Samstag, 18. Mai 2019

Delmenhorst


Die Könige von Dänemark waren mal Grafen von Delmenhorst. Aber ich glaube, sie haben diesen Titel aufgegeben. Die englischen Könige behaupten ja auch nicht mehr, Könige von Frankreich zu sein. George III hat das aufgegeben. Einen Fürsten von Recklinghausen gibt es aber heute immer noch. Delmenhorst ist ein furchtbares Kaff, ich weiß das, ich war da als Soldat stationiert. Meine Kaserne wird in dem vielgelesenen Post Uniformen erwähnt. Allerdings scheint man in Delmenhorst auch wohnen zu können. Denn letztens hörte ich auf NDR Blue jemanden singen:

Ich bin jetzt immer da, wo du nicht bist
und das ist immer Delmenhorst
Es ist schön, wenn’s nicht mehr weh tut
und wo zu sein, wo du nie warst

Hinter Huchting ist ein Graben,
der ist weder breit noch tief
und dann kommt gleich Getränke Hoffmann
Sag‘ Bescheid, wenn du mich liebst

Huchting ist ein Stadtteil von Bremen, hart an der Landesgrenze. Die Geschichte ist die eines selbst gewählten Exils, die Verlängerung unseres Stücks Weißes Papier. Da heißt es am Ende: „Am liebsten wär’ ich auf einem anderen Stern, wo mich nichts an dich erinnert.“ Das kann eben auch Delmenhorst sein, hat Sven Regener gesagt. Er hat Delmenhorst geschrieben, im Jahr davor hatte er den Roman Neue Vahr Süd veröffentlicht (der hier schon erwähnt wird), der ein Kultbestseller wurde. Wenn Sie die Gruppe Element of Crime kennen, dann wissen Sie natürlich, dass das sich ihr Song Delmenhorst auf der CD Mittelpunkt der Welt (2005) findet. Delmenhorst ist einfach eine Stadt, die man nicht groß auf dem Zettel hat. Deshalb war es reizvoll, diese Stadt poesiefähig zu machen, hat Regener, der die Texte für die Band schreibt, gesagt. Er hat auch über Delmenhorst gesagt: Die haben Sarah Connor. Aber wir haben James Last.

Die Stadt an der Delme ist durch das traurige Liebeslied Delmenhorst poesiefähig geworden. 'Delmenhorst' von Element of Crime ist ein Liebeslied, das sich gegen Gefühlsduselei und lyrische Sprache sträubt. Das Ergebnis ist ein Meisterstück der Poesie als Selbstverteidigung, und: Der ... Song ist ein sehr eigenwilliges Liebes-, Liebeskummer- oder vielleicht auch Selbstliebeslied, kann man im FAZ Blog in ihrer Pop-Anthologie lesen. Ein hervorragender Post. Und das in der FAZ, man kann sich nur wundern. Zur Zeit von Reich-Ranicki hätte es so etwas nicht gegeben.

Es ist eigentlich eine erstaunlich Sache, dass häßliche kleine Provinzkaffs in die Popkultur wandern. Also zum Beispiel Twistringen, wo die Delme entspringt. Zu dem Ort gibt es auch ein Lied, wo es im Refrain heißt:

Perle, du in Niedersachsen,
Stätte schönster Fröhlichkeit,
Twistringen, ans Herz gewachsen
Bist du mir in aller Zeit.

Das würde die Gruppe Element of Crime natürlich nicht singen. Wenn man aus Twistringen kommt, das die Bewohner auf Platt Twustern nennen, will man da raus. Wie Reinhold Beckmann oder Brigitte Seebacher-Brandt. Oder May Spils, die da nach dem Abitur weg war. Wurde in München berühmt, weil sie Zur Sache Schätzchen mit Uschi Glas gedreht hat.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Pflastersteine


Der nordfriesische Dichter, Maler und Revolutionär Harro Harring starb am 15. Mai 1870 im Exil in Saint Helier auf Jersey. Victor Hugo, selbst Exilant auf einer Kanalinsel, nannte den Friedhof der Flüchtlinge unser Westminster und St. Denis. Harro Harring hat in diesem Blog schon seit 2010 einen Post, dem ich heute noch einige Dinge hinzufügen möchte. Das eine sind seine mehrbändigen Reisebeschreibungen Rhonghar Jarr: Fahrten eines Friesen in Dänemark, Deutschland, Ungarn, Holland, Frankreich, Griechenland, Italien und der Schweiz; vier Bände nebst einem Vorläufer, die man im Internet lesen kann. Wenn ich auf einen Netzfund wie Rhonghar Jarr hinweise, möchte ich Harrings Tragikomische Abenteuer eines Philhellenen mit dem schönen Vorwort von Heinrich Conrad nicht auslassen. Das andere ist die Biographie von Peter Matthews Harro Harring: Rebell der Freiheit, die war 2010 als ich den Harro Harring Post schrieb, noch nicht erschienen. Wenn auch der romanhafte Stil etwas stört, ist es aber das Beste, was derzeit zu Harring auf dem Markt ist. Und es ist auch ein Buch, das allen Facetten des Nordfriesen Harring gerecht wird. Das Buch Harro Harring, der Friese von Thusnelda Kühl aus dem Jahre 1906 war schon bei seinem Erscheinen keine sichere Quelle.

