Dienstag, 29. September 2026

The Citizen

Das sieht man selten, eine Citizen Uhr, ein Vierteljahrhundert alt, in der Originalverpackung. Sammler und Händler nennen so etwas neuerdings full set, alles, was englisch klingt, treibt den Preis nach oben. Vor allem, wenn auch noch hangtag dabeisteht. Die Bedienungsanleitung für die Uhr ist hier (unten links) auch dabei. Und das war etwas, was mich vom Kauf dieser Uhr vor Jahren abschrecken ließ. Denn die →Bedienungsanleitung, die sich auch im Internet findet, ist 47 Seiten lang. Ich blieb aber mit dem Händler in Verbindung und gab ihm die Adresse von meinem Uhren Blog, der den schönen Namen Tickendes Teufelsherz hat. Ein Blog, den inzwischen sogar Googles KI kennt: In der modernen Uhrenszene ist Tickendes Teufelsherz zudem der Name eines bekannten, literarisch angehauchten Uhren-Blogs des Anglisten Jay, auf dem hochwertige Artikel über Horologie und Uhrengeschichte veröffentlicht werden.

Fünfundsechzig Jahre nach der Firmengründung im Jahre 1930 durch die Herren Yamazaki, Nakajima und Suzuki brachte die Firma Citizen ein neues Luxusmodell heraus, das den Namen →The Citizen hatte. Den Namen gibt es heute immer noch, Citizen bietet darunter qualitativ hochwertige teure →mechanische Uhren und Quarzuhren an. Die ersten Modelle von The Citizen konnte man wahlweise mit Stahl- oder Lederband bekommen. Ab dem Jahr 2000 hatten die Uhren ein integriertes Stahlband und sahen so aus wie diese hier. In den Uhren war das Wunderwerk Kaliber A660, 17 Sreine, Thermokompensation. Ein Werk, das die Grand Seiko mit dem →9F Werk alt aussehen ließ. Weil es nicht nur eine Genauigkeit von ±5 Sekunden im Jahr hatte, sondern auch noch einen ewigen Kalender bis zum Jahr 2100 besaß. Um den zu programmieren, braucht man schon die 47-seitige Bedienungsanleitung. Die Uhr kann vom ✺28. Februar auf den 1. März schalten, zwischen Sommerzeit und Winterzeit kann sie allerdings nicht unterscheiden. Aber man kann die ✺Stunden verstellen (auch für eine zweite Zeitzone), während der Sekundenzeiger weiterläuft.

Die Uhr ist 37 mm groß, mit der verschraubten Krone und dem Flankenschutz kommt sie auf 40 mm. Sie wiegt mit dem Stahlband hundert Gramm. Sie hat ein beidseitig entspiegeltes Saphirglas. Das Zifferblatt bezeichnete die Firma im Jahr 2000 als champagnerfarben, es gab die Uhr damals auch mit dunkelblauen Zifferblatt. Die Uhr hat Schwertzeiger, die mit Leuchtmasse gefüllt sind. Die leuchten nachts immer noch. Die Quarzuhr ist kein Batteriefresser, laut Werksangabe soll die Batterie fünf Jahre halten.

Die Uhr hat einen Schraubboden, auf dem man lesen kann, dass sie 200 Meter wasserdicht ist und im Jahr 2002 hergestellt wurde. Und dann steht da noch der englische Satz Close to the Hearts of People Everywhere. Bei der Markteinführung des Modells konnten die Kunden von Citizen lesen: This is the first quartz watch to feature a perpetual movement, achieving an annual accuracy of ±5 seconds. The Citizen movement truly achieves an annual accuracy of ±5 seconds. To meet this strict standard, a movement exclusively for The CITIZEN was developed. Typical quartz watches have a monthly accuracy of about ±15 seconds. Quartz movements are easily affected by temperature and humidity, and their accuracy is affected by the user's environment. Under these conditions, The CITIZEN has achieved an annual accuracy of ±5 seconds. 

Only three craftsmen certified as The CITIZEN Meisters are able to assemble these unprecedented high-precision watches. The CITIZEN Meister title is given exclusively to those qualified as watch repair technicians, and refers to veteran watchmakers with exceptional knowledge and skills. Each Meister is responsible for a single movement. Skilled hands meticulously assemble up to 65 individual units and precision components, a task that cannot be accomplished by machines or automation. Man kennt in Japan offenbar das deutsche Wort Meister. Nur drei Uhrmacher sind in der Lage, dieses Werk herzustellen, beim Konkurrenten Seiko sind es angeblich zwei Uhrmacher, die das Kaliber 9F bauen.

2005 bekam die Uhr einen neuen Namen. Gehäuse und Werk blieben gleich, aber auf dem Zifferblatt stand jetzt Chronomaster, und den Gehäuseboden zierte ein →Adler. Den hatte es in den sechziger Jahren schon einmal auf einem Citizen →Chronometer gegeben: In the 1960s, Citizen developed the Chronomaster, a watch that was a source of pride for the brand. It was Citizen's first wristwatch to receive the "Swiss Chronometer Superior Class" certification. As proof of the high precision of the new "The CITIZEN," the Chronomaster designation and Eagle logo from that time have been reproduced and engraved on the dial and case back. It is a symbol of our confidence and pride. Bis 2005 war The Citizen ein reines JDM Produkt (Japanese Domestic Market) mit limitierter Produktion (pro Modell gab es nur tausend Uhren im Jahr), jetzt wollte man expandieren. Allerdings erwies sich der Name Chronomaster als hinderlich. Denn in Amerika war der schon als Markenname für die Firmen Croton (die der Nivada in Grenchen gehörte) und Zenith registriert.

Heute liefert die Firma keine ✺Chronomaster mehr. Die Luxuslinie heißt aber weiterhin The Citizen. Die ✺Uhren sind jetzt aus →Super Titan, mit Duratect beschichtet, und haben einen Adler auf dem Zifferblatt und dem Gehäuseboden. Die Werke haben noch die Genauigkeit des A660, brauchen aber keine Batterie mehr, weil sie den von Citizen entwickelten →Eco-Drive haben. Das Zifferblatt dieser Uhr ist aus dem →japanischem Washi-Papier, das läßt das Licht für die Photozellen der Uhr durch. Dass die Japaner Zifferblattfetischisten sind, habe ich schon mal in meinem Blog erwähnt. Preislich liegen die Uhren bei 3.300 Euro. Die Uhren aus der Zeit von 2000 bis 2005 kosteten damals knapp unter 2.000 Euro. Das war doppelt soviel, was eine →Grand Seiko mit dem Twin Quartz Werk 1978 gekostet hatte, war aber geringer als der Preis der Grand Seiko, die Seiko 1993 mit dem Kaliber 9F wieder auf den Markt gebracht hatte. 

Neue Uhren interessieren mich nicht so sehr. Was der Sammler sucht, ist etwas Seltenes. Citizen ist der größte Uhrenhersteller der Welt, der Luxusmarkt war nicht ihre Sache. Den Namen Citizen hatte der Vorläufer der Firma 1924 von dem Grafen Gotō Shinpei bekommen. Uhren, die bisher ein Luxusprodukt waren, sollten jetzt etwas für den Bürger Erschwingliches sein. Daran hielt sich die Firma, den Luxusmarkt überließen sie der Firma Seiko, die mit der Grand Seiko und der Superior dort zu Hause waren. In den 1960er Jahren hatte Citizen in kleiner Zahl →Chronometer gebaut, gab das aber schnell wieder auf. Mit The Citizen bauten sie die genaueste Uhr der Welt, vermarkteten das aber schlecht: It is likely that the branding of The CITIZEN was deemed too difficult to explain to the market and without the long term local market brand awareness this decision makes sense. It would have been more logical to introduce The CITIZEN models under the Chronomaster branding but unfortunately this was not an option for the USA market. Heute haben Sie mit The Citizen eine der weltbesten Uhren, träumen aber von einer neuen Kollektion. As 2025 will be the 30th anniversary of The CITIZEN, and we continue to see the brand expand into international markets, it will be interesting to see if Citizen takes this occasion to rebrand the collection to something a little more search and marketing friendly with a new collection name.

Als ich die Uhr vor Jahren bei kleinanzeigen zum ersten Mal sah, wusste ich, dass das etwas ganz Seltenes war. Aber brauchte ich sie wirklich? Als die Uhr eines Tages verschwand, trauerte ich ihr nicht nach. Meine Citizen Exceed blieb vorerst die beste Citizen. Obgleich witzigerweise die Citizen Crystron, die kein besonderes Werk besaß, auch supergenau war. Ein Citizen Fachmann hat mir vor Jahren einmal gesagt, dass Citizen Quarzuhren immer genauer als die Werksangabe seien. The Citizen tauchte bei kleinazeigen wieder auf und verschwand wieder, der Preis war etwas kleiner geworden. Als sie letztens wieder da war, machte ich dem Verkäufer ein Angebot, das einen Hunni unter seinem Preis lag. Er sagte, er würde gerade in den Urlaub fahren, da würde er mal drüber nachdenken. Ich wünschte ihm einen schönen Urlaub. Als er aus dem Urlaub zurückkam, verkaufte er mir die Uhr. Wenn der nette Mann aus München sie noch einmal sehen will, sie ist jetzt in diesem Post. Ist wahrscheinlich die einzige in Deutschland. Ist sicher Close to the Hearts of People Everywhere, die von dieser Uhr träumen. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen