Samstag, 21. Dezember 2013

Nigella Lawson


Sie hätte ja Dosen mit Katzenfutter aufmachen und anrühren können, die englische Öffentlichkeit hätte sie auch geliebt. Men love her because they want to be with her, Women love her because they want to be her, schrieb der Guardian. Sie brachte Sex ins Kochstudio, da können die Fernsehköche von Jamie Oliver bis Tim Mälzer nicht konkurrieren. Die sind ja neuerdings überall im Fernsehen, seit den Tagen von Clemens Wilmenroth hat sich auf der Mattscheibe einiges getan. Nur fachmännisch die Zutaten erklären reicht nicht, das Publikum will mehr. Manche sind witzig, selbst wenn sie nicht kochen könnten und nur Dosen mit Kittekat aufmachen würden: es hat seinen Unterhaltungswert. Ich denke da an Jamie Oliver, Tim Mälzer, Rainer Sass und Horst Lichter. Aber die können natürlich im Gegensatz zu Nigella Lawson wirklich kochen.

Der schöne Satz: In der Küche ist, wie in allen Künsten, die Einfachheit der Ausweis der Perfektion von Brillat-Savarin (dem wir das wunderbare Buch Die Physiologie des Geschmacks verdanken), gilt nicht mehr uneingeschränkt. Es muss schon etwas mehr sein. Wie Sex Appeal. Sarah Wiener, die vielleicht Deutschlands Antwort auf Nigella Lawson ist, macht sich neuerdings für Mey Unterwäsche nackig. Für Mey U-Wäsche, man fasst es nicht. Wenn es wenigstens für Victoria's Secret wäre, würden wir ja nichts sagen. Aber muss das alles sein?

Im Gegensatz zu Nigella Lawson kann Sarah Wiener wahrscheinlich auch wirklich kochen. Ich kann mich noch an Nigella Lawson erinnern, da war sie noch keine Domestic Goddess (so der Titel eines ihrer Bücher), da schrieb sie Buchrezensionen in der Sunday Times. Stieg dann sogar zum deputy literary editor auf. War nicht so witzig wie ➱Jilly Cooper oder so schön bösartig wie ➱Julie Burchill, aber immerhin, das Studium der Tochter von Lord Lawson in Oxford machte sich bezahlt. Später schrieb sie dann Restaurantkritiken und wurde freie Journalistin. Dann wurde sie sexy Küchenfee, machte Millionen mit ihren Kochbüchern und heiratete den kunstsammelnden Multimillionär Charles Saatchi. Von dem ist sie aber schon wieder geschieden.

Jetzt ist sie gerade in allen Zeitungen, sie hat gerade vor Gericht gebeichtet, dass sie Kokain genommen hat. Der Telegraph witzelte: Lawson’s recipe for Ham in Coke now bears a less innocent interpretation. Was man nicht alles in der Küche gebrauchen kann! Alles was den Geschmack reizen konnte, wurde als Würze versucht. Man machte von Dingen Anwendung, deren Gebrauch wir heute nicht mehr begreifen können, wie Teufelsdreck, Baute und ähnliches Zeug, schreibt Brillat-Savarin in seiner Die Physiologie des Geschmacks. 

Ich weiß nicht, warum sich die Engländer heute so aufregen, das ganze 19. Jahrhundert über war die Nation doch rauschgiftsüchtig. Was glauben Sie denn, was in Mrs Winslow's Soothing Syrup drin ist? Nichts als Opium. Nennt sich nur anders, heißt Laudanum. Überall in der Literatur hinterlässt es seine Spuren. So sagt Victor Frankenstein in Mary Shelleys Roman: Ever since my recovery from the fever I had been in the custom of taking every night a small quantity of laudanum, for it was by means of this drug only that I was enabled to gain the rest necessary for the preservation of life.

Und Dr Watson macht sich so seine Gedanken über seinen Freund ➱Sherlock Holmes: Nothing could exceed his energy when the working fit was upon him: but now and again a reaction would seize him, and for days on end he would lie upon the sofa in the sitting-room, hardly uttering a word or moving a muscle from morning to night. On these occasions I have noticed such a dreamy, vacant expression in his eyes, that I might have suspected him of being addicted to the use of some narcotic, had not the temperance and cleanliness of his whole life forbidden such a notion. Und wir finden da auch den schönen Dialog: "Which is it today,” I asked, “morphine or cocaine?” He raised his eyes languidly from the old black-letter volume which he had opened. “It is cocaine,” he said, “a seven-percent solution. Would you care to try it?” Was für Sherlock Holmes richtig war, das kann für Nigella Lawson doch nicht falsch sein.

Natürlich gibt es bei Nigella Lawson auch Fisch. Das sollte erwähnt werden, wo es ➱hier letztens einen langen ichtyologischen Post gab. Wenn Sie sich nachts an den Kühlschrank schleichen und sich zwei Fischstäbchen von Käpt'n Iglo reinhauen, dann kann man das natürlich nicht verkaufen. Aber das Video Nigella Lawson Late Night Fish Finger Snack, das kann man verkaufen. Klicken Sie ➱hier. Was würde Käpt'n Iglo nur dazu sagen?

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