Die quietscherote Plastikuhr läuft nicht mehr, ich habe die Batterie herausgenommen, die Uhr ist jetzt nur noch ein Dekorationsobjekt. Den Welttag des Buches gibt es seit 1997, aber schon Jahre vor drei Jahre vorher gab es bei uns den Tag des deutschen Bieres, das muss mal eben erwähnt werden. Man kann also heute zur Feier des Tages ein Bier trinken, wenn man kein Buch liest. Aber ein Buchgedicht habe ich natürlich auch. Es ist von Emily Dickinson und heißt ganz schlicht A Book:
There is no frigate like a book
To take us lands away,
Nor any coursers like a page
Of prancing poetry.
This traverse may the poorest take
Without oppress of toll;
How frugal is the chariot
That bears a human soul!
Ich habe eine deutsche Übersetzung bei Bertram Kottmann gefunden. Den Übersetzer kennen Sie schon, weil er gerade in dem Post Mad, bad, and dangerous to know erwähnt wurde. Bei ihm hat das Gedicht den Titel Buchreise, und darum geht es ja:
Kein Schiff bringt uns - so wie ein Buch -
an einen fernsten Ort,
kein schnelles Ross der Seite gleicht,
wo tänzelt Dichters Wort.
Der Ärmste selbst reist ohne Last,
wenn diesen Weg er wählt -
wie preiswert doch der Wagen fährt,
der unsre Seele trägt.
There is no frigate like a book
To take us lands away,
Nor any coursers like a page
Of prancing poetry.
This traverse may the poorest take
Without oppress of toll;
How frugal is the chariot
That bears a human soul!
Ich habe eine deutsche Übersetzung bei Bertram Kottmann gefunden. Den Übersetzer kennen Sie schon, weil er gerade in dem Post Mad, bad, and dangerous to know erwähnt wurde. Bei ihm hat das Gedicht den Titel Buchreise, und darum geht es ja:
Kein Schiff bringt uns - so wie ein Buch -
an einen fernsten Ort,
kein schnelles Ross der Seite gleicht,
wo tänzelt Dichters Wort.
Der Ärmste selbst reist ohne Last,
wenn diesen Weg er wählt -
wie preiswert doch der Wagen fährt,
der unsre Seele trägt.
Als Dickinsons Gedichte vier Jahre nach ihrem Tod zuerst erschienen, schrieb eine Rezensentin: Madder rhymes one has seldom seen— scornful disregard of poetic technique could hardly go farther— and yet there is about the book a fascination, a power, a vision that enthralls you, and draws you back to it again and again. Not to have published it would have been a serious loss to the world.
Paul Celan hat manche →Gedichte übersetzt. Wem der kleine Reclam Band mit Gedichten englisch-deutsch in der Übersetzung von Gertrud Liepe aus dem Jahre 1970 nicht ausreicht, der kann seit einigen Jahren auf eine größere Sammlung zurückgreifen. Gunhild Küblers Übersetzungen sind bei →Hanser erschienen und sind jetzt bei Fischer als Taschenbuch erhältlich. Das Vorwort zu dem Buch können Sie →hier lesen. Die Übersetzerin hat auch für ein →Hörbuch Gedichte ausgewählt, die von Julika Jenkins gelesen wurden. Von dem Reclam Band gibt es noch eine recycelte Version, die →An irgendeinem Sommermorgen heißt. Das Nachwort in beiden Fällen ist von Klaus Lubbers, dessen Buch →Emily Dickinson: The Critical Revolution bei Google Books teilweise zu lesen ist.
Aber ich muss noch einmal auf Bertram Kottmann zurückkommen. Er hat nicht nur das eine Gedicht von Dickinson übersetzt, sondern ganz viele. Zwar nicht die →Complete Poems, aber doch ganz, ganz viele. Das ist bewundernswert. Wenn Sie die Dichterin kennenlernen wollen, dann gehen Sie doch zu dieser →Seite und fangen an zu lesen.
Dickinsons Gedicht Tell all the truth but tell it slant —: (das vielleicht eine Poetik ihres Schaffens ist):
Success in Circuit lies
Too bright for our infirm Delight
The Truth's superb surprise
As Lightning to the Children eased
With explanation kind
The Truth must dazzle gradually
Or every man be blind —
übersetzt Gunhild Kübler so:
Sag Wahrheit ganz, doch sag sie schräg -
Erfolg liegt im Umkreisen
Zu strahlend tagt der Wahrheit Schock
Unserem Begreifen
Wie Blitz durch freundliche Erklärung
Gelindert wird dem Kind
Muss Wahrheit sachte blenden
Sonst würde jeder blind
Bei Bertram Kottmann sieht es so aus:
Künd’ Wahrheit ganz, doch sag’s verquer:
Erfolg verspricht umkreisen!
Kommt sie zu unverblümt daher,
wir uns zu schwach erweisen.
Künd’ Wahrheit ganz, doch sag’s verquer:
Erfolg verspricht umkreisen!
Kommt sie zu unverblümt daher,
wir uns zu schwach erweisen.
So wie man ruhig nimmt die Angst
vor Blitzen einem Kind,
sollt’ Wahrheit mählich uns erhell’n,
sonst würd’ ein jeder blind.
vor Blitzen einem Kind,
sollt’ Wahrheit mählich uns erhell’n,
sonst würd’ ein jeder blind.
Das ist für mich etwas origineller, aber testen Sie es selbst und lesen sich durch Emily mit der verqueren Weltsicht.
Ich habe zum Schluss noch ein Gedicht von Wendy Cope, das Emily Dickinson heißt:
Higgledy-piggledy
Emily DickinsonLiked to use dashes
Instead of full stops.
Nowadays, faced with such
Idiosyncrasy,
Critics and editors
Send for the cops
Gut, das stand hier schon mal in dem Post Higgledy-piggledy. Und es gibt hier auch einen langen Post Emily Dickinson mit schönen Bildern. Und sie ist auch in den Posts Vulkane, Moor und flinke Finger, wo das Gedicht →Taking Off Emily Dickinson's Clothes erwähnt wird.


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