Donnerstag, 20. Juli 2017

Lest we forget


Die Verse Lord God of Hosts, be with us yet, Lest we forget—lest we forget! finden sich in Rudyard Kiplings Gedicht Recessional, ich habe sie schon mehrfach zitiert. Weil Kiplings Zeilen mit einer geradezu biblischen Wucht daherkommen. Sie stehen auch am Ende des Posts Cato Bontjes van Beek und des Post Bremen, Mai 1945. Der Post heute ist nicht neu, er stand schon in diesem Blog, als ich gerade mal ein halbes Jahr Blogger war. Damals hatte ich noch nicht so viele Leser, aber im Laufe der Jahre sind es immer mehr geworden. 2013 wurde der Post duch die Moabiter Sonette abgelöst. Gedichte, die mir lieber sind als das Gedicht von Stauffenberg, wo von Ruhm und schönheit wenn nicht wir sie hätten / Des Staufers und Ottonen blonde erben die Rede ist.

Euer Opfer hat doch einen Sinn gehabt, die Welt hat das in zunehmendem Maße erkannt – wir werden diesen tieferen und eigentlichen Sinn Eures Opfers unserem eigenen Volk immer mehr bewusst werden lassen – und das wird Euer nachträglicher Sieg sein, hat Willy Brandt 1955 gesagt. Bei der ersten Gedenkfeier im Ehrenhof des Bendlerblocks sprach 1952 der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter, da waren die Widerständler für viele Deutsche noch vaterlandslose Gesellen. Erst als der Krieg zehn Jahre vorbei ist, werden Heuss und Adenauer am 20. Juli sprechen, damals lesen die Deutschen gerade gerne Erich von Mansteins Buch Verlorene Siege.

Wir gedenken in Deutschland an diesem Tag des Widerstandes gegen Adolf Hitler. Und es gibt jedes Jahr einen Staatsakt in Berlin und eine Kranzniederlegung im Ehrenhof des Bendlerblocks. Und jedes Jahr wird der Oberst Graf von Stauffenberg gefeiert, den ja jetzt jeder kennt, weil er von Tom Cruise gespielt wurde. Um den stillen James Graf von Moltke, dessen Patenkind mein Freund Jimmy war, wird nicht ein solcher Rummel gemacht. Aber das Wissen um die Vergangenheit geht von Jahr zu Jahr verloren, und eines Tages werden nachfolgende Generationen die deutsche Geschichte nur noch in der Version von Tom Cruise oder Guido Knopp kennen. Ich bin jedes Jahr an diesem Tag ein wenig unglücklich, mir gefallen die Feiern nicht, die häufig nur verlogene Schauspiele mit schlechten Laiendarstellern sind. Und ich frage mich, wie viele Schüler jemals in Plötzensee gewesen sind? Oder wie viele den Namen Georg Elser kennen? Denn der ist irgendwie eher mein Held als Stauffenberg mit dem ganzen Gewese des George Kreises und dem heiligen Deutschland. Vielleicht war auch das geheime Deutschland gemeint, über das Stauffenbergs Mentor Stefan George gedichtet hatte:

Wer denn o wer von euch brüdern
Zweifelt o schrickt nicht beim mahnwort
Dass was meist ihr emporhebt
Dass was meist heut euch wert dünkt
Faules laub ist im herbstwind
Endes- und todesbereich:
Nur was im schützenden schlaf
Wo noch kein taster es spürt
Lang in tiefinnerstem schacht
Weihlicher Erde noch ruht -
Wunder undeutbar für heut
Geschick wird des kommenden tages.

Niemand redet über all die kleinen Leute, die auf ihre Art und Weise Widerstand geleistet haben, und die Opfer des Terrors geworden sind. Mir ist Stauffenberg als Held ein wenig unheimlich. Das, was ich von meiner Mutter (die ihn gekannt hatte) über ihn erfahren habe, hat nicht gerade dazu beigetragen, dass ich ihn mag. In der TAZ vom 17.2. 2009 hat Michael Wildt geschrieben:

Aber warum Stauffenberg und nicht Elser? Auf die Kritik des britischen Historikers Richard Evans, dass sich Stauffenberg mit seiner elitär-reaktionären Weltanschauung wohl nicht zum Helden eigne, antwortete Karl Heinz Bohrer heftig, dass es darauf gar nicht ankomme, sondern Stauffenberg und seine Mitverschwörer "eine Höhe des sittlichen, charakterlichen und kulturellen Formats" repräsentierten, von dem Mitglieder der heutigen Elite nur träumen könnten.

Darum also geht es! Im gegenwärtigen Diskurs um Eliten und ihre Ethik eignet sich der gebildete Generalstabsoffizier Stauffenberg, der zunächst den Verheißungen des Regimes vertraut, engagiert mitgemacht hat und erst spät umgekehrt ist, dann aber desto entschiedener zur Tat schritt, offenbar weit besser zum öffentlichen Helden als der spröde, eigensinnige Elser, der unter Beweis stellt, dass man auch in Zeiten, in denen die Stauffenbergs wie Millionen andere Deutsche noch den "Führer" unterstützten, als Tischler mit Volksschulabschluss den destruktiven Charakter des NS-Regimes erkennen und den Entschluss zum Widerstand fassen konnte. "Unglücklich das Land, das Helden nötig hat" (Bertolt Brecht).

Wir können das in Deutschland offensichtlich nicht, dass wir einen größeren Zusammenhang des Widerstandes herstellen. Wir brauchen die aristokratischen Offiziere des Generalstabs auf der einen Seite (die wir dann auch feiern) und die sozialistischen oder kommunistischen Arbeiter auf der anderen Seite (die wir lieber nicht erwähnen). Vielleicht noch ein wenig Bekennende Kirche in der Mitte. Das Bürgerlied von 1848 mit den Zeilen ob wir just Collegia lesen oder aber binden Besen, das tut, das tut nichts dazu. Drum ihr Menschen, drum ihr Brüder, alle eines Bundes Glieder, was auch jeder von euch tu, das ist immer noch nicht bei uns angekommen.

Wenn Churchill 1946 gesagt hat: In Deutschland lebte eine Opposition, die zum Edelsten und Größten gehört, was in der politischen Geschichte aller Völker hervorgebracht wurde. Diese Menschen kämpften ohne Hilfe von innen und außen, einzig getrieben von der Unruhe des Gewissens. Solange sie lebten, waren sie für uns unsichtbar, weil sie sich tarnen mussten. Aber an den Toten ist der Widerstand sichtbar geworden. Diese Toten vermögen nicht alles zu rechtfertigen, was in Deutschland geschah. Aber ihre Taten und Opfer sind das unzerstörbare Fundament eines neuen Aufbaus, dann ist er in seiner Bewertung der Meinung der jungen Bundesrepublik weit voraus. Denn in den fünfziger Jahren war das Bild der Widerständler in der Bevölkerung nicht unbedingt positiv. Die Nazipropaganda von einem Verrat und einer zweiten Dolchstoßlegende wirkte noch nach. Über die Bewertung des Attentats aus der Sicht der DDR wollen wir lieber den Mantel des Schweigens decken. Aber auch bei uns hat es bis 1963 gedauert, dass die öffentlichen Gebäude beflaggt wurden.

Wir haben nach dem Krieg auch unsere juristischen Schwierigkeiten mit den Opfern. Die Mutter der jungen Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek aus Fischerhude (mit der Helmut Schmidt einmal befreundet war), die in Plötzensee hingerichtet wurde, hat zwölf Jahre gegen das Land Niedersachsen prozessieren müssen, damit ihre Tochter juristisch rehabilitiert wurde. Erst 1999 (56 Jahre nach ihrem Tod) wurde das Todesurteil juristisch aufgehoben. Da hatte es die Witwe des berüchtigten Präsidenten des Volksgerichtshofes Roland Freisler einfacher. Sie bezog eine Kriegsopferrente und ab 1974 bis zu ihrem Tode 1997 noch einmal zusätzlich monatlich 400 Mark Schadensausgleich mit der Begründung, dass wenn ihr Mann überlebt hätte, er höherer Beamter oder gutverdienender Rechtsanwalt geworden wäre. Was kann man gegen eine solche Logik sagen?

Die antike Philosophie hat das Problem des Tyrannenmords diskutiert, und seit dem 17. Jahrhundert findet sich dieser Gedanke auch bei den Staatsrechtsphilosophen. Schon Thomas Hobbes räumt dem Volk ein gewisses Widerstandsrecht ein, wenn der Souverän sein Volk nicht mehr ausreichend schützt. Samuel Pufendorf empfiehlt dagegen in De iure naturae et gentium, auf den Tyrannenmord zu verzichten und stattdessen zu fliehen oder auszuwandern. Unser deutscher Denker mit dem kategorischen Imperativ hat das Widerstandsrecht dann im 18. Jahrhundert allerdings kategorisch abgelehnt. Aber seit dem Jahre 1968 steht es im Artikel 20 Absatz 4 in unserem Grundgesetz: Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. Möge es nie dazu kommen.

