Freitag, 17. Juli 2026

Die oberen Zehntausend

Heute vor siebzig Jahren kam der Film High Society in die Kinos, hieß bei uns Die oberen Zehntausend. Den gab es am 17. Juli vor fünfzehn Jahren schon einmal hier im Blog. Ich stelle den Post leicht überarbeitet (mit neuen Links) noch einmal hier ein, da meine Leser im Augenblick sowieso nur noch ganz alte Posts lesen. Das ist eine erstaunliche Sache, das habe ich schon in dem Post aus heiterem Himmel gesagt. Im Augenblick ist der Post über den Bildhauer Karl Lemke aus dem Jahr 2014 die Nummer Eins der Top Ten. Hat 872 neue Leser an einem Tag. Vielleicht bekommt das dieser Post auch. Weil Grace Kelly darin vorkommt.

Hier bewegt sich Grace Kelly noch in der High Society Amerikas, wenig später ist die Fürstin eines Zwergstaates. Dessen High Society bestimmt so zweifelhaft ist wie die von Hollywood. Wenn man an all das Pack denkt, das da im Zuge der Fürstenhochzeit als beste Freunde der Grimaldis im Fernsehen gezeigt wurden, man glaubt es ja nicht. Aber dies hier muss High Society sein, denn der Film heißt so. Und wir merken uns mal: nur wo High Society drauf steht, ist auch High Society drin. Dabei ist der Film eigentlich eine Mogelpackung. Steht zwar High Society drauf, ist aber The Philadelphia Story drin.

Hollywood ist in den fünfziger Jahren in dire straits, wie der Engländer sagt. Der Siegeszug des Fernsehens bedroht die Traumfabrik in ihrer Existenz. Die neuen Waffen im Kampf gegen den Bildschirm heißen jetzt: Breitwandfilme, Blockbuster, Bibelverfilmungen, Ben Hur und so'n Zeuch. Alles letztlich der Triumph der Cecil B. DeMille Formel. Darf ich die schönen vier Verse noch einmal bringen?

Cecil B. DeMille
Rather against his will
Was persuaded to leave Moses
Out of the War of the Roses


Und dann haben wir da noch die filmische Bedrohung aus dem All oder die Monster aus der blauen Lagune. Wenn diese Filme im Kino floppen, kann man sie ans Fernsehen verkaufen, haben eh in der Produktion nichts gekostet. Die Imitatoren von Jack Arnold drehen da schon billige B-Pictures. Und wenn das alles nicht funktioniert, dann greift Hollywood in seiner Verzweiflung zu seiner letzten Waffe: Dem Re-Make. Re-Makes sind ja eigentlich ein Krankheitsymptom, das uns zeigt, dass es dem Patienten sehr, sehr schlecht geht. Finden Sie nicht auch, dass es viel zu viele Re-Makes in den letzten zehn Jahren in Hollywood gegeben hat? Und da wir schon einmal dabei sind: auch ein großer Teil dessen, was in den fünfziger Jahren in die deutschen Kinos kommt, ist nichts als ein Re-Make von Komödien aus den dreißiger und vierziger Jahren. Kohlhiesels Töchter waren nicht wirklich neu. War auch nur wegen Lilo Pulver zu ertragen.

Also, dieser schöne bunte Film High Society, heute vor 70 Jahren im Kino, ist für Hollywood eine Wunderwaffe: VistaVision und Technicolor! Und dann auch noch ein Musical! Und eine Komödie! Und ein Re-Make! Das muss ja gut gehen. Oder, um Hilaire Belloc zu zitieren: I shoot the Hippopotamus with bullets made of platinum/ 'cause if I use the leaden one his hide is sure to flatten 'em. Wenn es der Nation schlecht geht, geht sie ins Kino und guckt Komödien, in denen beliebte Filmschauspieler Frack und Abendkleider tragen und so tun, als ob sie zur High Society gehören. Und natürlich wahnsinnig witzig sind. Diese platte Formel funktioniert im Amerika der Great Depression genau so wie im Nazi-Deutschland.

Throughout most of the Depression, Americans went assiduously, devotedly, almost compulsively, to the movies. The movies offered a chance to escape the cold, the heat, and loneliness; they brought strangers together, rubbing elbows in the dark of movie palaces and fleapits, sharing in the one social event available to everyone, sagt Carlos Stevens in From the Crash to the Fair: The Public Theatre. Hollywood wird seinem Ruf als Traumfabrik gerecht. Gerade in der Great Depression läuft die Traumfabrik zur Höchstform auf und erfindet die romantische Filmkomödie (die eigentlich Ernst Lubitsch erfunden hatte) mit einem Schuss screwball comedy. Mit der screwball comedy, dem Geschlechterkampf in der High Society, hat Hollywood etwas Neues, auch wenn es vielleicht doch nur die durch den tough talk der dreißiger Jahre leicht variierte Lubitsch Formel ist. 

Aber seit It Happened one Night (1934) ist diese Form der Filmkomödie nicht mehr wegzudenken. Taucht auch gleichzeitig im Krimigenre auf: The Thin Man ist letztlich auch nur eine screwball comedy. Und zehn Jahre später ist mit ✺Arsen und Spitzenhäubchen schon alles wieder vorbei. Die Höhepunkte sind sicher ✺Bringing Up Baby und The Philadelphia Story. Und damit sind wir wieder bei den filthy rich, bei Katharine Hepburn, die jemanden namens Tracy Lord spielt. Tracy Lord, achten Sie auf diese Schreibweise! Bitte denken Sie jetzt nicht an Traci Lords, das ist eine Pornodarstellerin.

