Freitag, 29. September 2017

Hugh Hefner ✝


Hugh Hefner ist tot, er ruhe in Frieden. Ein Leben lang im dressing gown. Einundneunzig Jahre sind ja auch ein schönes Alter für einen Faun, der das puritanische Amerika mit nackten Marzipanschweinchen erschreckt hat. Einen Post namens ➱Playboy hat es hier auch schon gegeben. Wie es der Zufall so will - und das ist eigentlich wirklich komisch - fand ich gestern bei meinem Hinterhofhöker ein Heft der Zeitschrift Das Gedicht, Nummer 12 aus dem Jahre 2005. Das Themenheft hat den Titel Nackt: Leibes- und Liebesgedichte, und trotz der Aufmachung ist es eigentlich ein seriöser Band zum Thema Liebeslyrik. Ich blätterte darin herum und stieß auf Seite 36 auf ein Playboy Gedicht. Da musste ich das Heft kaufen. Weil ich das Gedicht von Matthias Politycki mit dem Titel Miss Schüttelkorb unbedingt im Blog haben wollte. Den Namen Schüttelkorb hat sich Politycki nicht ausgedacht, im deutschen Playboy Nummer 4 von 1992 war Ilka Schüttelkorb das Playmate of the Month. Da oben ist sie zu sehen. Jetzt ist sie auch noch in der deutschen Literatur:

Da liegt sie hingeweht im Dünenschwung, gereift 
zu scheuer Willenlosigkeit, aprilfrisch griffig, 
ein sanfter Frühlingshorizont, so wölbungspfiffig! 
Warum mein Auge trotzdem in die Ferne schweift? 

Weil: Fern im Heft, da liegt und lockt das ganze Land 
der unbegrenzten Möglichkeiten, Lee wie Luv, 
in einem Frauenleib, den sich ein Faun erschuf, 
da bocken selbst die Worte, leisten Widerstand, 

wenn man noch reden lange wollte statt zu tun,
ein jeder Satz geht in die Hose, tralala ... 

ganz sprachlos steht man, weiß nicht ein noch aus noch ein – 
und weiß es doch! Vom Scheitel bis zum Frack, oh ja, 
wächst und gedeiht und drängt und drückt das ganze Sein.
Der Frühlingsdünenschwung, der darf inzwischen ruh'n.

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