Sonntag, 1. Februar 2026

amerikanische Malerei der Romantik

Heute vor 225 Jahren wurde Thomas Cole in Bolton in Lancashire geboren. Er wanderte als Jugendlicher mit seinen Eltern nach Amerika aus und wurde zum bedeutendsten Maler der amerikanischen Romantik. Er hat Bilder der wilden Schönheit von God's Own Country gemalt, einem Land, das sich in der Zeit der Romantik über die Natur definierte. In der Trauerrede für seinen Freund Cole sprach der amerikanische Dichter William Cullen Bryant 1848 von the delight at the opportunity of contemplating pictures which carried the eye over scenes of wild grandeur peculiar to our country, over our ariel mountain-tops with their mighty growth of forest never touched by the axe, along the banks of streams never deformed by culture.

Diese Schönheit der Natur never deformed by culture gibt es nicht mehr. Die amerikanische Kunsthistorikerin Barbara Novak hat das Standardwerk Nature und Culture, American Landscape and painting 1825-1875 über die Zeit geschrieben, als sich Amerika über die Natur definierte. Ich habe das Buch hier im Volltext. Bei Novak kann man lesen, wie besorgt Thomas Cole sich in Schriften und Gedichten dazu äußerte, dass es das Paradies, das er malte, bald nicht mehr so geben würde. Lesen Sie mehr dazu in den Posts Bäume und Umwelt. Das Buch, das Barbara Novak 1980 schrieb (es gibt inzwischen eine überarbeitete neue Auflage), war ein wenig revolutionär. Denn die amerikanische Malerei hatte es schwer, von den Amerikanern wahrgenommen zu werden.

Der einzige, der in Amerika über amerikanische Malerei schrieb, war ein ehemaliger Journalist namens James Thomas Flexner, der niemals Kunstgeschichte studiert hatte. Aber er hatte in Harvard studiert, und er konnte hervorragend schreiben. Was auch durch Auszeichnungen wie den National Book Award und eine Pulitzer Prize Special Citation für seine vierbändige ✺Washington Biographie gewürdigt wurde. Seinem Buch →American painting First flowers of our wilderness (1947) folgten A Short History Of American Painting und für ein breiteres Publikum das kleine Taschenbuch American Painting.

Ein Fach Kunstgeschichte wie in Deutschland gab es in Amerika eigentlich gar nicht - das wird sich ändern, wenn die von Hitler vertriebenen deutschen Kunsthistoriker an amerikanischen Universitäten Unterschlupf finden. Doch nur wenige von ihnen widmeten sich der Kunst ihres Gastlandes. Wie zum Beispiel Alfred Neumeyer, dessen Geschichte der amerikanischen Malerei: Von der kolonialen Frühzeit bis zur naiven Malerei im 18. u. 19. Jahrhundert 1974 bei Prestel erschien. Schon 1948 hatte Wolfgang Born (der Halbbruder des Nobelpreisträgers Max Born) bei der Yale University Press sein Buch American Landscape Painting: An Interpretation veröffentlicht (es wurde 2021 neu aufgelegt). Das war damals das erste Buch über die amerikanische Landschaftsmalerei überhaupt.

Die amerikanische Malerei kam in meinem Studium der Kunstgeschichte nicht vor. Dass es 1988 in Berlin eine Ausstellung amerikanischer Malerei geben würde (und 2007 eine weitere: Neue Welt: Die Erfindung der amerikanischen Malerei im Hamburger Bucerius Forum) konnte niemand ahnen. 

Als ich 1988 einem amerikanischen Gastprofessor empfahl, sich die Ausstellung Bilder aus der Neuen Welt in Berlin anzuschauen, kam er mit dem Satz zurück: Gee, Jay, I didn't know we had all that art. Wir könnten nun belustigt über diesen Amerikaner schmunzeln, doch ich kann diesen kleinen Gag noch übertreffen. Wenn ich nämlich verrate, dass einer der deutschen Kunsthistoriker, der 1988 die Ausstellung in Berlin gemacht hatte, mir damals insgeheim gestand, dass er niemals geahnt hätte, dass die Amerikaner wirklich solche Maler besäßen. Aber seine Frau, die hätte das gewußt, sonst hätte er sich gar nicht an die Ausstellung gewagt. Dieses Bild von Asher B. Durand mit dem Titel Kindred Spirits zeigt die Freunde Thomas Cole und Williams Cullen Bryant in den Catskills, die für Cole zur Heimat geworden waren.

Als ich mich bei Professor Wolfgang J. Müller für die Doktorprüfung anmeldete, spielte ich einen Augenblick mit dem Gedanken, ihm die amerikanische Malerei der Romantik vorzuschlagen. Das Buch Die Maler der Romantik in Amerika von F.M. Huebner und Virginia Pearce Delgado, das ich als Jugendlicher in einem Antiquariat gefunden hatte, konnte ich auswendig. Ich hatte alle Aufsätze zur amerikanischen Kunst gelesen, die in der Zeitschrift Perspectives waren, und das Kennedy Haus hatte mir alles besorgt, was innerhalb des Leihverkehrs der Amerika Häuser zugänglich war. Aber ich habe das mit der amerikanischen Kunst als Prüfungsthema gelassen. Obwohl Müller das wahrscheinlich akzeptiert hätte. Als ich viele Jahre später einen Aufsatz über Thomas Cole und William Cullen Bryant geschrieben hatte, schickte ich ihm natürlich einen Sonderdruck.

Und bekam wenig später einen langen Brief, in dem er schilderte, wie er bei seinem ersten Besuch in Amerika versucht hatte, die Stelle zu finden, von der aus Cole den Katerskill Wasserfall (der oben im ersten Absatz abgedruckt ist) gemalt hatte. Er legte noch die Photokopie eines Artikels (Naomi Bliven: Searching for Kaaterskill Falls) aus dem New Yorker bei. Ich glaube, er war damals der einzige deutsche Professor für Kunstgeschichte, der sich für amerikanische Malerei interessierte. Vielleicht ist das heute ja anders, ich weiß es nicht. Als ich noch an der Uni war, habe ich mal ein Seminar über die amerikanische Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts gemacht. Ich glaube, dass das die erste und einzige Lehrveranstaltung zu dem Thema an der Uni war. In meinem Blog gab es die amerikanische Malerei aber immer wieder, von John Singleton Copley bis zu Jackson Pollock und Grandma Moses.

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