Mittwoch, 21. März 2012

Henry Kirk White


Muss man ihn kennen? Ich weiß es nicht. Aber der Vollständigkeit halber sollte hier einmal an Henry Kirke White erinnert werden, der heute vor 227 Jahren geboren wurde. In diesem Blog ist Platz für große und kleine Lichter der Literatur, von den Irrlichtern ganz zu schweigen. Henry Kirk White war ein englischer Dichter, der jung starb. Jung zu sterben ist für den Nachruhm eines Dichters in dieser Zeit immer gut, man denke an Thomas Chatterton oder John Keats. John Hoppner (der erstaunlicherweise in diesem Blog noch nie vorkam, obgleich er ein sehr guter Maler sein kann) hat White auf dem Höhepunkt seines Ruhms gemalt. Das Bild hängt heute in Whites Geburtsstadt Nottingham, wo man es nicht so gern hört, dass immer wieder Zweifel an dem Bild geäußert werden. Nicht dass man bezweifelte, dass dies ein echter Hoppner ist, aber man bezweifelt, dass dies den jungen Dichter darstellt.

Er ist so jung gestorben, weil er sich mit seinem Studium übernommen hat. I have been for the last three months busily engaged in preparing a volume of poems for the press. To this undertaking every moment which I could snatch from business and sleep has been devoted ... perhaps you will deem me presumptuous that I venture to appear before the public at so early an age but I have been encouraged by ... men of eminence in the literary world ... I have not the capacity to pursue my studies as I would wish from a narrowness of income, this book if successful will be a material health to me.

Von klein auf wollte er alles wissen, er kam von ganz unten, hat sich Griechisch und Latein schwer erarbeitet. Dass sich jemand zu Tode studiert, kommt ja nicht so häufig vor. Als ich studierte, war das kaum möglich, weil wir alle noch ein wirkliches Leben neben dem Studium hatten. Für die jetzige Generation, die nach diesen völlig bescheuerten Bachelor Studiengängen studieren muss, bin ich mir da nicht so sicher. Die Nervenzusammenbrüche häufen sich da schon, aber die Schavan grinst uns trotzdem selbstzufrieden vom Bildschirm aus an. Und es ist alles, alles gut. Glücklicherweise sind ja schon Bücher wie Bachelor statt Burnout: Entspannt studieren - Wie geht das? auf dem Markt.

Ich weiß nicht, wie gut Henry Kirk White als Dichter ist. Das, was ich von ihm gelesen habe, hat mich nicht dazu gebracht, mehr von ihm zu lesen. Seine Zeitgenossen sind sehr unterschiedlicher Meinung über sein dichterisches ➱Werk. So sagt William Wordsworth (links) im Gespräch (wiedergegeben von Henry Crabb Robinson): Wordsworth talked at ease, having confidence in his audience.... He spoke of Kirke White. Both he and Rough agreed in considering him as a man of more talents than genius, and that the great correctness of his early writings was a symptom unpromising as to his future works. He would probably have been rather a man of great learning than a great poet. He would not have been more than a Southey, said Rough. "And that would have been nothing after all," said Wordsworth," — "when speaking of the highest excellence," he added.

Robert Southey (links), über den gerade das Fallbeil der Literaturkritik fällt, ist einer der ersten, der Whites Lyrik hoch einschätzt. Lord Byron mag den jungen Dichter aus Nottingham erstaunlicherweise auch. So schreibt er an seinen Verwandten Alexander Charles Robert Dallas: I am sorry you don't like Harry White: with a great deal of cant, which in him was sincere (indeed it killed him as you killed Joe Blackett), certes there is poesy and genius. I don't say this on account of my simile and rhymes; but surely he was beyond all the Bloomfields and Blacketts, and their collateral cobblers, whom Lofft and Pratt have or will kidnap from their calling into the service of the trade. You must excuse my flippancy, for I am writing I know not what, to escape from myself.

Und er geht noch weiter, er schreibt White in seine Verssatire ➱English Bards and Scotch Reviewers hinein:

Unhappy WHITE! while life was in its spring,
And thy young Muse just waved her joyous wing,
The Spoiler swept that soaring Lyre away,
Which else had sounded an immortal lay.
Oh! what a noble heart was here undone,
When Science' self destroyed her favourite son!
Yes, she too much indulged thy fond pursuit,
She sowed the seeds, but Death has reaped the fruit.
'Twas thine own Genius gave the final blow,
And helped to plant the wound that laid thee low:
So the struck Eagle, stretched upon the plain,
No more through rolling clouds to soar again,
Viewed his own feather on the fatal dart,
And winged the shaft that quivered in his heart;
Keen were his pangs, but keener far to feel
He nursed the pinion which impelled the steel;
While the same plumage that had warmed his nest
Drank the last life-drop of his bleeding breast.


English Bards and Scotch Reviewers, herausgegeben von Alexander C.R. Dallas, erschien anonym. Aber jeder wusste, wer der Verfasser war. Viele Schriftsteller waren beleidigt, manche waren aber auch glücklich, dass sie überhaupt von Byron erwähnt und beleidigt wurden. Nicht in dem Werk enthalten war Joseph Blackett (der auch eine Monody to the Memory of H K White geschrieben hat), den Byron in seinem Brief an Dallas erwähnt. Aber Lord Byron hat auch für diesen kleinen Dichter und Schuhmacher (der auch nur fünfundzwanzig Jahre alt wurde) ein liebevoll-ironisches Gedicht geschrieben - so verletzend er in seiner Kritik an Kollegen sein kann, es ist immer wieder erstaunlich, wie generös er gegenüber kleineren Poeten sein kann. Das Gedicht ist natürlich auch ein klein wenig bösartig, anders könnte Byron nicht.

Epitaph For Joseph Blackett, Late Poet And Shoemaker

Stranger! behold, interr'd together,
The souls of learning and of leather.
Poor Joe is gone, but left his all:
You'll find his relics in a stall.
His works were neat, and often found
Well stitch'd, and with morocco bound.
Tread lightly -- where the bard is laid
He cannot mend the shoe he made;
Yet is he happy in his hole,
With verse immortal as his sole.
But still to business he held fast,
And stuck to Phobus to the last.
Then who shall say so good a fellow
Was only 'leather and prunella?'
For character - he did not lack it
And if he did, 'twere shame to 'Black it.


Ich bin jetzt natürlich eine Probe von der Verskunst des jungen Henry Kirk White schuldig geblieben. Aber auch das gibt es heute noch, etwas aus seinem berühmtesten Gedichtband Clifton Grove: A Sketch in Verse and Other Poems. Und da nehme ich doch gleich Clifton Grove, weil ich dazu auch eine zeitgenössische Abbildung habe, die die Allee nach Clifton Hall sehr schön zeigt.

Lo! in the west, fast fades the lingering light,
And day’s last vestige takes its silent flight. 
No more is heard the woodman’s measured stroke, 
Which with the dawn from yonder dingle broke; 
No more, hoarse clamouring o’er the uplifted head, 
The crows assembling seek their wind-rock’d bed; 
Still’d is the village hum—the woodland sounds 
Have ceased to echo o’er the dewy grounds, 
And general silence reigns, save when below 
The murmuring Trent is scarcely heard to flow; 
And save when, swung by ‘nighted rustic late, 
Oft, on its hinge, rebounds the jarring gate; 
Or when the sheep-bell, in the distant vale, 
Breathes its wild music on the downy gale. 

