Mittwoch, 8. Oktober 2014

Heringe


Ich komme noch einmal auf den Bremer Heringsfang zurück, den ich schon in dem Post über den Maler Alfred Wallis (dessen Bilder hier heute noch einmal zu sehen sind) erwähnt habe. Auf diesem Photo liegen die Heringslogger der Vegesacker Fischerei Gesellschaft vertäut und friedlich in der Mündung der Lesum. Am Ufer kann man die aufgestapelten Heringsfässer sehen, die im Küstendeutsch Kantjes heißen. Es war streng verboten, auf denen herumzuklettern. Obgleich es verlockend war. Wir kleinen Pökse bekamen Schauergeschichten erzählt, von Kantjes, die ins Rutschen gekommen waren und Kinder unter sich begraben hatten. Das einzige Mal, dass ich weggerutschte Kantjes gesehen habe, war bei dem Hochwasser Weihnachten 1954. Da trieben einzelne Heringsfässer noch bis zum Hammelwardener Sand auf der Weser.

Der Hering wurde noch während der Seereise an Bord seegekehlt und seegesalzen eingelegt. Koppies an die Wänner, Bäuki boove. Den Satz versteht Google nicht, das bedeutet, dass die Heringsköpfe an die Fasswand gelegt werden und die Fischbäuche nach oben. Und das bei jeder Windstärke. Es gibt schönere Berufe, als auf einem Heringslogger zu fahren. Wenn der Herzog von ➱Wellington die Soldaten seiner Armee als the scum of the earth bezeichnete, so neigten viele im Ort in Bezug auf die abenteuerlichen Gestalten, die da bei der Bremen-Vegesacker Fischerei Gesellschaft anheuerten, zu einer ähnlichen Ansicht.

Aber es war für viele, die nach dem Krieg Arbeit suchten, ein begehrter Arbeitsplatz. Die meisten von ihnen kamen nicht von der Küste, die kamen weit aus dem Binnenland, aus Schaumburg-Lippe und der Gegend um Minden. Dort gibt es heute noch Denkmäler in Form eines Ankers wie in ➱Rosenhagen bei Petershagen oder wenig davon entfernt in Münchehagen. Und in Heimsen gibt es sogar ein ➱Heringsfängermuseum. Reich konnte man mit dem Heringsfang, der immer eine Saisonarbeit war, nicht werden. Das war mit dem Walfang anders gewesen, der im frühen 19. Jahrhundert viele in Vegesack reich gemacht hatte.

Der Krieg hatte den Hochsee Heringsfang unterbrochen. Die Kriegsmarine brauchte die Schiffe mit der BV Kennzeichnung für andere Zwecke. Doch schon 1945 liefen auf Geheiß der Militärregierung wieder Logger aus (umgebaut und neu getakelt), der Fischfang war notwendig für die Lebensmittelversorgung. Seeleute, die auf einem Logger anheuerten, bekamen anstandslos eine Zuzugsgenehmigung der Militärregierung für Bremen. Zuzugsgenehmigungen waren damals kaum zu bekommen. Mein ➱Onkel Karl zum Beispiel hatte eine Zusage als Steinmetz von der Dombauhütte Köln, aber er bekam keine Zuzugsgenehmigung.

Der Heringsfang findet sich auch in einem anonymen Gedicht der Nachkriegszeit, von dem ich leider nur einige Zeilen habe:

Horch, wie dort ein Schieber singt
und dazu den Schaumwein trinkt.
Klaffend sind die Gegensätze
groß ist die Vergnügenshetze
Kurz, wenn alles sich verjüngt
und man seinen Garten düngt
Wenn die Schiffahrt wieder frei
samt der Heringsfischerei

Der Salzhering galt damals als wichtiges Volksnahrungsmittel. In den Jahren nach dem Krieg war das Fischen in der Nordsee eine lebensgefährliche Angelegenheit. Die See war vermint, das Minenräumen hatte gerade erst begonnen (lesen Sie mehr dazu in dem Post ➱Minen), und die Zwangswege für die Schiffahrt waren noch nicht genügend markiert. Aber man musste Ende Mai hoch zu den Orkneys, dann folgten die Logger den Heringsschwärmen nach Süden. Zuerst zum Fladengrund, dann weiter runter, bis man im Oktober vor der Doggerbank fischte.

Nach sechs bis acht Wochen kehrte man vollbeladen nach Vegesack zurück, zweiundsiebzig Stunden später ging es schon wieder in Richtung Nordsee. Mittlerweile wurde der Inhalt der Kantjes nach Qualität und Sorte sortiert: Fett- und Vollheringe, Matjes und Ihlen (das sind die mageren Heringe, die schon abgelaicht haben). Sechshundert bis tausend Heringe kommen in ein Fass, die oberste und unterste Lage (die sogenannte Spiegellage) werden besonders schön gepackt, damit der Kunde, der bei der Auktion einen Blick in das Fass wirft, weiß, was er kauft. In der Hoffnung, dass es darunter genau so aussieht wie bei der Spiegellage.

Die Fischerei entwickelte sich in den fünfziger Jahren - ebenso wie der Bremer Schiffbau und Carl Borgwards ➱Automobilbau - zu einer deutschen Erfolgsgeschichte. An deren Ende bei uns in der Lesummündung die größte Loggerflotte Europas lag. Doch dann war in den sechziger Jahren Schluss, die Überfischung der Nordsee durch die ➱Holländer mit ihren rabiaten Fangmethoden war das Ende für die Vegesacker Fischerei Gesellschaft. Die in ihren vierundsiebzig Betriebsjahren 7,5 Millionen Kantjes Heringe angelandet (das entspricht rund 575 Tausend Tonnen) hatte. Wenn man im Dezember in einem Laden in Vegesack lesen konnte: Neben Aal und Makrele und Forellen liegen frische holländische Matjes aus dem Fass..., so konnte man sicher sein, dass die nicht von einem Vegesacker Logger kamen. Die lagen längst im Winterschlaf.

Damals standen ja noch in vielen Lebensmittelgeschäften, die manchmal noch das Schild Kolonialwaren über der Tür hatten, offene Heringsfässer. Ich mochte da nie richtig hineinschauen. Nicht, dass ich Schuberts Forelle im Sinn gehabt hätte (hören Sie doch eben einmal ➱Gérard Souzay zu), ich fand die graugrünen Fischleiber in der Salzlake einfach nur eklig. Heute noch. Heute kann ich allerdings mit gutem Grund jede Einladung zu einem Fischessen gleich welcher Art ablehnen, ich habe nämlich mittlerweile eine Fischeiweißallergie.

Man kann den Hering ja auf hunderterlei verschiedene Arten auf den Tisch bringen, erwarten Sie von mir bitte keine Rezepte. Angeblich soll ja ein Rollmops gegen Kater helfen, dazu kann ich auch nichts sagen. Wenn Heringe genauso teuer wären wie Kaviar, würden ihn die Leute weitaus mehr schätzen, soll Bismarck gesagt haben. Über den sogenannten Bismarckhering möchte ich doch noch ein Wort verlieren. Vor Jahrzehnten hat man mir in Jever, wo es eine Gaststätte namens Haus der Getreuen gibt (in der natürlich Jever serviert wird), glaubhaft versichert, dass Bismarck überhaupt keine Heringe mochte.

