Ich habe dieses Bild vor über vierzig Jahren gekauft, ich weiß nicht, von wem es ist. Besucher, denen das Bild mit der ungeheuren Leuchtkraft der Farben auffiel, fragten immer wieder nach dem Künstler. Ich musste passen. Es war damals ein Sonderangebot der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft für ihre Autoren gewesen. Ich wusste noch, dass der Maler irgendwo Professor für Graphik gewesen sein sollte. Ich hatte damals nie von ihm gehört, aber das Bild gefiel mir, und es steht seit Jahrzehnten schön gerahmt mit einer stolzen Größe von 61 x 47 Zentimeter bei mir neben dem Schreibtisch vor einer Bücherwand. Ich weiß nicht mehr, was es gekostet hat, wahrscheinlich war der Rahmen teurer.
Wenn ich mich vom Computer ein klein wenig nach rechts drehe, sehe ich es. Wenn Sie auf diesem Bild in die Dunkelheit eintauchen, dann können Sie in der Bildmitte ganz hinten noch einen gelben Fleck erkennen, da steht das Bild. Wenn ich durch die Tür gehe, laufe ich auf das Bild zu. Letztens, als der Barni an meinem Schreibtisch saß und einer alten Grand Seiko eine neue Batterie verpasste, stand ich neben ihm, vor dem Bild. Und hatte plötzlich diese Idee, weil der Barni doch so ein Super-Handy hat, mit dem man das ganze Internet durchsuchen kann. Mein altes IPhone kann das nicht, ich glaube, das kann nicht mal Internet. Als der Barni mit der Seiko fertig war, bat ich ihn, einmal das Bild zu photographieren und dann die Suchfunktion des Handys zu aktivieren. Der Barni hat nicht nur dieses Luxusteil voller KI, der kann damit auch umgehen. In einer Minute hatte er ein Auktionshaus gefunden, bei dem dieses Bild einmal verkauft worden war.
Jetzt weiß ich, dass der Künstler →Christian Kruck heißt und einmal wirklich berühmt war. Und dass es von dieser signierten Farblithographie in den achtziger Jahren 200 Exemplare auf Bütten gegeben hat. Mein Bild ist bei den zweihundert nicht dabei; es ist signiert, aber nicht nummeriert, es steht mit Bleistift EA drauf. Das bedeutet épreuve d'artiste, das ist schon was Besonderes. Besonders bei dieser Art des Druckes. Jedes Exemplar meiner Steindruckmalerei ist ein Unikat, hat Kruck gesagt. Weil er ein Verfahren der Lithographie entwickelt hat, das er →Steindruckmalerei nannte, gekennzeichnet durch das Drucken vieler Farben auf einem einzigen Stein. Möglich wurde dies, da Christian Kruck eine Schreibtinte zum Vorzeichnen benutzte, die in den Stein eindrang, aber nicht mitdruckte. So konnte er passgenau Farbe um Farbe auftragen, was zu virtuosen Bilddarstellungen führte, die an Intensität und Farbkraft der Öl-Malerei in nichts nachsteht. Stimmt alles, das Bild des →Steindruckmalers leuchtet nach über vierzig Jahren immer noch.
Ich möchte Leuchtturm sein
in Nacht und Wind –
für Dorsch und Stint,
für jedes Boot –
und ich bin doch selbst
ein Schiff in Not!
in Nacht und Wind –
für Dorsch und Stint,
für jedes Boot –
und ich bin doch selbst
ein Schiff in Not!
Noch mehr Signalfeuer in dem Post Leuchttürme



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen