Mittwoch, 24. April 2013

Andrew Hudgins


The Glass Anvil heißt ein Buch von Andrew Hudgins. Das klingt so ähnlich wie sein Buch The Glass Hammer. Aber während The Glass Hammer: A Southern Childhood eine Autobiographie in Gedichtform ist (ich hoffe, ich komme irgendwann einmal dazu, darüber zu schreiben), ist The Glass Anvil (erschienen in der Reihe Poets on Poetry) ein Buch von Essays über die Dichtung. Poets on Poetry ist eine renommierte Reihe der University of Michigan Press, hundert Bände sind hier schon erschienen, seit Donald Hall die Reihe begründete. Dichter über Dichtung zu lesen, kann immer spannend sein, denn meistens wissen sie, was sie tun. Bei Literaturkritikern, die keine Dichter sind, ist man da nicht immer so sicher. Harold Pinter bezeichnete Literaturkritiker einmal als einbeinige Weitspringer, die es aber immer wieder versuchten. Die Dichter, die an amerikanischen oder ➱kanadischen Universitäten als poet in residence oder als Professor Literatur vermitteln, kann er damit nicht gemeint haben. In The Glass Anvil schreibt jemand, der etwas zu sagen hat. Und er hat auch über das Dichten und die Gedichte etwas zu sagen, erzählt in Reader to Writer, wie er zur Litertur gekommen ist. Theoriefrei, kein Lacan, Foucault oder Derrida, nur die Stimme der Vernunft. Eine wunderbare Lektüre von einem Autor, den es hierzulande noch zu entdecken gilt.

Andrew Hudgins ist Literaturprofessor, aber er ist auch Dichter. Bescheiden und unauffällig hat sich der Mann aus den Südstaaten über die Jahre ganz nach oben geschrieben, ist schon ganz nahe an den Pulitzer Preis und den National Book Award gekommen. Er war Wallace Stegner Fellow an der Stanford University und Alfred C. Hodder Fellow in Princeton. All seine höchst originellen Gedichtbände von Saints and Strangers (1985) bis Ecstatic in the Poison (2003) lohnen den Kauf und die wiederholte Lektüre. Über den letzten Band hat Mark Strand gesagt: 'Ecstatic in the Poison' is full of intelligence, vitality, and grace. And there is a beautiful oddness about it. Dark moments seem charged with an eerie luminosity and the most humdrum events assume a startling lyric intensity. A deep resonant humor is everywhere, and everywhere amazing. Das Titelgedicht von Ecstatic in the Poison gab es ➱hier schon einmal. Und Andrew Hudgins ist hier schon häufiger erwähnt worden. Vielleicht liest das ja mal jemand beim Hanser Verlag und bringt eine Übersetzung seiner Gedichte heraus. Das wäre schön.

Hier gibt es heute sein Gedicht Steppingstone, das von Montgomery (Alabama) handelt. Da wo Hudgins zur Schule gegangen ist, wo Hank Williams begraben liegt. Wo man sich heute eher unwillig an Martin Luther King und den Sheriff ➱Jim Clark erinnert. Das ist ein Teil der Autobiographie von Andrew Hudgins, wie sein Gedicht ➱Teevee with Grandmomma. Es ist aber auch eine Art von Biographie von Amerika, ist auch ein Gedicht gegen das Vergessen, gegen the acetone of American inattention.

Steppingstone

Home (from Court Square Fountain—
where affluent ghosts still importune
a taciturn
slave to entertain
them with a slow barbarous tune
in his auctioned baritone—
to Hank Williams' headstone
atop a skeleton
loose in a pristine
white suit and bearing a pristine
white bible, to the black bloodstain
on Martin King's torn
white shirt and Jim Clark's baton,
which smashed black skulls to gelatin)
was home, at fifteen: brimstone
on Sunday morning, badminton
hot afternoons, and brimstone
again that night. Often,
as the preacher flailed the lectern,
the free grace I couldn't sustain
past lunch led to clandestine
speculation. Skeleton
and flesh, bone and protein
hold—or is it detain?—
my soul. Was my hometown
Montgomery's molten
sunlight or the internal nocturne
of my unformed soul? Was I torn
from time or was time torn
from me? Turn
on byzantine
turn, I entertain
possibilities still, and overturn
most. It's routine
now to call a hometown
a steppingstone—
and a greased, uncertain,
aleatory stone
at that. Metaphors attune
our ears to steppingstone,
as well a corner-, grind-, and millstone—
all obtain
and all also cartoon
history, which like a piston,
struck hard and often
that blood-dappled town
scrubbed with the acetone
of American inattention. Atone
me no atoning. We know the tune
and as we sing it, we attain
a slow, wanton,
and puritan
grace, grace can't contain.

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