Meine Heimatstadt Bremen, die gerne den Eindruck erweckt, dass man ja so hanseatisch gewesen sei und mit den Nazis nichts am Hut hatte, hat in den zwölf Jahren des Tausendjährigen Reiches Nazis und Kriegsverbrecher in ihren Reihen gehabt, aber auch gute und mutige Menschen und Widerständler aus allen politischen Gruppierungen. Aber die einen wie die anderen waren niemals in der Zeit nach dem Krieg Thema des Unterrichts an meiner Schule (an der Hermann Böse Schule vielleicht, da musste man ja zumindest wissen, weshalb die Schule so hieß). Dass wir in unserem Ort einen Kriegsverbrecher wie Walter Többens hatten, hat erst Jahrzehnte nach dem Krieg der Journalist Günther Schwarberg öffentlich gemacht (Schwarberg ist auch der Mann, der das Buch über den SS Arzt und die Kinder vom Bullenhuser Damm geschrieben hat).

Und die Bremer Geschichtsschreibung hat auch lange gebraucht, um sich zu äußern. Erst im Jahre 1980 hatte die Kultusministerkonferenz empfohlen, den Widerstand auch in seinen alltäglichen Formen der Verweigerung und Nichtanpassung zu erforschen und in den Unterricht einzubringen. Dem hat sich der Bremer Senat 1981 angeschlossen und ein Projekt Widerstand und Verfolgung unter dem Nationalsozialismus in Bremen 1933-1945 finanziell gefördert. Daraus ist ein bemerkenswertes Buch entstanden: Inge Marßolek und René Ott Bremen im Dritten Reich: Anpassung - Widerstand - Verfolgung (Schünemann 1986). Das Buch steht im völligen Gegensatz zu dem vierten Band der Geschichte der Freien Hansestadt Bremen des selbsternannten Bremer Historikerpapstes Herbert Schwarzwälder, der letztlich nur eine Geschichte der Gauleiter schreibt. Marßolek und Ott schreiben eine Geschichte von unten, in der Tradition der französischen Historikerschule von Lucien Febvre und der Annales.

Und sie tun das mit erstaunlichen Ergebnissen, weil sie sich weniger für die Gauleiter als für die kleinen Leute interessieren. Wenn die russischen Fremdarbeiterinnen bei Borgward am Internationalen Frauentag 1944 mit rotgefärbten Kopftüchern zur Arbeit kommen, dann ist das auch ein Zeichen des Widerstandes. Und wenn der Chef der AG Weser Franz Stapelfeldt (des Teufels Generaldirektor) auf der einen Seite mit den Nazis paktiert, weil das der Werft Aufträge bringt, und auf der anderen Seite kommunistische Werksangehörige persönlich aus dem KZ freikauft, dann ist das eine andere Form des Widerstands. Ich wünschte mir, dass bei Schünemann in Bremen jemand auf die Idee käme, das vergriffene Buch wieder auf den Markt zu bringen. Und es wäre als Pflichtlektüre für Geschichtslehrer vielleicht auch nicht schlecht. Nicht nur in Bremen.

Martin Walser hat in seiner Dankesrede bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1998 gesagt: Wenn mir aber jeden Tag in den Medien diese Vergangenheit vorgehalten wird, merke ich, daß sich in mir etwas gegen diese Dauerpräsentation unserer Schande wehrt. Anstatt dankbar zu sein für die unaufhörliche Präsentation unserer Schande, fange ich an wegzuschauen. Ja und nein, ich kann ihn in gewisser Weise verstehen, ich habe damals die ganze Rede gehört. Ich finde, angesichts dessen, was man mit den Mitteln des Fernsehens aufklärerisch machen könnte; das, was Guido Knopp macht, nur widerlich. Aber wir können nicht wegschauen, das tun schon genug andere.

Tho' much is taken, much abides; and tho'
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are;
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

Das stand hier am 20. Juli 2010, ich war ein halbes Jahr lang Blogger. Google hatte gerade angefangen, mich zu zählen. Ich dachte, ich müsste das schreiben. Derjenige aus meiner Familie, der bei den Verschwörern des Kreisauer Kreises war, ist ungeschoren davongekommen. Er war damals nur ein kleiner Oberleutnant. Er hat nie über das geredet, was er getan hatte, was er erreichen wollte. Als ich achtzehn wurde, bekam ich von ihm einen Bananenkarton voller Bücher. Alles, was der deutsche Buchmarkt zum Thema Widerstand damals hergab. Die Titel der Bücher sind inzwischen zahlreicher geworden. Und das Vergessen größer.

Dienstag, 18. Juli 2017

Schnulzen?


Schnulz und Vorurteil titelte letztens die ➱Kieler Nachrichten. Und fügte hinzu: Jane Austen gilt noch immer als Königin kitschiger Romanzen. Die jüngere Literaturforschung dagegen sieht in ihr eine frühe Feministin: Grund genug, das Werk der Britin zu ihrem 200. Todestag neu zu entdecken. Das Wort Schnulzen höre ich im Zusammenhang mit der englischen Autorin, die heute vor 200 Jahren starb, nicht so gerne. Dies ist ein Höhepunkt des englischen Romans, das ist nicht Autorin ➱Eufemia Carolina von Adlersfeld-Ballestrem. Die Süddeutsche Zeitung ist natürlich auf einem anderen Niveau als die KN, sie druckt einen Gastbeitrag von ➱Colm Tóibín, da ist nicht von Schnulzen die Rede. Ich hatte den Todestag von Jane Austen nicht vergessen, aber da mehrere Leser gefragt haben, warum es hier nichts zu Jane Austen gibt, stelle ich einen Post noch einmal hier hin, der schon vor sechs Jahren im Blog stand.





It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife. However little known the feelings or views of such a man may be on his first entering a neighbourhood, this truth is so well fixed in the minds of the surrounding families, that he is considered the rightful property of some one or other of their daughters. Ein schöner Romananfang. Es ist der Roman Pride and Prejudice von Jane Austen. Die hat heute Geburtstag [16.12], da muss ich doch einige Zeilen schreiben. Obgleich sie keinerlei Reklame braucht, sie zählt nicht zu den vergessenen Autoren. Man liest sie immer noch, und man kann sie immer noch lesen. Ihre Romane sind in den letzten Jahrzehnten immer wieder verfilmt worden. In Farbe und mit einem großen Aufwand von Kostümen und Dekorationen. Mehr oder weniger gut. Die Romane sind besser.

Pride and Prejudice handelt vom Heiraten. Die Unterhaltung zwischen Mrs und Mr Bennet auf der ersten Seite des Romans handelt vom neuen Nachbarn:

"Why, my dear, you must know, Mrs. Long says that Netherfield is taken by a young man of large fortune from the north of England; that he came down on Monday in a chaise and four to see the place, and was so much delighted with it, that he agreed with Mr. Morris immediately; that he is to take possession before Michaelmas, and some of his servants are to be in the house by the end of next week."
"What is his name?"

"Bingley."
"Is he married or single?"
"Oh! Single, my dear, to be sure! A single man of large fortune; four or five thousand a year. What a fine thing for our girls!"
"How so? How can it affect them?"
"My dear Mr. Bennet," replied his wife, "how can you be so tiresome! You must know that I am thinking of his marrying one of them."
"Is that his design in settling here?"
"Design! Nonsense, how can you talk so! But it is very likely that he may fall in love with one of them, and therefore you must visit him as soon as he comes
.

Die Jagdsaison ist eröffnet, reiche Junggesellen sind jetzt Freiwild in dem Roman der Autorin Jane Austen. Die übrigens nie geheiratet hat, sie verheiratet immer nur ihre Heldinnen. Heiraten ist wichtig in dieser Gesellschaft, die uns Jane Austen beschreibt. Mit einer Ehe sichert man sich einen sozialen Status im England der Regency Zeit, Liebe und das persönliche Glück werden da zur Nebensache. Denn Happiness in marriage is entirely a matter of chance, wie eine Romanfigur in Pride and Prejudice sagt. Von großen Leidenschaften wie in Brontës Wuthering Heights ist hier nicht die Rede.

Die Welt, die uns Jane Austen beschreibt, ist die Welt der landed gentry der ➱Regency Zeit. Die Großstadt London spielt bei ihr keine Rolle. Arme Leute wie bei Charles Dickens auch nicht. Erstaunlicherweise hat auch die Aristokratie, die in allen Trivialromanen des 19. Jahrhundert von solch großer Bedeutung ist, bei ihr wenig Platz. Dies ist die Welt der upper middle class, die Welt der home counties. Manchmal kommen ➱Marineoffiziere in den Romanen vor, die eigentlich immer positive Figuren sind. Zwei von Jane Austens Brüdern waren Marineoffiziere, sie bringen es beide bis zum Admiral. Francis William Austen wird sogar Admiral of the Fleet.

Und was tut man in dieser Welt zu Weihnachten? Man feiert natürlich. Allerdings sind das noch keine Feiern, bei denen die Kinder im Mittelpunkt stehen. Weihnachten ist noch kein sentimentales Kinderfest, Dickens' Christmas Carol ist noch nicht geschrieben. Das sind jetzt Feste für Erwachsene, bei denen junge Frauen hoffen, die geliebten Männer wieder zu treffen. Wenn die snobistische Caroline Bingley schreibt: I sincerely hope your Christmas in Hertfordshire may abound in the gaieties which that season generally brings, and that your beaux will be so numerous as to prevent your feeling the loss of the three of whom we shall deprive you, dann meint sie das natürlich überhaupt nicht. Weil sie bösartig ist und es ganz und gar nicht will, dass Jane Bennet ihren Bruder bekommt. Das ist natürlich nicht der richtige Christmas spirit.