Karl Marx hat Harring gehasst, er hat keine Gelegenheit ausgelassen, ihn zu verhöhnen. Sie können das Bösartigste in dem Post Harro Harring lesen. Wir vergessen Karl Marx einmal einen Augenblick und wenden uns anderen Quellen zu. Harring galt als gescheiterter Wirrkopf – bis der Historiker Walter Grab auf ihn aufmerksam wurde und ihn als eine der erstaunlichsten Figuren im Zeitalter zwischen dem Sturz Napoleons und dem Beginn der Arbeiterbewegung bezeichnete. Mit seinem Aufsatz „Harro Harring – ein revolutionärer Odysseus der Freiheit“ gab er 1982 den Impuls zur Gründung der Harring-Gesellschaft, können wir auf der Homepage der Harro Harring Gesellschaft lesen. Und glücklicherweise ist der Aufsatz des Historikers, der der Ehrenpräsident der Gesellschaft werden wird, im Internet, Sie können ihn hier lesen.

Der Direktor der Harro Harring Gesellschaft wurde Ulrich Schulte-Wülwer, ein Kunsthistoriker, der die Flensburger Kunstsammlungen gepflegt hat und dem wir den wunderbaren Katalog Malerei in Schleswig-Holstein verdanken. So etwas hat die Kunsthalle Kiel nicht zu bieten. Unter Jens Christian Jensen ist zwar mal der alte Katalog von Lilli Martius überarbeitet worden, aber das kann man nicht mit Malerei in Schleswig-Holstein vergleichen. Als Ulrich Schulte-Wülwer in den Ruhestand ging, sagte er: Sicherlich das leidige Thema Geld. Als städtisches Museum bekommen wir keinen Pfennig vom Land wie etwa Gottorf oder die Kunsthalle Kiel. Aber ich muss in Dankbarkeit sagen, dass die Stadt Flensburg immer ihr Möglichstes getan hat, den Betrieb am Laufen zu halten.

Geld ist nicht alles. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte im letzten Jahr im Bundestag: ... Und wieder einmal war die Debatte zum Kulturetat so kurz, dass kein Abgeordneter seine Gedanken wirklich sinnvoll ausführen konnte. Kulturpolitik ist zu wichtig, um sie als Anhängsel bei der Generaldebatte zur Politik der Bundeskanzlerin mit zu behandeln. 1,58 Milliarden Euro für Kultur und Medien auf Bundesebene sind super und trotzdem, das wurde in der Debatte deutlich: Geld ist nicht alles! Dieses Bild von Harring (eine Kopie nach Wouwerman) aus dem Jahre 1820 hängt in Flensburg. In den 1820er Jahre wurde es Harring klar, dass er doch nicht zum Maler geschaffen war, später malte er nur noch, wenn er Geld brauchte. Und das brauchte er immer wieder, aber immer wieder halfen ihm andere aus. Wie zum Beispiel Victor Hugo.

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an sie zu verändern, hat Marx gesagt. Verändern wollte Harring die Welt auch, aber es ist ihm nicht gelungen. Harring hat über sich gesagt, dass er ein sentimentaler, für das bürgerliche Leben total unbrauchbarer Mensch, ein Stiefbruder des Hamlet war. Zwischen einer himmelstürmenden Hingabe an die ganze Menschheit und einer grüblerischen Beschäftigung mit dem eigenen Ich stets hin- und hergeschleudert, gelang es ihm nie, auf dem Boden der Wirklichkeit recht Fuß zu fassen, schreibt Walter Grab. Diese Bleistiftzeichnung des jungen Harring ist von dem Bildhauer Hermann Wilhelm Bissen, der den berühmten Idstedt Löwen geschaffen hat.

Man hat den Dichter Harring, der einst ein vielgelesener Autor war, nicht ganz vergessen. Als der Flensburger Professor Peter Nicolaisen die Anthologie Stimmenvielfalt: Gedichte aus Schleswig-Holstein: Vom Barock bis in die Gegenwart herausgab, enthielt der Band auch Gedichte von Harro Harring. Eins davon möchte ich heute zum Schluß zitieren:

Der Bundestag

In Frankfurt, da sitzt der deutsche Bund
Und macht Verbote auf Verbote kund!

Das wird dem deutschen Bund recht schwer –
Denn er findet gar wenig zu verbieten mehr.

Drum stöbert er emsig in jedem Mist,
Wenn nur irgend was drin zu verbieten ist.

Und nächstens wird er mächtig schrei’n:
Es darf in den Straßen kein Pflaster sein!

Denn so lang’ das Volk auf’m Pflaster geht;
Eine Waff’ ihm noch zu Gebote steht.

Ein gefährlich’ Ding; - so’n Pflasterstein!
Drum muß das Pflaster verboten sein!

Der Bundestag fürchtet sich sehr vor’m Tod,
Drum arbeitet er – an dem Pflaster-Verbot.