Das geht jetzt noch lange so ➱weiter, aber ich lasse das mal. Seit Thomas Gray seine Elegy (nach der dieses Gedicht doch sehr schmeckt) veröffentlicht hat, sitzt ja jeder zweite Dichter in der Dunkelheit in der Natur - Henry Kirk White an dieser Stelle am Trent - und wartet auf den Musenkuss. Lord Byron tut das natürlich nicht, der bekommt richtige Küsse von schmachtenden Frauen. Irgendwie sind die kleinen Dichter benachteiligt. Obgleich manche heute immer noch ihren Fanclub haben, in Nottingham und Umgebung wird ➱Henry Kirk White immer noch verehrt. Nur der arme Joe Blackett, Schuhmacher (für Damenschuhe) und Dichter, der nur vier Jahre älter wird als White, der hat immer noch keinen Wikipedia Artikel. Ganz im Gegensatz zu Robert Bloomfield (unten), dem anderen dichtenden Damenschuhmacher in dieser Zeit.

Wenn Byron in seinem Brief von all the Bloomfields and Blacketts, and their collateral cobblers spricht, dann hat er mit dem Plural schon Recht. Denn da gäbe es noch diesen John Foster, der aber hauptsächlich religiöse Lyrik schreibt. Ich höre jetzt mal auf, sonst wird das hier noch eine Dissertation über schreibende Schuhmacher von Hans Sachs und Jacob Böhme bis zu dem Mann aus Nexö, der Pelle der Eroberer geschrieben hat. Aber es bleiben natürlich diese bohrenden Fragen: haben ➱Schuhmacher ein anderes Verhältnis zu Vers-Füssen? Wird Manolo Blahnik eines Tages noch Gedichte schreiben?

I am writing I know not what, to escape from myself, schreibt Byron in dem oben zitierten Brief. Manchmal tue ich das, glaube ich, auch.

Montag, 19. März 2012

Lesum


Der Ort mit diesem schönen Namen liegt natürlich am gleichnamigen Fluss. Er ist 3,37 Quadratkilometer groß. das kann man in dem Wikipedia Artikel lesen. Da heißt der Bremer Ortsteil aber nicht Lesum, sondern Burglesum. Alten Lesumern tut das weh, weil Burg eigentlich ein ganz anderer Ortsteil ist, jenseits der Lesum. Da, wo man früher auf dem Weg nach Bremen in den Trolleybus umsteigen musste. Der Name Burg-Lesum ist offensichtlich auch eine intellektuelle Herausforderung für manche Sprecher beim NDR Verkehrsstudio. Burgle-Sum habe ich schon im Autoradio gehört, sehr komisch.

Warum komme ich auf Lesum? Wegen Botho Strauß. Als ich vor Tagen über dessen Artikel über ➱Odd Nedrum nachdachte (ja, dieser Blogger denkt beim Schreiben), fiel mir ein, dass mich vor zwanzig Jahren mal jemand gefragt hatte, ob ich wüsste, dass Bremen-Lesum in einem Stück von Botho Strauß vorkäme. Nein, wusste ich nicht. Aber spätestens seit vorgestern weiß ich es. Botho Strauß ist nicht der erste, der Lesum in die deutsche Literatur gebracht hat. Wahrscheinlich ist Ihnen das Werk Lesumer Gedanken : Plattdeutsche Dichtungen von Christian Meyerdiercks aus dem Jahre 1885 nicht so geläufig, aber das berühmteste Lesum-Buch kennen Sie bestimmt.

Es heißt Sommer in Lesmona und stammt von Marga Berck. Über Marga Berck und 'Sommer in Lesmona' schreibe ich irgendwann gerne noch einmal, habe ich ➱hier vor einem Jahr geschrieben. Ich kann das nur wiederholen, das kommt irgendwann. Sie können ja schon mal anfangen, den schönen Briefroman zu lesen. Eigentlich spielt der ja nicht in Lesum sondern eher in St. Magnus, also da, wo ➱Knoops Park ist.

Die Stelle mit der Erwähnung von Lesum bei Botho Strauß habe ich natürlich dank Google gefunden. Was wären wir heute ohne diese Suchmaschine? Das Stück heißt Besucher und wurde 1988 geschrieben, und auf der vorletzten Seite findet sich die Stelle (in meiner dtv Ausgabe auf Seite 84): KARL JOSEPH: In Bremen vierundsechzig oder fünfundsechzig — ich gastierte im Danton— da hatten wir einen jungen Kollegen, der ist eines Abends, also es war schon Viertel eins. Dantons Tod, eine Viecherei, kein Bus fuhr mehr, da ist er plötzlich zur Rampe gelaufen, mitten im Text, und fragt ins Publikum hinunter, ob ihn jemand nach der Vorstellung mit nach Lesum nehmen kann. Dort hat er nämlich gewohnt, mitten im Text. Der war übergeschnappt. Auch ganz jung. Na ja...

Diese Figur des Karl Joseph ist eigentlich Will Quadflieg: Karl Joseph ist ein Schauspieler, dem keiner etwas vormachen kann. Er ist ein Star, der alles gespielt, alles erlebt hat. Er hat mit und bei Gründgens auf der Bühne gestanden; Goebbels hat ihn im Krieg, als er bei Heinrich George am Schiller-Theater spielte, "uk" gestellt, unabkömmlich. Wenn er seine jüngeren, weniger berühmten Kollegen anblickt, fällt sein Blick immer hinunter - egal, ob sie größer oder kleiner sind. Karl Joseph ist ein großer Schauspieler, und schon das allein macht ihn, für andere Schauspieler zumindest, zum Kotzbrocken. Denn wo er steht, steht er auch im Wege. Er ist im Licht, auf die anderen fällt bestenfalls sein Schatten. Karl Joseph gibt es nicht. Er ist eine Erfindung des Theaterdichters Botho Strauß. Aber der hat ihn dem Leben nachgezeichnet. Ihm zu Modell saß (unfreiwillig) Will Quadflieg. Das schrieb Hellmuth Karasek vor Jahren im ➱Spiegel, als Quadflieg den Karl Joseph in Hamburg spielte. Der junge Botho Strauß hatte ihm 1987 nach einer Vorstellung Herb Gardners Ich bin nicht Rappaport die Rolle angeboten. Ich mochte den Autor, konnte das Stück aber nicht leiden. Meine Rolle fand ich eklig, hat Quadflieg gesagt. Dann hat er sich aber doch breitquatschen lassen und den Karl Joseph gespielt, natürlich bravourös. Quadflieg spielt Quadflieg.

Die Stelle mit dem Ort Lesum wird Quadflieg leicht von der Zunge gegangen sein. Er wusste, wo der Ort war. Weil er in einem Landhaus in Heilshorn wohnte, und Heilshorn gehört zum Kirchspiel Lesum.

Sonntag, 18. März 2012

John Updike


Nicholson Baker, der damals noch nicht so berühmt war, wie er es heute ist, hat 1991 ein Buch über John Updike geschrieben. Oder, genauer, ein Buch über Nicholson Baker und John Updike. Hieß auch so U and I: A True Story. Es ist eine schriftstellerische Liebeserklärung an il miglior fabbro, aber auch eine gehörige Portion Neid auf den großen John Updike gehört bei Baker dazu. Ein solches Buch hat es vorher noch nie gegeben, und es wird auch wohl kaum jemanden geben, der eine solche tour de force hinkriegt, wie Nicholson Baker das geschafft hat. Mit einem Zitat von Cyril Connolly It may be us they wish to meet but it's themselves they want to talk about spricht Nicholson Baker 179 Seiten lang über sich. Und über Updike. Dies ist das witzigste Buch, das über Updike geschrieben wurde. Für Updike Hasser und Updike Liebhaber gleichermassen geeignet.