Kiebitzeier dagegen schätzte er als Delikatesse, und die bekam er aus Jever seit dem Jahre 1871 an jedem ➱Geburtstag geschickt. Einhunderteins Stück in einem kleinen kunstvollen Kästchen. Das Jahr der Gründung des Deutschen Reiches markiert nicht nur den Beginn der jährlichen Geschenke aus Jever (wo man heute sogar ein Bismarck Museum hat), das Jahr 1871 ist auch die Geburtsstunde des Bismarckherings. Das behauptete ein Stralsunder Fischhändler, der sogar eine Urkunde mit Unterschrift von Bismarck besessen haben soll. Doch da ist noch die Geschichte von dem Wirt in Flensburg, bei dem Bismarck 1864 nach dem Sieg gegen die Dänen einen leckeren Hering gegessen hat. So lecker, dass er dem Wirt erlaubte, in Zukunft dieses Gericht als Bismarckhering auf die Speisekarte zu setzen.

Von den Seeleuten der Vegesacker Heringslogger profitierten viele im Ort. Wie zum Beispiel die Schiffsausrüster und die Kneipen am Hafen. Da war ja beinahe jedes zweite Haus ein Gasthof, eine Gaststätte, eine Bar oder Unziemlicheres. Die Firma ➱Kass, das führende Geschäft im Ort für Herrenoberbekleidung, richtete auf dem Gelände der Fischerei Gesellschaft eine kleine Filiale ein, wo Seemannsbekleidung verkauft wurde. Woraufhin sich eines Tages unter dem stolzen Firmenmotto am Hauptgeschäft Kass kleidet den Herrn der Zusatz: ... und bescheißt den Seemann! fand. Ich lasse das jetzt einmal unkommentiert.

Irgendwann gab es für die Seeleute sogar auf dem Werksgelände in Grohn ein Seemannsheim mit einem Leiter, der Pädagogik studiert hatte. Dessen Sohn Charlie kam in unsere Klasse und wurde einer meiner besten Freunde. Er kommt schon in dem Post ➱Kerouac vor, und hier im Fährhaus am Utkiek sitze ich mit ihm in dem Post ➱Hochwasser zusammen. Nach dem Abi ist er zu den Feldjägern gegangen. Wenn man als Jugendlicher schon besoffene sailors ins Bett prügelt, dann ist man dafür bestens geeignet.

Als wir in Hamburg studierten, haben wir uns noch jede Woche getroffen. Als ich ihm erzählte, dass ich gerade in einer Germanistikvorlesung gelernt hatte, dass Matjes und Mädchen etymologisch zusammenhängen, winkte er nur ab. Über Heringe wusste er alles. Irgendwann ist Charlie aus meinem Leben verschwunden. Immer wenn ich in meinen Heimatort kam, ging ich als erstes zu Konnie Krämer ins Fährhaus. Der schob mir einen Whisky über die Theke uns sagte: Jay, frag' mich jetzt nicht nach Charlie, ich weiß auch nicht, wo der geblieben ist. Vielleicht liest der Charlie das ja jetzt, ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Ich hätte dies alles schon in den Post Alfred Wallis schreiben können, aber dann wäre der zu lang geworden. Und so gibt es heute diesen kleinen Nachklapp. Und das gibt mir auch die Gelegenheit, eine Frage zu beantworten, die mehrere Leser hatten: Weshalb heißt das Bild von Christopher Wood eigentlich China Dogs in a St Ives Window? Wieso der Plural? Da sei doch nur ein Hund zu sehen. Schauen Sie noch einmal ganz genau hin. Was ist da rechts neben der vorderen Pfote des ➱Hundes zu sehen?

Ich hätte auch noch über das Buch The Voyages Of Alfred Wallis schreiben können, denn der kleine Amateurmaler aus St Ives ist längst in die englische Literatur hineingewandert. Der Schotte W.S. Graham (ein Freund Harold Pinters), der seit 1944 in Cornwall lebte, hatte kurz nach dem Krieg ein Gedicht (lesen Sie ➱hier mehr dazu) geschrieben, das The Voyages of Alfred Wallis hieß und sich ein wenig an dem altenglischen Seafarer (der ➱hier schon einen Post hat) orientiert. Es beginnt mit den Zeilen:

Worldhauled, he’s grounded on God’s great bank,
Keelheaved to Heaven, waved into boatfilled arms,
Falls his homecoming leaving that old sea testament,
Watching the restless land sail rigged alongside
Townful of shallows, gulls on the sailing roofs.


Sie finden mehr zu dem Gedicht auf der interessanten Seite ➱Invective against Swans von Tamar Yoseloff. Einer der ersten, dem Graham dieses Gedicht aus seiner angelsächsischen Phase zum Lesen gab, war der Maler, Bildhauer und Schriftsteller Sven Berlin, der in St Ives lebte. Der davon so beeindruckt war, dass er über seinen gerade im Armenhaus von St Ives gestorbenen Malerkollegen das Buch Alfred Wallis: Primitive schrieb. Das war ein Buch, das den englischen Schriftsteller ➱Peter Everett so beeindruckte, dass er seinen Roman The Voyages of Alfred Wallis schrieb. Und ihn Sven Berlin widmete: To Sven Berlin – for his book on Alfred Wallis, without which I could not have written this fiction. Everetts The Voyages of Alfred Wallis ist ein schönes kleines ➱BuchThis is a delightful book, at once vivid, direct and modest, in which Everett has found a verbal technique precisely to match Wallis's handling of paint... Everett pays Wallis the greatest tribute of a fellow-artist: allowing him to speak for himself, schrieb der Independent.

Eine Stimme finden, allowing him to speak for himself,  das ist die Kunst des Schriftstellers. Everett war nicht ungeübt darin, er hatte gerade mit dem ➱Roman Matisse's War großen Erfolg bei den Kritikern gehabt. Jetzt macht er es noch einmal mit dem kleinen Amateurmaler aus St. Ives. Es ist, wie bei allen Werken der Postmoderne, manchmal etwas zu viel mit dem Zitieren. William Turner, Horatio Nelson und der Uhrmacher John Harrison hätten nicht in den Text gemusst. Aber es gibt große Momente. Dann verdichtet sich die Ich-Erzählung so, dass sie zu einem inneren Monolog wird:

As I wrote to Mr Ede, when I sent him some pictures: 'The most you get is what used to be - all I do is out of my memory. I do not go out anywhere to draw. I never see anything I send you now, it is what I have seen before.' If Mr Ede or Mr Ben do not write, I write to them. I'm not a toy rattle to pick up and put down whenever it suits them. What I hate most is when they send paintings back. How do I know why they think one is better than another is? I don't see any difference.


Dienstag, 7. Oktober 2014

Volkslieder


Unter dem Titel Wirken stehen in dem Wikipedia Artikel zu Wilhelm Müller die Sätze: Bereits zu seinen Lebzeiten wurde Müller oft als mittelmäßiger Autor der Romantik abgetan; die Kritik hält bis heute an. Demgegenüber steht das Bemühen um eine differenziertere Würdigung als Vorläufer Heinrich Heines. In diesem Blog ist für Wilhelm Müller, der heute vor zweihundertzwanzig Jahren geboren wurde, immer Platz gewesen. Er war ein deutscher Dichter der Romantik. Der im Gegensatz zu Goethe gut Englisch konnte. Er hat Marlowes The Tragical History of Doctor Faustus aus dem Englischen übersetzt, das war die erste vollständige Übersetzung des Stückes in deutscher Sprache. Sein Sohn Max Müller konnte noch besser Englisch, der wurde der berühmteste Sprachforscher des 19. Jahrhunderts (und Mitglied des Kronrates von Queen Victoria).

