Mittwoch, 7. Januar 2015

Emoji Dick


Das erste Kapitel von Moby-Dick heißt Loomings. Daher kommt meine Blog Adresse, ich hatte ganz am Anfang die Idee, einen reinen Melville Blog zu schreiben. Der erste Satz im ersten Kapitel heißt Call me Ishmael. Sie können das hier illustriert zweisprachig sehen, einmal im englischen Original und einmal in Emoji. Das ist, wie der Wikipedia Artikel weiß: Ein Emoji [emodʑi] (jap. 絵文字 bzw. えもじ Bildschriftzeichen) ist ein Ideogramm, das insbesondere in SMS und Chats längere Begriffe ersetzt. Alles klar?

Und nun gibt es eine neue Ausgabe von Moby-Dick. Es gibt ja schon eine Vielzahl von ➱Ausgaben des Romans, so ist es ja nicht. Es stellt sich nur die Frage: Musste das wirklich sein? Als ich 1976 bei der Vorbereitung der Schleswiger ➱Ausstellung Illustrationen zu Melvilles Moby-Dick mit einem Cartoon aus dem Playboy ankam, auf dem eine übergewichtige nackte Prostituierte zu einem Seemann sagt: And stop calling me Moby Dick!, dachte ich mir, dass mit solchen Dingen ein Tiefpunkt erreicht sei. Alle Jugendbuchversionen und Comics hatten wir schon gesammelt. Der Museumsdirektor Dr Joachim Kruse druckte den Cartoon aber ohne mit der Wimper zu zucken ab. Heute beschäftigt sich die Popular Culture scheinbar nur noch mit Produkten dieser Art. ➱Andrew Delbanco gibt in der Einleitung seines vorzüglichen Buches Melville: His World & Work einen Eindruck davon.

Aber für Freunde des Romans gibt es bessere Literaturtips als dieses Machwerk Emoji Dick. Zum Beispiel das Buch von Philip Hoare Leviathan or, The Whale. Und eine interessante Internetadresse hätte ich auch noch: eine Onlineversion des ➱Romans mit Anmerkungen. Die zwar nicht das Niveau der Hendricks House Ausgabe von 1952 erreichen, aber doch für sehr viele Leser nützlich sein mögen. Und wenn Sie Emoji Dick unbedingt lesen wollen (die Library of Congress soll auch schon ein Exemplar haben), dann klicken Sie ➱hier. Viel Vergnügen bei der Lektüre.

Kommentare:

  1. Erstaunlich, was sich mit den Neuen Medien immer noch finden lässt..... Allerdings, es wirkt meistens kühler, denn nur das reißerische ist kein Ersatz für Seele, finde ich.

    Grüße aus der Brecht-Stadt
    Von
    Heidrun

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  2. Lieber Jay, nach wie vor großartig, Ihr Blog.
    Ein Hinweis für "Moby-Dick"-Fans: In Fischers "Neuer Rundschau" werden alle 135 Kapitel des Romans nach und nach von Kulturwissenschaftlern kommentiert. Sehr ins Detail gehend, aber lohnend.

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  3. Das ist jetzt interessant. Ich hab auch mit einem reinen Moby-Dick-Blog angefangen, der stille liegt wie , aber unter ismaels.wordpress.com noch existiert. Es war nämlich ein gemeinschaftliches Leseprojekt, bei dem man zu viele Leute zusammenhalten musste. Sinn war, wie jetzt die "Neue Rundschau" kapitelweise in größtmögliche Tiefe vorzudringen. Wenn das jetzt von Kulturwissenschaftlern betrieben wird, wären wir sowieso obsolet. Genau das wäre ein Eintrag dafür gewesen.

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