Dienstag, 19. Mai 2026

unerwünschte Geschenke


Dies ist das einzige Bild, das Marilyn Monroe und John F. Kennedy am 19. Mai 1962 zusammen zeigt. Ihr Designerkleid mit den 2.500 aufgenähten Glitzersteinchen war so eng, dass sie keinen BH darunter tragen konnte. Man hatte es ihr auf den Körper genäht. Sie ist sechsunddreißig Jahre alt, sie ist stolz auf ihren Körper. Den BH hat sie schon in vielen Filmen weggelassen, bei denen das Kleid nicht so eng war. Wenn die Scheinwerfer bei der Geburtstagsgala sie bei ihrem Auftritt beleuchten, wird es aussehen, als ob das Kleid durchsichtig sei.

Es war die Geburtstagsgala für den Präsidenten John F. Kennedy im Madison Square Garden in New York, wo Marilyn mit diesem Kleid auftritt. Es ist ihr letzter öffentlicher Auftritt. Sie ist nicht die einzige Sängerin an diesem Abend. Da gibt es eine noch berühmtere  Frau, die allerdings ganz anders als sie gekleidet ist. Das ist natürlich Maria Callas, die L’amour est un oiseau rebelle que nul ne peut apprivoiser singen wird. Wo sich diese für alle Verliebten gefährliche Zeile si tu ne m’aimes pas, je t’aime findet.

Marilyn wird mit einiger Verspätung auftreten. Der mit den Kennedys verwandte Schauspieler Peter Lawford, der den Conferencier an diesem Abend gab, wird Marlyns Auftritt einige Male ankündigen, aber sie erscheint nie auf der Bühne. Das war kalkuliert, die Ankündigungen waren eine Art running gag. Doch wenn er sie zum Schluss als the late Marilyn Monroe ankündigt, dann ist sie da. Legt ihren weißen Hermelinmantel ab und singt Happy Birthday, Mr. President. Wenn Kennedy an das Mikrophon tritt, wird er sagen: I can now retire from politics after having had Happy Birthday sung to me in such a sweet, wholesome way.

So sehr Kennedy die Huldigung von Amerikas Sex Symbol Nummer 1 gefallen hatte, das zweite Geschenk, das sie für ihn hatte, gefiel ihm überhaupt nicht. Das war eine goldene Rolex, auf deren Boden JACK -- With love as always from MARILYN -- May 29th 1962 stand. Und dann war da noch ein kleines Gedicht in der Verpackung: 

Let lovers breathe their sighs 
And roses bloom and music sound
Let passion burn on lips and eyes 
And pleasures merry world go round 
Let golden sunshine flood the sky 
And let me love Or let me die!

Wenn es je eine Liebesaffaire zwischen Marilyn und JFK gab (si tu ne m’aimes pas, je t’aime), sie ist an diesem Abend zu Ende. Happy Birthday, Mr. President ist Marilyns Schwanengesang. Kennedy sagt einem Assistenten, er solle die Rolex entsorgen. Sie wird nach seinem Tod bei einer Auktion für 120.000 Dollar verkauft. Die goldene Omega, die ihm Grant Stockdale geschenkt hatte, und die er bei seiner Inauguration trug, brachte das Dreifache. Das Omega Museum hat sie gekauft. Das Glitzerkleid, das der Designer Jean Louis für Marilyn geschneidert hatte, brachte bei einer Auktion 4,8 Millionen Dollar. Jean Louis war schon lange in dem Geschäft, schöne Hollywoodstars noch schöner zu machen. 

Das schwarze Kleid, das Rita Hayworth in Gilda trug (Put The Blame On Mame, Boys), hatte ihn weltberühmt gemacht. Das brachte aber in einer Auktion so gut wie nichts, irgendwann tauchte das Kleid bei ebay auf. Das hätte dem hautengen weißen Kleid von Marilyn nicht passieren können. Und erst recht nicht diesem Kleid, das Marilyn in The Seven Year Itch trug. Wir erinnern uns an die Szene mit der U-Bahn, die von Jean-Jacques Beineix in seinem Film Diva für fünf Sekunden ironisch zitiert wird. Postmoderne Filme leben vom Zitieren. 

Das U Bahn Kleid von William Travilla aus dem Jahre 1955 brachte übrigens in einer Auktion eine Million Dollar mehr als das Glitzerkleid aus dem Jahre 1962, in das sich eine Frau namens Kim Kardashian mal für einen kurzen Auftritt hinein gehungert hatte. Das Museumsstück war hinterher beschädigt. Jahrelang hatte man das Kleid im Museum in Dunkelheit und gleichbleibender Temperatur aufbewahrt, und dann verleiht man es an diese furchtbare Schickimicki Tussi. Man fasst es nicht.

Das weiße Kleid hat es auch in ein Gedicht mit dem Titel Wasn’t It All Twinkly When We Sang Happy Birthday? geschafft. Die Dichterin Elisabeth Sennitt Clough hat dazu gesagt: I saw the picture of Marilyn that my tutor Sally Flint posted as a prompt, during the same week in which I read in the news that Marilyn’s “Happy Birthday” dress had sold for $4.8 million. I thought that taking on Marilyn’s voice in a poem would be a challenge in terms of originality; there are entire websites dedicated to Marilyn poems, so I chose to write from the perspective of the dress. 

Von nun an spricht das Kleid zu uns:

I hated the storage years,
each of my hand-stitched crystals
dulled by moths and cobwebs.
I craved Madison Square again,
the night they sewed you in
to my rib-chafing tightness,
my flesh-coloured brashness.
Under the lights, you shrugged
your fur from me with a shimmy
and the chainmail of my jewels
became your battle dress. At first
those at the back of the room
believed you were nude. At thirty-six,
they said you’d grown softer,
but the outlines of your silvery
bones glinted with a new sharpness.
I clasped you tight as a corset,
until your ribcage swelled
and your breath strained its way out:
your voice little more than a gasp
and a pant at first – so low,
like you were sharing a secret,
but those tones cut the night air
like a scythe. You were down
to your last few months. This stage
was our temple: you stomped
your feet to the beat of the drum
and backstage powerful men trembled.



Noch mehr Marilyn Monroe in diesem Blog in den Posts: Marilyn MonroeThe MisfitsJohn HustonMethod ActingDorothy ParkerJust head for that big star straight on

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