Sonntag, 5. Oktober 2014

Don Byas


Schreiben Sie doch mal über Don Byas, sagte Alexander Beissenhirtz auf dem Flohmarkt zu mir. Das war heute vor einer Woche, der letzte Flohmarkt des Jahres. Es war noch ein schöner warmer Spätsommertag, obwohl es schon beinahe Oktober war. Ich hatte gerade drei Jazz CDs gekauft, unter anderem diese Don Byas CD, die ich noch nicht besaß: Don Byas mit dem Mary Lou Williams Trio und dem Beryl Booker Trio. Ich sagte ihm, dass ich bestimmt schon einmal in meinem Blog etwas über Don Byas gesagt hätte. Ich dachte dabei an den Post ➱Candy Dulfer, musste aber zu Hause feststellen, dass Don Byas auch schon in ➱Birdland, ➱Saturn und ➱Dexter Gordon erwähnt wird.

Ich zitiere mal eben einen Absatz aus dem Post über Dexter Gordon: Der Text zu dem Jazz Klassiker 'Round Midnight ist von Thelonious Monk, nicht von Dexter Gordon. Aber natürlich hat Dexter Gordon auch ➱'Round Midnight gespielt. Gordon war nie Avantgarde (What I'm doing, I prefer to call that jazz, because it is a beautiful word - I love it) wie Charlie Parker oder Coltrane, aber man kann ihn immer gut hören. Sozusagen easy listening, wie ➱Don Byas oder ➱Lou Donaldson. Ich kann ja tagelang Jazzsaxophonisten hören, aber auch nicht jeden. Candy Dulfer ist O.K. (das habe ich ➱hier schon einmal gesagt), aber Joe Lovano geht nun gar nicht (obgleich Kids: Live At Dizzy's Club großartig ist). Da höre ich eher Alvin Tyler. Natürlich habe ich CDs von Joe Henderson, aber ich tue so, als ob ich keine hätte. Weil der irgendwann Mode war und alle Welt (vor allem die, die keinerlei Ahnung hatten) über ihn redete. Mein Geheimtip, der längst nicht mehr geheim ist, ist ➱Heinz Sauer. Der Mann ist über achtzig - ein Alter, das viele der amerikanischen Saxophonisten nicht annähernd erreicht haben - und spielt wie ein junger Gott. Das Photo oben zeigt die Jazzpianistin Mary Lou Williams, mit der Don Byas häufig zusammen gespielt hat.

In dem Post über Candy Dulfer habe ich auch noch gesagt, dass ich am liebsten Don Byas und Sadao Watanabe höre. Tokyo Dating liegt bei immer wieder auf. Den Japaner hatte ich vergessen, als ich meine Favoriten aufzählte. Vielleicht schreibe ich über den auch noch einmal. Ich habe mit Alexander Beissenhirz am Sonntag eine Viertelstunde über Jazz geredet, er versteht eine Menge davon. Es ist mir erst hinterher eingefallen, dass er ja auch eine Dissertation über Jazz geschrieben hat. Über Louis Armstrong, Art Pepper und Oscar Peterson. Wenn ich ihn das nächste Mal treffe, erzähle ich ihm die Geschichte mit Louis Armstrong und den Bratkartoffeln in Schwarzenbek (Sie können die natürlich jetzt schon ➱hier lesen).

Alexander Beissenhirtz ist kein Flohmarkthändler der üblichen Sorte. Er ist eigentlich gar kein Flohmarkthändler, er begleitet nur manchmal seine Eltern. Die auch keine Flohmarkthändler der üblichen Sorte sind, das sind gebildete Leute, mit denen man sich gut unterhalten kann. Beissenhirtz Senior (den ich vor Jahren schon einmal in dem Post ➱Flohmarkt erwähnt habe) ist der Geschäftsführer einer renommierten Universitätsbuchhandlung gewesen (die heute nur noch Hugendubel heißt), seine Gattin ist eine promovierte Germanistin. Sie trennen sich heute von manchen Überhängen ihrer Bibliothek. Manchmal denke ich mir, ich sollte mich daneben stellen, und mich auch mal wieder von einigen Metern Buch trennen. Ich kaufe nicht so häufig bei ihnen, weil sie viele Bücher haben, die ich selbst besitze. Als zum Beispiel an jenem Tag: Theodor Fontanes Mein skandinavisches Buch. Reisen durch Dänemark, Jütland und Schleswig. Hatte ich natürlich schon, habe ich auch schon ➱hier erwähnt. War aber mit fünf Euro ausgesprochen preisgünstig.

Manche Kritiker sind der Meinung, dass auf der CD Laura das Beste von Don Byas zu finden ist. Sie ist unter anderem in dieser Reihe erschienen, die Jazz in Paris heißt, erschienen bei dem Label Gitanes Jazz Productions. Ich habe die Reihe schon einmal in dem Post erwähnt, der ➱Sempé heißt. Ich habe sie nicht ganz, aber ein Dutzend aus der Reihe mit den schönen Schwarzweiß Photographien auf dem Cover habe ich doch. Hundert CDs sollten es sein (inzwischen sind es etwas mehr geworden), wobei die Nummer 100 etwas Besonderes war. Jazz sous L’Occupation hieß sie. Denn das hat es auch gegeben. Ich nehme aber nicht an, dass der Hauptmann ➱Ernst Jünger in seiner Zeit in Paris in den Jazzkellern zu finden war. Zu prosaisch für solch einen großen Geist.

Die Jahre in Paris sind vielleicht die wichtigste Zeit von Dony Byas. Sie sind repräsentiert auf The Complete 1946-1954 Paris Recordings, einer CD Box von in-akustik. Und das wäre neben Don Byas mit dem Mary Lou Williams Trio und dem Beryl Booker Trio (die CD ganz oben) auch mein Tip für Einsteiger. Das berühmte Stück Laura ist natürlich auch dabei, klicken Sie es ➱hier doch einmal an, es gibt auch eine hübsche kleine Photostrecke zur Musik.

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