Freitag, 23. Februar 2024

finden und nicht finden

Mein Computer hat mir gesagt, dass der Peter heute Geburtstag hat. Das habe ich mal vor fünfzehn Jahren in den alten Power Mac G4 eingegeben, den mir mein Institut geschenkt hatte. Und der hatte das offenbar an den MacMini (1) und MacMini (2) weitergegeben. Ich dachte, ich schicke dem Peter mal ein paar nette Zeilen, aber die alte E-Mail Adresse stimmte offenbar nicht mehr. Die Telephonnummer in Blankenese auch nicht. Ich kenne den Peter seit mehr als sechzig Jahren, weil wir zusammen Leutnants im selben Bataillon waren. Er ist hier auch schon mal im Blog aufgetaucht. Er ist in dem Post Generalskrise derjenige, der in einem chaotischen Manöver um Mitternacht den Verkehr, vollgepumpt mit Captagon, zu regeln versucht. Der Peter ist beim Bund geblieben, er ist noch Oberst im Generalstab geworden und war Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr. Diese Angaben finden sich vereinzelt auch im Internet, aber sonst gibt es da nichts über ihn. Keine Adresse, keine Telephonnummer. Er war mal bei LinkedIn, aber da ist er gelöscht. Doch dann entdeckte ich, dass er bei Facebook war. Das war nun blöd, denn Facebook ist nun wirklich nicht meine Welt. Nach längerem Zögern habe ich mich da angemeldet. Einen Geburtstagsgruß schicken und wieder abmelden, war die Idee. Dann war ich plötzlich eine neues Facebook Mitglied, aber nur für ganz kurze Zeit. Gerade, als ich was schreiben wollte, haben sie mich ratzfatz wieder gelöscht. Irgendwie muss ich auf eine falsche Taste gedrückt haben. Ist auch gut so.

Aber wenn ich den Peter nicht finden konnte, jemand ganz anderen habe ich gestern gefunden; und dafür muss ich mal eben auf den Post Abtanzball aus dem Jahr 2010 zurückkommen. Ich hatte da geschrieben, dass ich mich partout nicht an den Namen meiner Tanzpartnerin für diesen Abend erinnern konnte. Ich hatte mir ja gewünscht, dass man mir die Ingrid zugelost hätte, aber das war nichts geworden. Der Post endet mit den Sätzen: Und wenn die schöne Unbekannte aus Schönebeck neben mir auf dem Photo dies zufälligerweise lesen sollte: Ruf doch mal an! Das kann jetzt nach dreizehn Jahren durchaus passieren. Denn der Konny hatte zufällig vor Wochen ihren Namen herausgefunden, aber er wusste auch nicht, was aus ihr geworden war. Vielleicht wüsste der Eberhard das, sagte er, der hätte in derselben Straße gewohnt. Der Eberhard sitzt auf diesem Photo unübersehbar in der Mitte der ersten Reihe. Vor ihm auf dem Boden sitzen ich und die Unbekannte, die jetzt namentlich nicht mehr so unbekannt ist.

Der Eberhard hat Jura studiert, wie der Konny auch. Er hat einen Doktortitel erworben, wie der Konny auch. Aber während der Konny Richter am Bundesfinanzhof und Staatssekretär wurde, hat der Eberhard die ganze Juristerei hinter sich gelassen und ist Berufsphotograph geworden. Und hat Schiffe photographiert. Quer durch die Welt. Sie können hier einmal in seine eindrucksvolle Bildagentur der Schiffahrt hineinsehen. Er ist auch schon einige Male in diesem Blog genannt worden, zuletzt in dem Post Photos, ungeordnet. Der Eberhard konnte sich noch an meine Tanzpartnerin erinnern, weil sie seine Nachbarin gewesen war. Wusste aber nicht, was aus ihr geworden war. Aber ihr Bruder wüsste das bestimmt, der sei Arzt in Ganderkesee. Ein Ort, den Sie kennen, weil Sie den Post Kurtz gelesen haben. 

Im Gegensatz zu der Suche nach dem Oberst im Ruhestand in Hamburg war die Suche nach dem dottore in Ganderkesee ein Klacks. Wir haben uns telephonisch eine halbe Stunde lang wunderbar unterhalten. Auch viel über Schönebeck, denn die Straße, in der meine Begleiterin beim Abtanzball und der Eberhard wohnten, liegt nicht in Vegesack, sondern in Schönebeck. Dem Ort nachdem auch der Schönebecker Sand seinen Namen hat. Und deshalb gibt es hier noch ein schönes Photo vom Schönebecker Schloss mit einem geradezu Caspar David Friedrichschen Morgennebel. Natürlich von Eberhard Petzold. In den 1980er Jahren photographiert. Ich habe dem Doktor meinen Blog per Mail zugeschickt, er wird seine Schwester anrufen und wird ihr alles erzählen. Wird sie anrufen?


Dienstag, 20. Februar 2024

Longines


Den Namen Longines sah ich zum ersten Mal 1954 beim Endspiel der Fußball WM im Berner Wankdorf Stadion. Der Uhrenturm war ja nicht zu übersehen. Heute reden wir vom Wunder von Bern, und es gibt auch schon einen Spielfilm über das Ereignis. Die meisten deutschen Spieler kannte ich, weil ich sie im Mai im Hamburger Volksparkstadion gesehen hatte. Das war das Endspiel um die deutsche Meisterschaft, bei dem Hannover 96 gegen Kaiserslautern spielte. Niemand gab der Elf der Namenlosen von Trainer Fiffi Kronsbein eine Chance. Ihr Gegner war die halbe deutsche Nationalmannschaft, die sechs Wochen später beim Wunder von Bern Weltmeister werden würde. Also Leute wie Horst Eckel, Werner Liebrich, Fritz Walter und Ottmar Walter. Zwar führte Kaiserslautern zur Pause 1:0, aber in der zweiten Halbzeit sollte sich alles ändern, denn Hannover gewann 5:1. Mein Vater hatte für mich einen kleinen hölzernen Klappstuhl mitgenommen, damit ich auch etwas von dem Spiel sehen konnte. Mehr dazu können Sie in den Posts Hannover 96 und 1954 lesen.

Den Uhrenturm mit der Aufschrift Longines gibt es heute nur noch in dieser Form hier, man hat das Wankdorf Stadion abgerissen. Die Uhrenmarke Longines gibt es heute dem Namen nach noch, sie ist Teil der Swatch Gruppe. Sie war einmal eine Firma, die lange für die exzellente Qualität ihrer Uhren bekannt gewesen war und viele Preise erhalten hatte. Irgendwann verspielte sie ihren Ruf, den sie heutzutage verzweifelt zurückbekommen möchte. 

