Montag, 10. August 2026

die Birnen in Nachbars Garten


Der Post Mitleid mit der KI hat bei vielen Lesern eine gewisse Heiterkeit hervorgerufen. Mein Freund Friedhard schrieb mir zu dem Thema: Lieber Jay! Ein einziger Versuch reicht mir, sie in dem Mülleimer zu lassen, in den sie gehört. Meine Frage war: Wer oder was ist 'Die Köstliche von Charneux'? Richtige Antwort: Eine alte Birnensorte, heute eher bekannt als 'Bürgermeisterbirne'. Antwort der KI: 'eine Erzählung von Georges Simenon'. Heitersten Gruß Dein Friedhard. Googles KI hat inzwischen etwas gelernt, sie kennt jetzt schon die richtige Antwort. KI und Birnen brachten mich auf die Birnen in Nachbars Garten. den Titel dieses Posts. Es geht hierbei nicht um das berühmte Gedicht von Theodor Fontane, nein, unsere Nachbarn (in dem Haus links auf dem Photo) hatten Birnbäume im Garten. Diese Birnen, über den Gartenzaun geschenkt, waren ein Teil meiner Jugend. 

Als Googles KI neu war, gab ich unseren Nachbarn, den Oberingenieur Bruno Trube vom Bremer Vulkan, dort ein. Erfuhr, dass es ihn nicht gibt: Der Begriff 'Trube Bremer Vulkan Vegesack' bezieht sich auf die Bremer Vulkan-Werft in Bremen-Vegesack, einem Stadtteil von Bremen, der für seine maritime Geschichte bekannt ist. Der Begriff 'Trube' ist hierbei nicht offiziell, sondern bezieht sich wahrscheinlich auf die dunklen Zeiten und den Konkurs des Unternehmens. Es ist immer wieder interessant zu sehen, was sich die KI aus den Fingern saugt und von Trube zum Trüben kommt. Allerdings steht Bruno Trube schon seit 2017 in meinem Blog, das hätte die KI lesen können:

Ich bin über die genauen Daten aller Stapelläufe immer bestens informiert. Mein Vater hat viele Werftarbeiter als Patienten, und die erzählen ihm alles, was auf der Werft so läuft. Und unser netter Nachbar Bruno Trube mit den hübschen blonden Töchtern (beide Stewardessen, ein neuer Beruf in den fünfziger Jahren, aber leider beide zu alt für mich) ist Oberingenieur beim Vulkan. Der weiß auch alles über die Werft. Nach seinem Tod wird ein richtiger Vulkandirektor neben uns einziehen, durch den ich eines Tages auch den Besitzer des Bremer Vulkans, den Baron Hans Heinrich Thyssen, kennenlernen werde. Natürlich auf der Strandstraße. In einem kleinen Ort wie diesem braucht man eigentlich keine Zeitungen und kein Radio, alles wird weitererzählt. Den Skandal um den planlosen Umbau des Tenders 'Neckar' für die Bundesmarine erzählen die Lürssen Arbeiter meinem Vater Jahre bevor der Bundesrechnungshof merkt, was das den Steuerzahler gekostet hat.

Gut, da fehlen jetzt die über den Zaun geschenkten Birnen, die ich nie vergessen habe. Ich weiß allerdings nicht, ob es die Köstlichen von Charneux waren. Und die hübschen blauen Lufthansa Uniformen seiner beiden Töchter habe ich auch weggelassen. Auch die Geschichte, wie Bruno Trube zwei auf dem Bürgersteig vor seinem Haus kopulierende Hunde mit einem Eimer Wasser voneinander trennte, was mir als kleinem Jungen großen Eindruck machte. 

Wenn ich Googles KI heute nach Bruno Trube frage, erfahre ich mehr als im Oktober des letzten Jahres: Bruno Trube war ein deutscher Ingenieur, der als Oberingenieur bei der renommierten Großwerft Bremer Vulkan in Bremen-Vegesack tätig war. Hintergrund und Wirken Berufliche Rolle: Als Oberingenieur gehörte Bruno Trube zum erweiterten Führungskreis und zu den technischen Wissensträgern der Werft. Er galt in seinem Umfeld als ausgewiesener Experte, der tiefen Einblick in sämtliche Abläufe, Konstruktionen und Interna des Schiffbauunternehmens besaß. Zeitliche Einordnung: Seine aktive Zeit und sein Leben in Bremen-Nord fielen in die Nachkriegszeit sowie in die Jahre des deutschen Wirtschaftswunders (1950er Jahre). Zu dieser Zeit erholte sich der Bremer Vulkan im Vergleich zu anderen zerstörten Werften wie der AG Weser sehr schnell und entwickelte sich zügig zu einer voll wettbewerbsfähigen Großwerft. Privates: Trube lebte mit seiner Familie in der direkten Nachbarschaft von Werftangestellten und späteren Vulkan-Direktoren in Bremen. Seine beiden Töchter arbeiteten in den 1950er Jahren in dem damals noch sehr neuen Berufsfeld der Stewardess. Der Link im Text führt zu meinem Blog, bei dem sich die KI dankbar bedient hat. 