Wir wissen über das englische Weihnachtsfest in der Zeit von Jane Austen eine ganze Menge dank des Buches Jane Austen's Christmas von der Gräfin ➱Maria Hubert von Staufer. Und in einem netten Blog finden wir alle ➱Weihnachtsszenen aus Jane Austens Romanen und deren Verfilmungen. Ich werde gern zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal über Jane Austen schreiben, jetzt muss ich erst einmal Weihnachtspäckchen zur Post bringen. Aber zwei Literaturtipps habe ich doch noch. Der eine ist der hervorragende Blog ➱Jane Austen's World, etwas Besseres gibt es in der Blogosphere nicht. Der andere Tipp ist ein ewiger Klassiker, das Buch A Portrait of Jane Austen von Lord David Cecil. Über das John Bayley sagte: I would unhesitantly pronounce the book to be the best portrait of herself and her work that exists.

Vaterländisches Gedicht


Da ist kein Halten mehr,
Und ein »Zurück!« gar kein Begriff. – Und »Vorwärts!«
Und unterm roten Dach zusammenschwimmen
Mit Sturm die großen Waffenbrüder Blücher
Und Wellington zum ersten Wiedersehn
Bei Waterloo.

In ihrem Handschlag grüßen
Zwei Heere sich – zwei Siege – ganz Europa.
Hoch über Mein und Dein und alle Rechnung,
Zu groß ein jeder in sich selbst und zu
Verbrüdert in dem andern, legt auch jeder
Des Tages Palme in des Bruders Hand.
»Groß, Kinder, unser Tag!« ruft Blücher, selig
So schöner Waffenbrüderschaft. »Die Schlacht
Heißt Waterloo, der Sieg heißt Belle-Alliance!
Der Tag kann mehr als einen Namen tragen.« –

Wahrscheinlich kennen Sie dieses Gedicht nicht, über das ein preußischer Prinz sagte: Kanonendonner in solchen melodischen Versen macht das Kriegshandwerk populär. Das Gedicht Waterloo machte seinen Verfasser Christian Friedrich Scherenberg berühmt. Alexander von Humboldt liebte es, und der preußische König verlieh dem armen Dichter eine Stelle als Bibliothekar im Kriegsministerium. Da war er gut aufgehoben, denn viele seiner Gedichte handelten vom Krieg (die Schlachten von ➱Leuthen und ➱Ligny hat er auch bedichtet). Wenn Sie wollen, können Sie Scherenbergs vaterländisches Epos Waterloo ➱hier lesen. Es ist ein kurioses Gedicht, formlos wie eine Schlacht. Aber in manchen Passagen trägt es schon die Moderne in sich, doch meistens ist Scherenberg nur eine Art Lord Byron für Arme.

Er hat seine Gedichte immer wieder überarbeitet, er hat sie immer wieder vorgelesen (unter anderem Ferdinand Lassalle), beim Lesen erkannte er die rhythmischen Schwächen, also wurde wieder überarbeitet. Aber liest es sich wirklich gut?

Schon dreimal brandete versiegend her
Die Flut am heißen Damme seiner Feuer:
Geschütz vor auf Geschütz! – Und aus dem Wald
Der Bajonette vor, entgegen aus
Der Hölle Ligny packen heulend sich
Die ehernen Löwen mit der heißen Tatze.
Erstürmt den Friedhof! Und durch Heck' und Zweig
Herrauscht's, und über Plank' und Mauer knatternd
Am Leib den Preußen sitzt der Voltigeur.
Abschütteln sich die starren Reihen auf
Gut preußisch, und was fällt, bleibt liegen bis
Zum Jüngsten Tag – gesegnet wird der Kirchhof!


Der Ruhm Scherenbergs war von kurzer Dauer, bei seinem Tod war er so gut wie vergessen. Nicht ganz, denn einer seiner Bekannten aus der literarischen Gesellschaft Tunnel über der Spree veröffentlichte drei Jahre nach seinem Tod eine ➱Biographie über seinen Kollegen. Der Biograph ist kein Geringerer als ➱Theodor Fontane. Er hatte zu Beginn der Niederschrift beschlossen, Scherenbergs Werke nicht noch einmal zu lesen: Liest Du das alles Eine innere Stimme sagt mir: 'Liest du das alles noch mal durch, so bist du verloren und er erst recht'. Als er das Buch vollendet hatte, schaute er doch noch einmal in das dichterische Werk. Und notierte: Nicht zu lesen ... In grausamer Weise läßt er einen nach drei Seiten hin im Stich. Nichts hat Form (trotz meist sehr guter Komposition). Lyrischer Ton vakat und Geschmack erst recht. Er wiegt hundert Durchschnittspoeten auf und ist doch mehr eine höchstinteressante Zeiterscheinung als ein erquicklicher Dichter. 

Ein besonders redefreudiges Mitglied des Tunnels scheint Scherenberg nicht gewesen zu sein. Der Schriftsteller Paul Heyse erwähnt ihn in einem ➱Gedicht an Theodor Fontane mit den Zeilen:

Und neben ihm schwieg stundenlang
Der Mann, der Waterloo besang.

Der Jurist Franz von Holtzendorff verfasste 1853 eine englische Übersetzung, die er in England an den Mann zu bringen versuchte. Er fand aber keinen Verleger, für die Engländer war da zu viel Blücher und zu wenig Wellington in dem Gedicht. Glaubt man Fontanes Biographie, so wird Scherenberg allerdings doch in England berühmt: So klang es Tag um Tag und dies tägliche Genanntwerden in den Zeitungen hatte schließlich auch zur Folge, daß sein Ruhm bis nach England hinüber drang, wo die Bänkelsänger und Volksballadendichter von Seven-Dials (es war grad um die Krimkrieg-Zeit), in ihren Spottliedern auf Deutschland unseres Dichters Namen in ihren Spottliedern auf Deutschland unseres Dichters Namen alsbald in überraschlichster Weise zu verwerten anfingen. Als Beweis dafür zitiert Fontane:

Bad luck they say both night and day 
To the Cobugs and the humbugs 
The wirtembugs, the scarem bugs, 
And all the German horse-rugs: 
And all that will the laws obstruct 
The peterbugs and Prussians, 
May providence protect the Turks 
And massacre the Russians.

Aber das ist eine Straßenballade, die er sich in London notiert hat, die hat eigentlich nichts mit Scherenberg zu tun, es sei denn, man liest aus den scarem bugs (was immer die sind, sie kommen auch in ➱John Bull and his German Legion vor) ein Scherenberg heraus. ➱Arno Schmidt hätte das getan, Fontane tut es auch, es ist wohl ein literarischer Scherz. Es ist ein kleines bösartiges Hassgedicht auf das Haus Coburg und den Prinzgemahl Albert. Wir sind im Krimkrieg, sind in der Zeit, in der Fontane ➱All die ihr schlaft auf Dunen, behaglich, wohlgemuth schreibt. Ich habe das Hassgedicht auf die Coburgs gerne einmal zitiert, weil gestern vor hundert Jahren König Georg V den Namen Saxe-Coburg and Gotha abgelegt hat und den Familiennamen Windsor angenommen hat.

Fontane hat Teile der Ballade übersetzt, da klingt es dann so:

Malhör bei Tag, Malhör bei Nacht 
Über all den Koburg-Schwindel, 
Über Württemberg, über Scherenberg
Und all das deutsche Gesindels

Und Fontane schreibt sofort an Scherenberg: Teurer Scherenberg, der Sie daheim in der Lützower-Wegstraße sitzen, was sagen Sie dazu? Welchem deutschen Dichter wäre eine ähnliche Auszeichnung je vorbehalten gewesen? Wenn Sie nicht gehobenen Herzens auf London blicken, so kann es keiner mehr.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts ist die große Zeit von Scherenberg, es ist die Zeit, da Fontane ihn kennengelernt hat. Aber auch da sind schon die ersten kritischen Stimmen zu hören. So kann man 1856 in den Blättern für literarische Unterhaltung lesen: Recht zierlich empfunden, recht niedlich ausgeführt, in der sogenannten „schönen Sprache“, recht ansprechend für Honoratiorentöchter, recht anmuthig zu lesen bei geheimräthlichen ästhetischen Thees, aber ohne dichterischen, mindestens ohne epischen Genius. Literaturkritiker können ja so böse sein. Harold Pinter hat mal gesagt, dass Literaturkritiker wie einbeinige Weitspringer sein, sie könnten es zwar nicht, versuchten es aber immer wieder.

Wenn Sie von Scherenbergs Kanonendonner in solchen melodischen Versen nicht so recht begeistert waren und die Cobugs and the humbugs viel interessanter fanden, dann habe ich noch ein Schmankerl zu Schluss, nämlich die ganze Ballade von den Cobugs, humbugs und scarem bugs. Sie heißt Lovely Albert, und Sie können sie ➱hier lesen.

Scherenbergs Waterloo Gedicht habe ich heute hervorgekramt, weil heute der Jahrestag der Schlacht von Waterloo ist. Aber heute ist doch gar nicht der Tag von Waterloo, das war am 18. Juni, sagte Herr ➱Eschenburg zu mir, als ich ihm vorhin erzählte, dass ich über Scherenberg geschrieben hätte. Himmel, ist mir das peinlich, aber außer dem Datum stimmt alles, was hier steht.


