Samstag, 14. April 2012

Politisch Lied


Ein garstig Lied! Pfui! ein politisch Lied!, den Satz darf man zitieren, der ist von Goethe. Politische Gedichte sind immer ein klein wenig problematisch. Wenn man heutzutage politisches Gedicht bei Google eingibt, sind die ersten Seiten zugemüllt mit Günter Grass. Dabei hat es schon immer politische Gedichte gegeben. Was Christian Fürchtegott Gellert (in dem Post ➱Eduard Daege) unerschrocken Friedrich II. vorträgt, ist auch ein politisches Gedicht. Unsere deutsche Literatur hat immer politische Lyrik gehab, nicht nur zur Zeit der Freiheitskämpfe gegen Napoleon und 1848. Wenn Dichter, die politische Gedichte geschrieben haben, lange genug tot sind, dann mögen wir sie auch, vorher meistens nicht. Dann tun sie uns nicht mehr weh. Heinrich Heine wäre so ein Fall.

Was that dir, Thor, dein Vaterland?/Dein spott' ich, glüht dein Herz dir nicht/Bey seines Namens Schall! Das ist jetzt nicht auf Günter Grass gemünzt, das ist von Klopstock. Ich wollte mich aus dieser augenblicklichen Hysterie heraushalten, aber dann schickte mir ein Freund diesen selbstgezeichneten Cartoon da oben, der noch'n Gedicht betitelt ist (wobei der Hahn auch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Hahn von Günter Grass auf dem Wahlplakat weiter unten hat). Und ich dachte mir, dass dieser Hahn eine größere Verbreitung erfahren sollte. Es muss auch bei ernsten Themen - oder in Zeiten einer Massenhysterie wie jetzt - ein wenig Humor dabei sein. Vielleicht hatte Oliver Welkes heute-show gestern Abend schon eine kathartische Wirkung.

Wenn ich auch Günter Grass gern gegen eine Flut von Schwachsinn, die jetzt über die Deiche der Vernunft schwappt, verteidigen möchte, muss ich vorwegschicken, dass er nicht unbedingt mein Lieblingsautor ist. Ich mag ihn eigentlich gar nicht. Ich mag Günter de Bruyn, ich mag Martin Walser, aber ich mag Grass nicht. Ich rauche zwar auch Pfeife und besitze auch ➱Cordjacketts, aber da hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Ich habe ihn mehrmals gesehen, habe auch einmal mit meiner alten Leica ein paar schöne Photos von ihm gemacht (die ihm wohl auch gefallen haben); meine Ex kannte ihn und besaß mehrere Bücher mit persönlicher Widmung. Und mein Freund X (der nicht genannt werden möchte) hatte mal eine Freundin, die später die Frau von Günter Grass wurde. Ich besitze eine Werkausgabe und habe das meiste von Grass gelesen. Ich habe eine Ausstellung besucht, die sein künstlerisches Werk präsentierte. Hat mich nicht wirklich begeistert, so wie mich Grass nie so recht begeistert hat - mit Ausnahme von seinem Roman Ein weites Feld, den finde ich ➱wunderbar. Im Gegensatz zu Herrn Reich-Ranicki.

Ich neide Grass seinen Nobelpreis nicht, im Vergleich mit vielen anderen, die ihn nie hätten kriegen dürfen (wie zum Beispiel diese Herta Müller), hat er ihn vielleicht sogar verdient. Sub specie aeternitatis wahrscheinlich nicht. Ich will sein "Gedicht" Was gesagt werden muss in der ➱Süddeutschen nicht verteidigen. Sie haben bemerkt, dass ich das Wort Gedicht in Anführungszeichen gesetzt habe.

Als literarisches Kunstwerk ist es lächerlich, verglichen mit großer politischer Dichtung ist es einfach nur schlecht. Das besagte Gedicht ist stilistisch aber eher, na sagen wir mal höflich, bemüht? fragte die Reporterin Nana Brink im Interview den Präsidenten der Akademie der Künste Klaus Staeck. Das war noch höflich. Aber dennoch hat Günter Grass das Recht, grottenolmschlechte Gedichte zu schreiben, wenn ihm danach ist. Und er hat auch das Recht auf eine eigene Meinung, auch wenn das, was er in diesem Gedicht sagt, vielleicht nicht ganz zu Ende gedacht ist. Aber von der political correctness - für die die Skribenten von Frau Friede Springer bekanntlich zuständig sind - abweichende Meinungen muss es geben dürfen. Grass hätte das, was er sagen wollte, auch in normaler Prosa sagen können. Zola hat mit J'accuse diesen Weg gewählt. Aber der hatte auch mehr zu sagen. Das alte Lied, das spiel ich neu, Da tanzen alle Leute, Das ist die Vaterländerei, O Herr, mach uns gescheute!

