Dienstag, 22. Juli 2014

CD Player


Ich habe mich damals lange gegen einen CD Player gesträubt, mir genügte ein guter Plattenspieler. Zuerst kosteten die Dinger ja Unsummen, danach beinahe gar nichts mehr. Das war bei den ersten Quarzuhren genauso. Als Girard-Perregaux 1970 die erste Quarzuhr mit 32,768 Hz auf den Markt brachte, kostete die Uhr tausend Mark (es gab die gleiche Uhr auch von Jaeger-LeCoultre). Die 32,768 Hz gelten bis heute in der gesamten Industrie als Standard. Die IWC und verschiedene andere Firmen hatten mit ihrem Kaliber Beta 21 (Quarzfrequenz von 8.192 Hz) auf das falsche Pferd gesetzt. Ewig halten die Dinger eh nicht, bei meiner Girard-Perregaux ist heute nur noch das Äußere echt, im Inneren tickt jetzt ein Billigquarzwerk.

Und mit dem Thema der ewigen Haltbarkeit und dem Industriestandard bin ich jetzt wieder bei dem Titel dieses Posts, dem CD Player. Mein erster war ein NAD 5440, form- und klangschön. Aber kaum war die Garantiezeit abgelaufen, bekam er alle Krankheiten, die eine solche Maschine bekommen kann. Ich habe mit einer gewissen Rührung gerade im Internet gelesen, dass es offensichtlich hunderten von Besitzern ähnlich gegangen ist. Meinen nächsten CD Player bekam ich daraufhin billiger. Aber der hat nun nach zwanzig Jahren sein elektrisches Leben ausgehaucht.

Es war ein großer Kenwood DP 7080 (das da unten auf dem Bild ist zwar nicht meiner, aber der sieht genauso aus), ich mochte ihn sehr. Ich vertraute dem Verkäufer, als ich ihn kaufte. Trotz der Sache mit dem NAD. Der Verkäufer kannte mich, er hatte an unserem Seminar studiert und hatte vier Wochen vor dem Staatsexamen alles hingeschmissen. Er wollte in seinem Leben etwas machen, was ihm Spaß macht. Ich fand das ziemlich cool. Als er mir meine Anlage installierte, kam er gerade aus Neumünster zurück, wo er einem Zahnarzt eine Anlage für 150.000 Mark verkauft hatte. Ich fragte ihn, ob man das wirklich hören könne.

Sie sind doch die letzten Monate jeden zweiten Tag bei uns im Laden gewesen, Sie wissen ganz genau, was man hören kann, sagte er. Das stimmte, ich hatte mich durch alles durchgehört, was die High End Industrie damals so bot. Hatte auch all diese Magazine für Audiofreaks gelesen. Ich glaube, dass der Unterschied zwischen HiFi und High End darin besteht, dass bei High End der Preis nach oben offen ist. Die Definition von “High-End” im Audio-Bereich ist oft eine Glaubensfrage. Und leider ebenso oft eine Preisfrage, ist im Internet zu lesen. Wie wahr! Der Zahnarzt in Neumünster hatte nicht die Ohren einer Fledermaus und konnte keine Flöhe husten oder das Gras wachsen hören. Er brauchte die teure Anlage, weil einer seiner Kollegen eine Anlage für 120.000 Mark hatte.

Ich kann zu diesem Phänomen des Keeping up with the Joneses das wunderbare Buch von ➱Stephen Potter One-Upmanship: Being Some Account of the Activities and Teachings of the Lifemanship Correspondence College of One-Upness and Games Lifemastery empfehlen. Ist über sechzig Jahre alt, aber es hat sich nichts geändert. Oh Lord, won't you Buy me a Mercedes Benz My friends all drive Porsches I must make amends. Ich weiß nicht, was das Teil hier, das stilistisch nach fünfziger Jahre Futurismus aussieht (und mich irgendwie an die Musiktruhe in ➱Tennessee Williams' Cat on a Hot Tin Roof erinnert), kosten soll. Ich weiß auch nicht, ob die junge Dame im Preis mit drin ist. Aber ich bin ganz sicher, dass Unterhaltungselektronik deshalb Unterhaltungselektronik heißt, weil man sich so gut darüber unterhalten kann.

