Montag, 3. Oktober 2011

Ode an Berlin


Berlin. Eine Stadt mit vielen Gesichtern. Berlin ist gar keine Stadt, sondern Berlin gibt bloß den Ort dazu her, wo sich eine Menge Menschen, und zwar darunter viele Menschen von Geist, versammeln, denen der Ort ganz gleichgültig ist; diese bilden das geistige Berlin, hat Heinrich Heine gesagt. Das Berlin von Theodor Fontane und Ludwig Pietsch ist ein anderes Berlin als das von dem Österreicher aus Braunau am Inn. Das Berlin, das Werner Hegemann in Das steinerne Berlin: Geschichte der größten Mietskasernenstadt der Welt geißelte, ist ein anderes Berlin als das nach 1945 mühsam durch Subventionen am Leben gehaltene Berlin. Steglitzer Kreisel und all diese Skandale. Das Berlin von Texas-Willi ist ein anderes Berlin als das von Angela Merkel. Diese Spezies Mensch, die man Bundespolitiker nennt, ist in Berlin immer noch ein Fremdkörper. Letztens sagte Wolfgang Schäuble über die Abgeordneten: aber die meisten leben hier sehr viel intensiver mit und in der Stadt, sie bleiben auch mal übers Wochenende und nehmen am äußerst vielfältigen kulturellen Leben der Stadt teil. Den Mittelteil finde ich toll: sie bleiben auch mal übers Wochenende. Wenn Politiker lange genug reden, entlarven sie sich in all ihrer Dürftigkeit. Da wollen wir denn mal hoffen, dass sie noch einen Koffer in Berlin haben und ihr Büro nicht wie bei Esther Silvana Koch-Mehrin einer Briefkastenfirma ähnelt.

Nein, lassen wir diese Bofkes wie Pofalla mal draußen vor, irgendwo gibt es noch die Reste von einem alten Berlin. Diesen Hauch von Zilles Milljöh. Auch wenn es bei Aschinger schon lange keine Brötchen mehr umsonst zur Bockwurst gibt. Aber wenn man sich die liebevoll gemachten Bücher von Harry Balkow-Gölitzer et.al. (wie zum Beispiele Eine noble Adresse: Prominente in Berlin-Dahlem und ihre Geschichten) anschaut, kann man noch ein altes Berlin entdecken. Wo sich ein halbes oder gar ein ganzes Jahrhundert so gut wie nichts verändert hat. Ich finde das sehr rührend, wenn man manche Orte der Jugend nach Jahrzehnten beinahe unverändert wiederfindet.

Ich möchte Sie heute am Tag der Einheit (der in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn gefeiert wird) einmal mit dem Chanson Ode an Berlin von Walter Mehring in eine andere Zeit entführen. In die Zeit von Berlin Alexanderplatz, in das Berlin von Menschen am Sonntag. Walter Mehring liebte sein Berlin. Mode is et heute, det die meisten Leute schimpfen uff det ‚Babale an der Spree‘. Dieset Wujekeife, det ich nich bejreife, duht mir in de tiefste Seele weh. Hat ooch seine Reize – wat ick ohne Neid seh – München, Frangfurt, ‚Dräsen‘ und Polzin: det war wirklich klassig, wat patent un rassig, Mensch! det jiebt et doch bloß in Berlin! schrieb er um 1900. Dreiunddreißig Jahre klingt das ein wenig anders, da war der Autor Walter Mehring schon im Exil, aus de Innung ausjeschlossen.

Manchmal berliner ick aus'n Traume. 
Und sooo'ne Träne kullert mir auf's Schemisett. 
Ick höre ümmassu: 'Nu sind wa frei im deutschen Raume!' - 
Nee, Emil, nich det ick dir flaume: 
Emil, angtre nanu: jloobst'n det?
Ihr Spreeathener, rauh, mit defter Plauze,
Wir kenn'n uns doch - mir kommt ihr doch nich doof.
Der helle Deez - die wunderkesse Schnauze -
Der vierte Hinterhof mit Feez und Schwoof -
Die jriene Minna - und die Mutta Jrien -
Und sonntachs nach de Müggelberje peesen,
Mir wollt awas assähln von fremde Wesen?
Mir nich, Berlin!
Mir nich, Berlin!
Ick war doch ümma mang Euch mang mit Herz und Breejen!
Det is der Dank -
is das der Dank?
Von wejen!
Ihr duften Pankejöhrn - Ihr frechen Bollen!
Wir jing'n uns doch ins jleiche Freibad aal'n!
"Een Kissken, Schatz!"- "Herr Oba, noch sswee Mollen!" -
Der Mond da drob'n- der konnte uns wat mal'n!
Det war doch so - wir hatten doch wat los
Wenn wir zwee in de Lausekiste pennten.
Mir willste sahr'n von fremden Elementen?
Nee sach ma bloß!
Nee sach ma bloß!
War ick nich ümma mang Dir mang mit Herz und Breejen?
Det is der Dank -
is das der Dank?
Von wejen !
Ihr Bowkes - und ihr "Blauen Abführmittel!"
jetzt bin ick Neese, wenn's nach Treptow jeht? -
Nu brüllt ihr "Heil!" - und looft im braunen Kittel?
Wat denn? - Da hat woll eener dran jedreht?
Ick weeß doch, wo de Ferdeäppel blieh'n -
Ick stand doch Du und Du mit jedem Zossen,
Mir habt Ihr aus de Innung ausjeschlossen?
Sach ma, Berlin,
Schämste Dir nich?
Ick bleibe mang Dir mang mit Schnauze, Herz und Brejen!
Wat is dein Dank -
das is dein Dank?
Von wejen !!!

Sonntag, 2. Oktober 2011

Marcel Duchamp


Das da hat ihn berühmt gemacht, den Marcel Duchamp (heute vor 43 Jahren gestorben). Und es hat den Weg geebnet für eine Vielzahl von "Kunstwerken", die es vorher so noch nicht gegeben hat. Bei denen sich immer wieder die Frage aufdrängt Ist das Kunst oder kann das weg? Von Joseph Beuys sind gleich zwei Kunstwerke gerichtsnotorisch geworden. Am 3. November 1973 war bei einem geselligen Abend im SPD-Ortsverein Leverkusen-Alkenrath eine mit Heftpflaster und Mullbinden versehene Badewanne gereinigt worden. Gründlich mit ATA geschrubbt, damit man die Biergläser darin spülen konnte.

Der Hausmeister hatte den Künstler offensichtlich nicht verstanden: Eine Fettecke ist ja nicht deswegen gemacht, um einen Tisch mit Fett zu beschmieren, sondern eine Fettecke ist deswegen gemacht, um als Fettecke im Gegensatz zu stehen zu anderen Prozessen, die ein solches plastisches, anfälliges Material macht, in Raum und Zeit, also gerade die Sachen mit Fett erheben einen großen Anspruch auf Theorie. Und diese Theorie ist natürlich vielleicht nicht immer da, wenn Menschen im Museum so eine experimentelle Anordnung sehen. Die Firma ATA hat die Sache hinterher für einen TV-Werbespot gebraucht. Man sollte das Ereignis der Kunstzerstörung durch die Banausen von der SPD nicht mit dem späteren Fettecken-Skandal verwechseln. Und dabei sind wir dann wieder bei der Frage Ist das Kunst oder kann das weg?

Ich habe einmal bei einer Ausstellung moderner Kunst den Kustos der Kunsthalle dabei beobachtet, wie er mit moderner Kunst umging. Zwei Wärter hatten ihn darauf aufmerksam gemacht, dass ein modernes Kunstwerk vor dem augenblicklichen Zerfall stünde. Er kam, guckte sich das Ganze an und ging mit den beiden Wärtern wieder weg. Fünf Minuten später kam er mit Hammer und Nägeln wieder, guckte sich verstohlen um - konnte mich aber nicht sehen - und hämmerte dann fachmännisch das Ganze wieder zusammen. Wenn ich damals eine kleine Kamera gehabt hätte, oh Manno, was wäre das für ein Kurzfilm für eine Baumarktwerbung geworden!

Vor vielen Jahren war ich mit meinem Freund Uwe in der Kunsthochschule LilLaLerchenfeld im Hamburg. Uwe wollte sich die Bewerbungsunterlagen abholen, weil er da Kunst studieren wollte. Und da war ein Typ auf einer Leiter und malte einen roten Strich an die Decke. Als wir ihn fragten, was das sei, hat er gesagt, dass das Kunst sei. Die Kunsthochschule hat ihn dann wenig später gefeuert. Er ist aber noch berühmt geworden, hatte sich von Friedrich Stowasser in Friedensreich Hundertwasser umgetauft, und die Leute kauften ihm alles ab, was er bemalte. Uwe hat da trotz des abschreckenden Erlebnisses Kunst studiert und ist später noch Kunstprofessor geworden. Letztens hat er mir geschrieben: Kunst ist, was man als Kunst verkaufen kann. Ja, im Alter werden die Kunstprofessoren zynisch. Andererseits ist der Satz gar nicht so schlecht, eine echte passepartout Definition, passt für Damien Hirsts Schweine wie für Jeff Koons Porzellanpudel.

Aber mit Uwe konnte man zu jedem Happening hingehen, er war da sehr offen. Die Erweiterung des Kunstbegriffs (ein Wort, das wahrscheinlich von Beuys ist) schien für ihn eine Selbstverständlichkeit. Wir waren auf einer Documenta in Kassel, als die noch niemand wirklich interessierte. Einmal wollten wir zu Otto Muehl, weil der angeblich in der PH in Bremen Hühner über nackten Studentinnen schlachten wollte. Kein Mensch interessierte sich damals dafür, ob das Kunst sei. Für die Hühner interessierte sich auch keiner, eigentlich waren alle nur wegen der nackten Studentinnen da. Aber es gab nichts zu sehen, die Polizei hatte die ganze Veranstaltung aufgelöst. Uwe und ich sind dann mit der Straßenbahn nach Bremen reingefahren und in die Kunsthalle gegangen. In Kunsthallen gab es damals noch keine Aktionskunst. Da wusste man noch, wofür man den Eintritt bezahlt hat. Das, was mit dem Pissoir von Duchamp begonnen hatte, die Infragestellung jedes Kunstbegriffes, sollte erst in den folgenden Jahren virulent werden.