Longines und ihr amerikanischer Partner Wittnauer hatten schon in den frühen fünfziger Jahren weltweit Lizenzen vergeben, sodass Longines Uhren sogar in Puerto Rico, Alaska und auf Hawaii produziert wurden. In Südkorea stellte Samsung mit einem Lizenzvertrag Longines Uhren her. Was drin war (in den meisten Fällen ein ETA Werk), interessierte niemanden, Hauptsache, es stand der Name Longines auf der Uhr. Der Imageverlust war kaum zu beschreiben. Man hatte etwas gemacht, was Pierre Cardin perfektioniert hatte. Zuerst als Haute Couture beginnen und dann den Namen verkaufen und Lizenzen vergeben. Und dann landen am Ende die Pierre Cardin Socken bei Karstadt auf dem Wühltisch. Als Nicolas Hayek Chef der Swatch Group wurde, kaufte er alle Lizenzen zurück und annullierte alle Verträge aus dem Jahre 1952. 1995 kündigte er auch den seit 125 Jahren mit Wittnauer bestehenden Vertrag auf. Mir hat mal ein amerikanischer Freund einige Handyphotos seiner geliebten Longines geschickt. In der Mail stand: Mein Uhrmacher hat mir gesagt, das sei überhaupt keine Longines. Der Uhrmacher hatte recht.

Heute versucht man, das alles vergessen zu machen. Man wirbt mit Werbeanzeigen, die die Schönen und Reichen zeigen. Seit den neunziger Jahren propagiert man den Slogan Elegance is an Attitude, vorher war man jahrzehntelang The World's Most Honoured Watch. Vielleicht hat Audrey Hepburn mal eine Longines getragen, aber als sie in der Werbekampagne für das Modell Dolce Vita vermarktet wurde, da war sie schon tot.

Die Uhrenfabrik Longines wurde 1832 in Saint-Imier von Auguste Agassiz gegründet, der seine Marke nach einem kleinen Wiesenstück (les longines) benannte. Augustes Bruder Louis Agassiz war Mitbesitzer der Uhrenfabrik, machte dann aber etwas ganz anderes. Er wurde ein berühmter Wissenschaftler, nach dem die Schweiz sogar einen Berg benannte. 1847 wurde er Professor für Zoologie und Geologie an der Harvard Universität. Und weil der Louis so berühmt war, nannte sein Bruder die Uhren, die er nach Amerika exportierte, nicht Longines, die hießen Agassiz. Dies hier ist eine davon, das ist nun wirklich das Feinste vom Feinen. Etwas Besseres bekommt man bei Lange & Söhne in Glashütte auch nicht. Breguetspirale, Schwanenhalsfeinregulierung, ein goldenes Decksteinplättchen für das Ankerrad und das Sperrrad dreifach verschraubt. Und dann noch das Ganze in acht Lagen feingestellt, für five adjustnents bekommt man schon ein Chronometerzeugnis.

Es wird aber im Lauf der Zeit nicht bei dieser Qualität bleiben. Diese Uhr, die den Namen Longines trägt, ist eine Billiguhr, die nichts mit der Qualität des Chronometers oben zu tun hat. Vor fünf Jahren meldete die Firma Longines, dass sie seit ihrer Gründung ihre 50-millionste Uhr hergestellt hat. Das ist nicht ganz so viel wie Rolex, die eine Million Uhren im Jahr verkaufen, aber man ist da schon bei den Massenproduzenten. Und bei den fünf Millionen Uhren sind bestimmt die Billiguhren aus Hawaii, Alaska und Puerto Rico mitgezählt. Bei ebay liegen heute mehr als füntausend Longines Uhren herum. Die sind bestimmt nicht alle Swiss Made.

Als Sammler hat mich die Marke Longines nie wirklich interessiert. Ich besitze eine Uhr aus den sechziger Jahren, die ich für siebzig Euro auf dem Flohmarkt kaufte (ist die gleiche wie hier im Netz). Wollte ich eigentlich nicht haben, aber als der nette Herr Brandt mir diesen Preis machte, konnte ich nicht widerstehen. Das Zifferblatt ist nicht mehr 100%, aber immer noch akzeptabel. Alles an dieser Uhr ist Swiss Made. Eine signierte Krone hat die Uhr auch. Die Uhren, die in Puerto Rico, Alaska und auf Hawaii hergestellt wurden, sehen etwas anders aus.

Das Manufakturwerk mit der Kalibernummer 281 ist erstklassig. Hat noch eine Schraubenunruhe und alle Steine in Goldchatons. Und der Gehäuseboden ist innen perliert. So etas war früher mal Standard. Das Werk kam Ende der fünfziger Jahre auf den Markt und war der Nachfolger des Kalibers 30L, das noch keine Zentralsekunde hatte. Von dem 30er Kaliber gab es noch Chronometerkaliber, mit denen die Firma viele Preise gewann. Das war uhrmacherisch gesehen neben den goldenen Agassiz Chronometern und dem Chronographenkaliber 13ZN der Höhepunkt des Unternehmens. Mit solchen Uhren bekommt man in Kew ein Chronometerzertifikat, kommt aber nie auf fünfzig Millionen verkaufter Zeitmesser. 

Ich habe mit Fußball angefangen, und ich komme noch einmal auf den Fußball zurück. So bewarb die Firma, die heute bei allen internationalen Pferderennen von Baden Baden bis Hongkong dabei ist, in den zwanziger Jahren ihre Uhren: La montre de Sportsmen. In Amerika warb man natürlich mit Bildern vom American Football. Amerika war seit Ende des 19. Jahrhunderts der größte Markt der Firma Longines; ihren Erfolg verdankt sie der Firma Wittnauer.

Die Firma, die Millionen von Longines Uhren in die USA importierte, hat auch die kleine Wittnauer Allproof auf den Markt gebracht. Meistens importierte Wittnauer nur die Uhrwerke aus der Schweiz (die man an der Markierung LXW erkennt) und ließ sie in den USA in Gehäuse einschalen, um Zollgebühren zu sparen. Das machten die amerikanischen Firmen Gruen und Bulova ja genauso. Sie betrogen dabei die Behörden, indem sie die Uhrwerke als unadjusted deklarierten, obgleich die meistens feingestellt waren. In den fünfziger Jahren flog diese Praxis auf, die Protokolle der Investigations of the Committee on Government Operations, United States Senate füllen mehrere Bände.

Und dann gibt es zum Schluss noch etwas, was die Firma Longines mit dem Fußball verbindet. Das ist dieser Herr hier, ein ehemaliger Fußballspieler, der mit dem FC Sierre bis in die Erste Schweizer Liga kam. Dann aber einen Profivertrag vom FC Lausanne ablehnte und etwas ganz anderes machte. Er wurde mit dem Titel eines Vizedirektors für die Öffentlichkeitsarbeit der Firma Longines zuständig. Ich weiß nicht, ob sie ihn hier erkennen, es ist niemand anderer als Sepp Blatter. Dass es damals mit Longines bergab ging, hat ursächlich nichts mit Blatter zu tun. Passt aber zeitlich.


Der berühmte Wissenschaftler Louis Agassiz hat hier schon einen Post. Die Firma Longines ist in diesem Blog häufig erwähnt worden; unter anderem in diesem Post, der davon handelt, dass das Kamerateam von Der Landarzt eine Longines zerstört. Sepp Blatter wurde hier auch schon mal erwähnt. Mit anderen Kriminellen aus der Fußballwelt. Einen Post Uhrenwerbung gibt es natürlich auch schon.