Das reale Vorbild für diese Tracy Lord hat es wirklich gegeben, es war eine Dame der feinen Gesellschaft namens Helen Hope Montgomery Scott (links), die von Philip Barry in ein Theaterstück hineingeschrieben wurde. Barry, der mit den Scotts befreundet war, schrieb die Rolle (zusammen mit Hepburn) von Tracy Lord als Paradestück für Katharine Hepburn. Es wurde einer ihrer größten Erfolge. Katharine Hepburn kam nicht aus Philadelphia, kam aber aus einer feinen Familie. Allerdings hatte sie nichts mit der etwas irrealen Welt von Helen Hope Montgomery Scott gemein. Grace Kelly, die später die Rolle von Katharine Hepburn spielen durfte (in der deutschen Version wurde sie von Tracy Lord auf Daisy Cord umgetauft), kam allerdings aus Philadelphia. Jedoch gehörte ihre Familie nicht unbedingt zur High Society.

Aber dann singt ihr Bing Crosby ✺True Love vor, und sie kehrt vor dem Traualtar zu ihrer alten Liebe zurück und heiratet doch nicht Frank Sinatra, Jimmy Stewart oder Louis Armstrong sondern Bing Crosby. Oder Louis Henri Maxence Bertrand Rainier Grimaldi. Oder verwechsle ich da was? Es kommt ja darauf an, dass am Schluss geheiratet wird. Es heiraten noch andere, nämlich das Reporterpärchen Mike Connor und Liz Imbrie vom Spy Magazin

Die Repräsentanten der kleinen ehrlichen Leute, die mit den filthy rich nix zu tun haben. Die, wie James Stewart davon träumen, eines Tages nicht mehr diese journalistische Drecksarbeit machen zu müssen, sondern ihren großen Roman zu schreiben: I'm not gonna do it, Liz. I'm gonna tell Sidney Kidd very plainly and simply I'm a writer. I'm not a society snoop. I'm gonna tell him just that... Let Kidd fire me! Start writin' short stories again - that's what I should be doin' anyway. I'm gonna tell him just that. Alle Reporter träumen in Hollywoods Produktionen den Traum des écrivain manqué. Und Mike Connor (der nicht aus Zufall einen irischen Namen trägt) darf sogar für einen Augenblick die Braut im Arm halten. Das Publikum darf nur gucken, nicht anfassen.

Wenn die ganze Story der Philadelphia Story während einer Zeit der großen gesellschaftlichen Gegensätze als amüsanter Einblick in die Irrungen und Wirrungen der High Society durchgehen mag, funktioniert der Film von 1956 überhaupt nicht, flimsy as a gossip-columnist's word schrieb die The New York Times. Und Halliwell's Film Guide (der dem Film keinen Stern gibt, seinem Vorgänger aber die Höchstnote von vier Sternen) bemerkte: Cold, flat, dull musical reworking, with ill-cast performers and just a few bright moments. Dass der Film überhaupt funktioniert, liegt nur an der ✺Musik von Cole Porter. It suffers from stilted Vista Vision staging and a lack of gloss -- but has some sparkling Cole Porter musical numbers, sagte die Chicago Tribune über den Film.

Am Ende von The Philadelphia Story ist aus der oberflächlichen Society Tussi ein richtiger Mensch geworden:

Tracy: (To her father) How do I look?
Mr. Lord: Like a queen - like a goddess.
Tracy: And do you know how I feel?
Mr. Lord: How?
Tracy: Like a human. Like a human being.
Mr. Lord: Do you know how I feel?
Tracy: How?
Mr. Lord: Proud.

Ja, so sollen Märchen enden, the prettiest sights in this pretty world is the privileged classes enjoying their privileges. Der Engländer Cary Grant, der zu dieser Zeit der erste Schauspieler ist, der sich an kein Studio mehr bindet, und der für The Philadelphia Story die Höchstgage herausgehandelt hatte, wird seine ganze Gage dem englischen war effort spenden. James Stewart wird zur Luftwaffe gehen, alle anderen haben noch nicht gemerkt, dass Krieg ist. In der screwball comedy gibt es so etwas nicht. Im Jahre 1940 gibt es noch einen zweiten Film, der in Philadelphia spielt. In dem die High Society von Philadelphia nicht so gut wegkommt. Er heißt ✺Kitty Foyle, und die Hauptdarstellerin Ginger Rogers wird den Oscar bekommen, den Katharine Hepburn alias Tracy Lord so gerne bekommen hätte.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Rembrandt Harmenszoon van Rijn

Bei uns im Treppenhaus hingen drei Rembrandts. Natürlich keine echten. Meine Mutter hatte die Radierungen vor dem Krieg in Dresden gekauft, und der Händler hatte ihr erzählt, sie solle gut darauf aufpassen, die seien sehr wertvoll. Das hat sie immer geglaubt. Sie sind natürlich genau so wertvoll wie jeder andere Kunstdruck. Unsere Drucke sind ein Selbstbildnis, sowie ein Stich, der gemeinhin als Faust bekannt ist, und die →Landschaft mit drei Bäumen. Die Landschaft ist für mich das einzig Interessante, wegen der wild bewegten Wolken. Sonst gibt es auf Rembrandts Zeichnungen und Radierungen kaum Wolken (er malt auch eh kaum →Landschaften). Der wilde Himmel passt eigentlich nicht zu den Bäumen, die ganz ruhig dastehen. Und auch nicht zu der kleinen Figurengruppe, die keinerlei Anstalten macht, vor Sturm und Regen Schutz zu suchen. Seltsam, geheimnisvoll. Aber ich tröste mich da immer mit Robert Walsers  Sätzen Man muß nicht hinter alle Geheimnisse kommen wollen. Das habe ich mein ganzes Leben so gehalten. Ist es nicht schön, dass in unserem Dasein so manches fremd und seltsam bleibt, wie hinter Efeumauern? Das gibt ihm einen unsäglichen Reiz, der immer mehr verloren geht