Dienstag, 14. Mai 2019

Doris Day ✝


Doris Day ist gestern im Alter von 97 Jahren gestorben. Mit ihrem Que Sera, Sera bin ich aufgewachsen, es geht einem ein Leben lang nicht aus dem Kopf. Doris Day hatte in diesem Blog zu ihrem neunzigsten Geburtstag schon einen Post, ich stelle den heute noch einmal hier ein.

Am heutigen Tag kann hier nur ein Text stehen. Natürlich Que Sera, Sera, Erkennungsmelodie der Doris Day Show: Doris Day wird heute neunzig. Der Song Que Sera, Sera, der wie ein Volkslied daherkommt, hat allerdings keine Wurzeln im Spanischen. Oder im Italienischen. Er wurde wurde 1956 von Ray Evans und Jay Livingston für den Hitchcock Film Der Mann, der zuviel wußte geschrieben. Ein spy thriller, der für Hitchcock ein Re-Make eines eigenen Films aus den dreißiger Jahren war. Damals allerdings noch ohne Que Sera, Sera. Die Sache mit dem Song ist ja das Beste in diesem Film, wenn Doris Day das singt, dann hat der etwas langweilige Film endlich seinen Höhepunkt.

When I was just a little girl
I asked my mother
What will I be
Will I be pretty
Will I be rich
Here's what she said to me

Que sera, sera
Whatever will be, will be
The future's not ours to see
Que sera, sera
What will be, will be

When I grew up and fell in love
I asked my sweetheart
What lies ahead
Will we have rainbows
Day after day
Here's what my sweetheart said

Que sera, sera
Whatever will be, will be
The future's not ours to see
Que sera, sera
What will be, will be

Now I have Children of my own
They ask their mother
What will I be
Will I be handsome
Will I be rich
I tell them tenderly

Que sera, sera
Whatever will be, will be
The future's not ours to see
Que sera, sera
What will be, will be
Que Sera, Sera

Aber die Herren Ray Evans und Jay Livingston haben die Phrase Que sera, sera nicht erfunden. Sie ist in der englischen Sprache schon lange vor 1956 heimisch. Sehr lange. Sie findet sich schon 1582 bei einem Sir William Teshe:

Some sorte of men contynually forecast,
and doe dyvine of thinges which maye insue,
neuer respecting what is gone and past,
but what’s to come, that deeme they wilbe true,
Though falce in fine; for why? by proofe we see,
che sara, sara, What shalbe, shalbe.


Und in dieser Zeit gelangt der Spruch auch in das Wappen der Russells, die die Herzöge von Bedford sind. Wenn Sie den Post Lord John Russell gelesen haben, dann kennen Sie diese Familie ja schon. Der Sprachwissenschaftler Lee Hartmann von der Southern Illinois University hat die Herkunft von Que sera, sera untersucht, Sie können hier seinen wirklich interessanten Artikel lesen. Und natürlich gratulieren wir Doris Day (die ja eigentlich eine halbe Deutsche ist und Doris Mary Ann Kappelhoff heißt) ganz herzlich. Vielleicht mit diesem netten kleinen Video. Die Songs, die man da hört wurden 1967 für The Love Album aufgenommen, aber erst 27 Jahre später veröffentlicht. Que Sera, Sera.

Sonntag, 12. Mai 2019

Bundesmarine


Mit gefällt (fast) alles, was Sie schreiben. Nur mit der Marine sind wir über Kreuz, aber was kann ich schon von einem “unedlen Grau des Feldes“ erwarten, schrieb mir ein Freund. Er spielte darauf an, dass ich in meinem Blog gelegentlich (wie zuum Beispiel in den Posts Unsere Marine und Minen) leicht gehässige Bemerkungen über die Bundesmarine gemacht habe. Ich muss das relativieren und erklären, ich fange mal mit diesem Schiff hier an. Sieht aus wie die Gorch Fock (die hier schon einen Post hat), segelt aber unter amerikanischer Flagge. Die USCGC Eagle kam an diesem Wochenende in Kiel an und lag auf dem Stammplatz der Gorch Fock.

Das Segelschulschiff der Bundesmarine war 1958 vom Stapel gelaufen. Die 14-jährige Ulli Kinau taufte das Schiff auf den Namen ihres Onkels Johann, der unter dem Künstlernamen Gorch Fock berühmt geworden war. Und das Ganze auf Platt: Boben dat Leben steiht de Dod, aber boben den Dod steiht wedder dat Leben. Ick döp di op den Naam 'Gorch Fock'!" Die Feier wurde allerdings davon überschattet, dass ein Jahr zuvor der Großsegler Pamir untergegangen war (lesen Sie dazu mehr in dem Post Wetter). Diese Gorch Fock ist genau genommen die Gorch Fock II, ihr Schwesterschiff liegt im Hafen von Stralsund.

