Mittwoch, 11. Februar 2026

Liebesleid

Dass Mia Farrow am 9. Februar einundachtzig wurde, habe ich nur dadurch erfahren, dass das Fernsehen ihr zu Ehren Hannah und ihre Schwestern sendete. Ein Film, der hier schon einmal wegen Michael Caine und Barbara Hershey erwähnt wird. Nicht wegen Mia Farrow, ich bin kein Farrow Fan. Ich war nur einmal ihretwegen im Kino, 1984 für Broadway Danny Rose. Da war sie vierzig und sah in ihren nuttigen Klamotten sehr gut aus. Da hatte sie nicht mehr den Kurzhaarschnitt, den ihr Vidal Sassoon verpasst hatte. Für The Great Gatsby bin ich 1974 nicht ins Kino gegangen. Ich liebe den Roman, man kann ihn nicht verfilmen, auch nicht mit Mia Farrow. Joseph Losey hätte sie Jahre zuvor gerne für The Go-Between gehabt, aber er konnte froh sein, dass er Julie Christie hatte. Mia hätte den Film ruiniert. Ich mag Mia Farrow wie gesagt nicht sehr. Sie hat hier schon den Post Beware of young girls, da kommt sie nicht besonders gut weg.

Mit Woody Allen war sie zwölf Jahre verheiratet, aber ihren ersten Ehemann Frank Sinatra hat sie ihr ganzes Leben lang geliebt. Die Klatschpresse vermutet, dass auch ihr Sohn Ronan ein Kind von Frankieboy ist. Das Liebesleben von Mia Farrow ist vor dreißig Jahren schon als Love and Betrayal: The Mia Farrow Story als Film erschienen, Mia wurde da von Patsy Kensit gespielt.

Zum Thema Liebesleben muss ich heute noch eine andere Frau erwähnen. Weil sie heute Geburtstag hat. Wir müssen dafür nur ein paar Jahrhunderte zurückspringen. Es ist eine ganz andere Welt. Es kann uns immer ganz gut tun, aus unserer Zeit etwas zurückzugehen. In eine Welt, in der es keine sogenannten Social Media und keinen Donald Trump gibt. In der man noch auf die Sprache vertraut, die Schönheit der Worte und Gedanken. Wir sind in der Romantik, und die Frau, die heute Geburtstag hat, heißt Karoline Friederike Louise Maximiliane von Günderrode. Sie schreibt Liebesgedichte wie dieses:

Liebe

O reiche Armut! Gebend, seliges Empfangen!
In Zagheit Mut! In Freiheit doch gefangen.
In Stummheit Sprache,
Schüchtern bei Tage,
Siegend mit zaghaftem Bangen.

Lebendiger Tod, im Einen sel’ges Leben
Schwelgend in Not, im Widerstand ergeben,
Genießend schmachten,
Nie satt betrachten

Leben im Traum und doppelt Leben.

Ich habe das Gedicht hier von Imogen Kogge gelesen, sie liest es sehr schön. Aber so viele Liebesbriefe und Liebesgedichte die Günderrode schreibt (die schöne Seite der deutschen Liebeslyrik präsentiert achtzehn Gedichte, aber es sind mehr), sie findet keinen Mann. Der, den sie liebt, der sie heiraten wollte, kneift im letzten Augenblick. In ihrem Gedicht Überall Liebe spricht sie schon vom Selbstmord: Soll mutig ich zum Schattenreiche gehn? Um andre Freuden, andre Götter flehn, Nach neuen Wonnen bei den Toten fragen? Sie wird das wahrmachen, alls diese grande amour für sie zu Ende ist, sticht sie sich am Rheinufer einen Dolch in die Brust. Wenn man das weiß, wird man das Gedicht Überall Liebe anders lesen:

Kann ich im Herzen heiße Wünsche tragen?
Dabei des Lebens Blütenkränze sehn,
Und unbekränzt daran vorübergehn,
Und muß ich trauernd nicht in mir verzagen?

Soll frevelnd ich dem liebsten Wunsch entsagen?
Soll mutig ich zum Schattenreiche gehn?
Um andre Freuden, andre Götter flehn,
Nach neuen Wonnen bei den Toten fragen?

Ich stieg hinab, doch auch in Plutons Reichen,
Im Schoß der Nächte, brennt der Liebe Glut,
Daß sehnend Schatten sich zu Schatten neigen.

Verloren ist, wen Liebe nicht beglücket,
Und stieg er auch hinab zur styg'schen Flut,
Im Glanz der Himmel blieb er unentzücket.

Ich habe das Gedicht hier von Janina Sachau  vorgetragen. Die Gedichte der Günderrode sind vertont und gesungen worden. Wie von Wolfgang Rihm mit Das Rot. Sechs Gedichte der Karoline von Günderrodehier mit Ton. Ich habe das Werk auch von von Christoph Prégardien. gesungen. Man hat die Günderrode nie vergessen. Dichter haben über sie geschrieben: Bettina von Arnim schrieb den Briefroman Die Günderode, Hans Magnus .Enzensberger schrieb das Drehbuch für einen Film. Und alles andere, was Sie wissen möchten, das lesen Sie doch in dem Post die Günderrode, der hier vor Jahren auch an einem 11. Februar stand.

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