Als die Quarzuhren preiswert wurden, also, als sie richtig billig wurden, da brachten Seiko und Citizen zwei teure Uhrenlinien auf den Markt. Allerdings nur auf den japanischen, dies waren alles JDM (Japanese Domestic Market) Uhren. Bei Seiko hießen die Uhren →Credor, bei Citizen Exceed. Die Uhren der beiden japanischen Konkurrenten hatten viele Gemeinsamkeiten. Sie hatten gute, häufig erstklassige, Quarzwerke, hatten Saphirglas statt Acryl und waren für den heutigen Geschmack alle viel zu klein. Die meisten von ihnen hatten die Größe von Damenuhren. Es waren Schmuckuhren für den japanischen Geschmack, es waren keine Sportuhren. Bei dem Material der Gehäuse setzte man auf gehärteten Stahl, es finden sich in dieser Zeit interessante Legierungen, selbst Wolframcarbid kommt zum Einsatz. Bei beiden Firmen findet sich häufig (wie bei dieser Seiko Credor) ein tiefschwarzer Cabochon in der Krone, man wollte damit betonen, dass man etwas Besseres war.
Seiko war mit der Astron auf den Markt gekommen, bei Citizen hießen die Quarzuhren Crystron. Einem Wort, das aus crystal und electronic gebildet worden war. Ich habe eine von diesen Uhren, die nach einem halben Jahrhundert noch sehr genau geht. Citizen wollte noch mehr und brachte in der Mitte der 1970er Jahre die →Crystron 4 Mega auf den Markt. Das erste Modell kam ganz in →Gold und kostete 4,5 Millionen Yen, eine teurere Uhr gab es in Japan nicht. Citizen bot dann eine preiswertere ✺Variante wie auf diesem Photo an, eine Uhr die heute kaum unter tausend Euro zu haben ist. Die Uhr war Citizens Antwort auf Seikos ✺Superior.
Das Mega auf dem Zifferblatt stand nicht nur für mega-teuer, die Uhr schwang mega-schnell. Mit 4,194,304 Hertz. Sie erreichte damit eine Genauigkeit von drei Sekunden Abweichung im Jahr. Aber diese Schnellschwinger waren eher ein Irrweg der Technik, nicht nur, weil sie extreme Batteriefresser waren. Sie waren viel zu teuer. Das musste auch Omega erfahren, die einen ✺Omega Constellation Quartz Marine Chronometer (Bild) mit 2,4 MHz auf den Markt brachten. Der sich überhaupt nicht verkaufte, Omega gab die Reste zu Sonderpreisen an die Mitarbeiter ab. Den Namen Megaquartz behielt man aber, der steht auch auf der Megaquartz, die mir mein Uhrmacher vor Jahrzehnten geschenkt hat. Ist aber kein Mega drin, nur die 32 Hertz, die alle Quarzuhren haben.
In der Uhr arbeitet das Werk 0310, ein HAQ (High Accuracy Quartz) Werk mit 7 Lagersteinen und Temperaturkompensation. Mit einer Abweichung von 10 Sekunden im Jahr, in englischen Texten findet sich da immer der Begriff 10 SPY (was für ten seconds a year steht). Und das ist jetzt das neue Leitbild für Citizen: Werke zu bauen, die nicht mehr als zehn Sekunden im Jahr von der Atomuhr abweichen. Das nächste Werk wird das Kaliber 0350, das eine Genauigkeit von ±5 Sekunden pro Jahr und einen ewigen Kalender hat. Das Werk war auch in Citizens neuem Luxusmodell →The Citizen drin, das 1995 auf den Markt kam. Das Kaliber A 660, das Citizen dann viele Jahre verwendete, gab es noch nicht.
Das alles war für Citizen noch nicht genug, 1978 kam die Exceed Gold. Deren Werk, das Kaliber 790, war nur einen Millimeter hoch. Einen Sekundenzeiger hatte die Uhr nicht, dafür war kein Platz. Die goldene Uhr kostete je nach Ausführung zwischen 280.000 und 300.000 Yen. Ein Weltrekord war das allerdings nicht, denn ein Jahr später gab es die →Eterna Delirium (die es auch von Longines und der IWC gab), die mit einer Bauhöhe von zwei Millimetern nur halb so dick war wie die Exceed Gold. Ich weiß nicht, ob eine von diesen superflachen Uhren heute noch funktioniert. Die Uhren waren wohl nur gebaut worden, um zu zeigen, dass man so etwas bauen kann. Wirklich praxistauglich waren sie wohl nicht.
Ich besitze seit kurzem auch eine ziemlich flache Exceed, dieses goldene Teil ist gerade mal sechs Millimeter hoch. Sie sieht aus, als wäre sie aus Gold, aber das ist sie nicht. Auf dem Gehäuseboden steht UHAG, was bei Citizen ultra hard alloy gold bedeutete. Das Geheimnis dieser Legierung hat den Namen Titannitrid, eine Beschichtung, die wirklich ultrahart ist. Kann man nicht abkratzen. Die Uhr kenne ich schon lange, ich guckte sie mir immer wieder im Internet an, aber ich konnte mich nicht entschliessen. Ich hatte im letzten Jahr schon mal mit dem Händler, der sehr nett war und viel von Citizen Uhren verstand, korrespondiert. Der hatte eine Exceed mit einem lachsfarbenen Zifferblatt, die sehr gut aussah, aber die war leider irgendwann weg. Weil ich mich nicht entschliessen konnte und eigentlich auch keine Uhren mehr kaufen wollte.
Man muss allerdings ganz klar sagen, dass diese Exceeds sehr selten sind. Seiko Credors gibt es ab 250 Euro in Deutschland genügend, aber eine Citizen Exceed ist so gut wie gar nicht zu finden. Die mit dem Kaliber 2730 (mit Temperaturkompensation), die ich im letzten Jahr bei →Tokei Japan kaufte, habe ich nicht bekommen. Weil sie in Stuttgart beim Verpacken feststellten, dass die Uhr nicht mehr lief. Ich bekam mein Geld zurück und die Uhr wanderte nach Dänemark, wo die Firma einen Fachmann hat, der vierzig und fünfzig Jahre alte Seikos und Citizens reparieren kann. Der hat allerdings auch noch einen Bauernhof und hat jetzt junge Fohlen auf der Weide, da kommt er nicht dazu, die Exceed zu reparieren. Ich habe aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Jetzt trage ich erst einmal dieses flache Teil mit dem Kaliber 7130, das sogar in der Originalverpackung ankam. Die sieht wirklich rattenscharf aus.








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