Die Gorch Fock, die zwanzig Jahre jünger ist als die USCGC Eagle, segelt zur Zeit nicht. Sie liegt in Elsfleht und verbirgt sich unter den Tarpaulinmassen hinter Ursula von der Leyen. Sie ist für die Bundesmarine das Äquivalent zum Flughafen BER. Reden wir lieber nicht über den Skandal mit der Werft in Elsfleth, der den Steuerzahler Millionen kostet. Fragen wir uns lieber, warum die USCGC Eagle, die bei Blohm und Voss als Horst Wessel gebaut wurde, schwimmt und die Gorch Fock nicht. Auch die Eagle ist in den letzten Jahren in der Werft gewesen, allerdings in einer Werft, die der US Coast Guard gehörte. Da hat man Kontrolle über das, was man macht. Die vierjährige Überholung soll 28 Millionen Dollar gekostet haben, die Kosten für die Gorch Fock werden inzwischen auf 135 Millionen geschätzt.

Die Bundesmarine beschäftigt zur Zeit einen Admiral, vier Vizeadmiräle, neun Konteradmiräle und 18 Flotillenadmiräle. Hätte man nicht ein paar von denen nach Elsfleht schicken können, um die Reparaturarbeiten an der Gorch Fock zu überwachen? In dem Post Admiräle habe ich geschrieben: Echte Sorgen mache ich mir nicht, es gibt eh zu viele von der Spezies Admiral. Das hat Cyril Northcote Parkinson, dem wir die schöne Biographie The Life and Times of Horatio Hornblower und ein halbes Dutzend Seeromane verdanken, schon in seinem Buch Parkinson's Law bewiesen. Das von ihm gefundene Gesetz über die Vermehrung der Beamtenstellen kennen wir alle aus dem alltäglichen Leben. Parkinson nahm in seinem Buch dafür Statistiken der Royal Navy als Beispiel. Im Jahre 1914 hatte England 62 Schlachtschiffe, Panzerkreuzer und Kreuzer, die von 2.000 Beamten in der Admiralität verwaltet wurden. 1928 waren es nur noch zwanzig Schiffe, aber es gab mittlerweile 3.569 Beamte. Auch heute hat sich das Missverhältnis nicht geändert: vor drei Jahren kamen auf 19 einsatzfähige Kampfschiffe vierzig Admiräle und 260 Kapitäne. Man fragt sich bei solchen Zahlen immer wieder: was machen die alle?

Lassen wir mal den augenblicklichen Zustand der Bundesmarine weg, ich muss weiter zurückgehen, um meine leichte Aversion gegen die Marine zu erklären. Niemand aus meiner Klasse ist zur Marine gegangen, selbst Dirk H. nicht, dessen Vater in dritter Generation eine kleine Werft besaß. Manche verweigerten den Wehrdienst, andere wie Gert Börnsen zogen nach Berlin, um der Einberufung zu entgehen. Der Rest ging zum Heer oder zur Luftwaffe, aber nicht zur Marine. Sie besaß kein Ansehen. In dem kleinen Kaff, aus dem ich komme, arbeiteten Werften wie Lürssen und Abeking und Rasmussen damals für die Bundesmarine. Bauten Schnellboote, den Tender Neckar, Korvetten und solche Dinge. Aber die Werftarbeiter ließen die jungen Marineoffiziere nicht ans Ruder, wenn es um schwierige Manöver ging. Nicht solange das Schiff noch nicht abgenommen war. Kapitän Ernst Biet hat mir mal erzählt, dass er bei der Übergabe eines Schiffes an die Bundesmarine sofort auf dem begleitenden Schlepper war, wenn der Kaleu das Schiff übernommen hatte. Und es kurz danach mit Aplomb in Bremerhaven gegen die Columbuskaje setzte.

Ich wäre dazu prädestiniert gewesen, die Marine zu lieben. Unserem Haus gegenüber stand eine Villa, auf deren Steintafel über dem Eingang stand: Auf diesem Landsitz wohnte Arnold Duckwitz 1802 bis 1881 Bürgermeister von Bremen 1848 Reichshandelsminister in Frankfurt a.M. Gründer der ersten deutschen Reichskriegsflotte. Ohne Duckwitz, der Rudolf Brommy zum esrten deutschen Admiral machte, hätte es die deutsche Marine vielleicht nicht gegeben. Es wäre ein Grund für die Bundesmarine gewesen, bei Jubiläen mal eben eine Abordnung von Marinesoldaten vor die Villa zu stellen. Bei der Royal Navy hätte man so etwas gemacht. Wir aber haben keine Traditionspflege, das ist zu bedauern.

Meine Eltern waren mit vielen Kapitänen befreundet. Die eigene Schiffe hatten oder wie Ernst Biet Ozeanriesen des Norddeutschen Lloyds befehligten. Master next to God. Beinahe alle Kapitäne, die meine Eltern kannten, waren im Zweiten Weltkrieg Marineoffiziere gewesen. Hermann Bögel hatte ein Ritterkreuz bekommen, hat das aber nie erzählt. Hein Janssen (den ich mal in der Nacht von Holland nach Bremen fuhr) war auf dem U-Boot U 55 gewesen und in englische Kriegsgefangenschaft geraten. In den fünfziger Jahren bekam er sogar einmal Besuch von Admiral Dönitz, Traditionspflege der anderen Art. Dönitz wusste, wo Vegesack war, schließlich waren hier auf dem Bremer Vulkan seine U-Boote gebaut worden.

