Mittwoch, 5. Juni 2019

Nacht und Träume


Keine Sorge, ich verkaufe den Post Wiederholungen, der mittlerweile ein Bestseller ist, nicht noch einmal unter einem anderen Titel. Der Post über das nächtliche Telephonieren sollte ursprünglich nächtliche Geräusche heißen. Doch dann dachte ich mir, dass sei ein viel besserer Titel für einen anderen Post, der über das nächtliche Programmangebot der Sender des DAB+ Radios gehen soll. An diesem Post wird noch geschrieben, erst einmal kommen die Nacht und die Träume. Es ist ein von Franz Schubert vertontes Gedicht von Matthäus von Collin, das man früher einmal irrtümlich Friedrich Schiller zugeschrieben hat:

Nacht und Träume

Heil’ge Nacht, du sinkest nieder;
Nieder wallen auch die Träume,
Wie dein Mondlicht durch die Räume,
Durch der Menschen stille Brust.
Die belauschen sie mit Lust;
Rufen, wenn der Tag erwacht:
Kehre wieder, heil’ge Nacht!
Holde Träume, kehret wieder!

Der Text des Liedes von Schubert weicht von dem Original von Collin ab (Sie können auf dieser hervorragenden Seite alles dazu lesen), aber so etwas dürfen Komponisten sicher tun. Nacht und Träume ist von vielen gesungen worden, Sängern und Sängerinnen. Es soll langsam gesungen werden, das ist nicht so leicht. Viele Sänger, vor allem, wenn sie von der Oper kommen, tun zu viel in das Lied hinein. Als der Österreicher Ilker Arcayürek bei dem BBC Singer of the World in Cardiff ins Finale kam, sang er das Lied noch wie ein Opernsänger. Aber inzwischen ist er von der Oper zum Liedgesang gekommen (lesen Sie hier mehr im Feuilleton der Stuttgarter Zeitung) und hat die Winterreise gesungen. Da klingt er ganz anders. Er gibt von ihm seit 2017 auch eine interessante CD von Schubert Liedern unter dem Titel Der Einsame.

Schon etwas länger im kommerziellen Sängerwettstreit als der in der Türkei geborene Wiener Ilker Arcayürek ist Julian Prégardien. Den habe ich vor kurzem bei NDR Kultur mit einem langen Interview kennengelernt. Von seinem Vater Christoph Prégardien besitze ich zwei CDs, den Sohn kannte ich nicht. Aber ich lerne durch die Kulturprogramme meines kleinen DAB+ Radios ständig etwas dazu. Zum Beispiel, dass es seit 2015 eine ganz erstaunliche CD von Julian Prégardien gibt, wo er Schuberts Lieder nicht mit einer Klavierbegleitung singt, sondern Flöte, Baryton und Gitarre ihn begleiten (Sie können in dem Link einen Ausschnitt der Aufnahme anklicken).

Und der lyrische Tenor Julian Prégardien singt auch Nacht und Träume in unübertrefflicher Weise. Leider nur bei YouTube und noch nicht auf CD. Ich werde hier irgendwann mit dem Post 'Die schöne Müllerin: Fremde Zungen' weitermachen. Ich hoffe, dass da nicht wieder ein Jahr vergeht, habe ich in dem Post Die schöne Müllerin: Helle Stimmen vor Jahren geschrieben. Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich das immer noch nicht wahrgemacht habe, aber vielleicht ist dieser Schubert Post eine kleine Entschädigung.

Und zum Schluss habe ich Nacht und Träume noch einmal. Diesmal von Samuel Beckett, der 1982 ein Fernsehspiel mit dem Titel Nacht und Träume geschrieben hat. Schuberts Lied kommt auch drin vor. Das Ganze ist ein bisschen obskur, braucht man nicht gesehen zu haben. Hören Sie lieber noch einmal Julian Prégardien.

Keine Kommentare:

Kommentar posten