Donnerstag, 10. August 2017

Jeanne Moreau


Ach, was war sie da noch jung, als sie 1954 neben Lino Ventura und ▹Jean Gabin in ✺Touchez pas au grisbi (Wenn es Nacht wird in Paris) eine kleine Nachtclubsängerin spielt, die die Geliebte des Gangsterbosses ist. Die beiden Herren sind übrigens schon in dem Post ▹Lino Ventura zu sehen. Ich mag Touchez pas au grisbi auch deshalb, weil Larry Adler (der ▹hier schon einen Post hat) da Mundharmonika spielt, unübertroffen. Und natürlich, weil Ventura und Gabin ungeheuer elegante Anzüge trugen. Das war damals der ▹französische Film: schöne Frauen, elegante Männer und gute Filmmusik.

Jeanne Moreau hatte es mit der Nacht und der Dunkelheit, auf die ✺Szene mit dem nächtlichen Paris und der Musik von ▹Miles Davis hatte ich schon letztens in dem Post Lush Life hingewiesen. Und die meisten Zuschauer werden es nicht bemerkt haben, dass sie auch mit einer ganz kleinen Rolle 1959 in ✺Les quatre cents coups zu sehen ist. Da kommt sie in der Nacht aus dem Haus in der Rue Montmartre (Nummer 146) und sucht ihren Hund. Damals verhandelte Truffaut schon mit ihr über den Film ✺Jules und Jim, und wo sie schon mal da war, konnte sie auch in Sie küßten und sie schlugen ihn mitspielen. Den Film hatte unser Direktor damals für den ▹Schülerfilmclub empfohlen. Nicht weil er das Talent des jungen Truffaut entdeckt hatte, nein, aus rein pädagogischen Gründen.

Mit ✺Fahrstuhl zum Schafott war sie berühmt geworden, mit ✺Gefährliche Liebschaften (einem Film, der schon einen ▹Post hat) noch berühmter. Aber ganz wirklich berühmt wurde man damals nur, wenn man in einem Antonioni Film mitspielte. Der italienische Regisseur hat hier natürlich mit ▹Antonioni einen Post, wo sich auch die Links zu den Antonioni Filmen finden, die mich damals beeindruckt haben. Nicht ▹Blow-Up, aber zum Beispiel ▹Il Grido, ein ganz großer Film.

Ein ganz großer Film ist auch ✺La Notte - da ist sie wieder die Nacht. Das Photo zeigt Jeanne Moreau und ▹Marcello Mastroianni in der ▹Schlußszene. Modehistorisch beachten wir einmal das kleine Schwarze und Jeanne Moreau und den eleganten Anzug von Mastroianni. Der wahrscheinlich von Attolini kommt, er war da Kunde. Und den Lesern, die gerne die Modeposts lesen, kann ich sagen, dass ich gerade an einem Post über Attolini schreibe. Das wird sie beruhigen.

Sie konnte auch ganz anders sein. Zum Beispiel in dem Truffaut Film ✺Die Braut trug Schwarz, da war sie tough, Männer verschlingend und tötend. Truffaut hat einmal über Jeanne Moreau gesagt, sie habe alle Vorzüge eines Mannes, aber ohne seine Fehler. Jeanne Moreau selbst hat gesagt: Oui, j’ai vécu comme un garçon.
Wir können Sie hier dazu hören. Sie konnte Englisch, ihre Mutter war Engländerin. Truffaut konnte kein Englisch. Proust übrigens auch nicht. Jeanne Moreau rauchte Ziggis, mit ihrer rauchigen Stimme klingt ihr Englisch herrlich ordinär.

Aber das Zitat ist noch nicht ganz zuende: Oui, j’ai vécu comme un garçon. Ça m’irrite de dire cela. J’aurais préféré dire: j’ai vécu comme une femme libre. Die Braut trug Schwarz ist ein Farbfilm, Jeanne Moreau trägt darin nur weiße und schwarze Kleider. Schwarz steht ihr immer. Auch wenn sie in einem schwarzen T-Shirt auf einem Citroen sitzt (das Photo wurde während der Dreharbeiten zu Die Braut trug Schwarz gemacht).

Une femme libre, das ist sie immer gewesen, auch wenn sie so alberne Klamotten trug wie in ✺Viva Maria. Ich nehme an, dass sie die Rolle nur angenommen hat, weil ▹Louis Malle der Regisseur war. Wahrscheinlich hat sie sich auch ein wenig amüsiert, ▹Gregor von Rezzori hat sich auf jeden Fall gut amüsiert. Auf dem Photo von der Szene mit der Erfindung des Striptease ist natürlich auch Brigitte Bardot zu sehen, die beiden waren nicht unbedingt Freundinnen.

Die Bardot hat behauptet, dass Truffaut ihr die Hauptrolle in ✺La Sirène du Mississippi angeboten hätte. Was nicht stimmte. Der Film war die zweite Verfilmung eines Thrillers von Cornell Woolrich durch Truffaut, Die Braut trug Schwarz war die erste gewesen. Der Film war an den Kinokassen ein Flop, aber Hitchcock schrieb an Truffaut: J'ai tout particulièrement savouré la scène ou Moreau regarde mourir à petit feu l'homme qu'elle a empoisonné. Avec mon humour un peu particulier, je crois que j'aurais fait durer le plaisir : Moreau aurait délicatement posé un coussin sous sa tête de façon qu'il meure avec plus de confort encore !

Als Truffaut in Geldschwierigkeiten war, gab ihm Jeanne Moreau (die ja auch mal mit Truffaut eine Affaire hatte) das Geld für den Film. Es ist übrigens ein Film, der ▹hier einen ganz langen Post hat. Cornell Woolrich, der Autor der Romanvorlage, hatte damals noch nie etwas von François Truffaut gehört, ließ ihm aber durch Truffauts amerikanische Agentin ausrichten, dass er durchaus in der Lage sei, einen Brief in französischer Sprache zu lesen, falls Truffaut ihm schreiben wolle. Er hat den Erfolg von La Mariée était en noir und La Sirène du Mississipi nicht mehr erlebt. Es ist eine traurige Sache, da schreibt einer großartigen melodramatischen Kitsch - ich kann den Roman Phantom Lady nur empfehlen - und Regisseure wie ▹Jacques Tourneur und ▹François Truffaut machen daraus wunderbar kitschige melodramatische Filme.

Jeanne Moraeau war gut darin, die Femme Fatale zu spielen und Männer wie Idioten aussehen zu lassen. Wie in Joseph Loseys Film ✺Eva, einem Film, der in Deutschland nicht so bekannt geworden ist. Wenn Sie den Post ▹The Go-Between gelesen haben, dann wissen Sie, dass ich von Joseph Losey eine Menge halte. Ein Jahr liegt zwischen La Notte und Eva, zwei völlig verschiedene Rollen, verschiedener geht es nicht. Aber es ist die gleiche Frau, die das spielt. Nicht viele können das. Brigitte Bardot konnte mehr als man ihr zutraute, Catherine Deneuve kann wenig mehr als schön sein. Veronica Ferres kann ... ach, lassen wir das.

