Holger Drachmann, der heute vor 180 Jahren geboren wurde, war ein dänischer Maler, Journalist und Dichter. Er ist schon mehrfach in diesem Blog erwähnt worden. Die Galerie Rieck in Eckernförde, bei der ich schon mehrere Bilder von Drachmann gesehen habe, hat eine schöne →Seite für den Maler. Die Galerie, die sich auf dänische Kunst spezialisiert hat, habe ich bereits 2011 in dem Post Dänische Kunst erwähnt. Das ist übrigens ein Post, der schon beinahe 10.000 Leser gefunden hat. Der Post Skagen hat auch schon 7.000 Leser. Und da ich bei Leserzahlen bin, sollte noch erwähnen, dass ich gestern auf meiner Seite die Zahl von acht Millionen lesen konnte. Wir müssen die Zahl mit einer gewissen Skepsis betrachten, denn es sind auch viele Klicks von Ki Bots dabei, die wie Heuschrecken über diesen Blog herfielen. Sich aber inzwischen glücklicherweise verabschiedet haben.
Vor zwölf Jahren schrieb ich schon einmal über Leserzahlen in einem kleinen Post, in dem auch von Holger Drachmann die Rede war:
Wenn mich heute so viele Leser lesen wie in den letzten vierundzwanzig Stunden, dann ist morgen die halbe Million voll. Als ich am 11.11.2013 in die Uni fuhr, um mir den Vortrag von Peter Freese anzuhören (lesen Sie mehr in dem Post Rudolf Sühnel), hatte ich gerade eine Million erreicht. Nun sind es nach einem knappen Jahr schon 500.000 mehr. Ich habe das damals mit dem Post Millionär gefeiert. Und natürlich mit einem schottischen Whisky. Ich würde mich gerne so sehen, wie der Maler Peder Severin Krøyer den Maler und Dichter Holger Drachmann gemalt hat: in der Würde des Alters in der Herbstsonne auf einer Parkbank sitzend. Aber ich sitze barfuß am Computer, mit einer zerschlissenen Chino und einem alten Sweatshirt. Immerhin trage ich ein italienisches Luxushemd. Wenn ich aus dem Haus gehe, dann ändert sich das natürlich. Je älter man wird, desto mehr empfiehlt es sich, darauf zu achten, wie man auf andere wirkt.
Was da steht, ist alles noch wahr. Ich sitze wieder barfuß am Computer, mein italienisches Hemd kommt heute von der Firma Fray. Das Bild Drachmanns von Peder Severin Krøyer bewundere ich sehr. Ich habe es immer auf meinem Schreibtisch, mein Freund Peter hat es mir vor vielen Jahren als Kunstpostkarte geschenkt. ✺Drachmann konnte nicht so gut und flamboyant malen wie Krøyer, und ich glaube, er war auch kein wirklich großer Dichter. Ich habe aber ein Liebesgedicht von ihm, das Gefährliche Träume heißt:
Was da steht, ist alles noch wahr. Ich sitze wieder barfuß am Computer, mein italienisches Hemd kommt heute von der Firma Fray. Das Bild Drachmanns von Peder Severin Krøyer bewundere ich sehr. Ich habe es immer auf meinem Schreibtisch, mein Freund Peter hat es mir vor vielen Jahren als Kunstpostkarte geschenkt. ✺Drachmann konnte nicht so gut und flamboyant malen wie Krøyer, und ich glaube, er war auch kein wirklich großer Dichter. Ich habe aber ein Liebesgedicht von ihm, das Gefährliche Träume heißt:
Das Fest verklang,
Ein stummes Klavier nur
Steht, wo sie sang.
Es bargen sich schlummernde
Töne darin;
Sie könnte sie wecken . . .
Vorbei und dahin!
Im Leuchter die Kerzen
Tief niedergebrannt,
Ein Schein an der Gläser
Geschliffenem Rand.
Hier trankst du dir Gluten
Mit Lippen so rot,
Ich fühl' nur des Glases
Versteinerten Tod.
O könntest du kommen
Zurück für mich!
Ich stellte den Wein auf
Den Tisch für dich;
Ich erhellte mit Fackeln
Die nächtliche Rast,
Du säßest zuoberst,
Ich selber dein Gast.
Du sängst zu der Töne
Wogendem Schlag,
Ich säß dir zu Füßen
Bis zum grauenden Tag.
In den Armen dann trüg' ich
Zu mir dich empor, -
Wenn du in ihnen
Nicht stürbest zuvor.
Still ist's im Saale
Das Fest verklang;
Ein staubiger Flügel nur
Steht, wo sie sang,
Geschlossen wie erst vor
Des Festes Beginn . . .
O, Gott sei mir gnädig:
Vorbei und dahin!
