Sonntag, 28. Februar 2021

da ennu intet var forbi


Der norwegische Dichter Rudolf Nilsen wurde heute vor hundertzwanzig Jahren in Kristiania geboren, das seit 1924 Oslo heißt. 1924 war ein wichtiges Jahr für ihn, er heiratete die Schauspielerin Ella Signe Quist Kristoffersen, trat in die neugegründete kommunistische Partei Norwegens ein und veröffentlichte seine ersten Gedichte. Für die KP schrieb er auch das Lied Revolusjonens røst, das ich hier auch gesungen habe, es wird heute noch gesungen. Rudolf Nilsen, der auch unter dem Pseudonym Rulle schrieb, hat politische Lyrik geschrieben, aber auch zarte Liebesgedichte. Von denen möchte ich heute einmal das Gedicht Jeg hadde tenkt abdrucken. Das wurde 1929 veröffentlicht, in dem Jahr ist Rudolf Nilsen viel zu früh gestorben

Jeg hadde sett dig lenge, der du kom
for alltid vet jeg det, når du er nær –
og hadde tenkt å hilse lett og koldt,
fordi jeg ennu har dig altfor kjær.
Slik vilde jeg forsvare meg med kulde
og også verge dig på samme vis,
så alle våre nye drømme skulde
som sene blomster visne inn i is.

Jeg hadde tenkt … men da du stanset
med dette hemmelige gode blikk
og dette fjerne smil, jeg vet så meget om –
da skjønte jeg at planen ikke gikk.
Jeg tok din hånd og følte fra dens flate
et varsomt strøk, det lille kjærtegn, vi
bestandig brukte i en folksom gate
den gang da ennu intet var forbi.

Ein Liebesgedicht über die Zeit, als es mit der Liebe noch nicht vorbei war (da ennu intet var forbi). Das Gedicht lebt immer noch, es gibt ein halbes Dutzend Versionen auf CD. Ich bringe einmal die Version von dem berühmten Sänger Ole Paus, die sich 2007 auf seinem Album Den store norske sangboka findet. Und ich schicke einen kleinen Gruß an meine norwegischen Leser, die die treuesten Leser meines Blogs sind, jeden Monat in der gleichen Zahl auf Platz drei der Statistik.

Samstag, 27. Februar 2021

Nudität

Schönheitschirurg Peter Hauptmann (Filip Peeters) stranguliert und peitscht seine Affäre Silvie Stein (Ursina Lardi) in seinem Sex-Appartment aus. Sie stöhnt vor Begierde und lässt sich willig auf das Liebesspiel ein. Als ihre Freundin Julia ihr jedoch erzählt, dass auch sie zu einem heißen Sado-Maso-Spiel von Peter in dessen Wohnung eingeladen wurde, bricht für Silvie eine Welt zusammen. Denn die Rechtsanwältin glaubt fest, dass nur sie die speziellen Phantasien von Peter befriedigen kann. Aus Rache, Eifersucht und Verzweiflung ermordet Silvie schließlich ihre Freundin Julia. Das konnte man 2014 so im web.de Magazin lesen. Da stand auch, dass die Schweizer Schauspielerin Ursina Lardi in vier Jahren in fünf Tatort Sendungen aufgetreten ist. In dem Polizeiruf 110, den die ARD gestern sendete, war sie auch zu sehen.

Warum diese Häufung der Rollen? Weil man sie braucht, als femme fatale und ein bisschen nackt, um so einem todlangweiligen Tatort ein wenig Pep zu geben. Dieser Tatort hieß Frühstück für immer, es gab ihn vor wenigen Tagen im Fernsehen. Habe ich reingeguckt, nur aus Verzweiflung, weil es mal wieder nix im Fernsehen gab. Außer Talkshows zu Corona, wo immer dieselben Leute auftreten. Ich kannte den Film allerdings schon, habe ihn sogar schon hier erwähnt. Für Christian Buß vom Spiegel war das eine ganz tolle Sache: 

‚Fifty Shades of Grey‘ in Leipzig? Saalfeld und Keppler ermitteln im SM-Milieu. Was leicht zum Trendstück über die neue angebliche Lust an der Unterwerfung hätte werden können, ist ein grausamer Krimi über die Grauzonen der Erotik - und der erste starke MDR-Tatort‘ seit Jahren. Seit den Tagen der Gothic Novel und den Phantasien des Marquis de Sade hält sich dieser Sado-Kram ja hartnäckig. Meist in Fantasy Filmen, selten im Leipziger Tatort. Ich fand diese SM Klamotte albern, aber Ursina Lardi rettet jeden Film. Frühstück für immer war übrigens der drittletzte Tatort aus Leipzig, dann wurden die Kommissare Simone Thomalla und Martin Wuttke (hier rechts neben Ursina Lardi) entlassen. Für immer.

Ich habe in dem Post Nackt im Jahre 2019 etwas über die Nackheit im deutschen Tatort geschrieben, offenbar muss Nackheit sein, weil man auf Quoten hofft. In dem Tatort Freddy tanzt war Ursina Lardi wieder dabei, sie spielte eine alleinerziehende Kunstprofessorin, die nebenbei als Prostituierte in einem Schickeria Lokal arbeitet. Das ist ja die typische Nebentätigkeit von Kunstprofessorinnen. Wer kann so etwas glauben?

Im Tatort Dunkelfeld spielte Lardi eine Polizistenwitwe, die mit dem Kommissar Karow (mit dem sie mal ein Verhältnis hatte) entführt wird, aber in Wirklichkeit mit den Entführern zusammenarbeitet. Man hatte ihr dafür Klamotten angezogen, die sie die ganze Zeit nackt aussehen ließen. Das muss offensichtlich sein. Coleridges Wort von der willing suspension of disbelief steht als Motto über den meisten Tatort Produktionen, die mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun haben. Die Tatorte werden ja nicht besser, wie der Kriminalhauptkommissar Melchior Veigl (gespielt von Gustl Bayrhammer) bei seinem Abgang so nett sagte: Des Krimifach, des is doch scho lang a abg’mahte Wies’n. Doa passiert nix mehr. Damals gab es allerdings noch keine Nackheit im Tatort.

Heute vor sechsundachtzig Jahren erhielt der Film It Happened One Night den Oscar in allen fünf Hauptkategorien, der Film war ein Riesenerfolg. Weil da jemand ein bisschen nackt war. Das war nicht Claudette Colbert, das war Clark Gable. Als der im Film sein Oberhemd auszieht, konnte das Publikum sehen, dass er kein Unterhemd trug. Die Verkaufszahlen von Unterhemden sanken in den USA dramatisch. Die romantic comedy kam in die Kinos, als der Motion Picture Code noch nicht griff. Sätze wie: Scenes of passion should not be introduced when not essential to the plot. In general, excessive passion should so be treated that these scenes do not stimulate the lower and baser element und Excessive and lustful kissing, lustful embraces, suggestive postures and gestures, are not to be shown, hatten noch keine Gültigkeit. 