Den Namen Eva trägt Jeanne Moreau auch in dem Film ✺Das Irrlicht (Le feu follet) von Louis Malle. In dem Post ▹Fahrstuhl zum Schafott steht auch ein wenig zu Le feu follet. Das ist der Film, in dem Maurice Ronet seine Armbanduhr als Trinkgeld wegschenkt und am Ende Selbstmord begeht. Aber nicht, ohne zuvor endlich ▹The Great Gatsby zu Ende gelesen zu haben.

Jeanne Moreau ist am letzten Julitag im Alter von 89 Jahren  gestorben. Ich weiß nicht, wer sie die Muse der Nouvelle Vague genannt hat, aber das war sie sicher. Viele Regisseure waren in sie verliebt, nicht nur Truffaut. Ich habe nicht alle ihrer 120 Filme gesehen, aber doch viele. Ich war in den sechziger Jahren viel im Kino, es war eine große Zeit des Films. Ich habe schon mehrfach in diesem Blog gesagt, dass ich damals davon träumte, Filmkritiker zu werden. Filmkritiker waren damals für mich das Größte, auch Truffaut hat ja so angefangen. Ich träumte damals nicht davon, an einer Uni zu unterrichten. Aber jetzt, wo das mit der Uni zuende ist, bin ich Blogger, da kann ich über Filme schreiben, soviel ich will - schauen Sie doch einmal in meinen Themenblog ▹Silverscreen. Da habe ich das Layout extra so gestaltet, dass es ein wenig wie ein Filmstreifen aussieht.

Jeanne Morau hat mit ihrer rauchigen Stimme auch gesungen, und das soll sie für uns am Schluss noch einmal tun. Ich glaube, sie hat den Text zu diesem ▹Chanson selbst gschrieben:

Dans l'eau du temps qui coule à petit bruit
Dans l'air du temps qui souffle à petit vent
Dans l'eau du temps qui parle à petits mots
Et sourdement touche l'herbe et le sable
Dans l'eau du temps qui traverse les marbres
Usant au front le rêve des statues
Dans l'eau du temps qui muse au lourd jardin
Le vent du temps qui fuse au lourd feuillage
Dans l'air du temps qui ruse aux quatre vents
Et qui jamais ne pose son envol

Dans l'air du temps qui pousse un hurlement
Puis va baiser les flores de la vague
Dans l'eau du temps qui retourne à la mer
Dans l'air du temps qui n'a point de maison
Dans l'eau dans l'air dans la changeante humeur
Du temps, du temps sans heure et sans visage

J'aurai vécu à profonde saveur
Cherchant un peu de terre sous mes pieds
J'aurai vécu à profondes gorgées
J'aurai vécu à profondes gorgées
Buvant le temps, buvant tout l'air du temps
Et tout le vin qui coule dans le temps
Et tout le vin qui coule dans le temps

Die Dokumentation ✺Jeanne Moreau - Die Selbstbestimmte ist bei arte noch bis zum 20.8. 2020 zu sehen.

Dienstag, 8. August 2017

Friedrich Wasmann


So habe ich denn damals, in einem entlegenen Erdenwinkel in größter Abgesondertheit lebend und meine eigene künstlerischeTätigkeit beiseite schiebend, eine für mich gänzlich fremde Arbeit unternommen: die Vorbereitung zur Herausgabe eines noch nicht druckreifen Manuskripts mit vielen in den Text eingefügten Lichtdrucken; es war dies aus der Ferne und bei den Forderungen, die ich auch an die äußere Form eines Buches stellte, keine leichte Arbeit.

Das schreibt der norwegische Maler Bernt Grönvold, den Lovis Corinth 1923 gemalt hat (Bild), über das Buch Friedrich Wasmann: Ein deutsches Künstlerleben von ihm selbst geschildert. Der Hamburger Maler, den ich letztens in dem Post über  ➱Philipp Otto Runge erwähnte, wurde am 8. August 1805 in Hamburg geboren, wo er auch bei Christoffer Suhr seine malerische Ausbildung erhielt. Wasmann ging danach an die Dresdener und dann an die Münchener Akademie. Ständig kränkelnd ließ er sich für zwei Jahre in Meran nieder, bevor er für drei Jahre nach Italien ging.

In Rom traf er (hier ein Selbstportrait) Künstler wie ➱Friedrich Overbeck, ➱Joseph Anton Koch und ➱Bertel Thorvaldsen, geriet unter den Einfluss der Nazarener und konvertierte zum Katholizismus. Doch drei Jahre Rom waren dem Hamburger genug, er kehrt an die Alster zurück. Lernt eine Frau kennen, die er 1845 heiratet und zieht mit ihr nach Meran. Wo er im Alter von 81 Jahren sterben wird. Das ist die Kurzfassung des Lebens des Malers, seine Autobiographie ist natürlich länger. Sie endet mit den Worten: Dieses habe ich in meinem zweiundsechzigsten Lebensjahre geschrieben und bitte die, welche es lesen, um ein Vaterunser, damit ich bei Gott Gnade und Vergebung der Sünden finden möge.

Wasmann hat erstaunliche Bilder gemalt, wie diesen ➱Blick in die Campagna (1835), ein Bild, das die Hamburger Kunsthalle besitzt. Die, dank ➱Alfred Lichtwark, viele Bilder von ihm hat. Als Bernt Grönvold zehn Jahre nach dem Tod von Wasmann dessen Lebenserinnerungen herausgab, war das Buch, das in fünfhundert Exemplaren erschien, leider ein Flop: Das Buch fand keine Beachtung. Ich hatte ein Echo, einen etwas wärmeren Empfang des neuen Kömmlings erwartet. Als nach neun Iahren kaum siebzig Exemplare Käufer gefunden hatten, zog ich die übrigen aus dem Buchhandel zurück. Man kann es (in der der Neuauflage von 1915) heute immer noch antiquarisch finden, ich habe für mein Exemplar drei Euro bezahlt. Die sich unbedingt lohnten.

Dabei hatte das Buch einen berühmten Fürsprecher gehabt. Na ja, berühmt war er noch nicht, er war noch keine zwanzig, als er diese Buchbesprechung schrieb: Vor einigen monaten ist einer unsrer liebenswürdigsten maler im geist der ersten hälfte des jahrhunderts einer unverdienten vergessenheit entrissen worden .. es war dazu nötig dass drunten im südlichen Tirol der nachlass des aus Niederdeutschland gebürtigen künstlers von einem heutigen künstler der ein Norweger ist entdeckt und gesammelt und in einer mit fleiss und opfern hergestellten schönen ausgabe dem deutschen volk zugänglich gemacht wurde.

Das vorliegende buch das mit einer selbst-lebens-beschreibung Wasmanns eine reihe von zeichnungen und gemälden aus den jahren 1828–35 in guten steindruck-nachbildungen enthält und das allein die bekanntschaft mit dem in keiner öffentlichen sammlung vertretenen meister vermitteln kann ist wol von ausgezeichneten kunstkennern wie Hermann Schlittgen dringend empfohlen worden hat aber in weiteren kreisen die würdigung noch nicht gefunden die es verdient.

