Montag, 23. Dezember 2013

Helmut Schmidt


Helmut Schmidt wird fünfundneunzig, da muss man gratulieren. Er kam schon einmal in diesem Blog vor, da kam er nicht so gut weg, wie Sie ➱hier lesen können. Aber das ist heute vergessen. Ich habe einmal eine Vorlesung in der Uni bei ihm gehört, 1965 in Hamburg. Da hatte ihm Karl Schiller einen Lehrauftrag verschafft. Er war in der Wirklichkeit nicht so groß, wie er gemacht wird. Wenn die bewegliche Wandtafel weit oben war, musste er hüpfen. Dabei rutschte ihm immer das weiße Oberhemd aus der Weste. Natürlich sind das Petitessen, aber man vergisst diese kleinen Details nie. Ein Journalist, der ihn für das Fernsehen interviewte, hat mir einmal erzählt, dass er eine Minute vor der Aufnahme sagte: Wir müssen die Stühle tauschen, Ihr Stuhl ist fünf Zentimeter höher als meiner. Aber natürlich ist er groß, das versichert uns auch Michael Lentz in seinem Gedicht Adoneus Helmut:

Der Schmidt ist groß. Wir
sind doch die Seinen stärkeren Mundes.
Wenn wir uns jetzt politischer meinen
süßen Gewissens schweren Befundes
sollte er weinen wichtigen Grundes
mitten in uns

Der Schmidt ist groß. Ach
dass wir nicht nur noch Zuschauer seien –
nirgendwo, niemals. Es überfüllt uns.
Fällt auseinander. Uns zu befreien
fallen auch wir als Fehlerdateien
mitten in uns

Der Schmidt ist groß. So
dass wenn er spricht sich lüftet der Schleier
den er genommen stürmend von uns samt
magisch das Duo Bieder und Meier
Landshut im Griff und Pyrrhus Befreier
mitten in uns

Der Schmidt ist groß. Er
ist wenn er spricht ein handelnder Klopstock
Rhetor im Dunstkreis geifernder Meiner
Regulus: Stern und strahlender Steinbock
ist er und bleibt der Redenden Richtblock
mitten in uns

Der Schmidt ist groß. Einst
Zünglein der vagen Doppelbeschlüsse
(Taten wie diese rekonstruiert man
wenn sie getan sind): Hochrüstung müsse
Durchblick gewähren – Zeilen durch Schüsse
mitten in uns

Der Schmidt ist groß. Er
denkt der Geschichte starrende Schmelze:
Was man auch immer tut (unterlässt) man
wird sich mit Schuld beladen wie Pelze
jagend durchs taube Untergehölze
mitten in uns

Aber ohne alle Ironie: Happy Birthday! Und wenn Sie ihn live sehen wollen, klicken Sie ➱hier.

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