Die Schlacht und der Krieg gegen Napoleon sind schon häufig in diesem Blog behandelt worden. Lesen Sie auch: Waterloo, La Belle-Alliance, Elba, Briefe, Regenschirme, Captain Gronow, StendhalLuxuskutschen, Ney, John Keegan, Sigrid Combüchen, Laon 1814, Heeresreform, Freimaurer18. Oktober 1813,  Thomas Lawrences Blücher, Kutusow, Finckenstein, TettenbornBennigsen, BourrienneEisernes Kreuz

Samstag, 15. Juli 2017

Generalskrise


Möge es Ihnen gelingen, gegenüber dem in der Öffentlichkeit überstrapazierten Begriff der 'Reformer' einer geläuterten soldatischen Tradition verbunden mit modernem Denken zum Durchbruch zu verhelfen. Das schreibt dieser so nett lächelnde Herr 1964 an den neuen Inspekteur des Heeres. Manche SPD Politiker halten ihn für einen der reaktionärsten Generäle der Bundeswehr. Mit 37 Jahren war er einer der jüngsten Generäle Hitlers. Kommandeur der Division Feldherrnhalle, Ritterkreuz mit Eichenlaub. Im Nürnberger Prozess wird er eidesstattliche Versicherungen abgeben, dass die Division Feldherrnhalle keine SA Einheit gewesen sei (obgleich sie den Namen einer SA Einheit trägt und die meisten Soldaten aus der SA kommen). Die Amerikaner behalten ihn nach dem Ende des Krieges erst einmal, übergeben ihn an die Russen und bekommen ihn wieder zurück. Warum haben sie ihn nicht behalten? Als die Bundeswehr gegründet wird, ist der ehemalige Generalmajor Günther Pape sofort dabei. Fängt als Brigadegeneral an und hat bald seinen alten Dienstgrad wieder.

Und er erinnert den Kollegen Ulrich de Maizière an diese etwas schwammige geläuterte soldatische Tradition verbunden mit modernem Denken. Mit den reformerischen Kräften hat Pape nichts am Hut, so wie er mit den Offizieren des Widerstands nichts zu tun hatte. Wenn er in einem Düsseldorfer Gymnasium einen Vortrag hält, dann ist das entscheidende Zitat Wer in der Gegenwart die Vergangenheit vergißt, verliert die Zukunft! Es ist ein Zitat von Hans Röttiger, der der erste Inspekteur des Heeres der Bundeswehr war, ich weiß nicht, was der Generalleutnant, der noch den Ersten Weltkrieg mitmachte (und sein Eisernes Kreuz eher als sein Notabitur hatte), von Günther Pape gehalten hat.

Der General Pape, der heute vor 110 Jahren geboren wurde, meint mit der Vergangenheit offenbar etwas anderes als Hans Röttiger (hier im Gespräch mit Helmut Schmidt). Röttiger war 1956 als Inspekteur des Heeres nicht unumstritten. Kesselring hasste ihn, weil Röttiger in Italien mit den Alliierten Kapitulationsverhandlungen aufgenommen hatte, als Kesselring noch an den Endsieg glaubte. Erich von Manstein verachtete Röttiger, weil er kein Ritterkreuz hatte, wegen der Kapitulation in Italien und wegen seiner Rolle bei den Nürnberger Prozessen. Denn da hatte sich Röttiger gegen seine Kameraden gestellt, weil er eingesehen hatte, dass der Rußlandfeldzug den Zweck hatte, den militärischen Bandenkampf des Heeres dazu auszunutzen, die rücksichtslose Liquidierung des Judentums und anderer unerwünschter Elemente zu ermöglichen. Hans Röttiger war in Himmerode dabei, wo die Bundeswehr geplant wurde. Zu der Zeit saß der Generalmajor a.D. Pape in einer Kommission, die sich damit beschäftigt, ob die Ritterkreuzträger in der neu zu schaffenden Armee ihr Ritterkreuz tragen dürfen. Wer in der Gegenwart die Vergangenheit vergißt, verliert die Zukunft!

Röttiger war strikt gegen die Atombewaffnung: Nach den Erfahrungen in dieser Richtung, insbesondere in der Folgezeit des Zweiten Weltkrieges, dürfte es immerhin fraglich sein, ob ein seiner Verantwortung bewußter Soldat gleich welchen Dienstgrades, sich bereit finden wird, den Einsatz von Massenvernichtungswaffen mit seinem Namen zu decken oder auch nur ‚mitzudecken’. Es wäre sehr wohl denkbar, daß der Soldat, der wohl wie kaum ein anderer die Folgen eines derartigen Handelns zu beurteilen vermag, in einem solchen Fall zu einer Art ‚Atomdienstverweigerer’ würde.

Allerdings hatte Röttiger eine Versuchsgruppe ins Leben gerufen, die einen möglichen Einsatz von Atomwaffen durchspielen sollte. Ich zitiere dazu einmal aus einer interessanten ➱Dissertation: Symptomatisch ist hier der Verlauf der ersten Lehr- und Versuchsübung des Heeres (LV 58) auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne/Niedersachsen 1958, bei denen erstmals in einer Manöverlage der Einsatz von Atomsprengkörpern theoretisch durchgespielt wurde. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Hans Röttiger, brach die Übung schließlich ab, als der Atomeinsatz sich tatsächlich unerwartet verheerend auf das durchgeführte Gefechtsszenario der gepanzerten und infanteristischen Kräfte ausgewirkt hatte. Da muss wohl das gleiche passiert sein, was ich in dem Post ➱Fallex beschrieben habe. Dies Bild ist auch im Jahre 1958 in Bergen-Hohne gemacht worden: Adenauer betrachtet wohlfällig ein Holzmodell des ➱HS-30, den man gerade ankauft. Den Panzer gibt es zwar noch nicht, aber ein Holzmodell ist doch auch schön.

Es geht bei der Generalskrise von 1966 darum, wie die Bundeswehr in die Gesellschaft integriert werden soll, es geht um die Macht, die Leute wie Pape und der Generalinspekteur Trettner gerne hätten. Ich habe dazu einen lesenswerten Report des Spiegel mit dem Titel ➱Uns versteht keiner so richtig. Ich habe in den sechziger Jahren genügend Generäle kennengelernt, manche waren menschlich und als Vorgesetzte hervorragend. Wie mein erster Divisonskommandeur Cord von Hobe (hier bei seiner ➱Rede zum 20. Juli im Hof des Bendlerblocks). Sein Nachfolger Otto Uechtritz sieht zwar in seiner Uniform schneidig aus, besitzt aber keine intellektuellen Fähigkeiten. Den General Ulrich de Maizière habe ich einmal erlebt, es war ein sehr peinlicher Auftritt, Sie können die Geschichte in dem Post ➱Heinrich Hannover nachlesen.

Die Bundeswehr hat in den sechziger Jahren die Stärke von beinahe einer halben Million erreicht. Sie hat damals 230 Generäle, inzwischen ist die Bundeswehr kaum noch halb so stark, hat aber immer noch etwas mehr als zweihundert Generäle. Was machen die alle? Dass wir eine gegenüber den Allierten vorzeigbare Armee haben, täuscht darüber hinweg, dass es im Inneren nicht in Ordnung ist. Was wir als Spiegel Affäre bezeichnen, ist der größte politische Skandal der Bundesrepublik. Am Ende muss Strauß gehen und Adenauers Regierung ist beschädigt, von dem Abgrund an Landesverrat bleibt nichts übrig. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch eine kleine Anekdote zu Strauß und Röttiger einfügen. Im Bonner Presseclub hat Strauß über den neben ihm sitzenden General Röttiger gesagt, er trage eine Uniform, in der man ihn, wenn er keine Rangabzeichen trüge, für einen Zigarettenverkäufer halten könnte. Das sind wunderbare Manieren dieses gebildeten Altphilologen. Über seinen Rausschmiss aus dem Amt wusste er Erstaunliches zu sagen: Ich bin damals behandelt worden wie ein Jude, der es gewagt hätte, auf dem Reichsparteitag der NSDAP aufzutreten.

Nach der Spiegel Affäre kam der Skandal von Nagold, Übergriffe gegen Soldaten häuften sich. Auch in unserer Brigade hatte wir einen Fall. Da hatte ein Leutnant des Fallschirmjägerbataillons 313 in Varel seine Soldaten zum Essen von Brennesseln gezwungen, hatte sie Liegestütze über einem offenen Messer machen lassen etc. Die Bundeswehr reagierte damals sehr schnell. In Nagold war die Kompanie sofort aufgelöst worden, alle Soldaten wurden strafversetzt.

Im Fall des Brennesselfresser wurde der für die Dauer der staatsanwaltlichen Ermittlungen zu meiner Kompanie versetzt. Das am Sonntag geplante Fußballspiel konnte nicht stattfinden, der Fußballplatz war mit Hubschraubern vollgeparkt, da war die halbe Hardthöhe bei uns. Der Brennesselfresser durfte normalen Dienst tun, aber keine Waffe tragen. Und er durfte nicht in den Speisesaal des Kasinos, er musste in der Küche essen. Es wurden ihm da aber keine Brennesseln serviert. Wenn der Staatsanwalt ihn sehen wollte, musste ich in vorführen, musste dafür den Helm aufsetzen und die P38 umbinden. Der Brennesselfresser war ein armes Schwein, er hatte einen reichen Vater, war von jeder Schule geflogen. Abitur an einem schlecht beleumundeten Internat. Danach Berufssoldat, ein Säufer und Schinder. Solche Leute hätte die Bundeswehr nie gebraucht. So wie sie den General Günther Pape nicht gebraucht hätte.

