Donnerstag, 6. Oktober 2011

Parnell


Von dem ersten Gedicht des Neunjährigen haben wir nur wenige Zeilen: His quaint-perched aerie on the crags of Time / Where the rude din of this […] century / Can trouble him no more und My cot alas that dear old shady home / Where oft in youthful sport I played / Upon thy verdant grassy fields all day / Or lingered for a moment in thy bosom shade. Sein stolzer Vater hat es drucken lassen, angeblich hat er ein Exemplar an den Papst geschickt. Das Gedicht wurde 1891 geschrieben, da ist Charles Stewart Parnell gerade gestorben. Der Titel des Gedichtes Et Tu, Healy bezieht sich auf Parnells politischen Widersacher Tim Healy, es kann aber sein, dass dieser Titel 1891 noch nicht über dem Gedicht stand. Wir haben leider kein einziges Exemplar von dem Gedicht. Vielleicht sollten die mal im Vatikan in der Poststelle nachgucken, ob die da noch einen Brief mit der Absenderadresse Brighton Square, Rathgar, Dublin haben. Der Absender ist ein gewisser John Stanislaus Joyce. Mr Joyce ist ein großer Verehrer des irischen Politikers Charles Stewart Parnell, der heute vor 120 Jahren starb.

Fünfundzwanzig Jahre nach Parnells Tod wird der erste Roman von James Joyce erscheinen, A Portrait of the Artist as a Young Man. Es ist die Neufassung eines Romans, der zuerst Stephen Hero hieß, der heimliche Held des Romans ist nicht Stephen, sondern Charles Stewart Parnell. Überall im Roman kommt er wieder vor, die Symbolisierung des Freiheitsgedankens der Iren.

He saw the sea of waves, long dark waves rising and falling, dark under the moonless night. A tiny light twinkled at the pierhead where the ship was entering: and he saw a multitude of people gathered by the waters' edge to see the ship that was entering their harbour. A tall man stood on the deck, looking out towards the flat dark land: and by the light at the pierhead he saw his face, the sorrowful face of Brother Michael.
He saw him lift his hand towards the people and heard him say in a loud voice of sorrow over the waters:
—He is dead. We saw him lying upon the catafalque. A wail of sorrow went up from the people.
—Parnell! Parnell! He is dead!
They fell upon their knees, moaning in sorrow.

James Joyce bewundert Parnell ebenso wie sein Vater, immer wieder wird der Politiker, der schon zu Lebzeiten zu einer Art Mythos wurde, in seinem Werk vorkommen, nicht nur in Portrait of the Artist as a Young Man, auch immer wieder in Ulysses. Es ist nicht der public sinner Parnell, der an seinem Lebenswandel scheitert, es sind die Iren, die ihre großen Männer verraten. Politiker wie Parnell, Schriftsteller wie Joyce.

1912 heißt es in seinem Artikel The Shade of Parnell in Il Piccolo della Sera: The Fact that Ireland now wishes to make common cause with British democracy should neither surprise nor persuade anyone. For seven centuries she has never been a faithful subject of England. Neither, on the other hand, has she been faithful to herself. She has entered the British domain without forming an integral part of it. She has abandoned her own language almost entirely and accepted the language of the conqueror without being able to assimilate the culture or adapt herself to the mentality of which this language is the vehicle. She has betrayed her heroes, always in the hour of need and always without gaining recompense. She has hounded her spiritual creators into exile only to boast about them. She has served only one master well, the Roman Catholic Church, 
which, however, is accustomed to pay it faithful in long term drafts.

Joyce schließt seinen Artikel mit: In his final desperate appeal to his countrymen, he begged them not to throw him as a sop to the English wolves howling around them. It redounds to their honour that they did not fail this appeal. They did not throw him to the English wolves; they tore him to pieces themselves.

Ja, so sind sie, die Iren, Mythos und Verrat. Träumen seit Cuchulain und Brian Boru von ihren Königen. Und dann: And in a spirit of Irish fun / Betrayed her leaders one by one. Und nicht nur die politischen Führer werden verraten, den Schriftstellern geht es nicht anders: This lovely land that always sent / Her writers and artists to banishment. Schreibt er 1912 in Gas from a Burner. James Joyce hat Irland 1904 verlassen, er trauert der Insel sein ganzes Leben lang nach.


Die schönen Irland Bilder sind von Joyces Zeitgenossen Paul Henry.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Jacques Offenbach


Heute vor 131 Jahren ist Jacques Offenbach in Paris gestorben, sein Vater hatte den kleinen Jakob nach Paris geschickt, weil er glaubte, dass er in der französischen Hauptstadt bessere Chancen hätte als in Köln. Jakob, der sich prompt Jacques nannte, war ein Zeitgenosse Richard Wagners, der ja auch einmal in Paris tätig war. Wagner hat Offenbach gehasst, aber noch mehr hasste er einen anderen Deutschen in Paris (irgendwie scheinen alle deutschen Komponisten in dieser Zeit in Berlin zu sein), der Giacomo Meyerbeer heißt. Und Erfolg hat, Wagner nicht so sehr. Jacques Offenbach ist nicht der einzige berühmte Rheinländer in Paris. Es gibt da noch einen Dichter aus Düsseldorf namens Heinrich Heine, der mag den Cellisten und Komponisten Offenbach auch. Der Dichter aus Düsseldorf und der Komponist aus Köln liegen heute beide auf dem Père Lachaise Friedhof begraben, ihre Gräber sind nur wenige Meter voneinander entfernt.

