Sonntag, 27. September 2026
The Missfits
Mittwoch, 23. September 2026
Bergmans Schweigen
Was hatte man sich nicht zwölf Jahre zuvor über die Nacktszene mit Ulla Jacobsson in ✺Sie tanzte nur einen Sommer aufgeregt. Der Untergang des Abendlands schien gekommen. Das mit poetischen Bildern und maßvoller Freizügigkeit für die freie Liebe eintretende Filmdrama erregte durch eine für seine Zeit unübliche Nacktszene moralische Entrüstung und wurde dadurch zum Publikumserfolg, schreibt heute das International Filmlexikon, das der katholischen Kirche nahesteht. Man möchte nicht wissen, was die katholische Kirche damals sagte. Wenn Sie doch alles über die Rezeption des Films wissen wollen, lesen Sie hier von →Claudia Beindorf 'Sie tanzte nur einen Sommer': Konstruktion und Rezeption von Stereotypen.
Bei den schwedischen Regisseuren schien die skandinavische Sommersonne, Mittsommernacht inklusive, in den fünfziger Jahren ständig. Ingmar Bergman dreht damals eine Reihe von Sommerfilmen wie Einen Sommer lang (1951), Die Zeit mit Monika (1953), Lektion in Liebe (1954) und Das Lächeln einer Sommernacht (1955), aber die regten niemanden auf. Doch Das Schweigen, das regte auf. Die Hexenjagden in Salem waren nichts gegen das, was jetzt im deutschen Blätterwald stattfand. Viele regten sich darüber auf, dass sich die Filmkritiker nicht genügend aufregten. So Marcel Reich-Ranicki in der Zeit, der sich weniger über die Nacktszenen enragierte als über die Verehrung von Ingmar Bergman: Wie dem auch sei: Ich protestiere nicht gegen Bergman und sein 'Schweigen'. Ich protestiere gegen die deutsche Bergmanie. Man will aus diesem Regisseur einen Heiligen machen, einen Gottsucher, einen Seher, einen Propheten. Er ist aber nicht mehr und nicht weniger als ein hochbegabter, wenn auch sehr überschätzter, raffinierter und bisweilen zynischer Filmkünstler, ein Mann mit Routine und Instinkt für das Gängige. Nicht ihn muß man bekämpfen – nicht den Heiligen, sondern seine Narren.
Es regnete Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft. Sogar der Deutsche Bundestag beschäftigte sich am 19. März 1964 mit dem Film. Was wolle die Bundesregierung gegen unsittliche Filme und die augenscheinliche Lockerung der Spruchpraxis der Freiwilligen Selbstkontrolle unternehmen? Die Bundesregierung wolle keine Zensur, wie Bundesinnenminister Hermann Höcherl (CSU) versicherte, er hatte da aber eine etwas seltsame Begründung: Das Moment des Abschreckenden, Abstoßenden, des Schauderns vor tierischer Triebhaftigkeit scheint der Ausschuss als so beherrschend angesehen zu haben, dass eine etwaige spekulative Laszivität oder Schmuddligkeit dabei überdeckt wird. Peter M. Ladiges kommentierte das in der Zeit mit dem Satz: Nichts zeigt die innere Verlogenheit unserer bundesrepublikanischen Welt deutlicher als die Zustimmung jener Zensurstellen zu erotischen Szenen, nur weil sie unerotisch seien und Abscheu erregen.
Immerhin befand der Innenminister (oder sein Ghostwriter), dass der Film eine wichtige Aussage zur menschlichen Situation in unserer Zeit sei. Die Katholische Filmkommission (unterstützt erstaunlicherweise von dem Magazin Stern - eine seltsame Allianz), empfahl ihren Gäubigen, nicht in den Film zu gehen. Das ging nicht so weit, wie ein Pfarrer in Arnstein, der Jahre zuvor jeder Familie ein Jahr Gottesdienst verweigern wollte, die einen von der Katholischen Filmkommission als abzuraten (Note 3) oder oder gar abzulehnen (Note 4) eingestuften Film anguckte. Those were the days. Dem allen zum Trotz verlieh die Filmbewertungsstelle Wiesbaden das Prädikat besonders wertvoll und gab den Film ab 18 Jahren frei. In der Zeitschrift Filmkritik (in der schon Martin Ripkens und Wilfred Berghahn zuvor über den Film geschrieben hatten) hat Rainer Heynig 1965 unter dem Titel Bergmans 'Schweigen' und unsere Tabus die bundesrepublikanischen Reaktionen nachgezeichnet. Ähnliches verfolgte Joachim Schmidt-Sasse 1988 mit dem Artikel →Konturen eines Skandals. Seit 2006 gibt es im Internet eine →Zusammenfassung der kritischen Positionen von Philipp von Hugo.
