Montag, 13. Februar 2012

Waylon Jennings


Wenn Sie dies ➱hier anklicken: da ist Waylon Jennings mal wieder auf einem Höhepunkt, wenn er Good Hearted Woman mit Willie Nelson, Johnny Cash und Kris Kristofferson singt. The Highwaymen nannten sie sich, sie hatten großen Erfolg. Soviel Berühmtheiten hat man ja selten in einer Country Music Band. Meine erste LP von Waylon Jennings, der heute vor zehn Jahren starb, war Wanted! The Outlaws mit seiner Frau Jessi Colter, Willie Nelson und Tompal Glaser. Die schaffte es gleich zur Number One der Country Charts (Good Hearted Woman war da auch mit drauf). Willie Nelson und er waren jetzt die ➱Outlaws, weil sie Texaner waren und gegen das Nashville Establishment rebellierten. Es war die wohl erfolgreichste Rebellion in der Country Music.

Was mir damals am besten von Waylon Jennings (neben WWII mit Willie Nelson) gefiel, war das Album White Mansions. Lange bevor die mit Recht von der Kritik gefeierte ➱TV-Serie von Ken Burns über den Bürgerkrieg im Fernsehen lief - deren Musikauskopplung von herzzerreißend a capella oder sparsam orchestrierten Bürgerkriegssongs es ja auch in die Charts schaffte - hatte die C&W Musik das Thema schon für sich entdeckt. ➱White Mansions: A Tale from the American Civil War hieß das Album, das 1978 erschien. Drei Jahre später folgte Poco mit einem tie-in, das Blue and Gray hieß, aber die Musik dieser Band (die Robert Christgau einmal the most overrated underrated group in America nannte) war das übliche Gemisch aus Rock und Weichspüler. Wenn man nicht genau auf die Texte von Rusty Young hörte, merkte man gar nicht, dass dies etwas mit dem Civil War zu tun hatte.

In dem Schallplattencover steckte ein 28-seitiges Booklet, das von seinem Layout her, mit alten Photographien aus dem Bürgerkrieg und den neuen Texten dieser Civil War Opera, hervorragend gemacht war. Vier Stimmen und ein Chor schwarzer Sklaven (Rodena Prestons Voices of Deliverance) sprechen und singen die Geschichte vom Untergang des Old South: Waylon Jennings als The Drifter ist der Erzähler dieses epischen Stoffes. Seine Frau Jessi Colter sang eine Southern Belle, John Dillon (von Ozark Mountain Daredevils) einen Südstaaten Gentleman und Steve Cash einen Vertreter des white trash. Damit haben wir natürlich alle Südstaaten-Stereotype zusammen, aber stereotyp ist nichts an dieser Platte. Dies sind die Outlaws, die Nashville-Rebellen, die hier eine revisionistische, kritische Version der immer wieder gleichen Geschichte vortragen. Zeilen wie Southern pride - it's just stubborn blindness werden 1978 nicht jedem Amerikaner gefallen haben. Vielleicht auch heute noch nicht.

White Mansions ist ein concept album, es ist nicht das erste in der Geschichte der amerikanischen populären Musik. Wenn man so will, sind wahrscheinlich Woody Guthries Dust Bowl Ballads das erste concept album (auch wenn die Platten mehr wie eine Musikbegleitung zu Steinbecks Grapes of Wrath wirkten). Der Mann, der das Konzept für White Mansions hatte und alle Songs schrieb, war Paul Kennerley. Kein Texaner, ein Engländer aus London (vielleicht hat der auch Eric Clapton mitgebracht, der hier an Dobro und Slide Guitar zu hören ist). Er hat übrigens auch das concept album The Legend of Jesse James gemacht. Und war mal mit ➱Emmylou Harris verheiratet.

Man kann White Mansions auch als Kulturdokument des New South sehen. Auf jeden Fall weist der Professor ➱James C. Cobb aus Georgia der Country Music eine sinnstiftende Rolle bei der Neudefinierung der Südstaatenkultur zu. Erstaunlicherweise deutet er in mehreren Schriften auch die Figur des redneck zu einer positiven Figur um. Es verändert sich etwas im Süden. Das Bild, das uns der Engländer Alan Parker in Mississippi Burning gegeben hat, ist längst Vergangenheit. Die C&W Music wird eine wichtige Rolle in der Veränderung der Gesellschaft spielen. Natürlich wird es eines Tages auch einen Cowboy aus der Retorte wie Garth Brooks geben, aber es wird auch Alison Krauss und Lyle Lovett geben. All diese Bewegungen, denen man ein Etikett wie independent country, new country, progressive country, alternative country verpasst hat, werden Erben der Outlaw Bewegung sein.

Die Platte war übrigens damals kein Erfolg. Finanziell erfolgreich war Waylon Jennings mit I've Always Been Crazy und dem Duett-Album Waylon & Willie. White Mansions ist zu einem Sammlerstück geworden. Falls außer mir noch jemand eine besitzt: sie ist heute mehr wert als 1978. Natürlich gibt es sie inzwischen als CD. Ist aber nicht das selbe, das Booklet dieses Gesamtkunstwerks ist viel zu klein. White Mansions klingt auch heute immer noch gut. Es ist niemals larmoyant oder pathetisch, es ist zwar die Südstaatenversion des Bürgerkrieges, aber es ist nicht die Kitschversion wie Fackeln im Sturm.

Oh Dixie, hang your head and cry
You have seen so many children die
You had courage and you had pride
But the Union could never see your side, at all

Oh, oh, oh, not at all
Oh Dixie, now the land is scarred,
The States are bleeding
They're wounded and marred
Mister Lincoln isn't here to lend a hand
Now he's gone and bitter hate rules the land.
You're done

Oh, oh, oh Dixie, you're done
Oh Dixie, oh Dixie, now you're done
Oh Dixie, oh Dixie, oh Dixie, now you're done.
Oh Dixie, oh Dixie, oh Dixie, now you're done.

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