Wilhelm Müller liebte Lord Byron, über den er sagte: Lord Byron ist vielleicht das größte und fruchtbarste, aber auch das gefährlichste Dichtergenie unsers Zeitalters. Nach dessen Tod hat er ihm ein langes Gedicht gewidmet. Der Kampf der Griechen für ihre Freiheit (der vielleicht auch ein Kampf für die Demokratie im Deutschland der Restauration ist) war ebenso die Sache von Wilhelm Müller, den der Sänger Thomas Hampson the German Byron genannt hat. Allein sechs kleine Hefte seiner Griechenlieder erschienen anfangs der 1820er Jahre. Was ihm bekanntlich den Namen Griechen-Müller eintrug. Wir kennen ihn heute eher als einen Dichter von Volksliedern wie Das Wandern ist des Müllers Lust und Der Lindenbaum. Ich war ein Vierteljahr im Netz, da gab es hier schon den Post Lindenbäume. Die schöne Müllerin und Die Winterreise (aus denen die beiden Lieder sind) sollten in diesem Blog immer wieder vorkommen (zum Beispiel in Tränenregen oder Winterreise).

Goethe mochte Müller, der ihn einmal besuchte, überhaupt nicht. So schreibt Goethes Freund Friedrich von Müller: Wir kamen auf den Hofrath Wilhelm Müller aus Dessau zu sprechen, der uns dieser Tage besucht hatte. 'Es ist mir eine unangenehme Personnage', sagte er, suffisant, 'überdieß Brillen tragend, was mir das Allerunleidlichste ist'. Es ist eine kleine subtile Rache der Kulturgeschichte, dass die Goethe Institute in Indien nicht Goethe Institut heißen, sondern nach dem Sohn Wilhelm Müllers Max Mueller Bhavan heißen.

Auch ein anderer Brillenträger kam bei Goethe nicht gut an: Euer Exzellenz! Wenn es mir gelingen sollte, durch die Widmung dieser Composition Ihrer Gedichte meine unbegrenzte Verehrung gegen E. Exzellenz an den Tag legen zu können, und vielleicht einige Beachtung für meine Unbedeutenheit zu gewinnen, so würde ich den günstigen Erfolg dieses Wunsches als das schönste Ereignis meines Lebens preisen. Mit größter Hochachtung Ihr ergebenster Diener Franz Schubert. Goethe notierte in seinem Tagebuch den Empfang der Sendung und schickte sie kommentarlos zurück. Wenn einer seine Lieder vertont, dann soll das Carl Friedrich Zelter tun und nicht dieser Schubart aus Wien. Soviel zum Musikverständnis Goethes. Schubert und Müller (beinahe gleichaltrig) sind sich nie begegnet. Man weiß auch nicht, ob Müller jemals Schuberts Vertonungen seiner Lieder gehört hat.

Schubert schrieb die Musik zur Winterreise im Todesjahr Wilhelm Müllers, ein Jahr vor seinem eigenen Tod:

Hie und da ist an den Bäumen
Manches bunte Blatt zu seh'n,
Und ich bleibe vor den Bäumen
Oftmals in Gedanken steh'n.

Schaue nach dem einen Blatte,
Hänge meine Hoffnung dran;
Spielt der Wind mit meinem Blatte,
Zittr' ich, was ich zittern kann.

Ach, und fällt das Blatt zu Boden,
Fällt mit ihm die Hoffnung ab;
Fall' ich selber mit zu Boden,
Wein' auf meiner Hoffnung Grab.


Hat er gemerkt, dass man die Lieder auch als einen politischen Text eines Dichters des Vormärz lesen kann? Wir können die Winterreise so lesen. Hören Sie doch hier einmal in die Version von Hans Zender - gesungen von Hans Peter Blochwitz - hinein, das hat wenig mit der gefühlsseligen deutschen Romantik und dem Dreimäderlhaus zu tun. Der junge Wilhelm Müller war 1813 mit der preußischen Armee als Freiwilliger gegen Napoleon gezogen. Jetzt muss er sehen, dass es mit der Freiheit in seinem Vaterland nicht zum besten steht. Dass sie so selten geworden ist, wie ein buntes Blatt im Winter (lesen Sie hier mehr dazu). Wilhelm Müller hat Volkslieder wie Im Krug zum grünen Kranze geschrieben, aber auch Epigramme wie Der alte Adel. Und in dem Vierzeiler ist er nicht weit entfernt von Heinrich Heine:

Jüngst sprach zu mir ein faules Holz: »Ich bin des Pfirsichstammes Sohn,
Der viel der edlen Früchte trug vor mehr als tausend Jahren schon.«
Ich warf es lachend ins Kamin. Was tu ich mit dem leeren Wicht,
Der prahlerisch zu seinem Ruhm von alter Ahnen Taten spricht?


Heinrich Heine hat Wilhelm Müller bewundert. Er schrieb ihm, dass er keinen Liederdichter außer Goethe so sehr liebe wie Sie. Und gestand, daß mir durch die Lektüre Ihrer 77 Gedichte zuerst klar geworden, wie man aus den alten, vorhandenen Volksliedformen neue Formen bilden kann, die ebenfalls volksthümlich sind, ohne daß man nöthig hat, die alten Sprachholprigkeiten und Unbeholfenheiten nachzuahmen. In seiner Reise von München nach Genua beklagt er den Tod des allzufrüh verstorbenen W. Müller und ruft aus: ach, er war ein deutscher Dichter! Heine ist in diesem Blog natürlich auch schon gewürdigt worden, schon im Jahre 2010 gab es hier die Posts Heinrich Heine, Harry Heine und Loreley.

Ich habe für den heutigen Tag ein kleines Epigramm von Wilhelm Müller, für das mir alle Blogger dankbar sein werden:

Schreiber, was bemühst du dich, immer gut zu schreiben?
Liest dich denn ein jeder gut? Treib's, wie's alle treiben!


Und natürlich könnten Sie jetzt noch die Posts Wilhelm Müller und Griechen-Müller lesen.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Don Byas


Schreiben Sie doch mal über Don Byas, sagte Alexander Beissenhirtz auf dem Flohmarkt zu mir. Das war heute vor einer Woche, der letzte Flohmarkt des Jahres. Es war noch ein schöner warmer Spätsommertag, obwohl es schon beinahe Oktober war. Ich hatte gerade drei Jazz CDs gekauft, unter anderem diese Don Byas CD, die ich noch nicht besaß: Don Byas mit dem Mary Lou Williams Trio und dem Beryl Booker Trio. Ich sagte ihm, dass ich bestimmt schon einmal in meinem Blog etwas über Don Byas gesagt hätte. Ich dachte dabei an den Post ➱Candy Dulfer, musste aber zu Hause feststellen, dass Don Byas auch schon in ➱Birdland, ➱Saturn und ➱Dexter Gordon erwähnt wird.