Es sind jetzt überall Sittenwächter in Deutschland. 1957 wurde in Bad Godesberg ein →Verein zur Selbstkontrolle der deutschsprachigen Unterhaltungsliteratur gegründet, der als erstes versuchte, dem Rowohlt Verlag den Verkauf von James Mallahan Cains Roman The Postman Always Rings Twice zu verbieten. Dank des Gutachtens des renommierten Literaturprofessors Wilhelm Emrich konnte Rowohlt den Prozess gewinnen. Wir müssen bei der ganzen Frage der Zensur bedenken, dass erst mit dem Urteil im Fall Joseph Burstyn, Inc. v. Wilson im Jahre 1952 durch den Supreme Court in den USA dem Film Kunstfreiheit zugestanden worden war. In England wird erstaunlicherweise erst 1968 durch den Theatres Act die Macht des Lord Chamberlain aufgehoben, Theaterstücke zu zensieren.
Im Bereich des deutschen Films wurde auf Inititative eines Politikers namens Adolf Süsterhenn (den Heinrich Böll als Professor Lüsterhahn verspottete) die Aktion Saubere Leinwand gegründet. Denn wir wollen unsere Leinwände sauber haben, am besten ajaxsauber. Denn es kann nicht angehen, dass unter dem Deckmantel der Kunst die Leinwand beschmutzt wird. Die SPD Zeitung Vorwärts bemerkte über die Diskussion des Bergman Films, dass es zwar auch in anderen Ländern Aufregung gegeben hätte, daß es aber nirgendwo zu einer Debatte im Parlament kommt wie bei uns, zu wiederholten scharfen Erklärungen höchster kirchlicher Autoritäten, zu Boykottmaßnahmen, zu Verboten und gerichtlichen Auseinandersetzungen.
Der Regisseur selbst beteiligte sich nicht an dieser Diskussion, er sagte nur Über 'Das Schweigen' will ich überhaupt nicht diskutieren. Ich finde in dieser Diskussion ist der Film selbst meine einzige Antwort. Da will ich wirklich schweigen. Hatte er Wittgensteins Satz Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen gelesen? Die meisten Filmkritiker (und natürlich auch Reich-Ranicki, der kein Filmkritiker war) hatten gemerkt, dass es in diesem Film eigentlich um alles andere ging, aber nicht um Sex. Denn Das Schweigen war der dritte Teil zu dem, was Filmhistoriker heute Bergmans Glaubenstrilogie nennen: Wie in einem Spiegel (1961), Licht im Winter (1962) und eben Das Schweigen. Und das war unter dem Deckmantel der Kunst wahrscheinlich noch viel bedrohlicher als Sex. Das mit der Trilogie haben sich die Filmkritiker nicht ausgedacht, Bergman selbst hatte 1963 die Drehbücher unter dem Titel En filmtrilogi erscheinen lassen.
Den Anfang mit einer theologischen Interpretation hatte →Martin Ripkens gemacht: Worte und Bilder wie diese – offenbare Indizien der Einsamkeit, des Ekels und der Angst – fordern den Kritiker geradezu heraus, von Entfremdung zu reden. Ingmar Bergman aber hat mit diesem Begriff, zumindest solange wir ihn rein innerweltlich und rein gesellschaftsbezogen begreifen, nichts im Sinn. Ihm ist es zu tun um die Situation des Individuums in einer Welt, auf der das Schweigen Gottes lastet. Die Frage, die ihn quält, ist die Frage Christi am Kreuze: Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Bergmans jüngsten Film anders zu verstehen, ist unmöglich. Jeder, der 'Wie in einem Spiegel' und 'Licht im Winter' gesehen hat, erkennt untrüglich, daß hier radikal alle Konsequenzen der beiden voraufgegangenen Werke gezogen werden. Nachdem 'Licht im Winter' uns mit einem Menschen konfrontierte, der sich verlassen fühlt von Gott, der nicht mehr glauben kann und doch so tut, als wäre sein Weltbild noch unzerbrochen – nach jener Herausforderung konnte nur noch dieser Film kommen. Das 'Schweigen' ist ein einziger Schrei und ein Skandal in des Wortes tiefster Bedeutung. Wir sind aufgefordert, zu entscheiden, ob dieser Schrei, dieser Skandal, uns angeht. Das war nun genau das, was Reich-Ranicki nicht haben wollte. Für ihn blieb Bergman ein überschätzter, raffinierter und bisweilen zynischer Filmkünstler.