Sonntag, 18. Februar 2024

Caspar David Friedrich (3)

Hier in Kopenhagen hat Caspar David Friedrich drei Jahre studiert. Das Bild von Knud Baade zeigt uns die Kopenhagener Akademie. Hier studieren die angehenden Maler gerade antike Plastiken, um zu lernen, wie man Menschen malt. Es werden auch Kurse mit einem lebenden Modell angeboten; da ist Nicolai Abildgaard (der auch der Lehrer von Philipp Otto Runge war) einer von Friedrichs Lehrern gewesen. Irgendwie muss Friedrich diesen Teil des Studiums geschwänzt haben, er kann keine Menschen malen, so wie das Knud Baade hier kann. Nicht wirklich.

Wir haben eine Zeichnung, die uns den Norweger Baade (der Schüler von Christian Clausen Dahl war) an der Staffelei zeigt. Die Bleistiftzeichnung ist von Caspar David Friedrich, sie zeigt all seine Schwächen auf, die er als Zeichner hat, wenn es um Menschen geht. Was ist das bloß für ein Rücken? Und mit dem rechten Arm stimmt auch irgendetwas nicht. Baade steht steif wie ein Denkmal da, es ist keine Bewegung in der Figur. Was der norwegische Maler auf die Leinwand bringt, das hängt heute in der Kieler Kunsthalle (wegen Umbau für fünf Jahre geschlossen). Es war ein Geschenk des Kunstvereins an die verdiente Kuratorin Lilli Martius. Mir gehört eine kleine Wolke rechts oben auf dem Bild Einfahrt ins Naerøtal, da ich damals auch einiges gespendet habe.

Noch einmal eine Rückenansicht eines Künstlers. In der Art und Weise, wie hier Tischbein unseren Goethe in Rom gezeichnet hat, hätte Caspar David Friedrich einen Menschen nicht zeichnen können. Tischbeins Goethe lebt, Friedrichs Baade nicht. Und auch Friedrichs Frau am Fenster ist nicht so lebendig wie Tischbeins Goethe. Ich zitiere dazu einmal Kristina Reymann-Schneider aus ihrem Beitrag in Deutschlandfunk Kultur: Caspar David Friedrich hat sich mit seiner Landschaftsmalerei einen Platz in der Kunstgeschichte erobert. Einige seiner Bilder kennen selbst Menschen, die sich sonst eher wenig für Kunst interessieren. Doch der große deutsche Romantiker hatte eine Schwäche: Figuren. Während er detailliert Steine oder Felsformationen und Bäume bis in die kleinsten Verästelungen zeichnen konnte, tat er sich mit der Abbildung von Menschen schwer. Die Proportionen stimmen nicht, der Kopf ist zu klein, die Gliedmaße sind zu lang. So ist es kein Zufall, dass die Figuren bei ihm oft in der Rückenansicht zu sehen sind, nur ganz klein dargestellt oder am Rande platziert werden. Die Natur spielt unzweifelhaft die Hauptrolle in Caspar David Friedrichs Bildern. Kunsthistoriker würden das etwas anders sagen, aber wir lassen das mal so stehen.

Gut, das hat es immer gegeben, dass Maler irgendetwas nicht wirklich konnten. Was Rubens nicht kann, malt ihm sein Freund Brueghel. Lucas van Uden malt für viele berühmte Kollegen den Landschaftshintergrund. Pferde zu malen, war nicht die Stärke von Joshua Reynolds, da half ihm George Stubbs manchmal aus. Liebermann konnte keine Kühe malen, das machte sein Freund Thomas Herbst für ihn, der wahrscheinlich der beste Kuhmaler des Impressionismus war. Wir sehen ihn hier beim Studium von Kühen. Mit Frack und Zylinder.

Ich habe in dem Post Caspar David Friedrich 2010 geschrieben, dass ich das Bild vom Wanderer über dem Nebelmeer, als ich es zum ersten Mal sah, für eine Fälschung hielt. Es war frisch restauriert, überrestauriert, der Lack glänzte wie frischgemalt. Man war stolz, dass man nach langen Verhandlungen (und der Zahlung von 600.000 Mark) das Bild endlich besaß. Jetzt präsentierte man es. Nicht in der Sammlung, es war im Treppenhaus aufgestellt. Man musste an dem Wanderer vorbei, wenn man in die Galerie wollte. Das Bild hat eine einfache, überschaubare Konstruktion. Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund. Und doch hat das Ganze etwas Rätselhaftes, das sich nicht lösen lässt. Ein scheinbar unüberwindbares Hindernis, das unverhältnismäßig große Ausmaße annehmen kann, sagt László F. Földényi. Ich weiß nicht, ob Ihnen dieser Name etwas sagt.

László F. Földényi, der vielleicht wichtigste europäisches Essayist, war schon zweimal in diesem Blog. Zuerst 2011 in dem Post Melancholie, ein Gebiet in dem ich mich dank einer manisch-depressiven Erkrankung auskenne. Das zweite Mal beherrschte den László F. Földényi mit seinem Buch Heinrich von Kleist: Im Netz der Wörter den Kleist Post. Was ist das für ein Buch! Die ganze Welt von Heinrich von Kleist in knapp hundert Lexikonartikeln, die alle kleine in sich geschlossene Essays sind. Ausgehend von Wörtern in Kleists Werk, alphabetisch geordnet von Ach bis Zufall, mit Querverweisen auf andere Essays. So, dass man in diesem Buch zick und zack, hin und her liest. Und das soll auch so sein, sagt der Autor in seinem Vorwort: Ein schonendes Buch. Es verschont den Leser, erspart ihm die Mühe des Auslesens. Es befreit ihn von der Last, so zu tun als ob... Mein drittes Buch von Földényi war Caspar David Friedrich: Die Nachtseite der Malerei, ich habe das Buch schon in dem Post Nebelmeer erwähnt. Das Buch ist zur Zeit vergriffen, soll aber im Mai als Paperback für 12 Euro wieder auf dem Markt sein.

Földényi hat 2021 noch ein zweites Buch über Friedrich geschrieben, das Der Maler und der Wanderer heißt. Und den etwas irritierenden Untertitel Caspar David Friedrichs Urkino hat. Caspar David Friedrich und Kino? Wir wissen, dass Walt Disney in den dreißiger Jahren in Deutschland alle Bücher über Friedrich aufkaufte. Und sie seinen Zeichnern vorlegte. Und deshalb läuft Bambi zu Beginn des Films durch die Fichtenwälder des Elbsandsteingebirges, das Caspar David Friedrich auf Gemälden wie 'Felsenschlucht' oder 'Morgennebel im Gebirge' verewigt hat. Aber Földényi ist nicht auf Bambi aus, er will mit seinem Buch zeigen, dass Der Wanderer über dem Nebelmeer das Kino avant la lettre ist. Urkino. Ich fasse die Unzahl seiner geistvollen Gedanken jetzt nicht in Kürze zusammen, Sie sollten das Buch schon lesen. Mehr ist über das Bild Wanderer über dem Nebelmeer wohl nicht geschrieben worden.

