Dienstag, 18. Juni 2013

Captain Gronow


I should observe that just before this charge the duke entered by one of the angles of the square, accompanied only by one aide-de-camp; all the rest of his staff being either killed or wounded. Our commander-in-chief, as far as I could judge, appeared perfectly composed; but looked very thoughtful and pale. He was dressed in a grey great-coat with a cape, white cravat, leather pantaloons, Hessian boots, and a large cocked hat a la Russe.
     The charge of the French cavalry was gallantly executed; but our well-directed fire brought men and horses down, and ere long the utmost confusion arose in their ranks. The officers were exceedingly brave, and by their gestures and fearless bearing did all in their power to encourage their men to form again and renew the attack. The duke sat unmoved, mounted on his favourite charger. I recollect his asking the Hon. Lieut.-Colonel Stanhope what o'clock it was, upon which Stanhope took out his watch, and said it was twenty minutes past four. The Duke replied, 'The battle is mine; and if the Prussians arrive soon, there will be an end of the war.'

Jetzt wissen wir endlich, was der Herzog von Wellington wirklich gesagt hat. Nicht: Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen, sondern ganz schlicht: The battle is mine; and if the Prussians arrive soon, there will be an end of the war. Heinrich Conrad, der 1908 eine deutsche Ausgabe des Textes herausgab, bemerkt an dieser Stelle in einer Fußnote: Diese Lesart des bekannten Ausspruchs dürfte wohl die richtigere sein. Daß Wellington gesagt hätte: 'Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen,' liegt gar nicht im Charakter des mehr als stolzen Briten. Gedacht freilich mag er es wohl haben.

Leider ist unser Augenzeuge Rees Howell Gronow in seinen Erinnerungen mit Vorsicht zu genießen. Eigentlich sollte er auch gar nicht auf dem Schlachtfeld sein, sein Bataillon ist zur Zeit in London. Sie haben Wellingtons Spanienfeldzug hinter sich, da gönnt man der Garde einmal Urlaub. Doch als der Fähnrich Gronow hört, dass sich da unten in Belgien etwas anbahnt, da reist er nach Brüssel. Vielleicht wollte er auch nur beim Ball der Duchess of Richmond dabei sein. Aber so ist jetzt mittendrin bei den Schlachten von Quatre Bras und Waterloo, der junge Dandy kann es nicht lassen. Feige ist er nicht. Zehn Tage nach der Schlacht wird man ihn zum Leutnant ernennen. Er wird noch sechs weitere Jahre bei der Armee bleiben, dann widmet sich der Captain dem Leben als Dandy in London und Paris.

Glücklicherweise wird er über sein Leben schreiben: Captain Gronow, formerly of the Grenadier Guards and M.P. for Stafford, being Anecdotes of the Camp, the Court, and the Clubs, at the close of the last War with France, related by himself. Das related by himself ist wichtig, er braucht keinen Ghostwriter, er ist ein großer raconteur. Der auch das scheinbar Unwichtige beoachtet, selbst in der Hitze der Schlacht von Waterloo entgeht ihm kein Detail der Kleidung des Herzogs: He was dressed in a grey great-coat with a cape, white cravat, leather pantaloons, Hessian boots, and a large cocked hat a la Russe. Wellington trägt keine Uhr, er weiß, dass seine Stabsoffiziere eine in der Tasche haben. Drei Wochen nach der Schlacht wird er sich in Paris eine Breguet kaufen. Bei Abraham Louis Breguet ist Napoleon auch Kunde gewesen, seine ersten Breguet Taschenuhren hat er bei ihm gekauft, als er nach Ägypten aufbrach. Wellingtons Breguet ist 1995 bei Christies in London verkauft worden. Irgendwann war sie mit einer Gravur versehen worden, wonach er diese Uhr in der Schlacht von Waterloo getragen hätte. Aber jeder Fachmann wusste, dass das eine Lüge war. Da es mehr gefälschte als echte Breguet Uhren gibt, kommt es auf eine Fälschung mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Gronows Erinnerungen hat es in vier Bänden in unzähligen Ausgaben gegeben, man kann sie noch heute kaufen. Oder ➱hier lesen. Nach dem Sieg über Napoleon hatte sich Gronow in das Pariser gesellschaftliche Leben gestürzt. Wie so viele andere Offiziere auch, Blücher nicht ausgenommen. Der möchte Paris sowieso am liebsten plündern (auch bei seinem Londonbesuch entfuhr ihm ein Was für eine wunderbare Stadt zum Plündern!), als eine Deputation der Stadt um Schonung vor der Einquartierung bittet, bekommen sie die schöne Antwort: Die Franzosen haben Jahre lang in Berlin recht angenehm logirt; kein Preuße soll sagen, daß ihn die Pariser nicht auch gut bewirthet hätten!

Aus einem Missverständnis heraus fühlt sich der junge Leutnant Gronow durch eine angebliche Bemerkung Wellingtons in seiner Ehre gekränkt und schreibt ihm einen etwas törichten Brief. Den der Herzog sehr höflich beantwortet. Obgleich ihm die jungen Dandies in den Garderegimenter sonst ein wenig auf die Nerven gehen (lesen Sie doch einmal ➱diesen Post). Das bewundert Gronow wiederum, und noch Jahre später scheint sich Wellington an Gronow zu erinnern: In the year 1824, I happened to be walking one morning in the park, near Apsley House, with my friend Charles, commonly called Cornet Wortley. We had not been there long when we met the Duke, who called Wortley to him, and, after a short conversation, as I stood on one side, I heard him ask Wortley who I was, and on his answering, as I took off my hat the Duke smiled. Der Park hinter Apsley House, in dem die Gentlemen sich treffen, ist nicht etwa der Privatgarten von Wellington, das ist der Hyde Park.

Wenn Sie heute am Jahrestag der Schlacht von Waterloo in dem Suchfeld oben links Waterloo, Wellington oder Blücher eingeben, werden Sie eine Vielzahl von Ergebnissen bekommen. Meine persönliche Auswahl wären die Posts ➱Briefe, ➱Waterloo und ➱La Belle-Alliance.

Kommentare:

  1. Und wann hat sich "Waterloo" erst durchgesetzt gegen das schöne Belle - Alliance?
    Zur Zeit von ABBA?

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  2. Schon ein wenig früher. Blücher hätte gerne Belle-Alliance gehabt, weil ihm der Name symbolisch erschien. Wellington wollte Waterloo nach seinem Hauptquartier. Deutsche Historiker haben im 19. Jahrhundert noch beinahe durchweg den Namen Belle-Alliance verwendet. Zu dem Gasthaus La Belle-Alliance gab es vor einem Jahr noch einen Post der La Belle-Alliance heißt.

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