Ich zitiere mal eben einen Absatz aus dem Post über Dexter Gordon: Der Text zu dem Jazz Klassiker 'Round Midnight ist von Thelonious Monk, nicht von Dexter Gordon. Aber natürlich hat Dexter Gordon auch ➱'Round Midnight gespielt. Gordon war nie Avantgarde (What I'm doing, I prefer to call that jazz, because it is a beautiful word - I love it) wie Charlie Parker oder Coltrane, aber man kann ihn immer gut hören. Sozusagen easy listening, wie ➱Don Byas oder ➱Lou Donaldson. Ich kann ja tagelang Jazzsaxophonisten hören, aber auch nicht jeden. Candy Dulfer ist O.K. (das habe ich ➱hier schon einmal gesagt), aber Joe Lovano geht nun gar nicht (obgleich Kids: Live At Dizzy's Club großartig ist). Da höre ich eher Alvin Tyler. Natürlich habe ich CDs von Joe Henderson, aber ich tue so, als ob ich keine hätte. Weil der irgendwann Mode war und alle Welt (vor allem die, die keinerlei Ahnung hatten) über ihn redete. Mein Geheimtip, der längst nicht mehr geheim ist, ist ➱Heinz Sauer. Der Mann ist über achtzig - ein Alter, das viele der amerikanischen Saxophonisten nicht annähernd erreicht haben - und spielt wie ein junger Gott. Das Photo oben zeigt die Jazzpianistin Mary Lou Williams, mit der Don Byas häufig zusammen gespielt hat.

In dem Post über Candy Dulfer habe ich auch noch gesagt, dass ich am liebsten Don Byas und Sadao Watanabe höre. Tokyo Dating liegt bei immer wieder auf. Den Japaner hatte ich vergessen, als ich meine Favoriten aufzählte. Vielleicht schreibe ich über den auch noch einmal. Ich habe mit Alexander Beissenhirz am Sonntag eine Viertelstunde über Jazz geredet, er versteht eine Menge davon. Es ist mir erst hinterher eingefallen, dass er ja auch eine Dissertation über Jazz geschrieben hat. Über Louis Armstrong, Art Pepper und Oscar Peterson. Wenn ich ihn das nächste Mal treffe, erzähle ich ihm die Geschichte mit Louis Armstrong und den Bratkartoffeln in Schwarzenbek (Sie können die natürlich jetzt schon ➱hier lesen).

Alexander Beissenhirtz ist kein Flohmarkthändler der üblichen Sorte. Er ist eigentlich gar kein Flohmarkthändler, er begleitet nur manchmal seine Eltern. Die auch keine Flohmarkthändler der üblichen Sorte sind, das sind gebildete Leute, mit denen man sich gut unterhalten kann. Beissenhirtz Senior (den ich vor Jahren schon einmal in dem Post ➱Flohmarkt erwähnt habe) ist der Geschäftsführer einer renommierten Universitätsbuchhandlung gewesen (die heute nur noch Hugendubel heißt), seine Gattin ist eine promovierte Germanistin. Sie trennen sich heute von manchen Überhängen ihrer Bibliothek. Manchmal denke ich mir, ich sollte mich daneben stellen, und mich auch mal wieder von einigen Metern Buch trennen. Ich kaufe nicht so häufig bei ihnen, weil sie viele Bücher haben, die ich selbst besitze. Als zum Beispiel an jenem Tag: Theodor Fontanes Mein skandinavisches Buch. Reisen durch Dänemark, Jütland und Schleswig. Hatte ich natürlich schon, habe ich auch schon ➱hier erwähnt. War aber mit fünf Euro ausgesprochen preisgünstig.

Manche Kritiker sind der Meinung, dass auf der CD Laura das Beste von Don Byas zu finden ist. Sie ist unter anderem in dieser Reihe erschienen, die Jazz in Paris heißt, erschienen bei dem Label Gitanes Jazz Productions. Ich habe die Reihe schon einmal in dem Post erwähnt, der ➱Sempé heißt. Ich habe sie nicht ganz, aber ein Dutzend aus der Reihe mit den schönen Schwarzweiß Photographien auf dem Cover habe ich doch. Hundert CDs sollten es sein (inzwischen sind es etwas mehr geworden), wobei die Nummer 100 etwas Besonderes war. Jazz sous L’Occupation hieß sie. Denn das hat es auch gegeben. Ich nehme aber nicht an, dass der Hauptmann ➱Ernst Jünger in seiner Zeit in Paris in den Jazzkellern zu finden war. Zu prosaisch für solch einen großen Geist.

Die Jahre in Paris sind vielleicht die wichtigste Zeit von Dony Byas. Sie sind repräsentiert auf The Complete 1946-1954 Paris Recordings, einer CD Box von in-akustik. Und das wäre neben Don Byas mit dem Mary Lou Williams Trio und dem Beryl Booker Trio (die CD ganz oben) auch mein Tip für Einsteiger. Das berühmte Stück Laura ist natürlich auch dabei, klicken Sie es ➱hier doch einmal an, es gibt auch eine hübsche kleine Photostrecke zur Musik.

Samstag, 4. Oktober 2014

Linkshänder


I wasn't much attracted to multi-voiced things until I was a teenager. I was definitely homophonically inclined until the age of about ten, and then I suddently got the message. Bach began to emerge into my world then and has never altogether left it. It was one of the greatest moments of my life, hat Glenn Gould gesagt. Es wird manchmal vergessen, dass Glenn Gould Linkshänder war. Das gibt ihm eine größere Geläufigkeit in der linken Hand, deshalb kann er Bachs filigranes Rankenwerk für die linke Hand so akzentuieren, wie das kaum einer vor ihm getan hatte. Wahrscheinlich hat ihn deshalb Mozart wenig interessiert. Mozart is a right-handed composer, hat er gesagt, he literally does nothing with the left hand. Die Alberti Bässe Mozarts sind keine Herausforderung für Glenn Goulds linke Hand. Glenn Gould ist heute vor zweiunddreißig Jahren gestorben. Zwei Monate später ist auch Artur Rubinstein gestorben. Wie man auf dem Photo sehen kann, haben sich die beiden Pianisten einmal getroffen.

Eigentlich wollte Glenn Gould den älteren Kollegen für die Zeitschrift Look interviewen, aber der drehte bei der ganzen Fragerei irgendwann den Spieß um und befragte den Jüngeren: Suddenly you just abandoned the field... It was very strange, and I've thought a lot about it, because it is a great loss... There was never a moment when you felt that very special emanation from an audience? GG: There really wasn't.... AR: But you never felt you had the souls of those people? GG: I didn't really want their souls, you know....I certainly wasn't stimulated by their presence as such. AR: There we are, absolute opposites, you know! Wenn man das Publikum nicht braucht, dann kann man auch im Studio spielen. Nur für sich. Und für die Ewigkeit. Dank ihm kreist Johann Sebastian Bach im WeltraumI didn't really want their souls, you know. Wenn er nur wüsste. Unsere Seelen hat Glenn noch immer.