Caspar David Friedrich hat die Rückenfigur nicht erfunden. Sie war als Staffage oder Repoussoir im Vordergrund schon immer in der Malerei. Auch in Vermeers Bild Die Malkunst sehen wir den Maler nur in der Rückansicht. Eigentlich sind die Rückenfiguren in der Malerei Nebenfiguren. Bei Friedrich wird der Herr, der sich aus einer vornehmen Abendgesellschaft ins Elbsandsteingebirge verirrt hat, zur Hauptsache des Bildes. Das wird in Variationen von Malern immer wieder gemacht. Wie 1890 bei Fritz von Uhde oder 1925 bei Salvator Dali. Am besten gefällt mir zum Thema Frau am Fenster dieses Bild

Der neue Hamburger Katalog Caspar David Friedrich – Kunst für eine neue Zeit enthält ein Kapitel Zu Friedrichs Rückenfiguren von Markus Bertsch, der auch einer der Kuratoren der Hamburger Ausstellung ist. Man kann (Google Books sei Dank) große Teile des Katalogs  hier lesen. Friedrich nimmt die ein wenig aus der Mode gekommene Rückenfigur wieder auf, sie wird bei ihm zu einer Art Markenzeichen. Und bei den Wanderern, die den Mond betrachten, bei Mann und Frau bei der Betrachtung des Mondes fällt es uns kaum auf, dass er eigentlich keine Menschen malen kann.

In Johann Christian Reinharts Bild des Tibers (1808) haben wir auch eine Rückenfigur, aber sie beherrscht das Bild nicht, wie Friedrichs Wanderer in seinem elegant geschneiderten Bratenrock das Bild beherrscht. Mit dem auf Felsen stehenden Wanderer, der vielleicht ein Portrait von Goethe ist, kommen wir als Betrachter in das Bild hinein. Sagt uns die Rezeptionsästhetik. Dazu sollten Sie jetzt einmal den Artikel Rezeptionsästhetik – Der Betrachter ist im Bild lesen, dann sind sie im Bild.

Földényi schreibt ein ganzes Buch über den Wanderer, über Perspektiven, über Figuren im Bild. Über das Sehen im Nebel. Und am Ende resümiert er über den Wanderer: Man kann viel über ihn sagen, kann über das, was er sieht und wie er sieht, sogar ein Buch mit dem Titel ‚Der Maler und der Wanderer‘ schreiben. Seinem Ich nahezukommen, vermag man dennoch nicht. 

Földényi erwähnt in seinem Buch den ehemaligen Kieler Kunsthallendirektor Jens Christian Jensen nicht, der 1974 in seinem Buch beim DuMont Verlag über den Wanderer über dem Nebelmeer sagte, das Bild muss als künstlerisch misslungen angesehen werden. Er ist nicht der Einzige, der das Bild als nicht so großartig empfindet. Jensens Buch Caspar David Friedrich - Leben und Werk kann man antiquarisch noch sehr, sehr preisgünstig erwerben. Es ist nach einem halben Jahrhundert immer noch eine sehr gute Einführung.

Wie sieht ein Wanderer aus? So wie dieser Herr hier würden wir sagen. Auf keinen Fall wie der unbekannte Mann auf Caspar David Friedrichs Bild. Dieses Bild eines Wanderers ist ein halbes Jahrhundert nach Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer entstanden. Hier hat Iwan Nikolajewitsch Kramskoi seinen Malerkollegen Iwan Schischkin als Wanderer gemalt. Und das ist Schischkin im doppelten Sinn, denn beide Maler gehören zu einer Künstlerbewegung, die Peredwischniki heißt. Was auf Deutsch Wanderer bedeutet. Wir sollten uns nicht zu sehr an dem Wanderer des Bildtitels von Friedrich festbeißen, den Titel hat das Bild erst um 1950 bekommen, vorher war es ein namenloses Bild.

Donnerstag, 15. Februar 2024

Made in Italy: Etro


Ich fange mal eben mit diesem Hemd an, für so etwas war die italienische Marke Etro früher mal berühmt. Sieht man heute selten. Dies hier habe ich gerade für 9,95 € bei ebay gekauft. Ein guter Preis für ein Etro Hemd, denn die 350 Euro, die die Firma für ihre Hemden verlangt, die sind die Hemden nicht wert. Qualitativ gesehen können sie mit Borrelli, Fray oder Finamore nicht mithalten. Nicht ansatzweise, da braucht man sich nur die Qualität der Knopflöcher anzugucken. Und die bunten Hemden mit Streifen oder Paisleymuster, mit denen Etro berühmt wurde, die sind auch ein wenig aus dem Programm verschwunden. Tauchen aber immer wieder mal auf. Oder man muss sich die Hemden in London bei Duchamp oder Paul Smith kaufen. Die Firma Etro gehört der Familie Etro heute auch nur noch zum Teil; da hat sich über eine Firma namens L Catterton längst die Louis Vuitton Gruppe eingekauft.

Gerolamo (Gimmo) Etro hatte 1968 eine kleine Weberei geerbt und beschlossen, das nachzuweben, was seine Frau Roberta und er bisher gesammelt hatten: Stoffe mit dem Paisley Muster. Zuerst wanderten die Stoffe auf Sofas, Kissen und Handtaschen. Dann gingen die Muster in die Konfektion, die siebziger Jahre schienen nur noch aus Paisley zu bestehen. So etwas trug man im Swinging London, Mick und Bianca Jagger wurden zu einer Art Etro Botschafter. Die Paisley Muster tauchten auch in der Hippie Kultur auf. Vielleicht hat das dirty red bandana, von dem Janis Joplin in Me and Bobby McGee singt, auch ein Paisley Muster.

Die kleine Etro Weberei wurde zu einem internationalen Modeunternehmen, das sich im übrigen mehr als die Hälfte seiner Stoffe heute noch selbst webt. Die Firma wurde nach dem Ausscheiden des Gründers von Gimmos Söhnen geleitet. Ippolito Etro ist für die Finanzen zuständig, und Jacopo kümmert sich um die Lederwaren. Der kreative Kopf des Unternehmens ist Kean Etro, der die Herrenkollektion entwirft. Und für alles Schrille und Bunte in den letzten Jahrzehnten verantwortlich war. Seine Schwester Veronica machte die Damenmode. Wir sehen Kean Etro hier mit den Schauspielerinnen Katja Flint und Ursula Karven bei der Eröffnung der Berliner Etro Filiale. Die Damen tragen selbstverständlich Etro. Der einst so mächtige Kean Etro scheint zu einem Frühstücksdirektor geworden zu sein. Seit zwei Jahren heißt Etros Kreativdirektor Marco De Vincenzo. Der wird vieles ändern, wie wir dem kurzen Dokumentarfilm Radical Etro entnehmen können.

Das Muster, das heute den Namen einer schottischen Stadt trägt, kommt nicht aus Schottland, es kommt aus dem Fernen Osten. Indien oder Persien, da sind sich die Fachleute nicht so ganz einig. Aber die East India Company bringt die Muster der Stoffe nach England. Die indische Herkunft des Musters brachte auch die amerikanichen Hippies, die Hermann Hesses Siddhartha zu einem Bestseller machten, dazu, sich in Paisley Stoffe zu kleiden. Auch die Beatles haben so etwas getragen. In der Industrial Revolution war die kleine schottische Stadt Paisley zu einem Zentrum der Weberei von ganz fein gedrehter Baumwolle geworden, die die Seide ersetzen sollte. Die preiswerte Nachahmung der edlen Cashmere Schals und Tücher wurde ein Welterfolg. Obgleich man in Spitalsfield eine eigene Seidenproduktion hatte, wurde im 18. Jahrhundert mehr und mehr Baumwolle getragen. Lesen Sie mehr dazu in 18th century: Fashion.

Dies ist Margaret Kemble Gage, die Gattin des englischen Generals Thomas Gage. Gemalt um 1771 von John Singleton Copley. Sie trägt solche edlen Tücher, die Jahrzehnte später in Paisley nachgeahmt werden. Das turbanähnliche Gebilde, das sie auf dem Kopf trägt, ist ein hauchdünner Cashmere Schal, das ist damals eine große Mode. Die Schals waren so gewebt, dass man sie angeblich durch einen Ring ziehen konnte. Wir haben jetzt im 18. Jahrhundert etwas, das Historiker als Türkenmode bezeichnen. Mozarts Entführung aus dem Serail und sein Rondo alle turca haben auch etwas damit zu tun. Das Paisley Muster hat man früher auch einmal als türkische Gurke bezeichnet.

Die großen Textilfabriken von Paisley, die William Blake sicherlich als dark satanic mills bezeichnet hätte, stehen heute leer. Die Zeit, in der King Cotton herrschte und man die fein gedrehte Bauwolle spann, dauerte nur ein halbes Jahrhundert. Unter der Führung von Thomas Coats war Paisley zum Weltmarktführer im Garnhandel geworden, aber die Wirtschaftskrise der 1840er Jahre setzte der Stadt schwer zu. Die Cotton Panic von 1861 verschlimmert die Lage noch. Die Coats Viyella Grupppe gibt es heute immer noch, doch Paisley spielt für sie keine Rolle mehr. An die stolze Zeit erinnert heute cin Museum für die Garnindustrie. Der Premierminister Robert Peel setzte sich persönlich energisch für die Stadt ein. Und bat die Königin Victoria, in der Öffentlichkeit doch Paisley Schals zu tragen, was sie auch tat. 1842 kaufte sie siebzehn Paisley Schals. Und zum 400-jährigen Jubiläum der Stadt stattete sie Paisley einen Besuch ab.

Ein solches Etro Hemd habe ich nicht, würde ich auch nicht haben wollen. Ich habe ein paar Etro Hemden und ein paar ganz wilde Etro Schlipse in Pink. Mit ganz großen roten Paisley Mustern. Bunte Hemden sind nicht so mein Ding. Aber mein Freund Peter hat früher bunte Hemden mit floralen Mustern getragen, sozusagen als Berufskleidung. Er war nämlich Professor für Kinderheilkunde, und die Kiddies mochten im Krankenhaus einen Arzt in bunten Hemden lieber als einen im steifen weißen Eppendorf Kittel. Ich habe diesen Post mit meinem Etro Lieblingshemd geschrieben. Das ist nicht ganz weiss, hat eher einen Stich ins Gelbliche. Und hat in unregelmäßigen Abständen violette, dunkelblaue, gelbe und braune Streifen da drauf. Dick und dünn. Ein klein bisschen exzentrisch ist das schon.


Dienstag, 13. Februar 2024

Dämonen

Dämonen soll es ja geben. Heute gibt es sie vor allem in Filmen, also in diesem Fantasy Genre, das ich nicht ausstehen kann. Sie könnten jetzt mal eben den Post Fantasy lesen. Das ist einer der wenigen Posts, der hier nicht original erschienen ist, der war schon einmal in einem Buch. Allerdings nicht mit den vielen schönen Illustrationen. Ich schreibe heute über Dämonen, weil ich gerade die Bekanntschaft von einem gemacht habe. Er heißt Mailer DAEMON  und hat irgendetwas mit der E-Mail zu tun. Ich bin vor fünfzehn Jahren bei WEB;DE gelandet, weil ich nichts mit der Telekom und ihrem t-online System zu tun haben wollte. Posteo gab es damals noch nicht. Das haben neuerdings viele Freunde von mir, ist angeblich sicherer als alles andere. Und ökologisch korrekt. Ich hätte vielleicht auch meine alte E-Mail Adresse der Uni behalten können, aber das wollte ich auf keinen Fall. 

Ich bin ja immer mit WEB.DE gut ausgekommen, aber plötzlich bekam ich von Mailer DAEMON diese Nachrichten, die Sie wahrscheinlich auch kennen: 

DKIM-Signature: v=1; a=rsa-sha256; c=relaxed/simple; d=web.de; s=s29768273;
t=1706519669; x=1707124469; i=jay@web.de;
bh=PlL6appwj2w28Aa37DB5uxgsVGLaMhtaihMyViDMMI4=;
h=X-UI-Sender-Class:From:Subject:References:To:Date;
b=pjez/6o/fiiNZxzJSK6vm7aUoxV5q2VsDQD/gt5ny5XhykQ/vJdZ8hCdQevsBrc9
9vuPm5SNVwWr00Uq+/iIDseYaJWADr09qBwx91fS2J3c5DX6tHNr99LVR+beLM6lg
mpq3y+95GrzizTkRNRiERqCI7dLXh+8F3Ag1kkIQHUG0U3Z6WVqtf5iBtDvmwz6Lx
leZsZ3/nk4crzcwbxR568zBeAiG+TiHj5g0jH+K/rQoaXqt6N6zXuWtybf6i2+yHK
U6b8sNo0GJ69WNYMkb6ywCu7VK1mhQm1VmaWf/0dxLtEuL4bo5FtLQ9NknKAi96J9
o5Km+Zw4ohjsyuEODA==  das geht jetzt noch seitenlang so weiter

Ich ging auf die Hilfeseiten des Unternehmens, sie halfen nicht. Ich rief da an und telephonierte mit einer netten jungen Dame. Die sagte mir, ich sollte ihr eine nicht zugestellte Mail an die Adresse kundentester8@web.de schicken, damit man die analysieren könnte. Und in spätestens achtundvierzig Stunden sei alles wieder in Ordnung. Sie schickte mir alles, was sie gesagt hatte, auch noch in einer Mail. Die bei mir im SPAM landete, das war nun witzig. Es war nach einer Woche natürlich noch nichts in Ordnung. Ich schrieb der netten jungen Dame noch mehrere Mails.

Ich hatte etwas herausgefunden. Wenn ich einem Freund einen neuen Post aus dem Blog schickte, kam die Mail zurück. Wenn ich einem Freund einen interessanten Artikel aus dem Guardian schickte, retournierte mir der Mailer DAEMON den sofort. Verschickte ich eine Mail, an der keine Internetadresse dranhing und auch keine Internetadressen im Text vorkamen, wurde die Mail befördert. Das SPAM Überwachungssystem von WEB.DE betrachtete anscheinend Internetadressen als SPAM. Das Ergebnis teilte ich der Firma WEB,DE mit. Ich unterließ es nicht, darauf hinzuweisen, dass der Blog SILVAE alles Mögliche sei, aber auf keinen Fall SPAM. Nach dieser Mail war wieder einige Tage Ruhe, und dann kam aus heiterem Himmel die Nachricht: Die Funktionen im WEB.DE Postfach sind wieder uneingeschränkt verfügbar. Der E-Mailversand sollte wieder funktionieren. Und das tut er. Bis der Mailer DAEMON sich mal wieder rührt. 