Mit Rembrandts Radierungen kenne ich mich aus. Ich habe sie alle in der Hand gehabt. Na ja, nicht alle, aber mehr als zweihundert. Weil ich ein Volontariat in der Kunsthalle Bremen gemacht habe und da die Aufgabe hatte, alle vorhandenen Radierungen mit den detaillierten Angaben des Katalogs zu vergleichen. Mit weißen Baumwollhandschuhen, ohne die ging im →Kupferstichkabinett nichts. Alles hier unten war echt, was man über die Rembrandts oben in der Kunsthalle nicht sagen konnte. Dazu steht mehr in dem Post die Bremer Rembrandts. Auch wenn die Landschaft mit den drei Bäumen, die meine Mutter gekauft hatte, nur eine billige Kopie ist, sie hängt jetzt schön gerahmt bei mir im Flur und ist immer eine Augenweide.

Der Maler →Rembrandt Harmensz. van Rijn wurde heute vor vierhundertzwanzig Jahren geboren, das soll uns einen kleinen Post wert sein. In dem ich darauf hinweisen kann, dass es gerade in Kassel eine ganz besondere Ausstellung mit dem Titel Rembrandt 1632 – Entstehung einer Marke gibt. Die haben da viele Rembrandts in Kassel. Im Inventarbuch von 1749 waren es noch 34 Rembrandts, zur Zeit von König Lustik sind welche abhanden gekommen. Heute hat man noch vierundzwanzig, von denen die Hälfte als echt gilt. Die Führung, an der ich vor über sechzig Jahren teilnahm, ließ die Rembrandts aus, präsentierte stattdessen einen Tischbein nach dem anderen. Bis ich zum Entsetzen meines Klassenlehrers den Museumsführer auf der Wilhelmshöhe unterbrach und laut fragte: Wann hört das hier endlich mal mit den Tischbeins auf? Hier gibt es doch Rembrandts! 

Als ich mich vor Jahrzehnten bei Professor Wolfgang J. Müller  für die mündliche Doktorprüfung anmeldete, bot ich ihm als eins der Themen den ganzen Rembrandt an. Ich hatte seine Rembrandt Vorlesung gehört und in den Semesterferien sorgfältig nachgearbeitet. Die Mitschrift habe ich immer noch. Hatte auch in Holland schon viele Rembrandts gesehen. Er sagte mir, dass ich mit der ganzen altniederländischen Malerei und dem ganzen Dürer schon zwei sehr große Themengebiete hätte, er würde mir gerne ein kleineres Thema gönnen, das nicht so arbeitsintensiv sei. Also einigten wir uns auf die englischen Präraffaeliten. Heute kommt mir das ein klein wenig größenwahnsinnig vor, den ganzen Rembrandt als Prüfungsthema anzubieten. Aber wenn man jung ist, glaubt man, dass man alles mit aweck machen kann. 

Das stand hier schon so ähnlich im Jahre 2011 in dem Post Rembrandt. Und der Maler, den wir immer nur unter seinem Vornamen kennen, tauchte hier immer wieder auf. So in den Posts Rembrandt, once again, Anatomie, Anatomiestunde, Peter Paul Rubens, Govaert Flinck, Hintergrund, Zeitlos und Nachtkasper. Rembrandt stieg nach seinem abgebrochenen Studium an der Universiteit Leiden in der Kunstwelt schnell auf. Er gibt sein Atelier in seiner Geburtsstadt Leiden auf und zieht nach Amsterdam. Hat jetzt eine eigene Werkstatt, wo andere ihm zuarbeiten. Hat Schüler, die genau so malen wie er. Unsere Ideen vom Originalgenie, das der Sturm und Drang aufbrachte, funktionieren bei Rembrandt nicht mehr so ganz. 

Als das Buch Rembrandt als Unternehmer: Sein Atelier und der Markt von Svetlana Alpers erschien, waren viele Kunstfreunde etwas verstört. Der amerikanische Kunstkritiker Hilton Kramer betitelte seine Rezension des Buches mit Rembrandt as Warhol. Die Wörter Unternehmer, Atelier und Markt waren nicht das erste, was einem zu Rembrandt einfiel. Vor hundert Jahren war das Werk von Rembrandt überwältigend groß, es ist heute überschaubarer geworden. Viele Rembrandts haben inzwischen einen anderen Namen bekommen, weil man sie als Arbeiten von Schülern und Kollegen identifiziert hat. Man kennt rund fünfzig seiner Schüler dank des Lebenswerks von Werner Sumowski. Leider kann man die sechs Bände der Gemälde der Rembrandt-Schüler antiquarisch nicht unter tausend Euro bekommen. Ich habe hier für Sie noch eine →Liste der echten Gemälde. Und wenn Sie noch mehr wissen wollen, dann sollten Sie die Adressen →Rembrandt Research Project und →The Rembrandt Database aufsuchen.