Mögen wir auch zugeben dass durch eine gewissenhafte und feine auswahl der wert der angebotenen schöpfungen ungemein erhöht wird und wir minderwertiges gar nicht zu gesicht bekommen so ändert das wenig an unsrer bewunderung für den mann der fern vom markte der ausstellungen fern vom drang der bestellungen schweigend und unbekannt zur zeit des Nazarenertums d.h. der allgemeinen formerstarrung mit der selbständigkeit der auffassung die reinheit der linien mit der vollendeten festigkeit und sicherheit eine keusche wahrhaft rührende anmut verband.

Schon in einer sehr frühen bleizeichnung ... zieht uns eine den zwang der schule durchbrechende eigenart an: in dem männlichen bildnis sehen wir die ganze verträumte jugend von damals mit dennoch einer festen und scharfen schönheit .. fast wie ein Rafael wirken die höchst einfachen striche die einen jüngling bilden · wie uns scheint einer von denen die voll von kühnen unschuldigen träumen und von himmlischen erwartungen ihre strasse nach Italien zogen.

Von bezaubernder innigkeit sind die mädchenköpfe ... besonders das zweitgenannte auf getöntem papier ... bei aller kindlichen und jungfräulichen reinheit liegt in diesem antlitz das bedeutungsvoll die augen aufschlägt ein so grosses trauriges verzichten dass wir ganz die jahreszahl vergessen und meinen die neuesten Engländer und Franzosen vor uns zu haben und zwar die besten. Manche dieser bildnisse sind uns eine enthüllung: so deutlich haben wir noch nie gestalten jenes abschnitts gesehen den man die Romantik nennt · ohne verschwommenheit und verweichlichung die helden Jean Pauls: wir bekommen ein neues bild jener stillglühenden und tiefblauen zeit.

Eine andre seite von Wasmanns kunst zeigen uns die ölbilder aus einem späteren abschnitt seines lebens mit noch gesteigertem sinn für das wirkliche .. wol müssen wir die farben dazu ersinnen (sie werden eher verschwiegen als leuchtend sein) aber es genügt die haltung jener Alten zu betrachten die bei meisterhafter behandlung der gewandung in ihrer behäbigen güte soviel menschliche ewige schönheit mitbekommen hat · oder den etwas geduckt dasitzenden keineswegs liebeerweckenden menschen den ich mir vorstelle mit seinem ledergelben südländergesicht das sich vom etwa blauen sammt des sessels abhebt: es ist darin etwas vom bestreben der Alten Meister die die abschreckende hässlichkeit geistlicher und weltlicher würdenträger so unvergänglich verklärt haben.

Dem maler dem mann von handwerk werden zulezt einige skizzen und entwürfe eine besondere aufmerksamkeit abringen · einige ganz geringfügige dinge mit einer einfachheit und fertigkeit hingeworfen wie es nur die Japaner vermögen: dort ein lamm · dort ein hahn · dort eine ziege. Die lebensbeschreibung die keine erläuterung zu den abbildungen gibt läuft selbständig als text mit. Sie ist im schlichten ehrlichen manchmal schattierungslosen ton damaliger zeit abgefasst .. dort finden wir aber auch – abgesehen von der teilnahme die das leben dieses merkwürdigen mannes erwecken muss – so feine beobachtungen und einflüsternde wendungen wie sie nur dem grossen schriftsteller gelingen.

So lesen wir in den kindererinnerungen: Bald zogen kosakenpulks · lieder in melancholischen molltönen singend in langen zügen über den deich · bald französische reiterscharen · die langsam vorüberreitend und niedergebeugt auf uns kinder die wir sie neugierig anblickten traurig und matt herabsahen · bei der betrachtung einer Medusenmaske stehen die worte: was ich damals nicht verstand ist mir jezt klar und erscheint mir wie ein bild der von Gott getrennten unerlösten natur die wie der blick der schlange das auge des menschen bezaubert die seele erstarren macht und in tödlichen schlaf versenkt · in der Italienreise findet sich der abschluss: Die menschen schienen mir einen wehmütigen zug im gesicht zu haben den ich bis dahin nie gekannt hatte als wären sie auf einer wallfahrt durchs leben begriffen und bewegten selbst mitten im geräusch des tages und bei der arbeit die lippen zu stillem gebet.

Sie werden es nicht glauben, der junge Kunstkritiker ist niemand anderer als ➱Stefan George.

Montag, 7. August 2017

Robert Mitchum


Eine Leserin monierte, dass es gestern keinen Post zu Robert Mitchum gegeben hatte. Wo er doch hundertsten Geburtstag gehabt hätte. Tut mir leid, habe ich übersehen. Ich mag den Mann, und ich halte ihn für einen großen Schauspieler, auch wenn er selbst seine Kunst kleingeredet hat: Ich habe drei Gesichtsausdrücke: nach links schauen, nach rechts schauen und geradeaus schauen. Ich hatte gerade den Post ➱Downburst fertig und schrieb an einem Post über Jeanne Moreau, da ist mir das Jubiläum von dem Mann mit den drei Gesichtsausdrücken entgangen. Der übrigens auch singen konnte. Hören Sie doch einmal in ➱Little Ole Wine Drinker Me hinein.

Mitchum singt auch in The Night of the Hunter. In dieser Szene, die man nur als noir-bizarr bezeichnen kann, wenn Mitchum im Duett mit Lillian Gish die Hymne ➱Leaning On The Everlasting Arms singt. Lillian Gish mit ihrem Gewehr auf dem Schaukelstuhl sollte den Mörder, der da im Vorgarten singt, lieber gleich erschießen, statt in die Hymne einzustimmen. Die ➱Cahiers du cinéma haben den Film im Jahre 2008 hinter ➱Citizen Kane auf den zweiten Platz der besten Filme aller Zeiten gesetzt.

Den Freunden von Robert Mitchum kann ich sagen, dass es in diesem Blog einen langen Post mit Robert Mitchum gibt. In dem sich dieses Photo findet: Jane Greer und Robert Mitchum in ➱Out of the Past, wunderbar ins Bild gesetzt von ➱Nicholas Musuraca (der mit Tourneur schon bei ➱Cat People zusammengearbeitet hatte). Musuraca ist nicht so bekannt geworden wie zum Beispiel Gregg Toland, aber er ist einer der Meister des Film Noir.

Denn Schauspieler so ausleuchten, dass muss man können. Da können wir viel in die Gesichter hineinlesen, ob sie nun nach links schauen, nach rechts schauen oder geradeaus schauen. Die Dame rechts ist natürlich nicht das ➱good bad girl des Film Noir, die ist einfach nur böse. Das sind die ➱Frauen, auf die die Männer im ➱Film Noir immer hereinfallen, ob sie Robert Mitchum heißen oder einen anderen Namen haben.

Und Robert Mitchum sollte es eingentlich besser wissen, wie todbringend diese schönen ➱Frauen sind. Aber er lernt einfach nicht dazu.  Obgleich er über seine Filmpartnerin ➱Charlotte Rampling richtig fiese Dinge gesagt hat: The girl on the picture, was Charlotte Rampling. She was the chick who dug S-and-M in 'The Night Porter.' She arrived with an odd entourage, two husbands or something. Or they were friends and she married one of them and he grew a mustache and butched up. She kept exercising her mouth like she was trying to swallow her ear. Ein Gentleman würde so etwas nicht sagen, aber Mitchum war kein Gentleman. Und dafür lieben wir ihn. Weil er sich einen Dreck um Hollywood scherte und immer diese kleinen bösen Dinge sagte: Sure I was glad to see John Wayne win the Oscar I'm always glad to see the fat lady win the Cadillac on TV, too.