Das hübsche Bild das oben ist ein Detail des Kuppelfreskos von Paul Troger aus dem Jahre 1733 in der Stiftskirche Altenburg.

Donnerstag, 8. Februar 2024

Caspar David Friedrich (2)


Das hier sieht aus wie ein Bild von Caspar David Friedrich, aber es ist nicht von ihm. Es ist von dem Dresdner Maler Ernst Ferdinand Oehme, der ein Schüler von Christian Clausen Dahl war. Dahl hatte Oehme seinem Freund Caspar David Friedrich vorgestellt; und Oehme hatte sich mit Friedrichs Schüler Johann August Heinrich angefreundet und mit dem zusammen in der Natur gemalt. Wir finden den wenig bekannten Oehme erstaunlicherweise in einem Ausstellungskatalog zu Caspar David Friedrich, der 1972 in London erschienen ist. Zwei Jahre, bevor die großen Caspar David Friedrich Ausstellungen in Hamburg und Dresden stattfinden, gibt es die deutsche Romantik in London. Wir müssen es ganz klar sagen: die Engländer haben bei der Wiederentdeckung von Caspar David Friedrich die Nase vorn.

Und das verdanken sie diesem Mann hier, dem Professor William Vaughan. Über den das Birkbeck College sagt: Professor William Vaughan is one of the most respected historians and critics of Romantic art in the world. He was almost single-handedly responsible for the introduction of German Romantic art to a British public, doing more to foster this area of study than any other writer. This undertaking began with the exhibition of the work of Caspar David Friedrich that he curated at the Tate Gallery in 1972, an exhibition that began a sea-change in opinion with regard to this artist, rescuing him from the discrediting opinion of Kenneth Clark, who dismissed him as a painter who was trying to do with a brush what could much better be done with a pen. 

Professor William Vaughan ist in diesem Blog kein Unbekannter, in dem Post Gainsborough heißt es über ihn: Ich habe noch einige Lesetips zum Schluss (mehrere Leser haben mir geschrieben, dass sie die ganz nützlich fänden). Wenn es nur ein Buch sein soll, dann sollte es Gainsborough von William Vaughan aus der Reihe World of Art von Thames & Hudson sein. Es gibt kein Buch, das auf 224 Seiten so umfassend und lesbar in Leben und Werk Gainsboroughs einführt. Reich illustriert mit 172 Abbildungen (davon 68 in Farbe) gibt dieses Buch dem Leser einen schnellen Zugang zum Werk. Das aber nicht auf Kosten einer seriösen Wissenschaftlichkeit, Vaughan ist auf dem neuesten Stand der Forschung. Dies zeigt die Einarbeitung von Forschungsergebnissen, die Ellis Waterhouse bei seinem Katalog von 1958 noch nicht kennen konnte. Und auch die kurze Bibliographie ist ein Meisterstück der Selbstbeschränkung, aber alles Wesentliche steht drin. Professor Vaughan beherrscht nicht nur sein Fach und seinen Gegenstand, er kann auch gut schreiben. Das ist etwas, was Engländer ja häufig ihren deutschen Kollegen voraus haben.

Die Ausstellung, die William Vaughan in der Tate Gallery kuratierte (von der wir hier zwei Photos der modernistischen Präsentation sehen können), hatte er sich in Deutschland zusammengeliehen. Nicht in Hamburg oder Berlin, nein im Osten Deutschlands. 1971 hatte er Hans Joachim Neidhardt in Dresden besucht und mit ihm über den Austausch von Bildern verhandelt. Die DDR Führung hatte nichts gegen den Engländer, man war glücklich, einmal auf internationaler Ebene vertreten zu sein. Vaughan (den Neidhardt als gutmütigen, rotbärtigen Hünen beschrieb) hatte auch ein Angebot dabei, dem Neidhardt nicht widerstehen konnte: eine William Turner Ausstellung der Tate Gallery. 

Die Turner Ausstellung kam dann im Juli 1972 ins Albertinum nach Dresden. Neidhardt reiste nach London und hielt auf dem Romantik Symposium einen Vortrag, den ihm ein Freund ins Englische übersetzt hatte. Mit dem Englischen hatten sie es in der DDR ja nicht so. Dass der Landschaftsmaler Ernst Ferdinand Oehme mit seinen Bildern (hier ist noch eins von ihm) in London dabei war, hatte Neidhardt durchgesetzt. Der Dresdner Maler lag ihm am Herzen. 1997 organisierte er zum zweihundertsten Geburtstag Oehmes eine Ausstellung des Landschaftsmalers.
 
Der gerade im Alter von neunundneunzig Jahren verstorbene Hans Joachim Neidhardt hatte 2020 eine Autobiographie mit dem Titel Über dem Nebelmeer: Lebenserinnerungen vorgelegt. Der Sandstein Verlag stellt hier eine Leseprobe zur Verfügung, in der wir lesen können, wie sich Neidhardt damals bei seinem London Besuch fühlte. Eine Neuauflage des vergriffenen Buches ist für den März 2024 vorgesehen. Neidhardts Buch Die Malerei der Romantik in Dresden, das inzwischen zu einem Klassiker geworden ist, kann man antiquarisch noch ganz preiswert finden. Den Londoner Katalog der Tate Gallery, an dem er mitwirkte, übrigens auch. 

Bei der Vorstellung des Buches Über dem Nebelmeer: Lebenserinnerungen schrieb die Freie Presse, dass Neidhardt Caspar David Friedrich und die Romantiker in der DDR aus der Schmuddelecke geholt habe. Das ist sicherlich richtig, denn in die Schmuddelecke war Caspar David Friedrich deshalb geraten, weil ihn die Nazis vereinnahmt hatten. Weil ein Dr Kurt Karl Eberlein schrieb: der langvergessene Meister ist neuerwacht und lebt mit seiner unvergänglichen Kunst wieder unter uns. Aber ehrt und liebt ihn auch sein Volk schon genug? Lebt er auch in unserer Jugend wirklich fort? Kennt man ihn und sein Werk wirklich so, wie es jeder große Meister verdient? Man sah in Friedrich plötzlich eine nordisch-männlichen Romantik. Dazu kann man mehr lesen in Nina Hinrichs' Buch Caspar David Friedrich - ein deutscher Künstler des Nordens. Analyse der Friedrich-Rezeption im 19. Jahrhundert und im Nationalsozialismus