Dieser schlichte silberfarbige CD Player kostet zum Beispiel 30.000 Euro. In einer Besprechung des Teils las ich: High-End von Dieter Burmester aus Berlin ist in erster Linie immer eine dekadente Materialschlacht. Unterarmdicke, verchromte Massivalu-Fronten sind der Renner im Rotlichtmilieu. Bescheidenere Zeitgenossen konnten Burmester bislang getrost links liegen lassen, weil sich der Materialaufwand beileibe nicht immer klanglich auszahlte. Doch ausgerechnet jetzt, wo die CD als Musikmedium in ihren letzten Zügen liegt, kommt aus Berlin ein CD-Player, der neue Maßstäbe setzt. Dieter Burmester hat mit seinen ureigenen Mitteln - Masse, noch mehr Masse und ein wenig Gewicht - und einer peniblen Konzentration auf eine störungsfreie Datenauslese, die CD tatsächlich zum Klingen gebracht. 

Sind das die Sirenenklänge, vor denen man die Ohren mit Wachs verschließen muss? Ist das die Werbelyrik, die Zahnärzte gerne lesen? Das Rotlichtmilieu im Text hat nichts mit dem zu tun mit dem, woran sie jetzt gerade denken. Nein, das bezieht sich auf die Farbe des Laserlichts. Ach, wie witzig. Die Menschen, die die Werbeschriften schreiben und jene, die die solcherart annoncierten Produkte rezensieren, sind irgendwie von einem anderen Stern. Ich hätte da noch etwas Schönes von der Firma T&A: Wir sind davon überzeugt, dass auch in fernerer Zukunft die klassische CD eine der wichtigsten Programmquellen bleiben wird. In der Tradition unserer legendären Disc-Player wurde deshalb der CD Player als reinrassiger Stereo-CD-Spieler ausgelegt. Er hat den High-End-Loader und das Laufwerk unseres High-End- SACD-Spielers 1260 R erhalten. Den Decoder haben wir auf Basis modernster Prozessoren speziell für höchstwertige CD-Wiedergabe entwickelt!... Sie können gerne ➱hier weiterlesen. Fachleute, die wirklich etwas davon verstehen, werden uns versichern, dass das meiste an diesen mit Abkürzungen und englischen Termini gespickten Texten der komplette Nonsens ist.

Gegenüber all diesen schön klingenden Formulierungen hätte ich hier eine Einzelmeinung, die es aber zu bedenken gilt: Es gibt einige wenige Leute, die von sich behaupten, daß sie ganz klar Unterschiede zwischen verschiedenen CD-Spielern hören können und sich unheimlich wichtig machen. Diese Aussage ist jedoch rein subjektiv und konnte bei den wenigen Untersuchungenn, die wissenschaftlichen Maßstäben genügen (siehe: doppelter Blindtest), nicht bestätigt werden. Es ist sehr menschlich, daß man einem teuren, massiven und schönen Gerät einen besseren Klang zutraut als einer billigen, klapprigen und häßlichen Kiste. 

Wenn man in einem A/B-Vergleich selbst weiß, welcher CD-Spieler gerade die Musik liefert, redet man sich unbewußt ganz leicht Klangunterschiede ein, wo keine sind. Wirklich schlimm wird es dann, wenn solche Leute ihre eigene Einbildung (oder im Falle von Verkäufern ihre kommerziellen Interessen) auch noch derart darstellen, als ob es Unterschiede wie zwischen Transistorradio und HiFi-Anlage gäbe, und dadurch unbedarfte Personen verunsichern oder gar zu missionieren versuchen. Wie unzutreffend diese Behauptungen sind, zeigt ein doppelter Blindtest, den vor einigen Jahren die Computerzeitschrift 'c't' durchgeführt hatte. 

