Müssen die Bewohner des kleinen Kaffs Grönland in Schleswig-Holstein jetzt Angst vor Donald Trump haben? Wahrscheinlich weiß er nicht, wo dieses Grönland liegt. Er verwechselt ja ständig Orte und Länder. Letztens redete er von Island, meinte aber wohl Grönland. Viele Amerikaner haben Schwierigkeiten mit dem Lesen von →Landkarten. Vor Jahrzehnten haben die Amerikaner bei einem militärischen Planspiel Kiel statt Kiew bombardiert, ist ja so ähnlich.
Als ich klein war, wusste ich auch nicht so genau, wo Grönland war. Aber ich wusste, dass es etwas mit meinem Heimatort zu tun hatte. Denn von Vegesack aus machte man Jagd auf den Grönlandwal (Balaena mysticetus), der im 18. Jahrhundert noch in riesigen Mengen herumschwamm. Man nannte die Wale die Goldminen des Nordens, denn mit Walfang und Robbenschlag konnte man reich werden.
Dass wir in Vegesack zum Ausgangspunkt der Bremer Grönlandfahrt wurden, verdanken wir dem Hafen, den holländische Fachleute vor vierhundert Jahren gebaut haben. Die Weser war versandet, große Schiffe konnten Bremen nicht mehr erreichen. Schon 1653 war für die Grönlandfahrt eine bremische Grönland-Compagnie gegründet worden. Über tausend bremische Schiffe fuhren in der Zeit von 1695 bis 1798 ins Polarmeer.
Nicht alle kommen zurück, sie sinken im Sturm oder werden im Packeis zerdrückt. Die Holländer beherrschen das Geschäft, aber es sind nicht nur die Bremer, die beim Walfang und Robbenschlag mit ihnen konkurrieren. Da sind noch →Hamburg und →Schleswig-Holstein. Über die Walfänger aus →Schleswig-Holstein hat die aus einer Walfängerfamilie stammende Lehrerin→Wanda Oesau 1937 das Buch Schleswig-Holsteins Grönlandfahrt auf Walfischfang und Robbenschlag geschrieben, das noch immer als Standardwerk gilt.
1596 entdeckte der Holländer Willem Barents Spitzbergen, und wenig später gründen die Holländer die Groenlandsche Maatschappij. Nun sind Spitzbergen und Grönland zwei verschiedene Inseln, weshalb der Name Groenlandsche Maatschappij? Sie wussten es nicht besser, sie hielten das, was sie gerade entdeckt hatten, für den Osten von Grönland. Der größte Teil der Grönlandfahrt der norddeutschen Walfänger geht nicht nach Grönland, der geht nach Spitzbergen. Lesen Sie dazu mehr auf dieser →Seite des Bamberger Geographieprofessors Erhard Treude.
Um 1830 will der Vegesacker Werftbesitzer Johann Lange, der seine Werft direkt neben dem Hafen hatte (hier ein Bild aus dem Jahre 1835) auch in das Walfanggeschäft einsteigen. 1843 wurde in Vegesack eine Aktiengesellschaft zum Zweck der Grönlandfischerei gegründet, aber es geht mit dem Walfang zu Ende. Als Herman Melville 1851 Moby-Dick schreibt, ist die große Zeit des Walfangs vorbei. Das letzte Schiff, das den Vegesacker Hafen 1865 für eine Grönlandfahrt verlässt, heißt Aurora. Sie können seine Geschichte auf der informativen Seite des →Focke Museums lesen.
Ein Schiff namens Grönland gibt es heute noch. Es wurde 1867 in Norwegen gebaut, dem Land, dem Grönland bis zum Kieler Frieden 1814 gehörte. 1868 nahm das Schiff an der Ersten Deutschen Nordpolar-Expedition teil. Heute gehört es dem Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. Es ist immer noch seetüchtig. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum hat zu dem Schiff hier eine interessante →Seite.
Eins der ersten Bücher ist →Die arktische Fischerei, wie sie von der Weser aus betrieben wurde von dem Bremer Lehrer Bernhard Ahlers, das 1911 erschien und 1988 wieder aufgelegt wurde. Es ist aus Liebhaberei geschrieben, hat aber wissenschaftlich wenig Bestand. Es kommt nicht an die Schriften von Wanda Oesau (die das Detlefsen Museum in Glücksstadt auf seiner →Seite würdigt) oder Joachim Münzing heran. Den Leiter der Naturkundlichen Abteilung des Altonaer Museums muss ich unbedingt noch nennen, weil er 1975 die Ausstellung Wale und Walfang in historischen Darstellungen gemacht hatte. Und drei Jahre später das Buch Die Jagd auf den Wal: Schleswig-Holsteins und Hamburgs Grönlandfahrt folgen ließ. Ich habe den Zoologen Dr Münzing 1976 kennengelernt, als ich mit Dr Joachim Kruse die Schleswiger Moby-Dick Ausstellung vorbereitete. Der Münzing wusste viel über Wale und Walfang, unglaublich viel.
Über Grönland weiß Donald Trump, der das Land haben möchte, weil da nur russische und chinesische Schiffe drumherumfahren, nicht sehr viel. Eigentlich gar nix. Das hat er gerade wieder bewiesen, als er dieses AI generierte Bild postete. Donald, mal ganz langsam zum Mitschreiben: es gibt in Grönland keine Pinguine. Das Bild enthält aber auch eine Hoffnung in sich: der kleine Kerl mit der amerikanischen Flagge hat den Donald ganz fest an die Hand gekommen. Und jetzt geht er mit ihm immer weiter. Bis in die Antarktis. Und verabschiedet sich dort höflich von ihm. Von da unten kommt Trump nie zurück.
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