Aber der General Pape ist mit seinen Kameraden im Hintergrund (oder sollte man Untergrund sagen?) dabei, dass einer geläuterten soldatischen Tradition verbunden mit modernem Denken zum Durchbruch verholfen wird. Sprich, dass die Generäle gegenüber der Politik mehr Macht bekommen. Sie wittern Morgenluft, da der Nachfolger von Strauß, Kai-Uwe von Hassel, ein schwacher Mann ist. Angeblich wurde er in diesen Kreisen von Quassel genannt. Ich konnte damals nichts gegen von Hassel sagen, sein Name steht auf meiner Ernennungsurkunde zum Leutnant. Im BMVg gibt es einen Hauptabteilungsleiter namens Ernst Wirmer, der für eine klare Trennung zwischen Truppe und Zivilverwaltung eintritt. Das ist für ihn das wichtigste Element einer demokratischen Wehrverfassung. Er hat einen anderen Hintergrund als die reaktionären Generäle. Sein Bruder wurde von Freisler zum Tode verurteilt worden, und Wirmer selbst war von der Gestapo verhaftet worden. Wir können glücklich sein, dass es auch solche Männer im Verteidigungsminsterium gegeben hat.

Die sechziger Jahre, insbesondere die Zeit von 1963 bis 1967, gelten als die Epoche des Ausbaus und der Konsolidierung. Es sind zugleich die Jahre des Ringens um die Innere Führung. Die Gegensätze zwischen Befürwortern und Gegnern brechen nun in voller Schärfe auf, schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung. Der General Pape ist mit seinen Kameraden im Hintergrund (oder sollte man Untergrund sagen?) dabei, dass einer geläuterten soldatischen Tradition verbunden mit modernem Denken zum Durchbruch verholfen wird. Sprich, dass die Generäle gegenüber der Politik mehr Macht bekommen.

Der ist jetzt Generalinspekteur, über ihn hat die DDR gerade ein Weissbuch über die Kriegsverbrechen des General-Inspekteurs der Bundeswehr, General Heinz Trettner veröffentlicht. Und nun geschieht etwas Fürchterliches, es kommt der Gewerkschaftserlass, den Ernst Wirmer bei von Hassell durch gesetzt hatte. Trettner ist so beleidigt, dass er seinen Hut nimmt, einen Tag später folgt ihm sein Kumpel Pape. Der Inspekteur der Luftwaffe Werner Panitzki (Bild) war Tage zuvor wegen der Starfighter Krise zurückgetreten, damit verliert die Bundeswehr in einer Woche drei Generäle aus der Führungsetage.

Der Spiegel titelt Aufstand der Generale, aber ist das Ganze wirklich so schlimm? Es ist ein Sieg des Hauptabteilungsleiters Ernst Wirmer und ein Sieg der Demokratie über die ewig Gestrigen.Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel wußte die Chance zu nutzen. Die Generale hatten ihm die Rolle eines Retters der Demokratie vor dem Griff der Militärs nach der Macht zugespielt. Ein General kann nach dem Soldatengesetz jederzeit ohne Begründung in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Und Generäle gibt es genug, auch wenn sie kein Ritterkreuz haben wie Trettner und Pape. Ich möchte an dieser Stelle einmal an den Satz von Abraham Lincoln erinnern, den er auf einem Truppenbericht, wonach man so und soviel ➱Generäle und so und soviel Pferde verloren habe, notiert, dass es schade um die Pferde sei. I can make more generals but horses cost money. Das sind doch mal Prioritäten.

Trettner wird noch den Vorschlag machen, die Grenze zur DDR mit Atomminen zu sichern, und er weiß auch, daß der Krieg gegen die Sowjetunion - anders als die Umerziehungspropaganda behauptet - in erster Linie ein nur schweren Herzens begonnener, aufgezwungener Präventivkrieg war und daß unmenschliche Formen vom ersten Tage an von den aufgeheizten sowjetischen Soldaten durch die Ermordung deutscher Kriegsgefangener ... in die Auseinandersetzung hineingetragen wurden. Da war Hans Röttiger ganz anderer Meinung. Herr von Hassel wird sein klein bisschen Reputation verspielen, wenn er bei der Beerdigung des Generals der Waffen SS Hans Jüttner die Trauerrede hält.

Eine traurige Sache ist es hiermit. Diese Flagge hatte der ➱Bruder von Ernst Wirmer 1944 als Flagge des deutschen Widerstands entworfen, heute dient sie der ➱Pegida als Flagge. Von dem nettesten General, mit dem ich eine Viertelstunde gesprochen habe, weiß ich nicht einmal den Namen. Ich weiß nur, dass es ein Brigadegeneral war, der aus Bonn kam. Und dass er plötzlich mitten in der Nacht in meinem Zelt saß. Wir waren in einem Großmanöver mit den Engländern, und die Lage war katastrophal. Drei Tage Dauerangriff ohne anzuhalten, drei Tage kein Schlaf.

Die Engländer spielten nur zwei Tage mit, sagten damned German blitzkrieg und verpieselten sich dann in die Wälder. Das waren Berufssoldaten, die wussten, wann man aufhören muss. Die ersten Fünftonner landeten im Straßengraben, weil ihre Fahrer am Lenkrad einschliefen. Auf einer Straßenkreuzung sah ich meinen Freund W., der in der Dunkelheit wie ein besoffener Pariser Flic den Verkehr zu regeln versuchte. Was ist mit ihm? fragte ich seinen Fahrer. Er hat Captagon genommen, Herr Leutnant, sagte der. Hol ihn von der Kreuzung, sagte ich. Und nimm ihm das Captagon weg (W. ist übrigens ohne das Captagon noch Oberst im Generalstab geworden). Diese kleine Geschichte fügte ich auch in den Lagebericht ein, den der nette General von mir forderte. Ich bin nicht glücklich, wenn ich nicht eine kleine Geschichte einfügen kann. Der General stellte mir noch einige Fragen, war aber mit der Schilderung der Lage zufrieden. Als er das Zelt verließ, fragte ich ihn: Warum ich? Er drehte sich um und sagte: Ach, das ist einfach. Wenn ich einen Berufsoffizier frage, weiß ich, was er mir erzählen wird. Da frage ich doch lieber einen Reserveoffizier, der im Studium ist. Der hat einen klareren Kopf und keinen Respekt vor der militärischen Hierarchie. Und außerdem habe ich mit einem englischen Colonel geredet, der mir gesagt hat, dass Sie der einzige deutsche Offizier seien, mit dem er sich vernünftig unterhalten kann.

Und dann sagte er noch: Schlafen Sie gut. Morgen ist alles anders. Am nächsten Morgen war alles anders, es gab eine Auszeit von 24 Stunden. Niemand bewegte sich in Richtung des Fulda Gap. Nur die Engländer wurden gebeten, die Positionen einzunehmen, die sie vor einem Tag besetzt haben sollten.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Hexer, Zinker et al.


Im Rahmen des Krimisommers in 3sat zeigen wir vier Edgar-Wallace-Verfilmungen von Regisseur Alfred Vohrer. Zu sehen sind 'Das Gasthaus an der Themse', 'Der Zinker', 'Der Hexer"'sowie 'Neues vom Hexer'. Das steht auf der Internetseite von 3sat. Und ich hatte mich schon gewundert, wo Anfang Juli plötzlich die vielen ➱Edgar Wallace Filme herkamen. Aber es ist das Sommerloch, da kann man alles senden.

In dem Post zu ➱Siegfried Schürenberg habe ich vor zwei Jahren geschrieben: Dabei konnte der Schauspieler Siegfried Schürenberg natürlich viel mehr, als stereotyp einen vertrottelten Londoner Polizeichef zu spielen. Ich habe seit Jahrzehnten die Idee, einmal über die deutschen Edgar Wallace Verfilmungen zu schreiben, über ihre Schauspieler, ihre Struktur, über das, was sie uns über das deutsche Publikum sagen. Aber ich bin nie dazu gekommen. Es gibt dazu erste Ansätze in diesem Blog wie die Posts ➱Edgar Wallace, ➱Dieter Borsche, ➱Trenchcoats, ➱Heinz Drache und ➱Film und Mode zeigen.

Es wäre eine schöne Idee, einmal die Ideologie und die Ikonographie der Wallace Filme zu untersuchen. Bei Wikipedia, die eine recht gute ➱Seite zu den Filmen haben, finden sich die Sätze: Trotz ihres großen Erfolgs stießen die Edgar-Wallace-Filme mit Ausnahme der Boulevard- und Tageszeitungen bei fast allen Filmkritikern auf breite Ablehnung. 

Die zum Teil bis heute zitierten Rezensionen, von denen manche den Wallace-Filmen jeglichen ästhetischen oder künstlerischen Anspruch aberkennen oder einige sogar mit Propagandafilmen des Dritten Reiches vergleichen, müssen heute im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in den 1960er Jahren betrachtet werden. Eine unvoreingenommene, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Edgar-Wallace-Filmen fand bis heute nur ansatzweise statt.

Schon George Orwell hatte über Wallace gesagt: It would be interesting and I believe valuable to work out the underlying beliefs and general imaginative background of a writer like Edgar Wallace. Orwell schrieb das in einem Brief an Geoffrey Gorer und fügte dem Satz noch hinzu: But of course that's the kind of thing nobody will ever print. Doch das Kriminalgenre, das soviel Ideologie transportieren kann, hat ihn nicht losgelassen, wenig später schrieb er seinen berühmten Essay ➱Raffles and Miss Blandish. In dem Edgar Wallace natürlich nicht fehlen durfte. Orwell redete über die Romane von Wallace, die deutschen Wallace Verfilmungen haben wenig mit den Romanen zu tun.