Ein Jahr, bevor man Clark Gables nackten Oberkörper im Kino sehen konnte, war dieser Film der Skandal Amerikas. So ausgezogen-angezogen war die kleine Temple Drake in The Story of Temple Drake (der softcore Version von Faulkners Roman Sanctuary) allerdings nie, das Filmplakat suggeriert nach über achtzig Jahren immer noch Sex. Der Film führte direkt zur Etablierung des Motion Picture Code, Themen wie Kleinstadtbordelle und Vergewaltigungen (Sex perversion or any inference to it is forbidden) sollte es im amerikanischen Kino nie wieder geben. Was haben sich die beiden Katholiken Martin Quigley und Father Daniel Lord, die den Motion Picture Code verfassten, bloß dabei gedacht, als sie schrieben: excessive passion should so be treated that these scenes do not stimulate the lower and baser element? Wer ist das lower and baser element? Ich glaube, das sind wir. Miriam Hopkins landete übrigens noch Jahrzehnte später in Russ Meyers Softporno Fanny Hill.  

Dienstag, 23. Februar 2021

Tom Wesselmann

Das erste Mal, dass ich so etwas wie Pop Art sah, war im Jahr 1966. Man konnte sie nicht übersehen, sie füllte die ganze Bühne des Theaters am Goetheplatz aus. Wilfried Minks hatte im Stil von Roy Lichtenstein das Bühnenbild für Zadeks Version von Schillers Die Räuber gestaltet. Ich fand das damals toll, meine Eltern nicht so sehr, was Zadek auf die Bühne brachte, gefiel ihnen ganz und gar nicht. Sie behielten aber ihr Abo, das ich dann absitzen durfte.

Roy Lichtenstein war schon berühmt, als Minks ihn ein wenig verfremdete. Er gehörte mit Andy Warhol und Tom Wesselmann zu den Künstlern, die die Pop Art groß gemacht hatten. Und die mit der Pop Art groß verdient haben. Bei ebay kann man für 41.230 Euro einen Tom Wesselmann kaufen. Ich bin niemals auf die Idee gekommen, so etwas zu erwerben. Und die Pop Art hat in diesem Blog auch keinen großen Stellenwert. Andy Warhol hat einen Post, der wayward cows heißt, Roy Lichtenstein wird in dem Post Dollarnoten erwähnt, und es gibt einen Post, der Pop heißt.

Für Tom Wesselmann, der heute vor neunzig Jahren geboren wurde, gibt es noch nichts. Das wollen wir mal eben ändern und sein Bild Still Life # 31 abbilden. Ein Bild von George Washington hängt an der Wand (es ist das Bild, das Gilbert Stuart gemalt hat), ein Fernseher steht auf dem Tisch. Es ist kein gemalter Fernseher, es ist ein echter Fernseher. Eine Variante dieses Bildes ist Still Life # 28, ziemlich dasselbe, nur hängt statt George Washington ein Bild von Abraham Lincoln an der Wand. Als das Bild 1963 zum erstenmal gezeigt wurde, gab es etwas surreale Szenen auf dem Bild, weil unter den Augen Lincolns im Fernseher die Ermordung Kennedys lief.

Das Still Life # 28 ist vor Jahren bei Christie's für 798.000 Dollar verkauft worden. Es hatte dem Kunstsammler Harry N. Abrams gehört, der sein Geld mit einem Verlag für Kunstbücher gemacht hatte. Die Harry N. Abrams Family Collection war wohl die größte Sammlung von Pop Art. Einhundertfünfzig Werke aus der Sammlung wurden 1966 im Jewish Museum von New York gezeigt. Das war das Jahr, als ich das Bühnenbild von Minks sah und für mich die Pop Art anfing. Diese Great American Nude hatte auch mal Harry Abrams gehört, sie wurde für 3.300.000 bei einer Auktion verkauft. Die höchste Summe aus der Kollektion der amerikanischen Nackedeis erzielte im Jahr 2008 die Great American Nude No. 48, sie wurde für 10.7 Millionen Dollar bei Sotheby's verkauft.

Wesselmann hatte wie Warhol als Werbezeichner begonnen. Jetzt malte er die amerikanische Konsumwelt für Sammler, die Millionäre sind. Die Herstellungsweise der Bilder ist einfach, jeder begabte Kunststudent könnte einen Wesselmann kopieren. Würde allerdings für sein Produkt nicht so viel Geld bekommen. Die Frage: ist das Kunst? stellt sich bei Wesselmanns Werken immer wieder.

Vor diesem Bild (oder ist es ein arrangiertes Objekt?), das Badewanne 3 heißt, habe ich schon mal gestanden. Das Bild hat eine Tiefe von 45 Zentimetern, die braucht es auch, damit der Künstler die Badematte und den Plastikmülli unterbringen kann. Die Frau in der Wanne ist gemalt, das Bild wäre natürlich eine wirkliche Sensation, wenn da eine echte Blondine in der Wanne stände.

Als ich vor dem Bild stand, das der Schokoladenmillionär Peter Ludwig dem Kölner Wallraff Richartz Museum überlassen hatte, musste ich an das Bild eines anderen amerikanischen Malers denken, der mit einem kleinen dreidimensionalen Trick etwas Wunderbares erreicht hat. Er braucht auch nur 45 Zentimeter in der Tiefe, aber vor seinem Bild gibt es keine Badematte. Da gibt es nur eine hölzerne Stufe, und jetzt glauben wir, dass da zwischen dem Türrahmen (der auch der Bildrahmen ist) wirklich eine Treppe ist, die die Söhne von Charles Willson Peale hinaufgehen.

Sonntag, 21. Februar 2021

Cover Art








































































































































































































































Der Maler Karl Wilhelm Diefenbach wurde heute vor 170 Jahren geboren, aber über den gibt es hier heute nichts. Der hat schon einen Post, der Lichtgebet heißt. Der französische Maler Gustave Caillebotte ist an einem 21. Februar gestorben, der hat hier seit zehn Jahren auch schon einen Post. Obwohl Caillebotte ein besserer Maler als der furchtbare Diefenbach ist, hat der ein paar tausend Leser mehr, das wundert mich noch immer. Und da ich bei Zahlen bin, die beiden Puffhunde verweisen auf den Post Kapitänshunde, der hat schon zehntausend Leser, die junge Cricketspielerin ziert den Post Cricket, der schon zwanzigtausend Leser gefunden hat. Ich überlege mir immer, ob er so viele Leser hätte, wenn die Frau im Bikini nicht in dem Post wäre. Bilder machen viel aus. Die Bilder heute stehen für meinen Blog, das alles kommt hier vor.

Ich habe gestern das kleine Buch souvenirs et regrets erwähnt, das keine Bilder hat, aber die drei Photos von einer Frau auf dem Cover der Rückseite. Als ich die Bilder machte, hatte ich den Motor auf meiner Canon, die Bilder fangen eine Bewegung von wenigen Sekunden ein. Diese Bilder heute sind in unterschiedlicher Form, aber alle schwarz-weiß, auf die Rückseite des anderen kleinen Buches gewandert, das ich gestern erwähnte. Wir wussten damals nicht, wie die Rückseite aussehen sollte. Wir hätten sie auch schwarz lassen können. Gabi schlug eine Collage vor, das gefiel dem Lasse, der für das Design zuständig war. Er wollte die Collage um das Buch herumlaufen lassen, das gefiel mir wiederum nicht. Yogi sagte, ich solle erst einmal Photos aussuchen, die auf das Buch könnten, dann würden wir weitersehen. Ich suchte Photos aus, Photos, die typisch für diesen Blog sind, und die alle schon einmal in einem Post zu sehen waren. Dann schickte ich diese Sammlung, beginnend mit Jean Shrimpton in New York, an unseren Designer nach Flensburg. Und der hat dann eine Collage daraus gemacht, hat die Bilder vergrößert und verkleinert und alles kunstvoll arrangiert. Hätte ich nicht hingekriegt. 


Samstag, 20. Februar 2021

Print On Demand


Man fängt an, ein Buch zu schreiben, genügend recherchiert hat man schon. Alle Notizen und Literaturangaben auf DIN A6 Zetteln notiert, in einem Zettelkasten geordnet. Ich schreibe mit der Hand. Kugelschreiber oder Rollerball, Füllfederhalter hassen mich, ich sie auch. Nach dem ersten Entwurf wird gestrichen, Änderungen werden mit einer anderen Farbe markiert. Dann noch einmal schreiben, sauber und leserlich. Dann kommt das Tippen. Man braucht viel Tippex. Der Verlag will ein sauberes Schreibmaschinenmanuskript.

Meine ersten Bücher hatten nichts mit dem zu tun, worüber ich heute schreibe, da gab es nichts über schöne Frauen und französische Filme zu lesen. Das war alles noch halbwegs seriöse Literaturwissenschaft. Die Bücher waren noch im Bleisatz gesetzt, das macht heute kaum noch ein Verlag. Damals gab es noch Lektoren in den Verlagen, die ein Manuskript betreuten. Gibt es heute kaum noch. Mein Freund Peter hat mal ein Praktikum bei Schünemann in Bremen gemacht, damals, als die noch was Vornehmes waren. Hat da Bleisatz gelernt und mir hübsche Texte gedruckt. Ich war vierzehn Tage als Hospitant bei einem Freund in seiner Druckerei hier im Ort, die Anfangsgründe des Satzes habe ich auch begriffen. Ich habe Respekt vor den Setzern. Die Bände der Anderen Bibliothek waren noch bis Dezember 1996 in Bleisatz gesetzt, gibt es heute noch nicht mehr. Die Setzer sind rar geworden.

Wie die Lektoren. Bei meinem zweiten Buch hat die Lektorin, die mein Manuskript betreute, alle fremdsprachlichen Zitate in der Staats- und Universitätsbibliothek des Verlagsortes überprüft. Heute werden keine Schreibmaschinenmanuskripte mehr an einen Verlag geschickt, heute schreibt man am Computer und verschickt einen Stick oder schickt das Ganze als PDF per E-Mail. Das bedeutet natürlich den Wegfall einer kritischen peer group und anderer kritischen Instanzen. Bevor ich ein Manuskript an einen Verlag schickte, hatten es viele Freunde und Kollegen gelesen. Die nörgelten an dem Text herum, schlugen Änderungen vor, dann kam wieder das Neutippen oder das Tippex. Manchmal gaben die Verlage das Manuskript auch an einen auswärtigen Gutachter, Graham Greenes Bruder Sir Hugh Greene hat mal eins meiner Manuskripte gelesen. Und nette Dinge darüber gesagt.

In der Geschichte der Literatur des 20. Jahrhunderts sind Lektoren manchmal genauso wichtig wie die Autoren. Was wäre aus Thomas Wolfe geworden, wenn er nicht Maxwell Perkins gehabt hätte? Look Homeward, Angel wäre nie erschienen. Faulkner hat Albert R. Erskine (der auch noch Cormac McCarthy betreute) gebraucht. Und so weiter. Und wenn Alfred Andersch nicht gewesen wäre, wäre Arno Schmidts Seelandschaft mit Pocahontas nicht gedruckt worden. Im Wikipedia Artikel für Verlagslektor kann man lesen: Lektoren prägen das Verlagsprogramm mit ihrem persönlichen Profil mitunter sogar so stark, dass sich Autoren ihnen zuweilen anschließen, wenn sie den Verlag wechseln. Die reine Textarbeit übernehmen häufig freie Mitarbeiter; besonders Lektoren, die für Literaturzeitschriften und Literaturverlage tätig sind, stehen in einem gering entlohnten, prekären Arbeitsverhältnis. Zwei Sätze, zwei klare Aussagen. Für beide Sätze könnte man unzählige Beispiele finden. Als ich mich in Hamburg an der Uni immatrikulierte, musste man ein Berufsziel angeben. Ich sagte: Lektor. Die Sekretärin fragte: Was ist das? Ich sagte: Hat was mit Büchern zu tun. Sie war's zufrieden. Das Wort Lektor steht immer noch in meinem Studienbuch, ich bin aber doch etwas anderes geworden.

Als ich an der Uni aufhörte, hatte ich den festen Vorsatz, niemals mehr etwas mit Verlagen zu tun haben zu wollen. Ich hatte genug geschrieben. Im Prinzip habe ich mich an meine guten Vorsätze gehalten. Ich bekam Angebote von Verlagen, ich lehnte höflich ab. Einmal bekam ich eine witzige E-Mail von dem Chef eines Verlages, in der stand: Wenn Sie nicht so ver-blogt wären, hätten Sie morgen einen Verlagsvertrag auf dem Tisch. Es gab kleinere Verstöße, ich habe an einem kleinen Buch über Worpswede mitgeschrieben. Das aber nur, als ich entdeckte, dass ich dann mit Rilke in einem Band sein würde. Das fand ich sehr witzig, die Geschichte steht schon in dem Post Rilke und ich. Dann kam allerdings die Versuchung in Gestalt meines Freundes Yogi. Ich sollte in einem kleinen Buch zehn Posts aus meinem Blog als Best of Jay veröffentlichen, kostet so gut wie gar nichts. Und kann man gut zu Weihnachten verschenken. 

Der Verlag war kein richtiger Verlag, nichts wie Hanser, Rowohlt oder Suhrkamp. Dies war eins von den vielen Print on Demand Unternehmen, die alles drucken, was man ihnen schickt. Man muss es nur bezahlen. Das Unternehmen heißt LuLu, der Yogi arbeitet schon seit Jahren mit denen zusammen; auch das große Buch mit den Peace-Pipe Briefen, das schon in dem Post Friedenspfeife erwähnt wurde, ist bei LuLu erschienen. Für solche Publikationen ist ein Print on Demand Unternehmen ein schnelleres und flexibleres Instrument als ein Buchverlag. Der Yogi hatte seine Doktorarbeit über die deutschen 1848er in Amerika geschrieben, ein Thema, das ihm am Herzen liegt. Er tut auch eine ganze Menge für Frieden und Völkerverständigung. Für den Oktober hat er eine virtuelle Konferenz zum Thema Vergangenheitsbewältigung geplant. Die Firma LuLu hat übrigens auch sein Buch über den Schauspieler Eric Braeden gedruckt, der aus Schleswig-Holstein nach Hollywood gekommen war. Der Yogi kennt erstaunliche Leute, er hat den Schauspieler in Pacific Palisades besucht und weiß deshalb, dass der im Haus neben der kleinen Villa wohnt, wo einst Thomas Mann unter den Palmen Doktor Faustus schrieb.

Der Yogi hat in Flensburg einen Freund, der den Umgang mit den Vorgaben des Verlags perfekt beherrscht und das Layout so richtig hinkriegt. Mit Texteinzug und richtigem Randausgleich, nicht mit dem Flattersatz, mit dem ich hier schreibe. Und dann sollten auch noch Farbabbildungen in den Text hinein, da wurde es schon ein bisschen kompliziert. Das Schönste an dem Buch ist die Rückseite, wo der Lasse und ich eine Vielzahl von Bildern, die in diesem Blog vorkommen, hübsch als Collage arrangiert haben. Ich habe in dem Post Que reste-t-il de nos amours gesagt, dass ich gerade eine kleine Liebesgeschichte geschrieben hatte, und nachdem ich gesehen hatte, wie das Ganze bei einem Print on Demand Verlag wie LuLu funktionierte, und wie preiswert das ist, bastelte ich mir ein kleines Büchlein im Home Office selbst, Desktop Publishing. Ich arbeitete wie hier im Blog nach der WYSIWYG Methode. Das ist ein Akronym für What You See Is What You Get

Den Lasse in Flensburg, der ein halber Däne ist, konnte ich damit nicht behelligen, weil der gerade an einem großen englischsprachigen Manuskript arbeitete; ich ging daran, aus meinem achtzigseitigen Manuskript selbst ein Buch zu machen. Ich wählte mir einen Hersteller namens epubli und ging Schritt für Schritt nach dessen Vorschriften vor. Es war genaugenommen kindisch einfach, allerdings nur solange das Manuskript in sich perfekt ist. Diese drei Photos plazierte ich auf der Rückseite. Durch das Scannen und die Übertragung war das ein klein wenig schief geworden, ein klein wenig verfremdet; aber das passte sehr gut zu der Frau, von der der Mini-Roman handelte. Vielleicht ist die Rückseite des Buches das Beste daran. Auf die Vorderseite kam der Titel: souvenirs et regrets. Das Ganze kostete auf schönem Papier (90 g/m² cremeweiß, matt) als DIN A5 Paperback 5,62€. Das Buch ist nicht im Handel, das bekam die Frau zum Geburtstag. Stanisław Lem hatte 1961 in seinem Roman Transfer solche Produktionsweisen vorausgesagt, als noch niemand an Print on Demand dachte: Also wurde das Buch sozusagen jedesmal neu gedruckt, wenn jemand es brauchte. Probleme von Auflagen, ihre Höhe oder des Vergriffenseins hatten aufgehört zu existieren

Bevor der Text gedruckt wurde, schickte ich ihn erst einmal an einige Testleser. Eine davon war Sabine, die damals über die kleine Geschichte Sommerurlaub geschrieben hatte: Super Geschichte! Habe ich mit Vergnügen gelesen. Lass die Frau unbedingt am Leben (auch wenn sie mir als Gegenüber wohl etwas zu kapriziös wäre). Die Sabine war mal meine Kollegin, hatte Kunstgeschichte und Slavistik studiert und eine Examensarbeit über Anna Karenina geschrieben; sie ist eine schöne und kluge Frau, schöne und kluge Frauen sind an der Uni selten, sehr selten. Ich gebe ihr gerne das zu lesen, was ich schreibe. Gibt es diese Ingrid wirklich? fragte sie mich, als sie den ersten Entwurf las. Ich bejahte die Frage. Die Frau muss ungeheuer glücklich sein, wenn Sie das zu lesen bekommt, sagte sie. Ich bin da nicht so sicher. Que reste-t-il de nos amours? Dites-le-moi

Raymond Chandler hat das Wort cannibalizing dafür gebraucht, dass er aus älteren Geschichten neue Geschichten oder Romane machte. Aus der Erzählung The King in Yellow wurde I'll Be Waiting, eine seiner besten Kurzgeschichten. Und dieses cannibalizing wurde auch zu meiner Methode, ich bediente mich reichhaltig an dem, was ich in meiner erst einmal aufgegebenen Autobiographie Bremensien und in meinem Blog über die belle inconnue geschrieben hatten. Die drei Erzählungen über die schöne Buchhändlerin (Sommerurlaub, Rendezvous und Autorenlesung) wanderten auch in den Text. Wurden ein klein wenig überarbeitet.
 
Und dann kamen noch viele Briefe in den Text, da ich beim Aufräumen in einer Schublade alle ihre Briefe wiederfand. Schöne Briefe, immer mit blauer Tinte auf grauem Papier geschrieben, sie hatte offenbar keine Schwierigkeiten mit dem Füllfederhalter. Ich tippte einzelne Briefstellen in das Ganze, die Frau sollte ja auch zu Wort kommen. Manchmal war sie unglücklich: Du hast recht, ich brauche viel Freiheit, aber wann werde ich sie einmal finden? Es ist nicht immer ganz leicht mit mir. Ich weiß das auch inzwischen. Oh, mon cher, wohin soll mich das alles noch führen? Ich weiß es nicht. Denk an Deine einsame Ingrid, sie denkt auch an Dich! Und laß bald etwas von Dir hören. Dann finden sich in den Briefen Sätze wie: Ich singe nur noch schwermütige Lieder. Und das ist ein schlimmes Zeichen bei mir

Sie schreibt sich das Leid von der Seele, aber sie schreibt immer wieder, mit Anreden wie Mon tendre ami und Mon Amour. Obgleich manchmal auch Zweifel über unsere Liebe in den Briefen aufkommt: Manchmal denke ich, daß Du nur reservierte, stolze und unnahbare Ingrid ein wenig lieb gehabt hast. So wie Du mich früher gesehen hast. Der kürzeste Brief, den ich von ihr bekomme, enthält nur zwei Sätze und den Teil eines Gedichts: Es ist so schwer, Dir zu sagen, daß ich Dich liebe. Ich habe es noch nie getan. Liebe muss rein in eine Liebesgeschichte, den Sex lassen wir mal aus. Dafür habe ich mein Kunstgeschöpf, die schöne Buchhändlerin. Die darf nackt unter der Dusche L'amour est un oiseau rebelle Que nul ne peut apprivoiser singen. Und andere Sachen machen, die Geschichten mit ihr sind noch nicht zuende, ich schreibe gerade wieder an einer.

Ein Freund sagte mir nach der Lektüre von souvenirs et regrets, es sei zwar glänzend geschrieben, aber es hätte eine sehr seltsame Form, und er vermisse die Seitenzahlen. Seitenzahlen hatte ich vergessen, ein Vorsatzblatt auch. Für die Form hatte ich mich schon im Vorwort entschuldigt, dies alles sind Schnipsel eines Lebensfilms, dessen Regisseur ich nicht war. Ich bin nur cutter und editor, ich füge die Filmschnipsel zusammen. Weil ich eben kein richtiger Romanautor bin, weil mir der epische Atem fehlt, das habe ich schon in romancier manqué gesagt, einem Post, der direkt in souvenirs et regrets gewandert ist. Ich könnte leicht über die baiser volés schreiben, von denen Charles Trenet singt. Über den Sex vorm Frühstück, wenn sie noch nicht ganz wach war, oder den schnellen Sex im Windfang beim Abschied in der Nacht. Aber eine Geschichte ganz neu erfinden, und sie von Anfang bis Ende erzählen, das fällt mir schwer.