Ich persönlich pendle so ein wenig zwischen Updike Liebhaber und Updike Hasser. Er hat mein Leben begleitet, jahrelang habe ich alles gelesen, was er schrieb. Gedichte, Romane, Literatur- und Kunstkritik. Irgendwann wurde es mir zu viel. Schlief der Mann nie? Oder schrieb er immer weiter, weil er hoffte, dass er nun endlich den Nobelpreis bekam? Er bekam ihn nie, obgleich er ihn sicherlich verdient gehabt hätte. John Updike wurde heute vor neunzig Jahren geboren. Einen großen Teil seines Lebens, beginnend mit dem Leben auf der Farm in Shillington, hat er in seine Romane hineingeschrieben. Die amerikanische Kleinstadt, White Anglo-Saxon Protestant, wird sein Sujet. Und er erfindet einen amerikanischen Everyman, der Harry (Rabbit) Angstrom heißt. In Rabbit, Run tritt er auf, in Rabbit at Rest stirbt er den Romantod, kommt aber dann in der Erzählung Rabbit Remembered noch einmal wieder zu dem Leser zurück.

Boys are playing basketball around a telephone pole with a backboard bolted to it. Legs, shouts. The scrape and snap of Keds on loose alley pebbles seems to catapult their voices high into the moist March air blue above the wires. Rabbit Angstrom, coming up the alley in a business suit, stops and watches, though he's twenty-six and six three. So tall, he seems an unlikely rabbit, but the breadth of white face, the pallor of his blue irises, and a nervous flutter under his brief nose as he stabs a cigarette into his mouth partially explain the nickname, which was given to him when he too was a boy. He stands there thinking, the kids keep coming, they keep crowding you up.

Das hier ist der junge John Updike. Das im Text ist Rabbit Angstrom, der ehemalige Baseballstar. Kann es nicht lassen, muss mitspielen, versenkt sofort einen schwierigen Ball. Amerikanische Sporthelden müssen es immer noch mal versuchen, so wie Brick in Cat on a Hot Tin Roof. Updike hat Rabbit, Run im Präsens geschrieben, das machen Autoren nicht so häufig: In 'Rabbit, Run', I liked writing in the present tense. You can move between minds, between thoughts and objects and events with a curious ease not available to the past tense. I don't know if it is clear to the reader as it is to the person writing, but there are kinds of poetry, kinds of music you can strike off in the present tense. Der Verlag hatte Updike gezwungen einige Stellen zu streichen, man ist prüde in Amerika. Aber für die Penguinausgabe hat er sie wieder hineingeschrieben. Ohne Sex geht es bei Updike nicht, das ist offensichtlich immer noch das puritanische Erbe.

Selbst wenn der Sex nur angedeutet ist, wie in der Short Story A&P, wo plötzlich einige Teenies im Badeanzug im Supermarkt erscheinen, immer wieder geraten Updikes Helden in Versuchung und Verwirrung: She had on a kind of dirty-pink - - beige maybe, I don't know -- bathing suit with a little nubble all over it and, what got me, the straps were down. They were off her shoulders looped loose around the cool tops of her arms, and I guess as a result the suit had slipped a little on her, so all around the top of the cloth there was this shining rim. If it hadn't been there you wouldn't have known there could have been anything whiter than those shoulders. With the straps pushed off, there was nothing between the top of the suit and the top of her head except just her, this clean bare plane of the top of her chest down from the shoulder bones like a dented sheet of metal tilted in the light. I mean, it was more than pretty.

Wenn es nicht der Sex ist, der die Helden Updikes verwirrt, dann sind es die Fragen nach dem Sinn des Lebens. Die Fragen nach Gott. Wie für den kleinen David Kern in der story of initiation Pigeon FeathersA barn, in a day, is a small night. The splinters of light between the dry shingles pierce the high roof like stars, and the rafters and crossbeams and built-in ladders seem, until your eyes adjust, as mysterious as the branches of a haunted forest. David entered silently, the gun in one hand.... The smell of old straw scratched his sinuses.... the mouths of empty bins gaped like caves. Rusty oddments of farming — coils of baling wire, some spare tines for a harrow, a handleless shovel — hung on nails driven here and there in the thick wood. He stood stock-still a minute; it took a while to separate the cooing of the pigeons from the rustling in his ears. When he had focused on the cooing, it flooded the vast interior with its throaty, bubbling outpour: there seemed no other sound. They were up behind the beams. What light there was leaked through the shingles and the dirty glass windows at the far end and the small round holes, about as big as basketballs, high on the opposite stone side walls, under the ridge of the roof.

Das hat hier natürlich nichts mehr von Kreislers Lass uns Tauben vergiften im Park. Das Erschießen der Tauben (ein Auftrag der Mutter) wird für David Kern zu einem religiösen Erlebnis. Man kann in diesen drei völlig verschiedenen Texten eins ablesen, was typisch für Updike ist. Gleichgültig, ob er die spirituellen oder sexuellen Nöte von Amerikas middle class oder was auch immer behandelt, it's beautifully written. Detailreich bis zum Abwinken, to give the mundane its beautiful due, hat er einmal über seinen Stil gesagt. Oder in den Worten von Arthur Mizener, der 1962 über den Kurzgeschichtenband Pigeon Feathers in der New York Times schrieb: His love of words and ideas for their own sake is almost Joycean, and he has often imitated Joyce in the almost mechanical way of someone doing an exercise in a creative-writing class: how his virtuosity must have charmed his writing teachers! His evident school-brightness and the first-class education it brought him provided every opportunity for the overdevelopment of his onomastic tendencies... a constant pleasure to anyone who enjoys watching an artist at work. Verbal brilliance of this kind, however, can be a danger for a writer of fiction.

Die Hervorhebungen sind von mir, ich könnte es nicht besser sagen. In dem kleinen Minnesota Pamphlet zu Updike sagt Charles Thomas Samuels in einem Nebensatz Too often, he is merely cute. Und das macht ihn manchmal schwer erträglich, wenn man zu viel von ihm  liest. Wie zuviel Schwarzwälder Kirschtorte essen. Natürlich kann man ihn immer mit Gewinn lesen, auch seine Gedichte. Der Updike, der mir am besten gefällt, ist allerdings nicht der Updike der Romane und Gedichte, sondern der Kunstkritiker Updike. Auf den lasse ich nichts kommen. Die famous last words überlasse ich an diesem neunzigsten Geburtstag ihm selbst. Es ist ein Gedicht mit dem Titel Requiem aus dem Gedichtband Endpoint:

It came to me the other day:
Were I to die, no one would say,
'Oh, what a shame! So young, so full
Of promise - depths unplumbable!
Instead, a shrug and tearless eyes
Will greet my overdue demise;
The wide response will be, I know,
'I thought he died a while ago.'
For life's a shabby subterfuge,
And death is real, and dark, and huge.
The shock of it will register
Nowhere but where it will occur.

