Samstag, 16. Februar 2019

Fortsetzung?


In der ersten Mail, die mich erreichte, nachdem ich die kleine Geschichte Sommerurlaub ins Netz gestellt hatte, stand die Frage autobiographisch? Etwas, das ich glatt verneinen konnte. In der zweiten stand: Die Kurzgeschichte ist gut, kommt mehr? Das hätte ich zuerst auch verneinen wollen, aber zwölf Stunden später sah die Welt ganz anders aus. Der Post hatte am ersten Tag mehr Leser erreicht als alle anderen Posts in diesem Blog in den letzten neun Jahren. Am dritten Tag klickten 4.150 Leser den Post an. Als ich den Post Rolex schrieb, hat das Internet in bisschen gewackelt, dies war schon ein kleines Erdbeben. Sollte ich meiner schönen Buchhändlerin ein neues Leben in einer anderen Geschichte verschaffen? Oder belassen wir sie erst einmal in ihrer Buchhandlung?

Wie gehen Autoren mit ihren Heldinnen um? Die Romanciers des 19. Jahrhunderts hatten eine fatale Neigung, ihre weiblichen Heldinnen untergehen zu lassen. Ob sie nun Emma Bovary, Anna Karenina, Tess of the d'Urbervilles oder Effi Briest heißen. Das Bild La belle inconnue von Iwan Kramskoy, das in der Kieler Kunsthalle hängt, könnte Anna Karenina zeigen. Das glaubten damals viele Zeitgenossen.

Die Bilder der Filme sind ein Problem. Wir stellen uns beim Lesen unsere Effi auf irgendeine Art und Weise vor und sind dann enttäuscht, wenn sie von Ruth Leuwerik gespielt wird. Oder von Hanna Szygulla. Wenn wir uns Fontanes Text anschauen, werden wir feststellen, dass seine Beschreibungen nicht sehr genau sind. Die Literaturwissenschaft redet hier seit Wolfgang Isers Buch Der implizite Leser von einer Leerstelle.

Diese Leerstellen erlauben eine Vieldeutigkeit, sie regen den Leser zur Interpretation ein. Der Leser macht den Roman erst zum Kunstwerk, keine zwei Leser werden denselben Roman lesen, es gibt unzählige Lesarten. Das wusste schon Proust, als er sagte: In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. Das Werk des Schriftstellers ist dabei lediglich eine Art von optischem Instrument, das der Autor dem Leser reicht, damit er erkennen möge, was er in sich selbst vielleicht sonst nicht hätte erschauen können.

Mochte Fontane seine siebzehnjährige Kindfrau Effi wirklich? Ich habe zu diesem Thema hier eine sehr interessante Seite. Die oben genannten Autoren sind natürlich richtige Schriftsteller, mit denen kann ich mich nicht vergleichen. Ich bin nur ein kleiner Blogger, der eine kleine Short Story geschrieben hat, keinen Roman der großen Gefühle. Aber meine Figuren habe ich natürlich selbst erfunden, und je länger ich daran schrieb, umso mehr begannen sie ein eigenes Leben zu führen, das war eine erstaunliche Sache. Die schöne Buchhändlerin sollte niemand sein, den ich kannte, also diese hier schon mal nicht.

Ich hielt mich an Wolfgang Iser, desses Buch Der implizite Leser hier im Volltext gelesen werden kann und verzichtete auf ein Zuviel der Charakterisierung. Der Leser würde schon seine Arbeit machen und vieles ergänzen. Und so erschien die schöne Buchhändlerin manchen als kalt und herzlos, als eine Art von femme fatale, während andere eine selbstbestimmte Frau in ihr sahen. Ich weiß im Augenblick noch nicht, was aus ihr wird. Sie bleibt vorerst in ihrer Buchhandlung. Sie kann da Geschäftsführerin werden, vielleicht sogar eines Tages die Buchhandlung übernehmen. Ihr R4 muss in die Werkstatt. Der Besitzer ist sehr nett und hat Humor. Soll sie mit ihm flirten, damit die Reparatur billiger wird? Oder wird aus dem Flirt vielleicht noch mehr? Wir lassen die schöne Buchhändlerin erst einmal unter der Dusche L'amour est un oiseau rebelle Que nul ne peut apprivoiser singen. Falls es mit dem Besitzer der Renault Werkstatt und ihr noch etwas wird, werden Sie das hier erfahren.

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