Ich weiß nicht, wann zuletzt ein Gedicht in der Geschichte der deutschen Literatur einen derartigen Wirbelsturm von Reaktionen hervorgerufen hat. Es ist eine ähnliche Hysterie, wie sie nach Philipp Jenningers Rede vom 10. November 1988 eingesetzt hatte. Damals hatte man die gewählte rhetorische Kunstform nicht verstanden - oder besser: nicht verstehen wollen. Als Ignatz Bubis ein Jahr später Passagen aus Jennigers Rede vortrug, regte sich niemand auf. Urplötzlich sind jetzt Leute, die in den letzten Jahrzehnten garantiert kein einziges Gedichte gelesen haben, Fachleute für Poesie. GÜNTER GRASS EMPÖRT DEUTSCHLAND Irres Gedicht gegen Israel titelt das Fachorgan für feinfühlige Gedichtsexegese - die Bild Zeitung als Praeceptor Germaniae, das hatten wir uns schon immer gewünscht. Irgendjemand muss entdeckt haben, dass man das Ganze auch prima vermarkten konnte. Wahrscheinlich sind das die Leute, die Grillparzer verstanden haben:

In Politik zwei wichtge kleine Dinger
Sind Daumen eben und Zeigefinger,
Sie halten die Feder,
Das weiß ein jeder.
Doch Wichtgres noch wird oft durch sie betrieben,
Wenn sie sich übereinander schieben.


Und nun geht er los, der Medienrummel, der zu einer Art Günter Grass Vernichtungsmaschine wird. Mit Gedichtinterpretation hat das wenig zu tun. Die Rentner, die 1968 einer K-Gruppe angehörten, werden mit Befriedigung feststellen, dass die Stilanalyse durch die Ideologiekritik ersetzt wird. Und dann wird auch noch, zack, zack, zwei Huhn ein Gänse, ein ➱Wikipedia Artikel zu dem Gedicht geschrieben - wo bedeutende Werke der Weltliteratur noch immer auf solche Nobilitierung warten. Wahrscheinlich kommen zum Monatsende schon die ersten Bücher zu dem Thema auf den Tisch. Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen, sagte Klaus Staeck im Interview der Mitteldeutschen Zeitung. Wirklich nicht? Staeck, der vor Jahrzehnten keinem Konflikt mit seinen politischen Plakaten aus dem Weg gegangen ist, sollte schon verstehen, was jetzt läuft. Doch er hat in einem Interview mit Nana Brink auch gesagt: Also ich bin kein Gedichte-Rezensent, schon gar nicht einer, der sich anmaßt, das Gedicht eines Nobelpreisträgers in irgendeiner Form zu kritisieren. Es ist eine Form gewählt worden, die ja bewusst eine Kunstform ist. Wäre es ein normaler Text gewesen, ich glaube, die Aufregung wäre auch nur halb so groß gewesen. Das spricht eigentlich, was ich so gar nicht mehr vermutet hätte, für die Gedichte. Gedichte sind eine gefährliche Sache. Haben Dichter plötzlich wieder die verwaiste Position auf dem Olymp der sinnstiftenden Meinungsbildung erobert? Der Satz Ich habe eine gesellschaftliche Rolle eingenommen, die in Deutschland unbesetzt war. […] Die Rolle des öffentlich präsenten Intellektuellen ist nicht von Grass, der ist von Herrn Precht.

Wäre es ein normaler Text gewesen, ich glaube, die Aufregung wäre auch nur halb so groß gewesen. Hätte Grass das Ganze im Schleswig-Holsteinischen Wahlkampf in irgendeinem Provinzkaff erzählt, hätte es bestimmt niemanden interessiert. An Stammtischen auf dem platten Land kann man ähnliche Dinge hören. So aber äußert sich jetzt selbst ein Organ wie die ➱Homepage des Heimatortes von Grass dezidiert zu dem literarischen Werk. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich Anne Will oder Sandra Maischberger dem Thema Günter Grass widmen werden und ➱Richard David Precht seinen Senf dazu gibt. Und das wird jetzt so weiter gehen, bis die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird. Es ist ein Land, wo die Philister thronen... Herr Gott, wie lang willst du die Brut verschonen!

So ist er nun persona non grata in Israel, Einreiseverbote hatte er zuletzt in der DDR und in Birma. Man hat die Aberkennung des Literaturnobelpreises gefordert, und der greise Großinquisitor ➱Reich-Ranicki sieht bei Grass (den er schon bei Erscheinen von Ein weites Feld zerrissen hatte, wie man auf dem Spiegel Titelbild sieht) nur die Absicht den Judenstaat zu attackieren. Und auf die Frage Warum macht Grass das? antwortet Reich-Ranicki: Er macht es aus einem sehr einfachen Grund. Er, Grass, war immer schon an Sensationen, an Affären, an Skandalen interessiert. Mit seinen Gedichten hat er wenig erreicht, Romane hat er nur einen wirklich sensationellen geschrieben, die 'Blechtrommel'. Mit seinem literarischen Werk hat er erreicht, was er erreichen konnte, mehr hat er nicht zu bieten. Und dass er jetzt die Juden attackiert, das ist kein Zufall. Er hat etwas verstanden, was ein anderer vor ihm genau so verstanden hat. Und dieser andere ist Martin Walser. Er hat verstanden: Wenn man die Juden attackiert, kann man damit allerhand erreichen. Und in der Tat haben beide, er und Walser, viel erreicht.

