Samstag, 21. Januar 2017

Doktor Pinel


Am 21. Januar 1793 hat man in Paris den König hingerichtet. Es war kein wirklicher Königsmord mehr. Louis XVI war zu einem einfachen Bürger Louis Capet geworden, nachdem der Nationalkonvent dekretiert hatte: Der Konvent erklärt Louis Capet, den letzten König der Franzosen, für schuldig der Verschwörung gegen die Freiheit der Nation und des Anschlags auf die allgemeine Sicherheit des Staates. II. Der Konvent beschließt, dass Louis Capet mit dem Tode bestraft werden soll. Der französische Arzt Philippe Pinel, Anhänger der Revolution, aber ein moderater Mann, schrieb in einem Brief: Zum meinem großen Leidwesen hat man mich gezwungen der Hinrichtung durch das Beil beizuwohnen. Die Hinrichtung ist schnell vorbei: Der Adjutant des Generals gab dem Henker den Befehl, seine Pflicht zu tun, und augenblicklich wurde Ludwig auf des verhängnisvolle Brett geschnallt, das man Guillotine nennt, und sein Haupt wurde abgeschlagen, ohne dass er eigentlich Zeit hatte zu leiden. Diesen Vorteil wenigstens verdankt man der Mordmaschine, die den Namen des Arztes trägt, der sie erfand.

Am Ende stehen die Andenkenjäger: Da sich bei der Hinrichtung wie immer Blut auf das Schafott ergossen hatte, stürzten mehrere Männer herbei, um einen Zipfel ihres Taschentuchs, ein Stück Papier oder irgend etwas anderes darin einzutauchen und so die Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis festzuhalten, denn anders möchte ich das nicht auslegen. Was soll man sonst dazu sagen? Ich weiß nicht, ob sie diesen Herrn hier kennen, er heißt Bertrand Barère de Vieuzac. Er war der Ankläger im Prozess gegen den König, sein Bild hängt erstaunlicherweise nicht im Louvre, es hängt in der ➱Kunsthalle Bremen. Sie können mehr über ihn in dem Post ➱Ankläger lesen.

Vielleicht ist der Arzt Philippe Pinel wichtiger als Louis XVI. Hier auf dem Bild von Tony Robert-Fleury befreit er die Geisteskranken im Bicêtre von ihren Fesseln. Damals glaubte man noch, dass Geisteskranke vom Teufel oder Dämonen besessen seien. Sie in Eisenfesseln zu legen, war eine Selbstverständlichkeit, sie wurden auch selten getrennt von gewöhnlichen Verbrechern untergebracht. Doktor Pinel räumt damit auf, dies ist die Geburtsstunde der modernen Psychiatrie.

Dafür wird ihm dieser Herr dankbar sein, dass man ihm eines Tages keine Ketten mehr anlegen wird. Denn nach Meinung von ➱Kapitän Schwandt ist Donald Trump geisteskrank. Nicht nur die Kultfigur Käpt'n Schwandt ist dieser Meinung, auch viele renommierte amerikanische Psychiater sind überzeugt, dass Trump behandlungsbedürftig ist. Konnten sich aber wegen der Goldwater Rule im Wahlkampf dazu nicht äußern. Wenn man den Mann mit der seltsamen Frisur und dem seltsamen Benehmen eines Tages in der weißen Jacke aus dem Weißen Haus abholt (können Sie sich noch an den Song ➱They're coming to take me away, ho-ho, hi-hi, ha-haa erinnern?), dann wird er dankbar sein, dass diese Jacke auch während der Revolution im Bicêtre erfunden wurde. Und dass er nicht mehr in eiserne Ketten gelegt wird.

Der Herr links im Bild ist natürlich ➱François Truffaut, der Herr rechts ist der französische Schauspieler Jean Dasté. In dem Film Der Wolfsjunge (L'enfant sauvage) spielt Truffaut den Arzt Jean Itard (einen Mann, den Maria Montessori bewunderte), Dasté spielt den Doktor Philippe Pinel. Und ich habe für Sie noch einen zweiten Film über den guten Doktor Philippe Pinel, der noch der Leibarzt von Napoleon wurde. Es ist ein amerikanischer Film aus dem Jahre 1945, der im Geburtsjahr von Donald Trump den Oscar in der Kategorie Kurzfilme gewann. Wenn Sie ihn sehen wollen, dann klicken sie hier ➱Stairway to Light an.

Die französische Revolution bringt also nicht nur Tod und Unheil hervor, sie bringt auch eine Erneuerung der psychiatrischen Behandlungsmethoden. Benjamin Franklin versuchte Pinel vergeblich zu überreden, Chefarzt des Pennsylvania Hospital in Philadelphia zu werden, aber der bleibt lieber in Frankreich und übernimmt 1794 das Hôpital Salpêtrière. Doch die Amerikaner werden beweisen, dass man neue Wege zur Behandlung von Geisteskranken auch ohne Guillotine und Schreckensherrschaft finden kann. Da gibt es den Quäker Benjamin Rush, einen der Gründerväter Amerikas, hier gemalt von Charles Willson Peale (der ➱hier einen Post hat). Es ist ein Gesicht voller Weisheit und Güte, weit entfernt von dem Gesicht voller Hass und Aggression, das Donald Trump gestern gezeigt hat.

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