Eins der schönsten Beispiele für den in Frage gestellten Kunstbegriff gab es in den siebziger Jahren in England. Ein gewisser Carl Andre, der ein Jahrzehnt später vom Vorwurf des Mordes an seiner Frau freigesprochen wurde (der "Künstler" Otto Muehl dagegen wanderte für Jahre ins Gefängnis), hatte da ein Kunstwerk aus Backsteinen geschaffen und es der Tate Gallery verkauft. Als die Tate bei ihm anrief und sagte, dass sie seine Backsteine für 2.297 Pfund Sterling kaufen wollte, war der Künstler in einer schwierigen Lage. Er hatte nämlich seine Backsteine an die Ziegelei zurückverkauft, weil keiner sein Kunstwerk haben wollte. Also kaufte er sich in der Ziegelei wieder 120 Backsteine und lieferte sie bei der Tate Gallery ab. Die Sunday Times, und wenig später ganz England, fand das damals nicht so komisch. Der Schriftsteller Keith Waterhouse schrieb im Daily Mirror: Bricks are not works of art. Bricks are Bricks. You can build walls with them or chuck them through jeweller's windows, but you cannot stack them two deep and call it sculpture.

Diese insularen Normalos mit ihrem common sense verstehen eben die ganze moderne Kunstdiskussion nicht. Ich auch nicht, aber ich halte mich da raus. Ich habe natürlich einen guten Rat für das Verhalten in Ausstellungen, in denen ganze Räume mit lackiertem Sperrmüll zugeschüttet worden sind. Um Himmelwillen niemals den Satz Ist das Kunst oder kann das weg? laut werden lassen. Auch der Satz, dass es zuhause nach dem letzten Kindergeburtstag ähnlich aussah, ist gefährlich. Halten Sie sich einfach an Jay's goldene Regeln. Ich ziehe zu Ausstellungseröffnungen immer ein englisches Oberhemd mit einem steifen, hohen Kragen an. Das verleiht einem Contenance und Haltung. Und natürlich braucht man schön geputzte englische Schuhe, deren polierte Spitzen kann man prima ganz still während einer Kunstdiskussion betrachten. Und falls Sie wider Erwarten nach ihrer Meinung zu dem ausgestellten Müll gefragt werden, dann sagen Sie doch einfach, dass im Griechischen tekhnê und aísthesis ja noch kein Sammelbegriff für Formen tiefenstruktureller epistomologischer Paradigmen gewesen seien, die erst nach der Konstruktion kultureller Identität durch den postmodernen Kunstdiskurs eine perzeptive Relevanz gewonnen haben. Dann haben Sie für den Rest des Tages Ihre Ruhe.

Dynamic Views


Es sieht jetzt wieder so aus wie vorher. Zwar explodierten die Leserzahlen, aber gleichzeitig häuften sich die Klagen der Leser, die sich diesen Blog wieder in seiner alten Gestalt wünschten. Das neue Dynamic View System hat unter seiner bunten Glitzerwelt noch eine Vielzahl von Kinderkrankheiten. Manchen meiner Leser blieb sogar der Zugang zum Blog plötzlich verwehrt. Und das wollen wir ja auf gar keinen Fall.
Also back to square one. Und wer die neue Glitzerwelt sehen will, der tippe doch bitte auf dieser ➱SEITE in dem kleinen Suchfeld unten: loomings-jay ein und klicke dann auf PREVIEW.

Samstag, 1. Oktober 2011

Griechen-Müller


Heute vor 184 Jahren starb Wilhelm Müller, den man auch den Griechen-Müller nannte, weil er sich so sehr für die Griechen und ihren Freiheitskampf einsetzte. Heute möchte ja niemand mehr Griechen-Müller genannt werden; Griechenland und Griechen, einstmals ein Ideal, sind schon beinahe zu Schimpfworten geworden. Aber andererseits steht uns gerade ein neues Publikumsspektakel mit der Eröffnung des Pergamon-Rundbildes von Yadegar Asisis bevor. Da sagen wir denn kein böses Wort gegen die Griechen, weil das Kultur ist. Edle Einfalt, stille Grösse und so etwas. Ich weiß nicht, ob das neue Gesamtkunstwerk von Yadegar Asisis wirklich bewunderswert ist. Oder ob das nicht ein weiterer Schritt in der Disneyisierung unserer Kultur ist. Als ich vor fünfzig Jahren zum ersten Mal den Pergamon Altar sah, reichte es mir, ihn zu bestaunen und oben auf den Stufen zu sitzen. Da brauchte niemand ein 360 Grad Rundumbild.