Ich habe für den heutigen Tag ein Gedicht von dem amerikanischen Dichter Stanley Plumly, es heißt schlicht und einfach Glenn Gould:

I heard him that one night in Cincinnati.
The concert hall, 1960, the same day
Kennedy flew into town in perfect sunlight
and rode the route that took him
through the crowds of voters and nonvoters
who alike seemed to want to climb
into the armored convertible.
Gould did not so much play as address
the piano from a height of inches,
as if he were trying to slow the music
by holding each note separately.
Later he would say he was tired
of making public appearances,
the repetition of performing the Variations
was killing him. But that night
Bach felt like a discovery, whose repetitions
Gould had practiced in such privacy
as to bring them into being for the first time.
This was the fall, October, when Ohio,
like almost every other part of the country,
is beginning to be mortally beautiful,
the great old hardwoods letting go
their various scarlet, yellow,
and leopard-spotted leaves one by one.

Lesen Sie auch: ➱Glenn Gould, ➱Gouldberg Variations, ➱Play Bach, ➱Klavierkonzert, ➱Fräcke, ➱Haydn: Klaviersonaten und ➱Mozarts Klaviersonaten.

Freitag, 3. Oktober 2014

Schrott


Das ist nun ein Wort, das die Verteidigungsministerin von der Leyen nicht gerne hört. Dass die Bundeswehr mit dem Wort „Schrott“ in Verbindung gebracht wird, tut mir richtig weh, hat sie gesagt. Das Photo der stolzen Ministerin, vulgo Flinten Uschi, vor der Transall im Morgengrauen gewinnt im Nachhinein eine neue Bedeutung: wahrscheinlich war diese Transall die einzige, die überhaupt fliegen konnte.

Bedingt abwehrbereit, hatte der Spiegel 1962 getitelt, das war ein Artikel, der sich auf das Fallex Manöver von 1962 bezog (lesen Sie hier mehr dazu). Da war er, der Abgrund von Landesverrat. Es folgte die schwerste Staatskrise der jungen Republik und die Spiegel Affäre. Wenn heute bald jede Zeitung Bedingt einsatzbereit titelt, geschieht nichts. Dabei ist die heutige Krise nichts Neues, alle Probleme, die man hat - von den Fregatten, U-Booten über die Hubschrauber bis zur Transall - sind ja nicht von gestern auf heute entstanden.

Vielleicht war es nie anders: Hören wir doch einmal in ein Gespräch des Obristen Christian von Massenbach, Quartiermeister der Armee des Fürsten von Hohenlohe-Ingelfingen, mit Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig (Bild) hinein. Der einundsiebzigjährige Herzog ist gerade der Oberbefehlshaber der preußisches Armee geworden, er ist allerdings ein klein wenig entscheidungsschwach. Man sollte ihn nie mit dem Herzog Ferdinand von Braunschweig verwechseln. Der kommt bei Wilhelm Raabe und in dem Post Münchhausen vor. Massenbach hat übrigens eine Lobrede auf ihn veröffentlicht. Aber nun zu dem Treffen der beiden Herren:

[Massenbach] (Sehr gelassen) Ew. Durchlaucht! ich kann die Ursachen des Mangels nicht angeben. Es ist nicht meines Amtes, die mangelhaften Einrichtungen aufzudecken, welche in so vielen Stücken Statt finden; ich kann nur das Bedürfnis anzeigen, und nur das Bedürfnis fordern. Die Zweige der Armeeverwaltung stehen nicht unter meiner Leitung. Wir haben kein Brodt, keine Fourage und keine Munition. Besonders fehlt es an Taschenmunition. Und wir müssen Brod und Fourage und Munition haben! Wie das alles geschafft werden soll, weiß ich nicht. So können wir es in Massenbachs Historische Denkwürdigkeiten Zur Geschichte des Verfalls des Preussischen Staats seit dem Jahre 1794 lesen. Der preußische König wird die Bücher Massenbachs einziehen und vernichten. Es wird nicht verwundern, dass Massenbach, der ein wenig von einem rechthaberischen Querulanten an sich hat, einer der Lieblinge von Arno Schmidt ist. Und so hat der Zweitausendeins Verlag auf dem Höhepunkt der Arno Schmidt Begeisterung in der Reihe Haidnische Alterthümer auch Massenbachs Schriften wieder auf den Markt gebracht.

Die Bundeswehr war, was die Lieferung von von Waffen (die heute Waffensysteme heißen) betraf, seit ihrer Gründung von einer Vielzahl von Affären begleitet, die in dem sogenannten HS-30 Skandal gipfelten. Ich lasse einmal die kriminellen Machenschaften eines Karl Diehl (einem Duzfreund von Franz Josef Strauß) draußen vor. Das ehemalige NSDAP Mitglied, das im Krieg mit seiner Waffenproduktion (dank der Zwangsarbeiter) riesige Gewinne gemacht hatte, war ja gleich in den fünfziger Jahren Lieferant der Bundeswehr. So ganz en passant hatte Diehl sich übrigens die Firma Junghans einverleibt. Nicht nur, weil er an das Uhrengeschäft heran wollte, nein, die Bombenzünder sind es, was ihn interessiert. Es wird in der Geschichte der Uhrenindustrie immer ein wenig totgeschwiegen, dass beinahe alle Uhrenfirmen in den Weltkriegen Bombenzünder gebaut haben. Das Bild hier zeigt das Werk einer Uhr von Karl Diehl, es ist vielleicht ein Sinnbild für die schrottige Qualität, die Karl Diehl liefert. Und die die Bundeswehr in ihren Anfängen geliefert bekam. Der Karl Diehl Konzern ist übrigens heute der drittgrößte deutsche Waffenproduzent.

Erstaunlicherweise hatte Diehl seine Finger nicht in dem Deal mit dem Schützenpanzer HS-30. Mit diesem Schützenpanzer der Firma Hispano Suiza fängt die kleine Geschichte an, die ich mal eben erzählen muss. Hispano Suiza hatte einmal luxuriöse Autos gebaut, Peter Ustinov hatte eins davon besessen (lesen Sie hier mehr), aber einen Schützenpanzer hatten Sie noch nie gebaut. Ich empfehle an dieser Stelle unbedingt die Lektüre von HS 30 - Oder wie man einen Staat ruiniert von Rudolf Augstein. Als die Bundeswehr die Lieferverträge unterschrieb, gab es nur ein Modell aus Holz und Pappe, das dem Verteidigungsausschuss präsentiert wurde. Wenn man heute den damaligen Bericht des Untersuchungsausschusses des Bundestags liest, dann weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Aber hat man aus all dem jemals etwas gelernt? Ähnlich wie diese Frage endet der Post Politische Bildung, den ich vor vier Jahren schrieb. Er hat Franz Josef Strauß zum Thema. Er lohnt die Lektüre.