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Samstag, 17. März 2012

Zeitlos


Wie alt mag sie sein? Wie alt mag das Bild sein? Wir tippen erst einmal auf das 18. Jahrhundert, aber irgendetwas stimmt nicht. Wir nehmen das 19. Jahrhundert, irgendein Societymaler wie ➱Franz Xaver Winterhalter? Und wir liegen schon wieder falsch, die Dargestellte wurde 1917 geboren. Sie hat die meisten Adelstitel in Spanien, hat aber bei Facebook nur wenige Freunde. Das Bild dieser Kindfrau ist von dem spanischen Maler Fernando Álvarez de Sotomayor, der heute vor 52 Jahren starb. Er konnte auch ganz ➱anders malen, aber in vielen seiner Porträts scheint er die englische Porträtmalerei des 18. Jahrhunderts wiederbeleben zu wollen.

Was tun wir, wenn wir vor einem Bild stehen, das aus einem anderen Jahrhundert zu stammen scheint, aber einwandfrei in unserer Zeit gemalt wurde? Wie reagieren wir? Es war für mich ein seltsames Erlebnis, als ich 1981 in der Ausstellung Norge Idag zu ersten Mal die Bilder von Odd Nerdrum sah. Damals kannte den noch niemand, heute sind seine Bilder auf den Büchern von ➱Christian Kracht. Der ist ja gerade mal wieder in aller Munde, aber ich halte mich da lieber zurück. Ich mag diese verzogenen Millionärskinder nicht (Pappi war Axel Springers Generalbevollmächtigter). Faserland wurde ja damals als Beginn der Yuppie Literatur gefeiert, die deutsche Antwort auf Bret Easton Ellis. Ist nett zu lesen, kommen auch Kiton Jacketts drin vor, ist aber kaum der Beginn einer neuen deutschen Literatur.

Die Ausstellung norwegischer Kunst in Kiel begann mit einem kleinen Eklat. Der norwegische Botschafter, der die Ausstellung eröffnen sollte, weigert sich, die Ausstellung zu eröffnen, solange das Bild Die Ermordung von Andreas Baader von Odd Nerdrum an der Wand hängt. Der Direktor der Kunsthalle, ➱Jens Christian Jensen, der die Kunsthalle Kiel aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt und mit weit beachteten Ausstellungen berühmt gemacht hatte, redet auf den Botschafter ein. Jensen ist das Ganze etwas peinlich, er wird lange mit dem Botschafter sprechen. Ich sehe die Szene heute noch vor mir. Jensen nimmt das riesige Bild (3,30 mal 2,70) natürlich nicht von der Wand, wir sind doch nicht in New York. Dort hatte Nerdrum Ende der sechziger Jahre eine Einzelausstellung abgelehnt, weil ihm signalisiert worden war, dass die Ausstellung zensiert werden würde. Hier in Kiel schmollt nur der norwegische Botschafter, das Leben geht weiter.

Dieser Nerdrum ist ein seltsames Phänomen, er kann malen wie Rembrandt, hier in diesem Bild einer Schulpause mit lebensgroß gemalten Figuren (Frikvarteret 1979). In dem Bild Die Ermordung von Andreas Bader ist er Caravaggio nahe. Und das alles im Jahre 1981. Ich war damals fasziniert von diesen Bildern, habe die Ausstellung immer wieder besucht. Damals hatten in Berlin Johannes Grützke und andere die Malerei der neuen Prächtigkeit ausgerufen, dies hat vielleicht ein wenig davon. Prächtig ist es auf jeden Fall. Es hätte Sir Joshua Reynolds gefallen, er hätte sein Bemühen um einen grand style darin wiedererkannt. Natürlich könnten wir Postmoderne dazu sagen, dieser umbrella term, der für alles passt. Nur nicht für die Post, die ist nicht modern.

Nerdrum ist inzwischen weltberühmt, er bezeichnet sich neuerdings als the King of Kitsch, amerikanische Museen zahlen sechsstellige Beträge für seine Bilder und Botho Strauß hat ihn 2002 im ➱Spiegel gefeiert: Unerträglich erscheint vielen sein kentaurisches Künstlertum: stilistisch ein Integralist, der den modischen Fragmentarismus verwirft, dagegen in seinen Motiven und Erfindungen ein antiklassischer, effektbewusster Exzentriker. Allein gelassen von Kollegen und Kritik vollzieht er plötzlich eine sonderbare Volte, nicht als Künstler, aber als Selbstinterpret. Ja, so schließt er aus seinem bisherigen Werk, ich bin der König des Kitschs. Ich habe nur Kitsch gemalt. Ich wusste es nicht. Ich hielt es für die Kunst Alter Meister, die zeitlos ist und durch jeden ernsten Künstler wiederkommt. Aber das ist nicht der richtige Begriff. Der richtige Begriff heißt: Kitsch. Ich bin aber das Höchste, was diese Richtung bis heute hervorbrachte.

Das hier ist nicht Nerdrum, das ist Rembrandt. Das Bild von der Verschwörung der Bataver hängt heute in Stockholm, zwei mal drei Meter groß. Als Rembrandt es 1662 für das Amsterdamer Rathaus malte, war es noch doppelt so groß, später haben Banausen Teile davon abgeschnitten. Die Begegnung mit diesem Bild wird für den jungen Kunststudenten Odd Nerdrum zu einer Art Schlüsselerlebnis, solche Bilder müsste man malen. Er versucht, seine Mitstudenten und seine Professoren von dieser Idee zu überzeugen, dass man die Kunst und Technik der alten Meister wiederbeleben müsse. Ergebnis: Exmatrikulation. Aber man kann den Einfluss des Rembrandtbildes in Nerdrums Bildern immer wieder spüren, auch Frikvarteret hat etwas davon.

Nerdrum, der in Schweden geboren wurde, hat allerdings nicht gesagt: Ich will Schwedens Rembrandt werden, oder sterben. Das Zitat wird dem schwedischen Maler Ernst Josephson zugeschrieben, den Odd Nerdum auch zu seinen Vorbildern zählt. Norwegische Kritiker versuchen meines Erachtens ein wenig verzweifelt, Odd Nerdrum in eine große Tradition der norwegischen Malerei hineinzuschreiben, die von Adolph Tidemand über Christian Skredsvig und Christian Krohg zu Nerdrum reicht. Das ist irgendwie rührend provinziell und national gedacht. Aber man hat ja in Norwegen sonst nicht so viel berühmte Maler, und berühmt ist Odd Nerdrum wirklich.

Doch mit der Berühmtheit ist es heute so eine Sache. Damien Hirst ist berühmt, Jeff Koons ist berühmt, aber das ist nicht die Sorte Ruhm, die einem Künstler einen Lorbeerkranz aufsetzt und ihn auf den Olymp befördert. Ein Satz von seinem Freund Andrew Wyeth, dass Nerdrum the greatest painter living sei, vielleicht schon eher. Er malt heute nicht mehr so, wie er in den siebziger Jahren gemalt hat. Ich weiß nicht, wie man die neuen Bilder nennen soll. Fantasy? Salvador Dali für Arme? Hätten diese Bilder damals in der Kieler Kunsthalle gehangen, ich wäre nicht jede Woche dreimal in die Kunsthalle gegangen.