Wilhelm Müller stand mit vollem Herzen hinter dieser Bewegung des Philhellenismus. Lord Byron auch. Und erst der bayrische König! Ändert den Namen seines Königreichs von Baiern in Bayern, mit dem griechischen Ypsilon. Da spricht man in Bayern schon von dem neuen Hellas. Und gibt viel Geld für die neo-griechische Architektur aus. Und nicht nur in München, auch in Berlin gibt man viel Geld aus, damit alles klassisch griechisch aussieht. Weil es nämlich geheime Verbindungen aus Urzeiten zwischen Preußen und Griechenland gibt, deshalb wird die griechische Neoklassik in Preußen so schnell heimisch. Hat ein Kunsthistoriker mal geschrieben. Und der Kunsthistoriker Josef Strzygowski wies 1941 wissenschaftlich nach, dass es die Germanen waren, die in der Eiszeit den hohen Norden verließen, um in Hellas Blütezustände herbeizuführen. Das musste doch mal gesagt werden. Hat sich aber als Lehrmeinung nicht durchgesetzt.

Als ich las "Wilhelm Müller ✝1. Oktober 1827", dachte ich mir, ich schreib' über Wilhelm Müller. Über Die Winterreise und die Schöne Müllerin und die Griechenlandsehnsucht der Deutschen. Also die nach der klassischen Bildung, nicht die nach dem Ouzo. Und dann fiel mir plötzlich ein, dass ich das vor einem Jahr schon getan habe. Lesen Sie es doch noch einmal ➱hier. Wenn ich so weitermache, schreibe ich noch so viel wie Ulrich Holbein. Aber aus aktuellem Anlass, Griechenlandhilfe, European Financial Stability Facility und solcher Dinge, möchte ich nicht ohne ein Gedicht von Wilhelm Müller schließen. Es heißt Hellas und die Welt, und die zweite Zeile Ohne dich, Hellas, was wäre die Welt? sollte uns zu denken geben.

Hellas und die Welt

Ohne die Freiheit, was wärest du, Hellas?
Ohne dich, Hellas, was wäre die Welt?

Kommt, ihr Völker aller Zonen,
Seht die Brüste,
Die euch säugten
Mit der reinen Milch der Weisheit! –
Sollen Barbaren sie zerfleischen?
Seht die Augen,
Die euch erleuchteten
Mit dem himmlischen Strahle der Schönheit! –
Sollen sie Barbaren blenden?

Seht die Flamme,
Die euch wärmte
Durch und durch im tiefen Busen,
Daß ihr fühltet,
Wer ihr seid,
Was ihr wollt,
Was ihr sollt,
Eurer Menschheit hohen Adel,
Eure Freiheit! –
Sollen Barbaren sie ersticken?
Kommt, ihr Völker aller Zonen,
Kommt und helfet frei sie machen,
Die euch alle frei gemacht!

Ohne die Freiheit, was wärest du, Hellas?
Ohne dich, Hellas, was wäre die Welt?

Und schon ein Jahrzehnt vorher (Preußen ist gerade besiegt) schreibt ein anderer Deutscher: Die Griechen sind uns nicht bloss ein nützlich historisch zu kennendes Volk, sondern ein Ideal. Ihre Vorzüge über uns sind von der Art, dass gerade ihre Unerreichbarkeit es für uns zweckmässig macht, ihre Werke nachzubilden, und wohlthätig, in unser durch unsre dumpfe und engherzige Lage gepresstes Gemüth ihre freie und schöne zurückzurufen.
   Sie setzen uns in jeder Rücksicht in unsre eigenthümliche, verlorene (wenn man verlieren kann, was man nie hatte, aber wozu man von Natur berechtigt war) Freiheit wieder ein, indem sie augenblicklich den Druck der Zeit aufheben und durch Begeisterung die Kraft stärken, die in uns gemacht ist, ihn selbstthätig zu überwinden.
   Sie sind für uns, was ihre Götter für sie waren; Fleisch von unserm Fleisch und Bein von unserm Bein; alles Unglück und alle Unebenheiten des Lebens; aber ein Sinn, der alles in Spiel verwandelt, und doch nur die Härten des Irrdischen wegwischt, aber den Ernst der Idee bewahrt.
 Er belässt es nicht bei seinen Klagen, Wilhelm von Humboldt erfindet das deutsche Gymansion.


Die Bilder zeigen Thomas Coles Destruction, Delacroix' La Grèce sur les ruines de Missolonghi und Peter von Hess' Ankunft König Ottos in Griechenland.

Freitag, 30. September 2011

Angie Dickinson


Haste über Brigitte Bardot geschrieben? fragte mich Jimmy vorgestern am Telephon. Ich sagte ihm, dass ich es an dem Tag vorgezogen hatte, über ➱Albert Vigoleis Thelen zu schreiben. Fügte dann aber hinzu, dass ich übermorgen über Angie Dickinson schreiben würde. Rio Bravo, sagte er. Mit ihm braucht man nicht viele Worte zu machen, wir verstehen uns so. Also gut, Brischidd habe ich vergessen. Aber ich kann ja irgendwann noch mal über sie schreiben. Ich habe auch noch eine Platte, die ich mal in Paris gekauft habe, mit einem Cover in Pink und einer wenig bekleideten Brischidd vorne drauf, Editions Eddie Barclay. Filmmusik zu Le Repos du guerrier. Interdit aux moins de 18 ans, nicht die Musik, der Film. Wenn Sie mal eben ➱hier hineinschauen, und die Augen schließen, dann können Sie die plüschige Filmmusik hören. Aber nur wenn Sie die Augen schließen.

Ich hätte natürlich Keith fragen können, ob er an Brigitte Bardot gedacht hat. Der hat zwar keine Platten von Brigitte Bardot, aber dafür hat er ein Auto, das ihr mal gehört hat. Einen Morgan 4/4. Ich habe im Netz kein Photo von ihr und dem Morgan gefunden, nur welche mit einer Renault Floride. Aber so ein Auto würde Keith nicht sammeln, selbst wenn es von BB wäre. Ich weiß jetzt nicht, ob er den Morgan wie einen Morgan behandelt oder wie ein Heiligtum. Was ist das für ein Gefühl, sich dahin zu setzen, wo mal der Po von Brischidd war?

Aber ich wollte nicht über BB schreiben, ich wollte über Angie Dickinson schreiben. Die hat heute Geburtstag. Und damit komme ich noch einmal auf Rio Bravo zurück. Wo sie Feathers heißt und diese aufregenden Klamotten trägt. Nicht nur auf der Leinwand, auch bei den Dreharbeiten. Auf dem Photo hier ist Angie Dickinson 27. Als BB so alt war, hatte ihre ersten ernstzunehmenden Filme gedreht: Die Wahrheit und Privatleben. In Privatleben wurde sie von Gregor von Rezzori in einem schönen alten Jaguar herumkutschiert. Als sich von Rezzori im gleichen Jahr scheiden ließ, sprach der Scheidungsrichter seiner Ehefrau die Hälfte vom Jaguar zu. Der Mann, dem wir die wunderbaren maghrebinischen Geschichten verdanken, ließ den Jaguar in der Mitte durchsägen und stellte eine Hälfte zur Abholung vor die Garage. Ich darf nicht anfangen, über Autos zu schreiben, ich komme sonst vom Hölzchen aufs Stöckchen.

In Rio Bravo, einem der beliebtesten Western der Filmgeschichte, kommen keine Autos vor, obgleich es ein so genannter ➱Spätwestern ist. Es gibt ja eine Reihe von Spätwestern, in denen Autos vorkommen. Aber die haben natürlich keine Angie Dickinson im Film. Denn, seien wir ehrlich: diese mit leichter Hand selbstironisch dargebotene Geschichte (die auch noch den bedeutungsschwer tapsenden Film High Noon ironisch kommentiert) wäre nichts ohne Angie Dickinson. Die Meister des Hollywoodfilms wissen schon, was sie den Frauen verdanken. Was wären die Western von John Wayne ohne ➱Maureen O'Hara oder ➱Joanne Dru? Wie viele andere in Hollywood ist Howard Hawks ein wenig dem Wahn verfallen, immer neue junge Schönheiten in seinen Filmen zu präsentieren und sie nach seiner Vorstellung zu formen. Joanne Dru (in Red River), Angie Dickinson, Elsa Martinelli (Hatari), Paula Prentiss (Man's Favorite Sport?) und Charlene Holt in dem Rio Bravo Remake El Dorado. Der Regisseur als Pymalion, Garry Willis mokiert sich ein wenig darüber in seinem Buch John Wayne's America. Aber man kann das auch anders sehen: Howard Hawks hat den Satz Kino ist schöne Dinge mit schönen Frauen machen längst begriffen, bevor ihn Truffaut formuliert hat.

Angie Dickinson heißt in Rio Bravo Feathers. Und Kenner der Filmgeschichte wissen natürlich, dass es schon einmal eine Feathers im amerikanischen Film gab. Feathers MCoy (gespielt von Evelyn Brent) heißt sie in Joseph von Sternbergs Film Underworld. Wenn man Feathers heißt, gehört man zur Unterwelt. Oder zu einer Welt, die ein klein wenig anrüchig und verworfen ist. Denn in dieser Welt - die es nur in der Phantasie von Hollywood gibt - trägt man solche Sachen, wie ➱Angie Dickinson sie in Rio Bravo trägt. Denn das ist ja etwas anderes als die steife Kleidung von dieser kalten Schönheit Grace Kelly in High Noon. Und wenn man so ausgezogen angezogen durch den Film läuft, dann kriegt man am Ende auch den Sheriff John Wayne. Obwohl der doppelt so alt ist wie Angie Dickinson.

