Freitag, 27. Februar 2026
Capitaine Conan
Samstag, 21. Februar 2026
Die Zeit
Ich habe in diesem Jahr viele neue Leser, sehr viele. Die lesen ganz andere Dinge als die Leser, die den Blog schon lange kennen. Und so tauchen plötzlich in der Statistik der meistgelesen Posts Texte auf, die zehn oder fünfzehn Jahre alt sind. Die gucke ich mir alle an. Meistens fehlen da die Bilder, oder Links führen ins Leere, dann beginnt das Reparieren. Das ist manchmal echte Arbeit, nicht alles im Internet ist stabil. Ich habe dabei einen alten Post gefunden, den ich heute wegen seiner Akuialität noch einmal einstelle. Und das hat seinen Grund: die Hamburger Zeitung Die Zeit hat heute ihren achtzigsten Geburtstag.
Ich bekam vor Tagen eine Mail mit diesem Text: Liebe Leserin, lieber Leser, DIE ZEIT feiert 80 Jahre unabhängigen Journalismus. In acht Jahrzehnten hat sich die Welt tiefgreifend verändert. Was geblieben ist, ist unser Anspruch, Entwicklungen einzuordnen, Debatten anzustoßen und Orientierung zu geben – Woche für Woche, Tag für Tag, auf allen Kanälen. Dieses Jubiläum ist für uns Anlass zurückzublicken – und nach vorn zu schauen: auf die Themen, Fragen und Herausforderungen unserer Zeit. Als Dankeschön erhalten Sie die Möglichkeit, bis zu 8 Ausgaben der ZEIT für nur 8 € – Print oder Digital – zu lesen. Aber ich werde von dem Angebot keinen Gebrauch machen, die Zeit ist nicht mehr das, was sie einmal war. Ich habe sie jahrelang gelesen, aber es ist nicht meine Zeitung. Da lese ich lieber die Süddeutsche. Aber gratulieren tue ich natürlich auch:
Am 21. Februar 1946 erschien die erste Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit mit einer Auflage von 25.000 Exemplaren, acht Seiten stark (Papier war knapp), 40 Pfennig. Man hatte sich bei der Gestaltung der Titelzeile an der englischen Tageszeitung The Times orientiert, die das englische Staatswappen mit Löwe und Einhorn zeigt. Und der Herausgeber Gerd Bucerius sprach in seinem Editorial die Nähe zu der englischen Zeitung an, die im 19. Jahrhundert den Beinamen The Thunderer bekommen hatte: Wir hoffen, daß 'Die Zeit‘ ihrer Namensschwester in England würdig sein wird... Wir sind nicht so vermessen, mit unseren bescheidenen Mitteln die überragende Stellung anzustreben, die die Londoner 'Times' in der ganzen Welt genießen, aber wir haben den Sinn dieses Vergleichs als Mahnung verstanden. Mit diesem Vorsatz beginnen wir unsere Wochenzeitung.
Aber das schöne Layout der Zeitung, für das die Professoren Carl Otto Czeschka und Alfred Mahlau verantwortlich zeichneten, gefiel dem Hamburger Senat nun ganz und gar nicht, die Rede war von einem Missbrauch eines Hoheitszeichens für kommerzielle Zwecke. Die haben da echte Sorgen im Senat, sind noch nicht einmal gewählt, nur von der Miliärregierung eingesetzt, jetzt muss das Hoheitszeichen verteidigt werden. Das ist irgendwie sehr deutsch. Ich glaube, unter Max Brauer wäre das nicht passiert, aber der wird erst im November 1946 gewählt.
Am 27. Juni schreibt Bucerius in der Zeit unter dem Titel Unser Wappen: Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, daß sich im Kopf unserer Zeitung eine kleine Veränderung vollzogen hat: an Stelle des Hamburger Staatswappens findet er den Schlüssel der Stadt Bremen. Schon vorher entsprach das Wappen nicht mehr ganz seiner ursprünglichen Form, die der hamburgische Senat uns nicht glaubte gestatten zu können. Mit der Öffnung des Tores meinten wir, den Stein des Anstoßes beseitigt zu haben, wurden jedoch darüber belehrt, daß die immer noch vorhandene Ähnlichkeit mit dem Großen Hamburger Staatswappen vom Senat nicht gebilligt werden könne. Um keinen unfruchtbaren Streit aufkommen zu lassen, haben wir uns an den Bremer Senat gewandt, der uns mit nachstehendem Schreiben die Führung des Bremer Schlüssels gestattet.
Die Antwort vom Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen, einem gebürtigen Hamburger, am 12. Juni ist kurz und klar: Ich komme erst jetzt zurück auf Ihr Schreiben vom 31. Mai dieses Jahres, in dem Sie den Antrag stellen, das Bremer Wappen im Kopf Ihrer Zeitung führen zu dürfen. Nach Rücksprache mit meinen Kollegen im Senat sind wir gern bereit, Ihnen die Erlaubnis zu geben. Ihre Zeitung ist nach unserer Meinung ausgezeichnet redigiert, sie ist gut, riskiert etwas, und wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können, im Kopf Ihres Blattes zu betonen, daß sich auch das Gebiet an der Weser mit Ihnen und Ihrer Arbeit verbunden fühlt.
Die Bremer sind stolz auf ihr Wappen mit dem Schlüssel, der für sie ein Schlüssel zur Welt ist. Die Hamburger haben nur eine weiße Burg auf rotem Grund (und in der Staatsflagge auch zwei Löwen), aber die Tür der Burg ist zu. Alfred Mahlau hatte nach den ersten Protesten der Bürokratie das Tor der Burg auf dem Wappen geöffnet, aber das genügte dem Senat nicht. Weltoffenheit ist 1946 offenbar kein Thema in Hamburg. Ich glaube, Wilhelm Kaisen hat den Brief an die Redaktion der Zeit mit einem gewissen Genuß geschrieben. Als er aus dem Ersten Weltkrieg zurück nach Hause kam, ist er nach Bremen gezogen. Ich habe diesen Ortswechsel niemals zu bereuen gehabt, hat er gesagt. Die Bremer haben nicht nur den Schlüssel zur Welt, sie haben auch seit 1870 ein Lied dazu:
Seht ihr die Löwen an dem Schilde,
Der einen mächt’gen Schlüssel trägt?
Mir wird bei diesem Wappenbilde
Der Stolz erhöht, das Herz bewegt.
Dies’ Wappen ist das stolze Zeichen
Der alten treuen Hansastadt,
Die über’s Meer zu allen Reichen
Ihr Rot und Weiß getragen hat.
Hell glänzte in dem Hansabunde
Der Brema Schlüssel alle Zeit.
Auch heut’ strahl’ er in uns’rer Runde
In alter Macht und Herrlichkeit!
Der brave Schlüssel will bezeugen,
Daß gern er öffnet gastlich’ Tor;
Doch nimmer soll den Bart er beugen
Der Willkür! Da sei Gott davor!
Gib gern dem Kaiser, was dem Kaiser,
Du treue Stadt im deutschen Land,
Und pflück’ dir neue Ehrenreiser
Durch schlichter Bürger tät’ge Hand!
Wir aber singen dir zu Ehren:
„Hell glänz’ dein Schild! Und gutes Recht
Mög’ sich in Bremas Schoß bewähren
Bis zu dem fernesten Geschlecht!“
Was die Wappen betrifft, lesen Sie doch auch: Fette Henne und Bremen wes bedächtig
Mittwoch, 18. Februar 2026
muss nicht sein
Sonntag, 15. Februar 2026
Florinda Bolkan
Mittwoch, 11. Februar 2026
Liebesleid
O reiche Armut! Gebend, seliges Empfangen!
In Zagheit Mut! In Freiheit doch gefangen.
In Stummheit Sprache,
Schüchtern bei Tage,
Siegend mit zaghaftem Bangen.
Lebendiger Tod, im Einen sel’ges Leben
Schwelgend in Not, im Widerstand ergeben,
Genießend schmachten,
Nie satt betrachten
Leben im Traum und doppelt Leben.
Dabei des Lebens Blütenkränze sehn,
Und unbekränzt daran vorübergehn,
Und muß ich trauernd nicht in mir verzagen?
Soll frevelnd ich dem liebsten Wunsch entsagen?
Soll mutig ich zum Schattenreiche gehn?
Um andre Freuden, andre Götter flehn,
Nach neuen Wonnen bei den Toten fragen?
Ich stieg hinab, doch auch in Plutons Reichen,
Im Schoß der Nächte, brennt der Liebe Glut,
Daß sehnend Schatten sich zu Schatten neigen.
Verloren ist, wen Liebe nicht beglücket,
Und stieg er auch hinab zur styg'schen Flut,
Im Glanz der Himmel blieb er unentzücket.
Sonntag, 8. Februar 2026
Paula Becker-Modersohn
1979 verkaufte der →Sohn von Ludwig Roselius Kaffee Hag und die Böttcherstraße an das amerikanische Unternehmen Kraft Foods, kaufte aber Teile der Straße zurück. Das Paula Becker Modersohn Haus ist jetzt im Besitz der Stadt Bremen. Das Haus Atlantis leider nicht. Mein Freund Peter hatte als Landeskonservator einen langen Kampf gegen einen schwedischen Hotelkonzern, der sich von hinten in die Böttcherstraße hineinfrass. Die →Fassade und der Himmelssaal sind aber erhalten. Im Haus waren auch die Kammerspiele, wo ich bei der Aufführung von Wer hat Angst vor Virginia Woolf hinter dem Kultursenator Dehnkamp und seiner Frau saß. Und als in der Pause das Licht anging, sagte Frau Dehnkamp zu ihrem Mann: Ischa bis jetzt noch nich viel Sinn in. Gefällt mir immer noch der Satz. Und es gab da auch ein Kino, wo ich mit meiner Freundin Traute vergeblich an der Kasse für Bergmans Film Das Schweigen anstand. Meine Böttcherstraßen Erinnerungen haben selten etwas mit Paula Becker-Modersohn zu tun. Die Straße kommt x-mal in meinem Blog vor, aber nur, weil der Herrenausstatter Hans Kalich da seinen Laden hatte.
Das Leben von Paula Becker-Modersohn ist gut erforscht, und dankenswerterweise hat sie einen guten Wikipedia Artikel. Seit der Bremer Kunsthallendirektor Gustav Pauli 1919 ein kleines →Buch mit einem Werkskatalog veröffentlichte, hat es eine Flut von einem Dutzend Biographien gegeben. Auch der Briefwechsel ist veröffentlicht. Und es gibt viele Kataloge von Ausstellungen, dies Bild zeigt den Dresdner Katalog aus dem Jahe 2003, den mir die Astrid geschenkt hat, die bei den Staatlichen Sammlungen arbeitet. Ich bekomme immer Paula Becker-Modersohn Bücher geschenkt. Die stelle ich in das Regal zu den Worpsweder Malern. Wenn ich über meinen Computerbildschirm auf die Bücherwand vor mir gucke, stehen da anderthalb Regalmeter Worpswede. Nicht alles habe ich gelesen, manches steht da nur, weil es schön aussieht. Ich habe keine Leseliste und keine Buchempfehlungen für Sie, aber ich habe auch noch bewegte Bilder. Nämlich den Film ✺Paula Modersohn-Becker - Geschichte einer Malerin, den Wilfried Hauke 2007 für Radio Bremen gedreht hat.




















