Getretener Quark wird breit, nicht stark, sagt uns Goethe. Google hat drei Fakten, Namen und Beruf von Bruno Trube und die beiden Töchter bei der Lufthansa. Der Rest ist frei erfundenes KI Gesülze: Als Oberingenieur gehörte Bruno Trube zum erweiterten Führungskreis und zu den technischen Wissensträgern der Werft. Er galt in seinem Umfeld als ausgewiesener Experte, der tiefen Einblick in sämtliche Abläufe, Konstruktionen und Interna des Schiffbauunternehmens besaß. Klingt toll, sagt in Wirklichkeit gar nichts und ist in Details immer wieder falsch: Bruno Trube lebte mit seiner Familie keineswegs in der direkten Nachbarschaft von Werftangestellten und späteren Vulkan-Direktoren. Die Werftangestellten lebten einen Kilometer weiter unten neben der Werft. Hier oben waren nur →Kapitänshäuser, wie ich schon einmal schrieb: Die Kapitäne waren stolz auf ihre Haustüren, deren Holz sie aus der Südsee mitgebracht hatten. Nebenan, wo damals der Oberingenieur vom Vulkan Bruno Trube wohnte, hat einmal Dr Albrecht Roth sein Haus gehabt. Der hatte am Weserufer einen Park angelegt. Das Land für den Park schenkt ihm der König von England (wir gehörten damals nicht zu Bremen, sondern zum englischen Hannover), der auf den jungen Forscher aufmerksam geworden ist. Er könne soviel Land haben, als er bebauen könne und wolle. 

Der Werftdirektor, der nach den Trubes in dem Haus neben uns wohnte, war Dr Ado Schiff (1922-1999). Der wird auch schon in dem Post Wittheit erwähnt: es gibt auch Themenbände. Wie diesen hier: 'Lebensraum Bremen-Nord: Geschichte und Gegenwart', 1989 bei Heinrich Döll in Bremen erschienen. Darin schrieb unser Nachbar Dr Ado Schiff über die Werften des Ortes, das fiel ihm leicht, denn er war der Direktor des Bremer Vulkans. Wenn ich Ado Schiff bei Googles KI eingebe, bekomme ich ein Schiff namens Adora geliefert. Ich weiß inzwischen, dass Googles KI selten wirklich gute Ergebnisse liefert, aber immer für Heiterkeit sorgt. Wahrscheinlich sind die besten bisherigen Ergebnisse der KI die KI Schlampen auf den Pornoseiten.

Als Ado Schiff den Vulkan verließ, zog er angeblich in eine neugebaute Villa in Leuchtenburg, in der es goldene Wasserhähne gab. Das Kleinstadtgeschwätz bringt erstaunliche Dinge zustande, Erzählungen, die den Wahrheitsgehalt eines KI Artikels haben. Dr Ado Schiff, ein gebildeter, eleganter Mann, war nach Augsburg gezogen. Wo er im Ruhestand eine Geschichte seiner ursprünglich jüdischen Elsflether Reederfamilie schrieb. In drei Bänden, die alle in Augsburg erschienen: Der literarische Nachlass meines Großvaters Adolf Schiff, Die Reedereien von Joseph und Adolph Schiff 1841 bis 1907 und Die Familiengeschichte der Schiffs zu Elsfleth. Man kann die Bände antiquarisch noch finden.

In meinem Heimatort schien jeder ein Kapitän zu sein, alle Männer trugen Elbsegler oder Prinz Heinrich Mützen (mein Vater auch). Viele standen den halben Tag am Anleger der Dampfer der Schreiber Reederei oder am Utkiek und guckten auf das Wasser. So wie es Herman Melville im Kapitel Loomings von Moby-Dick beschreibt: Look at the crowds of water gazers there ... Posted like silent sentinels all around the town, stand thousands upon thousands of mortal men fixed in ocean reveries. Dies ist nicht New York, dies ist eine kleine Hafenstadt an der Weser, mit Heringsloggern, Werften und Segelmachern. Es sind auch keine tausende, die da stehen. Bestenfalls zwei Dutzend, aber auch sie haben ihre ocean reveries. Man könnte sie für Arbeitslose halten, die nichts mit sich anzufangen wissen, aber die meisten von ihnen sind wirklich zur See gefahren. Viele als Kapitän oder Steuermann. Sie haben alle diesen leeren Blick in die Ferne. Dieser Mann hier heißt Friedrich Hennemann, er hat diesen leeren Blick, weil er den Bremer Vulkan ruiniert hat. 

Hennemann war gelernter Apotheker. Dank seines SPD Parteibuchs wurde er Senatsdirektor und eines Tages Direktor des Vulkans. Er war ein Mann der ganz großen Pläne, hatte Visionen wie Donald Trump, der den Gazastreifen zur Riviera des Nahen Ostens machen wollte. Hennemann träumte davon, durch  Diversifizierung einen weltumspannenden maritimen Technologie Konzern schmieden zu können. Die örtlichen Zeitungen höhnten, dass er sich offenbar einbilde, wie Jesus über das Wasser laufen zu können. Hennemann hätte lieber Petronius lesen sollen: Si bene calculum ponas, ubique naufragium est. Wilfried Huismann und Klaus Schlösser haben über den Chef der Vulkanesen den Film Machtspieler: Friedrich Hennemann und der Untergang des Bremer Vulkan gedreht, der 1999 zu Recht den Grimme Preis erhielt.

Den Baron Heini Thyssen (hier von Lucian Freud gemalt), der mir einmal die Hand geschüttelt hatte, interessierte der Untergang der Werft nicht, der hatte schon 1980 begonnen, sich von seinen Aktien zu trennen. Aber das Ende der Werft war nicht unvermeidlich. Auf der anderen Weserseite, gegenüber vom Vulkan, zeigt die Werft von Fidi Lürssen, dass man bis heute mit Erfolg Schiffe bauen und verkaufen kann.


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