Daran nahmen u.a. auch Toningenieure und Opernsänger teil. Es ging darum, die Frage zu klären, ob es hörbare Unterschiede zwischen CDs und der von eingefleischten High-End-Anhängern mitleidig belächelten und als grottenschlecht beurteilten MP3-Komprimierung gibt. Das Ergebnis war niederschmetternd: Lediglich eine Person lag in der Trefferrate soweit oberhalb des Werts, den man auch durch Würfeln statt Hören erreicht hätte, daß man den Schluß ziehen konnte, daß sie tatsächlich manchmal Unterschiede gehört hatte. Wenn schon die Masse der Testteilnehmer zwischen CD und der verlustbehafteten MP3-Komprimierung (d.h. enthält bestimmte Originalgeräusche nicht mehr und ist zudem auf 16 kHz Bandbreite begrenzt!), bei der man auch aus Ingenieurssicht geringe Klangunterschiede fast schon erwartet, keine Unterschiede feststellen konnten, wie groß können dann die Unterschiede zwischen CD-Spielern sein, die mit den immer gleichen Chipsätzen ausgerüstet sind?

So weit, so gut. Es sind mehr Fragen als Antworten. Wenn es wirklich keinen Unterschied bei den CD Playern gäbe, dann könnte man in den nächsten Laden gehen, der mit dem Spruch Ich bin doch nicht blöd wirbt, das billigste Teil kaufen und alles wäre paletti. Und doch kann man Unterschiede hören. Wie bei Klavieren. Der Kammerton a auf einem Klavier schwingt mit 440 Hertz, und trotzdem klingt kein Klavier wie das andere. Als ich vor Jahrzehnten meine Anlage kaufte, war ich nach wochenlangem Hören (ich brachte immer die selbe CD mit) in der Lage, Lautsprecher der Firmen B&W, T&A, Elac oder Dynaudio voneinander zu unterscheiden. Das ist natürlich alles subjektiv, wir alle haben andere Ohren.

Es ist ebenso subjektiv wie die Sache mit der sauteuren audiophilen Steckerleiste. Meine Freunde zitierten nach deren Kauf schon aus Shakespeares HamletO, what a noble mind is here o'erthrown! Was ich trocken mit Though this be madness, yet there is method in 't konterte. Und sie zu einem Testversuch einlud. Der sie allerdings von diesem elektrischen Voodoo überzeugte. Denn, wie es so schön heißt: Die Wiedergabe beginnt schon an der Steckdose, denn das Musiksignal ist letztlich nichts anderes als modulierte Spannung. Hifi-Komponenten sind deshalb auf möglichst saubere und konstante Spannung angewiesen, um gut klingen zu können. Das gilt besonders für Elektroleitungen in Altbauten. Das da ganz oben ist übrigens ein Lautsprecher der englischen Firma B&W, der den schönen Namen Nautilus hat. Unter Wasser funktioniert das Modell aber leider nicht.

Manche kaufen sich ihre Anlagen ja nach dem Design. Bang & Olufsen hatten da lange die Nase vorn. Die Dänen verkauften auch Möbel, die zur ihrer Anlage passten, aber heute ist das alles mehr Design als High End. Aus mir unerfindlichen Gründen schwören manche Leute auf die Firma Bose. Die werben weltweit aggressiv, sie statten auch die Daimler Benz Limousinen der S-Klasse mit Audioanlagen aus. Dieter Bohlen soll auch eine Bose Anlage haben. Aber audiophil oder High End? Es gibt da glücklicherweise vernichtende Kritiken von Leuten, die noch hören können.

Mein Kenwood zickte schon seit Monaten herum. Ich legte eine CD ein und schaltete auf Play, er behauptete No disc. Oder spielte fünf Takte und schaltete sich ab. Manchmal gelang es mir, ihn zu überlisten. Irgendwann nicht mehr. Was tun? Ich hatte mir schon vor Wochen die Telephonnummer der Firma herausgesucht, von der meine Anlage stammte. Es gab sie glücklicherweise immer noch. Es gibt sie seit 1975, da wurde ➱Hört sich gut an in Kiel von einem Kollektiv gleichgesinnter HighFidelity Tüftler gegründet. In nächster Nachbarschaft haben sie einen Laden der Speakers Corner heißt; ich weiß nicht, ob die sich miteinander vertragen, sie handeln beide mit Geräten im höherpreisigen Segment. Sind keine Konkurrenz für Aldi, Saturn oder den Media Markt.