Es gibt heute schon Bücher und Videos von einem Amerikaner, die einem beibringen, wie man als Amateur malen kann wie ➱Odd Nerdrum. Offensichtlich will jetzt jedermann malen wie der Norweger. Dieser amerikanische Künstler stellt sich auf seiner ➱Internetseite so vor: My name is Derek Van Derven, I am a Realist Oil Painter from the USA. A note on lighting my paintings. My paintings look best in dim light with spotlights shining on the main lights or figures of the painting. That way they start to glow. Ich weiß jetzt nicht, ob er die Spotlights für seine künstlerischen Produktionen auch zum Kauf anbietet, aber der Mann hat sicher eine Marktlücke gefunden.

Vielleicht ist dieser Derek Van Derven ja auch nur ein Deckname für Odd Nerdrum, der ihn großen finanziellen Schwierigkeiten ist. Denn die Millionen, die er in der Vergangenheit verdient hat, sind irgendwie an den norwegischen Steuerbehörden vorbei geflossen. Der Künstler wurde im letzten Jahr zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Was ihn auf der Stelle zu einem norwegischen ➱Ai Weiwei machte, auf jeden Fall in der Sicht seines Fanclubs. Lesen Sie alles dazu auf dieser ➱Seite. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass der Fall im Sommer 2012 in einem Revisionsverfahren verhandelt wird. Vielleicht wird er dann ja nicht the first artpolitical prisoner in Europe. Sollte er doch wieder verurteilt werden, dann darf er angeblich nach norwegischem Recht in seiner Zelle in dieser Zeit nicht malen. Da wäre er dann schlechter dran als der ➱Colonel John Trumbull, als der wegen Hochverrat im Londoner Gefängnis saß. Der durfte malen, und seine Freunde sorgten für Rotwein und Roastbeef.

Unser norwegischer Rebell hat künstlerisch etwas losgetreten, was sich Kitsch Movement nennt. Die haben natürlich auch eine ➱Homepage. Odd Nerdrum hat natürlich auch ➱eine, er hat einen guten englischen ➱Wikipedia Artikel (den deutschen kann man vergessen). Er hat weltweit viele Schüler, manches von denen gefällt mir recht gut. Manches davon würde ich mir an die Wand hängen, das Bild Nicole's Room von ➱Richard Scott (oben) zum Beispiel (sieht ein wenig nach ➱Caillebotte aus). Aber das will jetzt nichts heißen, die beliebte Kunstkategorie das würde ich mir nicht ins Wohnzimmer hängen, schließt schon mal die Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle aus der Kategorie akzeptabler Kunst aus (dieser joke ist von Alan Bennett). Und ich habe letztens bei einem Hinterhofhöker für zehn Euro ein Bild von einem völlig unbekannten Künstler (oder Kunststudenten) gekauft, das sich in keine Kunstrichtung einordnen lässt. Wenn ich eine DigiCam hätte, dann wäre das längst als Abbildung im Netz, es ist einfach toll. Vor allem, seit es einen Rahmen hat, der ein x-faches des Bildes gekostet hatte.

Vielleicht mochte ich Odd Nerdrum damals auch nur, weil ich ein großes Herz für realistische Malerei habe, ich bin auf jeder Ausstellung von Harald Duwe und der seiner Schüler gewesen. Bei Realisten weiß man häufig, woran man ist. Auch wenn sie so etwas wie einen rätselhaften ➱magic realism malen. Hier auf dem Bild malt Nerdrum sich wieder einmal selbst. Einen Epochenschänder, der sein Feuer aus der Erde holt, hat Botho Strauß ihn genannt. Der hat immer so schöne Formulierungen, die ich nicht hinkriege. Sätze wie: Selten hat ein Künstler der Moderne so schneidend widersprochen - nicht mit kritischer oder sarkastischer Polemik, sondern mit einem durchfigurierten geschlossenen Gegenentwurf, der sagt: Es gibt noch andere Welten jetzt als die der rationalen Idiotie.

Ich würde das ja jetzt gerne als famous last words hier stehen lassen, aber ich werde aus vielem, was Botho Strauß sagt, nicht schlau. Geht mir aber mit Nerdrum (hier als The Saviour of Painting) genauso. Was wird er machen, wenn im Sommer das Urteil der ersten Instanz bestätigt wird und er wirklich ins Gefängnis muss? Malen darf er nicht, weil ein norwegisches Gesetz verbietet, dass man im Gefängnis seinen Geschäften nachgehen darf. Er könnte natürlich als Bildhauer anfangen. Oder Theaterstücke schreiben. Eins hat er schon geschrieben, Immanuel Kants siste dager. Ich weiß jetzt nicht, ob da die Stelle drin vorkommt, wo Kant von der Nachahmung als bloßer Nachäffung redet.


Freitag, 16. März 2012

West Point


Heute vor 210 Jahren hat Präsident Jefferson ein Gesetz unterschrieben, wodurch das Fort West Point zu einer Militärakademie wurde. Ist es immer noch. Das Fort West Point hat im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg seine Bedeutung gehabt. Von hier aus ist General Benedict Arnold zu den Engländern geflohen, gerade noch rechtzeitig, bevor ➱George Washington den ➱Verrat entdeckte. Als Washingtons Armee die Engländer besiegt hatte, brauchte man das Fort eigentlich nicht mehr.

Es ist in dieser Zeit ein beliebtes Ausflugsziel für die romantischen Touristen aus New York. Der Hudson ist zwischen New York und Albany, der Hauptstadt des Staates New York, verkehrsmässig gut erschlossen. Bis Troy, nördlich von Albany, reicht der Tidenhub. Dieses Troja mit dem Wahlspruch Ilium fuit, Troja est hatte auch einmal den Namen collar city, weil hier einmal die amerikanische Hemdenindustrie (Arrow und andere) beheimatet war (heute werden amerikanische Hemden nicht mehr am Hudson, sondern auf den Philippinen genäht). Da, wo es auf dem Hudson keine Ebbe und Flut mehr gibt, friert der Fluss im Winter zu. Die Holländer, denen dieses ganze Tal gehörte (und die da ja dem Kegelspiel frönten, wie wir aus Rip van Winkle wissen), sind da in den vergangenen Jahrhunderten ➱Schlittschuh gelaufen.

Der Schiffsverkehr auf dem Hudson funktioniert hervorragend, seit Robert Fultons Clermont von New York nach Albany gefahren ist. Die Schaufelraddampfer (die auch immer größer werden) schaufeln am Wochenende immer mehr Großstädter in die idyllische Natur des Hudson River Valley und der Catskills. Und natürlich machen die Offiziere von West Point mit ihren Damen am Sonntag ein Picknick in der Natur wie auf diesem Bild von Thomas Rossiter. Die Maler (wie ➱Thomas Cole) und Dichter (wie ➱William Cullen Bryant) waren die ersten hier. Also von den Holländern in seltsamer Kleidung, mit denen Rip van Winkle kegelt, mal abgesehen.

Die Maler werden sich zuerst kleine Wochenendhäuser und Studios in den Catskills bauen, mit der Zeit werden große Villen daraus. Die scheußlich-schönste heißt ➱Olana und gehört dem Maler Frederick Church. Dazu fällt mir doch nur das Haus mit dem Namen Iranistan von P.T. Barnum ein. Wenn dann noch die Neureichen des Gilded Age kommen und sich von McKim, Mead & White einen Klotz von Villa ins Tal setzen lassen (wie zum Beispiel das Vanderbilt Mansion), dann ist es mit der romantischen Idylle endgültig vorbei.

Romantische Malerei ist immer ein Festhalten eines idyllischen Augenblicks. Die romantische Naturbegeisterung ist die eine Seite der Medaille, auf der anderen Seite ist die Industrial Revolution, die das Idyll zerstört. Oder der Krieg. Auf dem Bild des Picknicks in Cold Spring am Hudson (gegenüber von West Point) von Thomas Rossiter (der natürlich auch ein Haus in Cold Spring hat) genießen die Herren in eleganten Uniformen nur einen Augenblick der Ruhe. Wir sind im Jahre 1863, wir sind im Bürgerkrieg. Die Absolventen der von Thomas Jefferson begründeten Militärakademie kämpfen jetzt in zwei verschiedenen Armeen.

Auf diese Idee war Thomas Jefferson nicht gekommen. Es war ein langer Weg, bis Jefferson der Idee einer Offiziersschule für eine nationale Armee zugestimmt hatte. There are instruments so dangerous to the rights of the nation and which place them so totally at the mercy of their governors that those governors, whether legislative or executive, should be restrained from keeping such instruments on foot but in well-defined cases. Such an instrument is a standing army, hatte er 1789 in einem Brief an David Humphreys geschrieben. Aber jetzt sagt er sich: whatever enables us to go to war, secures our peace. Vielleicht auch nicht.

Die Bilder vom Hudson sind von ➱Seth Eastman (West Point Absolvent), ➱Thomas Chambers, dem Marinemaler James Bard, Thomas P. Rossiter und wieder Thomas Chambers. Über Thomas Chambers schreibe ich demnächst noch einmal.

Donnerstag, 15. März 2012

Voraussagungen


Spurinnamque irridens et ut falsum arguens, quod sine ulla sua noxa Idus Martiae adessent: quamquam is venisse quidem eas diceret, sed non praeterisse. Also falls Sie kein Latein in der Schule hatten und niemals so schöne Sätze wie Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur zu lernen brauchten: dies ist Latein. Steht bei Sueton. Heißt so etwas wie Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben. Die Rede ist natürlich von Julius Caesar, den Satz Caesar ora classis romana haben Sie aber sicherlich aus dem Unterricht noch behalten. Oder Cicero und Caesar gingen in den Circus, Caesar mit Cylinder, Cicero in Civil. All diese Sachen, mit denen verzweifelte Lateinlehrer den Unterricht aufpeppen möchten.

Wenn sie nur wollten, können die da in Rom natürlich auch Deutsch sprechen, auf jeden Fall bei August Wilhelm Schlegel:

O großer Cäsar! liegst du so im Staube?
Sind alle deine Siege, Herrlichkeiten,
Triumphe, Beuten eingesunken nun
In diesen kleinen Raum? – Gehab dich wohl! –
Ich weiß nicht, edle Herrn, was ihr gedenkt,
Wer sonst noch bluten muß, wer reif zum Fall.
Wofern ich selbst kann keine Stunde besser
Als Cäsars Todesstunde, halb so kostbar
Kein Werkzeug sein, als diese eure Schwerter,
Geschmückt mit Blut, dem edelsten der Welt.
Ich bitt euch, wenn ihr's feindlich mit mir meint,
Jetzt, da noch eure Purpurhände dampfen,
Büßt eure Lust. Und lebt ich tausend Jahre,
Nie werd ich so bereit zum Tod mich fühlen;
Kein Ort gefällt mir so, kein Weg zum Tode,
Als hier beim Cäsar fallen, und durch euch,
Die ersten Heldengeister unsrer Zeit.


Heute sind die Iden des März, begonnen zwar, doch nicht zu Ende (ich verfalle auch schon ins Versmaß). Seien Sie vorsichtig. Gehen Sie heute nicht zum Italiener. Und wenn die Zeit im Briefkasten liegt, fassen Sie sie nicht an, die hat einen verschlagenen Italiener als Chefredakteur. Aber wem sage ich das, nach dem Guttenberg Interview haben Sie die ja sowieso abbestellt.

Mittwoch, 14. März 2012

Admiral John Byng


Dans ce pays-ci, il est bon de tuer de temps en temps un amiral pour encourager les autres, schreibt Voltaire in Candide. Heute vor 255 Jahren ist der englische Admiral John Byng an Bord des Schiffes Monarch hingerichtet worden. So etwas passiert in der Royal Navy nicht alle Tage. Die neunschwänzige Katze für aufmüpfige Matrosen, das gibt es jeden Tag irgendwo auf den Ozeanen, die von der Royal Navy beherrscht werden. Aber einen Admiral vor ein Peloton zu stellen - To be shot at by a sailor out of every ship of Admiral West's division at the battle of the 20th of May, 1756 - das kommt nicht so häufig vor.

Er hat sein Taschentuch fallen lassen, zum Zeichen dafür, dass er bereit für den Tod ist. Auf dieser Abbildung kann man es erkennen. Dies ist nur eine der vielen Abbildungen in dieser Zeit. Die ➱Byng Affäre, wenn man es so nennen will, produziert eine Flut von Pamphleten, Spottgedichten und Karikaturen. Historiker haben von einem pamphlet war gesprochen, und Dr Johnson sah in der Presse more dangerous enemies für Byng als dieser auf See zu fürchten hatte. Am Ende des Ganzen ist Admiral Byng tot, und die Regierung des Herzogs von Newcastle wird zurücktreten.

Im Schiffstagebuch der Monarch (die zehn Jahre vorher noch Monarque hieß, weil sie ein französisches Schiff gewesen war) trägt Kapitän John Montagu am 14. März 1757 ein: These 24 hours very squally, with showers of wind and rain; Admiral Byng's Co. as before; at 7 A.M. his Coffin came on board; at 10 A.M. all the Ships' Boats, manned and armed, came to attend his Execution; hard gales, lowered down the lower yards: at noon all hands were called up to attend his execution; he was shot on the larboard side of the Quarter Deck by six Marines, attended by Lieut. Clark, the Marshal, and Mr. Muckings; these gentlemen went ashore after the execution was over.

Was war geschehen? Die Engländer hatten eine kleine Flotte unter dem Kommando von ➱John Byng nach Menorca geschickt, die auch Truppen für die Verstärkung der britischen Garnison transportierte. Als Byng auslief, hatte man Frankreich noch nicht den Krieg erklärt. Gleichzeitig schicken die Franzosen auch eine kleine Flotte (hier beim Auslaufen zum Hafen von Mahon) unter dem Marquis de La Galissonière nach Menorca. Das dreistündige Seegefecht verdient es eigentlich nicht, eine Seeschlacht genannt zu werden, in Oliver Warners Great Sea Battles kommt es nicht vor.

Vorsicht auf französischer Seite, Inkompetenz auf englischer Seite, Offiziere wie Nelson wären hier sicherlich gefragt gewesen. So wie hier sieht das Ganze (ohne Wellen und Wetter) auf einer zeitgenössischen Karte aus. Jetzt wird Ihnen sicherlich klar, warum die Linienschiffe Linienschiffe heißen. Das Einhalten der Linie ist auf solchen Karten und am grünen Tisch ja ganz prima, weil man den Gegner dann mit einer Breitseite beschießen kann. Aber meistens finden die Seeschlachten nicht auf einem grünen Tisch, sondern auf grünen Wellen statt, und da funktioniert das mit der schönen Linie häufig nicht so. Mit der Viererkette auf dem grünen Rasen übrigens auch nicht.

