterwerfung übergeben. O'Hara will ihn dem französischen General Rochambeau überreichen, doch der weist mit einer Handbewegung auf George Washington. Der wird zu dem Iren O'Hara sagen: Never from such a good hand, statt seiner nimmt Benjamin Lincoln den Degen in Empfang. Und gibt O'Hara den Degen gleich wieder zurück, man hat noch Manieren. O'Hara ist nun ein Gefangener, wird aber wie ein Gentleman behandelt und von Washington zum Abendessen eingeladen. Er wird nach drei Monaten ausgetauscht und geht zurück nach England.

Auch Charles Cornwallis (hier von Gainsborough portraitiert) darf nach Hause; on parole, das bedeutet, dass er nicht mehr in diesen Krieg eingreifen darf. Er ist ein Ehrenmann, er hält sich daran, er wird bis zum Kriegsende keine Truppen mehr kommandieren. Danach nimmt er die Stellung des Generalgouverneurs von Indien an. Als er mit der HMS Robust nach England zurückreiste, hatte er den Brigadegeneral Benedict Arnold als Begleiter. Der kam nicht wie Cornwallis aus der englischen Aristokratie, war nicht in Eton und Cambridge gewesen. Der war Generalmajor der Continental Army gewesen und hatte sein Land verraten. Lesen sie mehr dazu in dem Post Verrat. Die beiden Herren kommen erstaunlicherweise gut miteinander aus.

Nach der verlorenen Schlacht von Guilford Courthouse schreibt Washington an Nathanel Greene: Your private letter of the 18th ultimo came safe to hand. Although the honors of the field did not fall to your lot, I am convinced you deserved them. The chances of war are various and the best concerted measures, and the most flattering prospects, may and often do deceive us; especially while we are in the power of the militia. The motives which induced you to seek an action with Lord Cornwallis are supported upon the best military principles; and the consequences, if you can prevent the dissipation of your troops, will no doubt be fortunate. Keine Kritik an seinem Freund, und die consequences sind no doubt fortunate.

Nach dem gewonnenen Krieg zieht es Nathanael Greene in den Süden, wo er in Georgia Plantagenbesitzer wird. Auch darin eifert er seinem Vorbild George Washington, der immer das Leben eines englischen Landedelmannes einer kriegerischen Tätigkeit vorzog. The garden is delightful. The fruit trees and flowering shrubs form a pleasant variety. We have green peas almost fit to eat and as fine lettuce as you ever saw. The mocking birds surround us evening and morning. The weather is mild and the vegetable world progressing to perfection. We have in the same orchard apples, pears, peaches, apricots, nectarines, plums of various kinds, figs, pomegranate and oranges. And we have strawberries which measure three inches around, schreibt Greene im April 1786. Er kann aber das ländliche Idyll nicht lange genießen, wenige Monate nach diesem Brief stirbt er an einem Hitzschlag. Vierzig Jahre nach seinem Tod wird der Marquis de Lafayette in Savannah den Grundstein für das Greene Memorial legen und sagen: The great and good man to whose memory we are paying a tribute of respect, affection, and regret, has acted in our revolutionary contest a part so glorious and so important that in the very name of Greene are remembered, all the virtues and talents which can illustrate the patriot, the statesman, and the military leader.

Nach Nathanael Greenes Tod wird seine Witwe Catherine Littlefield Greene einen jungen Yale Absolventen namens Eli Whitney als Gast auf ihrer Plantage Mulberry Grove haben. Der erfindet dort die Cotton Gin, eine Entkörnungsmaschine für Baumwolle. Die wird die Landwirtschaft des Südens der USA revolutionieren, aber auch für den riesigen Anstieg der Sklaverei sorgen. Wenn man so will, führt diese Erfindung wieder zum Krieg. Diesmal der Amerikaner gegen die Amerikaner 1861 bis 1865.


Es gibt zu den Schlachten des Unabhängigkeitkriegs aus den Jahren 1780-1781 hier eine Reihe von Posts. In der Chronologie der Ereignisse sind das die Posts: miles gloriosus, Cowpens, Nathanael Greene, Banastre Tarleton und Chesapeake Bay.

Mittwoch, 11. März 2026

Wagner in Dänemark

Ich bin natürlich Royalist, das wissen Sie. König Frederik von Dänemark hat mir mal die Hand geschüttelt. Die Königin Elizabeth habe ich 1958 in Amsterdam und 1965 in Hamburg gesehen, mit Philip war ich einmal in einem Raum und bewunderte seine weinroten Schuhe. Wenn Sie noch mehr von der englischen königlichen Familie wissen wollen, dann kann ich folgende Posts anbieten: Besucher, Hofdichter: Gott schütze die Königin, Morning Coat, Lisbeth, Queen und Teckel & Corgwn. Das steht schon in dem Post Royals. Am heutigen Geburtstag des dänischen Königs Frederik IX muss ich das noch einmal zitieren. Der Mann, der unter seiner Marineuniform voll tätowiert war, war schon zweimal in diesem Blog. Zum einen in danske piber, zum anderen in dem Post Des Königs Jaguar. Da können Sie lesen, wie es dazu kam, dass mir der König die Hand schüttelte. Frederiks Tochter Margrethe war auch schon häufig in diesem Blog. Lesen Sie doch die Posts Ingahild Grathmer, skandinavische Mode, Delmenhorst und Danmark.