Ernst Biet, der schon im Ersten Weltkrieg auf U-Booten gefahren war, kommandierte im Zweiten Weltkrieg als Kapitän zur See der Reseve den Minenleger Ulm (hier mit Tarnanstrich), der von der HMS Onslaught versenkt wurde. Biet war der letzte, der von Bord ging, aber der erste, den die Engländer auffischten. Er hatte ja noch versucht, der HMS Onslaught zu entgehen und sogar die amerikanische Flagge hissen lassen, um die Engländer zu täuschen. Über das Schiff und die Besatzung war er nicht glücklich, der Minenleger Ulm war nämlich eigentlich ein Bananenfrachter, der in kürzester Zeit zu einem Behelfskriegsschiff umgebaut worden war.

Bis auf den Kap Hornier Hugo Gottsmann, der ein Schulschiff kommandierte und mir das Segeln beibrachte, der ein wenig verschlossen war, haben mir diese Männer, deren ganzes Leben die See war, vieles erzählt. Sie erzählten diese Geschichten nicht jeden Tag, sie prahlten nicht mit ihrem Krieg. Wenn ich daran zurückdenke, klang manches wie eine Lebensbeichte. Ein Versuch, einem Jüngeren diese Vergangenheit zu erklären. Ich weiß es nicht. Ich ging bei ihnen ein und aus und durfte auch mal auf ihren Schiffen mitfahren, was eine tolle Sache war, wenn man jung ist. Aber es hat mich nie zur Marine gezogen, darüber habe ich wohl schon etwas gesagt, als ich über Schnellboote schrieb. Ich glaube da steht auch drin, dass bei dem einzigen Mal, als ich auf einem Minenräumer mitgefahren bin, ein junger Leutnant zur See das Ding in Bremerhaven mit einem Krach gegen die Hafenmauer gesetzt hat. Nach dem, was mir Käpt'n Biet zuvor über die mangelnden nautischen Fähigkeiten der jungen Bundesmarineoffiziere erzählt hatte, fand ich das ganz passend.

Ernst Biet, der Charatan Pfeifen rauchte, weil er Dunhill zu prollig fand, hatte für die Bundesmarine kein gutes Wort übrig. Die Kapitäne Hein Janssen, Hermann Bögel und Jan Kampen auch nicht. Mit ihren Meinungen bin ich aufgewachsen, und wenn ich mich umschaute, gab es nichts, was der Bundesmarine einen Glanz verlieh. Und deshalb mache ich manchmal spöttische Bemerkungen. Was einem heute natürlich, wenn man an die Einsatzfähigkeiten von U-Booten, Fregatten und der Gorch Fock denkt, ganz leicht fällt.

Freitag, 10. Mai 2019

der goldene Nagel


Vor 150 Jahren treffen sich zwei Lokomotiven im Box Elder County in Utah. Die eine war die No. 119 der Union Pacific, die andere die Lok No. 60 der Central Pacific. Damit war die transkontinentale Eisenbahnlinie quer durch Amerika vollendet. Man schlug einen goldenen Nagel ein. Dass es so lange gedauert hatte, bis man dieses Schienennetz vollendet hatte, hat etwas mit dem Bürgerkrieg zu tun. In dem man aber auch gesehen hatte, wie wichtig Eisenbahnlinien waren. Ohne den genialen Eisenbahningenieur Hermann Haupt hätte der Norden den Krieg vielleicht nicht gewonnen.

Die Eisenbahn verändert die Welt. Der Klassiker zu diesem Thema bleibt die Geschichte der Eisenbahnreise: Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert von Wolfgang Schivelbusch, auch wenn er nicht so furchtbar viel zu den amerikanischen Eisenbahnen sagt. Aber die Bücher des Kulturhistorikers Schivelbusch sind (mit Ausnahme seines Buch über den amerikanischen Bürgerkriegs) immer ein Leseerlebnis. Ein Nebenprodukt der Eisenbahnen sind die Eisenbahneruhren, Chronometer von erstaunlicher Präzision. Lesen sie dzu mehr in dem Post Illinois Bunn Special.

Im Golden Spike National Historical Park wird man heute feiern, Parkplätze gibt es schon keine mehr. Wahrscheinlich wird man nicht über die Vertreibung der Indianer reden, nicht über Buffalo Bill, der aus dem Eisenbahnwaggon tausende von Büffeln schießt. Nicht über die Vernichtung der Natur. Das Bild American Progress von John Gast ist drei Jahre nach der Fertigstellung der transkontinentalen Eisenbahn gemalt worden, alles, was Amerika damals bewegt, ist auf dem Bild zu sehen.

So ganz großartig war die Zeremonie am 10. Mai 1869 nicht gewesen, wenn man diesem Bericht glauben darf: And now, the crowd - mostly Irish and Chinese laborers who had borne the brunt of the work - pushed close. "Gentlemen," said Leland Stanford, president of the Central Pacific, "with your assistance we will proceed to lay the last tie, the last rail, and drive the last spike." With great pomp, Stanford picked up a silver-headed sledge-hammer, lifted it over his head, aimed at a gold spike, and swung with all his might…only to miss! The Irish and Chinese workers howled. Stanford was getting a taste of just how hard it was to build a railroad. Now Thomas Durant, the vice president of the Union Pacific, took up the sledgehammer, and swung a mighty blow. He missed as well. As a worker was hastily summoned to pound in the final spike, a telegrapher sent the signal to the nation: "It's done!"