Dieser Western lebt von der ➱sexuellen Spannung, High Noon garantiert nicht. Und wenn auch John Wayne längst nicht mehr so sexy aussieht wie in ➱Stagecoach, die Frauen verfallen ihm noch immer. Auf jeden Fall im Film. Oder wenn sie Joan Didion heißen und ➱John Wayne: A Love Song schreiben: all the officers' club had of interest was artificial blue rain behind the bar. The rain interested me a good deal, but I could not spend the summer watching it, and so we went, my brother and I, to the movies.
   We went three and four afternoons a week, sat on folding chairs in the darkened hut which served as a theatre, and it was there, that summer of 1943 while the hot wind blew outside, that I first saw John Wayne. Saw the walk, heard the voice. Heard him tell the girl in a picture called 'War of the Wildcats' that he would build her a house, 'at the bend in the river where the cottonwoods grow'.
   As it happened I did not grow up to be the kind of woman who is the heroine in a Western, and although the men I have known have had many virtues and have taken me to live in many places I have come to love, they have never been John Wayne, and they have never taken me to that bend in the river where the cottonwoods grow. Deep in that part of my heart where the artificial rain forever falls, that is still the line I wait to hear.


Donnerstag, 29. September 2011

Cool


Also hier schreibt immer noch Jay. Obgleich mein Photo bei diesem neuen ➱Design verschwunden ist. Es ist immer noch der Blog SILVAE mit diesem wunderbaren Kuddelmuddel von High+Low Culture. Die Photos meiner lieben Leser sind leider verschwunden. Das kleine Zählwerk unten auf der Seite auch, das mir gesagt hätte, dass mich seit Ende Juli des letzten Jahres 265.321 Leser angeklickt haben. Und auf der Schreibfläche des Bloggers gibt es auch nur Nachteile, Vorschau geht nicht mehr etc. Aber vielleicht sind das Anlaufschwierigkeiten. Ich wäre ja nie auf die Idee gekommen, dieses neue Layout auszuprobieren, wenn ich nicht bei Morgenländer die Überschrift Neues Blog-Design? gelesen hätte. Musste ich sofort ausprobieren. Ich weiß noch nicht, ob wir alle damit glücklich werden. Aber spielen Sie doch mal mit den Möglichkeiten auf dieser schwarzen Leiste. Wenn Sie ➨Classic anklicken, gibt es noch: Flipcard, ➨Mosaic (ganz toll!), Sidebar, Snapshot, Timeslide! Tolle Sache! Ich lasse das erst einmal eine Woche so stehen, mit dieser überwältigenden Coolness des Designs. Sein oder Design, das ist hier die Frage.

Aber irgendwie scheint das neue Design anzukommen, es ist gerade mal zwölf Stunden im Netz, und die Zahl ist auf 267.742 gestiegen. Wow!

Winslow Homer


Wenn wir dieses Bild sehen und nichts darüber wissen, würden wir auf einen französischen Impressionisten tippen und Deauville oder Trouville sagen, wohin es die Pariser Gesellschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert zieht. Sieht ein wenig aus wie Eugène Boudin, finden Sie nicht auch? Es ist aber der Amerikaner Winslow Homer, der hier den Strand von Long Branch (New Jersey) malt. Wir sind im Jahre 1869, und die amerikanische Gesellschaft des Gilded Age hat offensichtlich die gleichen Interessen wie die Pariser Gesellschaft der Belle Epoque. Die Damen tragen auch die gleiche Mode, an der Dame ganz rechts kann man den cul de Paris bewundern. Die Nähe zu Boudin hat Lloyd Goodrich, Amerikas Spezialist für Winslow Homer (und Edward Hopper) auch gesehen, er spricht von many curious parallels, weiß aber letztlich auch nicht, woher es kommt. Homer ist zwar nach dem Bürgerkrieg in Paris gewesen, aber man kann keine wirklichen Beziehungen zwischen ihm und Boudin oder dem frühen Monet nachweisen. Der ehemalige Grafiker lässt sich auch kaum von jemandem beeinflussen: From the time I took my nose off that lithographic stone, I have had no master, and never shall have any. Aber so wie Boudin sein Leben lang vom Strand, vom Meer und dem Himmel darüber fasziniert ist, wird Homer das auch sein. Doch wird seine Begeisterung auf Papier und Leinwand ganz andere Formen annehmen.
 