Wallace ist mit seinen Romanen Millionär geworden, Wilhelm Goldmann, der 1928 die Buchrechte von Wallace kaufte, sicher auch. Die Übersetzer der Romane auf keinen Fall. Ich habe Freunde, die während ihres Studiums für Goldmann übersetzt haben, die bekamen für ihre Arbeit so gut wie nichts. Ich will gegen den alten Goldmann nichts sagen, er schickte mir eine Flasche Sekt, als ich Goldmann Autor wurde.

Nein, nicht für Krimis, Goldmann hatte ja mal eine sehr angesehene wissenschaftliche Reihe, die Das Wissenschaftliche Taschenbuch hieß. Die Frau, die mein Manuskript lektorierte, hieß Dr Gertrud Wimmer, sie hat alle meine Zitate in der Münchener Staatsbibliothek überprüft. So viel Genauigkeit gab es selbst bei Suhrkamp nicht. Als Wilhelm Goldmann starb und Bertelsmann den Verlag kaufte, war das Wissenschaftliche Taschenbuch die erste Sache, die eingestampft wurde. Wallace geht immer, Wissenschaft nicht.

3sat hat sich Filme von Alfred Vohrer herausgepickt, Das Gasthaus an der Themse ist dabei, der größte Erfolg an den Kinokassen. Ein besonders hervorragender Regisseur ist Alfred Vohrer nicht gewesen, aber seit Quentin Tarantino in Berlin Alfred Vohrer is a genius! gerufen hat, denken manchen Kritiker darüber nach, ob sie ihre Meinung über Alfred Vohrer ändern sollten.

George Orwell hat 1944 über die Helden von Edgar Wallace gesagt: His own ideal was the detective-inspector who catches criminals not because he is intellectually brilliant but because he is part of an all-powerful organization. Hence the curious fact that in Wallace's most characteristic stories the 'clue' and the 'deduction' play no part. The criminal is always defeated by an incredible coincidence, or because in some unexplained manner the police know all about the crime beforehand. The tone of the stories makes it quite clear that Wallace's admiration for the police is pure bully-worship.

A Scotland Yard detective is the most powerful kind of being that he can imagine, while the criminal figures in his mind as an outlaw against whom anything is permissible, like the condemned slaves in the Roman arena. His policemen behave much more brutally than British policemen do in real life--they hit people with out provocation, fire revolvers past their ears to terrify them and so on -and some of the stories exhibit a fearful intellectual sadism. (For instance, Wallace likes to arrange things so that the villain is hanged on the same day as the heroine is married.) But it is sadism after the English fashion: that is to say, it is unconscious, there is not overtly any sex in it, and it keeps within the bounds of the law.

Das ist natürlich etwas ganz anderes als in den deutschen Filmen, wo Scotland Yard etwas desorganisiert ist und der Chef leicht vertrottelt agiert. Und die Kommissare Joachim Fuchsberger (13 Filme) oder Heinz Drache (9 Filme) nichts von dem Ideal von Wallace mitbringen. Und Wallaces Inspector Elk ein ganz anderer ist als Siegfried Lowitz. Und dennoch haben wir diesen Trash der sechziger Jahre liebgewonnen.

Weil wir zum Beispiel Agnes Windeck lieben. Die Schauspiellehrerin, die auch ➱Miss Marple synchronisierte, hatte bestimmt Spaß bei dem ganzen Unsinn (Siegfried Schürenberg in sechzehn Filmen auch). Wir können an diesem Photo (mit Barbara Rütting links) sehen, dass in diese Filme von Zeit zu Zeit der deutsche ➱Expressionismus der zwanziger und dreißiger Jahre hineinschwappt. Eine solche Ausleuchtung, die an den ➱Film Noir erinnert, haben wir immer, wenn es besonders unheimlich sein soll. Und sicherlich ist in den Filmen (wie auch in den Romanen von Wallace) immer noch ein Rest der ➱Gothic Novel zu finden.

Für manche Schauspieler war eine Rolle in einem Wallace Film schnellverdientes Geld. Für manche war es das Ende der Karriere, da war ihnen alles egal. Rekordhalter in Auftritten war Eddi Arent, der in 23 Edgar Wallace Kriminalfilmen zu sehen war. Er sorgte für das komische Element, obgleich die Filme an sich schon komisch genug waren. Manche schafften es, aus der Welt von Edgar Wallace zu entkommen. Wie ➱Karin Dor (5 Filme, hier in Der grüne Bogenschütze etwas leichter bekleidet), die noch bei Hitchcock und James Bond zu sehen war. Und Klaus Kinski (16 Filme) war natürlich zu Höherem berufen, als Noch einen Wunsch, Mylady? zu sagen.

Weil 3sat Neues vom Hexer sendete, konnte man auch noch Margot Trooger sehen, die mochte ich immer. Sie hatte ihren ersten Auftritt auf der Bühne 1947 in Bremen, und in Bremen hat sie auch noch mit Peter Zadek Ich bin ein Elefant, Madame gedreht. Mit dem hatte sie schon in Die Dame in der schwarzen Robe zusammengearbeitet, Zadeks erstem Krimi für das deutsche Fernsehen.

Kann ich einen von Deinen Gangsteranzügen bekommen, fragte mein Bruder beim Mittagessen. Mein Vater war etwas pikiert, dass seine Zweireiher als Gangsteranzüge bezeichnet wurden. Aber der amerikanische Gangsterfilm der zwanziger Jahre hatte den Zweireiher zu eben diesem Kleidungsstück gemacht, das man mit dem Gangster assoziiert (lesen Sie mehr in ➱Kleider machen Leute ➱Bonnie und Clyde).

Mein Bruder bekam einen Anzug (beinahe schwarz mit feinen roten und weißen Streifen) und ließ ihn sich bei dem Schneider Anton Schiwal umarbeiten. Das erste Mal, das ich ihn in dem Anzug sah, war in einer Vollversammlung an der Uni. Er war vor das Mikrophon getreten und forderte den Rücktritt des ➱Kultusministers. Herr von Heydebreck trat auch eine Woche später zurück, daran kann man sehen, dass Gangsteranzüge eine gefährliche Sache sind. Man muss aber dazu sagen, dass an dem Abend noch zahlreiche andere Studenten den Rücktritt des Ministers forderten, die keinen Gangsteranzug trugen.

Colin McArthur hat in seinem Buch Underworld USA aufgezeigt, welche Bedeutung Kleidung innerhalb der Ikonographie besitzt. Robert Warshow hat in ➱The Gangster as Tragic Hero gesagt: Like other tycoons, the gangster is crude in conceiving his ends but by no means inarticulate; on the contrary, he is usually expansive and noisy (the introspective gangster is a fairly recent development), and can state definitely what he wants: to take over the North Side, to own a hundred suits, to be Number One. In vielen Gangsterfilmen (wie zum Beispiel in The Public Enemy) gibt es Szenen, in denen sich der Bandenchef bei seinem Schneider einen neuen Anzug machen lässt.

Diese Gangster tragen keine ➱Lederjacken und keine Schiebermützen mehr, aber sie beweisen uns, dass der französische Gangsterfilm von den Amerikanern gelernt hat. Ob das der ➱Borsalino von ➱Alain Delon, der Trenchcoat von ➱Yves Montand (in Vier im roten Kreis) oder der elegante Zweireiher von Jean Gabin sind, Kleidungsstücke bekommen jetzt eine symbolische Bedeutung. Sie brauchen keine hundred suits, sie haben die besten Schneider von Paris.

Die deutschen Edgar Wallace Filme machten von den ikonographischen Möglichkeiten, die der amerikanische Gangsterfilm und der französische Gangsterfilm in bezug auf die Symbolik der Kleidung entwickelt haben, wenig Gebrauch. Ein Bösewicht braucht doch nur auszusehen wie Werner Peters, wenn er böse guckt. Das muss nicht noch durch vestimentäre Symbole betont werden.

Mode und Filmmusik sind ein Spiegelbild ihrer Zeit: Miniröcke, nackte Busen, reißerische Soundtracks, Marylin-Monroe-Chick, Turmfrisuren, Schlaghosen, Koteletten und breite, scheußlich gemusterte Krawatten. Kurz gesagt: Edgar-Wallace-Filme sind einfach klasse, steht in den Stuttgarter Nachrichten. Es ist eine Frage, wie man dieses klasse definiert. De gustibus non est disputandum. Gab es da wirklich nackte Busen? Ich dachte immer, dass die Filme FSK ab 16 waren und dass ein Filmbild wie dieses den Höhepunkt der Wallaceschen Erotik darstellte. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle einen Satz von Wallace zitieren: An intellectual is someone who has found something more interesting than sex.

Alles soll in England spielen, aber selten wurde da ein Wallace Film gedreht. Man drehte in Hamburg und Berlin. Auch englische Filmgesellschaften drehen einen Film in Liverpool, der in London spielen soll, es kommt offenbar nicht so drauf an. Es werden viel schwarze ➱Melonen getragen, vorzugsweise von Eddi Arent. Und natürlich alle Sorten von ➱Trenchcoats, es war die große Zeit dieses Kleidungsstücks. Es war auch noch die große Zeit des Kinos, wo ➱Der Frosch mit der Maske Millionen ins Kino lockte. ➱German Grusel bewies den Satz, dass es unmöglich ist, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein. Wenn er in kleinen Dosen daherkommt wie bei 3sat, dann gilt das wahrscheinlich noch heute.


