Samstag, 29. August 2026

kleine Revolutionen


Heute vor 240 Jahren hat eine gut organisierte Truppe von Siedlern aus Massachusetts, die sich in Anlehnung an die →Regulatorenbewegung in North Carolina Regulatoren nennen, verhindert, dass der County Court in Northampton tagen konnte. Die Rebellion von Captain Daniel Shays hatte begonnen. Thomas Jefferson fand die Rebellion von Captain Shays damals nicht so schlimm: I hold it that a little rebellion now and then is a good thing. Und er hat auch gesagt: The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure

George Washington dagegen fand das Ganze nicht so witzig, er wittert die Anarchie: if three years ago any person had told me that at this day, I should see such a formidable rebellion against the laws & constitutions of our own making as now appears I should have thought him a bedlamite - a fit subject for a mad house. Und er sagt weiter in seinem Brief an Henry Knox: The moment is, indeed, important! – If government shrinks, or is unable to enforce its laws; fresh maneuvers will be displayed by the insurgents – anarchy & confusion must prevail – and every thing will be turned topsy turvey in that State; where it is not probable the mischiefs will terminate.

George Washington will mehr Macht für die Bundesregierung. Aus der Rebellion von Daniel Shays (von dem wir kein einziges Bild haben, das hier links soll er sein) wird die amerikanische Verfassung entstehen, die regelt, welche Macht der Bund und welche Macht die Länder haben. Die Macht der Bundesregierung wird Washington acht Jahre später demonstrieren. Denn im Jahre 1794 gibt es nicht nur eine Revolution in Frankreich, es gibt auch eine kleine Revolution in Amerika. Am 7. August 1794 zogen mehrere tausend bewaffnete Getreidebauern und Whiskybrenner in die Nähe von Pittsburgh, um gegen die Steuern auf ihren selbstgebrannten Whisky zu protestieren. Das, was wir heute die Whiskey Rebellion nennen, hatte schon 1791 begonnen, mit dem Marsch auf Pittsburgh erreicht der Aufstand seinen Höhepunkt. Das kann der Staat nicht durchgehen lassen, denn every thing will be turned topsy turvey in that State.

Präsident George Washington zieht noch einmal die neue Generalsuniform an, die er sich nach dem Vorbild der alten Uniform der Continental Army hatte schneidern lassen. Und setzt sich aufs Pferd, um mit 13.000 Mann höchstpersönlich die aufrührerischen Schwarzbrenner zur Raison zu bringen. Jetzt kommandiert er gegen die eigenen Landsleute mehr Soldaten, als er in den Schlachten gegen die Engländer zur Verfügung hatte. 

Er beruft sich dabei auf die Militia Acts aus dem Jahre 1792. Nach denen kann der Präsident die Miliz einberufen whenever the United States shall be invaded, or be in imminent danger of invasion from any foreign nation or Indian tribe. Man muß in Amerika das Recht ein wenig dehnen, das beginnt nicht erst mit einem Präsidenten, der Donald Trump heißt. Es ist schwer, an imminent danger of invasion from any foreign nation or Indian tribe zu sehen. Indianer und fremde Mächte sind hier weit und breit nicht zu entdecken. Nur Amerikaner. Es ist das erste Mal in der noch jungen Geschichte der Vereinigten Staaten, dass das Militär gegen das eigene Volk marschiert. Es war auch das erste und einzige Mal, dass ein amerikanischer Präsident eine Armee kommandiert.

Auf welche Gesetze sich dieser Präsident hier beruft, der niemals auf einem Pferd ein Heer kommandiert hat, wenn er Milizen in Uniform gegen seine eigenen Landsleute marschieren läßt, ist vielen Amerikanern unklar. Das Aux armes, citoyens! Formez vos bataillons! der Marseillaise steht so nicht in der amerikanischen Verfassung. Der dreifache Pulitzer Preisträger Thomas Friedman, der für die New York Times schreibt, hat gesagt: Some presidents, when they get into trouble before an election, try to ‘wag the dog’ by starting a war abroad, Donald Trump seems ready to wag the dog by starting a war at home. Und Nancy Pelosi fragte sich, ob Amerika eine Bananenrepublik geworden ist. Das fragte sich auch Robin Wright im New Yorker. Was soll man dazu sagen? Genügt ein einfaches Ja?

Die Whiskey Steuer hebt der Kongress im Jahre 1802 wieder auf. Davon werden die Erben von George Washington profitieren, denn in seinem Todesjahr macht seine Whiskey Destillerie in Mount Vernon einen Profit von 7.500 Dollar. Die Whiskey Rebellion der 1790er Jahre ist immer noch nicht ganz vergessen. Hören wir doch mal Joan Baez zu, wenn sie sagt: Now I'll sing a song dedicated to the Internal Revenue Service. The Infernal Revenue Service. The Eternal Revenue Service. Anyway, they come and they take your money away. Und dann singt sie Copper Kettle

My daddy he made whiskey
My granddaddy did too
We ain't paid no whiskey tax
Since Seventeen Ninety Two

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