So erfolgreich Rembrandt ist, er wird als Unternehmer scheitern, Andy Warhol nicht. Es soll auch sein verschwenderischer Lebensstil gewesen sein, der seinen Untergang beförderte. Und sein Malstil ist aus der Mode gekommen, sein Schüler Gerrit Dou verdient mit seinen kleinen Bildern viel mehr als er. Am 26. Juli 1656 muss Rembrandt in Amsterdam offiziell Konkurs anmelden. Seine umfangreiche Kunst- und Raritätensammlung wandert in die Zwangsversteigerung, bringt aber in zwei Jahren nicht das Geld, um die Schulden zu begleichen. Sein großes Haus in der besten Lage, das ihn 13.000 Gulden gekostet hat, muss er 1658 aufgeben, weil er die Hypotheken immer noch nicht abbezahlt hat, das Haus ist heute ein Museum

Wir wissen beinahe alles über seine Bilder, aber nicht annähernd so viel über sein Leben. Dennoch gibt es gute Biographien. Empfehlen würde ich von Gary Schwartz Das Rembrandt Buch: Leben und Werk eines Genies. Christian Tümpels Rembrandt: Mythos und Methode (Taschenbuch bei Rowohlt) habe ich schon in dem Post Rembrandt, once again gelobt. Nils Büttners bei Reclam erschienenes Buch Rembrandt. Licht und Schatten: Eine Biographie kann man auch lesen, aber auf meiner persönlichen Liste bleiben Gray Schwartz und Christian Tümpel vorn.

Und dann ist da noch Simon Schamas Rembrandt's Eyes. Aber so brillant Schama als Kulturhistoriker ist, er ist nun mal kein professioneller Kunsthistoriker wie Gary Schwartz oder Christian Tümpel. Und man merkt das leider bei seinen Büchern in kleinen Details, er schreibt zu viel und zu schnell. Früher hätte es für ein Gelehrtenleben ausgereicht, wenn man ein Buch wie Landscape and Memory (meiner Meinung nach sein bestes Buch) geschrieben hätte. Aber Simon Schama gibt sich damit nicht zufrieden. Je mehr ich von ihm lese, desto häufiger entdecke ich bei ihm kleinen Fehler und kleine Flusigkeiten, das ist sehr witzig. Das alles soll Rembrandt's Eyes nicht abwerten, aber in vielen Dingen ist der Leser bei einem Kunsthistoriker wie Gary Schwartz oder Christian Tümpel besser aufgehoben.

Nach seinem Tod war der Maler Caspar David Friedrich schnell vergessen, aber Rembrandt, der das Haus in der Jodenbreestraat verlassen musste und im Armenviertel weitermalte, der wurde nie vergessen. Von Zeit zu Zeit versammeln sich Holländer wie auf diesem Photo, um in einem tableau vivant ein Gemälde (hier die Nachtwache) nachzustellen. Natürlich darf der Hund nicht fehlen. Selbst in meiner Heimatstadt Bremen hat man vor zwanzig Jahren die Nachtwache nachgestellt. Auch mit Hund. Ein Rembrandt Musical hat es auch schon gegeben.

Im Museumsshop von Den Haag kann man eine Vielzahl von Rembrandt Paraphernalia kaufen. Aber muss man Manschettenknöpfe mit dem Selbstportrait des Malers wirklich haben? Man kann heute alle Gemälde Rembrandts als Kunstdruck kaufen, bei ebay gibt es 2.400 Stück davon. Dieser ganze Rummel hat schon früher eingesetzt. Dem berühmten holländischen Karikaturisten Albert Hahn war der Rummel zur Dreihundertjahrfeier von Rembrandts Geburtstag im Jahre 1906 zu viel. Und er dichtete zu diesem Cartoon:

Met de laatste Rembrandtspeech
klim ik op m’n Rembrandtfiets;
Ontsteek aan m’n Rembrandtlantaren
Eén van m’n Rembrandtsigaren;
Rembrandtpet op Rembrandtlokken,
aan m’n kuiten Rembrandtsokken.

Rembrandt Fahrräder gibt es immer noch, Rembrandt Zigarren auch. Eine echte Rembrandt Radierung kostet schon richtiges Geld. Da gebe ich mich mit meinem kleinen Kunstdruck der Landschaft mit drei Bäumen zufrieden.

Sonntag, 12. Juli 2026

Captain James Cook


Heute vor 250 Jahren hat der gerade zum Post Captain beförderte James Cook mit seinem Schiff Resolution den Hafen von Plymouth für seine dritte und letzte →Pazifikreise verlassen. Mit der Endeavour war er 1768-1771 einmal um die Welt gesegelt, die Resolution war schon auf der zweiten Reise sein Schiff gewesen. Cook mochte das Schiff, das ursprünglich als Kohlefrachter gebaut worden war (und deshalb im Englischen als collier bezeichnet wird). The ship of my choice und the fittest for service of any I have seen, hat Cook über das Schiff gesagt. Vor der Reise hat er auf der Resolution noch ein großes Festessen gegeben. Dank der erhaltenen →Unterlagen wissen wir, was damals auf den Tisch kam. Dies Bild zeigt die Resolution (in der Bildmitte links) in Tahiti, gemalt von William Hodges, der Cook auf seiner zweiten Reise begleitete. Über den Maler steht schon einiges in dem Post Eterna KonTiki.

Das loomings in der Adresse dieses Blogs ist der Titel des ersten Kapitels von Herman Melvilles Moby-Dick, und Herman Melville, der wie Cook in der Südsee war, war von Beginn an in diesem Blog. Als ich noch an der Uni war, habe ich natürlich Seminare über Herman Melville gemacht, über Moby-Dick und Benito Cereno. Und dann hatte ich die Idee, ausgehend von den Südseeerfahrungen von Herman Melville, ein Seminar über die Südsee in der amerikanischen Literatur zu machen. 