Dienstag, 11. Juli 2017

Køgebucht


Heute vor 590 Jahren begann die Seeschlacht im Øresund und in der Køgebucht bei Kopenhagen, sie war Teil des Dänisch-Holsteinisch-Hanseatischen Krieges. Obgleich die Hanse zahlenmäßig überlegen war, hat sie die mehrtägige Seeschlacht verloren. Offensichtlich kannten die Dänen und Schweden ihre Küsten besser, das Wasser kann in der Ostsee ja manchmal sehr flach sein. Was jeder Segler weiß, wenn er (wie ich) da schon mal ein Folkeboot auf Grund gesetzt hat. Viele der Seeschlachten zwischen den Ostseeanrainern, die sich offensichtlich immer bekämpfen müssen, enden im flachen Wasser. Bei Schwedeneck findet man im Wasser immer noch schwedische Säbel von der Seeschlacht von Fehmarn im Jahre 1715.

Auch jemand, der keinen Hochseesegelschein besitzt, kann hier sehen, dass das dänische Kriegsschiff etwas zu nah am Strand segelt. ▹Legerwall nennen Seeleute so etwas. Wenig später sind Gefion und ▹Christian VIII verloren, zerschossen von den Eckernförder Küstenbatterien (lesen Sie mehr in ▹Provisorische Regierung). Die Christian VIII (links) wird explodieren, die Gefion wird aufgebracht, in Eckernförde umgetauft und der von ▹Admiral Brommy kommandierten Reichsflotte übergeben

Und dann wäre da natürlich die Seeschlacht auf der ▹Kolberger Heide (hier gemalt von ▹Vilhelm Marstrand), in der der dänische König Christian IV ein Auge verliert. Das blutige Taschentuch und einige Granatsplitter kann man noch im Schloss ▹Rosenborg sehen. Das Blut wird jede Woche nachgefärbt, hat mir eine freche Dänin erzählt. Aber das ist natürlich nicht wahr, das Taschentuch ist Teil eines nationalen Ereignisses, das noch in der Nationalhymne gefeiert wird: Kong Christian stod ved højen mast i røg og damp...

Die Anführer der Hanseflotte im Jahre 1427, Bürgermeister und Amtmänner, mussten für ihre Unfähigkeit büßen. Johann Bantzkow wurde öffentlich hingerichtet, Hinrik Van Haren in Wismar von dem von Claus Jesup angestachelten Mob gelyncht. Tidemann Steen wurde in Lübeck ins Gefängnis geworfen. Der Hamburger Bürgermeister Hein Hoyer blieb bis zum Waffenstillstand von 1432 in dänischer Gefangenschaft. In St Pauli (wo sonst) gibt es heute noch eine Hein Hoyer Straße. Dass sich die Køgebucht hervoragend für Seeschlachten eignet (oder dafür, Schiffe auf Sand zu setzen), haben die Dänen 1677 bewiesen, als sie an gleicher Stelle wie 1427 die schwedische Flotte vernichteten.

Ich war schon einmal für ein paar Tage in Køge. Das steht schon in diesem Blog, aber ich kopiere das noch einmal hierher, falls Sie nicht zu den zehntausend Lesern gehören sollten, die den Post ▹Mein Dänemark schon gelesen haben:

Als wir in Køge Halt machen, schaue ich einer hübschen Blondine nach, die bei einem Typ hinten auf der Vespa sitzt und seine photographische Ausrüstung festhält. Die ▹Vespa tuckert langsam über den Strand bis sie hinter einer Düne verschwindet. Wahrscheinlich hat er dann Nacktaufnahmen von ihr gemacht. Aber daran denkt damals keiner von uns. Mein Bildergedächtnis aber bewahrt das Bild der Blondine auf, die wie die kleine ▹Meerjungfrau in Kopenhagen hinten auf dem Motorroller sitzt und langsam an uns vorbeigleitet.

Später am Nachmittag radle ich mit Volker auf einer einsamen Straße durch blaudunkle Wälder, es wird schon schummrig, wir sollten umkehren und rechtzeitig zum Abendessen zu Hause sein. Ein kleiner See rechts, dann wieder Wälder. Weit und breit kein Mensch. Plötzlich taucht in dieser geheimnisvollen Abendstimmung ein Schloss vor uns auf. Ich bekomme ein Gefühl der Angst angesichts dieser unwirklichen Szenerie. Laß uns umkehren, sage ich, wir kommen bestimmt zu spät zum Abendessen. Schweigend radeln wir zurück. Heute weiß ich, dass es das Schloss Vallö war, damals war es eine surreale Erscheinung, wie eine Fata Morgana, als ob man in ▹Eichendorffs Welt hineingeradelt wäre.

Viele Jahre später sehe ich bei einem Hinterhofhöker ein Ölbild von einer menschenleeren Parklandschaft in der Dämmerung. Hat etwas von ▹Edward Hopper an sich. Ich kaufe es ohne zu zögern, während mir der Händler aus irgendeinem Grund erzählt, dass er alles über Hinterradstarrachsen von englischen Sportwagen weiß. Hatte mal sieben Stück davon in der Garage liegen. Und Grace Kelly ist nur deshalb verunglückt, weil der Sportwagen eine Starrachse hatte. Ich lasse ihn reden, der absurde Soundtrack dringt nicht in meine Parklandschaft ein. Das geheimnisvolle Bild hängt noch immer in meinem Wohnzimmer. Und immer wieder erinnert es mich an jenen Abend bei Schloss Vallö. Mein Leben wird von Bildern zusammengehalten.

Was in dieser romantischen Beschreibung fehlt, ist die Wasserschlacht, die Volker und ich uns am nächsten Tag mitten im Hafen von Køge geliefert hatten. Von den Seeschlachten von 1427 und 1677 hatten wir noch nie gehört. Wir hatten uns Ruderboote ausgeliehen, und eine Wasserschlacht schien an diesem Sommertag genau das Richtige. Volker, der immer ein bisschen Quatsch im Kopf hatte, hatte damit angefangen. Es gab in unserem Seegefecht keine Sieger und Verlierer, niemand wurde mit dem Schwert hingerichtet. Wir waren lediglich beide klatschnass. Volker ist später Kapitän geworden, hat aber niemals ein Schiff auf Grund gesetzt.

Freitag, 7. Juli 2017

Wehrpflicht


Am 7. Juli 1956 beschloss der Bundestag die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, da gab es allerdings in den Kasernen von ➱Andernach schon 1.200 Soldaten in schlecht sitzenden ➱Uniformen, alles Freiwillige. Weil es ja noch keine Wehrpflicht gab. Es waren keine einfachen Soldaten, es waren nur Offiziere und Unteroffiziere, die alle noch in der Wehrmacht gedient hatten. Diese ersten Freiwilligen der noch namenlosen deutschen Streitkräfte (der Name Bundeswehr taucht erst 1956 in der Diskussion auf) wurden am 21. November 1955 vereidigt. Das war der 200. Geburtstag von Gerhard von Scharnhorst, der in diesem Blog mit ➱Heeresreform schon einen Post hat. Man hatte solche Symbolik damals gerne. Allerdings wurde Scharnhorst damals in noch größerem Maße in der DDR, die für einen guten Westdeutschen natürlich Sowjetisch Besetzte Zone hieß, geehrt und verehrt. Mahnwachen am Scharnhorst Denkmal in Großgörschen und Gedenkmünzen. Und es gab in den siebziger Jahren sogar einen ➱Mehrteiler im Fernsehen.

Mit den Pariser Verträgen von 1955 war Westdeutschland (ohne Saarland) zu einem mehr oder weniger souveränen Staat geworden. Und zum Mitglied in der NATO. Es sollte jetzt schnell gehen mit dem Aubau der deutschen Armee, die eine Stärke von 500.000 Mann haben sollte, das wünschte sich Konrad Adenauer. Der hatte schon 1950 in einem ➱Interview mit der New York Times eine Verstärkung der Alliierten Streitkräfte in Europa gefordert. Und eine eigene Armee als Gegengewicht zur Kasernierten Volkspolizei in der Sowjetzone. Aber ein wenig Symbolik, eine Erinnerung an den deutschen Freiheitskampf gegen Napoleon, ist immer gut. Und aus dem Freiheitskampf gegen Napoleon bezog die junge Armee auch ihre Ideale: Alle Bewohner des Staates sind geborene Verteidiger desselben, hatte Scharnhorst gesagt. Das ist der Ursprung der allgemeinen Wehrpflicht aus dem Geist der Revolution und Befreiungskriege, schrieb Stephan Speicher in der Berliner Zeitung. Adenauer hat das bestimmt nicht so gesehen.

Wenn man zwanzig Jahre nach dem letzten ➱Wehrgesetz eine Wehrpflicht beschließt - für die man Teile des Grundgesetzes ändern muss - dann braucht man Behörden und Institutionen für die Verwaltung. Vom Verteidigungsministerium bis hinunter zum Kreiswehrersatzamt. Von 1957 bis 2010 wird es mehr als 20 Millionen Musterungen geben. Man brauchte neben den Erfassungsstellen eine Infrastruktur mit Kasernen und Truppenübungsplätzen. Kasernen und Truppenübungsplätze waren noch da, die konnte man wiederverwenden. Der Herrgott schuf in seinem Zorn Sennelager bei Paderborn, pflegte mein Opa zu sagen. Der Spruch war schon in der Kaiserzeit nicht ganz neu. Ebenso wie mein Opa lernte ich die rote Erde von ➱Sennelager kennen.

