Freitag, 6. September 2013

Oradour


Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte hat ein deutsches Staatsoberhaupt die Zeit und den Mut gefunden, den Ort Oradour zu besuchen. Das ist dem Bundespräsidenten Joachim Gauck hoch anzurechnen. Der Ort Oradour und das Massaker sind in diesem Blog schon zweimal erwähnt worden. Zum einen, als ich über das Massaker von ➱Glencoe in Schottland schrieb, zum anderen in dem Post, der ➱Élysée Vertrag heißt. Der versetzt uns ins Jahr 1964. Nach Frankreich, wo der junge Fähnrich Jay seine Vorgesetzten vergeblich zu überzeugen versucht, dass vielleicht eine Kranzniederlegung in Oradour (anderthalb Autostunden von dem Militärlager La Courtine entfernt) ein schöner Akt wäre. Zumal wir damals die ersten deutschen Truppen nach 1945 in dieser Gegend waren.

Während der Bundespräsident in Frankreich der Opfer des SS Massakers gedachte, besuchte auf der anderen Seite des Rheins die Bundeskanzlerin Angela Merkel das Konzentrationslager Dachau. Sie erlebte dort einen sehr bewegenden Moment der Trauer und Scham. Das hat sie vom Blatt abgelesen. Es war eben nur ein Moment. Sieben Minuten später ist sie für eine Wahlkampfveranstaltung in Dachau im Bierzelt, wo ihre Anhänger schon Angie, Angie grölen. Und wo sie bayrisches Bier trinkt. Mir fällt dazu kein Schlusswort ein.

Kommentare:

  1. Wenn es keine Pose wäre,könnte sie dann Politikerin sein?
    Moralische Haltungen erörtere ich bei minima moralia( blogger.de)

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  2. Kann man bei dieser Gelegenheit echte Scham von jemandem erwarten, der sich seit Jahr und Tag öffentlich in schamlosester Weise opportunistisch zeigt und augenscheinlich nicht mehr ist als eine Selbstbehauptungsmaschine im miefigsten kleinbürgerlichen Gewand ohne jede Haltung, jeden Geist und Stil? Ich freue mich schon auf die bleiernen nächsten vier Jahre ...

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  3. Gibt es wirklich einen Politiker, der anders gestrickt ist?
    Ich habe die ein oder anderen erlebt, wie sie nicht öffentlich waren,PolitikerInnen, die viel Ehre ob ihrer Haltung einheimsten. Hinter der Bühne war klar, auch das ist Pose.

    Wer lange in diesem Geschäft ist,kann gar nicht mehr anders als posieren. Weil nur der Schein zählt( deswegen wird so sehr auf Diskretion geachtet, weil es nicht herauskommen soll)

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  4. Momentan fällt mir gar nichts ein außer: Stimmen die sieben Minuten?
    Oder: Ist BP Gauck kein Politiker? (Okay, nicht so wie A.M.)

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  5. Was wäre,wenn der persönliche Referent, der Fahrer, das Küchenpersonal reden würden?
    Wenn man die andere Seite erführe? Da würde wohl mancher Lack abblättern...
    Beim Dalai Lama ist wohl Vorder-und Rückseite einigermaßen deckungsgleich,aber wer ist schon wie der Dalai Lama...?

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