Drachmann schreibt nicht nur Liebesgedichte und →Liebesromane, sein ganzes Leben ist voller →Liebesaffairen, er nennt all die jungen Frauen seine Musen. Diese Schönheit, halb so alt wie er, heißt Amanda Nielsen, er nennt sie Edith. Sie ist als Frøken Edith die Hauptfigur in seinem autobiographischem Roman →Forskrevet. Zusammen mit ihr verläßt er Dänemark und zieht nach Hamburg. Er ist auch in Deutschland eine Berühmtheit und verkehrt in feinsten →Kreisen, gern gesehen bei Reedern und Finanzgrößen wie Albert Ballin.
Und Amanda tritt in St Pauli als Sängerin auf. Drachmann hatte wieder zu malen begonnen, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Dieses schöne Bild vom Hamburger Hafen stammt aus der Hamburger Zeit. Nach zehn Jahren hatte er eine andere Muse, Amanda blieb in St Pauli. Drachmann lebt von Skandal zu Skandal, mit bürgerlichen Damen und Tingeltangeltänzerinnen. Aber auf seinem Sterbebett wird er sagen, dass seine erste Frau →Vilhelmine und Amanda seine einzigen großen Lieben und Musen gewesen seien. Das von Otto Hauser übersetzte Gedicht Gefährliche Träume ist wie das Gedicht →Sakuntala seiner Frau Vilhelmine gewidmet gewesen.
Vilhelmine und Amanda werden Drachmann um Jahrzehnte überleben. Amanda wird siebenundachtzig Jahre alt werden. Während der Bombardierung von Hamburg 1943 verliert sie einen Großteil ihres Besitzes. Rettet jedoch eine Zeichnung von Drachmann und ein halbes Tausend seiner Briefe, die sie nach dem Krieg der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen schenkt. Drachmanns Tochte Eva (hier rechts auf dem Bild) wird Malerin wie ihr Vater werden. Sie wird kurz vor ihrem Tod die Biographie ihrer Mutter. Vilhelmine, min mor, veröffentlichen. Als sie 1899 heiraten wollte, weigerte sich der Pfarrer, sie in der Kirche zu trauen. Wegen des gottlosen Lebenswandels ihres Vaters.
Aber der Bohemien war inzwischen ein wenig bürgerlich geworden. Er ist wieder in die Künstlerkolonie Skagen gezogen, zu deren Entdecker er ja in den 1870er Jahren gehört hatte. Er hat auch wieder geheiratet, zum dritten Mal. Wieder eine ganz junge Frau, Peder Severin Krøyer hat die beiden gemalt. Dies ist nur eine ✺Studie, die beiden sind eigentlich auf dem riesigen Bild vom Mittsommerfest, das schon in dem Post Marie Krøyer abgebildet ist. Die junge Frau heißt Sophie Elisabeth Lasson (die alle Soffi nennen), sie ist die Enkelin der russischen Prinzessin Anastasia Soltikoff. Ihre ältere Schwester ist die Malerin Oda Krohg, die hier schon einen Post hat.
Hier sind die beiden auf einem →Photo vor der Villa Pax in Skagen, das Haus ist heute ein Museum. Er könnte der Großvater der jungen Soffi sein, ich weiß nicht, ob sie mit ihm glücklich geworden ist. Drachmann hatte wieder angefangen zu malen, das ist jetzt hauptsächlich →Marinemalerei, wie das Bild im ersten Absatz. Drachmann, der 1908 stirbt, war einmal als Dichter berühmt, aber von seinem Werk ist wenig geblieben. Wir können es mit einer Zeile aus einem →Gedicht zusammenfassen: Die Liebe, nur die Lieb’ ist Leben. Wahrscheinlich ist die Zeile deutsch, weil er damals mit der Amanda zusammenlebt, die in St Pauli singt und tanzt.
Hier ist Soffi noch einmal auf einem Bild zu sehen. Das Gemälde von Aksel Jørgensen aus dem Jahr 1908 zeigt sie mit dem dänischen Schriftsteller Sten Drewsen (den auch Munch gemalt hat) am Grab von Drachmann. Vielleicht gehört dieser Sten Drewsen zur Familie, denn als Drachmann die Soffi in Amerika kennenlernte, war sie mit einem Poul Drewsen verheiratet. Soffi hat nach Drachmanns Tod noch einen Vilhelm Roede kennengelernt und geheiratet.
Sie hatte mit ihm einen Sohn, den ihr Schwager Christian Krohg im Jahre 1919 mit diesem wunderbaren kleinen Gemälde Lille Ebbe Leser eingefangen hat. Damit endet hier die Geschichte des Lebens von Holger Drachmann. Noch mehr über skandinavische Kunst dieser Zeit in den Posts: Dänische Kunst, Skagen, Anna Ancher, Michael Ancher, Frühstück, Marie Krøyer, Wagner in Dänemark, Damenroman. Malweiber, Eufemia, Skagen, Nordlichter, Anders Zorn. Dänemark ist immer wieder ein Thema in diesem Blog, das steht schon ausführlich in dem Post Mein Dänemark, der mehr als 8.000 Leser hat. Ich war auch schon einmal mit der Ingrid in Skagen und besitze ein halbes Dutzend dänischer Ölgemälde. Aber leider keine von Anne Ancher oder Marie Krøyer.








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