Robert Mitchum hat nicht nur gesungen, er hat auch geschrieben. Auch ➱Gedichte. Eins davon zitiere ich mal zum Schluss:

Cabo San Lucas

Rising early to beat the heat
a little dry from last nights booze.
We’re soon out miles from land where
the big fish roam under the sun
and stars, undisturbed by time’s
wave-measured march.

Slicing bonito for bait, the blood is
red against all the blue. Blue above
and below. The hook, hungering for
meat, shines blue in my hand as
I drop its feathered plume into the wake.

We drink beer and wait for the line to sing,
rattling off the reel like a runaway train,
tightening under the drag, burning the leather stop.
The marlin leaps, its bill skewering the sky,
carves and dances in the blue, then twists and dives.

The rod quivers in the belt. Leather biting my back
I reel and pull, the marlin leaps again,
I heave forward and rare back as fire
sweat and salt gather on my skin
A moment’s slack, a shake, the fish is free.

Why aren’t all losses as lovely as this?
Quien sabe?

Klingt ein wenig nach ➱Steinbeck, und ➱Red Shuttleworth könnte das besser, aber immerhin, schlecht ist es nicht.


Robert Mitchum wird auch noch in den Posts Nina van Pallandt, Katzen, Bonnie and Clyde und Charlotte Rampling erwähnt.

Sonntag, 6. August 2017

Downburst


Das Wort Downburst kannte ich nicht, es stand aber am Freitag in der Lokalzeitung. Dabei war aber nicht ganz klar, ob das am Donnerstagnachmittag ein Downburst, eine Windhose oder ein Tornado war. So etwas hatte ich noch nie im Leben erlebt. Ich war mittendrin, gottseidank im Auto. Um mich herum fegten grau-weiße Wassermassen, ungefähr die Farbe wie das Wasser tief unten in der Breitachklamm. Eine Wagenwaschanlage war nichts gegen die Naturgewalt. Nach wenigen Minuten war es vorüber, da war es nur noch ein normaler Starkregen mit Gewitter. Die Unwetterzelle zog durch und war so schnell weg, wie sie gekommen war, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die hatte den ganzen Nachmittag zu tun.

Es ist ein seltsamer Sommer in diesem Jahr, Sommer Extrem steht auf dem Stern dieser Woche. Aber die Meteorologen trösten uns, so etwas hat es immer schon gegeben. Und die Maler (hier und im ersten Absatz John Constable) und Schriftsteller haben das Wetter immer festgehalten. Das wohl schönste Regengedicht hat der Engländer Ted Hughes geschrieben, als er Poet Laureate war. Seine Dichterkollegen fanden, dass er eine Fehlbesetzung auf dem Posten war, und die Satirezeitschrift Private Eye verspottete ihn. Damals schrieb Andrew Motion (der noch nicht im Traum daran dachte, eines Tages Poet Laureate zu sein) zur Verteidigung seines Dichterkollegens ein kleines Gedicht. Es hat den Titel Lines Composed by Her Majesty Queen Elizabeth In Sympathy With Her Poet Laureate. Ich finde es das hübscheste von all den Gedichten, die für das englische Königshaus (lesen Sie ➱hier alles zu den englischen Hofdichtern) geschrieben wurden:

My family are a trial to Ted Hughes:
No sooner do they marry than divorce
His burdens would be lighter if he chose
To write about a corgi or a horse.


Das Gedicht von Ted Hughes hatte den Titel Rain-Charm for the Duchy, es war für die Taufe von Prince Harry geschrieben worden. Es ist ein sehr langes Gedicht, ich nehme mir daraus einmal den Teil, wo der große Regen anfängt:

Then, like taking a great breath, we were under it.
Thunder gripped and picked up the city.
Rain didn't so much fall as collapse.
The pavement danced, like cinders in a riddle.
Flash in the pan, I thought, as people scampered.
Soon it was falling vertical, previous, pearled.
Thunder was a brass band accompaniment
To some festive, civic event 
Squeals and hurry 
With tourist bunting.
The precinct saplings lifted their arms and faces 
And the heaped up sky
Moved in mayoral pomp, behind buildings,
With flash and thump 
It had almost gone by
And I almost expected the brightening 
Instead, something like a shutter
Jerked and rattled and the whole country darkened.
Then rain really came down 
You scrambled into the car
Scattering oxygen like a drenched bush.
What a weight of warm Atlantic water 
The car top hammered 
The Cathedral jumped in and out
Of a heaven that had obliviously caught fire
And couldn't be contained.
A girl in high heels, her handbag above her head,
Risked it across the square's lit metals.
We saw surf cuffed over her and the car jounced.
Gates, gutters, clawed in the backwash.
She kept going 
Flak and shrapnel
Of thundercracks
Hit the walls and roofs 
Still a swimmer
She bobbed off, into sea smoke,
Where headlights groped 
Already
Thunder was breaking up the moors.
It dragged tors over the city 
Uprooted chunks of map 
Smeltings of ore, pink and violet,
Spattered and wriggled down

Freitag, 4. August 2017

Lush Life


Es war mal wieder schlimm mit dem Tinnitus, er kommt und geht. Ich habe das schon in ▹Mozarts Klaviersonaten erwähnt, aber den ganzen Tag Mozart hören, das geht auch nicht. Also legte ich eine von den CDs ein, die ▹Achim Körnig mir gebrannt hat, wunderbarer Jazz. Fing gleich gut an, aber wer spielte das Saxophon? Glücklicherweise ist das alles handschriftlich beschriftet, und da stand: Thomas/Metheny Lush Life. Gibt es das noch auf CD? Ich dachte mir, dass Amazon Gary Thomas vielleicht nicht kennen würde, dass sie aber bestimmt schon mal von Pat Metheny gehört haben. Also gab ich Metheny Lush Life ein. Das Ergebnis war einigermaßen verblüffend: Für "Pat Metheny Lush Life" wurden 0 Ergebnisse gefunden, und dann noch: Amazon verkauft keine Pflegeprodukte von Lush. Inzwischen weiß ich, dass die englische Firma Lush etwas mit Seife zu tun. Nicht die Seife, die ich benutze. Ich habe noch massenhaft Pears Soap gehortet (die schon in ▹Spätrömische Dekadenz erwähnt wird), benutze jetzt aber Yardley. Deren schönes ▹Rasierwasser es ja leider nicht mehr gibt. Aber lassen Sie mich zu Lush Life zurückkommen (Sie können das Saxophon von Gary Thomas ▹hier hören).

Und hier fängt meine Geschichte von Lush Life an, auf dem Hamburger Jungfernstieg. Ein Kino namens Streit's, mit Apostroph-s. Links davor können Sie noch in das Schaufenster von Prange hineinschauen, wo man damals noch Schuhe von ▹Julius Harai kaufen konnte. Das ist lange her, das Premierenkino Streit's gibt es nicht mehr, da ist jetzt ein schwedischer Luxusbaumarkt namens Clas Ohlson drin. Es hat ▹Rettungsversuche gegeben, aber was kann gegen schwedische Luxusbaumärkte unternehmen? Es kommen ja schlimme Dinge aus Schweden: Ikea, ▹H&M und ▹Henning Mankell.

Ich könnte jetzt über die Geschichte von Streit's Hotel schreiben, über Christian Streit, den man den König der Gastwirthe nannte. Vor dessen Hotel zum ersten Mal das ▹Lied der Deutschen gesungen wurde und wo die Ständeversammlung im 19. Jahrhundert dem dänischen König huldigte. Ein anderer dänischer König stieg nicht im Streit's ab, sondern im Hotel Hamburger Hof. Das war der, der im Puff einen Herzinfarkt hatte; steht schon im Post ▹Jungfernstieg, deshalb kann ich mich in dem Punkt kurz fassen. Und Sie mal eben mitnehmen vor das Streit's Kino an einem nieseligen Nachmittag in der Zeit, als man noch Schwarzweiß photographierte. Und dachte.

Das nieselige Hamburger Wetter störte mich nicht, ich hatte meinen blauen Burberry von Charlie Hespen an, ein Mantel, der mich wie der ▹Trenchcoat von Hans Kalich jahrezehntelang begleitet hat. Ich sehe aus wie einer dieser jungen Franzosen, die sich in dem Post ▹Blazer finden, nur dass mein ▹Burberry nicht weiß ist. Ein blauer Burberry war für einen Bremer in Hamburg die richtige Verkleidung, es gibt da ja eine uralte Feindschaft zwischen den beiden Städten. Die sich im vornehmen Fall so äußert wie am Ende des Posts ▹Ästhetik. Im nicht so vornehmen Fall sagt der Hamburger zum Bremer: Mok Platz inn Rinnstein, do will ek legen.

Ich wollte ins Kino, aber zwanzig Meter davor enteckte ich eine kleine Menschenmenge, die sich um einen Tapeziertisch drängte. Der Tapeziertisch, provisorisch mit einer Plastikfolie gegen den Hamburger Nieselregen abgedeckt, war voller Langspielplatten. Drei Mark das Stück. Drei Mark waren 1960 auch Geld, aber eine Langspielplatte kostete normalerweise mehr. Ich hatte keine Ahnung, wer Eugenie Baird war, aber ich kaufte diese Platte hier. Weil da Duke Ellington draufstand und ich viele Titel auf dem Cover kannte. Denn schließlich war ich in einer amerikanischen Enklave aufgewachsen, mit dem amerikanischen Soldatensender  AFN und dem ▹Great American Songbook. Lush Life war auch auf der LP, die ich immer noch besitze. Sie klingt immer noch wie neu.

Und den Text von Billy Strayhorn kann ich immer noch mitsingen:

I used to visit all the very gay places
Those come what may places
Where one relaxes on the axis of the wheel of life
To get the feel of life
From jazz and cocktails
The girls I knew had sad and sullen gray faces
With distingué traces
That used to be there you could see where
They'd been washed away
By too many through the day
Twelve o'clocktails

Then you came along with your siren's song
To tempt me to madness
I thought for a while that your pointed smile
Was tinged with the sadness
Of a great love for me
Ah yes I was wrong
Again I was wrong

Life is lonely again
And only last year
Everything seemed so assured
Now life is awful again
And the thoughtful of heart
Could only be a bore

A week in paris will ease the bite of it
All I care is to smile in spite of it
I'll forget you I will
And yet you are still
Burning inside my brain

Romance is mush
Stifling those who strive
I'll live a lush
Life in some small dive
And there I'll be
While I rot with the rest
Of those whose lives are lonely too

Die LP von Eugenie Baird aus dem Jahre 1959 (auf der auch Ben Webster zu hören ist, den man damals auch auf ▹Belafonte sings the Blues fand) ist wohl ihre berühmteste LP gewesen. Eugenie Baird war keine große Sängerin, sie war nicht in der Liga, in der ▹Billie Holiday sang. Aber sie war bei Big Bands beliebt, war auch in Filmen zu hören. Die Hamburger LP war meine erste Platte mit einer Jazzsängerin, inzwischen ist der Stapel mit CDs von singenden Frauen größer als ich. Das habe ich wahrscheinlich schon in dem Post ▹Ingeburg Thomsen gesagt. Jazz bedeutete für uns damals noch nicht ▹Charlie Parker, dahin tasteten wir uns vor. Es war die große Zeit des ▹Zickenjazz (einer Form, auf der auch der englische Dichter ▹Philip Larkin stehengeblieben war), die große Zeit von ▹Chris Barber und dem ▹Trad Jazz. ▹Skiffle nicht zu vergessen.

Den besten Jazz gab es im Kino, die ▹französischen Filme hatten zum Teil tolle Soundtracks. Dieser hier, Ascenseur pour l'Echafaud, hat die berühmteste Filmmusik. Klicken Sie einmal diese ▹Szene an, wo Jeanne Moreau zur Musik von ▹Miles Davis durch Paris geht, unglaublich. Jeanne Moreau ist ja leider gerade gestorben, wahrscheinlich bekommt sie noch einen Post. Da kommt diese Szene bestimmt wieder vor. Damals hockte ja die halbe amerikanische Jazzwelt in Paris, aus der Heimat vertrieben durch Rassismus und McCarthy. Es gibt da wunderbare Sammlungen wie zum Beispiel die der ▹Gitanes Jazz Productions, die habe ich schon in den Posts ▹Sempé und ▹Don Byas erwähnt.

Billy Strayhorn hatte 1933 mit dem Song Lush Life begonnen, 1938 war er fertig. Duke Ellington mochte den Song nicht, stellte aber das Wunderkind Billy Strayhorn ein. Der natürlich seinen ▹Song selbst gesungen hat. Beinahe jeder hat diesen Jazzstandard gesungen, auch ▹Country Sängerinnen wie ▹Linda Ronstadt. Eine der berühmtestenAufnahmen ist die von ▹John Coltrane und Johnny Hartman (mit John Coltrane war der junge ▹Harry Belafonte ja auch einmal aufgetreten). Die Aufnahme von Gary Thomas und Pat Metheny findet sich übrigens auf der CD Till we have faces.

Wenn Sie heute nach Lush Life suchen, dann erzählt Ihnen Amazon wie gesagt: Amazon verkauft keine Pflegeprodukte von Lush. Amazon zensiert, und lobte Dinge nach oben, wie Google das auch tut. Wenn Sie heute bei Google Lush Life eingeben, dann ist das erste Ergebnis natürlich nicht der Jazz Klassiker von Billy Strayhorn. Ergebnis Nummer Eins ist eine Schwedin namens Zara Larsson mit ihrer CD Lush Life Songtext von Zara Larsson. Wir fügen das mal eben zu den schwedischen Haßobjekten Ikea, H&M und Henning Mankell hinzu. Schwedische Sängerinnen wie ▹Monica Zetterlund und ▹Viktoria Tolstoy fallen natürlich nicht unter diesen Bannfluch.