Die Bundeswehr war damals sehr viel größer als heute, wir waren der treueste Verbündete des westlichen Bündnisses im Kalten Krieg. Innerhalb weniger Jahre musste die magische Zahl von 500.00 Mann erreicht werden. 1959 waren von 14.900 Bundeswehroffizieren 12.360 schon Offizier in der  Wehrmacht gewesen (und dreihundert kamen aus der Waffen-SS). Und dieser Moloch Armee musste verpflegt, bekleidet und mit Waffen ausgerüstet werden, Geld spielte dabei keine Rolle (spielt es auch heute nicht). Es war eine ideale Zeit für Wirtschaftskriminalität und militärischen Größenwahn, deren Höhepunkte der HS-30 Skandal und die Starfighter Affäre waren. Die Bundeswehr ist kleiner und übersichtlicher geworden, da sollte man meinen, dass man sie leichter unter Kontrolle bringen kann. Sind die Generäle, die die Übersicht haben, wegrationalisiert worden? Au contraire, an Generälen wird nicht gespart. Waren es vor dreißig Jahren bei einer Truppenstärke von 495.000 noch 230 Generäle, so haben wir heute bei einer Truppenstärke von 220.000 immerhin noch etwas mehr als zweihundert. Das ist ein schöner Beweis für die Richtigkeit des ➱Gesetzes von ➱Northcote Parkinson, der das nach ihm benannte Gesetz ja einmal aus dem Ansteigen der Zahl der englischen Admiräle in Relation zu der schwindenden Zahl der Schlachtschiffe abgeleitet hatte.

Auf dem Papier sah damals ja alles wunderschön aus - heute wahrscheinlich auch. Lassen Sie sich nicht erzählen, dass irgendetwas nicht vorhanden ist, wenn Sie zu ihren Einheiten zurückkehren, bekamen wir auf der Heeresoffizierschule gepredigt. Alles, was in der STAN [Stärke- und Ausrüstungsnachweisung] steht, ist auch vorhanden. Ich werde diesen Satz nie vergessen. Er passt so schön zu Brechts Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch'nen zweiten Plan Gehn tun sie beide nicht. Die Strumpfhosen, die wir als Filter beim Betanken des Panzers über den Tankstutzen zogen, standen übrigens nicht in der STAN, die wurden aus der eigenen Tasche bezahlt.

Als ich Fähnrich und Zugführer wurde, war ich der stolze Befehlshaber über fünf Hispano Suiza Schützenpanzer. Die auch alle liefen. Jeder Panzerfahrer wusste, wie er seinen HS-30 in zwei Minuten lahmlegen konnte, aber jeder wusste auch, wie man ihn wieder zum Laufen bringen konnte. In meinem Bataillon liefen beinahe alle Panzer, sowohl die HS-30 wie die alten M-48 (die noch Einschusslöcher aus dem Korea Krieg hatten) in der 5. Kompanie. Wahrscheinlich durften wir deshalb an so vielen Manövern teilnehmen, weil wir schon damals eine Ausnahme waren. Darüber will ich jetzt nicht reden, auch nicht über den ganzen Schrott bei den Funkgeräten und Batterien, den man der Bundeswehr angedreht hatte. Ich möchte von der 20mm Kanone Hispano-Suiza 820 L/85 reden. War ein zuverlässiges Ding. Selten blieb ein Schuss im Rohr stecken. Für den Fall heißt es in der Dienstvorschrift: die Besatzung verlässt ohne Hast das Fahrzeug. Ich habe es nur einmal erlebt, wir waren dann aber etwas hastiger, als die Vorschrift es vorsah.

Wir hatten gerade den Befehl bekommen, dass wir für die nächsten drei Monate nach Frankreich verlegt wurden. Darüber habe ich schon in dem Post Élysée Vertrag geschrieben. Ich gab Französischunterricht für Anfänger, verbunden mit einigen Grundwahrheiten: dass man Pernod (oder Ricard) immer mit Wasser verdünnt und solche Sachen. Zu meinem Glück als frisch gebackener Zugführer fehlte mir nur eine Handvoll von kleinen Gummibolzen. Die gehörten in die 20mm Kanone, ohne die funktionierte der Verschluss der Kanone beim Rückstoss nicht. Aber es gab auf dem Dienstweg keine Gummibolzen. Vor Jahren bestellt, nie geliefert, angemahnt.

Es sind ja immer diese kleinen Details. Man kennt das. Meine Uni hat vor Jahren eine -zigtausend Euro teure Uhrenanlage von Patek Philippe weggeschmissen, an der nur, wie ein Durchmessen durch den Uhrmacher ergab, ein elektrischer Widerstand kaputt war. Großhandelspreis 60 Cent (lesen Sie hier alles dazu). Der Stabsunteroffizier Frenz von der Waffenkammer, der mein Ausbilder in der Grundausbildung gewesen war, sagte mir: Ich würde Dir ja gerne welche geben, aber ich habe keine mehr. Wir duzten uns, am Ende der Grundausbildung hatten wir Brüderschaft getrunken, das hält lange beim Bund.

Die Bundeswehr wird regelmäßig inspiziert. Wenn die Inspekteure kommen, ist alles da. So, wie es in der STAN steht. Weshalb? Weil sich die Einheiten, die inspiziert werden, das alles für diese Tage überall zusammengeliehen haben. Die Potemkinschen Dörfer dienen da immer noch als Vorbild. Ich kannte einen Kompaniechef, der am Abend vor der Inspektion mit einer Handvoll Soldaten siebzehntausend Schuss Gewehrmunition im Wald vergraben hat. Waren plötzlich zuviel da, keiner weiß, wie das kam. Aber der StUffz Frenz hatte einen Tip für mich. Und dieser Tip hieß Obergefreitendienstweg. Im Technischen Bereich da gäbe es einen Feldwebel, der würde alles Mögliche horten. Er trinkt gerne DAB, rief StUffz Frenz mir noch nach. Mit Bier kannte er sich aus, einmal im Jahr zerkaute er bei einer Kompaniefeier ein Bierglas und aß es. Ich weiß nicht, ob das gesund war, aber es war eine tolle Shownummer. Der Feldwebel X im T-Bereich hatte natürlich, was auf dem vorgeschriebenen Dienstweg nicht zu bekommen war. Eine ganze Schachtel davon. Ich habe noch einige zur Reserve mitgenommen. Hat mich zwei Kästen Dortmunder Actien Bier gekostet.

Und da ich das Wort Inspektion mehrfach gebraucht habe, wo ist eigentlich der Generalinspekteur der Bundeswehr? Der ist heutzutage so merkwürdig still (auf diesem Bild wirkt er ein wenig ratlos). Wagen die Generäle nichts mehr zu sagen, seitdem der Manfred Wörner einen General öffentlich desavouierte? An dessen Grab hielt der Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan die Trauerrede. Der wurde später von dem Unteroffizier der Reserve Dr (damals noch) von und zu Guttenberg gefeuert.

Als ich in den sechziger Jahren Joseph Hellers Antikriegsroman Catch-22 las, fühlte ich mich bei der Figur des Leutnants Milo Minderbinder mit seinen M & M Enterprises an den Feldwebel X im T-Bereich erinnert. Milo Minderbinder schafft alles heran, allerdings hat das System kleinere Mängel. Wenn Captain Yossarian seinen Fallschirm sucht, findet er nur einen Zettel, auf dem What's good for M & M Enterprises is good for the country. Milo Minderbinder steht. Die Fallschirmseide ist längst in Alexandria verkauft wordenDie Milo Minderbinders gibt es nicht nur in Joseph Hellers Roman. Die gibt es überall im System, auch wenn sie Schalck-Golodkowski heißen. So einen Milo Minderbinder brauchte die Uschi jetzt. Dann hätte sie nächste Woche auch Hubschrauber, die fliegen. Die wären zwar gelb, und es stände ADAC drauf, aber fliegen würden sie alle.