In der Werkstatt (so etwas haben die noch) meldete sich niemand, Sommerurlaub. Aber unter der Hauptnummer der Firma erwischte ich dann den Geschäftsführer. Wir unterhielten uns zehn Minuten und tauschten Firmennamen und Modellnummern aus. Er wusste noch, welche Qualitäten ein Kenwood DP 7080 besaß. Wir verstanden uns sofort, ich zögerte nicht lange und kaufte einen NAD. Es gab nur Terminprobleme mit der Lieferung. Aber nach zehn Minuten sagte Karl-Michael Rupsch: Warum beenden wir das Gespräch nicht jetzt und ich komme gleich bei Ihnen vorbei? Das nenne ich Service. Er kam auch eine halbe Stunde später und brachte meinen gerade telephonisch gekauften NAD C546bee mit. Das ist der Nachfolger des C545, ein Gerät, das sehr gute Besprechungen bekommen hat. Dieser soll noch besser sein, in der Welt der audiophilen Klangmaschinen ist immer alles besser. Und alle Geräte bekommen irgendwo ganz tolle Testergebnisse.

Ich habe die englische Firma New Acoustic Dimension schon vor Jahren ➱hier in den Blog geschrieben. NAD gehört heute zu einer kanadischen Gruppe, aber die Firma saß früher wirklich in England. Sie ist keine von diesen Firmen, die nur einen englischen Markennamen haben. In einem englischen HiFi Magazin las ich vor Jahren den wunderbaren Satz: the real dreck always has English names. Die Firma NAD verdankt ihren Aufstieg dem Verstärker 3020, der heute als eine Legende bezeichnet wird. Er bot vor vierzig Jahren ein spartanisch cooles Design (wofür einst die Firma Braun berühmt war) und die ausgeklügeltste HiFi Elektronik zu dem günstigsten Preis. Ich habe in den achtziger Jahren mal in einem High End Studio gesehen, dass da ein kleiner NAD 3020 (und kein Burmester) eine zig-tausend Mark Anlage steuerte. Die wussten, was sie taten.

Jetzt muss ich mich nur noch an die neue Maschine gewöhnen, sie klingt anders. Liegt es daran, dass sie einen 24-bit high-resolution Wolfson Wandler statt des Burr/Brown Wandlers hat? Sie klingt eine Spur analytischer und nicht so warm wie der Kenwood. Rezensenten von High End Elektronik verwenden an dieser Stelle das Wort analytisch sehr gerne. Analytisch ist wahrscheinlich ein Synonym für gewöhnungsbedürftig. Also nahm ich jetzt erst einmal CDs, bei denen das keine Rolle spielte. Wie zum Beispiel Pop Music. Als erstes legte ich Jennifer Warnes' Lights Of Louisianne ein, eine Aufnahme die vor zwanzig Jahren viele Händler in ihren CD Playern laufen ließen, um zu zeigen, was man alles an Geräuschen auf einer guten CD unterbringen kann (es gibt sie ➱hier bei YouTube, allerdings nicht in audiophiler Qualität).

Danach legte ich ➱Glenn Goulds Goldberg Variationen ein und horchte plötzlich auf. Ich hörte jeden Fehler der Aufnahme. War das immer so gewesen? Des Rätsels Lösung war ein Blick auf die CD Hülle: Dies war nicht die Aufnahme von 1955, sondern die Jahrzehnte später entdeckte Aufnahme, die einmal bei einer Radioaufnahme mitgeschnitten worden war (newly remastered from a Voice of America mono off-line aircheck). Ich merkte in diesem Augenblick, dass ich die CD (die mal als diskografische Sensation angepriesen wurde) überhaupt noch nie mit voller Aufmerksamkeit gehört hatte. Gekauft und bei Glenn Gould eingestellt. Das kommt davon, wenn man zu viele CDs hat. Es hatte diese Aufnahme (über die jemand im Internet schreibt: the sound is terrible– the rhythmic swishing tells me that in 1954 the CBC was still archiving on acetate transcription discs) schon einmal bei Sony gegeben. Dann war sie vom Markt verschwunden.

Wo ich schon bei Bach war, legte ich die Cellosuiten (von Maria Kliegel gespielt) in die Maschine. Da hört man allerdings einen Unterschied zu früher, es klang nicht mehr so bratschig warm. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass es in diesem Blog für Bachs Cellosuiten schon einen langen ➱Post gibt? Der eigentlich mehr Leser verdient hätte, gegen die achttausend Leser von ➱Glenn Gould kommt er nicht an.