Den Dr Eberlein hatte ich schon 2010 in dem Post Caspar David Friedrich zitiert. Und die beiden älteren Damen mit Dutt und silbernen germanischen Spangen auf der Lodenjacke, die einen Katalog mit Adler und Hakenkreuz vorne drauf in der Hand hielten, die habe ich mir nicht ausgedacht. Die waren 1974 wirklich in der Hamburger Kunsthalle. Man sollte meinen, dass die Vereinnahmung Friedrichs durch die Nazis jetzt endlich vergessen sei, aber sie taucht doch immer wieder auf. In einer Besprechung der Londoner Ausstellung The romantic spirit in German art: 1790-1990 vertrat Andrew Graham-Dixon im Independent 1994 unter der Überschrift As if Hitler never existed eine etwas seltsame Meinung: This particular strain of Romanticism would mutate into one of the most virulent strains of Nazism - its evangelical, apocalyptic desire to 'purify' the world of unclean elements, to make it as actually 'clean' and 'German' a place as the mythical landscape into which Caspar David Friedrich's Wanderer gazes. So kommen wir von Caspar David Friedrichs Bildern zu Hitlers Reinigung der Welt. Und zu Sätzen wie: Of course, as the organisers may care to argue in their defence, German Romanticism produced many, many things that were not Nazism - but Nazism was the biggest and most dreadful thing that it did produce. Any history which pretends otherwise is a lie. Der Kurator der Ausstellung Christoph Vitali bezeichnete das Ganze in einem Interviw mit dem Spiegel als Dünnschiß.

Mit dem konfusen Gesamtkomzept der Ausstellung, die den romantic spirit als Kuddelmuddelbegriff für zweihundert Jahre deutscher Kunst gebrauchte, hatte William Vaughan nichts zu tun. Ich glaube auch nicht, dass er behaupten würde, dass die deutsche Romantk die Nzis hervorgebracht hat. Er hat an der Ausstellung mitgewirkt, aber nur für die Zeit Caspar David Friedrichs steht er im Katalog. Der Satz one of the most respected historians and critics of Romantic art in the world, mit dem das Birkbeck College Professor William Vaughan beschrieb, ist nicht übertrieben. Wenn man sich seine Publikationsliste anschaut, dann ist man beeindruckt. Zu dem Thema Romantik war er trotz vieler anderer Publikationen immer wieder zurückgekehrt. So 1980 mit dem Buch German Romantic Painting (von dem man hier viel lesen kann) und 2004 dem Buch Friedrich bei der Phaidon Press in der Reihe Art & Ideas. Zweihundert Abbildungen auf 352 Seiten, es gibt in englischer Sprache für den normalen Leser nichts Besseres. Warum wird das Buch nicht ins Deutsche übersetzt? Trauen wir den Engländern nicht zu, dass sie Caspar David Friedrich verstehen können?

Dies ist das einzige Bild von Friedrich, das die National Gallery besitzt, man hat es 1987 gekauft (der Louvre besaß schon zehn Jahre früher ein Bild von Friedrich). Damals war es das erste Friedrich Gemälde in einer öffentlichen Sammlung in England. Kenneth Clark hätte in den fünfzehn Jahren, als er Direktor der National Gallery war, Bilder von Friedrich kaufen können. Aber er hat es nicht getan. Als er 1948 an der National Gallery aufhörte, schrieb er das Buch Landscape into Art, wo er Friedrich einige Sätze im Zusammenhang mit dem Maler Samuel Palmer gönnt: If in some of his drawings Palmer’s use of decorative symbols reminds us of a Verdure tapestry, in others the freedom of his means anticipate van Gogh. In this he surpassed that other romantic landscape painter whose brooding on nature is in many respects similar to his, Caspar David Friedrich. For Friedrich, for all the intensity of his imagination, worked in the frigid technique of his times, which could hardly inspire a school of modern painting. In seiner weltberühmten Serie Civilisation erwähnt er Friedrich einmal, in seinem Buch The Romantic Rebellion: Romantic Versus Classic Art auch einmal. Das isses. Aber wir können William Vaughan dafür dankbar sein, dass er da weitermachte, wo Lord Clark gar nicht erst angefangen hat. Und weil er a sea-change in opinion with regard to this artist bewirkt, einen tiefgehenden Meinungsumschwung.


Dienstag, 6. Februar 2024

Caspar David Friedrich (1)


Ich war erst wenige Monate im Internet, als ich den Post Caspar David Friedrich schrieb. Viele Leser, die den Post zufällig entdeckten, mochten ihn nicht; es war ihnen zu frech, was da stand. Kratzte ein wenig an der deutschen Innerlichkeit. Jetzt haben wir ein Caspar David Friedrich Jubiläumsjahr, da sollte ich vielleicht noch etwas schreiben. Weil dieser Blog ja immer ein Kunst-Blog war. Der Maler aus Greifswald (das damals noch schwedisch war) wurde am 5. September 1774 geboren, aber die Feiern zu seinem zweihundertfünfzigsten Geburtstag haben längst angefangen. In der Kunsthalle Hamburg läuft schon seit dem 15. Dezember 2023 eine große Ausstellung. Die Eröffnung der Ausstellung, bei der auch der Bundespräsident sprach, habe ich hier in einem Livestream. Das Buch zur Ausstellung Caspar David Friedrich: Kunst für eine neue Zeit, herausgegeben von Markus Bertsch und Johannes Grave, ist zum Teil bei Google Books zu lesen. In Hamburg ist vielleicht die größte, aber nicht die einzige Ausstellung im Jubiläumsjahr; auch in Dresden, Leipzig und Weimar, die Hauptwerke von Friedrich besitzen, gibt es Ausstellungen.

An die große Caspar David Friedrich Ausstellung der Kunsthalle Hamburg fünfzig Jahre zuvor, für die der Hamburger Direktor Werner Hofmann nur kümmerliche 100.000 Mark vom Staat bekam, kann ich mich noch gut erinnern. Ich habe sie viermal besucht, eigentlich nicht wegen Friedrich, sondern wegen des schönen Gefühls, dass mein grüner Mitgliedsausweis der Freunde der Kunsthalle mir freien Eintritt bescherte und mich elegant an den immer länger werdenden Schlangen vorbeigehen ließ. 220.000 Besucher haben die Ausstellung damals in drei Monaten gesehen, 45.000 Kataloge wurden verkauft. Zu sehen waren damals 95 der rund 140 erhaltenen Gemälde und 137 grafische Blätter. Als Leihgaben kamen 83 Gemälde nach Hamburg, davon - und das war eine kleine Sensation - 22 Bilder aus der DDR. Es kamen auch zehn Bilder aus Russland, dem Land, das dank Wassili Andrejewitsch Schukowski neben Deutschland die größte Zahl von Caspar David Friedrich Gemälden besitzt.

Im Vorfeld der Ausstellung hatte sich Hofmann an die DDR gewandt und darum gebeten, die Friedrichs aus Dresden ausleihen zu dürfen. Das Ministerium für Kultur der DDR wusste nicht so recht, was es tun sollte, der Maler passte kaum ins politische Konzept. Der Kustos der Dresdner Gemäldegalerie Neue Meister Hans Joachim Neidhardt (der hier schon in den Posts Wanderer im Sturm und Christian Friedrich Gille erwähnt wird) handelte der DDR Führung einen genialen Kompromiss ab. Hamburg würde die Bilder bekommen, wenn er anschliessend in Dresden eine Caspar David Friedrich Ausstellung machen dürfe. Mit Hamburger Exponaten. Und so gab es vom 24.11.1974 bis 16.2.1975 im Albertinum die Ausstellung Caspar David Friedrich und sein Kreis, sie lockte 260.000 Menschen an. Den Mönch am Meer und die Abtei im Eichwald bekam Neidhardt nicht, die gehörten zum Bestand der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und auf den meldete die DDR damals juristische Ansprüche an. 

