Freitag, 20. Oktober 2017

Saturday Night Massacre


Der amerikanische Präsident Donald Trump hat seit seiner ➱Inauguration mehr Minister und Mitarbeiter verbraucht, als jeder andere Präsident im ersten Jahr seiner Amtszeit. Was er aber noch nicht geschafft hat - und da bleibt ➱Richard Nixon ungeschlagen - ist es, zwei Minister an einem Tag zu feuern. Die amerikanische Presse hat die Ereignisse vom 20. Oktober 1973 als Saturday Night Massacre bezeichnet. Da verloren die Justizminister Elliot L. Richardson und William Ruckelshaus nacheinander ihren Posten, weil sie sich weigerten, Nixons Anordnung zur Entlassung des Chefermittlers des Watergate Skandals, Archibald Cox, nachzukommen. Es war der größte Fehler, den Nixon machen konnte. Neun Monate später erklärte er seinen Rücktritt. Die Schande, bei einem Amtsenthebungsverfahren wie ein Hund vom Hof gejagt zu werden, die wollte er sich ersparen.

Der Harvard Professor Archibald Cox war einer der berühmtesten Juristen Amerikas im 20. Jahrhundert. Als ihn seine Universität mit siebzig in den Ruhestand schickte, nahm er eine Professur an der Boston University School of Law an, wo der Dekan gesagt hatte: He teaches as long as he wants to. Cox wurde 92 Jahre alt. Das erinnert ein wenig an ➱Oliver Wendell Holmes, der mit 90 Jahren als Richter des Supreme Court zurücktrat. Amerika hat das Glück gehabt, dass in entscheidenden Augenblicken immer wieder integre Juristen auftraten, die der Nation den richtigen Weg zeigten. Wie ➱Earl Warren, der die ➱Rassentrennung juristisch aufhob. Oder ➱Joseph Welch, der die Karriere von Joseph McCarty beendete.

Aber es hat schlimme Juristen gegeben. Das Urteil von Roger B. Taney im Falle Dred Scott führte Amerika in den Bürgerkrieg. Und dann ist da noch mein Liebling, die Canaille ➱Roy Cohn. Man dachte, dass er mit McCarthy untergegangen sei. Aber er kam zurück wie ein Zombie und wurde der einflussreichste Berater des jungen Donald Trump. Wenn man so will, ist Trump sein ➱Geschöpf. Roy Cohn ist jemand, bei dem mir immer Shakespeares Zeile The first thing we do, let's kill all the lawyers einfällt.

Have you no sense of decency? fragte ➱Joseph Welch den Senator McCarthy. Und fügt noch ein Sir an die Frage. Es ist die Frage, die McCarthys Untergang sein wird. Die Sitzung wird durch das Fernsehen übertragen, die ganze Nation kann es sehen. ➱John Winthrops Satz aus seiner Predigt: For wee must consider that wee shall be as a citty upon a hill. The eies of all people are upon us, wird durch die Übertragung wahr. Der sense of decency ist in Amerika verloren gegangen. Der Minister Rex Tillerson soll seinen Präsidenten einen fucking moron genannt haben, einen geistig Zurückgebliebenen. Aber man weiß nicht, ob das wieder einmal ➱fake news sind.

Das Wort moron, das erst seit etwas mehr als hundert Jahren in der englischen Sprache ist, kommt auch in dem Cartoon vor, der zur Zeit die Runde macht. Die Herren auf dem Bild sind dem Gemälde von ➱Colonel John Trumbull nachempfunden. Und hier sagt Jefferson: I keep thinking we should include something in the constitution that prevents the people from electing a fucking moron. Man könnte glauben, dass der Cartoon aus diesem Jahre stammt, aber nein, er ist schon einige Jahre alt. Man hat ihn jetzt wieder hervorgeholt, wegen dieser fucking moron Geschichte, er passt so schön zu Trump. Aber die Ironie geht noch weiter. Viel weiter. Denn vor drei Jahren hat Donald Trump den Cartoon mit den Worten An interesting cartoon that is circulating bei Twitter bekannt gemacht. Si tacuisses, würde der Lateiner sagen.

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