Ich liebe diese literarischen Verschwörungstheorien. Die schönste ist die von ➱Kurt Vonnegut, der einmal erklärte, warum er nie den Nobelpreis bekommen hat: I used to be the owner and manager of an automobile dealership in West Barnstable, Massachusetts, called 'Saab Cape Cod.' It and I went out of business 33 years ago. The Saab then as now was a Swedish car, and I now believe my failure as a dealer so long ago explains what would otherwise remain a deep mystery: Why the Swedes have never given me a Nobel Prize for Literature. Old Norwegian proverb: “Swedes have short dicks but long memories...” Im Gegensatz zu Reich-Ranicki, der vielleicht das glaubt, was er da faselt, hat Vonnegut seine komische Geschichte nicht ernst gemeint.

Welches Gedicht soll ich jetzt zitieren? Mir fiele vieles ein, was den Trubel der letzten Tage kommentiert. Ich nehme einmal ein Gedicht von Günter Grass, das ein wirkliches Gedicht ist. Das keinen nationalen Aufruhr bewirkte und für das es keine Interpretationshilfe von der Bild Zeitung gibt:

Verwaiste Reime - Peter Rühmkorf nachgerufen

Vier, fünf Minuten nachdem das Herz stillstand,
der Atem verging,
waren wir bei ihm: noch warm die Stirn,
auf die ich später, als sie erkaltet schon,
drei Tröpfchen Grappa rieb.


Im Schlaf gestorben: schön sein Profil,
das ich zu zeichnen nicht zögerte.
Kein letztes Wort überliefert: Klappe zu!
Auch mußte, weil haltlos das Kinn
und jederzeit handlich
das große Gedichtbuch –
kurz »der Conrady« genannt –
als Stütze dienen.


Wir hatten den Tod erwartet.
Er ließ mit sich reden, war nachts
woanders geschäftig, trat gegen Mittag ein,
schattenlos aus der Helle kommend:
der verläßliche Gast.


Draußen war Sommer.
Die Vögel zu laut.
Ach Freund! Wer kümmert sich jetzt
um deine Reime? Findling und Gründling,
Eckensteher und Heckenspäher
suchen verwaist einander,
warten vergeblich auf dich,
des Meisters kuppelnder Griff.


Wer hören (und sehen) will, was Günter Grass zu Was gesagt werden muss sagt, der sollte sich dies ➱Interview anschauen.

Freitag, 13. April 2012

Seamus Heaney


Ich habe einmal den irischen Dichter Seamus Heaney getroffen. Das war lange bevor er weltberühmt wurde und den Nobelpreis for works of lyrical beauty and ethical depth, which exalt everyday miracles and the living past erhielt. Für die Zeit nach der Dichterlesung hatte der Veranstalter damals stilecht dafür gesorgt, dass genügend Guinness vom Fass bereit stand. Auch an echte große Guinness Gläser war gedacht worden. Ich persönlich mag das Zeug ja nicht wirklich, aber Seamus Heaney sprach dem irischen Nationalgetränk gerne zu. Er wirkte wie ein verschmitzter großer Junge, mit seinen roten Hosenträgern über dem weißen Hemd. Ich brachte ihn zum Lachen, als ich ihn fragte, ob sein Dichterkollege Robert Lowell jetzt immer Freibier von Guinness bekäme, wo er gerade die Guinness Erbin Caroline Blackwood geheiratet hätte.

Wenn Sie das Gefühl haben, Sie haben das schon einmal gelesen, dann haben Sie recht. Es stand hier schon unter dem Titel Moorleichen zu Anfang meiner Bloggertätigkeit. Seamus Heaney hat heute Geburtstag, und da dachte ich mir, ich erinnere mal wieder an diesen sympathischen irischen Nobelpreisträger, verbunden mit einem Geburtstagsgruß. Das Gedicht, das ich mir ausgesucht habe, heißt Twice Shy, man sollte dafür natürlich die englische Redensart once bitten, twice shy kennen. Es ist ein Gedicht vom Frühling und von der Liebe, aber lesen Sie selbst:

Her scarf a la Bardot,
In suede flats for the walk,
She came with me one evening
For air and friendly talk.
We crossed the quiet river,
Took the embankment walk.

Traffic holding its breath,
Sky a tense diaphragm:
Dusk hung like a backcloth
That shook where a swan swam,
Tremulous as a hawk
Hanging deadly, calm.

A vacuum of need
Collapsed each hunting heart
But tremulously we held
As hawk and prey apart,
Preserved classic decorum,
Deployed our talk with art.

Our Juvenilia
Had taught us both to wait,
Not to publish feeling
And regret it all too late -
Mushroom loves already
Had puffed and burst in hate.

So, chary and excited,
As a thrush linked on a hawk,
We thrilled to the March twilight
With nervous childish talk:
Still waters running deep
Along the embankment walk.

Wenn Sie Seamus Heaney hören wollen, You Tube ist voll von Dichterlesungen und Vorlesungen. Der Literaturnobelpreisträger trägt das, was er zu sagen hat, unaufgeregt und mit Stil vor - in dem Punkt unterscheidet er sich von seinem Kollegen Günter Grass. Es ist ein Vergnügen, Seamus Heaney zuzuhören. Schauen Sie doch hier einmal in die Geburtstagsfeier zu seinem siebzigsten Geburtstag vor drei Jahren hinein. Und das Gedicht Twice Shy liest er auch vor, Sie finden es hier.