Jetzt bin ich am Überarbeiten, ich habe beschlossen, es soll eine zweite Auflage geben. Nur für mich und ein paar andere. Und für sie, wieder zum Geburtstag. Ich bin auch nicht ganz zufrieden mit dem Text, man ist nie zufrieden mit dem Text. Manches fliegt aus dem Text raus, anderes kommt hinein. Ich kämpfe um jedes Wort, aber schnipselig bleibt es doch. Es gibt ein ganzes neues Kapitel, das Heimwege heißt. Das handelt davon, was alles passieren kann, wenn man eine Frau nach einem Tanzvergnügen nachhause bringt. Also zum Beispiel, dass ich mit Gudrun nie zum Abschied vor dem Haus ihrer Eltern knutschen konnte. Wir gingen immer ein paar hundert Meter weiter bis zu der kleinen Eisenbahnunterführung. Vorm Haus ihrer Eltern ging das nicht, das stand unter Beobachtung, die ganze Straße guckte da mit Feldstechern hin. Es hatte einen simplen Grund: Rudi Carrell wohnte nebenan. Die Geschichte musste noch hinein. Und Biggis Opa, der sich einen Bentley kauft, weil er den Rolls-Royce prollig findet: Sowas iss nichts für Bremer, das kann man in Hamburg fahren, aber hier nich. Bei manchen Dingen bin ich noch nicht sicher, ob sie im Text bleiben oder neu in den Text kommen. Also zum Beispiel die hübsche kleine Nutte aus St Pauli, oder Gudruns Satz Jetzt ficke ich mich durch ganz Bremen, den sie beim Abendessen im Kleinen Olymp im Bremer Schnoor sagte.

Aber ich habe noch Zeit zum Überarbeiten, mich hetzt niemand, ihr Geburtstag ist noch in weiter Ferne. Ich kann schreiben, streichen und umschreiben, soviel ich will. Das ist der Vorteil des Desktop Publishing. Wenn ich mit der Schreibmaschine schriebe, würde ich jetzt viel Tippex brauchen. Ich lasse meine Romanfigur Ingrid mit ihren Ballerinas über die schlammigen Feldwege in Zetel balancieren, in jenem nassen Frühjahr, als ich mich in sie verliebte und sie in der kleinen Kirche photographiert habe. Ich lasse sie in der Nacht am Meer Sternschnuppen zählen und auf das Meeresleuchten warten. Ich bin der Herr über den Text. Aber da ich, wie gesagt, kein richtiger Romanautor bin, erfinde ich kaum etwas, alles ist irgendwie wahr. Manchmal mache ich ein wenig von der poetic licence Gebrauch, die einem Autor zusteht. Doch die schlammigen Feldwege hat es gegeben, die Sternschnuppen auch. Ich lasse allerdings vieles aus. Nicht alles im Leben ist schön, und die schöne Frau ist nicht immer lieb wie eine Katze (wie sie mal geschrieben hat). Es gibt in einem halben Jahrhundert mehr schlammige Feldwege als Sternschnuppen.

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dieses kleine Buch zu machen. Aber der Georg, der uns allen Cricket beigebracht hat, und der jeden Tag alle Tippfehler aus meinem Blog herauskorrigiert, hat mir gesagt, ich würde soviel über Frauen schreiben, damit könnte ich schon einen eigenen Blog füllen. Habe ich soofort getan, der neue Blog heißt femmes, ist eigentlich sehr schön, wird aber kaum gelesen. Georg hatte das allerdings gar nicht gemeint, wie mir später klar wurde; er hatte gemeint, dass es für alle diese Posts über die Frau, die ich Ingrid genannt habe, eigentlich einen Blog geben müsste. 

Der Name Ingrid bedeutet die Schöne, und das passte ja auch. Wie immer sie wirklich heißt. Dies Photo habe ich am Computer verändert, und vielleicht ist das, was ich schreibe auch nur eine Adobe Photoshop Fälschung. Ist es wahr, dass die Vergangenheit nur das photographische Negativ ist, das in der Gegenwart entwickelt wird? Ich habe schon vor Jahrzehnten in meinem kleinen Photolabor im Keller gelernt, dass man mit Photographien viel machen kann. Das man mit Wörtern viel machen kann, lernte ich beim Schreiben von Liebesbriefen.

In dem Augenblick, als ich merkte, dass der Georg etwas ganz anderes gemeint hatte als den Blog femmes, rief mich der Yogi aus den USA an und sagte mir, er hätte da eine tolle Idee. Man könnte aus den vielen Ingrid Posts einen kleinen Roman machen. Er würde den auch verlegen. Er hätte auch schon Ideen, wie der Roman anfangen sollte. Ich sagte, ich würde es mir überlegen. Ich hasse es, wenn andere Ideen für mich haben, auch wenn es gute Ideen sind. Ich schlief unruhig in der Nacht, aber ich hatte keine Albträume. Am nächsten Morgen guckte ich mir an, was es alles schon im Computer über die Frau gab. Dann stopfte ich mir eine Pfeife und fing mit dem cannibalizing an.

Und ich stellte eine Strophe aus einem Chanson von Charles Trenet als Motto vor das Ganze. Denn alles, was ich jetzt schreiben würde, das steht schon hier, es ist doch immer wieder dieselbe Geschichte:

Que reste-t-il de nos amours
Que reste-t-il de ces beaux jours
Une photo, vieille photo
De ma jeunesse
Que reste-t-il des billets doux
Des mois d' avril, des rendez-vous
Un souvenir qui me poursuit
Sans cesse
Bonheur fané, cheveux au vent
Baisers volés, rêves mouvants
Que reste-t-il de tout cela
Dites-le-moi


Mittwoch, 17. Februar 2021

schmutzige Wahlen


Wenn man glaubt, dass die amerikanischen Wahlen des letzten Jahres, die angezweifelte Auszählung der Stimmen und der Kampf um die Bestimmung der Wahlleute eine mittlere Katastrophe für die Demokratie waren, dann muss man mal eben zweihundertundzwanzig Jahre zurückblicken. Denn da gab es den ersten schmutzigen Wahlkampf in Amerika voller Verleumdungen und Beleidigungen. Da ist die Rede von Mr Jefferson’s Congo Harem, eine Anspielung auf Jeffersons schwarze Sklavin Sally Hemmings und schlimmere Dinge. Jefferson selbst stellt jemanden für die Schmutzarbeit ein, er ist ein Gentleman, er macht sich nicht selbst die Finger schmutzig. Dass Jefferson (links) gegen Adams (rechts) gewonnen hatte, das war ziemlich klar, aber damals wurde gleichzeitig auch noch der Vizepräsident gewählt. Das wird man vier Jahre später durch den 12. Zusatzartikel abschaffen. Vom 11. Februar 1801 bis zum 17. Februar gibt es ein Geschacher um die Ämter, dann steht Thomas Jefferson am 17. Februar 1891 als Präsident fest, Aaron Burr (Bildmitte) wird Vizepräsident. Nach sage und schreibe 36 (sechsunddreißig) Wahlgängen.

Jefferson und Adams, die mal Freunde waren, reden für die nächsten zwölf Jahre nicht mehr miteinander. Zum fünfzigsten Jahrestag der Unterzeichnung der Declaration of Independence 1826 war Jefferson eingeladen, um eine Rede zu halten, aber er ist zu krank, um nach New York zu reisen. In seinem letzten Brief entschuldigt er sich für sein Fehlen bei der Zeremonie und schreibt: May [the Declaration of Independence] be to the world, what I believe it to be, the signal of arousing men to burst the chains under which monkish ignorance and superstition had persuaded them to bind themselves, and to assume the blessings and security of self-government. John Adams war auch eingeladen, aber er war krank wie Jefferson. Er stirbt am 4. Juli 1826, seine letzten Worte sind Thomas Jefferson survives. Aber das nur für wenige Stunden, dann ist Thomas Jefferson auch tot. 