Frederik war nicht nur König und Marineoffizier, er war auch Musiker. Seine Mutter Alexandrine, die aus Mecklenburg kam, liebte die Musik und war eine ausgezeichnete Pianistin. Als Klavierlehrerin für ihren zwölfjährigen Sohn hatte sie Johanne Elisabeth Hohlenberg (1883-1970), die jedermann Lizzy nannte, ausgesucht, mit der sie gerne Klavier-Duette gespielt hatte. Sechs Jahre lang kam Lizzy Hohlenberg, die mit dem Komponisten Hakon Børresen befreundet war, regelmäßig ins Schloss, um den Kronprinzen auszubilden. Sie war auch eine Freundin der Malerin Anna Ancher, die sie in Skagen kennengelernt hatte, weil sie dort jeden Sommer ihren Onkel C.F. Dahlerup besuchte. Der war der königliche Oberdünenmeister, heute würde man ihn als einen Landschaftsarchitekten bezeichnen. Wer die Skagener Dünen einmal gsehen hat, weiß, dass die gepflegt werden müssen. Dahlerup wird in diesem Blog schon einmal erwähnt, weil die verzweifelte Marie Krøyer seine Hilfe sucht, als ihr Ehemann wieder in einer Krise steht. Peder Severin Krøyer wird Lizzys Onkel als Jäger mit Jagdhund einer Düne liegend malen, wie es sich für einen Oberdünenmeister gehört. Anna Ancher hat ihre Freundin Lizzy 1905 auf diesem schönen Bild mit den Mohnblumen auf dem Tisch portraitiert. Die Klavierlehrerin war für Frederik über die Jahre zu einer Freundin geworden, und er hat noch viele Jahre mit ihr zusammen Duette gespielt.

1938 trat der Kronprinz zum ersten Mal öffentlich als Dirigent auf. Und das hat er immer wieder getan. Auf diesem Video dirigiert er das Danish National Symphony Orchestra in einer privaten Vorstellung. Nur die Mitglieder der königlichen Familie sind im Saal. Frederik dirigiert Wagner, den hatte schon seine Mutter geliebt, die häufig Gast in Bayreuth gewesen war. 

Diese privaten Konzerte waren zu einer Tradition geworden, bei der sich das königliche Orchester jedes Jahr einmal im Schloss einfand, um vom König dirigiert zu werden. Zum siebzigsten Geburtstag seines Schwiegervaters Gustav VI Adolf von Schweden dirigierte Frederik im Königlichen Theater in Stockholm das Orchester. Es gab wieder nur Wagner. Er hat aber auch auch andere Komponisten dirigiert, wie man auf dieser Liste seiner CDs sehen kann.

Weshalb soviel Wagner in Dänemark? Am 10. September 1911 wurde die Danske Richard Wagner-Forening gegründet, die unter dem Patronat der Königin Alexandrine stand. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs hörte diese Gesellschaft auf zu existieren. Aber seit 1994 gibt es wieder eine Richard Wagner Selskabet in Kopenhagen. Der Einfluss von Alexandrine von Mecklenburg ist sicher sehr groß gewesen, aber es gibt da noch jemand anderen, der Wagner nach Dänemark gebracht hat. Und der heißt Hans Christian Andersen

Der Dichter war ein leidenschaftlicher Verehrer Wagners und hat ihn auch in seinen Roman →Lykke-Peer hineingeschrieben. Da bedeutet Wagner für den jungen Komponisten die Musik der Zukunft. Meine Leser wissen seit den Posts bêtes noires, Richard Wagner, Bayreuth und Wagner, Wacken und La Périchole, dass ich kein Verehrer von Wagner bin. Und irgendwie bleibt mir das mit Hans Christian Andersen ein wenig rätselhaft. Die kleine Meerjungfrau und Wagner passen für mich nicht zusammen.

Noch mehr Dänemark (ohne Richard Wagner) findet sich in dem Post Mein Dänemark

Samstag, 7. März 2026

Birthday Poem


Liebe Birte, das Gedicht da unten hat die KI von Google heute extra für Dich gedichtet, nachdem ich dem System gesagt habe, dass Du heute Geburtstag hast. Und dass Du in London lebst. Und ein wenig Frühling und gute Wünsche sollten auch noch in das Gedicht hinein. Ich finde, die KI hat das gut gemacht, ist zwar alles irgendwo geklaut, klingt aber nicht schlecht. Googles KI ist nett zu mir, seit sie im Oktober links oben auf Googles Suchseite stand. Und gleich über SILVAE sagte: Der Blog gilt als einer der niveauvollsten deutschsprachigen Kultur-Blogs.

As early spring begins to wake,
And sunshine dances for your sake,
The seventh day of March is here,
To bring you joy and birthday cheer.

Another year, another bright,
Step forward in the lovely light.
May love and laughter fill your day,
And guide you on your journeyed way
.

Lesen Sie auch: Geburtstagsfeier