Vor Jahren traf ich bei einem Herrenabend bei ➱Hans Fander einen pensionierten Oberst, mit dem ich ins Gespräch kam, weil wir beiden die einzigen in der Runde waren, die alle deutschen Truppenübungsplätze kannten. Als er hörte, dass ich aus Vegesack sei, erzählte mir, dass seine militärische Karriere in Grohn begonnen hatte (wo im Zweiten Weltkrieg ➱Helmut Schmidt stationiert war). Da hätten ihn mal nachts auf dem Heimweg zur Kaserne am Vegesacker ➱Hafen zwei große kräftige sailors in die Mitte genommen, ihn hochgehoben und durchschüttelt. Und gesagt: Ihr seid die teuersten Arbeitslosen der Bundesrepublik. Nicht jeder in Deutschland mochte die Soldaten, die jetzt Bürger in Uniform sein sollten. Für eine Armee braucht man nicht nur Soldaten, man braucht natürlich auch Waffen. Die kaufte man am besten bei kriminellen Unternehmern, die einen Kumpel im Verteidigungsministerium haben. Es wäre jetzt schön, wenn Sie an dieser Stelle den Post ➱Schrott lesen würden, dann wissen Sie alles darüber.

Das Soldatenleben begann für die wehrpflichtigen Westdeutschen ab 1956 im Kreiswehrersatzamt (die DDR hatte noch keine Wehrpflicht, deren ➱Wehrpflichtgesetz kam erst 1962). Die fünfziger Jahre waren die große Zeit der Kreiswehrersatzämter und der Bürokratie. Einer häufig schleppend langsamen und unfähigen Bürokratie, da hat jeder etwas zu erzählen, der einmal mit einem KWEA zu tun hatte. Die Kreiswehrersatzämter gibt es heute nicht mehr, sie wurden mit Wirkung vom 30. November 2012 aufgelöst. Die Bürokratie gibt es heute natürlich immer noch. Als ich aufgefordert wurde, mich zur Musterung zu melden, bin ich zum Kreiswehrersatzamt nach Bremen gefahren. Dafür bekam ich schulfrei. Ich trug damals den Blazer, den ich auch in ➱Rotterdam anhatte, das geht aus dem Photo in meinem Wehrpass hervor. Das Kreiswehrersatzamt war damals noch in einem Seitenflügel vom Polizeipräsidium. Noch nicht in dem viel zu großen Hochhaus in der Falkenstraße, das später jahrelang leer stand, für ➱Tatort Dreharbeiten benutzt wurde und danach Flüchtlingen als Übergangswohnheim diente. Ich bekam am Ende der Musterung einen Wehrpass. Der allerdings ein klein wenig fehlerhaft war, das merkte ich erst, als ich wieder zu Hause war. Da hatte doch tatsächlich ein minderbemittelter Beamter statt Jay den Vornamen Jesus hineingeschrieben.

Ich schrieb einen bösen Brief (mit so etwas war ich damals gut) an den Leiter des Kreiswehrersatzamtes. Dem war die gotteslästerliche Sache furchtbar peinlich, er entschuldigte sich eine DIN A4 Seite lang. Ich musste meinen Wehrpass zurückschicken und bekam ihn dann wieder zugeschickt. Keinen neuen, man hatte das Jesus einfach wegradiert, mit dem Messer geschabt. Man kann es heute immer noch unter dem Jay lesen. Wenn die Geschichte jetzt zu Ende wäre, dann wäre sie eigentlich schon komisch. Aber sie ist noch nicht zu Ende. Plötzlich bekam ich Werbepost, die den Vornamen Jesus enthielt - das Kreiswehrersatzamt hatte offensichtlich die Namen der Wehrpflichtigen an die Bundespost verkauft. Was nach meiner Rechtsauffassung illegal war. Ich schrieb wieder böse Briefe. Die Bundespost gab mir nach mehreren Briefen eine Adresse, wo ich mich beschweren könne.

Nach meiner Beschwerde hörte ich nie wieder etwas davon und vergaß die ganze Sache. Fünfzehn Jahre später traf ich Arne Börnsen, den Bruder meines Freundes ➱Gert Börnsen in Bremen. Der war SPD Politiker wie sein Bruder, er wäre Postminister geworden, wenn man diesen Posten nicht abgeschafft hätte. Er sagte Herzlichen Glückwunsch, Jay. Ich wusste nicht, wozu er mich beglückwünschte. Da sagte er mir, dass meine Eingabe an die Post gerade im Postausschuss des Bundestages verhandelt worden sei. Und der hätte festgestellt, dass die Adressenweitergabe durch das KWEA an die Post widerrechtlich gewesen sei, und dass die Post das schon ein Jahrzehnt zuvor gewusst habe. Die Post sei übrigens verpflichtet gewesen, mir die Entscheidung des Ausschusses mitzuteilen. Was sie natürlich nie getan hat.

Meine Lamentatio über die Unfähigkeit von Kreiswehrersatzämtern ist noch nicht zu Ende. Kaum hatte ich meinen Wehrpass mit dem geänderten Vornamen zurück, da bekam mein Vater eine Aufforderung zur Musterung. Er konnte das nicht glauben, sagte zu mir: Schreib Du denen mal. Ich setzte mich vor die schwere Hermes 3000 Schreibmaschine in seiner Praxis und schrieb wieder einen bösen Brief. Muss ich das lesen? fragte er. Ich sagte: Es genügt, dass Du das unterschreibst. Mein Vater war als Leutnant der Reserve mit sieben Granatsplittern im Körper kurz vor Kriegsende aus der Wehrmacht entlassen worden, besaß einen Schwerbehindertenausweis auf dem kriegsbeschädigt stand. Er fiel ganz bestimmt nicht mehr unter das Wehrpflichtgesetz.

Nun hätte sich der Leiter des Kreiswehrersatzamtes natürlich für seinen Fehler entschuldigen müssen, wie wenige Monate zuvor für den Vornamen Jesus, aber das tat er nicht. Mein Vater erhielt eine zweite, scharf formulierte, Vorladung. Man glaubte ihm nicht. Er solle gefälligst seinen Wehrpass mitbringen, wenn er behaupte, Soldat im Zweiten Weltkrieg gewesen zu sein. Mein nächster böser Brief, den ich im Namen meines Vaters schrieb, begann mit der Frage, ob er vielleicht auch noch sein Eisernes Kreuz und seine Verwundetenabzeichen in Schwarz und in Silber mitbringen sollte? Und dann folgte für den Rest der DIN A 4 Seite eine Beleidigung nach der anderen, hochironisch und so richtig satt. Das ist die einzige Sprache, die Kreiswehrersatzämter verstehen. Mein Vater hat nie wieder etwas vom Kreiswehrersatzamt gehört.

Ich natürlich noch länger, weil ich mich freiwillig zum Bund gemeldet hatte und danach auch noch Wehrübungen gemacht habe. Genügend Gegenstand für Korrespondenzen mit dem Kreiswehrersatzamt gab es immer, schließlich unterliegt man der Wehrüberwachung. Ich lasse das lieber aus. Es ist zu armselig. In meinem Wehrpass liegt hinten ein Dutzend offizieller Schreiben, Einberufungsbescheide und so etwas. In einem von zwölf Schreiben hat man Namen, Titel und Dienstgrad richtig hinbekommen, das finde ich ein schönes Ergebnis für ein Kreiswehrersatzamt, das in einem 15-stöckigen Hochhaus sitzt. Ein steinernes Denkmal für Parkinsons Gesetz von der Vermehrung der Beamten. Es ist gut, dass es keine Kreiswehrersatzämter mehr gibt und man die Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen verwenden kann. Die Bundeswehr brauchten wir eigentlich auch nicht mehr. Eine Küstenwache und die Bundespolizei reichen doch voll aus.

Die Wehrpflicht (die interessanterweise im Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention unter Verbot der Sklaverei und der Zwangsarbeit erwähnt wird) ist immer ➱umstritten gewesen. Ich zitiere dazu einmal den Bundespräsidenten Roman Herzog, der 1995 beim vierzigjährigen Bestehen der Bundeswehr sagte: Die Wehrpflicht ist ein so tiefer Eingriff in die individuelle Freiheit des jungen Bürgers, dass ihn der demokratische Rechtsstaat nur fordern darf, wenn es die äußere Sicherheit des Staates wirklich gebietet. Sie ist also kein allgemeingültiges ewiges Prinzip, sondern sie ist auch abhängig von der konkreten Sicherheitslage. Ihre Beibehaltung, Aussetzung oder Abschaffung und ebenso die Dauer des Grundwehrdienstes müssen sicherheitspolitisch begründet werden können. Gesellschaftspolitische, historische, finanzielle und streitkräfteinterne Argumente können dann ruhig noch als Zusätze verwendet werden. Aber sie werden im Gespräch mit dem Bürger nie die alleinige Basis für Konsens sein können. Wehrpflicht glaubwürdig zu erhalten, heißt also zu erklären, weshalb wir sie trotz des Wegfalls der unmittelbaren äußeren Bedrohung immer noch benötigen.


Noch mehr Bundeswehr in diesem Blog: Fallex, Élysée Vertrag, Landkarten, Winston Churchill, Nachtfahrt, Uniformen, Aufklärung, FJS, Großer Zapfenstreich, Unsere Marine, Schrott, Eisernes Kreuz, Afghanistan, Opernhaus Hannover, Waterloo, Hoya, Munitionsdiebstahl, Aurora, Heeresreform, Thomas Lawrences Blücher, Bergen-Belsen, Löwen, Landesverrat