Montag, 31. Juli 2017

Moor


Es gibt genügend Moor in Emily Brontës Roman Wuthering Heights, und das Moor, das immer etwas Unheimliches hat, findet sich immer wieder in der Literatur. Da verschwinden Menschen und werden nie wieder gesehen. Oder tauchen als Moorleiche wieder auf. Als ich über ➱Emily Brontë schrieb, kam es mir in den Sinn, einmal über das Moor zu schreiben. Etwas, was mir seit kleinauf vertraut ist, schließlich lag das Teufelsmoor sozusagen vor unserer Haustür. Auch wenn Rilke sagte: Ein grausiges Land, in dem ihr da lebt, er bleibt in ➱Worpswede.

Ich zeichne Ihnen das mal auf, man kann das nur schwer finden, sagte der Mann, mit dem ich am Tisch eines Gasthauses am Zwischenahner Meer saß. Er griff sich einen Bierdeckel vom Nachbartisch, holte einen Kugelschreiber aus der Tasche und begann zu zeichnen. Zeichnen war nicht unbedingt seine Stärke, aber er erklärte alles, was er auf den Bierdeckel brachte. Zuerst dieser lange Birkenweg, dann dreieinhalb Kilometer bis zu dem kleinen Kiefernwäldchen, und dahinter, da isses. Müssen Sie zwanzig Meter rechts reingehen, können Sie vom Weg nich sehen. Es war da, ein perfektes kleines Hochmoor, vielleicht fünfzig Meter breit und fünfzig Meter lang. Ein kleiner Tümpel mittendrin und viel Sonnentau. Den hatte ich schon seit der Volksschule nicht mehr gesehen. Zweimal im Jahr, wenn wir in unserem Schullandheim in Eggestedt waren, hielt uns unser Lehrer Herr Blume einen kleinen Vortrag über das Moor. Er hatte auch immer in einer kleinen Schachtel oder einer Dose eine Fliege dabei, die er an den ➱Sonnentau verfütterte.

Einen Vortrag im Moor ganz anderer Art habe ich Jahrzehnte später gehört. Wir waren im Manöver und wurden um Mitternacht aus unseren Zelten geholt, marschierten dann einen Kilometer über die Plaine und mussten dann antreten. Das Gelände war hell erleuchtet, zwei englische Bergepanzer waren dabei, einen von unseren ➱HS-30 Schützenpanzern aus dem Moor zu ziehen. Und unser Kompaniechef hielt uns einen Vortrag über die Feinde des Panzers. Wozu Minen, Panzerabwehrkanonen und die Panzerfaust gehörten. Aber das Schlimmste, sagte unser Hauptmann mit erhobener Stimme, das wirklich Schlimmste, das ist ein bescheuerter Panzerfahrer, der seinen Panzer im Moor versenkt. Wir durften wegtreten, blieben aber noch, weil wir sehen wollten, ob es den Engländern wirklich gelang, den HS-30 zu retten. Es gelang ihnen, sie machten das offensichtlich nicht zum ersten Mal.

In der Literatur wird das Moor meist mit Schauer und Schrecken verbunden, die meisten von uns kennen noch dieses O, schaurig ists, übers Moor zu gehn von Annette von Droste-Hülshoff. Ich habe die Frau für das melodramatische Gedicht immer gehasst. Aber das Moor in Adalbert Stifters Nachkommenschaften gefällt mir:

Was nötig war, hatte ich schon gestern vorbereitet, Farben, Pinsel, und viele Blätter, darauf gemalt werden konnte; denn ich wollte Moor in Morgenbeleuchtung, Moor in Vormittagbeleuchtung, Moor in Mittagbeleuchtung, Moor in Nachmittagbeleuchtung beginnen, und alle Tage an den Stunden, die dazu geeignet wären, an dem entsprechenden Blatte malen, so lange es der Himmel erlaubte. Moor im Regen hatte ich mir schon vorgenommen von meinem Fenster aus zu malen. Über das Moor im Nebel habe ich noch nicht nachgedacht. Es ist doch ein Glück, daß ich für meinen Kasten eine Vorrichtung erfunden habe, viel ölnasse Blätter in ihm unterbringen zu können, ohne daß sie sich verwischen. Wir wollen mal hoffen, dass unser Maler im Lüpfinger Moor solch schöne Wolken gemalt hat, wie sie Adabert Stifter gemalt hat.
      
An dieser Stelle möchte ich meinen Lesern sagen, dass ich - obgleich ich mit ➱Adalbert Stifter und ➱Mein Stifter zwei wirkliche schöne Stifter Posts geschrieben habe - mit Nachsommer noch keine Seite weiter bin. Moorgedichte sind auch nicht jedermanns Sache. Ich habe einmal Seamus Heaney getroffen, er war noch kein Nobelpreisträger, hatte aber wunderbare rote Hosenträger. Er war an dem Tag ein klein wenig von Moorleichen besessen. Während wir unser Guinness (das ist ja auch ein Zeuch, das wie Moorwasser schmeckt) tranken, erzählte er mir, dass er sich am nächsten Tag die ➱Moorleiche in Schleswig anschauen wollte und dann nach Silkeborg weiterreisen wollte (aus der Reise ist sein Gedicht ➱Tollund Man entstanden). In Heaneys Gedichtsammlung North wird es noch mehrere bog poems geben.

Mein liebstes Moorgedicht ist von Emily Dickinson (die ➱hier schon einen Post hat), es ist, wie so häufig bei ihr, sehr kurz. Bleibt aber im Kopf:

I never saw a moor, 
I never saw the sea; 
Yet know I how the heather looks, 
And what a wave must be. 
I never spoke with God, 
Nor visited in heaven; 
Yet certain am I of the spot 
As if the chart were given.

Ich schreibe diesen Post nicht nur, weil ich von den Brontës noch viel Moor im Kopf habe, sondern auch, weil heute der Todestag von Jürgen Christian Findorff ist. Der hatte ➱hier schon mal einen Post, der aber leider kaum gelesen wurde. Findorff war Tischler, aber eigentlich war er ein Universalgenie. Das mit dem Genie schreibt auch eine hannöversche Kommission nach London: Dieser Mann, der ein wahres Genie ist, und mit einem redlichen Character und vorzüglicher Geschicklichkeit einen unermüdeten Fleiß und gewissenhafte Betriebsamkeit verbindet, hat, durch eine langjährige Erfahrung geleitet, sich eine so gründliche und ausgebreitete Kenntnis erworben. ➱George III versteht den Text, und er gesteht dem Mann, den er 1771 zum Moorcommisar ernannt hat und ihm die Aufsicht über die neuen Kulturen und die Generalwahrnehmung des Moorbauungswerkes zugewiesen hat, endlich ein festes Gehalt zu.

Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, 

Der täglich sie erobern muß

heißt es im zweiten Teil von Goethes Faust, es geht hier um Landgewinnung. Vielleicht hatte Goethe den Deichbau an der Elbe im Sinn. Aber ein halbes Jahrhundert zuvor hatte der Moorkommissar Findorff schon so etwas wahrgemacht, wovon Dr Faust träumte. Der Königlich-Hannoversche Moorkommissar Jürgen Christian Findorff (hier hat ihn ➱Heinrich Vogeler gemalt) verspricht den Ärmsten der Armen ein Stück Land, wenn sie an seinem Plan mitarbeiten, achttausend Gräben und Kanäle zu ziehen. Dafür konnte er nicht jeden gebrauchen: Es ist besser fleißige, als bloß bemittelte Leute zum Anbau zu nehmen…. Vor allen Dingen hüte man sich, Säufer und Prozeßgänger aufzunehmen; diese Leute taugen gar nicht im Mohre, schreibt Findorffs in seinem Moorkatechismus.

Diejenigen, die am Plan von Findorff, aus einer feuchten Wüste urbares Land zu machen, mitarbeiten, denken nicht an Goethes Worte Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muß. Für sie heißt es eher Den ersten sien dood, den tweeten sien noot, den drütten sien broot. Das Jahresgehalt, dass der König seinem Moorkommissar spendiert, ist gut angelegt. Ohne ihn wäre das Ganze nie gelungen. Und bei allem ist er bescheiden. Wenn die Gnarrenburger Kirche (die ohne ihn nicht gebaut worden wäre) 1790 feierlich eingeweiht wird, wird der Superintendent Johann Hinrich Pratje zu Findorff sagen: Die Angelegenheit dieses Baues wurde einem Mann übertragen, zu dessen wohlverdientem Ruhm ich alles sagen könnte und würde, wenn ich nicht befürchten müsste, dass ich seine seltene Mäßigkeit und Bescheidenheit beleidigen möchte.

Das Ende des Siebenjährigen Krieges ist der Beginn eines beispiellosen Aufschwungs im Kurfürstentum Hannover. Die Franzosen sind verschwunden, den ➱Cumberland wird man hier auch nie wieder sehen. Jetzt blüht Niedersachsen auf. Johann Hieronymus Schroeter begründet in Lilienthal im Teufelsmoor eine Sternwarte, die zu einer der führenden Sternwarten der Welt werden wird. Sie wird schon in den Posts ➱Zeiss und ➱Astronomie erwähnt. Und natürlich bei ➱Arno (Otto) Schmidt, weil der über Lilienthal sein letztes Werk, das Romanfragment Lilienthal oder die Astronomen, geschrieben hat.

Und dann ist da noch Albrecht Daniel Thaer aus Celle, der sich dort eine solch schöne Villa im englischen Stil leisten kann. Er wird über die englische Landwirtschaft schreiben, aber er war nie in England. Sein Buch wird auch in England gelesen (und gelobt) werden, und unseren Dr Thaer nennt man heute den Begründer der Agrarwissenschaft. George III hatte ihn zu seinem Leibarzt ernannt, kommt aber nie nach Celle oder Hannover, Dr Thaer nicht nach London. Vielleicht ist er aber auch für die ➱englischen Prinzen da, denn in Göttingen studieren drei Söhne von George III.

Was Dr Thaer für sein Studium der englischen Landwirtschaft braucht, das leiht er sich aus der Bibliothek seines Freundes Jobst Anton von Hinüber, einem Amtmann und Wegebauintendant. Und der bedeutendentesten Landwirtschaftsreformer im Kurfürstentum Hannover. Der übrigens auch mit dem Hinübersche Garten einen der frühesten englischen Landschaftsgärten in Deutschland angelegt hat (wenn Sie alles zum englischen Landschaftsgarten wissen wollen, dann klicken Sie bitte ➱hier).

Mit Pflanzen hat auch ➱Albrecht Roth in meinem Heimatort Vegesack zu tun, er ist der erste, der den Fang und Verdauungsmechanismus beim Rundblättrigen Sonnentau beschreibt. George III schenkt ihm auf seine Bitte ein Stück Land an der Weser. Wahrscheinlich glaubt er, der gute Dr Roth wolle da einen englischen Garten anlegen, aber weit gefehlt. Dr Roth, der mit Goethe korrespondieren wird, pflanzt da alles an, was die Seeleute ihm aus der weiten Welt mitbringen. Wenn ich bisher nur Gelehrte aus dem Kurfürstentum Hannover genannt habe, muss ich jetzt auch mal die Bremer erwähnen. Denn Bremen gehört damals auch zu Hannover. Und da gibt es neben Albrecht Roth eine Vielzahl von Naturforschern: Ludolf Treviranus, Franz Carl Mertens und Gustav Focke. Wenn man da noch die Astronomen Olbers und Bessel dazu nimmt, hätte man leicht eine Universität gründen können.

Natürlich haben wir nicht nur Moorkolonisation und Agrarwissenschaft, wir haben auch Kultur im Lande Hannover, vor allem an der Universität Göttingen, die George II gegründet hat. In Bremen haben wir damals nicht so viel Kultur. Heute auch nicht. Seit 1732 gibt es in Hannover den Wöchentlichen hannoverschen Intelligenz-Zettul, seit 1743 kann man in Hannover Tee kaufen. 1778 wird die Königliche Roß-Arzney-Schule gegründet, die erste Tierärztliche Hochschule in Deutschland. Zehn Jahre später veröffentlicht ➱Adolf Freiherr Knigges sein Buch Über den Umgang mit Menschen in Hannover. Die zeitliche Abfolge ist interessant: erst kommen die Pferde, dann das gute Benehmen. Nicht vergessen sollten wir unseren Universalgelehrten Georg Lichtenberg, der George III 1770 durch die Sternwarte von Kew führte und der Lehrer seiner drei Söhne in Göttingen war.

Dieses kleine Panomara hannöverscher Kultur mit dem Moor in Morgenbeleuchtung, Moor in Vormittagbeleuchtung, Moor in Mittagbeleuchtung, Moor in Nachmittagbeleuchtung nach dem Siebenjährigen Krieg musste mal eben sein. Unser Moorkommissar Findorff ist der einzige, der nicht auf der Universität gewesen ist, dennoch kann man ihn den anderen, die in der Zeit der Aufklärung in das Kurfürstentum Hannover Wissenschaft und Kultur bringen, durchaus gleichstellen. Er war zu bescheiden, auf seine Leistungen hinzuweisen: Wenn ich etwas verdient habe, wird es mir ungesucht schon werden.

An meinem Findorff Post von 2014 klebte noch etwas von meiner bisher unvollendenten ➱Autobiographie dran. Und obgleich das heute mal wieder viel zu lang geworden ist, stelle ich das heute auch noch hier her: mein erster Tag im Teufelsmoor. Der Sonntagnachmittag, den ich da beschreibe, liegt über sechzig Jahre zurück, aber ich habe nichts von der Stimmung vergessen. Ich habe etwas geerbt, was in der Familie läuft, von dem ich manchmal nicht weiß, ob es ein Segen oder ein Fluch ist. Es ist dieses Gedächtnis. Ich kann mich an beinahe alles erinnern, noch nach Jahrzehnten. Ich kann es mir visuell wieder vor Augen führen, es ist auch ein eidetisches Gedächtnis. Ich habe den Kopf voller kleiner Filme. Manche Augenblicke im Leben, der genius loci mancher Orte, manche Stimmungen scheinen mich zu überwältigen. Ich scheine gleichzeitig alles zu sehen, hören, riechen. Es ist aber nicht immer schön, an manche Dinge möchte man lieber nicht erinnert werden. An diesen Tag im Moor schon:

Teufelsmoor. Allein schon der Name. Wenn man fünf Jahre alt ist und die ganze Familie aus westfälischen Geschichtenerzählern besteht, in deren Geschichten der Teufel eine Person ist, die Opa oder Onkel Gustav, Onkel Werner oder wem auch immer schon mehrfach begegnet ist, dann hat der Teufel schon eine Bedeutung. Zumal Pastor Hemmelgarn auch jeden Sonntag von der Kanzel herunter gegen den Teufel wettert. Aber irgendwie schien Pastor Hemmelgarns Teufel anders zu sein als der Teufel von Opa. Der Teufel von Opa erschien natürlich nicht, ohne eine schweflige Spur zu hinterlassen: die kannste da noch sehen, in Drebber (oder war es Hilter? oder Dissen? Bad Rothenfelde?). Die Spuren des Teufels waren für mich in meiner Vorstellung gleich neben der Brandspur des Feuerrades, das Opa mitternachts die ganze Dorfstraße herunter verfolgte und dem er nur durch einen Sprung in die Tenne von Vahlenkamps Bauernhaus entkommen konnte, und da an der Tür, da kannste die Brandspur noch sehen. Die Geschichten mit den übernatürlichen Erscheinungen spielten alle in der Heimat meines Großvaters, niemals in Bremen. Immer wenn wir von Bremen kommend die Dammer Berge am Horizont sahen, waren wir in einem Land, in dem sich Sagen, Märchen und familiäre Anekdoten übergangslos mischten. Vorher hatten wir noch eine Pause eingelegt, bei der Opa im Wald verschwand. Erst Jahre später habe ich erfahren, dass dies keine normale Pinkelpause war: der Gang Opas in den Wald war ein Gang zu einem Albert Leo Schlageter-Denkmal, dem Opa rituell seine militärische Reverenz erweisen musste.

Aber über den Teufel redete mein Opa an diesem Sonntag im Teufelsmoor nicht. Während die Familie, Bauern und einige Lohnarbeiter mit Torfstechen und Verladen beschäftigt war, klärte er uns über das Lebenswerk des Königlichen Moorkommissars Jürgen Christian Findorff auf, der dieses Moor der Natur abgerungen hatte und Vater aller Moorbauern genannt wurde. Diese zivilisatorische Leistung wurde verglichen mit Friedrich dem Großen und dem Oderbruch. Diejenigen, die den ganzen Tag gearbeitet und keine Maulaffen feilgehalten hatten, nahmen solche Belehrungen eher unwillig auf, auch wenn sie mit plattdeutschen Weisheiten wie Den ersten sien dood, den tweeten sien noot, den drütten sien broot gewürzt waren. Aber wahrscheinlich erwarteten sie von einem pensionierten Lehrer auch nichts anderes. Findorff kannte ich, ein Bremer Stadtviertel hieß nach ihm, und damals konnte man da auf einem Kanal auch noch die Halbhuntschiffe sehen, die Torf aus dem Teufelsmoor zum Findorffer Torfhafen brachten. Dort war auch ein kleiner Markt mit Buden, das war immer aufregend. Das Oderbruch sagte mir nichts, ich war noch nicht bis zu Fontane vorgedrungen. Ich war ja auch erst fünf.

Der kleine Lastwagen von Onkel Gustav ist in der letzten Woche nicht gewaschen worden, Johnny Otten hatte strikte Anweisung von Gustav, nicht wie üblich morgens den Wasserschlauch zu nehmen. Es ist der gleiche Lastwagen, mit dem Mammi wenige Jahre zuvor ihre Schwiegermutter aus dem Feuersturm von Hamburg herausgeholt hat. Jetzt steht er staubüberzogen am Straßenrand, und man kann die blaue Schrift Färberei, Wäscherei, Chem. Reinigung nur ahnen. Camouflage, sagt Opa, und ich weiß nicht, was das ist. Meine Mutter und Tante Tilla tragen geblümte Baumwollkleider und Gummistiefel. Sie kochen Kaffee auf einem Karbidkocher, der noch aus Wehrmachtsbeständen stammt. Wir Kinder dürfen uns dem Karbidkocher nicht nähern. Zu gefährlich, verkündet Opa und erzählt Schauergeschichten von explodierenden Karbidöfen. Im Schauergeschichtenerzählen ist er gut. Oma strickt an einem Pullover, der bestimmt wieder aus dieser immer kratzigen Wolle meiner Kindheit sein wird.

Der Frühsommertag geht zu Ende, es wird langsam dunkel. Der Lastwagen ist mit Torf beladen. Alle sitzen auf der anderen Seite der Birkenallee, die eigentlich nur ein besserer Knüppeldamm ist, unter einer kleinen Baumgruppe. Es sind die einzigen Bäume weit und breit, die Birken zählt hier keiner als Bäume. Man kann hier ungehindert bis zum Horizont sehen. In der Ferne gibt es eine kleine Erhebung und etwas Wald, das muss der Weyerberg sein. Der Sage nach ist er entstanden, als der schlaue Fischer Dietrich den gefürchteten Riesen Hüklüt überredet hatte, sich den Sand der Bremer Düne in die Taschen zu stopfen. Woraufhin dieser prompt im Teufelsmoor versank, noch einmal in die Tasche griff und eine Handvoll Sand nach Dietrich schleuderte, und das ist nun der Weyerberg. Neben dem Berg muss Worpswede sein. Wo die Roten wohnen, sagt mein Opa. Ich weiß nicht, wer die Roten sind. Aber für meinen Großvater, den kaisertreuen Hauptmann des Ersten Weltkriegs, Träger des EK I und des weinroten Hanseatenkreuzes, sind sie überall. Ein Bettlaken ist auf dem Heideboden ausgebreitet, darauf stehen Kaffeetassen und anderes Geschirr. Die Fahrräder sind an einen Baumstamm gelehnt. Unser Schäferhund Hasso liegt hechelnd im Schatten. Ein Kuchen wird angeschnitten, Gustav holt eine Flasche Doppelkorn aus dem Fahrerhaus.

Es wechselt kein Geld den Besitzer an diesem Sonntagnachmittag, Geld gibt es nicht, oder wenn es welches gibt, dann ist es nichts wert. Niemand weiß, was die Währungsreform demnächst bringt. Mein Vater, Onkel Gustav und die Moorbauern stehen in einer kleinen Gruppe zusammen und trinken Doppelkorn. Die Ladung Torf wird in Naturalien bezahlt werden. Gustav wird die Wäsche der Bauern waschen, Kleider und Mäntel umfärben. Und bei meinem Vater ist die nächste Zahnbehandlung umsonst. Die Währungsreform kommt wenige Wochen später, dann werde ich mit meiner Mutter in einer langen Schlange vor dem Backsteingebäude der Oberschule stehen. Später darf ich Oma und Opa ihr Geld bringen, Opa guckt die Scheine skeptisch an. Die Generationen, die noch in einem Deutschland geboren wurde, das noch einen Kaiser hatte, haben schon alle möglichen Geldscheine gesehen. Findorff fängt mit hundert Reichstalern an, wir fangen mit vierzig Mark an, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Vor allem, wenn man noch Kind ist.