Offenbach ist noch immer in unseren Ohren. Wenn vielleicht auch nur durch diesen schmissigen Can-Can aus Orpheus in der Unterwelt (den gibt es in Köln noch in jedem Karneval zu hören) oder die Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen. Wie die Barcarole klang, das wusste Offenbach, weil er die Melodie schon einmal in Die Rheinnixen verwendet hatte. Aber Hoffmanns Erzählungen hat Offenbach nie auf der Bühne gesehen. Als er in der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober starb, war sie noch nicht ganz fertig. Sie ist heute für Musikhistoriker noch ein kleines Rätsel, obgleich es sich in den letzten Jahren durchgesetzt hat, dass man die von Michael Kaye rekonstruierte Fassung spielt. Kent Nangano hatte mit dieser Version in Lyon großen Erfolg. Ich habe die Inszenierung auf Arte gesehen und war begeistert. Obgleich sie vielleicht nicht jedermanns Sache ist. So schreibt eine gewisse Callas123 unter dem Titel Pubertäre [sic!] Quatsch bei Amazon: Bloß nicht kaufen oder wenn schon gekauft, dann an Leute verschenken, bei denen man nicht mehr eingeladen werden möchte. Also, mir könnte man das schon schenken. Und Leute wie Callas123 würde ich eh nicht einladen.

Ich habe auf Arte vor Jahren noch eine andere Jacques Offenbach Oper gesehen, von der es aber leider keine DVD gibt. Wenn das jetzt jemand von den Arte Kulturfuzzis lesen sollte: Leute, bringt die Inszenierung von La Pèrichole von Jérôme Savary als DVD heraus! Es war ein geschickter Einfall von Savary, für die Rolle der Périchole keine ausgebildete Opernsängerin zu nehmen. Sängerinnen wie Régine Crespin, schön und gut. Aber Elise Caron, die noch nie eine Oper gesungen hatte, als Périchole, das war wirklich ein Ereignis (Sie können hier einen ➱Schnipsel sehen). Wenn Joan Sutherland die Périchole singt, dann singt sie das wie eine Opernsängerin. 

C’est une fille des rues : elle n’a pas une voix de chanteuse, hat Elise Caron über die Schwierigkeit gesagt, die richtige Stimme zu finden: Dans sa direction, Jérôme le disait également "prends pas ta voix de bourgeoise!". Pour projeter ma voix, j’avais tendance à la rendre plus aigue, ça ne fonctionnait pas. Je rattrape dans les graves un côté plus… poissonnière. Le placement de la voix a été un vrai travail. Ja, ein bisschen mehr Fischweib, das ist es, so richtig schön ordinär. Callas123 hätte es bestimmt nicht gefallen. Wahrscheinlich ist Jacques Offenbach auch wirklich nicht jedermanns Sache, Offenbach ist nicht Eduard Künneke. Seine Operetten, die eigentlich keine Operetten sind, sondern Offenbachiaden (wie Karl Kraus so schön sagte) sind, sind nicht jedermanns Sache.

Für Offenbach Liebhaber hätte ich heute noch zwei Tips. Na ja, vielleicht kennen Sie das alles schon, dann sind diese Tips für all die anderen, die noch Jacques Offenbach Liebhaber werden wollen. Die erste Empfehlung ist ein Film, der schon sechzig Jahre alt, aber unvergessen und unvergesslich ist. Nämlich The Tales of Hoffmann von Powell und Pressburger, drei Jahre nach dem berühmten The Red Shoes gedreht (mit der selben Hauptdarstellerin). Der berühmte Sir Thomas Beecham leitet das Orchester. Den Film kann man noch ohne größere Schwierigkeiten als DVD bekommen.

Meine zweite Empfehlung ist ein Buch, das zwar vergriffen ist, sich aber noch leicht im Antiquariat finden lässt. Es heißt Das imaginäre Tagebuch des Herrn Jacques Offenbach, geschrieben von einem Kölner namens Alphons Silbermann. Und niemand außer Deutschlands witzigstem Soziologen hätte dieses Buch schreiben können! Achten Sie darauf, dass Sie die erweiterte Neuausgabe von 1991 (Piper-Schott) kaufen. Die ist nämlich mit 457 Seiten doppelt so dick wie die Erstausgabe von 1960.