Die Hamburger Ausstellung war Teil eines über Jahre gehenden Projekts, das Kunst um 1800 hieß. Es umfasste die Ausstellungen: Ossian und die Kunst um 1800 (09. Mai 1974 – 23. Juni 1974), Caspar David Friedrich (14. Sept 1974 – 03. Nov 1974), Johann Heinrich Füssli (04. Dez 1974 – 19. Jan 1975), William Blake. Kunst um 1800 (06. März 1975 – 27. April 1975), Johan Tobias Sergel (22. Mai 1975 – 21. Nov 1975), William Turner und die Landschaft seiner Zeit (19. Mai 1976 – 18. Juli 1976), Runge in seiner Zeit (21. Okt 1977 – 08. Jan 1978), John Flaxmann. Mythologie und Industrie (20. April 1979 – 03. Juni 1979) und Goya. Das Zeitalter der Revolutionen (17. Okt 1980 – 04. Jan 1981). Ich habe alle Ausstellung gesehen, viele (zum Beispiel Nicolai Abildgaard und Apotheose) sind in meinen Blog gewandert.

Ein derartiges Ausstellungskonzept hat es, glaube ich, nie wieder gegeben. Die Ausstellungen wurden begleitet von hervorragenden Katalogen des Prestel Verlags. Am Ende der Ausstellungsreihe gab es noch eine Festschrift für Werner Hofmann, die Kunst um 1800 und die Folgen hieß. Und Hofmann hat über Friedrich auch noch das Buch Caspar David Friedrich: Naturwirklichkeit und Kunstwahrheit geschrieben. Über die Friedrich Ausstellung 1974 hatte Hofmann gesagt: Man kann ohne Übertreibung und Selbstlob sagen, dass unser Überblick das Maximum des Erreichbaren umfasst. Eine gewichtigere Ausstellung wäre weder heute noch zu einem späteren Zeitpunkt realisierbar. Der Begriff Blockbuster Ausstellung war noch nicht geläufig, aber das war es gewesen, so viele Besucher hatte die Hamburger Kunsthalle noch nie gesehen. 

Wir betrachten Friedrich immer als Einzelerscheinung, als Ausnahmeerscheinung. Selten wird er in den Zusammenhang mit Zeitgenossen gesetzt, die malerisch ganz andere Dinge machen. Dies hier ist kein Bild von Caspar David Friedrich, es ist ein Bild eines Malers, der im selben Jahr wie Friedrich stirbt: Carl Blechen. Und wir sollten immer bedenken, dass John Constable ein Zeitgenosse ist. Als Friedrich seine Kreidefelsen malt, malt Constable Weymouth Bay

Die Hamburger Ausstellungsreihe Kunst um 1800 sah Friedrich im europäischen Zusammenhang, das war selten. Das erste Mal, dass ich las, dass ein Kunsthistoriker Caspar David Friedrich im Zusammenhang mit John Constable betrachtete, war bei dem englischen Kunsthistoriker Matthew Craske. Sein Buch Art in Europe 1700-1830, das in der Oxford History of Art erschien, habe ich schon in dem Post 18th century erwähnt. Und dort auch den berühmten Roy Porter zitiert, der über das Buch sagte: This survey comes as a breath of fresh air ... here is art history at long last properly embebedded in its wider historical context. 

Wir haben ungefähre Vorstellungen von der zahlenmässigen Größe von Friedrichs Werk, der ausgezeichnete Wikipedia Artikel gibt sie uns. Es ist ein Werk, das immer Verluste hinehmen musste. Zum einen durch fehlerhafte Zuschreibungen. Dieses Bild galt über hundert Jahre als Friedrich, ist aber von Carl Julius von Leypold. Das hat Werner Sumowski, international renommierter Rembrandt Experte, herausgefunden. Caspar David Friedrich lag dem Rembrandtforscher ein wenig am Herzen, da er sich über diesen Maler habilitiert hatte. Mit seinem Aufsatz im Pantheon (1971) wurden über Nacht drei Bilder von C.D. Friedrich zu Bildern von Carl Julius von Leypold. Den Museen, die diese Bilder besaßen, hat das sehr wehgetan. 

Es gibt andere Verluste. Dieses in Frankfurt gestohlene Bild, das der Hamburger Kunsthalle gehörte, ist wieder aufgetaucht. Es gibt größere Verluste, die drei Friedrichs, die der Kunstsammler Johann Friedrich Lahmann seiner Heimatstadt Bremen vermachte, gibt es nicht mehr, sie sind 1936 in München verbrannt. Ich habe hier eine Liste der Verluste. Und dann kommen noch die Verluste während der Kriegs- und Nachkriegszeit. Helmut Börsch-Supan und Karl Wilhelm Jähnig haben in ihrem Katalog: Caspar David Friedrich. Gemälde, Druckgraphik und bildmäßige Zeichnungen, der 1973 im Prestel Verlag erschien, natürlich eine Liste der Fehlbestände. Aber das maßstabsetzende Verzeichnis Verschollene und nicht identifizierbare Gemälde, Sepien, Aquarelle, Radierungen findet sich 1970 in dem Buch Caspar David Friedrich Studien von Werner Sumowski. Die Liste umfasst 488 Nummern.

Als die Stiftung Pommern noch im Rantzaubau des Kieler Schlosses war, konnte ich mir jede Woche Caspar David Friedrich Bilder anschauen. Zum Beispiel das große Bild Neubrandenburg im Morgennebel. Ich war beinahe immer allein in den Räumen, offenbar kannte niemand dieses Kleinod einer Kollektion, in der es auch einen van Gogh gab. Man nahm mir keinen Eintritt mehr ab, man wusste, dass ich die Sammlung schon ganzseitig in der Universitätszeitung semester gewürdigt hatte. Von Zeit zu Zeit gab es oben im Vortragssaal, wo das Klavier stand, noch kleine Sonderausstellungen von Zeichnungen und Aquarellen. Die Sammlung ist nicht mehr in Kiel, sie ist da, wo sie hingehörte. Irgendwie ist das schade. Meine Museumsbesuche sind in die Posts Albert Weisgerber, Ferdinand von Rayski, von Kügelgen und Gotthart Kuehl gewandert.

Caspar David Friedrich tauchte hier zuletzt in dem Post Skying auf, weil ich in da Lea Singers netten Roman Anatomie der Wolken erwähnte, der von einem Zusammentreffen von Goethe und Friedrich handelt. Mein erster Post aus dem Jahre 2010 blieb nicht das Einzige von Friedrich in diesem Blog. Drei Jahre später schrieb ich Kreidefelsen, das war ein sehr substantieller Post, den kein Leser mehr kritisierte. Hinter dem Titel des heutigen Posts steht die Zahl Eins, ich habe vor, bis zum 5. September des Jahres noch einige andere Posts zu schreiben.