Einer seiner Offiziere schlägt ihm vor, die Linie aufzugeben, und je nach der Situation das nächste Schiff des Feindes anzugreifen. Nelson wird mit der Methode großen Erfolg haben. John Byng, Sohn eines Admirals, lehnt das ab. Weil Admiral Thomas Matthews (der einmal unter Byngs Vater gedient hatte) in der konfusen Seeschlacht von Toulon etwas Ähnliches gemacht hat. Kriegsgericht (Byng war einer der Richter) und Degradierung folgten, von der Todesstrafe war allerdings nie die Rede. Admiral Byng könnte ja nun in sicherer Entfernung versuchen, seine Schiffe notdürftig zu reparieren und dann bei der nächsten günstigen Gelegenheit nach Menorca segeln und die Franzosen vertreiben, die schon auf Menorca gelandet waren, als Byng Gibraltar erreicht hatte. Wie er das mit seiner kleinen Flotte anstellen soll, weiß ich nicht so ganz. Der französische General, der außer der englischen Festung St Philip schon ganz Menorca beherrscht, hat 15.000 Mann unter seinem Kommando.

Der Kommandeur der französischen Truppen ist ein gewisser Louis François Armand de Vignerot du Plessis (links), den man auch als den Herzog von Richelieu kennt. Im Hannöverschen kennt man ihn wenig später unter dem wenig schmeichelhaften Spitznamen Petit Père de la Maraude. Unter diesem Namen findet er auch Eingang in Wilhelm Raabes Roman Hastenbeck, wo es im 14. Kapitel heißt: Madame de Pompadour wird den Herrn Herzog eben bei veränderten Umständen recht gern wieder bei sich sehen in Paris. Er ist ein recht unterhaltsamer Herr und versteht es, anderen Orts sein Spiel wohl aufzunehmen, sollte es ihm jetzt an der Elbe aus der Hand geschlagen werden. Doch wie es auch kommen mag im Frühjahr, wenn das Eis aufgeht, der Herzog von Richelieu wird seine Zeit ausnützen hier zu Lande! Ihr da, Frau an der Tür, wie heißen wir ihn unter uns schon drüben in Höxter?« »Petit père La Maraude, mon capitaine!« sagte die Wackerhahnsche, die Hand militärisch grüßend zur Stirn hebend.

Allerdings muss man zu Ehren von Richelieu (hier ein Bild von seiner Eroberung des englischen Forts) sagen, dass er nach der Verurteilung von Admiral Byng eine Ehrenerklärung für ihn abgeben wird, so viel Stil hat man im französischen Adel dann auch wieder. Den ➱Brief soll sein Freund Voltaire weiterleiten, er gelangt unglücklicherweise in die falschen Hände. Wir verdanken dem Herzog von Richelieu noch etwas anderes. Als er den Hafen und die Festung von Mahon eingenommen hat - die englische Besatzung bekommt eine Freifahrt nach England spendiert, dies ist die Zeit der Kabinettskriege, da geht man noch zivilisiert miteinander um -  serviert man ihm ein Festmahl mit einer regionalen Spezialität. Nach dem Ort Mahon wird diese Soße den Namen Mahonaise bekommen.

Byng segelt nach der Bataille noch nicht nach Gibraltar zurück, er hält zunächst auf hoher See einen Kriegsrat ab, die Offiziere diskutieren die folgenden Fragen:

● Whether an attack on the French fleet gave any prospect of relieving Mahon? Resolved: It did not. 
● Whether, if there were no French fleet cruising at Minorca, the British fleet could raise the siege ? Resolved: It could not.
● Whether Gibraltar would not be in danger, should any accident befall Byng's fleet? Resolved: It would be in danger.
● Whether an attack by the British fleet in its present state upon that of the French would not endanger Gibraltar, and expose the trade in the Mediterranean to great hazards? Resolved: It would.
● Whether it is not rather for His Majesty's service that the fleet should proceed immediately to Gibraltar? Resolved: It should proceed to Gibraltar.


Das alles entbehrt nicht einer gewissen Logik. Man sollte noch dazu sagen, dass man Byng mit viel zu wenig Schiffen (von denen manche kaum seetüchtig waren) und viel zu kleiner Besatzung losgeschickt hatte. Das sollte der Admiral of the Fleet Lord Anson (hier im Bild) wissen, der seine berühmte Kaperfahrt rund um die ➱Welt unter ähnlich katastrophalen Bedingungen begonnen hatte. Als er um Kap Hoorn herum war, hatte er nur noch die Hälfte seiner Schiffe und zwei Drittel seiner Matrosen waren tot. Immerhin hat er daraus etwas gelernt, sodass er jetzt als First Lord of the Admiralty angefangen hat, die Royal Navy zu reformieren. Anson will jetzt die englische Flotte nahe am Heimatland haben, da er davon ausgeht, dass die Franzosen England angreifen werden (was sie natürlich nicht tun werden). Menorca ist ihm nicht so wichtig. die schlecht ausgerüstete Flotte unter John Byng schickt er nur dahin, weil ihm William Pitt auf die Nerven geht. Pitt soll nach dem Verlust von Menorca im Parlament über Admiral Anson gesagt haben that he was not fit to command a cock-boat on the river Thames.

Der Befehl, alle Marines der Schwadron an Land zu lassen und stattdessen das Royal Regiment of Fusiliers unter Colonel Lord Robert Bertie an Bord der Schiffe zu nehmen, erweist sich als katastrophal. Marineinfantrie kann an Bord eines Schiffes die Aufgaben der Besatzung übernehmen, das sind die gewohnt, das Royal Regiment of Fusiliers hat davon keine Ahnung. Admiral Byng, der sich vor dem Auslaufen bei der Admiralität über den Zustand seiner Schiffe beschwert hatte, hatte gehofft, dass er in Gibraltar noch seine Schiffe reparieren und neue Mannschaften bekommen könnte. Aber die Werften dort sind in einem schlechten Zustand, der Militärgouverneur General Fowke weigert sich zudem, ihm genügend Truppen zur Verfügung zu stellen. Er fürchtet den Angriff der Franzosen auf Gibraltar, die Menorca Expedition interessiert ihn nicht.

Nach dem kleinen Debakel vor Menorca segelt Byng nach Gibraltar zurück, lässt seine Schiffe reparieren und bereitet sich auf einen neuen Angriff auf Menorca vor. Zu seiner großen Überraschung wird er von Admiral Edward Hawke (links) abgelöst und nach England beordert. Unglücklicherweise war eine Version des Berichtes des französischen Admirals, die Byng schlecht aussehen lässt, früher nach England gelangt als sein eigener ➱Bericht. Die London Gazette hat schon Teile daraus veröffentlicht mit Sätzen von Galissonière wie the English seemed unwilling to engage und the English had the advantage of the wind, but still seemed unwilling to fight.

Nun gerät John Byng in das Räderwerk von Justiz und politischen Intrigen einer im höchsten Masse instabilen Regierung. Er wird der Sündenbock für alle Fehler der Admiralität. Das schnell einberufene Kriegsgericht (das nicht an Land, sondern an Bord eines Kriegsschiffs, HMS St George, tagt) verurteilt ihn nach dem Artikel 12 der neuen ➱Articles of War, die Anson 1749 durchgesetzt hatte: Every Person in the Fleet, who through Cowardice, Negligence or Disaffection, shall in time of Action withdraw or keep back, or not come into the Fight or Engagement, or shall not do his utmost to take or destroy every Ship which it shall be his Duty to engage, and to assist and relieve all and every of His Majesty's Ships or those of his Allies, which it shall be his Duty to assist and relieve, every such Person so offending, and being convicted thereof by the sentence of a Court Martial, shall suffer Death.