Es gibt eine Vielzahl von Jacques Offenbach Seiten im Internet, die Hälfte ist stillgelegt, oder der Browser kann die Seite nicht finden. Irgendwie scheint mir das typisch für die Offenbach Rezeption zu sein. Würden Angela Merkel und all die zweifelhaften B-Promis, die jedes Jahr nach Bayreuth pilgern, auch zu einer Jacques Offenbach Festwoche kommen? Warum machen wir Deutsche Wagner zu unserem Nationalhelden? Also mal außer der Tatsache, dass er im 19. Jahrhundert von einem geisteskranken Bayern und im 20. Jahrhundert von einem geisteskranken Österreicher verehrt wurde. Vielleicht sollte die Domstadt Köln mal eine Gegenveranstaltung zu Bayreuth ins Leben rufen, alljährliche Jacques Offenbach Festwochen. Damit dieser wunderbare Musiker nicht nur auf so schreckliche Dinge reduziert wird wie den Meuchelmord an der Barcarole durch Mireille Matthieu oder André Rieu. Ich weiß nicht, was von beiden das Schlimmere ist.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Rembrandt, once again


Rembrandt Harmenszoon van Rijn, der Maler, der unter seinem Vornamen bekannt wurde, ist heute vor 342 Jahren gestorben. Im gleichen Jahr beschließt ➱Samuel Pepys sein wunderbares Tagebuch, da seine Sehkraft nachlässt. Ich hatte ja vor Monaten schon einmal über Rembrandt geschrieben, aber Google kann das plötzlich nicht mehr finden (doch, gerade geht es wieder, erstaunlich). Seit sie ihre neuen ➱Dynamic Views eingeführt haben, spielt das ganze Blogger System ein wenig verrückt. Ich beobachte das mit einem gewissen Amüsement. Falls Sie den Rembrandt Post verpasst haben sollten, lesen Sie ihn doch ➱hier noch einmal. Ist mit Liebe geschrieben. Wie eigentlich alles in diesem Blog.

Ich möchte dem damaligen Rembrandt Post noch einige Lesetips hinzufügen, ein klein wenig ausführlicher als am 15. Juli. Für den Fall, dass Sie alles über Rembrandt wissen wollen. Mein erster Tip heißt Gary Schwartz. Der ist in Brooklyn geboren, lebt aber schon mehr als sein halbes Leben in den Niederlanden. Er ist Kunsthistoriker und weit über Holland bekannt. Sein Rembrandt-Buch vereint alle persönlichen Ansichten aus einem Forscherleben mit den neuesten Ergebnissen der Rembrandt Forschung. Es wendet sich, und das erkennt man schon in seiner Aufmachung und dem Layout, nicht unbedingt an den Kunsthistoriker (obgleich der es natürlich auch lesen kann), sondern an jedermann, der an Rembrandt interessiert ist. 

In dem Punkt konkurriert es ein wenig mit Simon Schamas exzellentem Buch Rembrandt's Eyes. Aber so brillant Schama als Kulturhistoriker ist, er ist nun mal kein professioneller Kunsthistoriker wie Gary Schwartz. Und man merkt das leider bei seinen Büchern in kleinen Details, er schreibt zu viel und zu schnell. Früher hätte es für ein Gelehrtenleben ausgereicht, wenn man ein Buch wie Landscape and Memory (meiner Meinung nach sein bestes Buch) geschrieben hätte. Aber Schama gibt sich damit nicht zufrieden. Je mehr ich von ihm lese, desto häufiger entdecke ich ihn bei kleinen Fehleren und kleinen Flusigkeiten, das ist sehr witzig. Das alles soll Rembrandt's Eyes nicht abwerten, aber in vielen Dingen ist der Leser bei einem Kunsthistoriker wie Gary Schwartz besser aufgehoben.

Der will auch nicht den ganz großen kulturhistorischen Kontext wie Schama präsentieren, der ja eher eine Biographie Rembrandts (und von Rubens gleich mit) und der Niederlande schreibt. Obgleich Gesellschaft, sozialer Kontext und Auftraggeber für Schwartz in seiner Einführung in das Werk Rembrandts durchaus eine Rolle spielen. Schwartz konzentriert sich auf das Werk Rembrandts und behandelt Gemälde, Zeichnungen und Radierungen in sehr didaktischer Weise. So erläutert er zum Beispiel für den Laien, wie eine Radierung entsteht und all diese Dinge, die Kunstgeschichtsstudenten im Grundstudium lernen. Für alle Argumente in seiner Interpretation der Bilder hat er Illustrationen als Belege, sodass der Leser ihm jederzeit folgen kann. Und dabei gleichzeitig sehen lernt. Der Facettenreichtum des Buches ist außerordentlich, und die Qualität der 648 Abbildungen ist hervorragend. Es gibt eigentlich keine bessere Einführung in Rembrandts Werk.

Es gibt kürzeres (und preiswerteres) wie zum Beispiel die Bild-Biographie Rembrandt von Isabel Kuhl in der Reihe Prestel Art Guide. Was diese promovierte Kunsthistorikerin auf nur siebzig Seiten serviert, ist wirklich erstaunlich. Durchgehend farbige Illustrationen (die Radierungen sind natürlich einfarbig), eine Zeittafel, eine sehr gute kommentierte Literaturliste, ein Verzeichnis der Museen, in denen man Rembrandt Bilder sehen kann. Ideal für Manager, die keine Zeit haben. Oder für Kultusminister. Nein, im Ernst: das Büchlein bietet viel. Wer an einem Wochenende in einem Schnellkurs zum Rembrandtspezialisten werden will, kann das mit diesem kleinen Buch tun.

Noch mehr bietet natürlich der Rembrandt Band der Rowohlts Bildmonographien. Seit Kurt Kusenberg bei Rowohlt 1958 diese Reihe begründet hat, sind in der ➱Reihe hunderte von Titeln erschienen. Rowohlts Monographien sind ein Muster an Demokratisierung des Wissens, preiswerter als eine ordentliche Pizza oder eine Kinokarte, hat die Süddeutsche Zeitung gesagt. In meinen Bücherregalen machen die Rowohlts Monographien einen Meter und zwanzig Zentimeter aus, ich gebe gerne zu, dass ich ihnen viel verdanke. 1977 erschien in der Reihe der Rembrandt Band von Christian Tümpel, der zum 400. Geburtstag Rembrandts vom Verfasser neu überarbeitet wurde. Das Buch wurde 25 Seiten länger und enthielt jetzt (wie alle neuen Titel in der Reihe) Farbabbildungen. Christian Tümpel ist sicherlich der bedeutendste deutsche Rembrandtforscher der neueren Zeit gewesen, und für diesen lächerlich niedrigen Preis von 8,50€ gibt es nichts Besseres. Es sei denn, Sie finden für den Preis auf einem Flohmarkt einen echten Rembrandt.

Am 4. Oktober 1669 ist Rembrandt gestorben. Die Beerdigung war vier Tage später, die Mitglieder der Malergilde sind anwesend. Das müssen sie sein, das steht so in ihrer Standesordnung, sie können sich allerdings von ihren Frauen vertreten lassen. Alles, was Rembrandt besitzt. wird am 5. Oktober 1669  von einem Notar aufgenommen. So wie damals bei seinem Konkurs ein Beamter des Magistrats fein säuberlich den ganzen Besitz aufgezeichnet hatte. Es ist nicht viel, aber es sind schon wieder drei Zimmer voller Bilder, das Sammeln hat er nie lassen können.

In seinen Selbstportraits altert Rembrandt vor unseren Augen. Und doch ist er uns nach mehreren Jahrhunderten immer näher gekommen. Wir können bei Google Rembrandt eingeben, und schon ist er da, wir brauchen nicht einmal seinen Namen korrekt zu schreiben. Was eines Tages kommen würde, hat sich Walter Benjamin sicher nicht träumen lassen, als er Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit schrieb. Ich auch nicht. Als ich vor vielen Jahren im Internet einen Artikel von einem australischen Kunsthistoriker las, dass man das Internet für die akademische Lehre nutzen könnte, fand ich das sehr komisch. Damals hießen Suchmaschinen noch web crawler und waren langsamer als die Ameisen in Altona auf der Chaussee. Mac hatte noch als Symbol eine Bombe, die einem sagte, dass gleich alles aus war. Sie erschien ziemlich häufig auf dem Bildschirm. Wenn man sich ein Bild hochladen wollte, konnte man sich erst einmal einen Tee kochen. Das hat sich alles geändert. Heute wäre selbst ich (und ich bin ein Computeridiot) in der Lage, in wenigen Tagen einen ganzen Internetkurs zu Rembrandt Harmenszoon van Rijn zu planen, mit Bildern.

Aber so schön diese bunte Welt aus dem Internet ist - wenn Sie es noch nicht gemacht haben sollten, spielen Sie doch mal ein wenig mit dieser ➱Seite - es geht doch nichts gegen ein richtig gutes Buch. Oder ein Bild von Rembrandt in einem Museum. Oder ein gutes Rembrandt Gedicht wie dies von der Engländerin Elizabeth Jennings, es heißt Rembrandt’s Late Self-Portraits:


You are confronted with yourself. Each year
The pouches fill, the skin is uglier.
You give it all unflinchingly. You stare
Into yourself, beyond. Your brush’s care
Runs with self-knowledge. Here

Is a humility at one with craft.
There is no arrogance. Pride is apart
From this self-scrutiny. You make light drift
The way you want. Your face is bruised and hurt
But there is still love left.

Love of the art and others. To the last
Experiment went on. You stared beyond
Your age, the times. You also plucked the past
And tempered it. Self-portraits understand,
And old age can divest,

With truthful changes, us of fear of death.
Look, a new anguish. There, the bloated nose,
The sadness and the joy. To paint’s to breathe,
And all the darknesses are dared. You chose
What each must reckon with.

Montag, 3. Oktober 2011

Ode an Berlin


Berlin. Eine Stadt mit vielen Gesichtern. Berlin ist gar keine Stadt, sondern Berlin gibt bloß den Ort dazu her, wo sich eine Menge Menschen, und zwar darunter viele Menschen von Geist, versammeln, denen der Ort ganz gleichgültig ist; diese bilden das geistige Berlin, hat Heinrich Heine gesagt. Das Berlin von Theodor Fontane und Ludwig Pietsch ist ein anderes Berlin als das von dem Österreicher aus Braunau am Inn. Das Berlin, das Werner Hegemann in Das steinerne Berlin: Geschichte der größten Mietskasernenstadt der Welt geißelte, ist ein anderes Berlin als das nach 1945 mühsam durch Subventionen am Leben gehaltene Berlin. Steglitzer Kreisel und all diese Skandale. Das Berlin von Texas-Willi ist ein anderes Berlin als das von Angela Merkel. Diese Spezies Mensch, die man Bundespolitiker nennt, ist in Berlin immer noch ein Fremdkörper. Letztens sagte Wolfgang Schäuble über die Abgeordneten: aber die meisten leben hier sehr viel intensiver mit und in der Stadt, sie bleiben auch mal übers Wochenende und nehmen am äußerst vielfältigen kulturellen Leben der Stadt teil. Den Mittelteil finde ich toll: sie bleiben auch mal übers Wochenende. Wenn Politiker lange genug reden, entlarven sie sich in all ihrer Dürftigkeit. Da wollen wir denn mal hoffen, dass sie noch einen Koffer in Berlin haben und ihr Büro nicht wie bei Esther Silvana Koch-Mehrin einer Briefkastenfirma ähnelt.

Nein, lassen wir diese Bofkes wie Pofalla mal draußen vor, irgendwo gibt es noch die Reste von einem alten Berlin. Diesen Hauch von Zilles Milljöh. Auch wenn es bei Aschinger schon lange keine Brötchen mehr umsonst zur Bockwurst gibt. Aber wenn man sich die liebevoll gemachten Bücher von Harry Balkow-Gölitzer et.al. (wie zum Beispiele Eine noble Adresse: Prominente in Berlin-Dahlem und ihre Geschichten) anschaut, kann man noch ein altes Berlin entdecken. Wo sich ein halbes oder gar ein ganzes Jahrhundert so gut wie nichts verändert hat. Ich finde das sehr rührend, wenn man manche Orte der Jugend nach Jahrzehnten beinahe unverändert wiederfindet.

Ich möchte Sie heute am Tag der Einheit (der in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn gefeiert wird) einmal mit dem Chanson Ode an Berlin von Walter Mehring in eine andere Zeit entführen. In die Zeit von Berlin Alexanderplatz, in das Berlin von Menschen am Sonntag. Walter Mehring liebte sein Berlin. Mode is et heute, det die meisten Leute schimpfen uff det ‚Babale an der Spree‘. Dieset Wujekeife, det ich nich bejreife, duht mir in de tiefste Seele weh. Hat ooch seine Reize – wat ick ohne Neid seh – München, Frangfurt, ‚Dräsen‘ und Polzin: det war wirklich klassig, wat patent un rassig, Mensch! det jiebt et doch bloß in Berlin! schrieb er um 1900. Dreiunddreißig Jahre klingt das ein wenig anders, da war der Autor Walter Mehring schon im Exil, aus de Innung ausjeschlossen.

Manchmal berliner ick aus'n Traume. 
Und sooo'ne Träne kullert mir auf's Schemisett. 
Ick höre ümmassu: 'Nu sind wa frei im deutschen Raume!' - 
Nee, Emil, nich det ick dir flaume: 
Emil, angtre nanu: jloobst'n det?
Ihr Spreeathener, rauh, mit defter Plauze,
Wir kenn'n uns doch - mir kommt ihr doch nich doof.
Der helle Deez - die wunderkesse Schnauze -
Der vierte Hinterhof mit Feez und Schwoof -
Die jriene Minna - und die Mutta Jrien -
Und sonntachs nach de Müggelberje peesen,
Mir wollt awas assähln von fremde Wesen?
Mir nich, Berlin!
Mir nich, Berlin!
Ick war doch ümma mang Euch mang mit Herz und Breejen!
Det is der Dank -
is das der Dank?
Von wejen!
Ihr duften Pankejöhrn - Ihr frechen Bollen!
Wir jing'n uns doch ins jleiche Freibad aal'n!
"Een Kissken, Schatz!"- "Herr Oba, noch sswee Mollen!" -
Der Mond da drob'n- der konnte uns wat mal'n!
Det war doch so - wir hatten doch wat los
Wenn wir zwee in de Lausekiste pennten.
Mir willste sahr'n von fremden Elementen?
Nee sach ma bloß!
Nee sach ma bloß!
War ick nich ümma mang Dir mang mit Herz und Breejen?
Det is der Dank -
is das der Dank?
Von wejen !
Ihr Bowkes - und ihr "Blauen Abführmittel!"
jetzt bin ick Neese, wenn's nach Treptow jeht? -
Nu brüllt ihr "Heil!" - und looft im braunen Kittel?
Wat denn? - Da hat woll eener dran jedreht?
Ick weeß doch, wo de Ferdeäppel blieh'n -
Ick stand doch Du und Du mit jedem Zossen,
Mir habt Ihr aus de Innung ausjeschlossen?
Sach ma, Berlin,
Schämste Dir nich?
Ick bleibe mang Dir mang mit Schnauze, Herz und Brejen!
Wat is dein Dank -
das is dein Dank?
Von wejen !!!

Sonntag, 2. Oktober 2011

Marcel Duchamp


Das da hat ihn berühmt gemacht, den Marcel Duchamp (heute vor 43 Jahren gestorben). Und es hat den Weg geebnet für eine Vielzahl von "Kunstwerken", die es vorher so noch nicht gegeben hat. Bei denen sich immer wieder die Frage aufdrängt Ist das Kunst oder kann das weg? Von Joseph Beuys sind gleich zwei Kunstwerke gerichtsnotorisch geworden. Am 3. November 1973 war bei einem geselligen Abend im SPD-Ortsverein Leverkusen-Alkenrath eine mit Heftpflaster und Mullbinden versehene Badewanne gereinigt worden. Gründlich mit ATA geschrubbt, damit man die Biergläser darin spülen konnte.

Der Hausmeister hatte den Künstler offensichtlich nicht verstanden: Eine Fettecke ist ja nicht deswegen gemacht, um einen Tisch mit Fett zu beschmieren, sondern eine Fettecke ist deswegen gemacht, um als Fettecke im Gegensatz zu stehen zu anderen Prozessen, die ein solches plastisches, anfälliges Material macht, in Raum und Zeit, also gerade die Sachen mit Fett erheben einen großen Anspruch auf Theorie. Und diese Theorie ist natürlich vielleicht nicht immer da, wenn Menschen im Museum so eine experimentelle Anordnung sehen. Die Firma ATA hat die Sache hinterher für einen TV-Werbespot gebraucht. Man sollte das Ereignis der Kunstzerstörung durch die Banausen von der SPD nicht mit dem späteren Fettecken-Skandal verwechseln. Und dabei sind wir dann wieder bei der Frage Ist das Kunst oder kann das weg?

Ich habe einmal bei einer Ausstellung moderner Kunst den Kustos der Kunsthalle dabei beobachtet, wie er mit moderner Kunst umging. Zwei Wärter hatten ihn darauf aufmerksam gemacht, dass ein modernes Kunstwerk vor dem augenblicklichen Zerfall stünde. Er kam, guckte sich das Ganze an und ging mit den beiden Wärtern wieder weg. Fünf Minuten später kam er mit Hammer und Nägeln wieder, guckte sich verstohlen um - konnte mich aber nicht sehen - und hämmerte dann fachmännisch das Ganze wieder zusammen. Wenn ich damals eine kleine Kamera gehabt hätte, oh Manno, was wäre das für ein Kurzfilm für eine Baumarktwerbung geworden!

Vor vielen Jahren war ich mit meinem Freund Uwe in der Kunsthochschule LilLaLerchenfeld im Hamburg. Uwe wollte sich die Bewerbungsunterlagen abholen, weil er da Kunst studieren wollte. Und da war ein Typ auf einer Leiter und malte einen roten Strich an die Decke. Als wir ihn fragten, was das sei, hat er gesagt, dass das Kunst sei. Die Kunsthochschule hat ihn dann wenig später gefeuert. Er ist aber noch berühmt geworden, hatte sich von Friedrich Stowasser in Friedensreich Hundertwasser umgetauft, und die Leute kauften ihm alles ab, was er bemalte. Uwe hat da trotz des abschreckenden Erlebnisses Kunst studiert und ist später noch Kunstprofessor geworden. Letztens hat er mir geschrieben: Kunst ist, was man als Kunst verkaufen kann. Ja, im Alter werden die Kunstprofessoren zynisch. Andererseits ist der Satz gar nicht so schlecht, eine echte passepartout Definition, passt für Damien Hirsts Schweine wie für Jeff Koons Porzellanpudel.

Aber mit Uwe konnte man zu jedem Happening hingehen, er war da sehr offen. Die Erweiterung des Kunstbegriffs (ein Wort, das wahrscheinlich von Beuys ist) schien für ihn eine Selbstverständlichkeit. Wir waren auf einer Documenta in Kassel, als die noch niemand wirklich interessierte. Einmal wollten wir zu Otto Muehl, weil der angeblich in der PH in Bremen Hühner über nackten Studentinnen schlachten wollte. Kein Mensch interessierte sich damals dafür, ob das Kunst sei. Für die Hühner interessierte sich auch keiner, eigentlich waren alle nur wegen der nackten Studentinnen da. Aber es gab nichts zu sehen, die Polizei hatte die ganze Veranstaltung aufgelöst. Uwe und ich sind dann mit der Straßenbahn nach Bremen reingefahren und in die Kunsthalle gegangen. In Kunsthallen gab es damals noch keine Aktionskunst. Da wusste man noch, wofür man den Eintritt bezahlt hat. Das, was mit dem Pissoir von Duchamp begonnen hatte, die Infragestellung jedes Kunstbegriffes, sollte erst in den folgenden Jahren virulent werden.

Eins der schönsten Beispiele für den in Frage gestellten Kunstbegriff gab es in den siebziger Jahren in England. Ein gewisser Carl Andre, der ein Jahrzehnt später vom Vorwurf des Mordes an seiner Frau freigesprochen wurde (der "Künstler" Otto Muehl dagegen wanderte für Jahre ins Gefängnis), hatte da ein Kunstwerk aus Backsteinen geschaffen und es der Tate Gallery verkauft. Als die Tate bei ihm anrief und sagte, dass sie seine Backsteine für 2.297 Pfund Sterling kaufen wollte, war der Künstler in einer schwierigen Lage. Er hatte nämlich seine Backsteine an die Ziegelei zurückverkauft, weil keiner sein Kunstwerk haben wollte. Also kaufte er sich in der Ziegelei wieder 120 Backsteine und lieferte sie bei der Tate Gallery ab. Die Sunday Times, und wenig später ganz England, fand das damals nicht so komisch. Der Schriftsteller Keith Waterhouse schrieb im Daily MirrorBricks are not works of art. Bricks are Bricks. You can build walls with them or chuck them through jeweller's windows, but you cannot stack them two deep and call it sculpture.

Diese insularen Normalos mit ihrem common sense verstehen eben die ganze moderne Kunstdiskussion nicht. Ich auch nicht, aber ich halte mich da raus. Ich habe natürlich einen guten Rat für das Verhalten in Ausstellungen, in denen ganze Räume mit lackiertem Sperrmüll zugeschüttet worden sind. Um Himmelwillen niemals den Satz Ist das Kunst oder kann das weg? laut werden lassen. Auch der Satz, dass es zuhause nach dem letzten Kindergeburtstag ähnlich aussah, ist gefährlich. Halten Sie sich einfach an Jay's goldene Regeln. Ich ziehe zu Ausstellungseröffnungen immer ein englisches Oberhemd mit einem steifen, hohen Kragen an. Das verleiht einem Contenance und Haltung. Und natürlich braucht man schön geputzte englische Schuhe, deren polierte Spitzen kann man prima ganz still während einer Kunstdiskussion betrachten. Und falls Sie wider Erwarten nach ihrer Meinung zu dem ausgestellten Müll gefragt werden, dann sagen Sie doch einfach, dass im Griechischen tekhnê und aísthesis ja noch kein Sammelbegriff für Formen tiefenstruktureller epistomologischer Paradigmen gewesen seien, die erst nach der Konstruktion kultureller Identität durch den postmodernen Kunstdiskurs eine perzeptive Relevanz gewonnen haben. Dann haben Sie für den Rest des Tages Ihre Ruhe.

Dynamic Views


Es sieht jetzt wieder so aus wie vorher. Zwar explodierten die Leserzahlen, aber gleichzeitig häuften sich die Klagen der Leser, die sich diesen Blog wieder in seiner alten Gestalt wünschten. Das neue Dynamic View System hat unter seiner bunten Glitzerwelt noch eine Vielzahl von Kinderkrankheiten. Manchen meiner Leser blieb sogar der Zugang zum Blog plötzlich verwehrt. Und das wollen wir ja auf gar keinen Fall.
Also back to square one. Und wer die neue Glitzerwelt sehen will, der tippe doch bitte auf dieser ➱SEITE in dem kleinen Suchfeld unten: loomings-jay ein und klicke dann auf PREVIEW.

Samstag, 1. Oktober 2011

Griechen-Müller


Heute vor 184 Jahren starb Wilhelm Müller, den man auch den Griechen-Müller nannte, weil er sich so sehr für die Griechen und ihren Freiheitskampf einsetzte. Heute möchte ja niemand mehr Griechen-Müller genannt werden; Griechenland und Griechen, einstmals ein Ideal, sind schon beinahe zu Schimpfworten geworden. Aber andererseits steht uns gerade ein neues Publikumsspektakel mit der Eröffnung des Pergamon-Rundbildes von Yadegar Asisis bevor. Da sagen wir denn kein böses Wort gegen die Griechen, weil das Kultur ist. Edle Einfalt, stille Grösse und so etwas. Ich weiß nicht, ob das neue Gesamtkunstwerk von Yadegar Asisis wirklich bewunderswert ist. Oder ob das nicht ein weiterer Schritt in der Disneyisierung unserer Kultur ist. Als ich vor fünfzig Jahren zum ersten Mal den Pergamon Altar sah, reichte es mir, ihn zu bestaunen und oben auf den Stufen zu sitzen. Da brauchte niemand ein 360 Grad Rundumbild.

Wilhelm Müller stand mit vollem Herzen hinter dieser Bewegung des Philhellenismus. Lord Byron auch. Und erst der bayrische König! Ändert den Namen seines Königreichs von Baiern in Bayern, mit dem griechischen Ypsilon. Da spricht man in Bayern schon von dem neuen Hellas. Und gibt viel Geld für die neo-griechische Architektur aus. Und nicht nur in München, auch in Berlin gibt man viel Geld aus, damit alles klassisch griechisch aussieht. Weil es nämlich geheime Verbindungen aus Urzeiten zwischen Preußen und Griechenland gibt, deshalb wird die griechische Neoklassik in Preußen so schnell heimisch. Hat ein Kunsthistoriker mal geschrieben. Und der Kunsthistoriker Josef Strzygowski wies 1941 wissenschaftlich nach, dass es die Germanen waren, die in der Eiszeit den hohen Norden verließen, um in Hellas Blütezustände herbeizuführen. Das musste doch mal gesagt werden. Hat sich aber als Lehrmeinung nicht durchgesetzt.

Als ich las "Wilhelm Müller ✝1. Oktober 1827", dachte ich mir, ich schreib' über Wilhelm Müller. Über Die Winterreise und die Schöne Müllerin und die Griechenlandsehnsucht der Deutschen. Also die nach der klassischen Bildung, nicht die nach dem Ouzo. Und dann fiel mir plötzlich ein, dass ich das vor einem Jahr schon getan habe. Lesen Sie es doch noch einmal ➱hier. Wenn ich so weitermache, schreibe ich noch so viel wie Ulrich Holbein. Aber aus aktuellem Anlass, Griechenlandhilfe, European Financial Stability Facility und solcher Dinge, möchte ich nicht ohne ein Gedicht von Wilhelm Müller schließen. Es heißt Hellas und die Welt, und die zweite Zeile Ohne dich, Hellas, was wäre die Welt? sollte uns zu denken geben.

Hellas und die Welt

Ohne die Freiheit, was wärest du, Hellas?
Ohne dich, Hellas, was wäre die Welt?

Kommt, ihr Völker aller Zonen,
Seht die Brüste,
Die euch säugten
Mit der reinen Milch der Weisheit! –
Sollen Barbaren sie zerfleischen?
Seht die Augen,
Die euch erleuchteten
Mit dem himmlischen Strahle der Schönheit! –
Sollen sie Barbaren blenden?

Seht die Flamme,
Die euch wärmte
Durch und durch im tiefen Busen,
Daß ihr fühltet,
Wer ihr seid,
Was ihr wollt,
Was ihr sollt,
Eurer Menschheit hohen Adel,
Eure Freiheit! –
Sollen Barbaren sie ersticken?
Kommt, ihr Völker aller Zonen,
Kommt und helfet frei sie machen,
Die euch alle frei gemacht!

Ohne die Freiheit, was wärest du, Hellas?
Ohne dich, Hellas, was wäre die Welt?

Und schon ein Jahrzehnt vorher (Preußen ist gerade besiegt) schreibt ein anderer Deutscher: Die Griechen sind uns nicht bloss ein nützlich historisch zu kennendes Volk, sondern ein Ideal. Ihre Vorzüge über uns sind von der Art, dass gerade ihre Unerreichbarkeit es für uns zweckmässig macht, ihre Werke nachzubilden, und wohlthätig, in unser durch unsre dumpfe und engherzige Lage gepresstes Gemüth ihre freie und schöne zurückzurufen.
   Sie setzen uns in jeder Rücksicht in unsre eigenthümliche, verlorene (wenn man verlieren kann, was man nie hatte, aber wozu man von Natur berechtigt war) Freiheit wieder ein, indem sie augenblicklich den Druck der Zeit aufheben und durch Begeisterung die Kraft stärken, die in uns gemacht ist, ihn selbstthätig zu überwinden.
   Sie sind für uns, was ihre Götter für sie waren; Fleisch von unserm Fleisch und Bein von unserm Bein; alles Unglück und alle Unebenheiten des Lebens; aber ein Sinn, der alles in Spiel verwandelt, und doch nur die Härten des Irrdischen wegwischt, aber den Ernst der Idee bewahrt.
 Er belässt es nicht bei seinen Klagen, Wilhelm von Humboldt erfindet das deutsche Gymansion.


Die Bilder zeigen Thomas Coles Destruction, Delacroix' La Grèce sur les ruines de Missolonghi und Peter von Hess' Ankunft König Ottos in Griechenland.