Ich las nicht nur Melvilles →Typee und →Omoo und alles, was er über die Südsee geschrieben hatte; ich las alles, was ich in die Hände bekam. Ich war die ganzen Semesterferien mit dem Lesen beschäftigt, aber für die Uni konnte ich das alles leider nicht gebrauchen. Ich musste die Veranstaltungen eines erkrankten Kollegen übernehmen, mein Seminar fiel aus. Ich betrachtete das nicht als Verlust, ich hatte viel gelernt. Und Lesen ist nie ein Verlust. Und meine Bibliothek hatte sich um einen knappen Meter vergrößert. Der hervorragende Schweizer Katalog James Cook und die Entdeckung der Südsee, den man heute für kleines Geld antiquarisch findet, gehörte auch zu meinem Lesestoff. Das stand hier alles schon in dem Post tüddelig im Kopf.

Der Steuermann der Resolution heißt William Bligh. Der wird als Kapitän der Bounty und als Gouverneur von New South Wales noch berühmt werden. Er ist hier schon in den Posts Bounty, Larcum Kendalls K2, Dichterin gesucht und Rum. Ein Matrose des Schiffes, der Deutsche Heinrich Zimmermann, wird auch noch berühmt. Weil er nach der Reise das Buch Heinrich Zimmermanns von Wißloch in der Pfalz, Reise um die Welt, mit Capitain Cook veröffentlichen wird. Auf der Seite der →Captain Cook Society erfahren Sie mehr über ihn als in dem Wikipedia Artikel. Zimmermann war natürlich auch schon hier in diesem Blog, Sie finden ihn in den Posts Marinechronometer und Georg Forster.

Und dann ist da noch dieser Mann (hier von Joshua Reynolds gemalt) an Bord. Kapitän Tobias Furneaux, der Cook auf seiner zweiten Reise begleitete, hatte den Polynesier Omai nach England gebracht, wo er als eine Art Vorzeige Polynesier in der englischen Society berühmt wurde. Er findet sich hier schon in den Posts Haiti und Diätetik. Kapitän Cook bringt ihn wieder in seine Heimat zurück und lässt seine Besatzung für Omai auf der Insel Huahine ein Haus im europäischen Stil bauen. Als Kapitän Bligh 1780 die Insel besucht, muss er erfahren, dass Omai schon tot ist. Wir wissen nicht, ob dieser edle Wilde, diese Verkörperung natürlicher Unschuld und aristokratischer Vornehmheit, in seiner Heimat glücklich geworden ist.

Mit der Endeavour (das hier auf dem Photo ist ein Nachbau von 1994), die wie die Resolution ein Kohlefrachter gewesen war, war Captain Cook weltberühmt geworden. Es gibt in diesem Blog schon einen Post namens Endeavour. Aber der Post handelt nicht von dem collier von Cook, das ist ein Post über den Chief Inspector Morse. Der  in diesem Blog immer wieder auftaucht. Zum Beispiel in den Posts  Inspector Lewis und Englische Krimiserien, die beide weit über fünftausend Leser haben. Leider hat der Post Inspector Morse und die Frauen sehr wenige Leser gefunden.

In Death Is Now My Neighbour, in dem diese schöne Frau ums Leben kommt, muss Morse zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gestehen, dass sein Vorname Endeavour ist. Weil sein Vater Captain Cook verehrte. Morses Assistent, Sergeant Robbie Lewis, kommentiert das mit You poor sod. Dass sein Vater von James Cook besessen war, erfahren wir in mehreren Folgen der Morse Saga. So auch in dieser →Folge, wenn Morse den Anthropologen Dr Julian Storrs vernimmt. Der sofort gesteht, dass er mit dem Mordopfer (nicht die Holley Chant auf diesem Photo) ein Verhältnis hatte. Storrs bewirbt sich gerade als Master seines Colleges, er macht sich aber keine Gedanken, dass diese Affäre seinem Ruf schaden könnte: The only way you can get rid of a Master here is for moral turpitude, and if that meant fornication, we'd be lucky to keep one in five hundred years

Chief Inspector Morse hat natürlich längst gesehen, dass der Anthropologe ein Bild von William Hodges an der Wand hängen hat, das Captain Cooks →Landung in Tahiti zeigt. Auf die Pazifikaufenthalte des Anthropologen und das Wort fornication anspielend, sagt Morse: I understand they take rather that liberal view in the Pacific. Und der Anthropologe antwortet: What? Oh, yes. They did till the wretched missionaries got there.

Der Professor (gespielt von John Shrapnel) will dann noch etwas sagen, sieht aber, dass Morse gerade ein Portrait von Captain Cook vom Regal genommen hat und sagt: My father was obsessed with Captain Cook. 'Captain James Cook, 1728-1779,' he always called him. He said he was the greatest explorer that ever lived. Was Dr Storrs mit dem Satz You couldn't say that today. The modern view is that Western explorers brought guns, disease and Christianity, each equally destructive to an idyllic way of life kommentiert. Und er fügt noch ein Idyllic? mit einem Fragezeichen hinzu.

Da haben wir es in zwei Sätzen in einer Krimiserie: die Größe des Entdeckers und disease and Christianity, each equally destructive. Erst kommt die Entdeckung, dann die Kolonisation. Eine Dokumentation von The People Profiles hat den Titel The Tragic Cost of Mapping the World. Der neuseeländische Historiker  John Beaglehole, der die Logbücher Cookes edierte und die maßgebliche James Cook Biographie schrieb, hat über den Entdecker gesagt: Die größte Lobrede auf Cook ist die Seekarte des Pazifik. Während Cook (hier von John Webber gemalt, der ihn auf der letzten Reise begleitete) noch im Pazifik herumsegelt, wird er schon in Deutschland berühmt. Weil Christoph Martin Wieland als Herausgeber des →Teutschen Merkur 1778 beginnt, Teile von Georg Forsters Reisebericht zu veröffentlichen. Einen Schnipsel davon gab es hier schon in dem Post Antarktis. Weshalb ich hier noch nie über Captain Cook geschrieben habe, weiß ich nicht, aber das kommt vielleicht noch einmal, ist im Jahr 2013 der letzte Satz in dem Post Georg Forster. Na ja, manchmal bin ich eben 'n büschn langsam.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Geburtstagsgruß für eine Jugendliebe


Als ich Wiederholungen geschrieben hatte, sagte mir ein Freund, dass ich mich sehr weit vorgewagt hätte mit der Offenlegung von Gefühlen. Aber tue ich das nicht immer, wenn ich über Frauen schreibe? Wir waren ja so verklemmt damals, wir konnten uns unsere wahren Gefühle nicht so einfach mitteilen, sagte mir meine Jugendfreundin Ute letztens am Telephon. Jetzt im Alter können wir alles sagen. Und dann fügte sie hinzu: Du warst immer in meine kleine Schwester verliebt. Ich war baff. Wie kam sie darauf? Nein, ich war nicht wirklich in ihre kleine Schwester verliebt, aber ich fand sie sehr sexy. Eine kleine Brigitte Bardot mit roten Haaren und Stupsnase, die die ganze Schule bewunderte. 

Wir redeten damals viel, aber wir fanden nicht die richtigen Worte. Es ist nicht leicht, das Zauberwort zu finden, so dass die Welt zu singen anhebt. Ich redete damals sehr viel, aber ich wusste nicht, was ich wollte. Da war ich wie Jean-Louis Trintignant in dem Film Ma Nuit chez Maud, zu dem Françoise Fabian sagt: J 'aime bien les gens qui savent ce qu'ils veulent. Liebe war etwas Neues, auf das wir nicht vorbereitet waren. Wenn wir uns auch nicht alles im Gespräch sagen konnten, hatten wir doch eine Form der Kommunikation der Gefühle. Wir schrieben uns Briefe. Heute schreibe ich das alles ins Netz, auch diesen Geburtstagsgruß für die Ute, die zwischen den Zeilen immer in diesem Blog war. Die manchmal auch in den Geschichten von der schönen Buchhändlerin auftaucht. Der Schluss von Chorprobe ist eine wahre Geschichte aus ihrem Leben.

Als ich in dem Telephongespräch die Ingrid erwähnte, sagte Ute: Kam die vor mir oder nach mir? Das fand ich nun sehr witzig, Frauen zählen offenbar mit. Im Gegensatz zu der Kleinstadtprinzessin Ingrid hat Ute mir letztens ein neues Photo geschickt. Irgendwo am Strand, Nordsee oder Ostsee. Sie und ihre drei Schwestern. Kriegsjahrgänge 1939-1944 stand dabei. Ihre roten Haare waren dem Grau gewichen. Aber sie war schön wie immer. Die Stents am Herzen und die kaputte Wirbelsäule, die sieht man nicht. Sie wirkt zehn Jahre jünger als sie ist, forever young

Als es mit unserer Jugendliebe zu Ende ging, schickte sie mir aus Thiais bei Paris, wo sie als au pair arbeitete, einen kleinen Zettel auf dem stand: Die Liebe bricht in einem Herzen nur zerbrechliche Dinge; und bricht sie alles darin, so war alles darin zerbrechlich. Den Zettel habe ich immer noch. Den Lieblingsteddy ihrer Kindheit, den sie mir schenkte, habe ich auch noch. Wir sind Freunde geblieben, ein Leben lang. Konnten uns unsere wahren Gefühle mitteilen, weil wir nicht mehr so verklemmt waren wie damals. L'âge ne vous protège pas des dangers de l'amour. Mais l'amour, dans une certaine mesure, vous protège des dangers de l'âge, hat Jeanne Moreau gesagt. Utes Geburtstag im Juli vergesse ich nie, und deshalb habe ich heute neben diesem etwas unkonventionellen Happy Birthday Gruß auch noch ein schönes kleines Gedicht von Walter Helmut Fritz für sie:

Nein, ich vergesse es nicht,
man muß eine Geschichte erleben,
ehe man sie erfindet.
Was wirst du tragen?
Einen weißen Rock,
eine schwarze Bluse.
Der Tag ist neu,
als habe es noch keinen gegeben
Die Zeit beginnt jetzt.
Ich werde auf dich zurennen.
Der Morgenwind ist in Eile,
die Gewässer sind unterwegs.

Samstag, 4. Juli 2026

4. juli 1776/2026


Für die Feiern der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1976 hatten alle deutschen Bundesländer vereinbart, dass es in jedem Bundesland mindestens eine Ausstellung geben sollte, die die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland betonen sollte. So gab es im Kunstmuseum Düsseldorf zum Beispiel die wunderbare Ausstellung The Hudson and the Rhine: Die amerikanische Malerkolonie in Düsseldorf im 19. Jahrhundert. Und wir wissen ja, dass das ikonische Gemälde Washington Crossing the Delaware in Düsseldorf gemalt wurde. Ich hatte damals einen kleinen Anteil an den Feierlichkeiten, weil ich unter anderem für den Ministerpräsidenten Stoltenberg die Eröffnungsrede für die Schleswiger Moby-Dick Ausstellung schrieb.