Diese neue Rechtsordnung (die Articles of War sind das einzige auf der Welt, vor dem C.S. Foresters Horatio Hornblower Angst hat) lässt einem Kriegsgericht keine Spielräume. Sie wurde unter anderem  eingeführt, weil der Leutnant der Marines George Fry (der ein Justizopfer der Militärgerichtsbarkeit geworden war) gegen den Vorsitzenden seines Kriegsgerichts Admiral Sir Chaloner Ogle vor einem Zivilgericht geklagt hatte. Und Recht bekommen hatte, die Gefängnisstrafe wegen angeblicher Befehlsverweigerung wird ihm erlassen und Sir Chaloner muss ihm tausend Pfund an Wiedergutmachung zahlen. Tausend Pfund sind damals sehr viel Geld. Dass die zivile Gerichtsbarkeit sich in das Marinerecht einmischt (und dass ein hoher Admiral wie Ogle von zivilen Behörden arretiert worden war), kann sich die Royal Navy kaum bieten lassen; allerdings wird dies immer wieder geschehen, wie Markus Eder in seinem Buch Crime and Punishment in the Royal Navy of the Seven Year’s War, 1755-1763 gezeigt hat.

Der erste Artikel der Articles of War in der Fassung von ➱1757 (wenn Sie das anklicken, ist Ihr Computer nicht kaputt, das ist eine Signalpfeife) ist sicherlich das Zitieren wert:

All commanders, captains, and officers, in or belonging to any of His Majesty's ships or vessels of war, shall cause the public worship of Almighty God, according to the liturgy of the Church of England established by law, to be solemnly, orderly and reverently performed in their respective ships; and shall take care that prayers and preaching, by the chaplains in holy orders of the respective ships, be performed diligently; and that the Lord's day be observed according to law. Am besten aber gefällt mir Artikel 35: All other crimes not capital committed by any person or persons in the fleet, which are not mentioned in this act, or for which no punishment is hereby directed to be inflicted, shall be punished by the laws and customs in such cases used at sea. Bei genauer Lektüre der Articles of War wird man feststellen, dass sie ausreichen, um jedermann an Bord jederzeit vor ein Kriegsgericht zu bringen, nicht nur den armen Billy Budd in Melvilles ➱Erzählung.

Die blaue Uniform (oben) ist im Jahre vor den Articles of War von 1749 für die Offiziere der Royal Navy eingeführt worden, zuvor konnten Marineoffiziere so ziemlich alles tragen, was ihnen gefiel. Auf dem Bild von Hogarth weiter oben trägt der Captain Lord George Graham (Sohn des Herzogs von Montrose) einen eleganten grau-braunen Anzug mit weißen Kniestrümpfen. Was die adligen Gentlemen eben so trugen. Aber jetzt kommt die blaue Uniform für alle Offiziere (so wie in Preußen die Offiziere des Königs Rock tragen), die auch ein Versuch ist, die Stellung der Offiziere in der Gesellschaft aufzuwerten. Denn obwohl viele Marineoffiziere aus dem Adel und dem höheren Bürgertum stammen, gilt dies nicht für die Masse des Offiziercorps. Die honnêteté, die Lord Chesterfield in seinen Letters to His Son predigt, muss ihnen erst beigebracht werden.

Und so gibt es in einem ersten Schritt die neue Uniform, die sich jeder Offizier (zweifach, dress und undress uniform) selbst kaufen muss. Viele lassen sich gleich in ihrer neuen Uniform malen, wie hier der Kapitän Philemon Pownall von Joshua Reynolds. Nach den neuen Uniformen kommen die neuen Articles of War. Und dann versucht Lord Anson auch noch, all die alten Admirale aus der Navy zu drängen, er will das Offiziercorps verjüngen. Neue Dienstgrade werden erfunden, der eines Rear-Admiral oder der eines Yellow Admiral (was keine offizielle Bezeichnung ist, wie die Leser von Patrick O'Brian wissen). Und plötzlich kann ein junger Kapitän als Commodore eine Flotte befehligen, die größer als die eines Admirals ist. Was jetzt mit dem Umbau der Royal Navy begonnen wird, wird sich in den Tagen von Horatio Nelson auszahlen.

Auf dem Kontinent registriert man die englischen Ereignisse durchaus, der Siebenjährige Krieg hat begonnen. Europa ist jetzt mit England verflochten, was nicht ausbleiben kann, da die Hannoveraner auf Englands Thron auch noch ihre deutschen Machtinteressen haben. Und so schaut man begierig nach England und liest alles, was man in den ➱Zeitschriften wie zum Beispiel Die neue europäische Fama, welche den gegenwärtigen Zustand der vornehmsten Höfe entdecket über die englische Admiralität finden kann. 1757 erscheint in Frankfurt und Leipzig die Zuverläßige Lebens-Geschichte des grosbritannischen Admirals von der weissen Flagge, Johann Byng, welcher am 14. März 1757. nach Urtel und Recht am Boord des Kriegs Schiffes der Monarch erschossen worden, nebst einem kurzen Vorbericht von der jetzigen Verfassung der grosbritannischen See Macht. 

Die Familie von John Byng wird auf seinen Grabstein in der All Saints Church in Southill schreiben lassen:

To the perpetual Disgrace
of PUBLICK JUSTICE
The Honble JOHN BYNG Esqr
Admiral of the Blue
Fell a MARTYR to
POLITICAL PERSECUTION
March 14th in the year 1757 when
BRAVERY and LOYALTY
were insufficinet Securities
For the
Life and Honour
of a
NAVAL OFFICER 


Sie hätten auch I am a man More sinn'd against than sinning aus Shakespeares King Lear nehmen können. Ein Versuch der Familie im Jahre 2007, einen Pardon für ihren Vorfahren zu erreichen, wurde vom Verteidigungsministerium abgelehnt. Vierzig Jahre nach dem Justizmord, kümmert sich niemand mehr um die drakonische Auslegung der Articles von War. Als Admiral Jervis den Admiral Robert Mann nach Cadiz beordert, meldet sich der zwar mit seinen sieben Schiffen zur Stelle, muss aber zurück nach Gibraltar, um seine Flotte zu verproviantieren. Auf dem Weg begegnet er einer spanischen Flotte, da wird ihm das Mittelmeer zu heiß. Er segelt nach England zurück, John Jervis muss die Herrschaft über das Mittelmeer erst mal aufgeben. Todesurteil für Admiral Mann? Nichts davon, Rüge der Admiralität. Men had become more merciful, sagt Admiral Mahan in The Influence of Sea Power upon the French Revolution and Empire, 1793–1812.

Lassen wir das letzte Wort ➱Thomas Turner, einem einfachen Krämer aus East Hoathly in Sussex, der in sein Tagebuch schreibt: ...in my own private opinion I think him not that guilty person as many represent him, neither do I think it a prudent thing for him to be executed; but I suppose there was no calming a clamorous and enraged populace without taking away the life of this man, though he is an innocent person, I think innocence should more than balance popular clamour.

Menorca ist heute wieder in britischer Hand. Zwar nicht der Royal Navy, heute sind es britische Touristen.