Dienstag, 27. Januar 2015

Arnold Duckwitz


Harry von Duckwitz liebt die schönen Frauen und den Jazz. Er ist im diplomatischen Dienst, steigt da aber früh im Leben aus. Harry ist ein charmanter, scharfzüngiger Versager und Tunichtgut. Wir kennen ihn aus drei Romanen. Seine Lieblingstitel kann man auf den drei CDs Wie man mit Jazz die Herzen der Frauen gewinnt hören. Zusammengestellt nach dem Geschmack des legendären Frauenhelden Harry von Duckwitz, dem Held aus Joseph von Westphalens Romanen "Im Diplomatischen Dienst", "Das schöne Leben" und "Die bösen Frauen" Harry von Duckwitz kennt Titel, die selbst ausgewiesene Jazz-Hasserinnen weich werden lassen, steht auf dem Schuber. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob man mit den CDs wirklich Frauen rumkriegen kann. Das, was der ➱Dr Achim Körnig mir auf CDs gebrannt hat (und was man mal vor Jahren in seiner Sendung namens Round Midnight bei einem bayrischen Privatsender hören konnte), ist viel besser.

Es war dem alter ego von Harry von Duckwitz, dem Grafen Joseph von Westphalen, der die drei schönen Duckwitz Romane geschrieben hat, später etwas peinlich zu erfahren, dass es wirklich einmal einen Duckwitz im diplomatischen Dienst gegeben hatte. Der hieß Georg Ferdinand Duckwitz, er kam aus einer alteingesessenen Bremer Familie und war Jahrzehnte im diplomatischen Dienst gewesen. Dann holte man ihn aus dem Ruhestand zurück. Der parteilose Duckwitz, der jetzt in ➱Lesum in einem von ➱Ernst Becker-Sassenhof gebauten Haus wohnte, wurde außenpolitischer Berater von Willy Brandt. Jetzt konnte er in der Ostpolitik das durchsetzen, was ihm Konrad Adenauer einst nicht erlaubt hatte.

1958 hatte der Außenminister Heinrich von Brentano Duckwitz als Leiter der Ostabteilung in das Bonner Auswärtige Amt geholt.  Duckwitz machte seine seine ganz eigene Ostpolitik, die wenig mit Adenauers Politik zu tun hatte. Adenauer feuerte ihn. Duckwitz wurde nach Neu Delhi versetzt. Wo er sich die Zeit damit vertrieb, die Lebensgeschichte des Kollegen Edmund F. Dräcker um einige Kapitel zu bereichern. Humor hatte er. Von ihm ist der schöne Satz überliefert: Adenauer haßt nur drei Dinge: die Russen, die Engländer und das Auswärtige Amt. Als er aus dem Ruhestand nach Bonn zurückkam, sagte er zu den Journalisten der Pressekonferenz: Wer mich für klug hält, sagt zu mir "Herr Doktor Duckwitz'; wer mich für fein hält, sagt "Herr von Duckwitz'; und wer was von mir will, sagt "Herr Doktor von Duckwitz." Aber ein von Duckwitz war er wirklich nicht, und sein Leben hatte nun ganz und gar nichts mit unserem Schwerenöter Harry von Duckwitz zu tun.

Dieser Duckwitz ist einer der Männer, die einem den Glauben an Deutschlands Zukunft wiedergegeben haben, hat der dänische Ministerpräsident Hans Hedtoft Hansen einmal über Georg Ferdinand Duckwitz gesagt. Ist es denn erstaunlich, daß wir diesen Mann so hochschätzen und meinen, unendlich tief in seiner Schuld zu stehen? Ich meine nicht allein politisch und national, sondern auch menschlich. Er gab uns mitten in einer dunklen, bösen und brutalen Zeit ... eine Bestätigung dafür, daß es auch unter den Deutschen noch Menschen, mutige und denkende Männer gab. Duckwitz hatte ihm im September 1943 anvertraut, dass die Deportation der dänischen Juden (die er vergeblich zu verhindern versucht hatte) unmittelbar bevorstehe.