Bei Patricia Kaas' Mademoiselle ne chante que le blues (eine best of compilation von einem Vierteljahrhundert auf der Bühne) gab es keinen Unterschied. Klang gut. Aber Patricia Kaas klingt immer gut. CD ist nicht gleich CD. Pop Music und Jazz sind meistens sehr gut ausgesteuert. Und beim Jazz kann sicherlich auf Labels wie ECM (die hier schon einen Post haben) oder Chesky vertrauen. Telarc haben auch gute Sachen, der Telarc Sound ist ja weltberühmt. Die Firma war auch eine der ersten, die nicht mehr im 16 Bit Format aufnahm, sondern 20 und 24 Bit Analog-Digital-Wandler einsetzte. Die Festlegung der CD auf das 16 Bit Format hat die Industrie schon kurz nach der Einführung der CD Anfang der achtziger Jahre bereut.

Bei der Klassik gibt es natürlich auch Firmen, die immer auf einen audiophilen Sound setzten. Dabringhaus & Grimm sind für ihre Aufnahmen berühmt, haenssler ist meistens auch nicht schlecht. Ich weiß nicht, was sich Walter Legge bei der EMI gedacht hat: alle Stars unter Vertrag (inklusive seiner Gattin Elisabeth Schwarzkopf), aber grottenolmschlechte Aufnahmen. Decca dagegen, mit ihrer berühmten Decca Tree Mikrophonaufstellung - das sind Opernaufnahmen, die auch einem halben Jahrhundert noch gut klingen. Ohne dass die Firma Cedar Cambridge daran retuschieren muss. Viele Aufnahmen von Decca wurden in der Kingsway Hall gemacht, die wohl die beste Akustik von allen Londoner Konzertplätzen hat. Unglücklicherweise läuft die Piccadilly Line unter der Halle, die Decca Ingenieure haben dies als Kingsway rumble bekannte Geräusch nie wieder wegbekommen.

Als nächstes beschloss ich, den Player mit den Problemkindern zu füttern. Der Kenwood dünkte sich ja immer, etwas Besseres zu sein, der nahm nicht jede. Ich habe das schon beschrieben, als ich über ➱Bachs Cellosuiten schrieb, dass er sich weigerte, André Navarra abzuspielen. Wenn eine CD nur den kleinsten Schönheitsfehler hatte, zickte das Sensibelchen 'rum. Ich gab dem NAD André Navarra, und er spielte ihn. Er spielte auch Mitsuko Uchidas Einspielung von Mozarts Klavierkonzerten, die ich schon aussortieren wollte. Ich hätte sie nicht vermisst, ich habe so viele Aufnahmen von den Klavierkonzerten und ziehe eh Friedrich Gulda, Annerose Schmidt oder Murray Perahia vor. Vor allem Murray Perahia. Das auf dem Bild ist Annerose Schmidt, wann bekommt man die schon mal zu sehen? Das Netz ist voll mit Bildern von Perahia und Pianisten, die gerade in sind, aber die DDR Künstler sind immer unterrepräsentiert. Ich habe das schon in dem Post ➱Die schöne Müllerin: Helle Stimmen am Beispiel von Siegfried Lorenz beklagt. Eine der beiden CDs von Mitsuko Uchida hatte eine Macke, an der Stelle stellte der Kenwood immer seinen Spielbetrieb ein. Der NAD spielte weiter, als sei nichts geschehen. Gut, es gab dreimal Geräusche, die weder von der Pianistin noch von ihrem Flügel stammten, aber das wars. Die Fehlerverarbeitung, die bei den verschiedenen CD Playern unterschiedlich gut ist, ist hier offensichtlich besser.

Nach den Problemkindern kamen die Raubkopien; nicht dass ich viele davon hätte, aber man bekommt ja mal so etwas geschenkt. All die vielen selbst gebrannten CDs (von hervorragender Qualität), die Round Midnight heißen, sind natürlich keine Raubkopien. Die stammen aus einer Radiosendung, die Achim Körnig mal mitternachts bei einem bayrischen Privatsender hatte. Und die er mir netterweise kopiert hat. Erstklassiger Jazz! Der dottore in giurisprudenza hat früher auch mal gelegentlich das Streiflicht für die Süddeutsche geschrieben. Jetzt ist er ➱Blogger. So enden wir alle. Die CD away for a while von Triosence, das ist definitiv eine Raubkopie. Von wem habe ich die bloß? Vielleicht sollte ich für die Gruppe ➱Triosence und die CD away for a while mal ein wenig Werbung machen? Das war ihre zweite CD - und wahrscheinlich ihr erster großer Erfolg. Ist nach zehn Jahren immer noch gut.