Die Kanzlerin hat der Ministerin die volle Unterstützung zugesagt. Ich nehme mal an, dass das gelbe Karte bedeutet. Wenn die Kanzlerin jemandem das volle Vertrauen ausspricht, dann ist es bekanntlich aus. Und für den nächsten Phototermin der Ministerin möchte ich einen Ort wie Charlottenhof bei Görlitz vorschlagen. Dort wurden die Panzer der NVA verschrottet, die haben da in so etwas Erfahrung. Wir sollten die mangelnde Einsatzfähigkeit der Bundeswehr nicht beklagen: das Ganze ist doch eine Sternstunde des Pazifismus.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Alfred Wallis


In den Romanen von ➱Rosamunde Pilcher kommt die kleine Hafenstadt St Ives in Cornwall sehr oft vor. Das kann nicht verwundern, die Autorin wurde ganz in der Nähe geboren. Allerdings heißt St Ives (das auch in den deutschen Fernsehfilmen häufig ins Bild gerückt wird) in ihren Romanen Porthkerris und sieht ganz bestimmt nicht so aus wie auf diesem Bild von Alfred Wallis. Eine bedeutendere ➱Autorin als Rosamunde Pilcher hat die Sommer ihrer Jugend immer in St Ives verbracht und den Ort in ihren Roman Jacob's Room hineingeschrieben. Vielleicht ist To The Lighthouse auch eine Erinnerung an St Ives. Diese Darstellung von St Ives ist nicht das Ergebnis eines Malwettbewerbs in einer Kita, das Bild gehört der Tate Gallery, die seit 1993 einen kleinen ➱Ableger am Porthmeor Beach hat.

Das hat natürlich einen Grund. Seit den zwanziger Jahren ist St Ives eine Künstlerkolonie, oder wie es in dem BBC Film The Art of Cornwall (➱hier in sechs Teilen bei YouTube) so schön heißt: for a few dazzling years this place was as famous as Paris, as exciting as New York and infinitely more progressive than London. Es gab in der Hafenstadt auch eine St Ives Society of Artists, von der sich allerdings nach künstlerischen Streitigkeiten 1948 die Penwith Society of Artists abspaltete.

Also, die Perspektive hat er nicht gerade erfunden, der Amateurmaler ➱Alfred Wallis, von dem diese drei Bilder sind. Er ist Hochseefischer gewesen, Schellfisch, Heringe und Makrelen. Später hat er in St Ives einen kleinen Laden gehabt, Schiffsausrüster nannte man so etwas bei uns im Ort. Wo man vom Marlspieker bis zum Schäkel alles kaufen konnte. Als seine Frau starb, hat der Eigenbrötler angefangen zu malen, for company. Das war im Jahre 1922, Wallis war siebenundsechzig Jahre alt. Er hatte niemals Unterricht im Zeichnen gehabt, er malte die maritime Welt so wie er sie sah.

Nicht auf Leinwand, er malt auf Karton und Packpapier. Was gerade zur Hand ist. Er malt mit der Farbe, die er im Laden hat. Wahrscheinlich war das hochgiftiges Zeug, alles was auf Schiffen dem Wasser und dem Wetter standhalten soll, ist damals hochgiftig. Einige hundert Kilometer entfernt von St Ives wohnt ein Mann aus meinem Heimatort, der mit einem neuartigen Schutzanstrich für Schiffe ein Vermögen gemacht hat. Jetzt ist aus dem Wilhelm Hartmann aus Vegesack ein englischer Gentleman namens William Hartmann geworden, er hat einen Landsitz, sogar Friedensrichter ist er.

Vielleicht hat Alfred Wallis seine Farbe im Regal stehen. Wallis malt seine Schiffe aus seiner Erinnerung. Wahrscheinlich träumt er von Schiffen. Der Maler Ben Nicholson sagte über die Bilder: to Wallis, his paintings were never paintings but actual events. Manchmal ist Wallis auch ein wenig wahnsinnig. Viele Künstler sind das auch. Die Bilder bedeuten Wallis viel, über die Heringslogger von St Ives hat er einmal gesagt: each boat of the fleet had a soul, a beautiful soul shaped like a fish. Das, was wichtig ist, kommt auf den Bildern nach vorne. Perspektive interessiert ihn nicht. i do most what used To Be what we shall never see no more… schrieb er an den Maler und Sammler Jim Ede. Wallis bewahrt eine maritime Tradition auf, so wie ein nach England emigrierter Pole namens ➱Joseph Conrad, der auch in Südengland lebt, die untergehende Welt der Segelschiffe in seine Romane hineinschreibt.

Dieses Bild (China Dogs in a St Ives Window) ist nicht von Alfred Wallis, das ist von einem berühmt gewordenen englischen Maler. Der Malerei studiert hat und Picasso und Jean Cocteau kennt. Der englische Maler Augustus John hatte ihn zur Malerei gebracht. Über Augustus John würde ich gerne einmal schreiben, das scheitert aber daran, dass ich seit anderthalb Jahren die Biographie von Michael Holroyd nicht wiederfinden kann. Es gibt bisher nur ein einziges Bild von Augustus John in diesem Blog, das ist die Cello spielende Dame im roten Kleid im Post ➱Bachs Cellosuiten. Der junge Maler, den Augustus John so beeinflusst hat, heißt ➱Christopher Wood.

Im Jahre 1928 war er (hier ein Selbstportrait) zusammen mit dem Maler Ben Nicholson in St Ives. Die beiden entdecken jetzt den Amateurmaler Alfred Wallis: On our way back from Porthmeor Beach we passed an open door in Back Road West and through it saw some paintings of ships and houses on odd pieces of paper and cardboard nailed up all over the wall, with particularly large nails through the smallest ones. We knocked on the door and inside found Wallis, and the paintings we got from him then were the first he made. Danach malt Christopher Wood im Stil von Wallis. Man nennt diese Kunstrichtung Primitivismus, sie ist jetzt modern. Das Bild China Dogs in a St Ives Window, das zwanzig Jahre lang im Wohnzimmer von Ben Nicholson hing, hat Wood allerdings schon zwei Jahre vor der schicksalhaften künstlerischen Begegnung von 1928 gemalt. We walked home in the high skies. Here was England's first painter. His vision is true. His grasp is real. His power is life itself, wird Ben Nicholsons Ehefrau, die Malerin Winifred Nicholson, nach einer Vernissage der Bilder von Wood im Jahre 1926 sagen.

Hatte er schon vorher Bilder von Alfred Wallis gesehen? Nein, sein neugewonnener Primitivismus hat ganz andere Wurzeln. Und die heißen Henri Rousseau und der Fauvismus. Vielleicht auch Opium, das er durch Cocteau kennengelernt hat. Seine Drogensucht beflügelt seine Produktion, trägt aber auch wohl zu seinem frühen Tod bei. Er will das Opium aufgeben, als er die Liebe seines Lebens, eine Russin namens ➱Frosca Munster kennenlernt, die Entzugserscheinungen führen zu Wahnvorstellungen. Am 21. August wirft er sich in Salisbury unter einen Zug. Die Eisenbahn erklärt den Selbstmord auf Wunsch der Mutter zu einem Unglücksfall.