Was sie beide nicht mehr erleben müssen, ist der Wahlkampf von 1828, der noch schlimmer ist, als der von 1800. Dass der ehemalige Vizepräsident Aaron Burr ein Landesverräter ist, das konnten sie beide noch miterleben.


Sonntag, 14. Februar 2021

Longfellow


Das Buch war gelb, es war einmal gelber gewesen, der Leinenumschlag war mit denen Jahren ausgebleicht. Ich hatte es bei den Büchern von meinem Opa gefunden, der mir das Lesen beigebracht hatte. Er war Lehrer gewesen, jetzt war er frisch pensioniert und langweilte sich. Also bringt er seinem Enkel das Lesen bei. Das Buch hieß Das Lied von Hiawatha, es handelte von Indianern, war aber lange nicht so spannend wie der Tecumseh Roman, der auch einen gelben Leineneinband hatte. Das Buch war in Versen geschrieben, aber es war langweilig. Sehr langweilig. Wenn man sechs Jahre alt ist, dann will man etwas anderes lesen als Henry Wadsworth Longfellow. Den Namen merkte ich mir, den wollte ich nie wieder lesen. Er begegnete mir viele Jahre später im Studium wieder. Er war immer noch langweilig. Als ich Dozent wurde und Seminare über amerikanische Lyrik abhielt, stand Longfellow da niemals auf der Leseliste. Und wenn ich im April zum Poetry Month hier Gedichte serviere, dann ist er auch nicht dabei.

Der Langweiler Longfellow ist mir aber gerade wieder begegnet, allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang. Weil einer von Trumps Anwälten in dem Impeachment Verfahren ein Gedicht von Longfellow zitiert hat. Er war sehr ergriffen von dem Gedicht und hatte beinahe Tränen in den Augen, seine Hände, die das Manuskript hielten, zitterten. Der Anwalt heißt David Schoen, er sprach nach einem anderen Anwalt, der Bruce Castor hieß. Die beiden Herren sind offenbar das Pat und Patachon Gespann der amerikanischen Rechtsanwälte, der juristische Bodensatz. Sie waren erst seit einer Woche die Rechtsvertreter des ehemaligen Präsidenten. Alle anderen Anwälte hatten Trump verlassen oder waren von ihm gefeuert worden. Die ersten fünfundvierzig Minuten des Plädoyers gehörten dem Anwalt Bruce Castor, der sich versehentlich als lead prosecutor vorstellte. Man muss das gesehen haben (klicken Sie hier), so viel Hilflosigkeit und Tüddeligkeit ist einfach unglaublich. Niemand von den kritischen Beobachtern wusste, worauf Castor hinauswollte. Alan Dershowitz sagte: There is no argument. I have no idea what he's doing. I have no idea why he's saying what he's saying. Die New York Times schrieb: Mr. Castor delivered a rambling, almost somnambulant defense of the former president for nearly an hour. Man kann verstehen, dass Trump in seinem Domizil in Florida vor dem Fernseher getobt hat. The first thing we do, let's kill all the lawyers, hat er nicht gesagt, weil er Shakespeare nie gelesen hat.

Aber dann kam David Schoen, ein criminal lawyer. Der hat normalerwiese mit Kriminellen zu tun, da ist Trump bei ihm schon gut aufgehoben. David Schoen hatte mal Jeffrey Epstein zum Klienten, und er hat Roger Stone verteidigt. Der wurde zwar verurteilt, aber weil er ein Kumpel von Trump war, ist er jetzt wieder begnadigt. Das lassen wir mal beiseite, und Sie schauen sich hier an, wie Mr Schoen am Ende seiner Rede Longfellow zitiert:

Thou, too, sail on, O Ship of State!
Sail on, O Union, strong and great!
Humanity with all its fears,
With all the hopes of future years,
Is hanging breathless on thy fate!
We know what Master laid thy keel,
What Workmen wrought thy ribs of steel,
Who made each mast, and sail, and rope,
What anvils rang, what hammers beat,
In what a forge and what a heat
Were shaped the anchors of thy hope!
Fear not each sudden sound and shock,
'T is of the wave and not the rock;
'T is but the flapping of the sail,
And not a rent made by the gale!
In spite of rock and tempest's roar,
In spite of false lights on the shore,
Sail on, nor fear to breast the sea!
Our hearts, our hopes, are all with thee,
Our hearts, our hopes, our prayers, our tears,
Our faith triumphant o'er our fears,
Are all with thee, — are all with thee!


Wenn wir uns fragen, warum ein Gedicht in dem Impeachment Verfahren zitiert wird und warum denn gerade dieses Gedicht, dann hatte David Schoen darauf eine Antwort. Der Dichter habe das Gedicht at a time fraught with division and risk geschrieben, und The message from that other time of division is a call for hope and unity, and to bring strength -- has special meaning today. Wenn er von dem hic et nunc als a time of division spricht, dann hat er sicher Recht, er sollte aber dazu sagen, dass es niemand anderer als sein Mandant ist, der diese division herbeigeführt hat.

Longfellows Gedicht The Building of the Ship, aus dem das Zitat stammt, war ursprünglich achtzig Seiten lang, das erspart David Schoen dem Kongress. Wusste Schoen, dass dieses Gedicht schon ganz andere zu Tränen gerührt hat? Zum Beispiel Abraham Lincoln? Carl Sandburg, den ich vorgestern zitierte, weiß in seinem Band Lincoln: The War Years zu berichten, dass Lincolns Privatsekretär John George Nicolay dem Präsidenten Teile des Gedichts rezitiert hat: Nicolay was surprised at the way these lines hit the President. He seemed to be reading them for the first time. Nicolay had memorized the piece at school. He recited it for Lincoln to the last lines: 'Our hearts, our hopes, our prayers, our tears, Our faith triumphant o'er our fears.' They stirred something deep in Lincoln. 'His eyes filled with tears, and his cheeks were wet,' said Nicolay. 'He did not speak for some minutes, but finally said with simplicity: 'It is a wonderful gift to be able to stir men like that'.

Ein anderer Präsident Amerikas in einer schweren Zeit wird aus diesem Gedicht die ersten fünf Zeilen abschreiben und den Versen den Satz I think this verse applies to you people as it does to us hinzufügen. Er wird das Blatt in einen Umschlag tun, den er to a certain naval person adressiert. Der Adressat ist niemand anderer als der Premierminister Winston Churchill, der einmal der First Lord of the Admiralty, also eine naval person, war. Und Churchill wird diesen Brief von Franklin Delano Roosevelt am Tag nach Erhalt in der BBC vorlesen. Und hinzufügen: What is the answer that I shall give in your name to this great man? The thrice chosen head of a nation of 130 million. Here is the answer which I will give to President Roosevelt. Put your confidence in us - give us your faith and your blessing and under Providence all will be well. We shall not fail or falter, we shall not weaken or tire - neither the sudden shock of battle nor the long drawn trails of vigilance or exertion will wear us down. Give us the tools and we will finish the job.

Wir schreiben den 9. Februar 1941. Punktgenau achtzig Jahre später, am 9. Februar 2021 wird David Schoen Longfellows Zeilen im Kongress vorlesen. Hat er gewusst, was er da tat? Können Gedichtszeilen, die die Schauspielerin Fanny Kemble 1850 dreitausend Leuten vorträgt (standing out upon the platform, book in hand, trembling, palpitating and weeping, and giving every word its true weight and emphasis. It was grandly done, schreibt Longfellow in sein Tagebuch), die Abraham Lincoln 1861 zu Tränen rühren, und die Winston Churchill 1941 dem englischen Volk in einer Kriegsnacht vorliest, Trump davor retten, verurteilt zu werden?