Und noch vor Kriegsende hat Duckwitz in Verhandlungen mit Schweden, dem deutschen Statthalter in Dänemark Werner Best und mit dem Hamburger Gauleiter Kaufmann erreicht, dass die Deutschen in Dänemark und Schleswig-Holstein kampflos kapitulierten. Dies ist einer jener glücklichen Augenblicke, der mir die wohltuende Gewißheit gibt, nicht umsonst auf der Welt zu sein, vertraute er einem Freund an. Der dänische Historiker Hans Kirchhoff hat ihm in seinem Buch Den gode tysker ein Denkmal gesetzt. Eine Kurzfassung (mit Bildern) finden Sie ➱hier in der Gedenkschrift des Auswärtigen Amtes für Georg Ferdinand Duckwitz. Es lohnt sich, das zu lesen.
Die Dänen haben Duckwitz für seine Verdienste mit dem Komturkreuz des Danebrog Ordens geehrt. Und das Holocaust Zentrum Yad Vashem zählt ihn zu den ➱Righteous Among The Nations. In der Villa Frieboeshvile in der Hovedgade 2 von Lyngby hatte Duckwitz seit 1941 gewohnt. Er hat die Wohnung bei Kriegsende nicht aufgegeben, Kopenhagen lag ihm am Herzen. 1955 ist er dort deutscher Botschafter geworden. Für Theo Sommer war er in einem Nachruf eine der nobelsten Gestalten unseres diplomatischen Dienstes, dem ist wenig hinzuzufügen.

Der Urgroßvater des deutschen Botschafters in Dänemark hieß Arnold Duckwitz (Bild). Er wurde am 27. Januar 1802 in Bremen geboren. Er war Kaufmann und wurde bald der Führer und Flügelmann der Kaufmannschaft und Präsident der Bürgerschaft. 1841 wurde er Senator, und 1848 wurde er als einer der beiden Vertreter Bremens nach Frankfurt entsandt. Dort ernannte ihn der Reichsverweser Erzherzog Johann von Österreich zum Reichshandelsminister. Und er baute, weil man ihn auch noch mit dem Marinedepartement betraute, die Reichsseewehr der deutschen 48er Regierung auf. Die dann - das ist nach dem oben zu Duckwitz und Dänemark Gesagten ein klein wenig ironisch - gegen die dänische Flotte kämpfte.

Das mit Arnold Duckwitz weiß ich, seit ich lesen kann. Denn über dem Eingang des großen Hauses bei uns gegenüber, in dem das Fräulein Carla Hockemeyer mit ihren Dackeln wohnte, war eine Steintafel, auf der stand: Auf diesem Landsitz wohnte Arnold Duckwitz 1802 bis 1881 Bürgermeister von Bremen 1848 Reichshandelsminister in Frankfurt a.M. Gründer der ersten deutschen Reichskriegsflotte. Von dem Haus gibt es keine Abbildung im Internet, auch in der Datenbank des Landesdenkmalamtes gibt es keine. Man könnte glauben, dass es den repräsentativen Landsitz mit Blick auf die Weser niemals gegeben hat. Aber im Einwohnerverzeichnis der Gemeinde Vegesack von 1856 steht: Duckwitz, Arnold, Senator in Bremen, Sommerwohnung, Weserstr. 76 u. 77. Und das Landhaus ist natürlich in Rudolf Steins Klassizismus und Romantik in der Baukunst Bremens abgebildet.

Arnold Duckwitz (hier ist er auf einem etwas schief hängenden Gemälde in der Wandelhalle des Bremer Rathauses) hat in der Deutschen Biographie einen ➱Eintrag, der natürlich viel besser ist als der Wikipedia Artikel, und die Bremischen Biographien des 19. Jahrhunderts widmen ihm einige Seiten. Obgleich er die erste deutsche Flotte aufgebaut hat, habe ich vor seinem Haus nie eine Delegation der deutschen Bundesmarine gesehen. Wir haben es da wohl nicht so mit der Tradition wie die Engländer mit ihrer Royal Navy. Der junge Hockemeyer, der den Duckwitzschen Landsitz erbte, hat ihn abreißen lassen. Stand zwar unter Denkmalschutz, aber wen kümmert das? Gab eine Konventionalstrafe und einige Jahre Bauverbot, das schlägt man doch auf die Preise der Eigentumswohnungen der beiden Apartmenthäuser auf, die dann da gebaut wurden. Er war als Kind das, was man in Köln 'ne fiese Möpp nennen würde. Heute gilt er laut Wikipedia als hanseatischer Mäzen. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Das Buch von Duckwitz Denkwürdigkeiten aus Meinem Öffentlichen Leben. Von 1841-1866: Ein Beitrag Zur Bremischen Und Deutschen Geschichte hat er bestimmt nie gelesen.

Lesen Sie auch: ➱Admiral Brommy.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen