Der belgische Maler Alfred Stevens wurde am 11. Mai 1823 in Brüssel geboren, aber den größten Teil seines Lebens hat er in Paris verbracht. Dort ist er auch gestorben, der deutsche Wikipedia Artikel lässt ihn in Brüssel sterben. Aber die deutsche Wikipedia lässt auch Richard Hughes einen Kriegsfreiwilligen des Ersten Weltkriegs sein, und das ist auch völlig falsch. Warum bekommt das Internet Lexikon es nicht hin, die Artikel zum selben Thema aus den einzelnen Ländern miteinander zu vergleichen, oder einfach den besten fremdsprachlichen Artikel ins Deutsche zu übertragen?
Stevens hatte großen Erfolg damit, →Damen des Mittelstandes im Boudoir zu malen. Nicht alle Modelle auf seinen →Bildern sind aus der Bourgeoisie; viele, die hier elegante Kleider tragen, kommen eher von der Straße. Mehrere Modelle finden sich in dem Pariser →Book of the Courtesans. Auf die Darstellung der Stoffe verwendet er sehr viel Sorgfalt. Auf zwei dieser Bilder können wir sehen, dass der ✺Japonismus gerade chic ist.
Der deutsche Kunsthistoriker Richard Muther hat die Bilderwelt von Stevens so beschrieben: Seine hübschen Weiber, die sich baden oder Bouquets, japanische Masken und Statuetten betrachten, in einer Attitüde, die dem Betrachter erlaubt, ihre reiche Toilette und ihr geschmackvolles Mobilar zu studieren - sie sehen selbst aus wie Püppchen, die zwischen diese Nippsachen gesetzt sind. Die Fähigkeit, den Duft des Lebens in seiner zuckenden Bewegung zu fassen, die Poesie des Psychischen, entging dieser Kunst.
Manchmal will er die Damen nicht nur im Boudoir posieren lassen, manchmal will er ihnen Gefühle geben. Wie hier in dem Bild De wanhopige, das in →Antwerpen hängt. Die junge Dame ist verzweifelt, aber kommt die Verzweiflung wirklich zum Betrachter herüber? Reichen die schlaffen Arme und die Hand, der ein Tüchlein entgleitet, zur Verzweiflung aus? Wir bewundern eher die minutiös gemalten Details ihres Kleides, ihren Schal, die Tischdecke und die kleine Lampe. Aber die Fähigkeit, den Duft des Lebens in seiner zuckenden Bewegung zu fassen, die Poesie des Psychischen, entgeht dieser Kunst. Da hat Richard Muther schon Recht.
✺Alfred Stevens war mit vielen Pariser Malern befreundet, Delacroix war sein Trauzeuge. Henri Cervex, der mit ihm das →Panorama du Siècle malte,
hat ihn hier portraitiert. Mit der kleinen Rosette der Ehrenlegion im Knopfloch, die Stevens 1867 erhielt. Da war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere, hatte achtzehn Gemälde in der Weltausstellung hängen. Aber es gibt noch einen anderen Stevens, einen Maler, der das Meer malt. Er hatte es mit den Bronchien, weil er immer das Terpentin in seinem stickigen Studio einatmet. Sein Arzt empfiehlt ihm die saubere Meeresluft. Stevens reist ans →Meer.
Stevens geht nach Le Havre und →Honfleur und malt jetzt, wie mit diesem Sturm am Strand von Scheveningen, etwas ganz anderes als seine Damen im Boudoir. Malt mit struppigem Pinsel beinahe impressionistisch. Das Seestück, das die beiden Damen auf dem Gemälde oben im ersten Absatz bewundern, ist auch eins seiner Meerbilder. Er malt allerdings auch Damen am Strand, die dann mit ihrem Pariser →Outfit etwas lächerlich aussehen. Das sind →Bilder, die nicht mit den Strandbildern von Edward Hopper, Max Liebermann, →Winslow Homer und →Ludwig Dettmann konkurrieren können.
Es wäre gut, wenn er die Damen weglassen würde. Und die Hunde, die ihm sein Bruder Joseph Stevens in die Bilder malt. Dieser Abschied an der Küste aus dem Jahre 1891 ist schon hart an der Kante des Kitsches. Wird noch übertroffen von dem Abschiedsbild an der Küste von Carl Heiß, das sich in dem Post gen Engeland! findet. Bei Caspar David Friedrich ist das Motiv der Abschied nehmenden Frau am Strand natürlich noch kein Kitsch.
Drei seiner Schüler sind schon in diesem Blog. Die eine ist die Bremer Malerin Aline von Kapff, die andere Lilla Cabot Perry Und dann ist da noch der Amerikaner William Merritt Chase. Ob die drei wirklich bei ihm etwas gelernt haben, oder nur bei ihm waren, weil er so berühmt war, das weiß ich nicht. Noch mehr Bilder von Frauen aus Paris in dieser Zeit finden sich in den Posts: Berthe Morisot, Camille in grün, Franz-Xaver Winterhalter, Kindermädchen, Edouard Manet, Ratten, Ellen Andrée: nue et habilléeles, les grandes horizontales, Demimonde.


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