Der Film brachte in Deutschland fast elf Millionen Zuschauer an die Kinokassen. Mich auch. Ich weiß noch genau, wie ich damals mit meiner blonden Freundin (die glatt für eine Schwedin hätte durchgehen können) an der Kasse des Kinos in der Böttcherstraße zwei Karten verlangte. Und erfuhr, dass die Vorstellung ausverkauft war. Und für die nächsten Wochen auch. Wir haben gelacht und sind in ein anderes Kino gegangen. Und haben ✺Liebe mit Zwanzig gesehen, passte irgendwie auch.
Zwanzig Jahre nach Das Schweigen kamen wieder massenhaft Schwedinnen auf die mehr oder weniger sauberen Leinwände. Aber da spielten nicht Bergmanns Lieblingsschauspielerinnen wie Bibi Anderson, Harriet Anderson oder Gunnel Lindblom. Da spielten blonde Französinnen wie Marianne Aubert, Jane Baker, Karine Gambier und Brigitte Lahaie die Hauptrollen. Und die spielten in Filmen, die 6 Schwedinnen von der Tankstelle, 6 Schwedinnen auf Ibiza, 6 Schwedinnen hinter Gittern und 6 Schwedinnen auf der Alm hießen. Produziert von einem Schweizer namens Erwin C. Dittrich. Keine Filmkunstwerke, nur Softpornos. Regten sich Reich-Ranicki und die katholische Kirche auf? Keine Spur, wir waren jetzt eine permissive society, die sexuelle Revolution hatte stattgefunden. Zu deren Vorreiter Ingmar Bergmans Film wohl ungewollt geworden war, obgleich er ansonsten nichts damit zu tun hatte. Es hatte sich übrigens schon im Jahre 1971 niemand mehr über den Film aufgeregt, als er zum ersten Mal im deutschen Fernsehen gezeigt wurde.
L' Enfer c'est les autres, heißt es in Sartres Huis Clos. Dieser Film ist Bergmans Version von Sartres Hölle. Du kannst es einfach nicht aushalten, wenn nicht alles lebenswichtig bedeutungsvoll ist. Wenn nicht alles mit tiefgründiger Absicht geschieht, sagt Anna zu ihrer sterbenden Schwester Ester. Vielleicht kann man den Satz mal dafür gebrauchen, um den Filmkritikern und selbsternannten Filmkritikern zu raten, auf dem Teppich zu bleiben. In England und Amerika ist die Diskussion des Filmes - wenn man die führenden Filmkritiker betrachtet - ganz anders gelaufen als hier. Einmal davon abgesehen, dass der Film aus kommerziellen Gründen für die Amerikaner bewusst und kalkuliert als schwedischer Sexfilm offeriert wurde, was man an diesem ✺Trailer sehr schön sehen kann. In dem Trailer sind übrigens beinahe alle Sexstellen des Films enthalten.
Mit der amerikanischen Filmkritikerin Pauline Kael verbindet mich eine Art Hassliebe. Doch manchmal kann man ihr nicht widersprechen. Und deshalb zitiere ich einmal, was sie im New Yorker im Jahre 1973 über Bergman schrieb: Bergman is not a playful dreamer, as we already know from nightmarish films like 'The Silence', which seems to take place in a trance. He apparently thinks in images and links them together to make a film. Sometimes we may feel that we intuit the eroticism or the fears that lie behind the overwhelming moments in a Bergman movie, but he makes no effort to clarify. In a considerable portion of his work, the imagery derives its power from unconscious or not fully understood associations; that's why, when he is asked to explain a scene, he may reply, "It's just my poetry." Bergman doesn't always find ways to integrate this intense poetry with his themes. Even when he attempts to solve the problem by using the theme of a mental breakdown or a spiritual or artistic crisis, his intensity of feeling may explode the story elements, leaving the audience moved but bewildered.
Like Bergman, his countryman Strindberg lacked a sovereign sense of reality, and he experimented with a technique that would allow him to abandon the forms that he, too, kept exploding. In his author's note to the Expressionist 'A Dream Play', Strindberg wrote: 'The author has sought to reproduce the disconnected but apparently logical form of a dream. Anything can happen; everything is possible and probable. Time and space do not exist; on a slight groundwork of reality, imagination spins and weaves new patterns made.'
Die sterbende Ester gibt dem kleinen Johan einen Brief: Johan! Es ist wichtig, verstehst du! Du mußt ihn genau lesen. Es ist alles wie... Du wirst es verstehen. Johan kann die fremde Sprache nicht entziffern. Mit dem Satz Johans Gesicht ist bleich von der Anstrengung, die fremde Sprache zu verstehen - die geheime Botschaft endet das Drehbuch. Der kleine Johan ist nicht allein, wir Zuschauer verstehen den Film auch nicht, wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.
Noch mehr zum schwedischen Film in den Post: Ingmar Bergman, Bergman, Transformationen, Sommertanz, Bibi Andersson,Viveca Lindfors, Die Mädchen, Britt Ekland, Skandal, Schwedinnen, Schweigen, Désirée, Elvira Madigan, Liebestod, Nationalstolz, Mireille Darc, Ann-Margret, Die Mädchen, Bo Widerberg, Landstreicher, Schwarze Ernte, nouvelle vague suédoise, Nordic Noir,
Sonntag, 20. September 2026
Blondes make the best victims
Daphne du Maurier, die mit dem ziemlich unfähigen General Sir Frederic Browning verheiratet war (der hier schon in den Posts Militärisches Schuhwerk und Barett vorkommt), hat nicht nur Jamaica Inn geschrieben. Sie hat auch die Kurzgeschichte →The Birds geschrieben, die Hitchcock für seinen Film benutzt hat. Die habe ich für Sie im Origialtext. Zu dem Film →Die Vögel gibt es heute ein kleines Haiku von Uli Becker aus seinem Band Frollein Butterfly, in dem er uns 69 Quickies zwischen Sehnsucht und Schweinigelei serviert, von denen ich mal eben (aus meinem nummerierten Exemplar!) das auf Seite 73 zitiere:
Tun kein Auge zuheut nacht vor lauter Vögeln,
Hommage à Hitchcock.
Blondes make the best victims. They’re like virgin snow that shows up the bloody footprints, hat er gesagt. Der Regisseur heißt natürlich Alfred Hitchcock, und wir reden hier von dem Film ✺The Birds, der vor dreiundsechzig Jahren in den USA anlief. Die Schauspielerin Tippi Hedren durfte noch ein zweites Mal bei Hitchcock in dem Film Marnie mitspielen. In dem Film gibt es eine ✺Vergewaltigungszene in der Hochzeitsnacht. Nicht durch Vögel, diesmal durch Sean Connery.
In ihrer →Autobiographie aus der dieses Zitat stammt, hat Hedren noch mehr über Hitchcock zu sagen, der wie ein Vorläufer von →Harvey Weinstein daherkommt. Hitchcock hat der Tochter von Tippi Hedren (die später unter dem Namen Melanie Griffith Schauspielerin wurde) nach den Dreharbeiten von The Birds eine Puppe geschenkt, die eine perfekte Nachbildung ihrer Mutter war. Und auch ein grünes Kleid hatte, wie Tippi Hedren es in dem Film trug. Die Puppe lag in einem kleinen Sarg. Kann man perverser sein?
Undressed she looks fresh-plucked, her flesh
As white as boiled hens. How easily
She exists within her nakedness,
How unaware she is of what I see.
She changes to a dressing gown,
So shiny that a giant crow would snatch
Her up to line his nest. I make no sound.
My mind is quiet too, not even a scratch.
The bad thoughts will gather soon, I suppose.
My mind won’t shake her birdy skin
But with those private traps, those animal parts.
We all look so much realer in our clothes.
That’s my hobby, see. It’s stuffing things.
I don’t really know all that much about birds.
Kühle Blondinen: Tippi Hedren, Kim Novak (in ✺Vertigo), Eva Marie Saint (in ✺North by Northwest) und Grace Kelly. Unser kleiner Dicker träumt mit seinem necrophiliac voyeurism von ihnen. Zuhause bei seiner Gattin Alma Reville sieht die Welt nicht nach coolen Blondinen aus, die dem Mann an die Wäsche gehen.
Also diese Sorte Blondinen, über die der Filmkritiker Roger Ebert sagte: they reflected the same qualities over and over again: They were blonde. They were icy and remote. They were imprisoned in costumes that subtly combined fashion with fetishism. Tippi Hedren war übrigens nicht die erste Blondine, die unter Hitchcock zu leiden hatte.
Ich könnte da noch Madeleine Carroll aus der Verfilmung von John Buchans Klassiker The 39 Steps (von dem North by Northwest ja nur ein Remake war) anbieten, die während der gesamten Dreharbeiten von Hitchcock als the Birmingham tart bezeichnet wurde. The very beautiful woman who just walks around, avoiding the furniture, wearing fluffy negligees, and looking very seductive may be an attractive ornament, but she does not help the film at all.
I hate it when actresses try to be ladies and in doing so become cold and lifeless, and nothing gives me more pleasure than to knock the lady-likeness out of chorus girls. I don't ask much of an actress and I have no wish for her to be able to play a whole list of character roles, but she must be a real human person. That is why I deliberately deprived Madeleine Carroll of her dignity and glamour in "The Thirty-Nine Steps," and I did exactly the same thing in "Secret Agent." In this last film, the first shot you saw of her was with her face covered with cold cream! Was Hitchcock an dieser Stelle zu sagen vergisst ist, dass er durch die beiden Filme mit der Birmingham tart weltberühmt wurde.
Mittwoch, 16. September 2026
Straßenräuber
Der englische Dichter Alfred Noyes, der am 16. September 1880 geboren wurde, ist heute nur noch durch ein einziges Gedicht in Erinnerung. Obwohl er er interessantes Leben hatte. Als er bei einem Amerikaaufenthalt, die Universität Princeton besuchte, war man von ihm so begeistert, dass man ihm sofort eine Gastprofessur anbot. Und so lehrte er von 1914 bis 1924, immer vom Februar bis zum Juni, dann fuhr er wieder nach England zurück. 1916 unterbrach er seine Tätigkeit, weil er für sein Heimatland England kämpfen wollte. Die Armee nahm ihn wegen mangelnder Sehkraft nicht, er wird dreißig Jahre später ganz erblinden. Er leistet seinen Kriegsdienst im →Wellington House und schreibt wie sein Kollege John Buchan dort Kriegspropaganda. Buchan, der den Klassiker des Spionageromans The 39 Steps geschrieben hat, wird noch Geheimdienstchef und geadelt. Noyes wird immerhin Commander des Order of the British Empire und kehrt nach Princeton zurück. Manche seiner Studenten werden berühmt, zum Beispiel F. Scott Fitzgerald, Edmund Wilson und John Peale Bishop.
Ich könnte jetzt so weiterschreiben, sein Leben und Werk skizzieren, aber ich will auf dieses eine Gedicht hinaus, das er im Jahre 1906 in Blackwood's Magazine veröffentlichte. Es ist eine →Ballade mit dem Titel The Highwayman, die schon dramatisch beginnt:
The wind was a torrent of darkness among the gusty trees.The moon was a ghostly galleon tossed upon cloudy seas.
And the highwayman came riding—
Riding—riding—
The highwayman came riding, up to the old inn-door.
And still of a winter’s night, they say, when the wind is in the trees,
When the moon is a ghostly galleon tossed upon cloudy seas,
When the road is a ribbon of moonlight over the purple moor,
A highwayman comes riding—riding—riding
A highwayman comes riding, up to the old inn-door.
Over the cobbles he clatters and clangs in the dark inn-yard.
He taps with his whip on the shutters, but all is locked and barred.
He whistles a tune to the window, and who should be waiting there
But the landlord’s black-eyed daughter, Bess, the landlord’s daughter,
Plaiting a dark red love-knot into her long black hair.
Alfred Noyes ist nicht der erste in der englischen Literatur, der die Straßenräuber bedichtet. Shakespeares Falstaff, ein adliger Ritter, ist auch nur ein Straßenräuber. Im 18. Jahrhundert bekommen die Wegelagerer Konjunktur und werden als romantische Helden bedichtet. John Gays Beggar's Opera wird Früchte tragen, bis hin zu der Seeräuber Jenny von Bert Brecht. Sie könnten zu dem Thema auch noch die Posts Robert Walpole und Horace Walpole lesen.
Sonntag, 13. September 2026
Maler und Modell
Es ist immer etwas Gefährliches in den Susanne Bildern. Ist sie half crazy, wie es in Leonard Cohens ✺Suzanne heißt? Dieses Bild von der beinahe lebensgroßen Susanne heißt Susanne mit Axt (es gibt von dem Bild noch eine →Variante). Da ist sie wieder, die Gefahr. Und auch bei dem Bild Susanne mit Fernseher ist die Gefahr da. Das ist nicht der Halbmond im Fernseher, aber die Smith & Wesson auf dem Teppich, die ist schon gefährlich. Fetting hat in einem Interview gesagt, dass er in den achtziger Jahren diese Vielzahl von Portraits gemalt habe, weil er mit Ihnen den Geist der Stadt und der Zeit einfangen wollte.
Willst du nicht nackt herumlaufen










































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