Donnerstag, 12. April 2012

Malkunst


'Der Maler in seinem Atelier' in Wien. Wie gern hätte ich dieses Bild gesehen! Das ist wie Athen: Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt, dorthin zu gehen, schwärmte Auguste Renoir über das allegorische Bild Vermeers, das auch den Titel ➱Die Malkunst hat. Das Bild ist etwas komplexer als Eduard Daeges Bild von der ➱Entstehung der Malerei. Wenn Sie alles darüber wissen wollen, kann ich nur den kleinen Band Jan Vermeer Die Malkunst: Aspekte eines Berufsbilds von ➱Hermann Ulrich Asemissen empfehlen. Erschienen in der Fischer Reihe Kunststück, die ganz vorzüglich ist.

Der Maler (vielleicht ist es sogar Vermeer selbst, die Forschung ist sich da nicht einig) malt ein Modell, das eine Muse darstellen soll. Es soll Klio sein, die Muse der Heldendichtung und der Geschichtsschreibung, wir können das aus den Attributen folgern, mit denen das Modell kostümiert wurde: eine Trompete, ein Buch (ein konventionelles Symbol der Weisheit, auf dem in manchen Abbildungen noch Thukydides steht) und ein Lorbeerkranz. Mit dem Lorbeerkranz fängt der Maler an, wenn wir ihm über die Schulter schauen. Das Immergrün symbolisiert das Fortbestehen der Kunst. Was bleibet aber, stiften die Dichter, heißt es bei Hölderlin. Und natürlich ist Klio auch für die Dichtung verantwortlich, aber die Maler (meistens Männer, selten Frauen) stiften auch Bleibendes, vita brevis, ars longa.

Es sind beinahe immer Männer, die Frauen malen. Selten wird (wie hier bei Domenico Corvi) die Malkunst durch eine malende Frau symbolisiert. Auf den meisten Bildern von Vermeer sind Frauen zu sehen, allein oder in Gesellschaft. Nur wenige schauen den Betrachter an, keine sucht so sehr unseren emotionalen Kontakt wie das Mädchen mit dem Perlenohrring. Es ist ein Frauenbild ohne Attribute, keine Briefe, die am Fenster gelesen werden, keine Milch, die ausgegossen wird, kein Musikinstrument, das gespielt wird. Es sind Bilder von großer Intimität, die Personen wirken in den Interieurs gefangen wie Hieronymus im Gehäus. Eine große Ruhe geht von diesen intimen Bildern aus, und sie haben immer wieder die Schriftsteller (und neuerdings die ➱Filmemacher) angezogen.

Proust hat diese petit pan de mur jaune auf der ➱Ansicht von Delft in seine Suche nach der verlorenen Zeit hineingeschrieben. Und eine Vielzahl von Dichtern hat sich Vermeers Bilder als Thema eines Gedichts genommen, ut pictura poesis. Ich habe ➱hier vor zwei Jahren schon einmal das Gedicht von Robert Lowell zitiert. Ich möchte heute einen anderen amerikanischen Dichter, nämlich Howard Nemerov mit einem Vermeer Gedicht vorstellen, das genau so still ist wie Vermeers Bilder:

Taking what is, and seeing it as it is,
Pretending to no heroic stances or gestures,
Keeping it simple; being in love with light
And the marvelous things that light is able to do,
How beautiful a modesty which is
Seductive extremely, the care for daily things.

At one for once with sunlight falling through
A leaded window, the holy mathematic
Plays out the cat's cradle of relation
Endlessly; even the inexorable
Domesticates itself and becomes charm.

If I could say to you, and make it stick,
A girl in a red hat, a woman in blue
Reading a letter, a lady weighing gold . . .
If I could say this to you so you saw,
And knew, and agreed that this was how it was
In a lost city across the sea of years,
I think we should be for one moment happy
In the great reckoning of those little rooms
Where the weight of life has been lifted and made light,
Or standing invisible on the shore opposed,
Watching the water in the foreground dream
Reflectively, taking a view of Delft
As it was, under a wide and darkening sky.

Mittwoch, 11. April 2012

Tote Hasen


Am 11. April 1982 ist im Keller des Bremer Schlachthofs eine Band aufgetreten, die den Namen Die Toten Hosen hatte. Die Namen  Campino, Andreas von Holst, Andreas Meurer, Michael Breitkopf, Trini Trimpop und Walter November kannte damals kaum jemand. Den Namen der Band auch nicht, da sie auf den Plakaten als Die Toten Hasen angekündigt wurden. Da ging es ihnen so ähnlich, wie den ➱Liverpool Poets, die bei ihrer Deutschlandtournee als die Little Poor Poets angekündigt wurden.

