Die Schauspielerin Angelica Domröse ist im Alter von fünfundachtzig Jahren gestorben, sie war neben Jutta Hoffmann (die hier schon einen Post hat) sicherlich die berühmteste Schauspielerin der DDR. 1970 war sie in Wolfgang Luderers ✺Effi Briest die Effi, sie ist in diesem →Film, der sich sehr genau an Fontanes Text hält, eine bessere Effi als Ruth Leuwerik oder Hanna Schygulla. Noch berühmter wurde sie drei Jahre später als Paula in dem Film Die Legende von Paul und Paula, der zu einem Kultfilm wurde. Ihrer Autobiographie →Ich fang mich selbst ein hat Angelica Domröse das Gedicht Trauriger Tag von Sarah Kirsch aus deren erstem Lyrikband Landaufenthalt vorangestellt; das sei ein Gedicht, das ihren Zustand am besten beschriebe:
Ich bin ein Tiger im RegenWasser scheitelt mir das Fell
Tropfen tropfen in die Augen
Ich schlurfe langsam, schleudre die Pfoten
Die Friedrichstraße entlang
Und bin im Regen abgebrannt
Ich hau mich durch Autos bei Rot
Geh ins Café um Magenbitter
Freß die Kapelle und schaukle fort
Ich brülle am Alex den Regen scharf
Das Hochhaus wird nass, verliert seinen Gürtel
(ich knurre: man tut was man kann)
Aber es regnet den siebten Tag
Da bin ich bös bis in die Wimpern
Ich fauche mir die Straße leer
Und setz mich unter ehrliche Möwen
Die sehen alle nach links in die Spree
Und wenn ich gewaltiger Tiger heule
Verstehn sie: ich meine es müsste hier
Noch andere Tiger geben.
Das stand hier ähnlich schon einmal, als ich Angelica Domröse 2021 zum achtzigsten Geburtstag gratulierte. Ich lasse das mal so stehen, habe aber noch den Film Die Legende von Paul und Paula für Sie. Den hat der MDR jetzt noch eine Woche hier in der ✺Mediathek, ansonsten können Sie ihn immer ✺hier sehen. So wollen wir sie im Gedächtnis behalten, mit dieser Rolle, die Ulrich Plenzdorf ihr auf den Leib geschrieben hat. Forever young, wie auf diesem Photo hier, das im Sommer 1974 gemacht wurde.

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