Was man in Deutschland und England vor fünfzig Jahren auf die Beine stellen konnte, das konnte man in Amerika nicht. Da waren dies Colgate →Malbuch, das Sonderheft von →Superman salutes the Bicentennial und das Cover des Playboy, die ungefähr das →Niveau der amerikanischen Feiern zeigten, schon echte Höhepunkte. Und im Amerika des Donald Trump wird die Kultur und die amerikanische Kulturgeschichte wohl überhaupt keine Rolle spielen. Zumal Trump jetzt entscheidet, was Kultur ist und was nicht. Das Smithsonian kann nicht mehr zeigen, was es will. Und die National Portrait Gallery in Washington hat die Hinweise auf die beiden Amtsenthebungsverfahren aus der Infotafel des Porträts von Donald Trump entfernen lassen müssen.

Es gab 1976 in den USA keine Ausstellung, die mit der Düsseldorfer Ausstellung The Hudson and the Rhine hätte konkurrieren können. Amerikas Museen, die die Arbeit an den deutschen Ausstellungen wegen tausenderlei Anfragen zu spüren bekamen, hätten den Deutschen jetzt alles ausgeliehen. Unbürokratisch und unkonventionell. Weil sie gemerkt hatten, dass die eigene Nation, die sich eigentlich selbst feiern sollte, überhaupt kein Konzept für gute Ausstellungen hatte. Auch wenn es damals keinen Computer und keine Mobiltelephone gab, hatten wir bei der Vorbereitung unsrer Ausstellung einen vorzüglichen Draht in die USA. Wir gaben am Vormittag unsere getippten Wünsche in der Kieler Staatskanzlei ab, am Nachmittag waren die schon bei einem Stab in Washington, der sie an amerikanische Museen weitergab. Wir hätten aus Boston John Singleton Copleys Bild Watson and the Shark bekommen können, das ich für einen Aufsatz im Katalog gern gehabt hätte. Aber da hatte ich Angst, dass dieser Schatz auf dem Transport verloren gehen könnte und begnügte mich mit der hervorragenden klischierfähigen Photographie, die das Museum of Fine Art uns schickte.

Der Kriegsgegner von 1776 brachte damals mehr zustande, nämlich die großartige Londoner Ausstellung 1776: The British Story of the American Revolution. Es gab in Amerika viel Remmidemmi und Events, doch das war alles mehr patriotisches Disneyland als eine seriöse Aufarbeitung der Geschichte. George Washington wurde nachträglich zum Sechs Sterne General ernannt, das musste sein. Ein führender amerikanischer Museumsdirektor hat Jahrzehnte später gesagt, dass die deutschen Ausstellungen zur Zweihunderjahrfeier bei den amerikanischen Museen einen Prozess des Umdenken bewirkt haben. Eines der originellsten Produkte aus Amerika war da noch das Time Magazine vom 4. Juli 1976 mit seiner Special Bicentennial Ausgabe to reconstruct with the tools of both history and journalism, and in our [Time’s] distinctive newsmagazine format, at least part of the life and soul of the events that gave birth to our nation.

Amerika hat sich verändert, es ist vor allem in diesen letzten Jahren unter Donald Trump ein ganz anderes Amerika geworden. Ein Photo von John F. Kennedy in Philadelphia, das ein Freund am 4. Juli 1962 in Philadelphia mit seiner Voigtländer Vitomatic machte, ist heute schon Nostalgie. Heute sind Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus das, was ein amerikanischer Präsident braucht. Nicht eine langsame Fahrt im Cabrio durch die Stadt, in der die Declaration of Independence unterschrieben wurde. Die Kloppereien in Trumps eigenem Kolosseum liefen wie das Regierungsprogramm unter dem Namen Freedom 250

Gestern war Trump am Mount Rushmore. Es gab ein Feuerwerk und Kampfjets am Himmel, während er davon träumte, dass sein Abbild neben den anderen Präsidenten in Granit gemeißelt wäre. Heute ist Trump in Washington, und er wird eine ganz lange Grundsatzrede halten, die jeder hören sollte: On July 4th, it’s going to be approximately 107 degrees out, and I’m gonna make a really long speech just to show that I can do anything. In Gettysburg hielt Edward Everett (mit Pinkelpausen) eine zweistündige Rede. Niemand erinnert sich an die. Lincoln hielt eine zweiminütige Rede, die ist immer noch Teil der amerikanischen Geschichte. 

Ist es schon Teil seiner Krankheit, wenn Trump glaubt I can do anything? Psychologen versichern uns, dass der narzißtische Trump inzwischen seine eigenen Lügen glaubt. Auf ihn gilt schon der Satz, den der berühmte Clifford Geertz einmal über kulturelle Systeme sagte: Cultural systems must have a minimal degree of coherence, else we would not call them systems; and, by observation, they normally have a great deal more. Und dann fügte er noch hinzu: But there is nothing so coherent as a paranoid’s delusion or a swindler’s story.

Heute werden in Washington nicht 250 Jahre amerikanischer Geschichte gefeiert, heute feiert sich Trump selbst. Weil er ja weitaus größere Menschenmengen als Elvis anzieht. Hat er gesagt. Auf dem Veranstaltungsplan der US Botschaft in Berlin ist heute der wichtigste Punkt eine Feier im Elvis Museum in Kircheib. Und da wir damit wieder in der Popular Culture angekommen sind, lassen wir wir mal Trumps Freedom 250 beiseite. Lassen Janis Joplin Freedom's just another word for nothing left to lose singen und Jimi Hendrix die Nationalhymne (die Trump immer noch nicht beherrscht) spielen. Und Allen Ginsberg sein Gedicht ✺America vortragen:

America I've given you all and now I'm nothing.
America two dollars and twenty-seven cents January 17, 1956.
I can't stand my own mind.
America when will we end the human war?
Go fuck yourself with your atom bomb
I don't feel good don't bother me.
I won't write my poem till I'm in my right mind.
America when will you be angelic?
When will you take off your clothes?
When will you look at yourself through the grave?
When will you be worthy of your million Trotskyites?
America why are your libraries full of tears?
America when will you send your eggs to India?
I'm sick of your insane demands.
When can I go into the supermarket and buy what I need with my good looks?
America after all it is you and I who are perfect not the next world.
Your machinery is too much for me.
You made me want to be a saint.
There must be some other way to settle this argument.
Burroughs is in Tangiers I don't think he'll come back it's sinister.
Are you being sinister or is this some form of practical joke?
I'm trying to come to the point.
I refuse to give up my obsession.
America stop pushing I know what I'm doing.
America the plum blossoms are falling.
I haven't read the newspapers for months, everyday somebody goes on trial for
murder.
America I feel sentimental about the Wobblies.
America I used to be a communist when I was a kid and I'm not sorry.
I smoke marijuana every chance I get.
I sit in my house for days on end and stare at the roses in the closet.
When I go to Chinatown I get drunk and never get laid.
My mind is made up there's going to be trouble.
You should have seen me reading Marx.
My psychoanalyst thinks I'm perfectly right.
I won't say the Lord's Prayer.
I have mystical visions and cosmic vibrations.
America I still haven't told you what you did to Uncle Max after he came over
from Russia.

I'm addressing you.
Are you going to let our emotional life be run by Time Magazine?
I'm obsessed by Time Magazine.
I read it every week.
Its cover stares at me every time I slink past the corner candystore.
I read it in the basement of the Berkeley Public Library.
It's always telling me about responsibility. Businessmen are serious. Movie
producers are serious. Everybody's serious but me.
It occurs to me that I am America.
I am talking to myself again.

Asia is rising against me.
I haven't got a chinaman's chance.
I'd better consider my national resources.
My national resources consist of two joints of marijuana millions of genitals
an unpublishable private literature that goes 1400 miles and hour and
twentyfivethousand mental institutions.
I say nothing about my prisons nor the millions of underpriviliged who live in
my flowerpots under the light of five hundred suns.
I have abolished the whorehouses of France, Tangiers is the next to go.
My ambition is to be President despite the fact that I'm a Catholic.

America how can I write a holy litany in your silly mood?
I will continue like Henry Ford my strophes are as individual as his
automobiles more so they're all different sexes
America I will sell you strophes $2500 apiece $500 down on your old strophe
America free Tom Mooney
America save the Spanish Loyalists
America Sacco & Vanzetti must not die
America I am the Scottsboro boys.
America when I was seven momma took me to Communist Cell meetings they
sold us garbanzos a handful per ticket a ticket costs a nickel and the
speeches were free everybody was angelic and sentimental about the
workers it was all so sincere you have no idea what a good thing the party
was in 1835 Scott Nearing was a grand old man a real mensch Mother
Bloor made me cry I once saw Israel Amter plain. Everybody must have
been a spy.
America you don're really want to go to war.
America it's them bad Russians.
Them Russians them Russians and them Chinamen. And them Russians.
The Russia wants to eat us alive. The Russia's power mad. She wants to take
our cars from out our garages.
Her wants to grab Chicago. Her needs a Red Reader's Digest. her wants our
auto plants in Siberia. Him big bureaucracy running our fillingstations.
That no good. Ugh. Him makes Indians learn read. Him need big black niggers.
Hah. Her make us all work sixteen hours a day. Help.
America this is quite serious.
America this is the impression I get from looking in the television set.
America is this correct?
I'd better get right down to the job.
It's true I don't want to join the Army or turn lathes in precision parts
factories, I'm nearsighted and psychopathic anyway.
America I'm putting my queer shoulder to the wheel.

Und das letzte Wort soll heute Ben Jennings mit diesem wunderbaren Cartoon aus dem Guardian haben, in dem Leutzes Washington Crossing the Delaware ein klein wenig anders aussieht:












Donnerstag, 2. Juli 2026

aus heiterem Himmel

Ich hatte gestern 9.124 Leser, die aus heiterem Himmel innerhalb von zwölf Stunden ganz alte Posts zu kleinen Bestsellern machten. Am Morgen waren diese sechs Posts noch nicht in der Statistik zu sehen:


Tränenregen

Ode an Berlin

Macbeth


Maureen O'Hara


Barbara Bel Geddes


Haute Couture

Am späten Abend belegten sie die ersten sechs Plätze der Top Ten. Jeder dieser Posts hatte plötzlich in wenigen Stunden mehr als neunhundert Leser. Dass der Schubert Post Tränenregen viel gelesen wird, das weiß ich, der hat sowieso schon mehr als 5.000 Leser. Warum bekommt der Post am 1. Juli plötzlich beinahe tausend Leser? Ich weiß es nicht, ich kann mich nur wundern. Natürlich finde ich meine Leser wunderbar. Wenn Sie die Bestseller von gestern lesen wollen, hier sind sie: TränenregenOde an Berlin, Macbeth, Maureen O'Hara, Barbara Bel Geddes, Haute Couture.