Sonntag, 19. April 2026

Mad, bad, and dangerous to know


Es ist Sonntagmorgen, und ich habe keine Lust zu schreiben. Aber ich kann den Todestag von Lord Byron nicht ohne einen kleinen Post vorbeigehen lassen. Und deshalb gibt es heute zu unserem Baron, den Lady Caroline Lamb Mad, bad, and dangerous to know nannte, nur sein berühmtestes Gedicht She Walks in Beauty und drei Übersetzungen. Und Links zu allen Byron Posts im Blog. Mehr nicht. Kann auch mal sein.

She Walks in Beauty 


She walks in beauty, like the night 

Of cloudless climes and starry skies, 

And all that's best of dark and bright 

Meets in her aspect and her eyes; 

Thus mellow'd to that tender light 

Which Heaven to gaudy day denies.



One shade the more, one ray the less, 

Had half impair'd the nameless grace 

Which waves in every raven tress

Or softly lightens o'er her face, 

Where thoughts serenely sweet express 

How pure, how dear their dwelling-place. 



And on that cheek and o'er that brow 

So soft, so calm, yet eloquent,

The smiles that win, the tints that glow,

But tell of days in goodness spent,
A mind at peace with all below,
A heart whose love is innocent.


Die erste Übersetzung ist von Adolf Böttger, den man einmal den vergessenen Poeten der Romantik genannt hat. Er hat den ganzen Byron ins Deutsche übersetzte, und Byron hat auch seine eigenen Gedichte beeinflusst:

Sie geht in Schönheit, gleich der Nacht
In wolkenlosem Sternenlicht;
Des Schattens und des Lichtes Pracht
Eint sich in ihrem Angesicht;
Aus dem ein milder Schimmer lacht,
Der stets dem grellen Tag gebricht.

Ein Strahl hinweg, ein Schatten mehr,
Und fort würd’ auch die Anmut sein,
Die aus dem Rabenlockenmeer
Die Stirn umglänzt mit sanftem Schein,
Wo die Gedanken süß und hehr
Verkünden, dass ihr Wohnsitz rein.

Und auf der Stirn, dem Wangenpaar,
Spricht von dem reinsten Jugendmut
So sanft beredt, so ruhig klar
Des Lächelns Reiz, der Farben Glut,
Von einem Herzen wunderbar,
Wo Liebe voller Unschuld ruht
.

Das Rabenlockenmeer gefällt mir ganz besonders. Das ist besser als der Flechten Rabenton in der →Übersetzung von dem württembergischen Oberst Adolf Seubert. Den ich aber unbedingt nennen muss, weil er der erste Übersetzer von Carl Jonas Love Almqvist war, der hier schon in den Posts Giuseppe Verdi und Sexuelle Revolution vorkommt. 

Die zweite Übersetzung ist von dem Bremer Otto Gildemeister. Der mehrfache Bürgermeister seiner Heimatstadt ist wohl der gebildetste Bremer im 19. Jahrhundert gewesen. Er ist in diesem Blog schon häufig erwähnt worden, irgendwann komme ich noch mal dazu, einen längeren Post über ihn zu schreiben. Schon als Schüler hatte er damit begonnen, sich an Übersetzungen zu versuchen. Am Ende seines Lebens hatte er Shakespeares Sonette, Ariosts Der rasende Roland und Dantes Göttliche Komödie übersetzt. Und dazu noch Lord Byrons Werke in sechs Bänden. Und dann gibt es auch noch diese wunderbaren Essays von ihm, von denen der Rütten und Loening Verlag 1991 eine Auswahl unter dem Titel Allerhand Nörgeleien herausgebracht hatte. Die Essays sind aber auch im Projekt Gutenberg zu lesen.

In ihrer Schönheit wandelt sie
Wie wolkenlose Sternenacht;
Vermählt auf ihrem Antlitz sieh'
Des Dunkels Reiz, des Lichtes Pracht:
Der Dämmerung zarte Harmonie,
Die hinstirbt, wann der Tag erwacht.

Ein Schatten mehr, Licht minder klar,
So wär' die tiefe Anmuth nicht,
Die niederwallt im Rabenhaar
Und sanft verklärt ihr Angesicht,
Aus welchem hold und wunderbar
Die reine liebe Seele spricht.

O diese Wang', o diese Brau'n,
Wie sanft und still und doch beredt,
Was wir in ihrem Lächeln schau'n!
Ein frommes Wirken früh und spät;
Ein Herz voll Frieden und Vertraun,
Und Lieb', unschuldig, wie Gebet

Meine letzte Übersetzung ist neueren Datums. Der Übersetzer Bertram Kottmann, der in diesem Blog schon einige Male genannt wurde, vor allem, weil ihm die beste Übersetzung von Wordsworths →Daffodils gelungen ist, hat mir freundlicherweise erlaubt, seine Übersetzung hier abzudrucken:

In Schönheit geht sie wie die Nacht,
die wolkenlos und sternbesät;
des Dunkels Glanz, der Helle Pracht
in ihrem Blick und Antlitz steht
und so ein mildes Licht entfacht,
das Himmel grellem Tag verwehrt.

Mehr Schatten, ein gering´res Licht -
getrübet würd' der Liebreiz sein,
der aus den schwarzen Locken spricht,
die Stirn umglänzt in mildem Schein;
und ihr beseelter Blick verspricht,
dass er dort wohne, schön und rein.

Auf ihrer Stirn, der Wangen Paar
spricht mild und still und doch beredt
ein strahlend Lächeln, das fürwahr
für ihre reine Seele steht,
ein Herz aus dem unwandelbar
der Liebe holde Unschuld weht
.

Wenn Sie den Übersetzer Bertram Kottmann kennenlernen wollen, dann kann ich seine →Seite sehr empfehlen, eine Schatztruhe der Übersetzung. Die Oxford University Press hatte zum zweihundertsten Todestag von Byron The Oxford Handbook of Lord Byron herausgebracht. Das habe ich mir nicht gekauft. Ich vertraue immer auf die →Letters and Journals of Lord Byron: With Notices of His Life, die Thomas Moore 1830 herausbrachte. Ich habe noch eine Erstausgabe des Buches. Von den vielen Romanen, die es über Byron gibt, kann ich Derek Marlowes A single summer with L. B. und Sigrid Combüchens Byron umbedingt empfehlen. 

Und noch mehr Byron findet sich in den Posts: Lord Byrons Schuhe, Shelley, Byron, Lord Byron, Lord Byrons Schuhe, Lord Byron, Drachenfels, Elba, Luxuskutschen, Hellas, hélas, Griechen, Wilhelm Müller, Griechen-Müller, Volkslieder, Thomas Moore, Dante Gabriel Rossetti, Dracula, Touristen, Vulkane, Cricket, William Hazlitt, Lord John Russell, Frederic Raphael, Henry Kirk White, Rahel, Horace Walpole, Thomas Chatterton, Schmutzige Lyrik, Papierkragen, Landleben, Sigrid Combüchen, Waterloo, Lord Byron, Nachdichtung, das Jahr ohne Sommer, The Vampyre

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