Samstag, 18. Juli 2026

statt eines Nachrufs


Heimatvertrieben, nach Ostfriesland verschlagen, nicht wirklich dort zu Hause. Liebte den Chiemsee. Offizier beim Bund, dann studiert, promoviert, habilitiert. Privatwirtschaft. Dann Uni. Professor, Dekan, Rektor. Und alles, was man werden kann, Titel en masse. Gastprofessuren in drei Ländern. Glücklich im Beruf und glücklich im Leben, trotz der schweren Krankheit in den letzten Jahren. Hatte allerdings sein halbes Leben lang davon geträumt, nach Dänemark auszuwandern. Sechzig Jahre ein Freund, keinen Geburtstag vergessen. Schrieb mir zuletzt: Dir weiterhin alles Gute. Deine Schaffenskraft habe ich nicht mehr; mach weiter so, noch lange Zeit. Ich höre immer wieder gern von Dir. Meine letzte Geburtstagskarte konnte er nicht mehr lesen, da war er gerade gestorben. Sollte ich einen Nachruf für ihn schreiben? Mir fielen als erstes Philip Larkins Verse ein:

The first day after a death, the new absence, 
Is always the same; we should be careful 
Of each other, we should be kind 
While there is still time.

Mit jedem toten Freund, jeder toten Freundin, stirbt ein kleiner Teil von uns selbst. 

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