Inzwischen kennt natürlich jeder Die Toten Hosen. Gestern sind sie wieder in Bremen aufgetreten, an der gleichen Stelle, wo ihre Karriere begonnen hat. Und ich bin sicher, dass diesmal nicht Die Toten Hasen auf dem Plakat stand. Dies hier ist das Cover von der Doppel-CD Reich & Sexy und Die fetten Jahre aus dem Jahre 2002. Ironisch? Programmatisch? Wenn ich den neuesten Song Tage wie diese höre, beschleichen mich leise Zweifel. Sie waren schon mal besser. Aber trotzdem sollen von hier die herzlichsten Glückwünsche nach Düsseldorf gehen, oder nach Bremen, wo sie wahrscheinlich noch in den Hotelbetten liegen.

Ich hätte als Gedicht des Tages heute natürlich (wegen der Toten Hasen) William Cowpers ➱Epitaph on a Hare nehmen können, aber dann erschien mir Frank Wedekinds Schriftstellerhymne doch passender:

Der Schriftsteller geht dem Broterwerb nach,
Mit ausgefransten Hosen.
Er schläft sieben Treppen hoch unterm Dach,
Mit ausgefransten Hosen.
Schöner, grüner,
Schöner, grüner Lorbeerzweig, der dich neckt
Und die Stirn bedeckt, wenn der Lump verreckt,
Mit ausgefransten Hosen.

Ist irgendwer gegen sein Schicksal erbost,
Mit ausgefransten Hosen,
Der Schriftsteller bringt auch dem Ärmsten noch Trost,
Mit ausgefransten Hosen.
Schöner, grüner,
Schöner, grüner Lorbeerzweig, der dich neckt
Und die Stirn bedeckt, wenn der Lump verreckt,
Mit ausgefransten Hosen.

Der König spricht nach, was ein Schriftsteller schrieb,
Mit ausgefransten Hosen.
Dem Volk ist er fast wie sein König so lieb,
Mit ausgefransten Hosen.
Schöner, grüner,
Schöner, grüner Lorbeerzweig, der dich neckt
Und die Stirn bedeckt, wenn der Lump verreckt,
Mit ausgefransten Hosen.

Der Schriftsteller ragt zu den Sternen empor,
Mit ausgefransten Hosen.
Er raunt seiner Zeit ihre Wonnen ins Ohr,
Mit ausgefransten Hosen.
Schöner, grüner,
Schöner, grüner Lorbeerzweig, der dich neckt
Und die Stirn bedeckt, wenn der Lump verreckt,
Mit ausgefransten Hosen.

Der Schriftsteller schafft am Webstuhl der Zeit,
Mit ausgefransten Hosen.
So wirkt er der Gottheit lebendiges Kleid,
Mit ausgefransten Hosen.
Schöner, grüner,
Schöner, grüner Lorbeerzweig, der dich neckt,
Und die Stirn bedeckt, wenn der Lump verreckt,
Mit ausgefransten Hosen.

Und trägt er die Schriftstellerei zu Grab,
Mit ausgefransten Hosen,
Gleich lösen ihn hundert Schriftsteller ab,
Mit ausgefransten Hosen.
Schöner, grüner,
Schöner, grüner Lorbeerzweig, der dich neckt,
Und die Stirn bedeckt, wenn der Lump verreckt,
Mit ausgefransten Hosen.

Dienstag, 10. April 2012

Eduard Daege


Der deutsche Maler Eduard Daege wurde heute vor 107 Jahren geboren. Wenn Sie ihn nicht kennen, ist das wahrscheinlich nicht schlimm. Er ist Direktor der Berliner Akademie und der Nationalgalerie Berlin gewesen, und seine Malerei ist, sagen wir, akademisch. Er war ein Schüler von Karl Wilhelm Wach, dessen Bild der ➱Königin Luise aus dem Jahre 1812 berühmt geworden ist. Daege hat hauptsächlich Genrebilder und religiöse Bilder (auch als Wandmalerei) gemalt, also all dies Zeug, was die Malerei des 19. Jahrhunderts so schrecklich macht. Ich zitiere mal eben Meyers Großes Konversations-Lexikon zu Daege: Durch ein anmutiges Bild: Die Erfindung der Malerei, nach Plinius (1832, Berliner Nationalgalerie), machte er sich zuerst bekannt. Später malte er eine Reihe von Altarbildern und nahm auch an der Ausmalung der Kapelle des königlichen Schlosses zu Berlin und der Halle des Museums daselbst teil. Hervorragender als diese Werke sind seine Genrebilder, wie: Der wohltätige Mönch, Der Mesner von einem Knaben durchs Wasser geleitet (in der Berliner Nationalgalerie), Die Einkleidung der Nonne, Die Zuflucht zum Altar u. a. Mit Malern wie ➱Franz Krüger oder ➱Eduard Gaertner kann er nicht konkurrieren. Irmgard Wirth hat in ihrem Standardwerk über die Berliner Malerei des 19. Jahrhunderts gerade mal sieben Zeilen für ihn übrig. Am besten gefällt mir noch dies Jugendbildnis, wahrscheinlich wegen des schönen Huts.

