Freitag, 12. Juni 2026

die zwei Kaiser von Mexiko


Am 12. Juni 1864 ist der Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich unter französischem Schutz als Kaiser Maximilian I. in Mexiko eingezogen. Wir wissen, was daraus wird, wir kennen das Bild von Manet. Drei Jahre und eine Woche später stand er vor einem Peloton. Den Soldaten soll er noch goldene Pesos gegeben haben, mit dem Wunsch, sie sollten auf sein Herz zielen. Damit seine Mutter sein Gesicht noch wiederkennt. Als seine Mutter Sophie die einbalsamierte Leiche sieben Monate später sieht, wird sie sagen: Das ist nicht mein Sohn!

Der Kaiser trägt Zivil und hat einen Sombrero auf dem Kopf, allerdings nur bei ✺Edouard Manet. Auf dem schlechten →Photo, das wir von dem Ereignis haben, ist er barhäuptig. Auf Manets Bild haben die beiden Generäle Miguel Miramón und Tomás Mejía ihre Uniformjacken abgelegt und tragen weiße Hemden. Tomás Mejía (links) wird gerade von den ersten Kugeln getroffen. Vielleicht hat das Ganze auf dem Hügel, auf dem heute ein Denkmal für Benito Juárez steht, so ausgesehen wie auf diesem Historienbild, das ich zufällig in Internet fand. Ein Maler und eine Jahreszahl standen leider nicht dabei.

Der Habsburger ist nicht der erste Kaiser von Mexiko, es hatte schon mal einen gegeben. Der auch erschossen wurde, vierzig Jahre vor der Ankunft von Ferdinand von Österreich. Er hieß Agustín de Iturbide und hat einen etwas mickrigen deutschen Wikipedia Artikel. Der englische Artikel ist dagegen seitenlang. Agustín de Iturbide war nur neun Monate lang Kaiser, aber seine Herrschaft beendete die jahrhundertelange Herrschaft Spaniens, die hier mit Vizekönigen regierten. Und sein Land war größer als heute, halb Amerika gehörte noch dazu.

Viele seiner Nachfolger werden als mexikanische Präsidenten nur für wenige Tage im Amt sein. Bis der liberale Benito Juárez kommt, der bleibt für vierzehn Jahre. Juarez wird auch den Tod von Kaiser Maximilian anordnen. Aber um an die Macht zu kommen, musste er erst einmal Antonio López de Santa Anna loswerden. Der war acht Mal Regierungschef und wurde fünfmal ins ewige Exil geschickt. Zuletzt nach Kuba. Der Diktator Santa Anna, der durch seine Kriege gegen Texas und die USA ein Fünftel des Landes verliert, war häufig in diesem Blog, Sie finden ihn in den Posts: AlamoWashington-on-the-BrazosThe Yellow Rose of Texas und Donald Trump.

Der Kaiser Agustín dankt ab und geht ins Exil, man gewährt ihm eine lebenslange Rente von 25.000 Pesos pro Jahr, die er allerdings nie erhalten wird. Er ist mit Frau und Kindern zuerst in Italien, dann in London. Wo 1824 seine →Autobiographie (hier im Volltext) erscheint, die der Brockhaus Verlag im selben Jahr in einer Übersetzung herausbringt. Der Verleger ist John Murray, der war hier schon in den Posts Lord Byrons Schuhe und Shelley, weil er auch der Verleger und Freund von Lord Byron ist. Ich wachte auf und war berühmt, hat Byron über Murray gesagt, weil der →Childe Harold’s Pilgrimage verlegt und zum Bestseller gemacht hatte. Iturbide wird in London nicht glücklich sein, er kehrt nach Mexiko zurück.

Er weiß wahrscheinlich nicht, dass der mexikanische Kongress ihn in Abwesenheit zum Verräter und Feind des Vaterlandes erklärt hat. Und ein Gesetz erlassen hat, dass er sofort hingerichtet werden solle, falls er je wieder mexikanischen Boden betritt. Und so kommt es auch. Der ehemalige Kaiser, der die Flagge entworfen hat, die Mexiko heute noch hat, wird gefangen genommen, als Verräter verurteilt und am 19. Juli 1824 in Padilla (Tamaulipas) erschossen. Vierzehn Jahre später wird es für ihn ein Staatsbegräbnis geben. Auf der Urne seiner Asche steht: Agustín de Iturbide, autor de la Independencia Mexicana. Compatriota llóralo, pasajero admíralo. Este monumento guarda las cenizas de un héroe. Su alma descansa en el seno de Dios

Ein gewisser Odilon Rios hat nach einer der beiden Photographien, die wir von der Erschießung Maximilians haben, 1960 dieses Bild gemalt, das sich im Museo Nacional de Historia in Mexico City befindet. Ein Jahr nach dem Tod von Maximilian, begann Edouard Manet, seine vier Versionen (genauer gesagt: drei großformatige Gemälde, eine kleine Ölskizze und eine Lithographiedes Ereignisses zu malen. Was für ein Unglück, dass Edouard sich darauf versteift hat! Was für schöne Sachen hätte er in dieser Zeit malen können! hat Madame Suzanne Manet gesagt. Sie versteht ihren Gatten nicht mehr. 

Zumal der doch weiß, dass er keins dieser Bilder ausstellen kann, er würde den Kaiser Napoleon III beleidigen, der sicherlich schuld am Tod seines mexikanischen Marionettenkaisers ist. Émile Zola fasste das Bild mit den Worten Frankreich erschießt Maximilian zusammen. Denn das ist die revolutionäre Botschaft des Bildes: die Soldaten tragen französische Uniformen (nur in der Bostoner Version sind es Mexikaner). Und der Mann rechts im Bild, der am Erschießen nicht beteiligt ist und dessen Mütze ihn als einen höheren Dienstgrad ausweist, sieht dem französischen Kaiser Napoleon III sehr, sehr ähnlich.

Alles, was Sie über das Bild von Manet wissen wollen, stand hier schon vor fünfzehn Jahren in dem Post Edouard Manet. Heute hätte ich noch Franz Werfels Theaterstück Juarez und Maximilian: Dramatische Historie aus dem Jahre 1925 für Sie. Und eine Doku von ZDF Info ✺Maximilian von Habsburg - Ein Kaiser für Mexiko.

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