Zur Feier des Tages gibt es hier heute ein Gedicht von Bret Harte, dem Autor der berühmten Kurzgeschichte The luck of Roaring Camp. Das Gedicht heißt What the Engines Said und hat den Untertitel Opening of the Pacific Railroad:

What was it the Engines said,
Pilots touching,—head to head
Facing on the single track,
Half a world behind each back?
This is what the Engines said,
Unreported and unread.

With a prefatory screech,
In a florid Western speech,
Said the engine from the West,
"I am from Sierra's crest;
And, if altitude 's a test,
Why, I reckon, it 's confessed,
That I 've done my level best."

Said the Engine from the East,
"They who work best talk the least.
S'pose you whistle down your brakes;
What you 've done is no great shakes,—
Pretty fair,—but let our meeting
Be a different kind of greeting.
Let these folks with champagne stuffing, 
Not their Engines, do the puffing.

"Listen! Where Atlantic beats
Shores of snow and summer heats;
Where the Indian autumn skies
Paint the woods with wampum dies,— 
I have chased the flying sun,
Seeing all he looked upon,
Blessing all that he has blest,
Nursing in my iron breast
All his vivifying heat, 
All his clouds about my crest;
And before my flying feet
Every shadow must retreat."

Said the Western Engine, "Phew!"
And a long, low whistle blew. 
"Come, now, really that 's the oddest
Talk for one so very modest.
You brag of your East. You do?
Why, I bring the East to you!
All the Orient, all Cathay, 
Find through me the shortest way;
And the sun you follow here
Rises in my hemisphere.
Really,—if one must be rude,—
Length, my friend, ain't longitude."
Said the Union: "Don't reflect, or
I 'll run over some Director."
Said the Central: "I 'm Pacific;
But, when riled, I 'm quite terrific.
Yet to-day we shall not quarrel, 
Just to show these folks this moral,
How two Engines—in their vision—
Once have met without collision."

That is what the Engines said,
Unreported and unread;
Spoken slightly through the nose,
With a whistle at the close.

Mittwoch, 8. Mai 2019

Wiederholungen


Aber nicht alle drei Tage, sagte sie. Dann einmal im Monat, sagte ich. Hmmm, sagte sie. Das Hmmm war eher ein Ja als ein Nein. Wir redeten nicht über Sex. Wir redeten über das nächtliche Telephonieren. Früher haben wir mal jede Nacht telephoniert, ich höre ihre Stimme gerne, sie hat so etwas Vertrautes. Den Klang von Heimat und Jugend. Was ist die Jugend? Ein Traum. Was ist die Liebe? Der Inhalt eines Traumes. Hat Sören Kierkegaard gesagt, er hat viel zur Liebe gesagt, aber er ist mit seiner Liebe zu Regine Olsen nicht glücklich geworden. Mancher Philosoph ist durch Frauengeschichten aus seiner Bahn geworfen worden. Seltener ist es, das einer durch eine Frau überhaupt erst auf die Bahn gerät. Und dies nicht durch eine bedeutende Dame von Welt, sondern durch ein einfaches Bauernmädchen von ganzen fünfzehn Jahren. Eben dies widerfährt Sören Kierkegaard. Denn ohne Regine Olsen wäre er nicht geworden, was er geworden ist, und hätte er nicht geschrieben, was er geschrieben hat.

Wir telephonierten damals nachts, weil es bei der Post einen Nachttarif gab. Also in diesem damals, als es noch gelbe Telephonzellen gab, einen Postminister und Zinsen aufs Sparbuch. Wenn wir am selben Ort waren, brauchten wir nicht zu telephonieren. Dann konnten wir das andere tun, mindestens alle drei Tage. Irgendwann über die Jahre hörten wir auf, jede Nacht zu telephonieren; wir entglitten uns, tout doucement, sans faire de bruit. Es gab keine Nachttarife mehr und auch keinen Postminister. Man brauchte keine langen Telephonkabel mehr, es gab schnurlose Telephone. Doch bei allem technischen Fortschritt fehlte mir etwas. Ihre Stimme.

Es war noch nicht so schlimm wie in Dorothy Parkers Erzählung A Telephone Call, wo es heißt: Please, God, let him telephone me now. Dear God, let him call me now. I won't ask anything else of You, truly I won't. It isn't very much to ask. It would be so little to You, God, such a little, little thing. Only let him telephone now. Please, God. Please, please, please. Nein, so schlimm war es nicht, aber ich habe dieses Harmoniebedürfnis, das zurück möchte in den Traum der Jugend. Da bin ich wie Jay Gatsby in Fitzgeralds Roman, der Can't repeat the past? Why of course you can! sagt. Sie besitzen und Sie verlieren, das heißt, einen Augenblick Glück mit einer Ewigkeit Sehnsucht erkaufen. Das ist nicht Kierkegaard, das schreibt in Les Liaisons Dangereuses der Vicomte von Valmont an die Marquise von Merteuil. Der Verbalerotiker Kierkegaard wird das Buch gekannt haben, denn sein Buch Tagebuch des Verführers erscheint wie eine Variation zu Choderlos de Laclos.