Die originale Fassung von Longfellows Gedicht hatte ein ganz anderes Ende, vielleicht passt das eher zu dem Zustand Amerikas:

But where, oh where,
Shall end this form so rare?
... Wrecked upon some treacherous rock,
Rotting in some loathsome dock,
Such the end must be at length
Of all this loveliness and strength!


Was der criminal lawyer David Schoen mit Tränen vorträgt, das, was er für so großartige Gedanken hält, ist allerdings ein ganz alter Hut. Den Staat sinnbildlich als ein Schiff zu sehen, das von Wellen und Sturm hin- und hergeworfen wird, das können wir schon bei den alten Griechen und den Römern lesen. Zum Beispiel hier bei Horaz. Und dann gibt es die berühmte Stelle in Platons Politeia, wo von einem Mob die Rede ist, der den Schiffsführer entmachtet, das wäre doch mal ein Zitat für das Impeachment Verfahren gewesen (sie finden es in dem Post Niedergang). Und da ich bei der Schiffsbildlichkeit bin, kann ich nicht umhin, wieder einmal Petronius zitieren: Si bene calculum ponas, ubique naufragium est. Trumps Anwälte hätten, statt Longfellow zu zitieren, aus einem Micky Maus Heft vorlesen können, das Ergebnis im Senat wäre dasselbe gewesen.

Freitag, 12. Februar 2021

Richtigstellung


The world will little note, nor long remember what we say here, but it can never forget what they did here. Der Satz von Lincolns Gettysburg Address ist heute noch nicht vergessen. Vor Lincoln sprach an dem Tag, vier Monate nach der Schlacht von Gettysburg, der Gouverneur Edward Everett als offizieller Festredner. Abraham Lincoln war nur Gast bei der Feier, die das Schlachtfeld zu einem Militärfriedhof umwidmete. Für Everett hatte man neben dem Rednerpodium ein kleines Zelt aufgebaut, damit er eine Pinkelpause machen konnte. Denn seine Rede dauerte über zwei Stunden. Lincoln sprach nur zwei Minuten, er brauchte nur 269 Wörter. I should be glad if I could flatter myself that I came as near to the central idea of the occasion, in two hours, as you did in two minutes, hat Everett dem Präsidenten danach in einem Brief geschrieben. Garry Wills, einer der bedeutendsten amerikanischen Kulturhistoriker, hat für sein Buch Lincoln at Gettysburg: The Words That Remade America den Pulitzerpreis bekommen. Sie können Garry Wills in einer Kurzform hier lesen.

Das hätte Donald Trump, der sich immer wieder mit Lincoln verglichen hat, vielleicht auch einmal tun sollen. Seine Version von Lincolns Gettysburg Address sieht so aus: Do I get credit for saving a million, billion bucks? Not really. Someday. You know, when Abraham Lincoln made the Gettysburg Address speech, the great speech, do you know he was ridiculed? He was ridiculed. He took the horse and carriage up from the White House, he wrote it partially in that carriage and partially at a desk in the Lincoln Bedroom, which is incredible, by the way, in the White House. And he went up to Gettysburg, and he delivered that speech, the Gettysburg Address. And he was excoriated by the fake news. They had fake news then. He was excoriated. They said it was a terrible, terrible speech. They said it was far too short. It's not long. Many of us know it by memory. It was far too short, and it was far too flowery. It was too flowery, four score and seven years ago, right? Too flowery. And he died. Fifty years after his death, they said it may have been the greatest speech ever made in America. 

Da sind sie, die fake news, die ihn verfolgen. Die nicht anerkennen, dass er in einer Welt der alternative facts lebt. Da wir bei den Fakten sind: Lincoln ist nicht mit horse and carriage nach Gettysburg gekommen, er kam mit der Eisenbahn. Er hat die Rede auch nicht in einer Kutsche (oder der Bahn geschrieben); die fünf Versionen der Rede, die wir haben, weisen eine gleichmäßige Schrift aus, da ist keine Zeile verrutscht. History and Culture, so important, sagt Trump in diesem Video, das uns alles über sein Geschichtsverständnis sagt. Aber ist es wirklich wahr, dass die nationale Presse Lincolns Rede in Grund und Boden verdammt hat und man die Bedeutung der Rede erst fünfzig Jahre nach seinem Tod entdeckt hat? Wir wissen, dass in Trumps mehr als 26.000 Tweets bei Twitter nur wenige Behauptungen wahr sind, und so ist es hier auch. 

Schon dreißig Jahre nach der Rede Lincolns schreibt Lord Curzon, sie sei the purest gold of human eloquence, nay, of eloquence almost divine. Either could be delivered, if a man capable of composing and delivering them were to exist, in any assemblage, before any audience, at any time of the modern world's history, without a suggestion of artifice or incongruity, with an effect inexorably sure and eternally true. They were uttered by a man who had been a country farmer and a district lawyer before he became a statesman. But they are among the glories and the treasures of mankind. 

Dieser Meinung waren die Zeitungen 1863 nicht ganz, obgleich die Philadelphia Press die Rede als immortal bezeichnet und die Chicago Tribune schreibt: The dedicatory remarks by President Lincoln will live among the annals of man. Im Springfield Daily Republican konnte man lesen: Surprisingly fine as Mr. Everett’s oration was in the Gettysburg consecration, the rhetorical honors of the occasion were won by President Lincoln. His little speech is a perfect gem; deep in feeling, compact in thought and expression, and tasteful and elegant in every word and comma. Then it has the merit of unexpectedness in its verbal perfection and beauty… Turn back and read it over, it will repay study as a model speech. Strong feelings and a large brain are its parent

Natürlich gibt es auch schlimme Kritiken. Da ist die Chicago Times, die schreibt: The cheek of every American must tingle with shame as he reads the silly, flat, dishwatery utterances of the man who has to be pointed out to intelligent foreigners as the President of the United States. Ein kritisches Zitat hat es geschafft, in jedes Geschichtsbuch und in jedes Schulbuch zu kommen. Es wird bei jeder Gelegenheit wieder zitiert. Wahrscheinlich haben Trumps Ghostwriter es ihm auch aufgeschrieben: We pass over the silly remarks of the President. For the credit of the nation we are willing that the veil of oblivion shall be dropped over them and that they shall be no more repeated or thought of. Das stand in einer kleinen Provinzzeitung, The Harrisburg Patriot & Union, einer großformatigen (broadsheet) vierseitigen Zeitung, deren erste Seite mit Nachrichten aus dem Geschäftsleben und Werbung gefüllt sind. Die Zeitung berichtet ausführlich über alles, was bei der Einweihung des Soldatenfriedhofs von Gettysburg geschieht. Everetts Rede wird abgedruckt, die von Lincoln auch. Und über seine Rede kann man lesen: The President then arose and delivered the dedicatory address, which was brief and calculated to arouse deep feeling. Das klingt nicht gerade unfair.

Wie verträgt sich das nun mit den silly remarks, von denen Tage später in der Zeitung die Rede ist? Es bietet sich da eine schlichte Erklärung an: mit der Kritik ist eine ganz andere Gettysburg Address gemeint. Denn die hat es gegeben, auch wenn sie wenig bekannt ist. Am Vorhabend der Feier, als Lincoln im Haus von David Wills an der fünften Fassung seiner Rede arbeitet, erscheint eine Abordnung von Studenten des Pennsylvania College vor dem Haus. Sie wollen dem Präsidenten ein Ständchen bringen. Und bevor das beginnt, hält Lincoln eine kleine Rede:

Fellow-citizens: I am very glad indeed to see you to-night, and yet I will not say I thank you for this call, but I do most sincerely thank Almighty God for the occasion on which you have called. How long ago is it — eighty odd years — since on the Fourth of July for the first time in the history of the world a nation by its representatives, assembled and declared as a self-evident truth that “all men are created equal.” That was the birthday of the United States of America. Since then the Fourth of July has had several peculiar recognitions. The two most distinguished men in the framing and support of the Declaration were Thomas Jefferson and John Adams — the one having penned it and the other sustained it the most forcibly in debate — the only two of the fifty-five who sustained it being elected President of the United States. Precisely fifty years after they put their hands to the paper it pleased Almighty God to take both from the stage of action. This was indeed an extraordinary and remarkable event in our history. Another President, five years after, was called from this stage of existence on the same day and month of the year; and now, on this last Fourth of July just passed, when we have a gigantic Rebellion, at the bottom of which is an effort to overthrow the principle that all men are created equal, we have the surrender of a most powerful position and army on that very day, and not only so, but in a succession of battles in Pennsylvania, near to us, through three days, so rapidly fought that they might be called one great battle on the 1st, 2d, and 3d of the month of July; and on the 4th the cohorts of those who opposed the declaration that all men are created equal, “turned tail” and ran. Gentlemen, this is a glorious theme, and the occasion for a speech, but I am not prepared to make one worthy of the occasion. I would like to speak in terms of praise due to the many brave officers and soldiers who have fought in the cause of the war. There are trying occasions, not only in success, but for the want of success. I dislike to mention the name of one single officer, lest I might do wrong to those I might forget. Recent events bring up glorious names, and particularly prominent ones, but these I will not mention. Having said this much, I will now take the music. 

Unter den Studenten, die dem Präsidenten ein Ständchen bringen, ist einer, der am nächsten Tag seine Rede hören und viele Jahre später darüber schreiben wird. Dann ist er Doktor der Philosophie, Doktor der Theologie, Professor und Dean des Pennsylvania College. Er heißt Philip Melanchton Biklé (Bild), Wikipedia gönnt ihm keinen Artikel. Die Abordnung der Studenten wird bei den Feierlichkeiten ihren Platz direkt vor der Tribüne der Sprecher haben. Wenn man so will, hat der junge Mann einen Logenplatz. The miracle is that these words did. In his brief time before the crowd at Gettysburg he wove a spell that has not, yet, been broken — he called up a new nation out of the blood and trauma, sagt Garry Wills, bei Biklé klingt das nüchterner:

I have never been so wedged in a crowd in my life as I was then, but I was determined to see it through . . . When Mr. Lincoln rose to speak the stillness was very noticeable. It was the tall, gaunt figure of a man that might be called somewhat imposing but certainly not attractive . . . With a hand on each side of his manuscript (typewriter size), he spoke in a most deliberate manner, and with such a forceful and articulate expression that he could be heard by all in that immense throng . . . There was no gesture except with both hands up and down, grasping the manuscript which he did not seem to need, as he looked at it so seldom. In this way he delivered the whole speech. I do not remember whether there was any applause, but I do remember that there was surprise that his speech was so short . . . On coming away I said to a classmate: “Well, Mr. Lincoln’s speech was simple, appropriate, and right to the point, but I don’t think there was anything remarkable about it.” That was the opinion of a wise sophomore ... The sophomore now sees it in its true light and will always rejoice that it was his privilege to hear it.

Das sieht nun alles etwas anders aus als das Bild, das Trump entwirft: And he was excoriated by the fake news. They had fake news then. He was excoriated. They said it was a terrible, terrible speech. Und so wie die fake news Presse Lincoln hasst, so hasst sie auch ihn, den Präsidenten, der mehr für Amerika getan hat als Lincoln: I am greeted with a hostile press, the likes of which no president has ever seen ... They always said, Lincoln, nobody got treated worse than Lincoln. I believe I am treated worse. Er sagt das in einem Interview mit seinem damaligen Lieblingssender Fox News in einer theatralischen Inszenierung vor dem Marmorbild von Lincoln.

Die Zeitung The Harrisburg Patriot & Union heißt heute The Patriot-News. Einhundertfünfzig Jahre nach der Gettysburg Address veröffentlichte die Redaktion eine Richtigstellung ihres damaligen Textes: Seven score and ten years ago, the forefathers of this media institution brought forth to its audience a judgment so flawed, so tainted by hubris, so lacking in the perspective history would bring, that it cannot remain unaddressed in our archives. We write today in reconsideration of 'The Gettysburg Address,' delivered by then-President Abraham Lincoln in the midst of the greatest conflict seen on American soil. Our predecessors, perhaps under the influence of partisanship, or of strong drink, as was common in the profession at the time, called President Lincoln's words 'silly remarks,' deserving 'a veil of oblivion,' apparently believing it an indifferent and altogether ordinary message, unremarkable in eloquence and uninspiring in its brevity. 

Und dann kommt der kurze Satz: In the editorial about President Abraham Lincoln's speech delivered Nov. 19, 1863, in Gettysburg, the Patriot & Union failed to recognize its momentous importance, timeless eloquence, and lasting significance. The Patriot-News regrets the error.

Dieses Bild, das Abraham Lincoln am Pokertisch mit Donald Trump zeigt, wird Joe Biden wohl inzwischen abgehängt haben. Bei Trump hing The Republican Club von Andy Thomas im Oval Office. Heute ist der Geburtstag von Abraham Lincoln, ich dachte, ich müsste einige Zeilen über ihn schreiben. Er hat schon einen Post, und er ist hier häufig erwähnt worden. Die amerikanische Geschichte ist ohne Abraham Lincoln nicht denkbar, ohne Donald Trump schon. Ich weiß nicht, wie viele Biographien über Lincoln geschrieben worden sind, selbst ein ehemaliger Student von mir hat eine geschrieben. Carl Sandburgs Biographie, von der ich hier den ersten Teil The Prairie Years habe, ist zwar veraltet, aber immer noch gut lesbar. Ich fand Gore Vidals Roman Lincoln sehr interessant. Und von den neueren Biographien ist sicherlich David Herbert Donalds Lincoln (1996) die beste. Als der Harvard Professor und zweifache Pulitzer Preisträger David Herbert Donald 1948 über Lincoln zu schreiben begann, hatte sein Buch über William Herndon ein Vorwort von Carl Sandburg.

Einiges an bewegten Bildern habe ich heute auch. Zum Beispiel den Klassiker Young Mr Lincoln von John Ford. Ich kann zwei Filme über Gettysburg anbieten: Gettysburg und Gods and Generals. Und in dem PBS Klassiker von Ken Burnes The Civil War gibt es auch ein kurzen Teil über Gettysburg. An den Feierlichkeiten zur Einweihung des Gettyburg National Cemetery am 19. November konnte General Hancock, der hier vor drei Tagen einen Post hatte, nicht teilnehmen, der lag noch schwerverletzt im Krankenhaus.