Vier Jahre nach dem Bürgerkrieg hat Winslow Homer große Sprünge in seiner Entwicklung als Maler gemacht, er hat ja erst 1864 angefangen Ölbilder zu malen. Er ist ein slow learner, er kann (oder will) nicht von anderen lernen. Artists should never look at pictures, but should stutter in a language of their own, hat er einmal zu dem Maler und Schriftsteller Eugene Benson gesagt. Er hat sich beinahe alles selbst beigebracht, darin ähnelt er John Singleton Copley. Zwei amerikanische Originalgenies, beide aus Boston, durch ein Jahrhundert getrennt. Es ist erstaunlich. Schauen wir uns mal eben dieses Bild an. Homer hat es kurz nach Ende des Bürgerkrieges gemalt. Es heißt Prisoners from the front - und eigentlich können wir kaum glauben, dass beide Bilder - dies doch eher triste Genrebild und der Strand von Long Branch ganz oben - vom gleichen Maler sind. Das 61 x 96 Zentimeter große Bild zeigt einen Nordstaatengeneral, dem drei Südstaatengefangene vorgeführt werden. Die schon beinahe karikaturhaft die Lage des Südens verdeutlichen sollen. Links der Dorftrottel, der bestimmt nicht lesen und schreiben kann. In der Mitte der alte Mann, einer der Poor Whites, der sich nicht mehr ändern wird. Und rechts der junge Kavallerieoffizier (mit einer Haarpracht wie General Pickett) in herausfordernd aristokratischer Pose.

Eugene Benson, ein schlechter Maler, aber ein einflussreicher Kulturkritiker bot in der New York Evening Post folgende Interpretation: On one side the hard, firm-faced New England man, without bluster, and with the dignity of a life animated by principle, confronting the audacious, reckless, impudent young Virginian. . .; next to him the poor, bewildered old man, . . . scarcely able to realize the new order of things about to sweep away the associations of his life; back of him the `poor white,` stupid, stolid, helpless, yielding to the magnetism of superior natures and incapable of resisting authority. Und für den patriotischen Nordstaatler Benson ist die Sache klar: Mr. Homer shows us the North and South confronting each other; and looking at his facts, it is very easy to know why the South gave way. The basis of its resistance was ignorance; its front was audacity and bluster.

Es ist ein Bild vom Süden, das in Literatur und Film noch lange Bestand haben wird: nur redneck Trottel und Aristokraten. Die old folks at home nicht zu vergessen. Der Yankee Offizier auf der rechten Seite (dessen Kopf in letzter Sekunde ins Bild gemalt wurde) ist das Porträt einer wirklichen Person, des Brigadegenerals Francis C. Barlow. Ich lasse dessen militärische Leistungen im amerikanischen Bürgerkrieg einmal beiseite, sie sind nicht so großartig, wie es uns die amerikanische Hagiographie von Bürgerkriegsgeneralen vermittelt. Seine wirkliche Leistung wird Jahre später in New York liegen, wenn er als Politiker und Generalstaatsanwalt die kriminellen Aktivitäten von 'Boss' Tweed und seiner Organisation bekämpfen wird.

Es gibt mehrere Gründe, weshalb Francis Barlow auf diesem Bild ist und den siegreichen Norden symbolisiert. Die einfachste Erklärung ist: Maler und Modell kennen sich. Sie kennen sich nicht nur, sie sind miteinander verwandt. Und Barlow, der wegen seines jugendlichen Aussehens auch the Boy General heißt, ist ein Vorzeigesoldat der Union. Barlow (auf diesem Photo ganz links, rechts neben ihm sitzend General Winfried Scott Hancock) ist der junge Dandy aus Boston, der sich niemals an die Vorschriften der Dienstkleidung hält. Nur auf dem Bild von Winslow Homer ist er korrekt gekleidet. Er trägt auf dem Photo seine Uniformjacke gegen alle Vorschriften aufgeknöpft. Wahrscheinlich sollen wir sein elegantes Hemd bewundern, das sich auch in keiner Dienstvorschrift findet. Der lange Säbel, den er auf diesem Photo wie auf Homers Bild trägt, ist ein Kavalleriesäbel. Allerdings ist Barlow gar nicht bei der Kavallerie, er trägt ihn nur, weil der so schön martialisch aussieht. Und dann diese arrogante überlegene Pose - wenn einer sich zu inszenieren versteht, dann ist das Francis Barlow. Die Presse liebt ihn, denn wenn jemand aussieht wie Paul Newman, Steve McQueen oder Robert Redford, dann kann man das auch gut verkaufen. Wo es doch jetzt Mathew Brady und die Photographie gibt. Neben dem Krimkrieg ist dies der erste photographierte Krieg der Geschichte. Von nun an haben wir Bilder von allem, vor allem von Tod und Zerstörung. Sie haben aber keinen Lerneffekt für die Menschheit, die Bilder von Tod und Zerstörung haben wir heute noch.

Waren Winslow Homers Zeichnungen, Holzschnitte und Lithographien vom Bürgerkrieg bis dahin nur den Lesern von Harper's bekannt, macht ihn das Bild Prisoners from the front macht Winslow Homer schlagartig in Amerika berühmt. Henry T.Tuckerman schrieb, dass das Bild attracted more attention, and, with the exception of some inadequacy in color, won more praise than any genre picture by native hand that has appeared of late years. Und Clarence Cook schrieb Jahre später: No picture has been painted in America in our day that made so deep an appeal to the feelings of the people...Though painted in the heat of the war, and when the bitterest feelings were aroused on both sides, the influence of this picture was strong on the side of brotherly feeling.