Das Leben Christopher Woods hätte auch in den Roman A Dance to the Music of Time gepasst. ➱Anthony Powell hat ihn gekannt, aber er hat ihn nicht in den Roman hineingeschrieben. Doch der Komponist Constant Lambert, den Wood hier portraitiert hat (es ist das Lieblingsbild von Bruce Oldfield, lesen Sie ➱hier mehr dazu), mit dem war Powell befreundet. Er hat ihn als Hugh Moreland in A Dance to the Music of Time hineingeschrieben. Und falls Sie noch nie Musik von Constant Lambert gehört haben, hören Sie doch einmal in ➱The Rio Grande hinein. Hat aber nichts mit dem gleichnamigen ➱Western mit John Wayne zu tun.

Die Mutter hat das Leben des Dandys Christopher Wood bestimmt, der von einem dilettierenden Maler zu einem richtigen Maler geworden war. In den entscheidenden Jahren seiner Jugend war sein Vater weit weg, der war als Sanitätsoffizier im Ersten Weltkrieg. Dieses Bild heißt Le Phare, ein phare ist im Französischen ein Leuchtturm, aber hier ist gar kein Leuchtturm zu sehen (wenn Sie alles über Leuchttürme wissen wollen, klicken Sie doch einmal ➱Leuchttürme an). Auf diesem ➱Bild heißt nur die Zeitung Le Phare. Der englische Maler Jim Ede war von dem Bild begeistert: The picture is essentially a thing of itself. It is the sea, in terms of paint, and boats too, and beyond this is the world of the artist's thought.

Es hängt heute wie viele andere Bilder von Kit Wood in dem ➱Kettle's Yard Museum in Cambridge, das Ede ab 1956 aufgebaut hat. Das Haus (in dem auch Bilder von Ben Nicholson und Alfred Wallis zu finden sind) ist eine Art Gesamtkunstwerk. Nach dem Willen seines Schöpfers sollte es nicht an art gallery or museum, nor ... simply a collection of works of art reflecting my taste or the taste of a given period sein. It is, rather, a continuing way of life from these last fifty years, in which stray objects, stones, glass, pictures, sculpture, in light and in space, have been used to make manifest the underlying stability.

Das Bild Herringfisher's Goodbye muss ich mal eben abbilden, weil es mir eine Gelegenheit gibt, etwas über Heringe zu schreiben. Mein Vater mochte sie sehr gerne, ich nicht. Aber es half nichts, es gab bei uns jeden Freitag Fisch wie es in Bremen so üblich war. In der Lesummündung lag damals die größte Heringsloggerflotte Europas. Die Logger hatten keine Namen, nur ein BV (für Bremen Vegesack) und eine Nummer. Es waren seltsame Leute an Bord der Logger. Der Schiffahrtshistoriker Ulrich Welke berichtet in seinem exzellenten Buch Der Kapitän: Die Erfindung einer Herrschaftsform von einem exzentrischen Loggerkapitän, der während der ganzen Seereise nur in Unterwäsche auf der Brücke herumlief, welche Berichten seiner Mannschaft zufolge eines Schifführers nicht würdig gewesen sein soll. Das Privileg, sich zu kleiden, wie er wolle, unterstrich der Kapitän dadurch, dass er, wenn er an und von Bord ging stets wie ein englischer Gentleman gekleidet war.

Ein Bremer Politiker hat einmal eine Loggerreise auf einem Vegesacker Kutter mitgemacht, um seine Volksnähe zu betonen. Er musste kurz nach dem Auslaufen von einem Seenotrettungskreuzer mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus nach Bremerhaven gebracht werden. Trotz aller Skandale wird er sich jahrelang in der Regierung halten. Er wird eines Tages wegen Trunkenheit am Steuer zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Und man wird später dem Senator a.D. mit 54 Jahren das volle Ruhestandsgehalt zahlen, das sorgt in Bremen für einen Skandal. Er beendete seine politische Karriere in der Nacht vor einer Bundesratssitzung volltrunken in einem Bonner Bordell. Laut seiner Version ist er nachts von drei Rockern in Lederjacken überfallen worden, was die Zeit zu einem Hetzartikel gegen Motorradrocker veranlasst. Die Bonner Polizei sieht die ➱Geschichte ein klein bisschen anders. Zwei Monate später erklärt Hermann Wolters sein Ausscheiden aus dem Senat. Wir tun in Bremen immer so, dass bei uns die Welt hanseatisch ehrlich und in Ordnung ist. Aber das stimmt nicht so ganz. An Bord von Heringsloggern ebenso wenig wie im Bremer Senat. Die Geschichte musste mal eben erzählt werden, im Wikipedia Artikel steht kein Wort davon.

Ohne dass er das je gewollt oder je erträumt hat, ist der Amateurmaler Alfred Wallis aus St Ives zu einem Mittelpunkt der englischen Malerei der zwanziger und dreißiger Jahre geworden (es gibt ➱hier einen sehr schönen Post dazu). Aber der Ruhm in den Kreisen der Avantgarde bringt ihm nichts ein, er verkauft nur wenige Bilder und wird 1942 im Armenhaus von St Ives sterben. Heute reißen sich die Museen nach seinen Bildern.

Der Grabstein für Christopher Wood wurde entworfen von Eric Gill. Der gilt als Englands größtes graphisches Talent im 20. Jahrhundert. Ich habe einmal Bilder von ihm in einer Ausstellung gesehen und war sehr beeindruckt. Aber damals wusste ich auch noch nicht, dass dieser religiöse Spinner jahrelang seine Töchter mißbraucht hat. Und deshalb gibt es hier nichts von Eric Gill. Aber ein Photo von dem kleinen Heringsfischer aus St Ives, der Christopher Wood und Ben Nicholson beeinflusst hat, das darf hier nicht fehlen.

Die Malerin Elaine Pamphilon (*1948) lebt in St Ives. Sie malt in einer Tradition, in der man die Spuren von Alfred Wallis, Kit Wood und Ben Nicholson noch erkennen kann. Dieses Bild heißt Christopher Wood's China Dog, es hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem Bild China Dogs in a St Ives Window von Wood. Aber es ähnelt natürlich den Kapitänshunden, wie wir sie aus norddeutschen Hafenstädten kennen. Und natürlich haben die ➱Kapitänshunde hier längst einen Post.

Einen Grabstein von einem Künstler wird Alfred Wallis nach seinem Tod ebenso wie Christopher Wood bekommen. Der Töpfer Bernard Leach hat ihm aus gebrannten Fliesen, einen schönen Grabstein entworfen. Alfred Wallis Artist & Mariner Into Thy Hands O Lord ist darauf zu lesen. Acht Jahre vor seinem Tod schreibt Wallis, der malt um nicht einsam zu sein, einen Brief an Jim Ede. Der ist der einzige, der beständig seine Bilder kauft und eines Tages sogar ein Museum für sie haben wird. Es ist ein in seiner Schlichtheit rührender Brief:

Dear Sir
Receved your letter all Right with Thanks
glad you are pleased with The paintins
i have got a few more
i will send Them on so you shall have Them in Time
They was not Dry
i have got 3 or 4 Big ones
They are Two Big to send By pos
i should like for you To see Them
i do most what used To Be
what we shall never see no more
avery Thing is altered
so i must Clos for The Time
with all good wishes
from your friend alfred wallis


In dem Post ➱Heringe gibt es noch mehr zu Alfred Wallis.