
Am 29. Januar 1958 hatte der Film Fahrstuhl zum Schafott (✺Ascenseur pour l'échafaud) von Louis Malle Premiere, einer der besten französischen Kriminalfilme. Wegen Jeanne Moreau und ✺Miles Davis (wenn Sie den Namen anklicken, sind Sie im Soundtrack des Films). Über den Film würde ich gerne schreiben, habe ich aber schon getan. Am 29. Januar 2012 gab es hier schon den Post Fahrstuhl zum Schafott. Und Jeanne Moreau und Louis Malle haben hier auch einen Post. Miles Davis wird in dem Post Jazz erwähnt. Das war am 3. Januar 2010, dem ersten Tag, an dem ich ihm Netz war. Obgleich ich so gut wie gar keine Computerkenntnisse hatte, weil ich den Computer bisher nur als Schreibmaschine benutzte, war es mir gelungen, meinen Blog bei Google mit dem Namen SILVAE anzumelden. Ich schrieb einen ersten kleinen Post, der Literatur hieß und setzte eine Viertelstunde später ein kleines Gedicht ins Netz. So habe ich angefangen. Ob mich jemand las, wusste ich nicht, die Seite mit der Leserstatistik entdeckte ich erst am Ende des Jahres. Heute gucke ich da jeden Tag rein und weiß deshalb, dass ich im Januar schon 70.518 Leser habe. Das ist kein schlechter Anfang für das Jahr 2026

Der Dichter Robert Frost hat heute Geburtstag, er war schon häufig in diesem Blog. Als John F. Kennedy Präsident wurde, hat er den 87-jährigen Dichter Robert Frost gebeten, bei der Inauguration ein Gedicht vorzutragen. Im Januar vor fünfundsechzig Jahren gab es das zum ersten Mal in der Geschichte Amerikas. Zum letzten Mal war es Amanda Gorman, die bei Bidens Inauguration The Hill We Climb las. Im Amerika von Donald Trump haben Dichter offenbar nichts mehr zu sagen. Robert Frost hatte für diese Gelegenheit das Gedicht Dedication geschrieben, wo er am Anfang sehr ironisch auf diese Einladung einging:
Summoning artists to participate
In the august occasions of the state
Seems something artists ought to celebrate.
Today is for my cause a day of days.
And his be poetry's old-fashioned praise
Who was the first to think of such a thing.
This verse that in acknowledgement I bring
Goes back to the beginning of the end
Of what had been for centuries the trend;
A turning point in modern history.Aber das
Gedicht blieb ungelesen. Robert Frost hatte Tränen in den Augen und konnte den zweizeilig getippten Text nicht entziffern. Es waren keine Tränen der Rührung, es war schweinekalt an diesem Januartag, und die Sonne, die noch vom Schnee reflektiert wurde, blendete ihn. Und da sagte er nach kurzem Zögern ein Gedicht auf, das er auswendig konnte. Es hieß
The Gift Outright:
The land was ours before we were the land’s.
She was our land more than a hundred years
Before we were her people. She was ours
In Massachusetts, in Virginia,
But we were England’s, still colonials,
Possessing what we still were unpossessed by,
Possessed by what we now no more possessed.
Something we were withholding made us weak
Until we found out that it was ourselves
We were withholding from our land of living,
And forthwith found salvation in surrender.
Such as we were we gave ourselves outright
(The deed of gift was many deeds of war)
To the land vaguely realizing westward,
But still unstoried, artless, unenhanced,
Such as she was, such as she would become.

Heute ist auch der Geburtstag des Dichters
Johann Gottfried Seume, der letztens in dem Post
Menschenhandel erwähnt wurde. Der Bremer Schriftsteller Hermann Allmers (der hier in den Posts
Hermann Allmers und
Marschendichter vorkommt) hat über ihn gesagt:
Wer sollte ihn nicht lieben und hoch verehren, ebenso seines Charakters und seiner traurigen Schicksale als seiner Lieder wegen – den armen Seume? Bremer Bürger hatten dem flüchtigen Soldaten Seume einst geholfen, über die Weser zu kommen, das ist nicht vergessen. Es gibt heute in Bremen ein kleines
→Seume Denkmal, diesen
Denkstein hat Hermann Allmers bezahlt. Er hatte damals dazu gesagt:
Jenes Stück im Leben des armen Seume ist der einzige Fall, wo Bremen in Beziehung zu einem deutschen Dichter der Vergangenheit tritt, und zwar ehrenvoll genug, denn es hilft ihm, seinen Schergen entfliehen. Dies Ereignis mahnt zugleich an des Vaterlandes traurigste und schmachvollste Zeit; aber es ist gut und heilsam, daß sich das deutsche Volk auch an solche Dinge und solche Tage erinnert. Falls Sie noch nie etwas von Seume gelesen haben, sollten Sie unbedingt einmal sein Gedicht
→Der Wilde lesen.
Kulturell ist auch noch zu vermelden, dass am 29. Januar 1728 im Londoner Lincoln’s Inn Fields Theatre das Singspiel
The Beggar’s Opera von John Gay aufgeführt wurde. Das war schon häufiger in diesem Blog. Zum Beispiel in den Posts
The Beggar's Opera,
Greensleeves und
die Seeräuber Jenny. Das Stück wird nach beinahe dreihundert Jahren immer noch gespielt, ich habe hier eine australische ✺
Aufführung aus dem Jahre 2016.
Und dann muss ich noch Glückwünsche nach Österreich schicken, die Schauspielerin
Julia Stemberger hat Geburtstag. Als sie zwanzig war hatte sie mit dem Film
Herzklopfen ihren Durchbruch.
Ein für ein jugendliches Publikum konzipierter, inszenatorisch solider Film, der in seiner stimmungsvoll-romantischen Lebensbejahung durchaus sympathisch, in vielen Details aber arg wirklichkeitsfern ist. Der Jugendfilm hat ihrer Karriere aber offenbar nicht geschadet. Danach war sie überall zu sehen, auf dem Theater und sie allen möglichen Serien. In
✺Vorstadtweiber war sie auch, starb da aber irgendwann den Filmtod. In der ARD Fernsehserie
✺Die Stein spielte sie jahrelang die Hauptrolle, aber richtig große Filme blieben aus.
Julia Stemberger war schon mehrfach in diesem Blog, die Posts heißen
Radetzkymarsch,
Luna de miel und
Sommermode. Da ist sie mit diesem Kleid abgebildet, das sie in Dieter Wedels
✺Der König von St. Pauli (1998) trug. Ich habe von dem Film
Radetzkymarsch, der Stembergers einziger Film mit internationaler Beteiligung war, im Netz eine Kopie gefunden (
✺Teil 1 und
✺Teil 2). Ist zwar eine schlechte und gekürzte Kopie, aber immerhin kann man sehen, was Axel Corti, der mit der Literaturverfilmung von Franz Werfels
✺Eine blaßblaue Frauenschrift berühmt geworden war, aus Joseph Roths Roman machen wollte. Der
voice over Erzähler (Udo Samel) rettet den ganzen Film. Corti ist ja während der Dreharbeiten des Fernsehfilms verstorben, es wäre schön, wenn man den Film noch einmal neu edieren könnte (aus den originalen 298 Minuten könnte man noch etwas herausnehmen) und einen richtigen Kinofilm daraus machte.
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