Das Bild The Veteran in a New Field schließt Homers Beschäftigung mit dem Bürgerkrieg ab. Der ehemalige Soldat der Unionstruppen hat seine Uniform (unten rechts im Bild) abgelegt, jetzt ist er wieder Farmer. A New field ist jetzt seine Aufgabe, sein altes Feld waren die Schlachtfelder des Sezessionskrieges. Manche Interpreten haben daran erinnert, dass ein berühmtes Photo von Mathew Brady vom Schlachtfeld von Gettysburg A Harvest of Death hieß, dies Bild könnte ein Kommentar auf das Photo sein. Aber wird er jemals dieses Feld abernten können? Oder ist es doch eine Anspielung auf den Schnitter, der Tod heißt? Diese Assoziation, die heute jedem Kunsthistoriker einfällt, ist damals keinem Kritiker in den Sinn gekommen. Das Bild, was immer seine Symbolik sei, zeigt aber auch schon, wohin Homers Weg (vor allem in seinem Spätwerk) gehen wird, zu den großen klaren Flächen. Es ist beinahe schon ein Plakat in seiner Flächenhaftigkeit. Ein Bild wie The Fox Hunt ist beinahe dreißig Jahre später gemalt, hat aber viel mit The Veteran in a New Field gemeinsam.

Mit dem Kriegsende wechselt Homer radikal sein Thema, das wird er noch häufiger tun. Er hat genug vom Bürgerkrieg. Das Publikum nicht, das wünscht sich noch mehr Bilder wie Prisoners from the Front. Und wenn ein Kritiker, dem die eleganten Damen am Strand von Long Branch nun gar nicht gefallen, schreibt The success which attended 'Prisoners from the Front' seems to have somewhat spoiled a good artist, fällt Homer dazu nur der Satz ein: I'm sick of hearing about that picture. Es ist selten, dass er sich zu seiner Kunst äußert, er ist ein verschlossener Mensch

Jetzt wendet er sich in seinen Bildern Kindern und der Kindheit zu, noch bevor Mark Twain das Thema für sich entdeckt hat und seinen Huckleberry Finn schreibt. Man kann diesen Themenwechsel als einen Versuch sehen, den Schrecken des Krieges entkommen zu wollen. Man kann es aber auch als ein Bemühen sehen, jetzt populär und berühmt zu werden, denn solche Bilder wie Snap the Whip kommen beim Publikum an. Es wird sogar 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia gezeigt (Prisoners from the front war schon 1867 auf der Pariser Weltausstellung gezeigt worden). Der Kunstkritiker Robert Hughes hat über diese Bilder gesagt: Some major artists create popular stereotypes that last for decades; others never reach into popular culture at all. Winslow Homer was a painter of the first kind. Even today, 150 years after his birth, one sees his echoes on half the magazine racks of America. Damit hat er sicher recht, man kann sicherlich Spuren dieser Bilder noch bei Norman Rockwell, Amerikas beliebtesten Illustrator des 20. Jahrhunderts, entdecken.

Es gibt aber auch Kritiker, die diese Bilder partout nicht mögen. Wie Henry James. Der sich gar nicht mehr einholen kann, dies alles potthäßlich zu finden: His barren plank fences, his glaring, bald, blue skies, his big, dreary, vacant lots of meadows, his freckled, straight-faced Yankee urchins, his flat-breasted maidens, suggestive of a dish of rural doughnuts and pie, his calico sunbonnets, his flannel shirts, his cowhide boots. He has chosen the least pictorial features of the least pictorial range of scenery and civilization . . . it is damnably ugly. Aber zugeben muss, dass Homer damit Erfolg hat: We frankly confess that we detest his subjects. He has chosen the least pictorial features of the least pictorial range of scenery and civilization; he has resolutely treated them as if they were pictorial, as if they were every inch as good as Capri or Tangiers; and, to reward his audacity, he has incontestably succeeded. Doch Winslow Homer wird bei einem Bild wie der Country School (oben) nicht stehen bleiben. Er wird immer wieder die Kritiker verblüffen und eines Tages zu einer bewundernswerten Abstraktion finden. Der Fairness halber sollte ich anfügen, dass Henry James in seiner Besprechung der amerikanischen Kunstszene für die Zeitschrift The Galaxy im Jahre 1875 auch nette Dinge über Winslow Homer gesagt hat.

Denn dieses Red Canoe hat mit der langweiligen Country School ja wenig gemein. Winslow Homer ist heute vor 111 Jahren gestorben. Es war ein wenig größenwahnsinnig von mir zu glauben, dass ich heute den ganzen Winslow Homer in einem kleinen Artikel präsentieren könnte. Geht einfach nicht. Also schreibe ich irgendwann noch einmal, oder zweimal, wie es mit Winslow Homers malerischer Karriere weitergeht. Versprochen. Bis dahin könnten Sie sich ja hier seine Bilder anschauen. Und dann gibt es bei mir auch richtig tolle Bilder von Winslow Homer. Wie zum Beispiel dies hier, im Jahre 1900 in Prouts Neck gemalt: