Freitag, 5. Oktober 2012

007


Ich habe in den letzten Wochen verdächtig viel E-Mails bekommen, die mich mehr oder weniger unverhüllt aufforderten, über James Bond zu schreiben. Mein Freund Volker schickte mir das Manuskript zu einem Artikel, der inzwischen in einer Hamburger ➱Zeitung erschienen ist. Es gab in den Mails auch Links zu Internetseiten, wo ich so schöne Sätze lesen konnte wie: Der anlässlich des 50. Jubiläums von 007 herausgegebene offizielle James Bond 007 Duft für Männer wurde vom GQ Magazin bereits als „der gefährlichste und eleganteste Duft der Welt“ beschrieben. James Bond Parfüm? Das gab es doch schon einmal. Damals als die Schweizer Firma Moeris diese potthäßliche James Bond Uhr herausbrachte. Wurde aber gekauft, wie alles, wo damals James Bond draufstand.

All diese James Bond Devotionalien werden zur Zeit bei ➱Christies in einer Online Auktion verhökert, weil der fiktionale Geheimagent sein fünfzigstes Dienstjubiläum feiert. Es erinnert mich ein wenig daran, dass mein kleiner Bruder, damals als der Bond-Rummel losging, unbedingt einen James Bond Anzug haben musste. Das war eigentlich ein normaler dunkelblauer Anzug (immerhin eng geschnitten), aber es war ein Etikett drin, auf dem James Bond 007 stand. Wenn damals ein Produkt den Namen James Bond 007 hatte, war das wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Der Anzug meines Bruders hatte Geheimtaschen, so etwas musste ein Anzug für Möchtegern-Geheimagenten unbedingt haben. Als meine Mutter nach Jahren den Anzug in eine Rote Kreuz Sammlung gab, war sie stundenlang damit beschäftigt, in den geheimen Taschen all das zu finden, was mein Bruder seit Jahren vermisste.

Ich habe vor Jahren, als ich noch an der Universität unterrichtete, einmal ein Proseminar über James Bond abgehalten. In diesem Seminar gab es einige Dinge, die denkwürdig waren. Da war, um das Negative zuerst zu nennen, diese Geschichte mit dem Studenten, der frech aus einem Buch von mir abschrieb. Und das dann bei mir als Proseminararbeit abgab. Eine Variation von Graham Greenes Our Man in Havana, wo der Held dem englischen Geheimdienst Kopien eines Staubsaugers als geheime Militärbaupläne verkauft. Ich habe die Geschichte schon einmal erzählt, als ich über Herrn von und zu Guttenberg schrieb. Sie ist eigentlich sehr komisch. Und falls Sie den Post ➱Plagiat verpasst haben, könnten Sie ihn noch einmal lesen.

Zur ersten Seminarsitzung kam ich in einem Anzug, der auch Sean Connery gut gestanden hätte. Er sah beinahe aus wie dieser Anzug aus Dr No von Anthony Sinclair (Modefreaks klicken hier bitte den Blog ➱thesuitsofjamesbond an). Meiner war von Ermenegildo Zegna, das war vielleicht nicht ganz stilecht, dafür hatte ich aber ein englisches Oberhemd an. Anstelle der ➱Rolex trug ich als Rolexhasser eine alte russische Wostok Kommandierskie am Handgelenk. Mein Proseminar hat sehr über diesen Gag gelacht.

Aber nach diesem Lacher stahl mir ein Student die Show. Man hat das ja als pädagogische Rampensau nicht so gerne, dass einem ein Studi in der ersten Sitzung in den Monolog hineinquasselt. Aber was der Patrick Schmidt, der sich da aus der letzten Reihe zu Wort meldete, zu erzählen hatte, das war schon gut. Er hatte einen Ferienjob als Nachtportier im Grandhotel The Caledonian in Edinburgh (das heute The Caledonian Hilton heißt) gehabt. Das war 1999, als die Schotten zum ersten Mal ein Parlament wählten. Da durfte ein echter Schotte wie Sean Connery natürlich nicht fehlen. Er war mit seiner Frau im Caledonian abgestiegen. In der Nacht rief Sean Connery beim Nachtportier an, weil seine Gattin eine Migräneattacke hatte. Und so transportiert ein deutscher Student einen Beutel mit Eiswürfeln in die Suite der Connerys: Wir kamen ein wenig ins Gespräch und ich erhielt - auf Nachfrage: "Sir, we are normally not allowed to ask, but ...." - noch ein Autogramm mit Widmung für meine Schwester. Ich hatte also einen Studenten im Seminar, der James Bond kannte, das war ein guter Anfang.

Patrick Schmidt hat seine Magisterarbeit nicht über James Bond geschrieben, aber zwei Studenten aus dem Seminar sind noch Professoren geworden und haben über das Phänomen James Bond geschrieben. Die sind auch auf James Bond Konferenzen gewesen, so etwas gibt es inzwischen. Die akademische Welt hat sich auf den cultural hero Bond gestürzt. Als ich vor vierzig Jahren über James Bond schrieb, rümpfte die Philosophische Fakultät darüber noch die Nase. Der 5. Oktober 2012 ist der fünfzigste Jahrestag der Uraufführung von Dr No, bei der ganzen Hysterie dieses Vermarktungsphänomens feiert man niemand anderen als den James Bond der Filme - von dem James Bond der Romane Ian Flemings redet erstaunlicherweise niemand.

Während es mit James Bond, dem Kleinbürger in Waffen (wie ihn Hans Christoph Buch getauft hat) immer weiter bergauf ging, ging es mit der Schweizer Uhrenfirma Moeris immer weiter bergab. Auch die James Bond Uhr (in der längst kein Moeris Manufakturwerk mehr, sondern ein schlichtes ETA Werk war) konnte die Firma nicht mehr retten. Damit Sie einmal sehen können, wie ein schönes Moeris Manufakturwerk aussieht, bildet ich mal eben das Werk aus einer Moeris Excellence ab (man beachte die ungewöhnliche Feinregulierung). Die Firma Moeris ging wenig später in der Firma Tissot auf. Wo sie fortan Taschenuhren produzierte. Da hatte sie einen guten Namen, sie hatte auch im Zweiten Weltkrieg die englische Armee mit ➱Taschenuhren versorgt.

Wenn Sie in diesem Blog mehr über das Phänomen James Bond lesen wollen, dann klicken Sie ➱James Bond und ➱Ian Fleming an. You will be shaken and stirred.


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