Ein Paradestück von Daege war dieses Bild: Die Erfindung der Malerei von 1832. Hier malt die Töpferstochter Debutades den Umriss des Schattens nach, den ihr Geliebter an die Wand wirft. Denn der muss in den Krieg, Schwert und Helm liegen schon parat, ansonsten ist der Grieche bekanntlich immer nackt. Die Geschichte der Töpferstochter, deren Vater nach dem Schattenriss ein Tonrelief anfertigen wird - und die Moral: erst kommt die Malerei, dann die Plastik! - steht bei Plinius. Daege ist mit seinem Bild kein bisschen originell, ein halbes Dutzend Berliner Maler hatte das Thema seit 1800 schon dem Publikum serviert.

Telling it again and again, das ist bei der akademischen Malerei das Grundprinzip. Und natürlich das Beklauen von Kollegen. Dies Bild hier, dessen Aufbau große Ähnlichkeit mit dem Bild von Daege hat, wurde von dem Belgier Joseph-Benoît Suvée im Jahre 1793 gemalt. Soviel zur Originalität von Professor Daege. Dennoch ist sein Bild nicht so ganz unwichtig, weil es vielleicht auch ein Programm der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts ist. Die deutschen Maler des Klassizismus mögen diese Geschichte von der Töpferstochter Debutades, weil sie aus ihr folgern können, dass sich die Malerei von der der Zeichnung ableitet, nicht etwa aus der Farbe heraus. So malt Daege sein Bild mit knallharten Linien, die Farben klar (und tot) mit einer high key Ausleuchtung. Und so haben wir diese Linienkunst in Deutschland, vom Klassizismus bis zum Biedermeier und noch darüber hinaus. Wir haben nur wenige Maler wie ➱Blechen oder den frühen ➱Menzel, deren Bilder aus der Farbe heraus leben.

Hätte Eduard Daege das Gedicht Der Maler von Christian Fürchtegott Gellert gekannt und verstanden, dann hätte er sein Bild sicherlich von der Leinwand gekratzt:

Der Maler

Ein kluger Maler in Athen,
Der minder, weil man ihn bezahlte,
Als, weil er Ehre suchte, malte,
Ließ einen Kenner einst den Mars im Bilde sehn
Und bat sich seine Meinung aus.
Der Kenner sagt ihm frei heraus,
Daß ihm das Bild nicht ganz gefallen wollte,
Und daß es, um recht schön zu sein,
Weit minder Kunst verraten sollte.
Der Maler wandte vieles ein:
Der Kenner stritt mit ihm aus Gründen
Und konnt’ ihn doch nicht überwinden.

Gleich trat ein junger Geck herein
Und nahm das Bild in Augenschein.
„Oh!“ rief er bei dem ersten Blicke:
„Ihr Götter, welch ein Meisterstücke!
Ach welcher Fuß! O wie geschickt
Sind nicht die Nägel ausgedrückt!
Mars lebt durchaus in diesem Bilde.
Wie viele Kunst, wie viele Pracht,
Ist in dem Helm und in dem Schilde
Und in der Rüstung angebracht!“

Der Maler ward beschämt gerühret
Und sah den Kenner kläglich an.
„Nun“, sprach er, „bin ich überführet!
Ihr habt mir nicht zuviel getan.“
Der junge Geck war kaum hinaus,
So strich er seinen Kriegsgott aus.

Wenn Deine Schrift dem Kenner nicht gefällt,
So ist es schon ein böses Zeichen;
Doch, wenn sie gar des Narren Lob erhält,
So ist es Zeit, sie auszustreichen.


Mit diesem Gedicht hat es eine besondere Bewandtnis, der Dichter hat es 1760 dem preußischen König Friedrich II. vorgetragen. Aber lassen wir ihn selbst berichten, so wie er das Gespräch in seinem Brief an ➱Johanna Erdmuth Schönfeld wiedergegeben hat:

Der König: Weis er keine von seinen Fabeln auswendig?
Ich: Nein.
Der König: Besinne er sich. Ich will etliche mal im Zimmer auf u. abgehen.
Ich: Nunmehr kann ich Ihrer Majestät eine sagen. Ich sagte ihm die Fabel vom Maler in Athen. Als ich bis auf die Moral war, sagte er: Nun die Moral? Ich sagte die Moral.
Der König: Das ist gut; das ist sehr gut! Ich muß ihn loben. Das habe ich nicht gedacht; nein, das ist sehr schön, natürlich, gut u. kurz. Wo hat er so schreiben lernen? Es klingt fein; sonst hasse ich die deutsche Sprache.
Ich: Das ist ein Unglück für uns, wenn Sie die Deutschen Schriften hassen.
Der König: Nein, ihn lobe ich.
Ich: Das Lob eines Kenners u. Königs ist eine große Belohnung.
Der König: Der König wird wohl nicht viel dazu beytragen.
Ich: Ja, wenn der König ein Kenner ist: so wird das Lob vollwichtig.
Der König: Wenn ich hier bleibe, so besuche er mich wieder u. stecke er seine Fabeln zu sich und lese er mir welche vor.