Wenn die Firma T&A in ihrer Werbung schreibt Wir sind davon überzeugt, dass auch in fernerer Zukunft die klassische CD eine der wichtigsten Programmquellen bleiben wird, dann klingt das nach ein einem leisen Schwanengesang. Ist die CD am Ende? Die Zahl der verkauften CDs ist von 98,7 Millionen im Jahre 2010 auf 93 Millionen 2012 gesunken. Die Zahl von 133,7 Millionen im Jahre 2001 wird wohl nie wieder erreicht werden. Die Kiddies heute hören MP3 oder was immer, die interessiert sowieso keine audiophile Qualität. Doch High End CD Player werden immer noch gebaut. Und kleine Läden wie Hört sich gut an gibt es auch immer noch.

Die teuren Quarzuhren der ersten Generation gehen heute so genau oder ungenau wie jede Quarzuhr, die man als Werbegeschenk erhalten hat. Meine Omega Megaquartz, die erste kommerzielle Quarzuhr von Omega, geht drei Sekunden in der Woche falsch. Das ist für eine Quarzuhr nach vier Jahrzehnten ein schönes Ergebnis. Sie sieht auch nach dieser Zeit immer noch gut aus, wer kann das schon von sich sagen?

Wenn der Meister der Firma Hört sich gut an aus dem Urlaub zurück ist, wird er sich meinen alten Kenwood anschauen. Wenn er zu reparieren ist, wird er repariert. Und verschenkt, da weiß ich schon jemanden. Der NAD bleibt bei mir. Wir mögen uns schon. Aber einen dickeren Knopp für das Öffnen und Schließen der CD Lade, den hätte man ihm spendieren können. Da hat wieder einmal das Design über das Sein gesiegt.

CD Player sind für das Leben wichtig. Nichts illustriert diesen Satz so schön wie das Gedicht the cd player von Dennis Di Claudio:

the cd player skips. the cd player 
skips and we haven't the money 
to fix it. we are tired of looking
at each other and we are tired of 
the way my hair looks in the morning. 
the cd player has scars because i 
punch it. the word "defenestrate" pops 
often to mind. we are looking for the 
toothpaste and then hurl it through the door 
when we find it. we are tired. we are so 
tired. we do not want carrots for dinner 
again and we cannot watch this movie 
one more time. but it always is on reruns 
and it is better than hearing our favorite 
song mangled in loops. we 
throw shoes at the cd player out of 
frustration. i opened the window the 
other day and got as far as the 
couch with the cd player in my hands. and. and.
and. and. 

Lesen Sie auch: ➱Schneewittchensarg und ➱HiFi.

Kommentare:

  1. Bleibt nur das Problem unserer alten Ohren.Furtwängler z.B. erkannte auf dem Band seine Sängerinnen nicht.
    Danke für den schönen Beitrag!

    AntwortenLöschen
  2. Also, lieber Jay, wo Sie schon so eine Vorliebe für ein wenig antiquierte Schweizer Uhren haben (den wir übrigens teilen), hätte ich natürlich einen vergleichbaren Hang zu alten Revox-Geräten erwartet.
    dE
    PS: Gulda rules!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hatte mal ein Revox Tonbandgerät. Machten die auch etwas anderes?

      Löschen
  3. Oh ja, die machten auch sehr anständige CD-Spieler, Verstärker, etc, und die mögen sie auch heute noch machen, meine Geräte haben aber mittlerweile auch bereits zwanzig Dienstjahre absolviert und laufen weiterhin tadellos, insofern kann ich zum gegenwärtigen Angebot nichts sagen.
    dE

    AntwortenLöschen
  4. Andere Geräte erreichten nicht den Kultstatus eines A 77.Das Gerät war schon der Hingucker,und heute?Ein mp3 Player oder Smartphone.Immerhin kann man es in der Hosentasche mitnehmen.....

    AntwortenLöschen