Freitag, 4. Januar 2019

Spezimatik


Uhren aus Glashütte hatten einen guten Ruf. Auf jeden Fall vor hundert Jahren. Aber nach dem Ersten Weltkrieg sah es in Glashütte traurig aus, beinahe alle Betriebe drohten in der Weltwirtschaftskrise unterzugehen. Dem von den Banken eigesetzten Dr Ernst Kurtz gelingt es, das Firmengeflecht neu zu ordnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er zuerst in Schwäbisch-Gmünd und dann in Ganderkesee (lesen Sie hier mehr) das erste deutsche Armbanduhrenwerk mit einer Breguetspirale zu bauen. Zu dieser Zeit existiert die berühmte Firma Lange noch und baut das Kaliber 28. Steine in Chatons und Glashütter Sonnenschliff auf dem Sperrrad, aber keine Stoßsicherung und keine Glucydurunruhe. Man hat keine Devisen, um diese Dinge in der Schweiz zu kaufen.

Kurz danach heißt alles GUB (Glashütter Uhrenbetriebe), und man baut das Kaliber 60 (das den Kalibern Kurtz 25 und UMF 2 in Brücken- und Platinenform ähnelt). Es gab das Werk mit und ohne Stoßsicherung. Das ist sicher noch Qualität, verglichen mit dem, was noch kommen wird. Und damit meine ich das zweite Automatikwerk der GUB, das den Namen Spezimatic bekommen wird.

Die Kaliber 74 und 75 sind sehr schlicht, man könnte auch sagen: sehr scheußlich. Das Werk war nicht das erste Automatikwerk aus Glashütte. Ab 1958 gab es schon das auf dem Rotor als Automat bezeichnete Kaliber 67. Ebenso scheußlich wie die Spezimatic. Das Werk hatte zuerst eine Incabloc Stoßsicherung, danach bekam es eine hauseigene Stoßsicherung. Auch der Name auf dem Zifferblatt veränderte sich, aus GUB wurde Glashütte.

Man muss die Uhr mögen, 3,5 cm im Quadrat, vergoldet. 14 Karat Golddouble steht auf dem Stahlboden. Made in Germany steht da auch noch. Dass sie wasserdicht ist, steht da auch. Das wurde mit einfachen, aber effektiven, Mitteln erreicht: das dicke Plexiglas hat einen Armierungsring, und Krone und Boden haben eine Gummidichtung. Auf dem Zifferblatt findet sich noch der Modellname Bison, eine Sonderedition der Spezimatik, die als unkaputtbar galt. Ich habe meine Spezimatik seit Silvester am Arm, das Erstaunliche ist, dass sie nach mehr als einem halben Jahrhundert sehr genau geht. Meine hat mich mal zehn Euro gekostet, heute muss man für dieses Modell schon richtiges Geld auf den Tisch legen.

Das Standardwerk zu den Armbanduhren aus Glashütte bleibt Kurt Herkner Glashütter Armbanduhren Band 2. Im Internet findet sich zu dem Thema Glashütte hier eine ganz vorzügliche Seite.

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