Das Gedicht handelt nicht nur von der Kunst, es handelt auch vom Krieg. Denn schließlich ist es der Kriegsgott, der da zum Schluss ausgestrichen wird. Es ist mutig von Gellert, dem preußischen König eine ➱Friedensbotschaft vorzutragen. Das Thema Krieg und Frieden wird im Gespräch mit dem König noch einmal angesprochen:

Der König: Sind itzt böse Zeiten?
Ich: Das werden Ew. Majestät besser bestimmen können, als ich. Ich wünsche ruhige Zeiten. Geben Sie uns nur Frieden, Sire
Der König: Kann ich denn, wenn Dreye gegen Einen sind?
Ich: Das weis ich nicht zu beantworten. Wenn ich König wäre, so hätten die Deutschen bald Frieden.

Dichter als Könige, das wäre eine schöne Option.

Montag, 9. April 2012

Morning has broken


Morning has broken, wer kennt diesen Song von Cat Stevens nicht? War sein größter Hit, nachdem er im Jahr davor mit ➱My Lady D'Arbanville schon einen Welterfolg hatte. Falls Sie das im Jahre 1976 in der TDF Sendung Disco (keine echte Konkurrenz für Radio Bremens ➱Beat Club) verpasst haben sollten, klicken Sie doch das dies ➱Video bei YouTube an. Und schon sind wir in die siebziger Jahre zurückversetzt, Ilja Richter und seine 70er Jahre Klamotten inklusive. Wenige wissen, dass der Text zu Morning has broken gar nicht von Cat Stevens (der jetzt Yusuf Islam heißt) ist, sondern von einer Engländerin namens Eleanor Farjeon (oben) geschrieben wurde. Zu einer alten gaelischen Melodie, war ursprünglich ein Weihnachtslied (in der Übersetzung aus dem Schottischen Child in the Manger), hieß dann Bunessan (nach dem schottischen Ort, wo es entstand) und wurde 1931 durch den Text von Eleanor Farjeon zu Morning has broken. Wurde überall gesungen, war aber nur durch Cat Stevens ein Welterfolg. Nichts an dem Cat Stevens Song ist originell, er ist nicht einmal gut gesungen. Das Klavier ist kitschig gut, zugegeben. Klingt wie Rischardkleidermann.

Warum wird ehrliche Folk Music nicht honoriert, warum wird immer die Kitschversion ein Welterfolg? Es fasziniert mich immer wieder. ➱Hayley Westenra und die Mitglieder von ➱Celtic Woman müssen schon längst Millionärinnen sein. Ich mag Volksmusik, wenn sie ehrlich daherkommt. Wenn ➱Maggie in ihrer Küche ➱I Skovens Dybe Stille Ro singt, wenn Hahn im Korb ➱Visa i backa spielen. Wenn Harry Belafonte ➱O Danny Boy, the pipes, the pipes are calling singt, dann ist das schon grenzwertig.

Mein Freund Dietmar (genannt Dommi) Dombrowski (zweiter von links auf dem Plattencover oben) hatte damals eine Band, die ➱Beda Folk hieß. Dommi hat einen großen Teil seines Lebens in Irland und Schottland verbracht, und was seine Band Anfang der siebziger Jahre spielte, war schon ziemliche echte gaelische Musik. Und eigentlich besser als Cat Stevens. Aber eben kein Kitsch. Und es ist heute nicht leicht, noch eine gut erhaltene LP von Beda Folk, I Will Go oder Beda Folk Life (aus Wolfsburg) zu finden. Natürlich habe ich noch mindestens eine, eine Cat Stevens Platte habe ich nie besessen.

Der deutsche Wikipedia Artikel reduziert das schriftstellerische Werk von Eleanor Farjeon auf Morning has broken und hat gerade mal zweieinhalb Zeilen für sie übrig, der ➱englische Artikel wird ihr dagegen sicherlich gerecht. Ein dumbing down überall. Dazu passt die Meldung, dass das ZDF die Philosophiesendung von Safranski und Sloterdijk aus dem Programm wirft und dafür Herrn ➱Precht eine Sendung spendiert.

Ich habe heute ein Gedicht von Eleanor Farjeon, das sie für ihren Freund, den walisischen Dichter Edward Thomas, geschrieben hat, der heute vor 95 Jahren in der Schlacht von Arras den Tod fand. Es gibt ein berühmteres Gedicht über ihn, geschrieben von W.H. Davies. Das ist der Mann, der die Autobiography of a Super-Tramp geschrieben hat. Das Gedicht heißt Killed in action (Edward Thomas), Sie können es ➱hier lesen. Aber ich finde Eleanor Farjeons Gedicht Easter Monday eigentlich viel schöner.

In the last letter that I had from France
You thanked me for the silver Easter egg
Which I had hidden in the box of apples
You like to munch beyond all other fruit.
You found the egg the Monday before Easter,
And said. 'I will praise Easter Monday now -
It was such a lovely morning'. Then you spoke
Of the coming battle and said, 'This is the eve.
Good-bye. And may I have a letter soon'.

That Easter Monday was a day for praise,
It was such a lovely morning. In our garden
We sowed our earliest seeds, and in the orchard
The apple-bud was ripe. It was the eve,
There are three letters that you will not get.

Sonntag, 8. April 2012

Ostern


Das Bild von George Fennel Robson, einem der vielen begabten englischen Aquarellisten aus der Zeit um 1800, zeigt den englischen Lake District. Der für immer auf die Landkarte der Literatur geschrieben wurde von den Dichtern, die wir die Lake Poets nennen. Nicht die ➱Popgruppe, die sich heute so nennt, sondern von Wordsworth, Coleridge & Co.