Kierkegard hat uns zum Thema der Wiederholung auch etwas zu sagen: Wiederholung ist der entscheidende Ausdruck für das, was bei den Griechen ‚Erinnerung‘ war. So wie diese damals lehrten, dass alles Erkennen ein Erinnern ist, so will die neue Philosophie lehren, dass das ganze Leben eine Wiederholung ist. Das schreibt er in Die Wiederholung, einer kleinen Erzählung, die er als einen Versuch in der experimentierenden Psychologie bezeichnet. Sie ist nichts als die philosophische Aufarbeitung seiner Liebe zu Regine Olsen, die ihn verlassen und sich neu verlobt hat.

Die Liebe der Wiederholung ist in Wahrheit die einzig glückliche, sagt Kierkegaards Erzähler Constantin Constantinus. Sie kennt ebensowenig wie die Erinnerung die Unruhe der Hoffnung, nicht die beängstigende Abenteuerlichkeit der Entdeckung, aber auch nicht die Wehmut der Erinnerung, sie hat des Augenblicks selige Sicherheit. Die Hoffnung ist ein neues Kleid, steif und stramm und glänzend, man hat es jedoch niemals angehabt, und weiß darum nicht, wie es einen kleiden wird oder wie es sitzt. Die Erinnerung ist ein abgelegtes Kleid, welches, so schön es ist, nicht mehr paßt, da man aus ihm herausgewachsen ist. Die Wiederholung ist ein unverschleißbares Kleid welches fest und zart sich anschmiegt, weder drückt noch schlottert.... Die Wiederholung ist ein geliebtes Eheweib, dessen man niemals leid wird.

Die Ansichten von Kierkegaards romantischem Helden Constantin werden konterkariert durch den kommentierenden ironischen Sören Kierkegaard. Zwischen Kierkegaards Bruch mit Regine und der Niederschrift von Die Wiederholung liegen zwei Jahre. Zwischen unserem nächtlichen Telephonieren und den Telephongesprächen jetzt liegen fünfzig Jahre. Je t'aimais tant, tu étais si jolie, comment veux-tu que je t'oublie? Wir wissen, dass wir die Zeit nicht zurückdrehen können. Doch was immer das Hmmm damals bedeutete, wir telephonieren wieder. Nicht alle drei Tage. Aber immer nachts. Reden ist Silber, Schweigen ist Blei, niemand weiß das besser als der Autor von À la recherche du temps perdu. Das letzte Mal haben wir eine dreiviertel Stunde geredet, das Mal davor war es eine Stunde. War alles, alles wieder gut! Alles! Alles, Lieb und Leid. Und Welt und Traum! Es wäre an der Zeit, dass sie mal wieder anruft. Damit ich diese Stimme mit der leisen Ironie wieder hören kann. Sprich, damit ich dich sehe.

Sonntag, 5. Mai 2019

Frauen und Zigarren


Es ist unglaublich, wie viele Zitate es über Zigarren gibt. Die ja angeblich auf den nackten Schenkeln von kubanischen Jungfrauen gerollt werden. Fangen wir mal mit Sigmund Freud an, diese kleine Geschichte hier kennen wir alle: Die monotone Anwendung desselben Interpretations-Schemas erinnert mich an eine Geschichte, die mir ein Kollege von Sigmund Freud erzählte: auf einer Abendgesellschaft zündete sich Freud arglos eine Zigarre an. Alle Anwesenden starrten fasziniert auf diese nach Freuds Lehre mit einer eindeutig sexuellen Symbolik geladene Handlung. Freud bemerkte die allgemeine Aufmerksamkeit, die sein Tun erregte, und sagte milde lächelnd: 'Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre'. Wie es mit den schönen Geschichten so ist, die Anekdote ist leider nicht eindeutig belegt, und die Sache mit den nackten Schenkeln ist auch nur ein Mythos.

Frauen und Zigarren sind immer wieder zusammen erwähnt worden. Gebt mir die Wahl zwischen einer Frau und einer Zigarre und ich werde immer die Zigarre wählen, hat Marx gesagt. Nicht Karl, sondern Groucho. Und der Regisseur Samuel Fuller bemerkte: A woman is just a script, but a cigar is a motion picture. Ähnlich dichtet Rudyard Kipling in The BetrothedAnd a woman is only a woman, but a good cigar is a Smoke. Und wir sollten den Komiker George Burns nicht vergessen, der gesagt hat: Happiness? A good cigar, a good meal, a good cigar and a good woman - or a bad woman; it depends on how much happiness you can handle.

Karl Marx hat Kierkegaard nie gelesen. Kierkegaard seinerseits hat Marx nie gelesen. Das haben sie gemeinsam. Sie haben noch etwas gemein, sie rauchen beide gerne Zigarren. Das ,Kapital' wird mir nicht einmal so viel einbringen, als mich die Zigarren gekostet, die ich beim Schreiben geraucht, soll Karl Marx gesagt haben. Karl Marx raucht billige Zigarren, Kierkegaard raucht diese wirklich guten, teuren Zigarren, die gerade in Mode gekommen sind und Las tres Coronas und La Paloma heißen. Rätselhaft muß man nicht allein andern sein, sondern auch sich selbst. Ich studiere mich selbst; bin ich dessen müde, so rauche ich zum Zeitvertreib eine Zigarre und denke: Gott der Herr weiß, was er eigentlich mit mir gemeint hat, oder was er aus mir machen will. Kierkegaard schreibt häufig über die Liebe, das tut Karl Marx selten. Wahrscheinlich weil er billige Zigarren raucht.

Dem Zigarrenraucher Mark Twain verdanken wir eine Vielzahl von schönen Zitaten zum Thema Zigarren. Wie zum Beispiel: Zuerst schuf der liebe Gott den Mann, dann schuf er die Frau. Danach tat ihm der Mann leid, und er gab ihm den Tabak. Zigarren können den Namen von Frauen tragen wie die Maria Mancini, die Thomas Mann in den Zauberberg hineinschreibt. Da heißt es über den jungen Hans Castorp, dass er die bürgerliche Arbeit nicht liebe, weil sie dem ungetrübten Genuß von Maria Mancini etwas im Wege war. Thomas Mann bezog seine Zigarren von der Bremer Firma Hagedorn und Söhne, die Marke Maria Mancini ist übrigens wiederbelebt worden.

Man muss sie vorsichtig behandeln. Die Zigarren und die Frauen. Mark Twain soll einmal gesagt haben, dass es sich mit den Zigarren wie mit der Liebe verhalte, wer sie nicht pflege, dem geht sie aus. Ähnliches finden wir bei Churchill: Smoking Cigars is like falling in love. First, you are attracted by its shape; you stay for its flavor, and you must always remember never, never to let the flame go out! Und damit komme ich zu meinem letzten Zitat: Love: It is like a cigar. If it goes out, you can light it again but it never tastes quite the same.

Der letzte Satz stammt von einem englischen General, einem Mann, der sicherlich nicht der typische englische General ist. Er liest Bücher und kann hunderte von englischen Gedichten auswendig. Er wird während des Zweiten Weltkriegs eine Anthologie englischer Lyrik herausgeben: 'I have gathered a posie of other men's flowers and nothing but the thread that binds them is my own.' So wrote Montaigne; and I have borrowed his title, my memory being the binding thread. This is a purely personal anthology. I have read much poetry; and since I had once a very retentive memory for verse much has remained in my head. I have had less opportunity to read poetry during these late years of war. When I do so, I find that I read the old favourites rather than fresh poets or poems; so that with failing memory it is unlikely that I shall acquire much more by heart. It amused me lately to set down in a notebook--mainly with a view to discussion with my son, who shares my liking for poetry-- the poems I could repeat entire or in great part. I have now collected and arranged the poems I set down. I did it with no idea of publication, but my son and others have suggested that the collection might appeal to a wider circle.

Sie wissen natürlich schon, weil Sie den Post Fremde Federn gelesen haben, dass von dem Feldmarschall Archibald Percival Wavell (der am 5. Mai 1883 geboren wurde) die Rede ist. Einem Mann, der sich (obwohl glücklich verheiratet) gerne mit jüngeren Frauen umgab, die Gesellschaft von Künstlern schätzte und ein halbes Dutzend Sprachen sprach. Wavell fügte in seine Anthologie ein sehr persönliches Gedicht ein, das er als a little wayside dandelion of my own bezeichnete. Und da das ein sehr schönes Sonett ist, möchte ich Ihnen das nicht vorenthalten:

Dear Lady of the cherries, cool, serene,
Untroubled by the follies, strife and fears,
Clad in soft reds and blues and mantle green
Your memory has been with me all these years.

Long years of battle, bitterness and waste,
Dry years of sun and dust and eastern skies,
Hard years of ceaseless struggle, endless haste,
Fighting ‘gainst greed for power hate and lies.

Your red-gold hair, your slowly smiling face
For pride in your dear son, your king of kings,
Fruits of the kindly earth, and truth and grace,
Colour and light, and all warm lovely things –

For all that lovelieness, that warmth, that light,
Blessed Madonna, I go back to fight.


Winston Churchil wird Other men's flowers nicht gelesen haben, er konnte den zurückhaltenden Gentleman Wavell nicht ausstehen. Erstaunlicherweise wird Churchill den Nobelpreis für Literatur bekommen, doch wenn man das genauer untersucht, hat er immer Ghostwriter gehabt. Für sein großes Geschichtswerk war das unter anderem Alan Hodge, der zusammen mit Robert Graves den Klassiker The Long Week-End geschrieben hat. Die Gedichtsammlung von Lord Wavell ist heute immer noch lieferbar.

Wenn Ihnen nach noch mehr Nikotin ist, kann ich die Posts Zigarren, Blauer Dunst und Tabac Trennt empfehlen.