Die englischen romantischen Dichter, die wegen des Naturerlebnisses  aufs Land gezogen sind, scheinen den ganzen Tag draußen zu sein. Immer am Wandern, auf jeden Fall hat man bei der Lektüre von Dorothy Wordsworths ➱Journal diesen Eindruck. Alles, was sie in der Natur sieht, wird sofort eingetragen (heute wäre sie Bloggerin). Natürlich auch die daffodils, die ihr Bruder William zu einem ➱Gedicht verarbeitet. Diese Naturbeobachtung ist schon ein bisschen pathologisch, Wilhelm Lehmanns Bukolisches Tagebuch ist ein Klacks dagegen.

Blicken wir einmal in das Grasmere Journal hinein, das Dorothy im Jahre 1800 begann, als sie schrieb I resolved to write a journal of the time till W & J return, & I set about keeping my resolve because I will not quarrel with myself, & because I shall give Wm Pleasure by it when he comes home again. Offensichtlich hat es auch ihr Freude bereitet, denn sie hat es lange nach Williams kurzer Abwesenheit weitergeführt.

Die Stelle, die mich irritierte, als ich das Journal zum ersten Mal las, findet sich am 29. April 1802: We then went to John's Grove, sate a while at first ; afterwards William lay, and I lay, in the trench under the fence he with his eyes shut, and listening to the waterfalls and the birds. There was no one waterfall above another it was a sound of waters in the air the voice of the air. William heard me breathing, and rustling now and then, but we both lay still, and unseen by one another. He thought that it would be so sweet thus to lie in the grave, to hear the peaceful sounds of the earth, and just to know that our dear friends were near. The lake was still ; there was a boat out Silver How reflected with delicate purple and yellowish hues, as I have seen spar ; lambs on the island, and running races together by the half-dozen, in the round field near us. The copses greenish, hawthorns green, . . . cottages smoking. As I lay down on the grass, I observed the glittering silver line on the ridge of the backs of the sheep, owing to their situation respecting the sun, which made them look beautiful, but with something of strangeness, like animals of another kind, as if belonging to a more splendid world. ... I got mullins and pansies. . .

Dass man sich auf den Rücken legen kann, um die Natur zu genießen, das kann ich verstehen. Aber muss man sich dann dabei vorstellen, im Grab zu liegen? Hat der Drogenjunkie Coleridge beim Besuch bei den Wordsworths irgendetwas liegen lassen? Strange fits of passion have I known. Dorothy nimmt in Massen das Zeug ja auch, das Coleridge konsumiert, ist auch gut gegen die Migräne. Sie haben ihre dunklen Seiten, die englischen Romantiker: We Poets in our youth begin in gladness; / But thereof come in the end despondency and madness.

Oder ist das Nebeneinanderliegen in einem imaginierten Grab eine Art von symbolischem Inzest? Im gleichen Jahr, in dem Bruder und Schwester in Grasmere auf der Erde liegen, heiratet William: On Monday, the 4 of October 1802, my brother William was married to Mary Hutchinson. I slept a good deal of the night and rose fresh and well in the morning. At a little after 8 o'clock, I saw them go down the avenue towards the church. ... I kept myself as quiet as I could, but when I saw the two men coming up the walk coming to tell me it was over, I could bear it no longer and threw myself on the bed, where I lay in stillness, neither hearing, nor seeing anything. Da sollte man keine Psychologen ranlassen, an solche Stellen.

Und alles hat ja nur damit angefangen, dass ich ein Gedicht zu Ostern von William Wordsworth hier zitieren wollte, und dann kam ich auf diese dunklen Gedanken. Und da muss ich doch einmal Jens Peter Jacobsen zitieren: Es ist mir ganz unmöglich zu sagen, ob, was ich hier schreibe, wirklich meine Ansicht ist oder ob es nur Federgrillen sind (Federdiarrhoe). Wir wischen lieber all diese Gedanken beiseite, jetzt kommt das Ostergedicht von William Wordsworth.

Composed in one of the valleys of Westmoreland, on Easter Sunday

With each recurrence of this glorious morn 
That saw the Saviour in his human frame 
Rise from the dead, erewhile the Cottage-dame 
Put on fresh raiment--till that hour unworn: 
Domestic hands the home-bred wool had shorn, 
And she who span it culled the daintiest fleece, 
In thoughtful reverence to the Prince of Peace, 
Whose temples bled beneath the platted thorn. 
A blest estate when piety sublime 
These humble props disdained not! O green dales! 
Sad may 'I' be who heard your sabbath chime 
When Art's abused inventions were unknown; 
Kind Nature's various wealth was all your own; 
And benefits were weighed in Reason's scales! 

Die Bilder vom Lake District und von Grasmere sind von George Fennel Robson, John Constable, Julius Caesar Ibbetson (ja, der heißt wirklich so), Malcolm Ludvigsen (➱Mathematikprofessor und Maler), Julius Caesar Ibbetson, W. Heaton Cooper und Robert Gallon.

Ich wünsche all meinen Lesern ein frohes Osterfest.